Der US-Plan für Libyen als Türöffner für Israel
Der Trump-Vertraute Massad Boulos
versucht, seine Initiative durchzusetzen, die eine Machtteilung zwischen dem
Haftar- und dem Dabaiba-Clan vorsieht. Für ihren Machterhalt sind die
Beteiligten bereit, Israel die Tür nach Libyen zu öffnen. Ein wichtiger Schritt
hierzu ist die Neubesetzung des Postens des Geheimdienstchefs.
Dies steht im klaren Widerspruch zu den Erwartungen der libyschen Bevölkerung,
die einen politischen Neubeginn mittels Wahlen anstrebt.
Die Lage in Libyen stellt sich als äußert komplex dar.
Die USA und ihr Plan für Libyen
Chaos und Korruption haben im failed state Libyen inzwischen ein solches Ausmaß erreicht, dass es für die ehemaligen Nato-Kriegsherren von 2011 kaum möglich ist, echte Profite aus dem Land abzusaugen. Für die USA gestaltet es sich schwierig, solange das Land unter der Kontrolle der Vereinten Nationen steht, an die eingefrorenen libyschen Vermögen zu gelangen und us-amerikanischen Firmen den Zugriff auf libysches Öl- und Gas zu ermöglichen. Dies bedeutet, die USA brauchen eine funktionierende und anerkannte Regierung.
Geostrategisch beabsichtigt Washington, den Einfluss und die Präsenz Russlands, das unter anderem im Süden Libyens Militärstützpunkte unterhält, soweit wie möglich zurückzudrängen, denn die südlichen Grenzen zu Sudan, Tschad und Niger stellen das Tor zu den subsaharischen, afrikanischen Ländern dar, in denen China und Russland ihren Einflussbereich immer stärker ausweiten.
Beherrschen die USA Libyen, könnten sie mit israelischer Hilfe nicht nur Einfluss auf die libyschen Nachbarstaaten im Osten (Ägypten) und im Westen (Algerien und Tunesien) ausüben, sondern auch die Kontrolle über die lange Mittelmeerküste, von der die Öl- und Gaspipelines nach Europa verlaufen, erlangen. Von dieser Küste legen auch die Migrantenboote in Richtung Italien und Griechenland ab. Somit sicherten sich die USA nicht nur die Kontrolle über die nach Europa führenden Pipelines, sondern auch über die Migrationsrouten.
Insbesondere um Russland zurückzudrängen ist AFRICOM, das us-amerikanische Generalkommando für Afrika, in Libyen aktiv, allerdings hauptsächlich in einer Beraterrolle. Die „Drecksarbeit“ soll vor Ort geleistet werden, und zwar mittels einer zu installierenden willfährigen libyschen Regierung und Militärführung, die unter Aufsicht von AFRICOM über geeinte Militärinstitutionen verfügt. Die direkte Kontrolle vor Ort könnte an die so weiter gestärkte Regionalmacht Israel übertragen werden.
Um diesen Plan durchzusetzen, ist seit geraumer Zeit der Trump-Vertraute und Schwiegervater von Trumps Tochter Tiffany, Massad Boulos, vor Ort aktiv. Er organisierte geheime Treffen zwischen den beiden, angeblich verfeindeten Clans. Im östlichen Libyen herrscht der gewalttätige Militär-Clan von Khalifa Haftar und seinen Söhnen mit Hilfe einer willfährigen Parallelregierung, während im Westen der Dabaiba-Clan aus der Stadt Misrata mit dem in Tripolis residierenden Premierminister Abdul Hamid Dabaiba tonangebend ist.
Massad Boulos‘ Plan sieht vor, dass beide Clans eine gemeinsame Herrschaft über Libyen ausüben. Hierbei sollte der Haftar-Sohn Saddam den jetzigen Vorsitzenden des Präsidialrats, Mohammed al-Menfi, ablösen und damit praktisch nicht nur das Präsidentenamt, sondern auch das Oberkommando über eine vereinte libysche Streitmacht übernehmen. Es spielt dabei keine Rolle, dass Saddam Haftar nicht über die geringste militärische Qualifikation verfügt, außer, dass er von seinem Vater zum Stabschef der östlichen Bodentruppen ernannt wurde. Das Kommando übernähme sowieso AFRICOM.
Daneben ist vorgesehen, dass der jetzige Premier der Tripolis-Regierung, Abdul Hamid Dabaiba, sein Amt behält. Hinter den Kulissen wird um Einfluss und Posten gefeilscht und geschachert. Wahlen sind beim Boulos-Plan zweitrangig und rücken bestenfalls in sehr weite Ferne.
Das auf einer Aufteilung der Ämter zwischen den beiden Konfliktparteien in Libyen basierende Boulos-Abkommen könnte einen der autoritärsten und gewalttätigsten Akteure stärken, wobei beide Lager beabsichtigen, die Macht nicht wieder abzugeben, sondern diese innerhalb ihrer Clans weiterzuvererben.
Daneben verfolgt Massad Boulos eindeutig eigene wirtschaftliche Interesse und ist tief in fragwürdige Ölgeschäfte verstrickt. Das US-Magazin Tablet schreibt: Die Rolle, die Boulos in Libyen spielt, ist keine neutrale Diplomatie, sondern die eines geschäftlichen Mittlers, der seine Position nutzt, um ein komplexes Netz von Interessen zu bedienen, darunter familiäre, die seine Schwiegertochter und seinen Sohn umfassen.“
Die komplexe Lage
Gegen diesen Boulos-Plan stemmen sich einerseits alle Kräfte, die von der jetzigen Situation der Spaltung von Regierung und Institutionen profitieren und ihren eigenen Macht- und Einflussbereich sowie ihre Pfründe verlieren könnten. Dazu zählen das Parlament, der Präsidialrat und der Staatsrat, denen mittlerweile aber von us-amerikanischer Seite schon Zusagen gemacht wurden. Neben mächtigen Milizen und Stammesverbänden im westlichen Libyen rief auch Misrata als die wohl in Libyen einflussreichste Stadt zum Widerstand gegen die Boulos-Initiative auf, ebenso wie der Moslembruder und Mufti von Tripolis al-Gharyani. Sogar innerhalb des Dabaiba-Lagers kommt es zu Machtkämpfen, so zwischen dem Sohn von Abdul Hamid Dabaiba, Mohammed, und seinem Neffen Ibrahim.
Ein Treffen Ende Juni 2026 zwischen Vertretern der beiden Clans in Washington, an dem Saddam und Belgasem Haftar teilnahmen, gilt als gescheitert. Ein Abkommen kam nicht zustande.
Alle aktuell maßgeblichen Kräfte versuchen, sich für eine eventuelle Neuverteilung der Macht möglichst gut zu positionieren, um ihre bisherigen Pfründe und Positionen nicht zu verlieren. Durchsetzen werden sich diejenigen, die glaubhaft mit ihrer Befähigung drohen können, im Falle ihrer Nichtbeachtung Politik und Staat zu lähmen.
Andererseits gibt es die überwältigende Mehrheit der libyschen Bevölkerung, bei der das Ansinnen, dass sich ausgerechnet die beiden korruptesten Clans Libyens die Macht teilen könnten, pures Entsetzen auslöst. Befürchtet wird auch, dass diese Machtteilung keineswegs friedlich verlaufen werde, sondern erneut in militärischen Auseinandersetzungen münden könnte, eine neue und verschärfte Teilung des Landes sowie die Verschiebung von Wahlen auf den Sanktnimmerleinstag zur Folge hätte.
So rief nicht nur die Bewegung Wille
des Volkes die Libyer zu Demonstrationen auf. Die Slogans lauten: „Nein zum
verdächtigen Boulos-Deal der Machtteilung zwischen den beiden Clans; Nein zu
den unverhohlenen ausländischen Einmischungen in unsere inneren
Angelegenheiten; Nein zur Manipulation des Geheimdienstes. […]
Wir fordern den Abzug aller ausländischen Truppen und Söldner aus Libyen und
die Wiedererlangung der vollen Souveränität, Würde, Ehre, Unabhängigkeit sowie
der lokalen, regionalen und internationalen Stellung Libyens.
Es muss daran gearbeitet werden, eine libysche Lösung mittels des nationalen
Willens durchzusetzen. Es müssen unverzüglich Wahlen abgehalten werden.“
Der Friedens- und Sicherheitsrat der Afrikanischen Union bezog eindeutig Stellung auf Seiten der libyschen Bevölkerung und solidarisierte mit dem Bestreben des libyschen Volkes, Frieden, Sicherheit und Stabilität wiederherzustellen. Er bekräftige sein Engagement, den von Libyen getragenen politischen Prozess weiterhin zu unterstützen, um Wahlen zu ermöglichen.
Alle Parteien wurden nachdrücklich aufgefordert, die Charta für Frieden und nationale Versöhnung anzunehmen, und die Einrichtung eines Obersten Rates für Frieden und Versöhnung zu unterstützen.
Der Fahrplan der Vereinten Nationen
Offiziell steht Libyen immer noch unter UN-Aufsicht. Da sich das Parlament und der Staatsrat bisher nicht auf eine Einigung bezüglich eines Fahrplans für Wahlen und die Besetzung einer Wahlkommission einigen konnten, berief die UN-Sondermission für Libyen unter der Leitung von Hannah Tetteh zur Überwindung des politischen Stillstands einen sogenannten Mini-Dialog 4plus4 ein, dessen Teilnehmer aus je vier handverlesenen Mitgliedern des Parlaments und des Staatsrats bestehen. Im Gegensatz zum Boulos-Plan sah die UN-Initiative zuerst die Abhaltung von Wahlen vor, aus denen dann die Regierung hervorgehen soll.
Der UN-Plan und der Boulos-Plan haben sich zwischenzeitlich angenähert und sehen sich nicht mehr als Gegensatz, sondern als Ergänzung. Beispielsweise beschloss das 4plus4-Dialogkomitee nur noch die Durchführung von Parlamentswahlen und nicht mehr die gleichzeitige Abhaltung von Präsidentschaftswahlen.
Beobachter gehen davon aus, dass die Lager, die die Boulos-Initiative unterstützen, es nicht zulassen werden, dass die UN-Mission die von ihr gewünschten Gesetze und ihre Wahlkommission durchbringt.
Der libysche Geheimdienst und die Israel-Connection
Große Empörung rief die gegen alle politischen Abmachungen verstoßende Absetzung des Geheimdienstchefs Hussein al-Ayeb durch den Präsidialratsvorsitzenden Mohammed al-Menfi und die anschließende Ernennung des Geschäftsmanns Abdel Madschid Maliqata zum neuen Leiter des Geheimdienstes hervor. Das Präsidialratsmitglied Musa al-Koni legte sofort formell seinen Widerspruch gegen diese Entscheidung ein.
Gegen die Ernennung von Maliqata spricht vieles. Nicht nur seine mangelnde Qualifikation für diesen hochsensiblen Job, sondern insbesondere seine Nähe zu Israel, belegt durch seine Vermittlerrolle beim berüchtigten Israel-Libyen-Treffen 2023, das zur Entlassung der damaligen Außenministerin Nadschla Mangusch führte.
Bisher widersetzt sich der bisherige Geheimdienstchef al-Ayeb seiner Absetzung und hält mit Unterstützung von al-Koni und seinen Offizieren die Stellung.
Während der Premierminister Abdul Hamid Dabaiba umgehend die Ernennung von Maliqata unterstützte, da er sich mit einem Israelfreund an der Spitze des libyschen Geheimdienstes die Gunst des US-Präsidenten erkaufen will, herrscht nicht nur bei der libyschen Bevölkerung, sondern auch bei politischen Parteien und Aktivisten, blankes Entsetzen. Es herrscht die Befürchtung, dass nun auch eine Spaltung des libyschen Geheimdienstes droht.
Geopolitik
Langsam zeichnen sich die Konturen der us-amerikanischen Vorstellungen bezüglich Libyen klarer ab. So könnte Israel als bedeutendste Regionalmacht über den libyschen Geheimdienst weit über Libyen hinausgehenden Einfluss ausüben, während das geeinte libysche Militär unter AFRICOM-Führung als Stellvertreter gegen die russische Präsenz in Libyen vorgeht. Damit hätten die USA nicht nur die libyschen Erdöl- und Erdgasressourcen sowie weitere wichtige Rohstoffe unter ihre Kontrolle gebracht, sondern auch deren Verteilwege. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass bereits jetzt ukrainisches Militär im westlichen Libyen aktiv ist.
Der Machtverbleib jeder libyschen Marionettenregierung scheint an ihr devotes Verhalten gegenüber den USA und an ihre Bereitschaft, mit Israel Abkommen zu schließen, gekoppelt zu sein. Israel könnte anschließend mittels des exzellenten nachrichtendienstlichen und sicherheitspolitischen Standort Libyen im Sinne eines Groß-Israels gegen die beiden verbliebenen arabischen Mächte in Nordafrika, Ägypten und Algerien, vorgehen.
Auf Zutun Washingtons wurde überraschend Pakistan zum Vermittler in Libyen bestellt. In dieser Rolle bemüht es sich, die rivalisierenden Fraktionen zu vereinen. Gleichzeitig verkaufte Pakistan trotz des verhängten Waffenembargos Waffen im Wert von über vier Milliarden US-Dollar an das ostlibysche Haftar-Militär, das bisher vor allem über russische Militärtechnik verfügte.
Es stellt sich nun die interessante Frage, ob die Türkei, die im westlichen Libyen eine militärische Vormachtstellung aufgebaut hat, mit den USA und Israel kooperieren oder ob Ankara versuchen wird, sich als Regionalmacht, die in Konkurrenz zu Israel steht, zu behaupten.
Russland und China ihrerseits werden im UN-Sicherheitsrat keine Beschlüsse zu Libyen abnicken, die ihren eigenen Interessen zuwiderlaufen.
Aufgrund der Komplexität der Situation in Libyen scheint es nach wie vor unwahrscheinlich, dass der Boulos-Plan aufgehen kann, auch wenn mit allen Mitteln und rücksichtslos gegenüber dem libyschen Volk an seiner Verwirklichung gearbeitet wird.
Fathi asch-Schibli, Vorsitzender der Partei Stimme des Volkes, stellt die berechtigte Frage: „Libyen besteht nicht nur aus zwei Clans. Wo bleiben die Millionen Libyer, die für Demokratie und friedlichen Machtwechsel eintreten?“
—
Die Geschehnisse im Einzelnen
Libyscher Geheimdienst und Israel-Connection
Der Geheimdienstchef Hussein al-Ayeb wurde vom Präsidialratsvorsitzenden al-Menfi trotz des Widerspruchs des Präsidialratsmitglieds al-Koni abgesetzt und durch Abdul Madschid al-Maliqata ersetzt, dem gute Verbindungen zu Israel nachgesagt werden.
+ Das erstinstanzliche Gericht von Nord-Bengasi erklärte die Entlassung von Hussein al-Ayeb als Leiter des Geheimdienstes und der Ernennung von Abdul Madschid Maligata durch al-Menfi für nichtig.
+ Das erstinstanzliche Gericht von
Süd-Tripolis lehnte den im Eilverfahren gestellten Antrag auf
Aussetzung der Beschlüsse von al-Menfi bezüglich des libyschen
Geheimdienstes ab.
Abdul Madschid Maliqata werde seine Aufgaben als Geheimdienstchef
gemäß den geltenden Beschlüssen des Präsidialrats weiterhin ausüben.
+ Der Sozialrat von Suk al-Dschumaa erklärte seine Unterstützung für das Präsidialratsmitglied Musa al-Koni, der den Beschluss des Präsidialratsvorsitzenden al-Menfi bezüglich der Entlassung und Ernennung des Geheimdienstchefs ablehnt.
+ Mohammed Schuaib al-Mirdas (ehemaliger Botschafter): Hussein al-Ayeb und die Offiziere des Geheimdienstes werden den libyschen Geheimdienst nicht übergeben. Der Besuch des maltesischen Geheimdienstchefs habe klar gezeigt, dass man nur mit Hussein al-Ayeb zu tun haben will. Die Geheimdienste wollten eine vertrauenswürdige Person, mit der sie Informationen austauschen können.
+ Musa al-Koni machte seine Teilnahme an Präsidialratssitzung am 15. Juli davon abhängig, dass Mohammed al-Menfi die Aufhebung der Beschlüsse zur Absetzung/Ernennung von Geheimdienstleitern auf die Tagesordnung setzt, da sie ohne seine Zustimmung erfolgt seien. Es müssten die Ursachen des bestehenden institutionellen Konflikts angegangen werden.
+ LibyaPress:
In der Nacht zum 16. Juli stürmten Bewaffnete ein Hauptquartier des
Geheimdienstes namens al-Matbaa, das immer noch unter dem
Kommando von Hussein al-Ayeb steht, und verschleppten die Mitarbeiter,
deren Gesichter verhüllt wurden.
Anschließend seien alle Unterlagen und Archivbestände aus dem Gebäude
entfernt worden.
Kommentare:
+ Dschalal
Harschaui (Libyenexperte): Die Entwicklungen rund um die Besetzung
der Stelle des libyschen Geheimdienstchefs könnten zu einer Explosion der
Sicherheitslage in Tripolis führen.
Al-Ayeb habe sich Gegnern des Dabaiba-Clans angenähert und engere
Beziehungen zu den bewaffneten Gruppen in az-Zawiya und zur Deterrence
Force am Maitiga-Flughafen (Tripolis) geknüpft.
Al-Ayeb habe seit 2023 einen direkten Kommunikationskanal zum Haftar–Clan
und zu Agila Saleh und daher sei er für den Dabaiba-Clan nicht mehr
vertrauenswürdig.
+ Abdul Basit
al-Gadi (libyscher Sicherheitsrat): Veränderungen wie jene in der Führung
des libyschen Geheimdienstes werden in einem Land, das wie Libyen
unter internationaler Aufsicht steht, selten ohne regionale
und internationale Absprachen vorgenommen, sondern sie erfolgen im Rahmen
politischer Arrangements, da der Geheimdienst als zentrale
Institution des Machtgefüges gilt. Die Überlebensfähigkeit der
Dabaiba-‚Regierung‘ soll gestärkt und ihr Einfluss im Westen
Libyens erhöht werden.
Das wahrscheinliche Szenario ist eine Spaltung des Geheimdienstes
in zwei Einheiten; eine, die von Tripolis aus, und die
andere, die von Bengasi aus operiert.
Diese systematische Zersplitterung der staatlichen Institutionen drohe, alle
echten Bemühungen um Stabilität zu untergraben.
+ As-Senussi Ismail: Der Übergang von einer militärischen zu einer zivilen Person an der Spitze des Apparats kann nur mit dem Kampf um Posten erklärt werden. Der Apparat steht außerhalb der Kontrollgewalt und hat große Souveränitätsbedeutung, und seine Spaltung wird große Schatten auf die Struktur des Staates werfen.
+ The
Geopolitical Desk: Der Streit um die Besetzung des Postens des
libyschen Geheimdienstchefs hat die tieferen politischen Risse
offengelegt, die die kommende Phase prägen werden. Als am 28.
Juni der Vorsitzende des Präsidialrats Mohammed al-Menfi die Ernennung
des Geschäftsmanns Abdel Madschid Maliqata zum neuen Leiter des Geheimdienstes
bekanntgab, legte das Präsidialratsmitglied Musa al-Koni sofort formell
seinen Widerspruch gegen diese Entscheidung ein. Er sei bei der Sitzung
abwesend gewesen, und laut dem Politischen Abkommen von Genf erfordere
diese Entscheidung Konsens innerhalb des Präsidialrats. Parlamentspräsident
Agila Saleh lehnte die Ernennung ebenfalls ab, sodass
die Legitimität der Ernennung Maliqatas ernsthaft infrage gestellt ist.
Abdul Hamid Dabaiba möchte seine Position vor möglichen
politischen Veränderungen stärken.
Maliqatas umstrittene Vergangenheit – einschließlich der Vorwürfe
bezüglich seiner Vermittlerrolle in Bemühungen beim Israel-Libyen-Treffen
2023, das zur Entlassung der damaligen Außenministerin Nadschla
Mangusch führte – macht die Ernennung zudem heikel.
Der Kampf um die Besetzung des Postens des Geheimdienstchefs sei zu
einem Test für Libyens fragile Institutionen geworden, zeige die Spaltungen
innerhalb des Präsidialrats und die Spannungen im Dabaiba-Lager
ebenso wie den wachsenden Druck rund um jede zukünftige politische
Einigung zwischen Ost und West.
+ LibyaPress:
Baschir al-Amin, der ehemalige stellvertretende Innenminister in der
Dabaiba-‚Regierung‘ (2021-2025) strebt die Rückkehr in die Regierung an,
indem er die Leitung des Inlandsgeheimdienstes übernehmen möchte.
Um dafür Unterstützung zu erhalten, rief er zu einem Treffen im Suk
al-Dschumaa auf. Al-Amin gelte als für in seiner Amtszeit gescheitert.
Zudem habe die Leistung des Inlandsgeheimdienstes nach der Entlassung von
Lotfi al-Harrari eine deutliche Verbesserung erfahren und arbeite
nun mit bemerkenswerter Professionalität ohne jegliche Verstöße.
Boulos-Plan
Der Trump-Vertraute Massad Boulos versucht, seine Initiative durchzusetzen, die eine Machtteilung zwischen dem Haftar- und dem Dabaiba-Clan und insbesondere eine Vereinigung der Militärinstitutionen vorsieht.
+ As-Sadiq
al-Gharyani (Mufti von Tripolis/Moslembruder): Der Besuch von Massad
Boulos in Misrata hätte verhindert werden müssen und die
Einwohner hätten ihn nicht empfangen dürfen.
Boulos Wahlversprechen seien wertlos. Er habe zwei
Vorgehensweisen gezeigt, um das Abkommen um jeden Preis durchzusetzen:
Zum einen Normalisierung, Einbindung, Zähmung des Militärs, wie
bei den Militärübungen mit AFRICOM in Sirte vorgeführt.
Der andere Ansatz bestehe darin, über dubiose Seiten, die von jüdischen
Agenten mit Millionen finanziert werden, Gerüchte zu verbreiten,
um den Libyern vorzugaukeln, dass das Abkommen auf jeden Fall
zustande komme, weil die USA dahinterstehen.
Al-Gharyani:
Dabaiba und seine Regierung müssen sich vom Boulos-Deal
distanzieren, denn er wird weder ihnen noch Libyen nützen, ansonsten
schaufelten sie ihr eigenes Grab. Boulos stelle ihnen eine Falle,
in die sie nicht tappen dürften.
Die Menschen dürften diesen Deal nicht akzeptieren, denn es gehe
um ihr Schicksal und das Schicksal ihrer Kinder. Das Volk
müsse die Wahrheit mit feurigen Äußerungen zum Ausdruck bringen.
„Die Lösung, mit der alle einverstanden sind, sind Wahlen und
eine Verfassung, was uns die Amerikaner und der Westen verwehren,
denn sie wollen uns unserer Entscheidungsfreiheit und unserer Souveränität
berauben; wenn sie wirklich Stabilität wollten, hätten sie uns zu
Wahlen drängen müssen.
Die USA verschwören sich gegen uns, belügen uns, täuschen
uns und intrigieren gegen uns.“
+ Honoratioren und
Führer von Zintan lehnten die Boulos-Initiative und die Logik
dieser Deals ab, die außerhalb des nationalen Willens entworfen
wurden, sowie die Durchsetzung des Status quo mit Waffengewalt.
Gewarnt werde vor steigendem Druck, um Projekte durchzusetzen,
die ein Machtmonopol begründen, die staatlichen Institutionen
militarisieren, legitime Institutionen untergraben und den nationalen
Willen umgehen.
„Wir rufen alle Stämme, sozialen und nationalen Kräfte dazu auf, sich zusammenzuschließen,
um allen Projekten gegenüberzutreten, die die Einheit des Landes
bedrohen.“
+ Nachdem Honoratioren der Stadt Zintan ihre Unterstützung für den Boulos-Plan erklärten, sagte Anas az-Zaydani: Es wäre ihnen besser angestanden, den Verrat an Saif al-Islam Gaddafi zu verurteilen, der sich unter ihrem Schutz befand.
+ Die Gemeinde Zintan
distanzierte sich von den Unterstützern des Boulos-Deals: Keine
Erklärung ist gültig, es sei denn, sie wird auf der offiziellen
Seite der Gemeinde Zintan veröffentlicht.
Der einzige und legitime Vertreter der Stadt Zintan sei der Rat der
Stämme von Zintan und der gewählte Gemeinderat. Gegen jede Gruppe
oder Person, die Erklärungen ohne Zustimmung des Rates der Stämme von
Zintan und des Gemeinderats abgebe, würden rechtliche Maßnahmen
ergriffen.
Der Gemeinderat stehe zur Einheit des libyschen Territoriums und
zur Durchführung von Präsidentschafts- und Parlamentswahlen.
+ Oberste Rat der
Scheichs und Ältesten des Fessan: Der Erfolg jeder Initiative
hängt von ihrem Ausmaß an Inklusion aller Bevölkerungsgruppen des
Vaterlandes ab, sowie von einer echten und gerechten Beteiligung der Region
Fessan, die über Jahrzehnte hinweg unter Marginalisierung
litt.
Es sei unerlässlich, die Einheit Libyens und ihre Souveränität zu
wahren und jede Form der Teilung abzulehnen, sowie daran zu
arbeiten, die staatlichen Institutionen auf einer gerechten
nationalen Basis zu vereinen.
Es müsse eine gerechte Vertretung der Region Fessan in allen staatlichen
Institutionen gewährleistet werden und es dürften keine schicksalsschweren
Entscheidungen, die das Land betreffen, ohne die Beteiligung der
Vertreter des Südens getroffen werden.
„Wir fordern ein Entwicklungsprogramm für den Fessan, eine verbesserte
Infrastruktur, die die Versorgung mit Strom und Wasser,
Gesundheitsdienste, Bildungseinrichtungen, Straßen und Kommunikationsdienste
umfasst.“
Es müsse sichergestellt werden, dass der Fessan seinen ihm zustehenden Anteil
an Entwicklungs- und Investitionsprojekten erhalte.
„Wir fordern die Schaffung geeigneter Bedingungen für die Durchführung
freier Wahlen auf der Basis einer vereinbarten verfassungsrechtlichen
Grundlage, die dem libyschen Volk ermöglicht, seine Führung durch
freien Willen zu wählen.“
+ Die Einwohner und Honoratioren der
Warfala-Stämme verurteilten den Besuch von Massad Boulos
in der Stadt Misrata.
Es habe sich gezeigt, dass der Strukturierte Dialog der UN-Mission,
nichts als politisches Spiel und Zeitverschwendung war.
+ Das Nationale
Forum von Fessan erklärte seinen Widerstand gegen den Boulos-Plan.
Jede zukünftige politische, verfassungsrechtliche oder Übergangsregelung
sollte auf dem Prinzip der Gleichheit zwischen den Regionen basieren,
die den Staat begründet haben.
Der Aufbau eines nachhaltigen Friedens in Libyen könne nur durch
einen inklusiven politischen Prozess erreicht werden, der auf nationaler
Legitimität basiert, die Wurzeln der Krise angeht und eine ausgewogene
Beteiligung aller Regionen gewährleistet.
+ Der Militärrat der
Gharyan-Rebellen lehnt die Boulos-Initiative zur Vereinigung der
Streitkräfte und zur Machtteilung zwischen den beiden Clans ab.
„Wir lehnen die Einbindung von Söldnern und ausländischen Elementen in die
militärische Institution ab. Die Vereinigung der Armee muss durch
reine nationale Willensbildung erfolgen, fernab jeglicher externer
Einmischungen.“
+ Aschraf
asch-Schah (Politberater): Tripolis (Dabaiba) wird den Deal nicht
vorantreiben, da die Opposition dagegen zu groß ist – trotz
der Zugeständnisse, die die andere Partei (Haftar) während
der Malta-Treffen machte, indem sie auf den Vorsitz des Generalstabs
und die Teilung des Amts des Oberbefehlshabers verzichtet.
Tripolis habe Boulos klar gemacht, dass die Druckmittel gegen
sie zu groß seien. Sie spielten auf Zeit, der diesen Deal in
die Versenkung verschwinden lassen könnte.
Boulos versuche zu retten, was von diesem Deal zu retten ist, und
sei deshalb nach Misrata gereist, obwohl er wusste, dass dort die
Opposition stark ist.
Boulos müsse verstehen, dass sein Plan nicht zum Erfolg führen
wird. Er habe versucht, die US-Administration zu nutzen und angekündigt,
dass Trump das Abkommen unterzeichnen werde. Hinter den Kulissen
drohte er mit us-amerikanischen Sanktionen und dem Einfrieren der
Gelder von jenen, die seinen Deal ablehnen. Bisher habe dies nicht
funktioniert.
+ Dschibril Ohida (Parlamentarier): Wir wollen,
dass die Boulos-Initiative in die Tat umgesetzt wird, und sei es mit
Gewalt, um unseren Westen zurückzuerobern, der von den Tripolis-Milizen
besetzt wurde.
Die Zentralbank und die Ölgesellschaft müssten aus Tripolis
verlegt werden.
„Was vor uns liegt, ist entweder ein vereintes Libyen, in dem die Blockierer
gestürzt werden, oder die Abspaltung und die Gründung eines Staates in
den befreiten Gebieten.“
+ Salah Badi
(Kommandeur Widerstandsbrigade): Libyen durchlebt eine schwere Zeit,
und zwei Clans spielen mit seinem Schicksal und setzen das Land
durch den zionistisch-freimaurerischen Schurken Massad Boulos der Schande aus.
Die UN-Mission unterstütze die Verbrecher und habe den Keim für
Korruption, Spaltung und Zwietracht gelegt.
Libyen werde von einem jungen Mann und einem Regierungschef
regiert, die nicht wüssten, wo oben und unten ist; sie belügten
das Volk, plünderten dessen Reichtümer und transferierten das
Geld auf Konten im Ausland.
Diese beiden Clans zerstörten Libyen und begingen eine Schande,
wie es dies zuvor noch niemals gegeben habe. Sie öffneten den Staaten,
die die Reichtümer des Landes rauben, Tür und Tor, und machten
Libyen zur Beute.
„Diese Jungspunde haben weder Stolz noch Ehre, weder Glauben
noch Anstand noch Menschlichkeit; sie denken nur an Geld und
Diebstahl.“
+ Mohammed Bouisir (Politberater): Die Boulos-Initiative ist ein großer us-amerikanischer Plan, der auf die Ölvorkommen abzielt und die Erhöhung der Sicherheit Israels durch die Erweiterung der Abraham-Abkommen sowie die Missachtung demokratischer Wert zur Folge hat.
+ Khaled
al-Mischri: Die Erfahrung mit dem Boulos-Deal beweist, dass es in
der us-amerikanischen Praxis keinen Platz für die sogenannte Demokratie
gibt, wenn sie deren Interessen widerspricht.
Sollte der Deal erfolgreich sein, würden bald die Interessen der
beiden Clans kollidieren und das Land in eine folgenschwere Lage bringen.
Al-Mischri:
Die Lösung der Krise liegt in Wahlen und nicht in der
Boulos-Initiative.
Die Wahrheit, die nicht von allen anerkannt wird – einschließlich der
UN-Mission – ist, dass das Parlament und der Staatsrat Wahlgesetze
auf der Grundlage einer anwendbaren Verfassungsänderung verabschiedet
haben.
Es gebe eine fertige Lösung, nämlich die schnellstmögliche
Durchführung von Wahlen auf der Grundlage der Gesetze, auf die sich der
6+6-Ausschuss geeinigt hat, sowie die Beendigung der Übergangsphase
und der Spaltung.
Al-Mischri:
Die Boulos-Initiative lässt einen noch heftigeren Konflikt
erwarten, als ihn Libyen derzeit erlebt, da sie wichtige Akteure aus dem
Geschehen ausschließt
Zudem sei die Verteilung der Befugnisse unausgewogen und die Zuständigkeiten
stünden in keinem Verhältnis zur tatsächlichen Lage.
+ Faisal
asch-Scharif: Die Boulos-Initiative ist ein Fake, und alle
damit verbundenen Angelegenheiten werden in einer bestimmten Phase
zum Stillstand kommen.
Es werden Zugeständnisse angeboten, die nicht zu erfüllen sind.
Auch die Clans werden sich, entgegen ihrer Behauptungen, nicht
einigen.
+ Fathi
asch-Schibli (Partei Stimme des Volkes): Man sollte die us-amerikanische
Fähigkeit, in Libyen seine Agenda durchzusetzen, nicht
unterschätzen, insbesondere da beide Lager von diesem Deal profitieren.
Die US-Regierung sehe in Libyen eine wichtige petrochemische
Zukunft und einen vielversprechenden Markt, den es zu erobern gilt.
Die aktuelle US-Regierung erkenne das Völkerrecht nicht an und nicht
das Recht der Völker auf Selbstbestimmung. Man erinnere sich an Venezuela.
„Libyen besteht nicht nur aus zwei Clans, wo bleiben die Millionen Libyer,
die für Demokratie und friedlichen Machtwechsel eintreten?“
+ Mohamboumed
Bouisier (Politberater): Die Normalisierung des Verhältnisses mit dem
Besatzungsstaat Israel ist der Preis, den die beiden Seiten
(Dabaiba und Haftar) dafür bezahlen müssen, dass sie durch die
Boulos-Initiative an der Macht bleiben – nachdem Libyen in der
Gaddafis-Ära am feindlichsten von allen Staaten Israel gegenüberstand.
Dies stelle für Israel einen großen Sieg dar, der eine psychologische
Barriere durchbreche. Und sie öffne Israel den langen Küstenstreifen
und die Gasvorkommen in den Grünen Bergen als Ergänzung zu den eigenen
Gasvorkommen
Das libysche Öl sei für israelische Unternehmen wichtig, außerdem
sei Libyen das Tor zu Afrika.
Am wichtigsten aber sei für Israel, dass Libyen ein exzellenter
nachrichtendienstlicher und sicherheitspolitischer Standort ist, von dem
aus es gegen die beiden verbliebenen arabischen Mächte Ägypten und Algerien
vorgehen kann.
+ Al-Arab
(London): Die Stimmen gegen die Initiative der US-Regierung wurden lauter,
und es zeichnete sich eine deutliche Abstimmung zwischen den militärischen,
politischen und gesellschaftlichen Kräften in den Städten an der
Westküste ab.
Die Lage spiegle den Kampf um Macht und Geld wider zwischen denen,
die an ihren Privilegien festhalten, und denen, die eine Vereinigung
der Institutionen anstreben, während die Lösung weiterhin vom
internationalen Willen abhängt.
Es überschneiden sich politische und stammesbezogene Interessen
mit denen der Haftar-Erben und denen der Februar-‚Revolutionäre‘.
Die Machthaber in Tripolis hätten außergewöhnliche Anstrengungen
unternommen, um Wahlen, Versöhnung und die Vereinheitlichung der
Institutionen zu verhindern.
Unter den jetzigen Machthabern seien einige der Ansicht, es sei besser,
nur einen Teil des Landes zu regieren, als dies zugunsten jener Kräfte
aufzugeben, die das Land zu Souveränität und Einheit führen wollten.
Allerdings brauche Libyen eine politische Elite, die an
das höhere nationale Interesse glaubt, es verteidigt und sich
dafür opfert, ebenso wie eine unnachgiebige Haltung der internationalen
Gemeinschaft, die sich in einer Resolution des UN-Sicherheitsrates
zeigt, die Sanktionen gegen jeden verhängt, der die Lösung behindert
und an der Macht festhält.
+ Ascharq al-Awsat:
Es gibt eine Tendenz, anstatt Tripolis Sirte zur Hauptstadt zu
machen, um die Abneigung gegen Saddam Haftar als Präsidialratspräsident,
wie vom Boulos-Plan vorgesehen, zu überwinden, während Abdul Hamid
Dabaiba Regierungschef bleibt.
Es könnte noch in dieser Woche ein Treffen zwischen Saddam Haftar, Khalid
Haftar, Salah an-Namrusch und Abdul Salam az-Zubi stattfinden.
Das gemeinsame Auftreten von Salah an-Namrusch und Khaled Haftar am 2.
Juli bei der Konferenz der Stabschefs der afrikanischen Verteidigung in
der angolanischen Hauptstadt Luanda, hat Spekulationen über den Druck
der us-amerikanischen Bemühungen zur Vereinigung der libyschen
Militärinstitution ausgelöst.
+ Le Monde:
Die USA bemühen sich nach Kräften, Libyen die Boulos-Initiative
zur Machtteilung zwischen den beiden Hauptparteien aufzuzwingen,
wobei die Details weiterhin streng vertraulich bleiben.
Der Besuch von Boulos in Libyen sei ein diplomatischer
Marathon gewesen, bei dem er den Verantwortlichen die Hände schüttelte
und Fotos in Tripolis und Bengasi knipste.
+ MiddleEastMonitor
(GB): Massad Boulos erscheint als einsamer Rufer in der Wüste. Die
Krise in Libyen könne nicht allein zwischen denen gelöst werden,
die Waffen tragen.
Die USA beschränkten sich aus sicherer Distanz darauf, Spannungen
zu managen, Frontlinien zu überwachen und den Rhythmus zu steuern,
ohne Verantwortung zu übernehmen und die streitenden Fraktionen zu
einer echten Einigung zu drängen.
Die Treffen der rivalisierenden Parteien fänden außerhalb Libyens
statt, wo sie nicht als Partner agierten, sondern mit der Überzeugung,
dass die Lösung woanders liegt.
Das Malta-Treffen sei nichts anderes als ein weiteres Glied in
einer lange Kette externer Konferenzen, welche die Krise
reproduzieren, weil die Teilnehmer nicht bereit sind, auf die Kontrolle
über Territorien, ihre bewaffneten Kräfte, den Zugang zu
Ressourcen und die Legitimität zu verzichten.
Die USA strebten keine endgültige Lösung für die libysche Krise
an, sondern ihre Verwaltung, denn den Konflikt nur einzudämmen,
verhindere zum einen den Gesamtkollaps, erhalte andererseits den USA
aber die Fähigkeit, auf Energieflüsse, Migrationsrouten
und regionale Gleichgewichte einzuwirken, ohne einen Staatsaufbau
leisten zu müssen.
Boulos Spruch von einer „institutionellen Vereinigung“ sei reines
Gerede, ohne auf die zentralen Fragen einzugehen: Wer wird
den Preis der Vereinigung bezahlen? Wer wird auf seine Macht
über Territorien verzichten? Die klare Antwort laute: Niemand.
Jede externe Initiative, sei sie us-amerikanisch oder eine andere,
werde in einem Teufelskreis stecken bleiben, solange die „rivalisierenden
libyschen Brüder“ nicht einsehen, dass die Ära persönlicher und
regionaler Privilegien vorbei ist. Die Zersplitterung Libyens halte
das Land offen für ausländische Interventionen
+ Middle East
Online (GB): Die Boulos-Initiative ist näher an der Verwaltung
wirtschaftlicher und sicherheitspolitischer Interessen als an einem Projekt
zum Aufbau des Staates.
Einige sehen im Boulos-Plan die Sicherung us-amerikanischer
Interessen in einem Land, das eine der wichtigsten Energiequellen
und strategischen Einflussorte in Nordafrika darstellt.
Der Plan könnte zu einer neuen Version der Krise führen, da sie
dem sicherheitspolitischen und administrativen Stabilität Vorrang
einräumt auf Kosten der politischen Legitimität und den Prozess der
Vereinigung der Institutionen in eine Umorganisation der
Machtverhältnisse verwandelt, anstatt einen Staat auf Basis von
Rechenschaftspflicht und Wahlen aufzubauen.
Der im Umlauf befindliche Zeitplan der Initiative verstärke die Bedenken,
da er von der Bildung einer Einheitsregierung im Dezember 2026 und der Durchführung
von Parlamentswahlen Mitte 2027 spricht, mit einer Verschiebung der
Präsidentschaftswahlen, bis die verfassungsmäßigen Streitigkeiten
geklärt sind. Für viele Libyer stelle aber die Präsidentschaftswahl
den zentralen Kern in jedem politischen Übergangsprozess dar, da
sie dem Volk die Möglichkeit gibt, seine Führung zu wählen und
der Legitimität des fait accompli ein Ende zu setzen;
Die USA blickten aus drei Perspektiven auf Libyen: als Energiequelle,
als Arena regionalen Einflusses und als strategischen Ort in der
Auseinandersetzung mit internationalen Rivalen.
Der us-amerikanische Einsatz konzentriere sich auf den Schutz der
Ölflüsse, die Stabilität der Finanzinstitutionen und die Schaffung
eines geeigneten Umfelds für Investitionen, insbesondere im Energiesektor,
wo große US-Unternehmen auf zukünftige Chancen im libyschen Markt setzen.
Die Boulos-Initiative offenbare einen Konflikt zwischen zwei Visionen
für Libyens Zukunft; die erste konzentriert sich auf die Festigung
der Stabilität durch Absprachen mit den bestehenden Mächten und die Sicherung
wirtschaftlicher und sicherheitspolitischer Interessen, insbesondere im
Energiesektor, während die zweite einen echten politischen Übergang
fordert, der der Phase der provisorischen Institutionen ein Ende
setzt.
Libyen leide nicht nur unter der Spaltung der Institutionen,
sondern auch unter einer Legitimitätskrise, der Zersplitterung der
Machtzentren und dem Mangel an Rechenschaftsmechanismen.
+ Tablet
(US-Magazin): Libyen ist zum Schauplatz der Aktivitäten des
„Betrügers Boulos“ und einer Diplomatie dubioser Geschäfte geworden,
die familiären, religiösen und geschäftlichen Netzwerken dient, die
darauf aus sind, Libyens eingefrorene Vermögenswerte als Hauptgewinn
freizusetzen. Der Einigungsdeal könnte zur Freigabe der riesigen
Vermögenswerte des libyschen Sovereign Wealth Funds führen,
die mit einem Wert von 70 Milliarden US-Dollar in US-Banken eingefroren
sind.
Libyen sei das beste Beispiel für dieses systematische Chaos,
nachdem die Trump-Regierung zu einem System der „königlichen
Vetternwirtschaft“ geworden ist, das persönliche Interessen mit dem
Gemeinwohl vermischt und Vertrauten enorme Befugnisse einräumt,
um zwielichtige Geschäfte durchzusetzen.
Boulos besuchte Tripolis und Bengasi innerhalb
eines Jahres mindestens sechs Mal und traf sich mit allen wichtigen
Führern sowie mit dem Vorsitzenden der Ölgesellschaft und dem
Zentralbankchef.
Boulos stecke auch tief in mehr als fragwürdigen Ölgeschäften.
Das auf einer Aufteilung der Ämter zwischen den beiden Konfliktparteien
in Libyen basierende Boulos-Abkommen werde einen der autoritärsten
und gewalttätigsten Akteure stärken, wobei beide Seiten beabsichtigen,
die Macht innerhalb ihrer Clans weiterzuvererben.
Die Rolle, die Boulos in Libyen spielt, sei keine neutrale
Diplomatie, sondern die eines geschäftlichen Mittlers, der seine
Position nutzt, um ein komplexes Netz von Interessen zu bedienen,
darunter familiäre, die seine Schwiegertochter und seinen Sohn
umfassen.
+ Al-Arab:
Libyen kehrt erneut in den Fokus der internationalen Aufmerksamkeit
zurück, da zwei politische Pfade mit beschleunigtem Tempo
aufeinandertreffen.
Der erste Pfad werde von den Vereinten Nationen betreut, um
die Meinungsverschiedenheiten über die Wahlgesetze zu beenden; der zweite
Pfad werde von den USA geführt, um die Machtzentren im Osten und
Westen des Landes anzunähern.
Die Boulos-Initiative gehe davon aus, dass die Vereinigung der
Institutionen eine notwendige Bedingung für den Erfolg jeglicher Wahlen
ist und nicht deren spätere Folge.
Der us-amerikanische Initiative fehle nach wie vor eine öffentlich
erklärte Vorstellung darüber, wie der Weg zu Wahlen erreicht werden
soll oder welche Garantien für die Umsetzung jeglicher politischer
Einigung gegeben werden können.
+ Libysches
Zentrum für Sicherheits- und Militärstudien: Die durchgesickerten
Informationen zur Boulos-Initiative deuten auf einen us-amerikanischen
Ansatz hin, der die bestehende Realität anerkennt, ohne sie zu
ändern, was zu einer noch gefährlicheren politischen Spaltung führen
könnte.
Boulos ziele darauf ab, eine Einheitsregierung zu bilden und die Institutionen
zu vereinen –eine politische Einigung soll mit der Sicherung der
Stabilität des Ölsektors und der Förderung us-amerikanischer Investitionen
verbunden werden und den Markteintritt großer us-amerikanischer Ölkonzerne
sichern.
Abdessalam Zubi, Dabaibas Verteidigungsbeauftragter, engagierte
sich in dieser Initiative, insbesondere im Bereich der Vereinigung
der militärischen Institution, einem der Hauptpunkte der US-Initiative.
Die Haltung der UN-Sondergesandten Hannah Tetteh gegenüber dieser
Initiative enthalte widersprüchliche Signale; sie spiegle keine
vollständige Akzeptanz dieses Pfades wider, erreiche gleichzeitig
auch nicht das Niveau einer expliziten Ablehnung.
+ Arabi 21
(Katar): In Libyen kann man nicht durch Wahlen an die Macht
kommen; es reicht auch kein politisches Programm oder eine soziale
Basis. Der kürzeste Weg an die Macht ist, beweisen zu können,
dass man den Staat lähmen kann.
Jede Partei, die ein bestimmtes Gebiet kontrolliert, eine Miliz
hat oder die Ölfelder schließen kann, verwandle sich
allmählich von einem Teil der Krise in eine Partei, die in keiner
Einigung umgangen werden kann.
Internationale Vermittlungen gingen von einer realistischen Logik
aus, sie wollen die Parteien zusammenbringen, die in der Lage
sind, das Abkommen umzusetzen oder zu sabotieren.
Dabaiba verfüge über Macht und Geld in Tripolis, während die östlichen
Behörden weite des Ostens und des Südens kontrollieren, während andere
bewaffnete Formationen die Fähigkeit zur Blockade behalten und somit
nicht ignoriert werden können.
Je mehr eine Partei zeige, dass sie die Ölfelder schließen, die Hauptstadt
bedrohen, Wahlen verhindern oder eine souveräne Institution
lähmen kann, desto höher werde ihr Verhandlungswert.
In der „Veto-Ökonomie“ gewinne nicht, wer ein Projekt für den
Staat hat, sondern wer die Fähigkeit hat, ihn zu lähmen.
Die USA benötigten eine Macht, die den Ölfluss sichert,
die Kriegsrisiken mindert, den russischen Einfluss einschränkt
und den libyschen Markt für wirtschaftliche Interessen öffnet. Der langfristige
Denkfehler dabei sei: Warum sollten Mächte ihre Waffen, ihren
finanziellen Einfluss oder ihre Gebietskontrolle aufgeben, wenn genau
dies sie an den Verhandlungstisch gebracht hat?
Diese Einigungen bringen zwar die Gegner zusammen, jedoch ohne
die Konkurrenzregeln zu ändern. Ämter werden verteilt, ohne
Institutionen aufzubauen, die unabhängig von ihren Posteninhabern
existieren können.
Wenn die Antwort auf die Frage, ob der Wähler sie später aus ihrem
Amt entfernen kann, nein ist, dann handelt es sich nicht um eine
Einigung zur Beendigung der Krise, sondern um eine neue Runde der
Veto-Ökonomie.
In Libyen mangle es nicht an Kräften, die in diesem Spiel Meister sind.
Afrikanische Union
+ Friedens- und
Sicherheitsrat der Afrikanischen Union: Wir solidarisieren uns mit
dem libyschen Volk in seinem Bestreben, Frieden, Sicherheit und
Stabilität wiederherzustellen, und bekräftigen unser Engagement, den
von Libyen geführten und getragenen politischen Prozess weiterhin zu unterstützen,
um Wahlen zu ermöglichen.
Wir fordern alle Parteien nachdrücklich auf, die Charta für
Frieden und nationale Versöhnung anzunehmen, und appellieren
an alle Parteien, die sie noch nicht unterzeichnet haben, dies zu
tun; außerdem appellieren wir an alle libyschen Akteure, die Charta
umzusetzen, einschließlich der Einrichtung des Obersten Rates für
Frieden und Versöhnung.
Das Skhirat-Abkommen und der UN-Fahrplan bilden nach wie vor die verlässlichen
Grundlagen und Rahmenbedingungen für eine dauerhafte politische Lösung der
Libyen-Krise; wir rufen alle libyschen Akteure dazu auf, ihr Bekenntnis
zu diesen Rahmenbedingungen zu bekräftigen und die Umsetzung des Paktes
für Frieden und Versöhnung zu beschleunigen.
Wir betonen, wie wichtig es ist, die libysche Eigenverantwortung für
die Lösung zu gewährleisten und Libyen in alle Foren und Bemühungen
einzubeziehen, die darauf abzielen, die aktuellen Herausforderungen des
Landes zu bewältigen. Wir bekräftigen erneut, dass es keine tragfähige
militärische Lösung für die Herausforderungen geben kann, denen Libyen
gegenübersteht, und dass nur ein echter und umfassender politischer Dialog
in Libyen zu einvernehmlichen und nachhaltigen Lösungen führen kann.
Wir sind besorgt über die Fragilität der Sicherheitslage,
einschließlich vereinzelter Zusammenstöße in den Küstenstädten, die eine
Bedrohung für das Leben sowie für öffentliches und privates Eigentum
darstellen. Wir sind besorgt über Verstöße gegen das Waffenembargo,
illegale Kraftstoffexporte und die Erosion gefrorener libyscher
Vermögenswerte aufgrund von Missmanagement; wir betonen die Notwendigkeit,
jeden Missbrauch der eingefrorenen Vermögenswerte in Libyen zu verhindern
und eine ordnungsgemäße Nutzung zu gewährleisten.
Wir sind besorgt über schwere Menschenrechtsvergehen gegen
afrikanische Migranten und Flüchtlinge, insbesondere willkürliche
Inhaftierung, Misshandlung und sexuelle Gewalt; wir fordern
die libyschen Behörden auf, konkrete Schritte zu unternehmen, um den
Schutz aller afrikanischen Migranten und Flüchtlinge unabhängig von ihrem
Status zu gewährleisten.
Wir sind besorgt über die Verbreitung illegaler Waffen, die die Krise
im Land weiter anheizen, und betonen die Notwendigkeit, die Bemühungen
zur Bekämpfung der Verbreitung illegaler Waffen sowie der Netzwerke für
Schmuggel und organisierte Kriminalität zu verstärken.
UN-Mission
+ Abd al-Dschalil
asch-Schausch, Mitglied der Mini-Dialogs 4plus4: Das Dokument
des endgültigen Abkommens ist umfassend. Es wurde auf Basis
der verschiedenen Dialog-Themenbereiche der UN-Roadmap formuliert.
Das Abkommen skizziere eine Übergangsphase, die zwischen 18
und 24 Monaten dauert und von einer vereinten Regierung geführt
wird, die die vorbereitende Phase bis zur Durchführung der Wahlen verwaltet.
Nach der Unterzeichnung wird das Abkommen an den UN-Sicherheitsrat zur
Annahme überwiesen, bevor mit seiner Umsetzung begonnen wird.
Es beinhalte die detaillierten Wahlgesetze zur Parlaments- und
Präsidentschaftswahl und auch die Vereinigung der geteilten
Institutionen als grundlegende Bedingung für Wahlen.
Das Abkommen sehe die Beendigung der Spaltung der Regierung
vor.
Das Abkommen enthalte auch eine Klausel, die die Bestrafung
von Blockierern der Umsetzung vorsieht, um die Einhaltung seiner Ergebnisse
zu gewährleisten.
Das Komitee habe die strittigen Punkte ausgeräumt, insbesondere die Frage
der Kandidatur von Militärangehörigen und Inhabern ausländischer
Staatsbürgerschaften sowie die gleichzeitige Abhaltung von
Präsidentschafts- und Parlamentswahlen.
Die Kandidatur von Militärangehörigen wird den geltenden libyschen
Gesetzen unterworfen; die Frage der Doppelstaatsbürgerschaft
„befindet sie sich in ihren finalen Phasen vor der Unterzeichnung des
Abkommens“.
Das Abkommen sieht die Entkopplung der Termine zwischen den
Parlaments- und den Präsidialwahlen vor. Die Wahlkommission soll
entscheiden, um die jeweiligen Termine in einem zeitlich nahen
Zeitraum festzulegen.
Das 4plus4-Komitee warte noch auf die Benennung des
Vorsitzenden der Wahlkommission durch den Generalstaatsanwalts. Falls keine
Nennung erfolgt, werde ein Ersatz anerkannt. Jedoch werde es keine
Unterzeichnung des Abkommens geben, bevor dies nicht geklärt ist.
Die UN-Mission werde in der laufenden Woche zwei Themenbereich
beaufsichtigen: einen wirtschaftlichen und einen militärischen.
Das Wirtschaftsthema bestehe in der Wiederaufnahme der Arbeit des
Gemeinsamen Technischen Komitees (Parlament und Staatsrat), die
zuvor das Einheitliche Entwicklungsabkommen unterzeichnet haben.
Das Militärthema werde durch Konsultationen zwischen den beiden
Seiten des Landes starten, mit dem Ziel der Vereinigung der
militärischen Institution. AFRICOM habe einen Vorschlag zur Vereinigung
der libyschen militärischen Institution vorgelegt.
Es werde nicht länger geduldet, dass Libyen weiterhin Geisel
der Verfassungsänderungen bleibt, die vom Parlament und vom Staatsrat
monopolisiert werden.
Der Mini-Dialog 4plus4 „hat die Behandlung aller Streitigkeiten
im Zusammenhang mit den Wahlgesetzen abgeschlossen und allem, was der
Durchführung der Wahlen im Weg stand“. Der UN-Sicherheitsrat stelle die grundlegende
Garantie für die Umsetzung des Abkommens und die Sicherstellung seines
Fortgangs dar.
+ Al-Ain News
(VAE): Das 6. Treffen des Mini-Dialogs 4plus4 in Tunesien
endete ohne Unterzeichnung des endgültigen Abkommens, obwohl erwartet
worden war, dass dieses Abkommen den ersten praktischen Erfolg bei
der Umsetzung der von der UN-Mission betreuten Roadmap darstellen
würde. Stattdessen wurde beschlossen, dass der 4plus4- Dialog in
der ersten Augustwoche fortgesetzt werde – parallel zur Einführung
eines neuen Mechanismus zur Auswahl des Präsidenten der
Wahlkommission.
Das 6. Treffen des Komitees folgte auf fünf Verhandlungsrunden,
die im April 2025 in Rom begannen, bevor sie unter UN-Aufsicht nach
Tunesien verlegt wurden.
Während dieser Treffen wurden vom 4plus4-Dialog Einigungen
über die Neustrukturierung der Wahlkommission, über das Gesetz zu den
Parlamentswahlen und dem Gesetz zu den Präsidentschaftswahlen erzielt,
bevor ein Team gebildet wurde, das das endgültige Abkommen
ausarbeiten soll.
Die sensibelste Aufgabe war, einen neuen Mechanismus zur Auswahl des
Wahlkommissionsvorsitzenden zu finden. Der vorherige Mechanismus,
der eine Nominierung durch den Generalstaatsanwalt vorsah, stieß
auf rechtliche Probleme.
Nun gehe es um den Beweis, dass die libyschen Parteien, sprich
der 4plus4 Mini-Dialog in der Lage ist, die erzielten
Einigungen in ein endgültiges Abkommen zu gießen, der die Umsetzung der
UN-Roadmap ermöglichen soll.
+ Aschraf
asch-Schah (Politberater): Die Abkommen des Mini-Dialogs 4plus4,
die der UN-Mission unterstellt ist, sind direkt mit dem Boulos-Plan
verknüpft, und nichts weiter als ein den Libyern verabreichtes Beruhigungsmittel,
bis das Abkommen abgeschlossen ist.
Die Parteien der Boulos-Initiative werden nicht zulassen, dass
die UN-Mission die von ihr gewünschten Gesetze und ihre
Wahlkommission durchbringt.
Die Verschiebung auf den Monat August diene dazu, den Parteien des
Boulos-Abkommens die Gelegenheit zu geben, ihr Ziel zu erreichen
und alle strittigen Punkte zu klären.
+ As-Senussi
Ismail (Staatsrat): Die Vereinbarung des 4plus4-Dialogs ist bedeutungslos
und wird ohne die Zustimmung des Parlaments und des Staatsrats nicht
umgesetzt werden.
Sie könnten Früchte tragen, wenn sie klar die UN-Roadmap unterstützt
und den Weg zu Wahlen geht, andernfalls wird sie ergebnislos bleiben.
Kein paralleler Wege zur Roadmap werde erfolgreich sein, auch kein
us-amerikanischer.
Boulos werde nicht in der Lage sein, irgendeine Vereinbarung
ohne Übereinstimmung zwischen Parlament und Staatsrat und ohne politische
Vereinbarung durchzusetzen, und auch nicht ohne Übereinstimmung
aller Großmächte, insbesondere da Libyen derzeit unter dem Schutz
des UN-Sicherheitsrats steht.
+ Milud al-Aswad (Parlamentarier): Der Mini-Dialog 4plus4 wurde gebildet, um politische Parteien und nicht Institutionen zu repräsentieren. Das Parlament ist nicht an dessen Beschlüsse gebunden.
Pakistan
+ Erm News
(VAE): Pakistan ist mit der Unterstützung von Washington ins Zentrum
der Libyen-Krise gerückt.
Pakistan versuche, die rivalisierenden libyschen Fraktionen
zusammenzubringen, verkaufe aber gleichzeitig Waffen im Wert von
über vier Milliarden US-Dollar an Khalifa Haftar für dessen östliches
Militär. Es gehe dabei um 16 Mehrzweckkampfflugzeuge des Typs JF-17,
die in Zusammenarbeit mit China entwickelt wurden, sowie um militärische
Ausrüstung für Land-, See- und Luftstreitkräfte.
Demonstrationen
+ Die Bewegung Wille des Volkes rief
die Libyer für Freitag dazu auf, sich auf dem Märtyrerplatz in
der Hauptstadt Tripolis zu einer Großdemonstration zu versammeln,
um den Boulos-Plan zur Machtteilung zwischen den beiden Clans abzulehnen.
„Nein zum verdächtigen Boulos-Deal zur Machtteilung zwischen den
beiden Clans; Nein zu den unverhohlenen ausländischen Einmischungen in
unsere inneren Angelegenheiten; Nein zur Manipulation des
Geheimdienstes.
Wir rufen zu einem massiven Volksaufstand in Tripolis und in allen libyschen
Städten und Dörfern auf, um das zu retten, was von unserem
Vaterland und unserer Souveränität noch übrig ist.
Wir lehnen die Rückkehr us-amerikanischer Stützpunkte nach Libyen ebenso
ab wie die unverhohlenen Einmischungen von außen in unsere inneren
Angelegenheiten.
Wir fordern den Abzug aller ausländischen Truppen und Söldner aus
unserem geliebten Vaterland und die Wiedererlangung der vollen Souveränität,
Würde, Ehre, Unabhängigkeit sowie der lokalen, regionalen und
internationalen Stellung Libyens.
Es muss daran gearbeitet werden, eine libysche Lösung mittels des nationalen
Willen Libyens durchzusetzen. Es müssen unverzüglich Wahlen abgehalten
werden.“
A. Gutsche
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen