Dienstag, 27. November 2018



IS-Angriff auf Polizeistation

Libyen. Viele Tote, Verletzte und Entführte bei Sturmangriff des IS auf die Oasenstadt Tazerbo.

In der im Fessan gelegenen Oasenstadt Tazerbo (nahe Kufra im südöstlichen Libyen) erfolgte am 23. November 2018 ein bewaffneter Angriff auf die örtliche Polizeistation. Mindestens neun Menschen wurden getötet, darunter sieben Polizisten, und etliche Personen verletzt. Mehrere Polizisten und Zivilisten wurden entführt. Unter den Entführten soll sich auch der Bürgermeister von Tazerbo befinden. In der Stadt entstanden große Sachschäden.
Die Sicherheitskräfte und Bewohner konnten die Angreifer aus der Stadt vertreiben. Militärpatrouillen haben die Verfolgung aufgenommen.
Die kleine Oasenstadt Tazerbo ist als Teil der „Great-Man-Made-River”-Anlage wichtig für die Trinkwasserversorgung der libyschen Städte im Norden.
Die Angreifer, die vermutlich dem IS zuzurechnen sind, stürmten mit 15 Toyota Pickups den Ort. Der IS hatte nach dem Sturz der Dschamahirija-Regierung 2011 sein Einflussgebiet auf Libyen ausgedehnt, wurde aber im Dezember 2016 aus der im Norden gelegenen Stadt Sirte vertrieben, wo er seinen Hauptstützpunkt hatte. Seitdem sammeln sich in den Saharagebieten versprengte IS-Kämpfer, um sich zu reorganisieren.
Bereits vor einem Monat war ein ähnlicher Angriff im 650 Kilometer südlich von Tripolis gelegenen Dschufra ausgeführt worden. Und in Bengasi sollen erst am 21. November bei einer Explosion zehn Personen verletzt worden sein. Näheres darüber ist nicht bekannt.
Die Wüstenregion um Tazerbo wird von der Libyschen Nationalarmee unter General Hafter kontrolliert.
Man muss sich allerdings schon fragen, von wem der IS seine Unterstützung bezieht. Woher kommen die teuren Toyota Pickups? Wo haben die IS-Kämpfer ihre Basislager? Woher beziehen sie ihre Verpflegung? Wo tanken sie? Wie ist es möglich, dass eine Kolonne von 15 Fahrzeugen trotz perfekter satellitengestützter Luftaufklärung durch Africom sich unbemerkt in der Sahara bewegen kann? Ist der Verdacht berechtigt, dass das Chaos in Libyen aufrechterhalten werden soll, damit die Nutznießer dieses Chaos‘ weiterhin ungestört ihren dunklen Geschäften nachgehen können?
Die von der sogenannten ‚internationalen Gemeinschaft‘ eingesetzte, unfähige und durch nichts legitimierte Pseudo-Regierung von Sarradsch in Tripolis unterzeichnet zwischenzeitlich Verträge und Abkommen mit Gott und der Welt. Anstatt den Aussöhnungsprozess zu beschleunigen und endlich Wahlen abzuhalten, werden diese immer wieder verschoben, die libysche Bevölkerung vertröstet und Libyen unter dem Quasi-Protektorat des Westens gehalten. Dazu passt bestens die Nachricht, dass der für Libyen zuständige Vertreter der Weltbank, Michael Schaffer, erklärte, die Weltbank wolle schon in den nächsten Wochen ihr Büro in Tripolis eröffnen. Die Weltbank plane, ab sofort in Libyen eine aktivere Rolle zu spielen.

A. Gutsche

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