Kurznachrichten Libyen – 29. Jan. bis 04. Febr. 2026
Politisches Beben: Saif al-Islam Muammar Gaddafi in Zintan erschossen / Epstein-Akten und Libyen / Besetzung des at-Tum-Grenzübergangs zu Niger durch südliche Stämme / Auf Vermittlung von Massad Boulos: Geheimgespräche zwischen Ibrahim Dabaiba und Saddam Haftar in Paris / Libyscher Ältestenrat ruft zur Beteiligung am umfassenden nationalen Prozess auf, um die Spaltung zu beenden und den Weg für den Aufbau der Nation zu ebnen / Städte az-Zawiya und Bani Walid fordern gemeinsames Vorgehen, um politische Blockade zu überwinden / Nationaler Ölkonzern NOC hat fünf Milliarden USD Schulden / Klage gegen Verträge mit US-Unternehmen angekündigt, da Dabaiba-‚Regierung‘ zum Abschluss nicht berechtigt / UN-Mission in der Kritik: nur Gerede, aber nichts passiert
Ermordung von Saif al-Islam Muammar Gaddafi verursacht politisches Beben
+ GelaNews:
Dr. Saif al-Islam Gaddafi, Sohn des libyschen Revolutionsführers Oberst
Muammar al-Gaddafi und libyscher Präsidentschaftskandidat, wurde am Nachmittag
des 3. Februar 2026 in seinem Haus in Zintan erschossen.
Saif-al-Islam Gaddafi war 53 Jahre alt.
Stellungnahme des politischen Teams von Muammar al-Gaddafi und von Moussa
Ibrahim.
Es überschlagen sich die Trauerbekundungen in Libyen wie auch aus dem
Ausland.
+ Gela News: Aussagen des Generalstaatsanwalts / Überführung des Leichnams nach Bani Walid / Trauerbekundungen / Stellungnahmen Regierungsvertreter / Ausland / Stimmen aus Libyen / Analysen
+ Gela News: Das Anwaltsteam von Dr. Saif al-Islam Muammar Gaddafi veröffentlichte am 5. Februar ein Kommuniqué zur Ermordung von Saif al-Islam Gaddafi, in dem es ankündigte, alle erforderlichen Schritte zur strafrechtlichen Verfolgung ausnahmslos aller Beteiligten einzuleiten.
+ GelaNews:
Der palästinensischer Journalist und Chefredakteur von Rai l-Yum, Abdel Bari
Atwan, berichtet über seine Treffen sowohl mit Oberst
Muammar Gaddafi als auch mit Saif al-Islam Gaddafi.
Es bleibt die Frage, wer hinter dem mörderischen Verbrechen steckt und wie
es zukünftig in Libyen weitergehen könnte.
+ Die italienische Website Anti-Diplomatico
veröffentlichte zum ersten Mal eine 2023 produzierte Dokumentation, die Zeugenaussagen
über die Weigerung westlicher Mächte enthält, Präsidentschaftswahlen in
Libyen abzuhalten, um die Kandidatur des ermordeten Saif al-Islam
Gaddafi, der in allen Meinungsumfragen als Favorit galt zu
verhindern – und damit die Vereinigung des Landes.
Der Film widmet sich der Darstellung des Charakters von Saif al-Islam
Gaddafi und der großen Attentatsgefahr, der er ausgesetzt war. „Doch
leider hat uns die Realität eingeholt, und das Attentat ereignete sich vor dem
offiziellen Kinostart.“
Es stellt sich die Frage, ob Libyen – oder das, was von ihm noch übrig ist –
nach dieser präzisen Operation eines Trupps ausgebildeter Attentäter in der
Lage sein wird, Wahlen abzuhalten.
Libyen und die Epstein-Akten
+ Gela–News: Am 30. Januar 2026 veröffentlichte das US-Justizministerium weitere Dokumente aus den Epstein-Akten. Darunter fand sich auch eine E-Mail von Greg Brown an Jeffrey Epstein, datiert vom 15. Juli 2011, worin der Plan erläutert wurde, sich mit Hilfe ausländischer Geheimdienste libysche Vermögenswerte anzueignen. Profitiert werden sollte auch von einem späteren Wideraufbau Libyens.
+ Epsteins
Dokumente enthüllen Mohammed al-Magariafs Beteiligung an Washingtons
Plan, libysche Gelder zu plündern und nach 2011 über politische
Tarnorganisationen große Geschäfte durchzusetzen. Das Dokument zeigt, dass
der Name von Mohammed al-Magariaf, der später Präsident des Allgemeinen
Nationalkongresses wurde, in die Vereinbarungen einbezogen war,
die darauf abzielten, ihn über New York und am Rande der
Sitzungen der UN-Generalversammlung wieder in den politischen Vordergrund zu
rücken, um ihn international als einen „zuverlässigen“ politischen
Akteur zu vermarkten.
Greg Brown erklärte in seinem Brief ausdrücklich, dass Magariaf
als eine „äußerst einflussreiche Persönlichkeit“ mit weitreichendem
Einfluss nach Libyen zurückkehren werde, die in der Lage sei, in der Phase
nach dem Zusammenbruch des Staates zu einem Machtmakler und Entscheidungsträger
zu werden, was es ihr ermöglichen würde, wichtige Geschäfte
abzuschließen und die Finanzkanäle zu kontrollieren.
Der Brief zeigt, dass es sich bei diesem Einfluss nicht um ein rein
politisches Ziel handelte, sondern vielmehr um ein Instrument, das Epstein
und seinem Netzwerk ermöglichte, mit großen us-amerikanischen
Finanzinstitutionen, allen voran Goldman Sachs, zu verhandeln
und die Vermögenswerte der Libyan Investment Authority,
insbesondere deren Investitionen in Subsahara-Afrika, zu verwalten.
Die Dokumente belegen eindeutig die Absicht von Epstein und
seinem Partner, große Anteile der eingefrorenen libyschen Gelder im
Austausch für die „Identifizierung, Verwaltung und Erzielung von Renditen“
dieser Vermögenswerte zu erhalten, wobei unverhohlen eingeräumt wurde,
dass diese Operationen Hunderte von Millionen Dollar für Broker- und
Finanzlobbynetzwerke generieren könnten.
Dies legt die Mentalität offen, mit der Libyen nach 2011
regiert wurde; eine Mentalität, die libysche Persönlichkeiten als
Werkzeuge, öffentliche Gelder als Kriegsbeute und politisches
Chaos als historische Gelegenheit zur Umverteilung des libyschen Reichtums
außerhalb der Souveränität des Staates betrachtet.
Die Ereignisse im Jahr 2011 waren keine „Revolution“, sondern
eine Tarnung für eine organisierte internationale Rauboperation, an der us-amerikanische
Einflusszentren und transnationale Finanznetzwerke beteiligt waren.
„Was Epsteins E-Mails heute zeigen, stellt nicht nur die Rolle der USA
infrage, sondern wirft auch ernsthafte Fragen zur Legitimität der Eliten auf,
die nach Februar an die Macht kamen, und zu den wahren Kosten, die
das libysche Volk in Bezug auf seine Souveränität und sein Geld zahlen musste.
+ Khalif al-Hassi
(Journalist): Der Name des Abgeordneten Salem Ganan und anderer libyscher
Beamter tauchten in den E-Mails zum Epstein-Skandal auf. Es geht
dabei um ein offizielles Dokument, vom Übergangsrat
unterzeichnet, mit einem exklusiven Mandat zur Verhandlung und Beilegung
eines Goldman-Sachs–Falls sowie einer Bitte um die Vereinbarung
eines Treffens in New York.
Bei den anderen in der E-Mail erwähnten Libyern handelte es sich um Osama
al-Abed, den Leiter des Regierungsbüros von Ali Zeidan, der in einen
Korruptionsdeal für Militärfahrzeuge verwickelt war, und aus
Libyen zu seiner Familie auf Zypern floh.
Salem Ali Mana aus der Stadt Dschafran war für die Präsidentengarde
von Mustafa Abdul Dschalil und später für die Leibgarde von Mohammed
al-Magariaf zuständig.
Fadel Hashad, aus Tschado lebte lange in Großbritannien und steht Salem
Ganan und Mohamed al-Magariaf sehr nahe.
Mustafa Abdul Dschalil berief Salem Ganan zum Vizepräsidenten des
Übergangsrats. In dieser Position erteilte er Greg Brown, Geschäftspartner
von Jeffrey Epstein, einen Auftrag zur Rückforderung libyscher Gelder
gegen eine Provision.
+ Eine Mail
vom Vorsitzenden von Dubai Ports World, Sultan bin
Sulayem, an Jeffrey Epstein vom Oktober 2012 enthält sarkastische
Bemerkungen über die Handhabung der Libyen-Sache durch die ehemalige
US-Außenministerin Hillary Clinton während der militärischen Intervention 2011.
Bin Sulayem schrieb, dass Hillary Clinton „wütend” gewesen sei, weil sie
mitten in dem von ihr als „libysches Chaos” bezeichneten Krieg,
der mit amerikanisch-atlantischer Unterstützung gegen Libyen geführt wurde, erfahren
habe, dass sie schwanger sei.
Dies sei wohl als Satire zu verstehen und zeigt, wie wenig ernst Clinton
den Krieg gegen Libyen nahm, während Libyen zerstört wurde.
Aufruhr im Süden: Besetzung des at-Tum-Grenzübergangs zu Niger
+ Der at-Tum-Grenzübergang zum
Niger wurde am 31. Januar von bewaffneten
Anwohnern namens Südliche Befreiung übernommen und Streitkräfte
von Khalifa Haftar gefangen genommen. Als Grund dafür wurde die desaströse
Lage im Süden Libyens genannt: „Wir leiden unter Treibstoff-, Gas- und
Dienstleistungsmangel, Korruption, systematischer Plünderung,
Unterdrückung von Freiheiten und Liquidierung politischer Gegner
durch das sogenannte Oberkommando.
Bewaffnete
zerrissen Bilder von Khalifa Haftar und verkündeten, alle wichtigen
Grenzübergänge in den Niger zu kontrollieren.
+ Das 5+5-Militärkomitee bezeichnete den Angriff auf Haftars Truppen am Grenzübergang at-Tum als kindisch. Die Handlung stelle einen Verstoß gegen das im Jahr 2020 unterzeichnete Waffenstillstandsabkommen dar. Die UN-Mission müsse ihrer Rolle bei der Aufrechterhaltung des Waffenstillstandsabkommens nachkommen.
+ Laut Beobachtern kam es am 31. Januar an südlichen Grenzpunkten Libyens zu weiteren bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Anwohnern und Haftars Truppen. Haftars Militär soll sich auf dem Rückzug befinden.
+ Misbah Duma (zweiter Parlamentssprecher) verurteilte den Angriff auf die Grenzpunkte im Süden Libyens, ebenso wie der parlamentarische Verteidigungs- und Sicherheitsausschuss. Er habe schwerwiegende Folgen für die Sicherheit Libyens und den Nachbarländern.
+ Der Parlamentsabgeordneter Said Amghib: Der Angriff auf den Grenzübergang Tom zeigt, dass ausländische Terroristen präsent sind, die mit Unterstützung von Ideologien, die Tripolis kontrollieren, Fuß gefasst haben. Es sei unerlässlich, die Loyalitäten und Zugehörigkeiten bestimmter Stämme im Süden Libyens ohne Nachsicht zu überprüfen.
+ Der Kommandant des Operationszentrums
der Südlichen Befreiung, Mohammed Wardaqo erklärte, es gebe in
ihren Reihen keine tschadischen Söldner und man handle in niemandes
Auftrags. Man sei nach Tripolis gegangen, die Hauptstadt aller
Libyer, wo jeder, der im Osten oder Süden von Haftar verfolgt wird, Zuflucht
finde. Nach dem Treffen mit Dabaiba arbeite man am Aufbau des
Südens und seiner Gemeinden.
Haftar strebe eine Hegemonie und eine neue Diktatur an.
Diese Hegemonie müsse bekämpft werden, bevor es zu spät ist.
Haftar verhänge Strafmaßnahmen gegen die Bevölkerung des Südens.
+ Mohammed at-Tarhuni (Aktivist): Der Grenzübergang at-Tum ist eine wichtige Verkehrsader für extremistische Gruppen und Schmugglernetzwerke im Süden Libyens. Der Grenzübergang wurde auch zur Infiltration von Terroristen genutzt, darunter auch welche, die mit dem IS in Verbindung stehen. Der jüngste Angriff auf den Grenzübergang sei ein Versuch, Schmuggelrouten wieder zu öffnen.
+ Die Tibu Youth
Union in Libyen verurteilte den Überfall der Truppen von
Khalifa Haftar auf die Häuser der Familie Warduqo al-Mahdi. Diese Praktiken
seien keine Einzelfälle, sondern Teil einer Strategie der
Unterdrückung und Einschüchterung.
Haftars Milizen seien verantwortlich für die Plünderung des
Süden, den Schmuggel von Waren und Treibstoff, die gewaltsame
Kontrolle von Märkten und die Umwandlung der Region in ein Schlachtfeld
des organisierten Verbrechens.
„Wir rufen den gesamten Süden dazu auf, sich hinter dem Southern
Operations Room zu versammeln und ihn sowohl gesellschaftlich
als auch vor Ort zu unterstützen, um das Ansehen des Staates
wiederherzustellen und die Rechtsstaatlichkeit durchzusetzen.“
+ Omar Buasida: Es gibt grenzüberschreitende Schmuggelnetzwerke und komplexe regionale Geheimdienstverflechtungen, die die Fessan-Region verändert haben. Das, was hier geschieht, bedrohe Libyen von innen mit Auswirkungen für die Sicherheit der Nachbarländer, des Mittelmeerraums und Europas.
Kämpfe in der Stadt az-Zawiya (Küstenstadt 50 km westlich von Tripolis)
+ Laut Muammar ad-Dhawi (Kommandeur des 55. Infanteriebataillons) war die Stadt az-Zawiya Schauplatz eines Treffens von Führungskräften und Repräsentanten westlibyscher Städte in Anwesenheit von Mohammed al-Menfi und einer Reihe weiterer führender Persönlichkeiten aus der westlichen Region.
+ Nur wenige Stunden nach
dem Besuch des Präsidialratsvorsitzenden al-Menfi in az-Zawiya
brachen dort Kämpfe aus.
So kam es am 30. Januar zu bewaffneten
Auseinandersetzungen zwischen Mitgliedern des Stability Support
Appartus (Kommandant: Hassan Buzriba und Mohammed Bahrun/alias
„al-Far“) und dem 459. Bataillon (Mohammed al-Murtad) von Dabaibas
Verteidigungsministerium.
Der Rote
Halbmond forderte die Konfliktparteien dringend dazu auf, das Feuer
unverzüglich einzustellen, damit es den Rettungsteams möglich ist,
die in den Kampfgebieten eingeschlossenen Familien zu evakuieren.
+ Die Truppen von Buzriba und al-Far konnten das Hauptquartier von al-Murtad südlich von az-Zawiya einnehmen, woraufhin al-Murtad und seine Truppen aus dem Gebiet flohen.
+ Al-Baschti
az-Zahuf (Ältestenrats az-Zawiya): Die bewaffneten Auseinandersetzungen
konnten am 31. Januar von den Konfliktlösungskräften unter Kontrolle
gebracht werden. Die Lage habe sich vollständig beruhigt.
Es wurde durch Muammar ad-Dhawi (Kommandeur 55. Infanteriebataillon) ein
Waffenstillstand
vermittelt.
+ Laut Mohammed Bahrun/al-Far konnten seine Milizen in Zusammenarbeit mit dem Stability Support Apparatus eine erfolgreiche Sicherheitsoperation durchführen.
+ Zeitung
asch-Scharq al-Awsat: Az-Zawiya war jahrelang Schauplatz
von Zusammenstößen bewaffneter Gruppen, die um Einfluss und
Verdienstquellen konkurrieren.
Die Verlegung von Militärfahrzeugen, die zu Einheiten Abdul Salam
Zubi (Verteidigungsministerium) gehören, in Richtung Tripolis und
Tadschura bestärke die Vermutung eines vollständigen Rückzugs aus dem
Operationsgebiet in Zawiya.
Dies stelle einen Rückschlag für den Einfluss der Dabaiba-‚Regierung‘
innerhalb az-Zawiyas dar, während gleichzeitig rivalisierende Kräfte
ihre Kontrolle über strategische Orte ausweiten.
Damit endet die aktuelle Kampfrunde mit einer klaren Verschiebung der
Kontrolle über das Schlachtfeld zugunsten der dem Präsidialrat unterstellten
Organe.
Diese Auseinandersetzungen könnten den Präsidialrat in seiner Funktion
als Oberbefehlshaber der Armee in eine prekäre Lage bringen, da
seine Deeskalationsanordnungen angesichts des Einflusses der
Feldkommandeure wirkungslos zu sein schienen, ganz abgesehen vom Scheitern,
Milizen durch Einbindung in staatliche Institutionen
zu legitimieren.
Militär/Milizen/Gewalt
+ Die Honoratioren von Wadan verurteilten das Vorgehen einer der Sicherheitsbehörden der Stadt Wadan (Oasenstadt, 280 km südlich von Sirte), bei dem der junge Mohammed Abur getötet wurde. Dieser Vorfall müsse dringend untersucht werden und eine Bestrafung der Täter erfolgen.
+ Die Schweizer
Organisation Justiz dokumentierte die Folter und Misshandlung
von Hunderten von Gefangenen in mehreren von Haftars Gefängnissen.
In den sowohl zivil als auch militärisch genutzten Gefängnissen von Kuweifiya,
Abu Dizera in Bengasi und Garnada in Schahat komme
es zu Verstößen und einer Missachtung der Anordnung zur Freilassung
einer großen Anzahl von Gefangenen. Betroffen seien etwa 210 Personen,
darunter auch Frauen und Kinder.
Die für die Verwaltung des al-Kuweifiya-Gefängnisses zuständigen
Behörden haben sich geweigert, die für mindestens 74 Häftlinge
erlassenen Freilassungsanordnungen umzusetzen.
+ Ahmed Hamza
(Nationale Menschenrechtsinstitution): Die Hammad-Parallelregierung
wagt es nicht, sich mit den Fällen von vermissten Personen zu
befassen, da dies die Türen zu den Geheimgefängnissen öffnen würde,
die Haftar ohne jegliche Kontrolle betreibt. Doch auch die
Dabaiba-‚Regierung‘ habe Probleme, da einige mit ihnen verbündete
bewaffnete Gruppen Geheimgefängnisse betreiben, die nach und nach
aufgedeckt werden, zuletzt die Gefängnisse des Stability Support
Apparatus.
Die Aufklärung des Schicksals der Vermissten sei ein Eckpfeiler der
Übergangsjustiz und der Versöhnung, doch das Parlament blocke
und lehne sogar das Präsidialdekret zur Versöhnung ab.
Es sei versäumt worden, einen Rechtsrahmen zu schaffen, der eine Lösung
für die Familien garantiert und den Bedürfnissen der Gesellschaft
gerecht wird.
+ Die saudische Zeitung Ascharq
al-Awsat: Haftar und Dabaiba versuchen, moderne Waffen
wie Drohnen zu erwerben, während sie gleichzeitig die Ausbildung ihres
Militärs deutlich ausbauen.
Mitglieder von Haftars 166. Infanteriebrigade seien von ihrer Ausbildung
in Weißrussland zurückgekehrt und Haftar warte auf die Lieferung von
Kampfjets und Super Mushshak-Schulflugzeugen aus Pakistan im Wert von 4,6
Milliarden US-Dollar.
Da sowohl Haftar als auch Dabaiba sich weiter bewaffnen und ihre Streitkräfte
ausbilden lassen, wurden die Treffen zur Vereinheitlichung des
Militärapparats eingestellt. Diese Tendenz habe sich nach Haddads
Tod noch verstärkt.
Angesichts der Ambitionen der ost- und westlibyschen Fraktionen, die im
Geheimen an der Aufrüstung arbeiten, stocke der politische
Lösungsprozess weiterhin.
+ Said Amghib (Parlamentarier): Dabaiba tritt in die Fußstapfen seines Vorgängers Fayez as-Sarradsch, indem er neue Türen für Waffen- und Drohnengeschäfte öffnet, diesmal jedoch nicht mit der Türkei, sondern mit Ungarn.
Ausländische Besatzung
+ Am 29. Januar erörterte Abdul Salam Zubi
(Verteidigungsministerium der Dabaiba-‚Regierung‘) in Ankara mit dem türkischen
Außenminister Hakan Fidan Möglichkeiten zur Stärkung der bilateralen
Zusammenarbeit im Militär- und Verteidigungsbereich.
Zubi traf
sich auch mit dem türkische Verteidigungsminister Yaşar Güler. Es war
der erste offizielle Besuch in der Türkei nach der Tötung des
militärischen Stabschefs Mohammed al-Haddad.
+ Khalil al-Hassi
(Journalist): Es gibt Hinweise darauf, dass das Flugzeug, bei
dessen Absturz al-Haddad und seine Begleiter starben, ‚versehentlich‘
von türkischen Luftabwehrsystemen getroffen wurde.
„Geht der ‚sogenannte libysche Staat‘ diesen Informationen nach
oder wird die Geschichte einfach im Sande verlaufen?“
+ Am 1. Februar wird über den Flug eines Frachtflugzeugs von Tripolis nach Istanbul berichtet. Bereits im Januar wurden drei Flüge zwischen der Türkei und dem westlichen Libyen durchgeführt, vermutlich zum Zweck des Transports von Bayraktar-Drohnen.
+ Am 29. Januar kam bei dem Zusammenstoß eines mit türkischen Soldaten besetzten Militärfahrzeugs mit einem privaten Pkw die gesamte dreiköpfige libysche Familie ums Leben.
Analysen
+ Hafez al-Ghawil
(Politikwissenschaftler): Die Libyen-Krise ist in erster Linie ein Streit
um Ölgelder, da Libyen derzeit 97 % seiner Einnahmen aus dem Ölgeschäft
bezieht. Die Vernachlässigung der vergangenen Jahre habe dazu geführt,
dass alle anderen landwirtschaftlichen und industriellen Aktivitäten zum
Erliegen gekommen sind.
Allen politischen Parteien sei klar, dass derjenige, der das Öl
kontrolliert, auch von dessen Einnahmen profitiert. Daher strebe
jeder nach der Kontrolle über das Öl und keiner nach Konsens. Das
beste Beispiel hierfür sei die Gründung des Arcano-Unternehmens, das
sich im Besitz des Dabaiba- und Haftar-Familienclans befindet. Kein
einziges Land der Welt sei daran interessiert, mit Libyen
zusammenzuarbeiten oder ihm aus der Krise zu helfen, sondern
verfolge immer nur die eigenen Interessen.
+ Die türkische Nachrichtenagentur Anadolu fragt, ob Washingtons Vorgehen in Libyen die Institutionen eher vereinheitlichen oder die Spaltung vertiefen wird. Während das offiziell erklärte Ziel der USA die Wiedervereinigung der Institutionen sei, glaubten die Libyer dass die USA damit die Spaltung ihres Landes verewigen wollen. Seit dem ersten Besuch von Trumps Berater Massad Boulos in Libyen am 23. Juli 2025 seien wirtschaftliche Abkommen zwischen Washington und den zersplitterten libyschen Parteien erzielt worden, wobei jede Partei in ihrer Region deutlich an Stärke gewann.
+ Al-Arab
(London): Libyen geht mit der Last von fünfzehn Jahren „Revolution“
und Spaltung ins Jahr 2026. Das Land stehe vor einem entscheidenden politischen
Wendepunkt, denn der Jahrestag zum 17. Februar 2011 falle in eine Zeit eskalierender
politischer, sicherheitspolitischer und wirtschaftlicher Herausforderungen.
Die internationale Initiative zur Beendigung der Libyen-Krise
stehe vor großen Herausforderungen. Tiefe interne Spaltungen, mangelndes
Vertrauen zwischen den Parteien und ausländische Einmischung gefährdeten
den Erfolg dieses Fahrplans und machten ihn eher zu einem letzten verzweifelten
Versuch, noch zu retten, was zu retten ist.
Libyen sei ein Test für die Möglichkeit, dass von der UNO
vermittelte Lösungen in Konfliktgebieten gelingen können. Wenn
dieses Experiment scheitert, stehe die Glaubwürdigkeit der
Vereinten Nationen selbst auf dem Spiel.
Für die jetzigen politischen ‚Führer‘ sei die Fortsetzung der Spaltung
ein Mittel zum Machterhalt, selbst wenn der Preis dafür der Zusammenbruch
des Staates ist.
Paris-Gespräche
+ Laut Monde Afrique
fand in Paris ein geheime Treffen zwischen Saddam Haftar und Ibrahim
Dabaiba statt. Dies falle in die Zeit gemeinsamer diplomatischer Bemühungen
der USA und Frankreichs, einen libyschen Konsens zu erzielen, der
sich auf die Zukunft der künftigen politischen Institutionen und die Verringerung
der Kluft zwischen Ost und West bezieht.
Beide Seiten sollen sich darauf geeinigt haben, Agila Saleh vom Amt
des Parlamentspräsidenten zu entfernen und ihn vom Prozess eines neuen nationalen
Übergangs komplett auszuschließen. Ein Zeitplan sei hierfür festgelegt
worden.
Bezüglich des Präsidialrats sei beschlossen worden, dessen Rolle zu
reduzieren, gegebenenfalls durch ein gemeinsames Gremium beider
Seiten zu ersetzen oder die drei Mitglieder auszutauschen.
Die Möglichkeit, das in Tripolis mit der Türkei geschlossenen Seeabkommens
anzunehmen, werde in Erwägung gezogen.
Saddam Haftar habe es aber abgelehnt, bestimmte Personen
aus staatlichen Institutionen zu entlassen – wie dies die westliche
Seite als Vorbedingung vorsah. Hieraus sei die tiefgreifende
Meinungsverschiedenheit darüber erkennbar, wer die nächste
Übergangsphase leiten soll,.
Saddam Haftar habe zwei Drittel der Posten in der nächsten Regierung
– darunter die Ministerien für Auswärtige Angelegenheiten, Finanzen, Inneres
und Verteidigung – sowie die Leitung der Zentralbank, des Ölsektors
und des Investitionssektors gefordert.
+ Laut einem US-Beamten und Massad Boulos war das libysche Treffen in Paris sehr fruchtbar. Der dort erzielte Konsens sei ein wichtiger Schritt zur Vereinheitlichung der Institutionen, und die libyschen Parteien hätten eine Einigung über ein Rahmenabkommen erzielt.
+ Der Parlamentsabgeordnete Salem Ganidi erklärte, dass in die Paris-Gespräche weder das Parlament noch der Staatsrat eingebunden waren und auch nicht darüber informiert wurden. Dem Abkommen werde keine Bedeutung beigemessen.
+ Al-Arab
(London): Das Paris-Treffen zwischen Saddam Haftar und Ibrahim
Dabaiba brachte nichts als eine Vereinbarung zur Fortsetzung des
Konflikts hervor.
Die beiden Hauptakteure auf der libyschen Bühne sind derzeit Saddam
Haftar, der sich auf die Übernahme des Oberbefehlshabers
vorbereitet, und Ibrahim Dabaiba, der nationale Sicherheitsberater in
Tripolis, der als faktischer Chef der Dabaiba-‚Regierung‘ gilt.
Saddam und Ibrahim gelten als pragmatische Persönlichkeiten. Sie
stimmten wichtige Entscheidungen in verschiedenen Angelegenheiten miteinander
ab, lachten zusammen und erzählten sich Witze. Beide Männer seien auch geschickt
im Umgang mit Geld, Medien und sozialen Medien und jeder habe seine eigenen
Projekte und Investitionen.
Treffen zwischen den Beiden waren für viele Vereinbarungen von
entscheidender Bedeutung, etwa die Absetzung von as-Siddiq al-Kebir als Chef
der Zentralbank, von Mustafa Sanella und anschließend von Farhat Ben Gaddara
als Präsidenten der National Oil Corporation, sowie der Ausschluss
von Khaled al-Mischri und die Marginalisierung von Agila Saleh.
Ziel des Pariser Treffens sei es gewesen, jedes Vorhaben zur Bildung
einer Einheitsregierung oder zur Organisation von Präsidentschafts- oder
Parlamentswahlen zu verhindern, damit der gegenwärtige Zustand
beibehalten wird. Saddam und Ibrahim spielten für die Vorhaben
der USA eine wichtige Rolle.
Der wichtigste Punkt bei den Gesprächen in Paris sei es gewesen, dass Tripolis
das Abkommen von Bengasi mit Islamabad anerkennen würde, im Gegenzug dafür,
dass Bengasi das Abkommen von Tripolis mit Ankara anerkennt.
+ Der Parlamentarier Abdul-Moneim
al-Arfi erklärte, dass das Parlament die Bestrebungen von Massad
Boulos, die Regierungen des Ostens und des Westens unter der
Führung von Dabaiba zu vereinen, zur Kenntnis genommen hat. Dies
werde aber nicht akzeptiert, da der Dabaiba-‚Regierung‘ ihr Mandat vom
Parlament entzogen wurde.
Die USA verfolgten in Libyen ihre eigenen Interessen, indem sie
insbesondere im Öl-Sektor Abkommen unterzeichneten. Diese
jüngsten Schritte der USA würden sich auf das interne und regionale
Machtgleichgewicht auswirken.
Demonstrationen/Proteste
+ Schafzüchter in der westlichen Region protestierten gegen die hohen Futterkosten und die steigenden Preise, die den Viehbestand bedrohen und die Ernährungssicherheit gefährden.
+ Vertriebene
aus Bengasi, Derna und Adschdabiya organisierten
einen Protest vor dem Hauptsitz des Staatsrats in Tripolis, um
ein menschenwürdiges Leben für sie und die Verbesserung ihrer
Lebensbedingungen zu fordern.
Versöhnung bedeute Rückkehr, Rechte und menschenwürdigen
Wohnraum.
Innerlibysche Nachrichten
+ Khaled al-Zaidi,
Anwalt des Präsidentschaftskandidaten Saif al-Islam Muammar Gaddafi,
widerlegte die Behauptungen von Khaled al-Mischri, dass Saif
al-Islam Gaddafi nicht berechtigt sei, für das Präsidentenamt zu kandidieren.
Saif al-Islam Gaddafi habe endgültige und abschließende Gerichtsurteile
erwirkt, die sein Recht auf die Kandidatur bei den Präsidentschaftswahlen
bestätigen. Der Oberste Gerichtshof habe eindeutig bestätigt,
dass ein Versäumnisurteil in einem Strafverfahren die politischen
Rechte, einschließlich des Rechts, für ein Amt zu kandidieren, nicht
beeinträchtigt. Dies wurde auch von den Berufungsgerichten bestätigt,
als sie in ihren endgültigen Urteilen das Recht von Saif al-Islam
Gaddafi zur Teilnahme an den für 2021 geplanten Präsidentschaftswahlen
bestätigten.
Die Antwort an al-Maschri sei klar: „Überlassen wir das Wort dem libyschen
Volk, denn allein der Wille der Wähler wird über die Wahrheit
oder Falschheit dieser Behauptungen entscheiden.“ Jeder Versuch, dem
Volk dieses Recht zu entziehen, stelle einen klaren Verstoß gegen den
Grundsatz der Volkssouveränität und das Recht der Libyer auf freie Wahl und
Veränderung dar.
Khaled al-Mischri werde geraten, sich zunächst darauf zu
konzentrieren, selbst seine angebliche Legitimität zu erlangen.
[Saif al-Islams wurde am 3. Februar ermordet.]
+ Khaled
al-Mischri erklärte, bei den Präsidentschaftswahlen kandidieren zu
wollen. Er halte an den Ergebnissen des 6+6-Ausschusses fest, weil
dessen Arbeit verfassungsgemäß sei und zu Wahlen führe. Er werde
für den Rücktritt von Dabaiba und für eine echte Regierung der
nationalen Einheit kämpfen, die zu Wahlen führt.
Er, Mischri, stehe im Dialog mit Unterstützern des ehemaligen Regimes
innerhalb und außerhalb Libyens, um die Nation aufzubauen.
+ Der Libysche
Ältestenrat für Versöhnung erklärte seine Bereitschaft, eine umfassende
nationale Dialoginitiative zu starten, die niemanden ausschließt.
Es benötige dazu einen bewussten nationalen Willen, kalkulierte
Schritte, faire Garantien und die inklusive Beteiligung aller
Libyer. Versöhnung sei ein Projekt des Staates und der Gesellschaft,
kein Projekt von Einzelpersonen oder Organisationen. Jede
ernsthafte Maßnahme werde unterstützt, die darauf abzielt, Korruption
zu bekämpfen, öffentliche Gelder zu sichern, die Einheit des
Landes zu stärken, seine nationalen Institutionen zu schützen und
die Rechtsstaatlichkeit für alle ohne Ausnahme zu gewährleisten.
Wahre Versöhnung basiere auf der gegenseitigen Anerkennung des Leids,
der Inanspruchnahme des Rechts und dem schrittweisen Aufbau von
Vertrauen.
„Wir rufen alle Libyer auf, die Interessen der Nation über die
Interessen rivalisierender Gruppen zu stellen, die Rhetorik des Verrats
und der Ausgrenzung zu beenden und sich ernsthaft an einem umfassenden nationalen
Prozess zu beteiligen, der die Spaltung beendet und den Weg für
den Aufbau der Nation ebnet.“
+ In der Abschlusserklärung
des Treffens der Notabeln
der Stämme der Städte az-Zawiya und Bani Walid wurde ein gemeinsames
Vorgehen gefordert, um die politische Blockade zu beenden und Vereinbarungen
zu erzielen, die breite nationale Akzeptanz finden.
„Friedliche und einvernehmliche Lösungen müssen auf jedem Weg unterstützt
werden, wobei die Besonderheiten der libyschen Situation zu berücksichtigen,
politische Differenzen und Pluralismus zu respektieren und die Institutionen
aus politischen Konflikten herauszuhalten sind.“
Die Einmischung ausländischer Mächte wurde verurteilt. Alle
müssten davon absehen, Unterstützung von irgendeiner ausländischen
Macht anzunehmen, von welcher auch immer. Alle seien innerhalb des Staates gleichberechtigt
und teilten seinen Reichtum und seine Ressourcen.
+ As-Salabi traf wenige Tage nach seiner Ernennung zum Berater für nationale Versöhnung durch den Präsidialratsvorsitzenden, Mohammed al-Menfi, in Tripolis ein. Unmittelbar nach seiner Ankunft traf er mit dem Mufti und Moslembruder as-Sadiq al-Ghariani zusammen.
+ Laut Ali al-Asbali
(Crimes Monitoring Organization) akzeptiert das Haftar-Lager
trotz früherer strikter Ablehnung nun die Idee eines föderalen Systems,
zwar nicht aus Überzeugung, sondern als Mittel zum Zweck des Machterhalts.
Dem Dabaiba-Clan in Tripolis sei die Regierungsform sowieso
egal, solange er an der Macht bleibt.
Heute könne der Föderalismus keine Lösung mehr sein, denn es gehe
nicht um die Verteilung von Reichtum, soziale Gerechtigkeit oder politische
Repräsentation, sondern es herrsche ein unverhohlener Kampf um
Macht, Einfluss und Geld.
+ Machmud Abdel Aziz: Die Justiz wurde nie manipuliert, auch nicht zu Gaddafis Zeiten, und sie bewahrte ihre Unabhängigkeit auch nach dem Februar 2011. Niemand wagte es, sie anzutasten, bis „das Parlament, Agila Saleh und ihre Bande kamen“ und das Land ins Chaos stürzten.
+ Achmed
as-Senussi (Wirtschaftsjournalist): Alle ehemaligen Regierungschefs
haben sich aus den Öleinnahmen bedient, doch Dabaiba schöpft sein
Geld aus drei Quellen: aus Öleinnahmen, aus Mitteln von
Institutionen wie dem Telekommunikationsunternehmen und dem Dschihad-
und Solidaritätsfonds sowie durch Kredite an den Ölkonzern.
Das sei Wahnsinn und keine Geldpolitik. „Wo bleiben die Kontrollgremien?“
Der Ölkonzern, der einst finanziell stark war, sei nun
hoch verschuldet und in einem beschämenden Zustand. Das zerstöre
die Zukunft des Landes.
Der Staatsanwalt ordnet immer noch regelmäßig eine hohe Anzahl von Verhaftungen aufgrund von Korruption, Fälschungen von Identitätsnachweisen, Gewalttaten und weiteren kriminellen Handlungen an. Auch weil diese Anordnungen nicht immer zu Festnahmen führen, wird auf die Aufführung der Einzelfälle verzichtet.
Wirtschaft / Finanzen
+ Laut dem Parlamentsabgeordneten Badr an-Nahib betrifft die Einführung einer neuen Verbrauchssteuer nur Luxusgüter, nicht aber lebensnotwendige Güter wie Weizen, Mehl, Tierfutter und Medikamente
+ Die Demokratische
Partei: Wir stehen vor einem Zusammenbruch, daher muss der Verschwendung
staatlicher Ressourcen durch Übergangsregierungen ein Ende gesetzt
werden. Korruption, Verschwendung und schlechte
Regierungsführung sind seit Jahren offensichtlich, insbesondere nach
der Aufdeckung der Machenschaften der Ölfirma Arkano.
Die Libyer wollten keine weitere Beschreibung der Krise, sondern mutige
Entscheidungen und praktische Schritte, um die Manipulation der
Ressourcen durch Übergangsregierungen zu stoppen. Diese seien nicht
befugt, strategische Abkommen und Partnerschaften zu schließen. Der
durch Abwesenheit glänzende Präsidialrat müsse entschlossen handeln.
+ In Tripolis müssen die Bürger stundenlang vor den Depots Schlangestehen, um ihre Gasflaschen auffüllen zu lassen. (Fotos)
Erdöl / Erdgas
+ Das us-amerikanische Beratungsunternehmen
KBR will nächsten Monat einen Vertrag mit Zalaf über Projektmanagement-Beratungsleistungen
für das südliche Raffinerieprojekt unterzeichnen.
Die Raffinerie soll eine Produktionskapazität von 30.000 Barrel pro
Tag haben und in der Stadt Ubari im Südwesten Libyens errichtet
werden.
Libyen verfügt neben den Raffinerien Zawiya, Sarir,
Tobruk und Marsa al-Brega über fünf große Ölraffinerien, die größte
ist Ras Lanuf.
+ Die Summit-Partei kündigte an, eine Klage gegen die Öl- und Gasabkommen mit den USA einzureichen. Die Dabaiba-‚Regierung‘ übergebe Libyens Öl- und Gasreichtum unter dem Vorwand von Investitionen und ausländischen Unternehmen an die USA. Die ‚Regierung‘ habe nicht das Recht, entsprechende Verträge abzuschließen.
+ Al-Mahdi Abdel-Aati (Aktivist): Die Schulden der NOC haben fünf Milliarden USD erreicht, während Saddam und Ibrahim in der ganzen Welt unterwegs sind, um die Plünderung, Zerstörung und den Diebstahl der Ressourcen des Landes fortzusetzen.
+ Laut Khalil al-Hassi führt Dabaiba das Treibstofftauschsystem wieder ein, und Khaled Schakschak habe dem zugestimmt. Dies geschieht, nachdem die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen das Tauschsystem und die damit einhergehende Korruption eingeleitet hat.
+ Achmed
al-Maslati (Wirtschaftsexperte): Das Problem bei der Aufhebung
der Treibstoffsubventionen liegt in den Preisunterschieden, die
durch die Verzerrungen des Wechselkurses auf dem Schwarzmarkt
entstehen, und nicht in der Subvention selbst.
Wenn keine echte Währungsreform zur Eindämmung der Verzerrungen des
Schwarzmarktes erfolge, bleibe jede Anpassung des Subventionssystems
wirkungslos und kann weder Schmuggel stoppen noch wirtschaftliche
Gerechtigkeit herstellen.
UN-Mission
+ Die Diskussionen über die Bereiche Regierungsführung und Sicherheit im Strukturierten Dialog werden sich auf Stabilität und Konfliktprävention konzentrieren, um zu umsetzbaren Empfehlungen zu gelangen.
+ Khaled
al-Mischri kritisierte die UN-Mission dahingehend, dass sie nicht
mit einem kumulativen Ansatz arbeitet, sondern jeder Gesandte
wieder von vorne anfängt. Die vier Wege, von denen die UN-Mission
spricht, seien rein theoretisch und spiegelten die Realität nicht
wider. Außerdem würden keine ernsthaften Anstrengungen zur Abhaltung von
Wahlen unternommen. Die Lösung der Krise liege in der Abhaltung von Präsidentschafts-
und Parlamentswahlen durch eine einheitliche Übergangsregierung mit
spezifischen Aufgaben und einer festgelegten Dauer. Die Nutznießer
der Krise seien die bewaffneten Gruppen und die Organisationen,
die das Öl und die Medien kontrollieren, während der Staatsrat und
das Repräsentantenhaus ihre Aufgaben erfüllt haben.
Laut Mischri
könnten Präsidentschafts- und Parlamentswahlen innerhalb eines Jahres
abgehalten werden, wenn der Wille dazu vorhanden wäre. Europa, USA und
die Vereinten Nationen kümmerten sich nicht um das libysche Volk oder dessen
Freiheit. Ihnen gehe es nur um die Fortsetzung der Ölproduktion, die Bekämpfung
von Terrorismus und illegaler Einwanderung. Sie wollten das Land
unter Kontrolle haben, selbst wenn es von zwei Regierungen, zwei
Familienclans oder dem Militär regiert wird.
+ Al-Arab:
Die Vereinten Nationen befinden sich in einer Phase, in der viel
geredet wird und nichts geschieht, in der es um Stammes- und
Regionalspaltungen, ausländische Interventionen und ein völliges
Versagen beim Aufbau starker und leistungsfähiger staatlicher Institutionen
nach 2011 geht.
Wenn die UN-Mission ihren derzeitigen Kurs beibehalte, bedeutet das,
dass man sich im Kreis dreht und die Gespräche immer wieder in
Fünf-Sterne-Hotels stattfinden, ohne dass greifbare Fortschritte
erzielt werden.
Der Strukturierte Dialog basiere nicht auf legitimen
Gremien, sondern sei auf ausgewählte Mitglieder beschränkt und verfüge
über keinen formalen Mechanismus zur Repräsentation des Volkes. Er werde zu
einem Instrument in den Händen von Eliten, die ihren bestehenden Status
legitimieren und festigen wollen.
Weitere Nachrichten aus Libyen
+ Tamim Abu Garsa
(Rechtsmediziner der Universität Misrata): Der Gesundheitssektor
befindet sich in einer Krise, und was im Tulip-Krankenhaus passiert
ist, nämlich das Auffinden von Babyleichen und nicht gekennzeichneter
Körperteile in Kühlschränken, ist die Folge der Zerstörung des
Gesundheitswesens.
Die Behandlung der Bürger hänge derzeit allein von den Ärzten
ab, ohne dass es ein Gesundheitssystem gebe, das unterstützt
und überwacht. Das Ministerium sei zu einem monopolistischen und
verlustbringenden Marketingunternehmen geworden, das Medikamente
importiert und vertreibt.
Auf Intensivstationen breiteten sich Infektionen aus, da Antibiotika
resistente Bakterien täglich stärker werden. Dies koste
Menschenleben.
Es müssten Gesetze geschaffen werden, die die Rechte von Patienten
und Ärzten schützen. „Doch wer soll sie verabschieden? Und wer
soll sie überwachen? Wo ist das Gesundheitsministerium?“
+ Mohammed al-Gardsch (Medienvertreter) berichtete über Korruption und Veruntreuung innerhalb der libyschen Botschaft in Polen in Höhe von 2,36 Millionen Euro sowie dem Verschwinden von Regierungsfahrzeugen.
+ Russia Today
veranstaltete eine Signierstunde für das Buch „The Rift:
Testimonies of Aggression on Libya“, das vom irakischen Journalisten Salam
Musafir verfasst wurde.
Das neue Buch beschreibt die letzten Momente von Oberst Muammar
Gaddafi und die NATO-Intervention in Libyen im Jahr 2011. Das Buch
enthält exklusive Zeugenaussagen und detaillierte Dokumente.
+ Am 1. Februar musste der Mitiga-Flughafen
von Tripolis aufgrund starker Sandstürme geschlossen werden.
Auch an vier Exporthäfen
für Erdöl (Ras Lanuf, Zweitina, Brega und as-Sider) wurde der Betrieb
eingestellt.
Libyen und das Ausland
+ USA. Laut Mohammed Buysir (politischer Berater) war das, was nach dem Besuch Obamas im Jahr 2007 in Libyen geschah, keine Revolution, sondern vielmehr eine Zerstörung des sozialen Gefüges. Die Vorstellung der aktuellen US-Regierung in Bezug auf Libyen basiere auf dem Verständnis der Schwierigkeit, eine neue Übergangsbehörde zur Durchführung von Wahlen zu bilden. Es wäre am besten, die beiden Machthaber durch gegenseitiges Einvernehmen zu einer Regierung zu vereinen. Diese Regierung wäre dann verpflichtet, Wahlen abzuhalten und in der Bevölkerung Akzeptanz zu finden.
+ Großbritannien. Laut GeopoliticalDesk
habe GB kürzlich versucht, seine Beziehungen zum östlichen Libyen
nach Jahren der Distanz neu zu gestalten. Der britische Botschafter
Martin Reynolds habe eine Reihe von Treffen abgehalten, darunter mit Khalifa
Haftar und seinen Söhnen Saddam und Khaled.
London war früher ein konsequenter Unterstützer von Dabaiba in Tripolis.
+ Pakistan. Laut GeopoliticalDesk besuchte Khalifa Haftar an der Spitze einer hochkarätigen Delegation Islamabad. Der Besuch signalisiere eine sich vertiefende militärische Sicherheitsbeziehung zwischen der LNA und Pakistan in einem Moment der sich verändernden geopolitischen Ausrichtungen.
Rückblick
+ Martin Quincy,
ehemaliger außenpolitischer Berater von US-Präsident Barack Obama:
Obama wollte die europäischen Verbündeten dazu bewegen, die Führung
zu übernehmen und selbst nach dem Prinzip des „Führens aus dem
Hintergrund“ handeln. Frankreich und Großbritanniens hätten
allerdings Libyen dem Chaos überlassen.
Das gescheiterte Libyen-Experiment beeinflusste Obamas Entscheidung,
im August 2013 keine Militäroperation in Syrien zu beginnen. Er wollte
dort nicht die Fehler von Libyen und Irak wiederholen.
Aus den Nachbarstaaten
+ Niger. „Früh am Donnerstag
[29.01.26] haben bewaffnete Gruppierungen den Flughafen
der nigrischen Hauptstadt Niamey und den
nahegelegenen Militärflugplatz Base Aérienne 101 angegriffen. Laut dem
Verteidigungsministerium des westafrikanischen Landes wurden 20 Kämpfer getötet
und elf Personen festgenommen. Zudem erlitten vier Soldaten Verletzungen. Ein
Flugzeug wurde beschädigt.
Der Flughafen von Niamey gilt als strategischer Knotenpunkt, an dem
Militärstützpunkte sowie das Hauptquartier des gemeinsamen Militärkontingents
von Niger, Burkina Faso und Mali liegen. Zudem wird dort ein großer Vorrat an
Uran gelagert, das im Zentrum eines Streits mit dem französischen
Nuklearunternehmen Orano steht.
Zu dem Angriff auf den Flughafen bekannte sich die Terrormiliz Islamischer
Staat, berichtete Reuters mit Verweis auf Informationen der
US-Firma SITE Intelligence Group.“
+ Allianz der Sahelstaaten.
„In einer scharf formulierten Erklärung wirft der russische
Auslandsgeheimdienst Frankreich vor, mithilfe von Terroristen ‚missliebige
Regierungen‘ in Afrika stürzen zu wollen. Neben Ländern der Sahelzone wie Mali
und Burkina Faso versuche Paris auch, die Zentralafrikanische Republik und
Madagaskar zu destabilisieren. […]
Es sei ‚bestätigt‘, dass Frankreich in den Umsturzversuch am 3. Januar
dieses Jahres in Burkina Faso verwickelt gewesen sei. Dazu führt der SWR aus: Rebellen
hatten die Aufgabe, den Präsidenten Ibrahim Traoré zu töten, der einer der
Anführer im Kampf gegen den Neokolonialismus ist. Nach Berechnungen von Paris
hätte dies nicht nur die Frankreich-loyalen Kräfte in Ouagadougou an die Macht
gebracht, sondern auch allen Anhängern der Souveränität sowie der Ideologie des
Panafrikanismus auf dem Kontinent einen Schlag versetzt.“
A. Gutsche
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