Dienstag, 9. April 2019



Marsch auf Tripolis: Update 07.04.2019


Libyen/Tripolis. Flugverbotszone über Westlibyen/‘Einheitsregierung‘ lässt Städte bombardieren/Libysche Armee rückt vor/Tripolis- und Misrata-Milizen starten Gegenoffensive

Während die ‚Einheitsregierung‘ unter Sarradsch vor weiterer militärischer Gewalt warnte, führte gestern fast gleichzeitig ihre Luftwaffe „intensive Luftangriffe“ in der Region al-Azaizija und der Stadt Gharian – etwa 50 km südlich von Tripolis – aus und bombardierte Stellungen der libyschen Armee. Gestartet waren die Flugzeuge vom Flughafen Misrata. Die Stadt Misrata hat auch bewaffnete Fahrzeuge in die östlichen Vororte von Tripolis verlegt. Nachdem die Westmächte vor jeder weiteren militärischen Gewalt warnten, lässt ausgerechnet Sarradsch, ihr Platzhalter in Libyen, Bomben auf libysche Städte fallen!
Als Reaktion darauf wurde noch gestern Abend laut al-Arabiya über dem westlibyschen Luftraum von der libyschen Armee eine Flugverbotszone ausgerufen: „Wir werden jeden Flughafen angreifen, von dem Kampfflugzeuge aufsteigen.“ Diese Drohung dürfte sich vor allem gegen den Flughafen von Misrata richten.
Dessen ungeachtet, startete heute die Luftwaffe der ‚Einheitsregierung‘ unter Sarradsch Angriffe auf einen Militärstützpunkt der libyschen Armee, die diesen nach der Übernahme des internationalen Flughafens von Tripolis dort eingerichtet hatte. Es sei daran erinnert, dass der internationale Flughafen von Tripolis bereits 2014 von Misrata-Milizen zerbombt wurde.
Unterdessen hat die Armee nach Gefechten mit Tripolis-Milizen auch ein Gebiet südlich der Stadt erobert. Während die Armee aus dem Süden und Westen in die Stadt vordringt, haben Milizen der ‚Einheitsregierung‘ den Beginn einer Gegenoffensive angekündigt.
Sarradsch dürfte wegen seiner vielen Skandale und der Entlassung von fünf Ministern kaum noch Rückhalt in Tripolis haben. Auch ob er auf seine Milizen zählen kann, ist mehr als fraglich, da sie auf ausstehende Gehälter in Millionenhöhe warten.
Weder Sarradsch noch Hafter sind an Wahlen in Libyen interessiert, da diese ihnen die Machtbasis entziehen würden. Die Parteigänger von Sarradsch sind Moslembrüder, die in der libyschen Bevölkerung keinen Rückhalt genießen, Hafter wird als CIA-Wiedergänger mit US-amerikanischen Pass betrachtet.
In Tripolis bildeten sich lange Schlangen an Tankstellen und Supermärkten. Die Hauptstadt ist von herausragender Bedeutung für ganz Libyen: Banken, wichtige Institutionen, diplomatische Vertretungen, ein Großteil der Bevölkerung, alles konzentriert sich in Tripolis.
Ausländische Streitkräfte und sonstiges internationales Personal werden aus Libyen evakuiert
US-AFRICOM hat zwischenzeitlich „aufgrund der sich verschlechternden Sicherheitslage“ seine Truppen aus Libyen abgezogen. Dabei soll ein Amphibienfahrzeug zum Einsatz gekommen sein.
Auch der indische Außenminister Sushma Swaradsch gab gekannt, dass das gesamte Kontingent der sogenannten Central Reserve Police Force aus Tripolis abgezogen worden ist.
Der italienische Ölkonzern ENI hat sein gesamtes Personal evakuiert. Ebenso haben die Vereinten Nationen ihre Mitarbeiter aus Tripolis abgezogen.
Das Ausland
Der französische Botschafter wurde von Sarradsch in Tripolis einbestellt, um bei ihm offiziell gegen die militärische Unterstützung General Hafters zu protestieren. Diese Vorwürfe an Paris werden von Italien geteilt. Die EU scheint insgesamt größere Schwierigkeiten zu haben, sich auf eine gemeinsame Linie in Punkt Libyen zu einigen. Alle offiziellen Statements unterstützen einzig die Bemühungen der Vereinten Nationen um eine friedliche Lösung.
Das russische Außenministerium teilte mit, dass der stellvertretende russische Außenminister, Michail Bogdanow, in einem Telefongespräch mit General Hafter die Wichtigkeit betont, die Streitigkeiten mit politischen Mittel beizulegen. Russland unterstütze die Vermittlungsbemühungen der Vereinten Nationen und des UN-Sonderbeauftragten für Libyen, Ghassan Salamé.
Die Afrikanische Union (AU) bekräftigte am Freitag die Notwendigkeit eines von Libyen getragenen Prozesses zur Errichtung einer neuen politischen Führung. Man „appelliere auch an alle externen Akteure, sich nicht in die inneren Angelegenheiten Libyens einzumischen“.

A. Gutsche


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