Kurznachrichten Libyen – 11. bis 17. Juni 2026
In die Suppe gespuckt: Vor Sitzung des UN-Sicherheitsrat, der UN-Mission freie Hand zur Durchsetzung der Empfehlungen des Strukturierten Dialogs geben soll, einigten sich die bisher rivalisierenden Parteien – Präsidialrat, Parlament und Staatsrat – auf eine gemeinsame Roadmap für Wahlen am 17.02.2027 / Große Vorbehalte gegen Abschlussbericht des Strukturierten Dialogs / Widerstand gegen Boulos-Plan, Macht zwischen Haftar und Dabaiba aufzuteilen / Gedenktag: 11. Juni 1970 – Abzug der US-Truppen vom Wheelus-Luftwaffenstützpunkt (heute Maitiga) / Machbarkeitsstudie der Internationalen Organisation für Migration vom April 2023: Aufenthaltsstatus illegaler Migranten soll von einem Transit in eine dauerhafte Niederlassung überführt werden – Widerstand wächst / Zunehmender Widerstand gegen Einführung einer „Zentralregion“ / Weiterhin willkürliche Verhaftungen und Verschwindenlassen von Personen / Rekrutierung von Kindern und Söldnern / Libyen: wichtiger Umschlagplatz für Kokain
Strukturierter Dialog der UN-Mission und US-Initiative von Massad Boulos
+ Fathi
asch-Schibli (Partei Stimme des Volkes): Es scheint, dass die Ergebnisse
des Strukturierten Dialogs dem Parlament und dem Staatsrat
von der UN-Mission verbindlich vorgeschrieben werden
sollen.
Denn: Sollten sich Parlament und Staatsrat innerhalb von 45 Tagen nicht
einigen, wird die UN-Mission einen neuen Dialogausschuss nach
dem Vorbild des Genfer Forums bilden, um eine Exekutivbehörde zu
wählen.
Die UN-Mission arbeite daran, die Ergebnisse des Strukturierten
Dialogs an die Boulos-Initiative anzupassen. Anschließend werde Hannah
Tetteh am 18. Juni dem UN-Sicherheitsrat (fälschlicherweise)
mitteilen, dass diese Ergebnisse im Einvernehmen mit dem libyschen Volk
zustande kamen und somit legitimiert seien, und dass sich die
UN-Mission nicht eingemischt habe.
Sollten Russland oder China kein Veto gegen einen Beschluss des
Sicherheitsrats zu Libyen einlegen, könnten die Ergebnisse des Strukturierten
Dialogs verabschiedet werden.
+ Mitglieder
des Governance-Pfads äußerten Vorbehalte gegenüber den Ergebnissen
des Abschlussberichts des Strukturierten Dialogs: Die
vorgelegten Vorschläge werfen Fragen hinsichtlich der Souveränität, der nationalen
Sicherheit und der Zukunft des politischen Prozesses auf.
Die Verfassung und die nationale Gesetzgebung müssten in der Zuständigkeit
der Libyer und ihrer legitimen Institutionen verbleiben; jede externe
Einmischung in diesem Bereich stelle einen Verstoß gegen den Grundsatz
der nationalen Souveränität dar; diese Probleme dürften nicht
von einem Ausschuss, der unter der Aufsicht der UN-Mission
gebildet wird, gelöst werden.
Außerdem sehe der Teil, bei dem es um die Schaffung neuer
Kontrollmechanismen gehe, eine direkte internationale Beteiligung
vor. Davon seien öffentliche Ausgaben, die Umsetzung politischer
Vereinbarungen und die Erstellung regelmäßiger Berichte betroffen.
Dies werfe Fragen zur Zukunft der libyschen Kontroll- und Justizbehörden
auf.
Im Bereich der nationalen Sicherheit bestehen Befürchtungen, dass
unter dem Begriff „drei Regionen“ oder „Bundesstaaten“
erneut geografische Aufteilungen vorgeschlagen werden könnten. Dies
würde die Einheit des libyschen Staates und seinen nationalen
Zusammenhalt beeinträchtigen.
Auch bestünden Vorbehalte gegenüber den Befugnissen einer neue Übergangsregierung
im Zusammenhang mit dem Zugriff auf das Zivilregister.
Diese kontroversen Fragen müssten durch einen umfassenden nationalen
Konsens bearbeitet werden, der freie und faire Wahlen gewährleistet,
die die aufeinanderfolgenden Übergangsphasen beenden.
+ Aschraf Ballha
(Technokraten-Bündnis): Washington strebt derzeit danach, den größtmöglichen
Konsens zwischen der us-amerikanischen Initiative und dem Pfad
der Vereinten Nationen zu erzielen.
Es gebe Informationen, dass ein internationales Treffen in Norwegen
abgehalten werden soll, um regionale und internationale Parteien zur
Unterstützung zu bewegen.
+ Abd as-Salam Nasaiya (Parlamentarier/ Mitglied Strukturierter Dialog): Die Ergebnisse des Strukturierten Dialogs haben die Erwartungen nicht erfüllt und sich nicht auf die wesentlichen Fragen konzentriert als da sind: das Amt des Staatsoberhaupts, die Frage der Waffen, der lokalen Regierungen, die Verwaltung der Einnahmen, die Staatsbürgerschaft sowie die Frage der religiösen Rhetorik und der religiösen Institutionen.
+ Nahal ad-Dahmani
(Mitglied Strukturierter Dialog): Wir haben Vorbehalte
gegen die Erörterung der Verwaltungseinheiten, da diese für die
bevorstehenden Wahlen aus rechtlichen, sicherheitspolitischen und
politischen Gründen von großer Bedeutung sind.
Es bestünden auch Vorbehalte gegen einen „Obersten Regionalrat“
und die implizite Rückkehr zu den drei Regionen, was immer abgelehnt
wurde.
+ Website Rasif 22: Der Abschlussbericht des Strukturierten Dialogs mit seinen 112 Seiten zeigt, dass die Vereinheitlichung des Budgets nichts weiter als ein Mechanismus zur Aufteilung der Öleinnahmen unter den Eliten ist, und dass die militärische Koordination die ideologische Spaltung sowie das „Veto der Milizen“ nicht aufhebt.
+ Mohamed Bouisier
(Politberater): Die UN-Mission ist sich bewusst, dass sie weder
über die nötigen Mittel noch über die nötige Durchsetzungskraft
verfügt, um die Parteien zu zwingen, ihre Macht abzugeben und Wahlen
abzuhalten.
Sie bediene sich der Stärke der USA, um die Ergebnisse des
Strukturierten Dialogs durchzusetzen und diese Parteien zum
Rückzug zu zwingen.
Die Ölkrise sei für Washington von zentraler Bedeutung, sei es im
Krieg gegen den Iran oder in seiner aktuellen Politik in
Libyen oder Venezuela. Es möchte seine Initiative durchsetzen,
um us-amerikanischen Unternehmen den Zugang zum libyschen Markt zu ermöglichen.
+ Anscharah bin Taabun (Mitglied Strukturierter Dialog): Es ist nicht möglich, die Umsetzung der Wahlergebnisse zu garantieren, solange die politische und institutionelle Spaltung anhält; die verlierende Partei könnte die Übergabe der Macht verweigern.
+ Salah al-Bakusch
(Politberater): Parlamentspräsident Agila Saleh hat das Gefühl,
dass er gegenüber ar-Radschma (Haftar-Kräften) nichts mehr zu sagen hat
und diese die Entscheidungen treffen – beispielsweise bei dem Beschluss
des Mini-Dialogs 4plus4 zur Umstrukturierung der
Wahlkommission, deren Vorsitzenden Agila im Amt belassen wollte.
Sowohl das Parlament als auch der Staatsrat wollten deshalb die Schritte
der UN-Mission und des US-Gesandten behindern. Doch beide
Kammern scheinen ausgebootet; alles dreht sich nur noch um das,
was Haftar und Dabaiba aufgrund der Boulos-Initiative vereinbaren.
+ Mohammed
Bouisier: Das Problem besteht darin, dass wir einer nicht-libyschen
Macht Tür und Tor öffnen, die die Lage im Land dominiert und die Korruption
kontrolliert, um ihren eigenen Ölkonzernen die Arbeit in Libyen zu ermöglichen.
Keine us-amerikanische, internationale oder sonstige Initiative kann in Libyen
ohne ein echtes Programm zur Bekämpfung der Korruption erfolgreich
sein.
+ 36 Kandidaten
für das Abgeordnetenhaus erklären ihren Widerstand gegen die Boulos-Initiative,
die darauf abziele, die Macht unter zwei Clans aufzuteilen. Sie fordern
die Bildung einer einheitlichen Regierung zwischen den Behörden im
Osten und Westen Libyens.
Alle Versuche zur Ansiedlung von Ausländer und demografischen
Veränderungen werden abgelehnt.
Die Unabhängigkeit und Einheit der Justiz, als letzter Garant für den
libyschen Staat, müsse erhalten bleiben.
Gefordert werde eine transparente Untersuchung der Behinderung des
Wahlprozesses. Das libysche Volk wolle seinen Anspruch auf Wahlen
friedlich zum Ausdruck zu bringen und fordere ein Ende der
Übergangsphasen.
Unterstützt werde jeder nationale oder internationale Prozess,
der zu Wahlen führt – sofern er nicht als Ersatz für den Willen des
Volkes oder als Bevormundung desselben dient.
+ Belkacem Debrez
(Staatsrat): Libyen steckt zwischen drei Clans fest: Haftar im
Osten, Dabaiba im Westen und Trump im Weißen Haus in Washington.
Die UN-Mission habe ihren eigenen Fahrplan aufgegeben und unterwerfe
sich vollständig Massad Boulos und seiner Initiative. Außerdem unterstütze
die UN-Mission die Umsiedlungsprogramme des UNHCR.
+ As-Sadiq
al-Gharyani (Mufti von Tripolis/Moslembruder) rief die Libyer dazu auf, die
Ergebnisse des Strukturierten Dialogs abzulehnen, da damit die Führung
Libyens an internationale Akteure übergeben würde, deren Beteiligung
an der Schaffung und Verlängerung von Krisen nachgewiesen sei.
Die Unterstützung dieser Ergebnisse hätte verheerende Auswirkungen
auf die Struktur des libyschen Staates, an deren Spitze die Aberkennung
des Rechts des libyschen Volkes steht, über die Verfassung abzustimmen.
+ As-Sadiq
al-Gharyani: Eine Reform Libyens ist nur möglich, wenn die Einmischung
der UN-Mission in libysche Angelegenheiten beendet wird und die Libyer
nicht mehr auf deren Vorschläge reagieren.
Die Mission nutzt die Teilnehmer am Strukturierten Dialog
als Werkzeuge, um ihr Projekt durchzusetzen. Angeblich
handle es sich nur um einen „beratenden Status“ und die Libyer
seien befragt worden. Doch dies diene nur dazu, die Empfehlungen
im Sicherheitsrat durchzusetzen und sie den Libyern aufzuzwingen. Dies
sei ein Angriff auf das libysche Volk.
Die Politik der UN-Mission ziele darauf ab, die libysche Krise zu
verlängern, damit sie weiterhin materielle Vorteile daraus ziehen
könne. Die Dialogteilnehmer erhofften sich von ihrer Teilnahme in
einer neuen Ära bedeutende Positionen.
+ Aschraf Budwara (Strukturierter Dialog): Heute braucht Libyen eine neue Phase, die die Jahre der Spaltung, des Chaos‘ und des Staatsversagens beendet, die Institutionen vereint, die staatliche Autorität wiederherstellt und die Legitimität durch freie und faire Wahlen erneuert, die die Entscheidungsgewalt an das libysche Volk zurückgeben.
+ Fathi
asch-Schibli (Partei Stimme des Volkes: Die UN-Mission hat
sich von einer Instanz, die den Weg zur Lösung leiten sollte, zu
einer Instanz gewandelt, die die Krise verwaltet und ihre Dauer
verlängert.
Seit mehr als einem Jahrzehnt änderten sich die Gesandten
und Gesandtschaften, die Initiativen und Bezeichnungen,
doch das Ergebnis bleibe dasselbe: Mehr Dialoge, Treffen und
Fahrpläne, ohne dass man zu einem endgültigen Meilenstein
gelangt, der die Spaltung beendet. Dies habe den Konfliktparteien
die Gelegenheit gegeben, sich an die Spaltung anzupassen und ihre
Interessen zu festigen.
+ Partei Stimme
des Volkes (Fathi asch-Schibli): Wir lehnen alle Projekte
oder Vereinbarungen ab, die die Wiederholung der Übergangsphasen
reproduzieren, die das libysche Volk mehr als anderthalb Jahrzehnte
lang belastet, Chancen für Stabilität und Entwicklung vertan und
die libysche Krise der auswärtigen Verwaltung überlassen haben.
Das libysche Volk akzeptiere keine weiteren provisorischen
Regierungen, keine Übergangsgremien und keine Abkommen, die außerhalb
des Volkswillens entworfen und dann den Libyern aufgezwungen werden.
Jede echte Roadmap muss von einem grundlegenden Prinzip ausgehen, nämlich
der Rückkehr zum Volkswillen als einzigem Quell der Legitimität, fernab von
Elitenabkommen und der Aufteilung deren Einflusses.
„Wir halten fest an der Durchführung gleichzeitiger Präsidentschafts-
und Parlamentswahlen, um eine voll legitime und fähige Exekutive sowie
Legislative zu schaffen, die den Zustand der Spaltung beenden kann.“
Rein parlamentarische Wahlen stellten eine Umgehung des Willens der Libyer
dar und einen Versuch, die Krise zu recyceln und die Übergangsphase
unter neuen Bezeichnungen zu verlängern.
Jede aufrichtige internationale Bemühung sollte sich darauf konzentrieren,
das Recht der Libyer auf freie Wahl zu unterstützen, und nicht
darauf, neue politische Arrangements zu konstruieren, die das Land
als Geisel der Spaltung und Instabilität gefangen halten.
+ Am 14. Juni traf sich Stefanie Khoury
(UN-Mission/US-Amerikanerin) mit Agila Saleh, um den politischen
Prozess voranzutreiben.
Am 15. Juni besprach Stefanie Khoury den politischen Prozess mit dem russischen
Botschafter Aidar Aganin in Bengasi.
+ Kurz vor der Sitzung des
UN-Sicherheitsrat zum Thema Libyen erklärten am 18. Juni der
Präsidialrat, das Parlament und der Staatsrat ihre Einigung auf
ein Grundsatzpapier für eine Roadmap zur Beendigung der
Übergangsphase.
Demnach sollen Präsidentschafts- und Parlamentswahlen synchron spätesten am 17.
Februar 2027 stattfinden, gemäß den Wahlgesetzen, die von der 6+6-Kommission
erarbeitet werden.
„Wir lehnen alle Ansiedlungsprojekte oder indirekt dazu führende Maßnahmen, die
die nationale Wirtschaft beeinträchtigen, ab.
Wir lehnen die Aufhebung des Einfrierung libyscher Gelder und Vermögenswerte
ab, bis zur Wahl eines Präsidenten durch das Volk.
Wir bekräftigen das ausschließliche Recht der National Oil Corporation
(NOC) auf die Vermarktung von Erdöl im Rahmen transparenter, gesetzlicher
Ausschreibungen sowie das ausschließliche Recht auf die Einziehung der Erlöse zugunsten
der Zentralbank und der Auslandsbank.“
Das Abkommen
enthält auch umfassendere politische und wirtschaftliche Vereinbarungen,
einschließlich Verfassungsänderungen, und Schritte zur Vereinheitlichung
souveräner Institutionen. Es schlägt die Aufnahme wichtiger
Wirtschaftsorgane, einschließlich der Libya Investment Authority und
der National Oil Corporation, in die Liste der souveränen
Institutionen vor, die konsensbasierten Regierungsvereinbarungen
unterliegen.
Die Roadmap empfiehlt ferner Reformen der Öl- und Gas-Verwaltung, die Vorbereitung
eines einheitlichen nationalen Haushalts für 2027 und den Schutz der
eingefrorenen ausländischen Vermögenswerte. Es lehnt auch alle
Vereinbarungen ab, die die nationale Souveränität oder die Verwaltung
der staatlichen Ressourcen untergraben.
Ausländische Besatzung
+ Jonathan Winer (ehemaliger US-Gesandte in Libyen): Die Fortsetzung des ausländischen militärischen Einflusses in Libyen geht auf den Wunsch vieler libyscher Parteien zurück, ihre politischen oder sicherheitspolitischen Positionen durch Verbindungen zu externen Sponsoren zu stärken.
+ Massad Boulos
(Trumps Gesandter in Libyen): Wir arbeiten daran, die fragmentierten
Institutionen in Libyen unter eine einzige Autorität zu stellen,
während wir us-amerikanische Ölunternehmen ermutigen, in Libyen zu investieren.
Unser Plan ergänzt die UN-Bemühungen, Parlamentswahlen
durchzuführen, die kurzfristig abgeschlossen werden können, vor
gemeinsamen Parlaments- und Präsidentschaftswahlen.
[Der Boulos-Plan sieht vor, Saddam Haftar an die Spitze eines
Präsidialrats zu setzen, während ‚Premierminister‘ Abdul Hamid Dabaiba
sein Amt behält.]
Dazu Abdullah
Naker (umstrittener Präsidentschaftskandidat): Der Boulos-Initiative
fehlt es an der notwendigen rechtlichen Grundlage und Legitimität.
Sie stellt einen Eingriff in die inneren Angelegenheiten und die nationale
Souveränität dar.
+ Jeremy Brent
(us-amerikanischer Geschäftsträger): Ich habe mit dem libyschen
Außenminister die wirtschaftliche und militärische Zusammenarbeit
zwischen den USA und Libyen, das Abkommen über das einheitliche Budget,
die Überwindung der Spaltungen, die Vereinigung der Institutionen,
die Erreichung eines dauerhaften Friedens und die Schaffung der
Bedingungen für weiteren Wohlstand für das libysche Volk und seine internationalen
Partner besprochen.
Ich habe mit Massud Suleiman (National Oil Corporation) die
Kooperation mit us-amerikanischen Energieunternehmen besprochen
sowie unsere Unterstützung der NOC bei der Erhaltung der
Energieinfrastruktur in Libyen, der Steigerung der Ölproduktion und
ihrer Einnahmen zum Vorteil aller Libyer.
Ich habe mit Abdul Salam az-Zubi (Verteidigungsministerium) Wege
zur Stärkung der militärischen Zusammenarbeit besprochen sowie die Unterstützung
der libyschen Bemühungen um die Vereinigung der militärischen Institutionen
und ihre Professionalisierung.
+ Dschalal
Harschaui (Libyenexperte): Die russischen Streitkräfte sind derzeit
direkt in Libyen präsent. Libyen sei für Russland
unverzichtbar, da sich dort drei strategische Linien überschneiden:
das Mittelmeer, der Südflügel der Nato/Europas und der afrikanische
Kontinent.
Moskau wolle in Libyen keinen neuen Krieg, sondern das
Erreichte sichern. Vorrangig seien dabei der Zugang zum Hafen von Tobruk,
die Stationierung in Luftwaffenstützpunkten wie al-Chadim, Brak
asch-Schati und Dschufra sowie die Präsenz an den Flughäfen
von Sirte und Benina (Bengasi) und an anderen Standorten.
Der Grund für die Anwesenheit so vieler ausländischer Akteure in
Libyen liege in erster Linie an den Entscheidungen der libyschen Führer
selbst, von denen die meisten sich für eine Stärkung durch das Ausland
entschieden haben, um taktische und persönliche Ziele zu erreichen.
Diese ‚Führer‘ böten den ausländischen Staaten ‚Geschenke‘ an, um
im Gegenzug Unterstützung gegen ihre lokalen Rivalen zu erhalten.
+ Scharif Bufarda
(Libyschen Zentrums für Sicherheits- und Militärstudien): Die ausländischen
Stationierungen haben zur Folge, dass es militärische Basen und Standorte
gibt, die faktisch nicht der Kontrolle oder Aufsicht des libyschen Staates
unterliegen.
Dies mache das Land anfällig für Verwicklungen in externe Konflikte
oder Operationen, über deren Entscheidungen es keine Kontrolle
hat. Es könnten ukrainische Experten, Ausrüstung und Drohnen in den Westen
Libyens gekommen sein.
Libyen sei zutiefst zerbrechlich. Seine politischen, militärischen und
sicherheitspolitischen Institutionen seien handlungsunfähig, was für
die Ausweitung ausländischen Einflusses ideal sei.
+ Der EU-Botschafter in Libyen, Nicola Orlando,
weihte einen Vorpostenstützpunkt in der Region Wadi Bi
ein, den die EU der 603. Kompanie (Kommando von Abdelsalam
Zubi) zur Verfügung gestellt hat.
Dieser Stützpunkt am Eingang zum Fessan sei ein wesentlicher Bestandteil
der gemeinsamen militärischen Bemühungen von Ost und West zur Unterstützung
des Waffenstillstandsabkommens.
Jahrestag des Abzugs us-amerikanischer Truppen aus Libyen am 11. Juni 1970
+ Saleh Afhima (Parlamentarier) zum Gedenken an die Räumung der us-amerikanischen Stützpunkte im Jahr 1970: Ein nationaler Erfolg, der zu echter Unabhängigkeit führte und die Souveränität Libyens durchsetzte.
+ Achmed Hamza
(Nationalen Institution für Menschenrechte): Am 11. Juni 1970
musste die Wheelus-Luftwaffenbasis (heute Maitiga) von den USA
in Tripolis geräumt werden. Sie galt als die größte Basis der USA in
Nordafrika.
Frage: Wie viele ausländische Militärbasen gibt es heute in Libyen?
+ Abd al-Madschid
Uthman Madi (Libyscher Stammesrat): Mit der al-Fatha-Revolution
im Jahr 1969 begannen die echten Verhandlungen mit allen Ländern
über den Abzug aus unseren Territorien, worauf Großbritannien im März
1970 abzog, gefolgt von den USA im Juni und schließlich Italien
im Oktober.
Dies seien die Daten der wahren Unabhängigkeit Libyens.
+ Mustafa az-Zaidi (Bewegung Revolutionskomitee): Das Gedenken an diesen Tag ist eine nationale Pflicht für jeden, der sein Land befreit von ausländischer Herrschaft und ausländischen Truppen und Stützpunkten sehen möchte, und der danach strebt, dem Chaos, der Anarchie und der Korruption, die unser Land heimsuchen, ein Ende zu setzen.
+ Dschaballah asch-Schibani (Abgeordneter): Alle Länder der Welt, einschließlich der großen Atommächte, feiern den Abzug ausländischer Truppen aus ihrem Hoheitsgebiet und ihre Unabhängigkeit… Dies sollte eine Warnung an die heutigen Stützpunkte sein.
+ Abdulaziz Aghnia (Politexperte): Der 11. Juni ist ein glorreicher nationaler Feiertag der Jugend.
Migration
+ LibyaPress: Am 16. Juni fand eine Protestaktion vor dem Sitz der Internationalen Organisation für Migration (IOM) in Tripolis statt. Die Zugänge wurden mit Erdwällen blockiert. Gefordert wurde die Abschiebung von illegalen Migranten.
+ Intisar al-Galib veröffentlichte eine Tonaufnahme von Muammar al-Gaddafi aus dem Jahr 2009, die die Anweisung enthält, ein Gesetz zu erlassen, das die Beschäftigung ausländischer Arbeitskräfte nur unter bestimmten Auflagen erlaubt und libyschen Arbeitskräften Vorrang einräumt.
+ Partei Stimme
des Volkes (Fathi asch-Schibli): Wir haben die Machbarkeitsstudie
der Internationalen Organisation für Migration (IOM) zur Regelung
des Status von Migranten in Libyen vom April 2023 studiert.
Aus der Studie ergebe sich, dass der Aufenthaltsstatus illegaler
Migranten von einem vorübergehenden Transit in eine dauerhafte
Niederlassung überführt werden soll. Es solle eine langfristige
Strategie entwickelt werden, um die Migranten in die libysche
Gesellschaft zu integrieren. Es handle sich dabei um eine Roadmap
zur Veränderung der Demografie Libyens durch die Ansiedlung
Hunderttausender Migranten.
Die Studie zeige, dass 37 Prozent der Migranten beabsichtigen, in
Libyen zu bleiben, wobei die Gewährung eines legalen Status diesen
Anteil erhöhen würde. Die wirtschaftliche Agenda bestehe darin, einen parallelen
Arbeitsmarkt zu schaffen, der auf billiger Arbeitskraft basiert und
die Chancen der Libyer untergräbt.
Dieses Konzept ziele darauf ab, eine billige Arbeiterklasse zu
schaffen, was es für ärmere Libyer schwierig mache, einen Arbeitsplatz
zu ergattern, der für viele arme Familien überlebenswichtig ist. Die
Studie ignoriere auch, dass Migranten ihren Verdienst in die Heimatländer
überweisen und das Geld nicht im Inland verbleibt.
Diese Agenda zersetze die nationale Souveränität und
unterwerfe Libyen internationalen Rahmenbedingungen, die den nationalen
Interessen widersprechen.
Die Studie beinhalte eine indirekte Drohung, dass – sollte Libyen
dieser Agenda nicht folgen – es mit internationaler Verurteilung und
Isolation rechnen müsse.
Die administrative Agenda bestehe darin, das libysche System mit vereinfachten
Verfahren zu überfluten, um unkontrollierbare große Zahlen zu
gewährleisten. Die modellhafte regionale Agenda bestehe darin, Libyen
in ein Testlabor für westliche Migrationspolitik in der Region zu
verwandeln. Die soziale und kulturelle Agenda bestehe darin, die sozialen
Bevölkerungsgruppen Libyens und seine arabisch-islamische Identität
zu verändern.
Die Studie offenbare die koloniale Grundhaltung, die Libyen als leeres Gefäß
behandle, das nach Belieben gefüllt werden kann.
Die Studie sehe vor, den libyschen Staat mit rechtlichen,
finanziellen und administrativen Verpflichtungen zu überladen, die
seine Kapazitäten bei Weitem übersteigen. So werde Libyen aufgefordert, Krankenversicherung,
Bildung und Wohnraum für Migranten bereitzustellen. Könne
Libyen dem nicht nachkommen, rechtfertige dies weitere externe
Interventionen in innere Angelegenheiten.
+ Abdul
Hamid-Dabaiba: Einige haben das Thema der illegalen Migration ausgenutzt,
um Unruhe zu stiften. Wir haben Katar gebeten, uns bei der Rückführung
der Migranten zu unterstützen, und die Gerüchte, Katar würde
die Ansiedlung von Migranten in Libyen fördern, sind Spekulation.
Es gehe nicht an, Länder anzugreifen, die uns helfen, wie Katar
und die Türkei. Das Thema müsse verantwortungsbewusst und
realistisch angegangen werden. Das Problem liege nicht bei den
Migranten, sondern darin, wie sie libysches Gebiet betreten und wie
einige von ihnen mit gefälschten Papieren auf einem libyschen Flughafen
ankommen.
Die meisten der Sahara-Routen, über die Migranten aus Tschad, Niger
und Sudan einreisen, werden von Banden kontrolliert.
+ Mustafa
al-Fituri (Politikwissenschaftler): Die von der EU herbeigeführten
akuten demografischen Probleme in Libyen, bei denen es darum geht, die Migranten
auf libyschem Gebiet festzuhalten, sind ein Nato-Erbe.
Der Versuch des Westens, Migranten auf unbestimmte Zeit in
Libyen anzusiedeln, habe auf den Straßen beispiellose Wut ausgelöst.
Libyen versinke im Chaos und die Menschen sind der Ansicht, dass
die Nato die Ansiedlung von Migranten unterstützt.
As-Sadiq al-Gharyani (Mufti von Tripolis und Muslimbruder) strebe
danach, Libyen zu einer dauerhafte Auffangstation für in Europa
unerwünschte Migranten zu machen.
Das Thema Migration gehe auf die Nato-Intervention des Jahres
2011 zurück, als die westlichen Mächte unter dem Deckmantel falscher
Versprechungen Bomben abwarfen und einen bestehenden souveränen Staat
zerlegten. Der Westen habe ein dauerhaftes Sicherheitsvakuum
sowie ein Erbe institutioneller Korruption zurückgelassen.
+ Ahmed Hamza (Nationale Institution für Menschenrechte): Der Aufruf zur Ausweisung der Internationalen Organisation für Migration ist geschmackloser Unsinn, um fragwürdige politische Agenden durchzusetzen.
+ Die Behörden im Osten Libyens haben eine Festnahmekampagne in Tobruk und anderen Gebieten durchgeführt, die zur Inhaftierung von Hunderten sudanesischer Flüchtlinge führte.
+ Militärrat von Misrata: Der UNHCR, die UN-Mission und internationale Organisationen haben libysche Gesetze überschritten und die nationale Souveränität verletzt. Wir warnen vor einem systematischen Ansiedlungsprojekt für illegale Migranten und vor einem demographischen Wandel. Wir lehnen die Versuche Europas ab, Libyen die Verantwortung für illegale Migration aufzubürden.
+ Der griechische Ministerpräsident Kyriakos
Mitsotakis: Wir sind besorgt über den zunehmenden Zustrom
illegaler Migration aus Libyen.
Die Seeroute vom Osten Libyens nach Kreta stelle eine direkte
Herausforderung für Griechenland und die EU dar. Es werde
daran gearbeitet, Trainingsprogramme für Mitglieder der libyschen
Küstenwache bereitzustellen, um den Schmuggel zu bekämpfen
und die Kontrolle der Seegrenzen zu stärken.
+ Ursula von der
Leyen (EU- Kommissionspräsidentin) vor dem Europäischen Rat:
Wir unterstützen die freiwillige Rückkehr von Migranten aus Libyen in
ihre Herkunftsländer in Zusammenarbeit mit den libyschen Behörden
und der Hebräischen Universität in Jerusalem.
„Wir bieten gezielte finanzielle und operative Unterstützung zur
Stärkung der Grenzkontrolle, zur Verbesserung der Such- und
Rettungskapazitäten sowie zur Bekämpfung des Menschenschmuggels und
zur Eindämmung illegaler Abfahrten.“
Libyen spielt somit eine immer wichtigere Rolle in der EU-Migrationsstrategie,
da Brüssel eine Ausweitung der Zusammenarbeit mit nordafrikanischen Ländern
zur Eindämmung der illegalen Migration über das Mittelmeer in Betracht
zieht. Nach europäischen Daten verließen im Jahr 2025 mehr
als 65.000 Migranten Libyen. Dies unterstreiche die Bedeutung des
Landes für die regionale Migrationsdynamik. Fast 12.000 Migranten
dieses Jahres bereits aus Libyen nach Italien, viele stammen aus
Ländern wie Sudan, Somalia und Bangladesch.
Saif al-Islam Gaddafi / Dschamahiriya
+ Abdul Salam ar-Radschhi (Politanalyst): 129 Tage sind vergangen seit der Ermordung von Saif al-Islam al-Gaddafi und 99 Tage seit der Bekanntgabe der Staatsanwaltschaft über die Identität der Verdächtigen – doch sie können oder wollen sie nicht festnehmen.
+ Anas az-Zaidani (Blogger): Oberst Muammar al-Gaddafi deckte auf dem arabischen Gipfel in Damaskus im Jahr 2008 historische Fakten auf, die erst Jahre später wirklich verstanden wurden, und warnte die arabischen Staatschefs: „Ihr seid als Nächste dran“.
+ Al-Haidsch Abdullah Abu Saqr, Offiziere der Freien Unionisten, erinnert sich: Oberst Muammar al-Gaddafi wollte im Kampf gegen die westlichen Staaten, dass die Araber ihr Dreigespann aus „Land, Menschen und Kapital“ nutzen, um einen großen Staat zu schaffen, der weltweit Gewicht hat.
+ Ihmad at-Tahami:
Ich war in den Revolutionskomitees und weiß, dass eine Idee nicht mit
dem Tod ihres Urhebers stirbt:
Für ‚revolutionärer Gewalt‘ gab es eine Bedingung: dass sie einer
Gruppe gegenüber ausgeübt wird, die selbst Gewalt ausgeübt hat
und fähig ist, dies wieder zu tun.
Während seines gesamten Lebens
und seiner gesamten Herrschaft habe es Muammar Gaddafi niemals erlaubt,
gegen gewöhnliche Menschen oder gegen Demonstranten Gewalt
auszuüben.
„Er erlaubte niemals, dass Unschuldige im Namen der
Revolutionskomitees getötet werden, und ich war Mitglied in diesen
Komitees.“
Diese revolutionäre Gewalt wurde nur gegen jene ausgeübt, die
zuerst Gewalt ausübten, und sie war bedingt und begrenzt. Diese
Lektion wurde allen Mitgliedern der Revolutionskomitees erteilt.
Die Revolutionskomitees spielten in den letzten Jahren keine
große Rolle mehr, aber als der sogenannte Übergangsnationalrat
kam, wurden die Revolutionskomitees mit Vorwürfen überzogen.
+ The
Independent Arabia: Der Zusammenbruch des Regimes von Muammar
al-Gaddafi wirkte sich auch auf die Nachbarländer aus, insbesondere
als libysche Waffen in Umlauf gerieten und in die Hände von
kriminellen Gruppen fielen, die damit grenzüberschreitenden Handel
betrieben, um bewaffnete Operationen auszubauen.
Die Verbreitung von Waffen nach dem Zusammenbruch des Gaddafi-Regimes
war einer der wichtigsten Faktoren für das Wachstum terroristischer
Organisationen in der Sahelzone.
UN-Berichten zufolge befinden sich 29 Millionen illegale Waffen
auf libyschem Gebiet, was vier Waffen pro libyschem Bürger entspricht.
Die Einheit Libyens – Widerstand gegen ‚Zentralregion‘ und Dreiteilung
+ Abdullah Naker
(Präsidentschaftskandidat) bekräftigt erneut die Ausrufung der „Zentralregion“
al-Hamada al-Hamra.
Libyen werde in Hauptregionen unterteilt, darunter die Region Fessan mit
rund 442.000 Einwohnern, was acht Prozent der libyschen Bevölkerung
entspricht; in die Region Kyrenaika (Barqa) mit rund 1.614.000
Einwohnern, was einem Anteil von 29 Prozent entspricht, und in die Region
Groß-Tripolis mit rund 3.601.853 Einwohnern, was laut der letzten
Volkszählung einem Anteil von 63 Prozent entspricht.
Es soll eine vierte Region geschaffen werden, eine ‚Zentralregion‘
al-Hamada al-Hamra, um in künftigen Verhandlungen ein gewisses zahlenmäßiges
und politisches Gleichgewicht herzustellen.
+ Der Sozialrat der
Warfalle-Stämme verkündete seinen Widerstand gegen das Projekt
einer „Zentralregion“ und verhängt ein Zugangsverbot für die
Bürgermeister der Gemeinden zu ihren Amtssitzen, bis diese sich aus
dem Projekt zurückziehen.
Das Projekt werde von allen Libyern abgelehnt, da es auf eine Spaltung
Libyens abziele.
+ Der Sozialrat der
Scheichs und Würdenträger der Gemeinde al-Chums: Wir lehnen die
Schaffung der sogenannten „Zentralregion“ ab, denn die Stadt al-Chums
hat ihre eigene, fest verankerte soziale, historische und nationale Stellung.
Ihr Verwaltungsstatus dürfe nicht auf einseitigen
Entscheidungen beruhen.
„Wir bekräftigen unseren Stolz auf die brüderlichen Beziehungen zu
allen libyschen Städten und Regionen. In der jetzigen Phase müsse
die Stärkung der nationalen Einheit, die Vereinigung ihrer
Institutionen sowie die Stabilität und Entwicklung und der Dienst
am Bürger oberste Priorität haben.
Wir halten an der Einheit und Souveränität Libyens fest und lehnen
jede Beeinträchtigung des sozialen und politischen Zusammenhalts des Staates ab.
Wir lehnen alles ab, was gegen die Gesetze verstößt,
nicht die Zustimmung der libyschen Bevölkerung findet, und nur den Interessen
einzelner Personen oder Regionen auf Kosten des Vaterlandes dient.“
+ Die Einwohner der Gemeinde Tininai schloss das Rathaus, um gegen die Eingliederung der Gemeinde in die ‚Zentralregion‘ zu protestieren, da dieser Beschluss nicht dem Willen der Bevölkerung entspreche.
+ Al-Arab
(London): Dem Gaddafi-Regime ist es zu verdanken, dass seit
dem 1. September 1969 Libyen seine Einheit bewahrt hat, indem es
den Zentralstaat, durch den es sein ideologisches Projekt verwirklichte,
dauerhaft festigte.
Von der historischen Aufteilung Libyens in drei Regionen, wie sie in der
Verfassung von 1951 vorgesehen war, die Libyen als föderale
Monarchie mit drei Bundesstaaten definierte, kann derzeit keine Rede
sein. Diese Aufteilung spiegelte die damalige Realität in einem Land
wider, das seinen heutigen Namen erst 1934 erhielt, als Italien ein
Dekret erließ, das die Regionen Tripolis, Kyrenaika (Barqa) und Fessan
zu einer einzigen Kolonie zusammenfasste.
Am 26. April 1963 wurde die Abschaffung des föderalen Systems in
Libyen durch eine Verfassungsänderung offiziell verkündet. Das
Land wurde vom Vereinigten Libyschen Königreich in einen Einheitsstaat
unter dem Namen Libysches Königreich umgewandelt.
Nach dem Sturz des Gaddafi-Regimes im Jahr 2011 sah die vom Nationalen
Übergangsrat erlassene Verfassungserklärung keine Aufteilung
Libyens vor. Infolge des einsetzenden Chaos‘ versuchten interne
und externe Kräfte, regionale, lokale und sogar stammesbezogene
Empfindlichkeiten auszunutzen.
Die beiden rivalisierenden Machtzentren in Tripolis und Bengasi seien
das Ergebnis eines internen Machtkampfs, bei dem regionale und
internationale Einflüsse eine Rolle spielten, die nichts mit
der historischen Aufteilung gemäß der Verfassung von 1951 zu
tun haben, sondern vielmehr das Ergebnis eines internen Machtkampfs
mit regionalen und internationalen Einflüssen sind. Die tatsächlichen
Gegebenheiten vor Ort dürften nicht ignoriert werden.
Jede Vereinbarung außerhalb des Verfassungsrahmens und des Gesetzes wird
die Tinte nicht wert sein, mit der sie geschrieben ist.
+ Kamel al-Marasch
(Politanalyst): Die Verweigerungshaltung der Bevölkerung
gegenüber der Einführung einer „Zentralregion“ drückt den starken
Volkswillen gegen alles aus, was die Spaltung des Landes
vertiefen könnte.
Die von Misrata ausgerufene „Zentralregion“ stütze sich auf die Misrata-Milizen,
während Dabaiba untätig bleibe. Das wahre Ziel sei es, durch die Monopolisierung
der Zuteilungen innerhalb der neuen „Zentralregion“ einen größeren
Anteil am Staatsbudget zu erhalten, wobei Bani Walid, Tarhuna und
al-Chums leer ausgehen könnten.
+ Mohammed al-Mabchar (Präsident des Rates der Weisen von Libyen): Das Gerede über das Provinzsystem und die Föderation ist zu diesem Zeitpunkt ein riskantes Unterfangen mit ungewissen Folgen. Es trägt zur Spaltung und Zersplitterung bei, nicht zur Wiedervereinigung.
+ Abdul Monim
al-Arifi (Abgeordneter): Das Projekt „Zentralregion“ hat politische
Dimensionen, die über den offiziell angegebenen Charakter hinausgehen.
Es zielt darauf ab, einen neuen politischen Akteur auf der
libyschen Bühne zu etablieren und das Kräfteverhältnis neu
zu gestalten.
Es gebe im Parlament und in der Bevölkerung Widerstand gegen
jeden Schritt, der die Einheit des Staates beeinträchtigen oder
seine Verwaltungsstruktur außerhalb des verfassungsrechtlichen Rahmens umgestalten
könnte. Diese Schritte stellten einen Bruch mit den Grundlagen dar, auf
denen der libysche Staat aufgebaut ist.
+ Dschaballah al-Schibani (Parlamentarier): Hinter dem Versuch, neue Regionen zu bilden, müssen externe Agenden stecken. Dieser Versuch zu diesem Zeitpunkt rufe erneut Verwirrung und Zersplitterung hervor.
+ Middle East
Online (GB): Die Forderung nach der Gründung neuer Regionen
wecken angesichts der politischen Spaltung und der Schwäche der
staatlichen Institutionen Befürchtungen hinsichtlich der Zukunft
der Einheit Libyens.
Diese Initiative, die unter dem Deckmantel von Entwicklung
sowie Macht- und Wohlstandsverteilung vorgebracht wird, birgt erhebliche
Risiken, da sie die Polarisierung vertiefen könnte, anstatt deren
Ursachen zu beseitigen. Sie könnte die regionalen und stammesbezogenen
Identitäten auf Kosten einer einheitlichen nationalen Identität stärken
und so die Konkurrenz um politischen Einfluss und wirtschaftliche Ressourcen
befeuern.
Militär/Milizen/Gewalt
+ LibyaPress: In az-Zawiya starb am 13. Juni der junge Ali Schalladi in einem Kugelhagel nahe des Hauptquartiers des 103. Bataillons (Kommando Osman al-Lahab).
+ LibyaPress: In az-Zawiya wurde das Milizenmitglied Mohammed az-Zweik erschossen.
+ Mohammed an-Naeli, Mitglied des 103. Infanteriebataillons (as-Sala-Bataillon/Kommando Othman al-Lahab), wurde bei einem bewaffneten Angriff getötet. Es wurden auch mehrere Fahrzeuge beschädigt.
+ Nationale
Institution für Menschenrechte: Mohammed Khalil wurde am 17.
Juni in der Gemeinde as-Sawani durch Mitglieder der 55.
Infanteriebataillon (Kommando: Muammar ad-Dawi) erschossen.
Das Opfer und seine Familie waren vorher aus ihren Häusern in
der Region Garquscha (Wirschefana) von eben diesem Bataillon vertrieben
worden.
+ Nationale
Menschenrechtskommission: Die Behörden im Westen Libyens sind
für die Entführung des ehemaligen Präsidenten des libyschen Fußballverbands,
Abdel Nasser as-Suwai, am 15. Juni nahe Tripolis verantwortlich.
Dieser müsse unverzüglich der Staatsanwaltschaft vorgeführt werden.
Die willkürliche Festnahme erfolgte einen Tag, nachdem er sich
mit Mitgliedern libyscher Vereine getroffen hatte und deren Unterstützung
für die Übernahme des Vorsitzes des libyschen Fußballverbands erhalten hatte.
Es liegen keinerlei Informationen über seinen Aufenthaltsort,
seinen Zustand oder die Gründe für seine Inhaftierung vor, was
bei seiner Familie große Sorge um sein Leben ausgelöst hat.
+ Amnesty International forderte die Behörden Ostlibyens auf, die zehn festgenommenen Mitglieder des Sumud-Landkonvois, deren Haft um weitere dreißig Tage verlängert wurde, umgehend freizulassen. Die Freedom-Flottille versuchte, Hilfsgüter auf dem Landweg über Libyen und Ägypten nach Gaza zu bringen.
+ Nationale Institution für Menschenrechte: Am 10. Juni verschwand Iyad Mohammed Radsch aus Tahuna, nachdem er das Haus seiner Familie in Tripolis verlassen hatte. Sein Verbleib ist unbekannt.
+ Nationale
Menschenrechtsorganisation: Mehrere Personen wurden in der
Nähe des Grenzübergangs Ras-Adschdir nach Tunesien festgenommen und an
einen unbekannten Ort verbracht; unter ihnen befindet sich auch ein Krebspatient,
der zur Behandlung nach Tunesien wollte. Die Festnahmen erfolgten
aufgrund ihrer Zugehörigkeit zur Stadt Misrata.
In den vorangegangenen Tagen waren Personen aus der Stadt Zuwara
von einer der Sicherheitsbehörden in der Stadt al-Chums festgenommen
worden. Es könnte sich um den Versuch eines Austauschs der jeweils
Festgenommenen handeln.
+ Der Justizausschuss berichtete über das gewaltsame Verschwinden des 70-jährigen Sufis Dschumaa Faradsch al-Fituri, nachdem er am 16. Mai 2026 vom 210. Infanteriebataillon in seinem Haus in Bengasi festgenommen worden war. Über seinen weiteren Verbleib ist nichts bekannt.
+ Nationale
Institution für Menschenrechte erklärte die ostlibyschen Behörden
verantwortlich für die willkürliche Inhaftierung des Anwalts Muhammad
Hussein al-Dscharuschi im Jahr 2016. Er werde ohne Klärung
seines rechtlichen Status in Haft gehalten.
„Wir warnen die Behörden Ostlibyens vor den Folgen der
fortgesetzten Verbrechen willkürlicher Inhaftierungen und des Verschwindenlassens
von Personen.“
+ Nationale
Institution für Menschenrechte: Fadlallah Mustafa al-Baqirmawi wurde
am 19. April 2017 von maskierten Bewaffneten in Abu Atni entführt.
Sein Verbleib ist bis heute unbekannt.
„Wir fordern die zuständigen Behörden auf, nach dem Betroffenen
zu suchen, sein Schicksal zu klären und seine Freilassung zu
gewährleisten.“
+ Nationale
Institution für Menschenrechte: Der Aktivist Abdul Mutalib
as-Sarhani wurde am 27. August 2017 in Bengasi von Bewaffneten
verschleppt. Über sein weiteres Schicksal ist nichts bekannt. Trotz
Aufforderungen haben die Behörden im Osten nichts unternommen, um sein Verschwinden
aufzuklären.
„Wir fordern die sofortige Aufklärung des Schicksals von Abdul
Mutalib as-Sarhani und seine bedingungslose Freilassung.“
+ Nationale
Institution für Menschenrechte: 2019 wurde Abd al-Hamid
Massud az-Zayani in seinem Haus in Sirte willkürlich festgenommen.
Sein Verbleib ist bis heute nicht bekannt.
Mitgefangene berichteten, dass ihm unter Folter Geständnisse
abgezwungen wurden.
Az-Zayani müsse einem Richter vorgeführt werden.
+ Ascharq
al-Awsat (Saudi-Arabien): Eine der gravierendsten Folgen der politischen
Spaltung und der Milizenherrschaft ist die Rekrutierung von
Kindern.
Jungen im Alter von 16 bis 17 Jahren wurden für Milizen rekrutiert,
obwohl die libyschen Militärgesetze, unter Oberst Muammar al-Gaddafi
erlassen, das gesetzliche Rekrutierungsalter auf 18 Jahre festlegen.
Der wirtschaftliche Niedergang und der Rückgang des Lebensstandards
trieben Kinder, die nach Geld oder einem Gefühl von Zugehörigkeit und
Stärke suchten, dazu, sich Milizen anzuschließen. Deren Aufgaben
umfassten auch den Transport von Nachschub, logistische Aufgaben und
andre Unterstützungsdienste.
+ Eva Zaid (Strukturierter Dialog): Das Problem der Rekrutierung von Kindern ist in Libyen weit verbreitet und macht den Ausbruch neuer Konflikte wahrscheinlicher. Und es beraubt das Land aufgrund des Schulabbruchs ziviler Fachkräfte.
+ Nationale
Menschenrechtsinstitution: Söldner verschiedener afrikanischer
Nationalitäten werden vom 55. Infanteriebataillon (Kommando Muammar
ad-Dhawi) rekrutiert.
Schätzungen gingen davon aus, dass 200 Söldner rekrutiert und auf
verschiedene Lager verteilt wurden. Die Inanspruchnahme von Söldnern
im Falle eines Bürgerkriegs und interner bewaffneter
Auseinandersetzungen stelle ein Kriegsverbrechen dar.
Es müsse sichergestellt werden, dass rechtliche Maßnahmen ergriffen
werden, um die Verantwortlichen für die Anwerbung und Rekrutierung
dieser Söldner zur Rechenschaft zu ziehen. Die Kontrolle über
grenzüberschreitende Finanzflüsse für Soldzahlungen müsse verschärft
werden.
+ Salem az-Zubi
(Bruder von Abd as-Salem az-Zubi, dem stellvertretenden Verteidigungsminister/Tripolis)
empfing eine algerische Militärdelegation am Flughafen von Tripolis.
Es stelle sich die Frage, nach dessen rechtlicher und offizieller Befugnis.
Analysen
+ Al-Arab
(London): Libyen ist seit dem Sturz des Regimes von Muammar al-Gaddafi im
Jahr 2011 in ein politisches und sicherheitspolitisches Labyrinth geraten, aus
dem es bis heute nicht herausgefunden hat.
Der Westen habe Libyen in einem institutionellen Vakuum zurückgelassen, ohne
Sicherheits- oder politische Institutionen, die in der Lage gewesen wären,
die Übergangsphase zu bewältigen. Dies habe den Milizen Tür und Tor geöffnet,
und es den regionalen Mächten ermöglicht, entsprechend ihren Interessen
einzugreifen.
Die Vereinten Nationen versuchten zu moderieren, doch das Fehlen eines Konsens‘
unter den Großmächten führte zur Blockade jeder Initiative.
Die USA zeigten kein Interesse, die EU war zwischen Frankreich und Italien
gespalten und Russland nutzte die Libyen-Frage als Verhandlungskarte in anderen
Konflikten.
Die europäische Politik konzentrierte sich auf die Unterstützung der libyschen
Küstenwache, um Migranten daran zu hindern, über das Mittelmeer Europa zu
erreichen, investierte jedoch nicht ausreichend in den Aufbau staatlicher
Institutionen oder die Förderung der lokalen Entwicklung.
Die Abhängigkeit vom Öl hat den Staat zur Geisel der Verteilung des Reichtums
unter den Machtzentren gemacht, wobei die Einnahmen durch das Erdöl zum Kauf
von Loyalitäten oder der Finanzierung von Milizen verwendet wurden.
Die libyschen Bürger haben das Vertrauen in die politischen Eliten verloren,
nachdem es wiederholt gescheitert ist, Wahlen zu organisieren oder eine
Versöhnung zu erreichen.
+ Al-Arab:
Das Auftauchen privater Ölfirmen, die mit bewaffneten Fraktionen
verbunden sind, stellt einen Präzedenzfall dar, der das Monopol
der National Oil Corporation (NOC) bricht und Teile der Öleinnahmen
von der Zentralbank abzweigt. Dies spiegle den wachsenden Einfluss der
bewaffneten Akteure auf den Ölsektor wider.
Die us-amerikanische Initiative könne nicht isoliert vom erbitterten
geopolitischen Wettkampf um Einfluss in Libyen verstanden werden, das zu
einem Schauplatz für einen komplexen regionalen und internationalen Konflikt
geworden ist. Externe Mächte bewaffneten lokale Agenten, um ihre
eigenen Agenden zu bedienen.
Hierbei sei Russland der Hauptgegner der USA, wobei die russische
Präsenz im Osten Libyens durch den Übergang von der
halb-militärischen Wagner-Gruppe zu einer offiziellen russischen Präsenz
unter dem Dach des russischen Verteidigungsministeriums gestärkt wurde. Russland
kontrolliere Flugbasen, logistische Zentren und wichtige Wüstenstraßen
und stationiere seine Truppen in der Nähe von Ölfeldern und Häfen.
Dies verleihe Moskau erheblichen Einfluss auf die Zukunft der
libyschen Ressourcen und mache es westlichen Unternehmen schwer, ohne
Sicherheitsgarantien zu operieren.
Die Türkei hingegen habe nach der Unterzeichnung eines Abkommens zur
Festlegung der Seegrenzen mit der Regierung in Tripolis im Jahr 2019
ein de facto Vetorecht über den westlichen Sicherheitssektor und die libyschen
Seegebiete erlangt.
Die us-amerikanische Initiative soll Washington als Alternative
zum russischen und türkischen Einfluss behaupten, und das durch einen mehrstufigen
Ansatz, der Sicherheit, Diplomatie und Wirtschaft
kombiniert.
+ Achmed Senussi
(Wirtschaftsjournalist): Libyen hat sich zu einem System gewandelt, das nichts
als Korruption hervorbringt.
Seit 2011 habe es in Libyen keine einzige öffentliche Ausschreibung
gegeben.
Der Cyberangriff auf das Finanzsystem des libyschen Staates – es
wurden die Lohnlisten und Personalnummern gehackt – könnte den Sturz des
Zentralbankchefs Nadschi Issa zur Folge haben. Monatlich werden Milliarden
für fiktive Mitarbeiter ausgegeben, und niemand kontrolliere dies,
weil die Kontrollbehörde selbst fiktive Mitarbeiter hat.
Auch das System der Kreditvergabe funktioniere auf Korruptionsbasis.
Musaid Suleiman, Chef der National Oil Corporation, habe unzählige
Personen aus seiner Verwandtschaft eingestellt. Er habe den Ölsektor
unwiderruflich zerstört, indem er die Ölingenieure in Tobruk, Bengasi
und Tripoli ohne Anstellung ließ und drei Viertel der Eingestellten keine
Erfahrung auf dem Ölsektor haben.
Der Staat sei korrupt und die Korruption legalisiert. An
seiner Spitze stehe eine Bande von Dieben. Auf die US-Amerikaner
könne man sich nicht verlassen, weil sie von der Korruption
profitieren und durch sie an das Öl kommen.
+ Al-Arab
(London): Libyen belegt weltweit Platz 12 unter den Ländern, die am
anfälligsten für Gewalt bei Wahlen sind.
Die Wahlen, insbesondere 2014, waren nicht nur ein gescheiterter
Wahlprozess, sondern entzündeten bewaffnete Konfrontationen, die die
Nation zerrissen und das Land in einen Kriegswirbel stürzten.
Nach den Wahlen erfolgte eine militärische Spaltung, die die Frontlinien
für Jahre vorgab.
Im Gegensatz dazu gebe es den Versuch, einen Ausweg aus diesen
Vorgaben zu finden, doch erfordere der Übergang von den Ergebnissen
des Strukturierten Dialogs zu einer politischen Realität
deutlich mehr als gute Absichten.
Es gebe die institutionelle Spaltung zwischen Parlament und
Staatsrat, genauso wie zahlreiche bewaffnete Formationen, die
außerhalb der Staatsgewalt operieren, und von denen jede ihre eigene
regionale, politische oder wirtschaftliche Agenda hat, und die in der Lage
sind, Wahlen in bestimmten Regionen zu verhindern oder bestimmte Kandidatenaufstellungen
zu erzwingen. Daneben gebe es mehrere Wahlgesetze, die zum Teil auf Druck
entstanden.
Die hohe Wahlbeteiligung bei den jüngsten Kommunalwahlen, die trotz
schwieriger Bedingungen in mehreren Städten stattfanden, waren eine erfreuliche
Überraschung für internationale Beobachter. Dies zeige, dass die Menschen
in Libyen gierig nach Veränderungen über die Wahlurne sind.
Jede Wahl, der dem Gericht nicht die volle Befugnis zur
Überwachung des Ablaufs und zur Entscheidung über Beschwerden gibt, kann
nicht als demokratischer Prozess gelten.
Demonstrationen/Proteste
+ Der Verband der Zollbeamten in Misrata protestierte gegen die willkürlichen Erhöhungen der Transport- und Dienstleistungspreise. Man leide durch den dadurch ausgelösten Stau von Waren im Hafen der Freihandelszone.
+ Die Einwohner
der Region al-Ghararat forderten die zuständigen Behörden auf, die Entschädigungen
für die vom Bau der dritten Ringstraße Betroffenen zügig auszuzahlen.
Das Projekt sei fast fertiggestellt, während sie nach drei Jahren immer noch
nicht entschädigt wurden.
Sollten ihre Forderungen nicht erfüllt werden, drohten sie mit
einem Baustopp. Ihre Geduld sei erschöpft.
+ Familien der Aqayir-Region in Misrata werfen der Dabaiba-‚Regierung‘ diplomatisches Versagen vor. Ihr Familienmitglied Achmed as-Senussi al-Ghwel werde seit einem Jahr im Niger festgehalten. Die Regierung wird aufgefordert, sich um seine Freilassung zu bemühen.
Innerlibysche Nachrichten
+ LibyaPress: Am 11. Juni wurde erneut die Libysche Zentralbank gehackt und die Forderung gestellt, das Sicherheitssystem einer Firma für IT-Sicherheit zu übertragen.
+ Achmed
as-Senussi (Wirtschaftsexperte): Das IT-System des Finanzministeriums
wurde vollständig gehackt.
Die Dementis des Ministeriums seien entweder Lügen oder sie hätten
keine Ahnung. „Libyen steht nun mit nacktem Hintern da.“
+ Khalil al-Hasi (Journalist): Der Leiter der IT-Abteilung der Zentralbank, Musab Muslim, war aus Nachlässigkeit in Istanbul Opfer eines Angriffs auf seinen Laptop geworden. Dieser Cyberangriff hatte den Hack der Zentralbank zur Folge.
+ Khaled Massud
(Justizminister der Bengasi-Parallelregierung) kündigte die Gründung einer Hochschule
für Justiz im östlichen Libyen an. Saad Aqila Mohammed Adam soll
dessen Direktor werden.
Die Hochschule für Justiz in Tripolis setzt derweil ihre
Arbeit mit dem dortigen Direktor Faradsch Ali Machmudi fort.
Diese Entwicklung zeuge von der fortschreitenden Spaltung innerhalb der
Justiz des Landes sowie der Existenz zweier juristischer
Parallelstrukturen.
+ Sky News
Arabia: Der von der Kofi-Anan-Stiftung veröffentlichte Index
der Wahlunsicherheit stuft Libyen als eines der 15 Länder
ein, in denen Wahlen in den Jahren 2026–2027 angesichts der politischen
und institutionellen Spaltung am stärksten von Gewalt bedroht sind; Libyen
belegt den zwölften Platz.
Dies könnte durch einen klaren Konsens über die Sicherheitsvorkehrungen
und die Gesetze zur Regelung des Wahlprozesses sowie durch
die Entwaffnung der Milizen überwunden werden.
+ Das Amtsgericht al-Adschilat erklärte die Ergebnisse der Gemeinderatswahlen für ungültig, da es im Wahlverlauf zu Wahlfälschungen gekommen sei.
+ Einwohner
der Gemeinde Wadi Ataba protestierten gegen die Verschlechterung
der Stromversorgung, auch angesichts der steigenden Temperaturen.
Geräte würden durch die Instabilität des Stroms beschädigt, was
zu einem Stopp der Trinkwasserspumpen und zur Einstellung der Arbeit
bei den Gesundheitsstellen führte.
+ Achmed as-Suqi,
Bürgermeister von Ghat: Die Stromversorgung in der Gemeinde wird immer
schlechter.
Klimaanlagen und Kühlschränke könnten nicht mehr arbeiten.
Es herrsche ein Mangel an Treibstoff. Die Wasser- und
Abwasserunternehmen könnten kaum noch Diesel für die Generatoren
zum Brunnenbetrieb beschaffen. Die Pumpen der einzigen Tankstelle
funktionierten kaum noch, da sie nicht gewartet werden
können.
+ Gemeinderat Ghat:
In der Gemeinde Ghat kam es am 15. Juni zu einem vollständigen
Stromausfall aufgrund der Beschädigung zweier Stromleitungen zwischen
Ubari und Ghat, verursacht durch schlechte Wetterbedingungen und starke
Winde.
Es fehle an präventiver Wartung.
Hassan Osman
Issa (Notfallteam): Das größte Problem, von dem die meisten Brunnen
betroffen sind, ist die Nichtverfügbarkeit von Dieselkraftstoff zum Betrieb
der Generatoren, die das Trinkwasser zu den Bürgern pumpen. Die Versorgung
der Bürger mit Wasser müsse sichergestellt werden.
Am 17. Juni wurden in der Gemeinde Ghat
auch nach vier Tagen noch keine Maßnahmen ergriffen, um die Strom-
und Wasserversorgung wieder in Gang zu setzen.
+ Die Gemeinde Ubari: Wir leiden unter wiederholten Stromausfällen, einer zu niedrigen Spannung und ständigen Lastabwürfen, was zu Ausfällen von Elektrogeräten führt.
+ LibyaPress: In mehreren Stadtteilen von Tripolis kommt es täglich zu mehrstündigen Stromausfällen.
+ Machmud Abu
Dabus (Organisation für Organtransplantationen): Aufgrund des völligen Fehlens
von Immunsuppressiva seit vier Monaten kam es zum Tod mehrerer Nieren-
und Lebertransplantierten.
„Wir appellieren an die staatlichen Behörden, sofort einzugreifen
und die Medikamente bereitzustellen, um das Leben von etwa 2.200
Nieren- und Lebertransplantatempfängern im ganzen Land zu retten.“
+ Mohammed
al-Gudsch (Gesundheitsminister Dabaiba-‚Regierung‘): Das Gesundheitswesen
leidet. Es wurden sehr viele berufsfremde Personen eingestellt.
Ein Gesundheitszentrum, das über einen einzigen Behandlungsstuhl
verfügt, beschäftige 50 Zahnärzte.
+ Libysche
Zentrum für Sicherheits- und Militärstudien: Libyen ist Teil
einer neu entstehenden Kokainhandelsroute, die Westafrika mit Europa
verbindet, und erlangte damit wachsende Bedeutung als Transit- und
Umschlagplatz für organisierte kriminelle Netzwerke, die im gesamten Mittelmeerraum
operieren.
Die Ausweitung lokaler Schmuggelnetzwerke und ihre Verbindungen zu
externen Lieferanten haben dazu beigetragen, Libyens Rolle als
wachsendes Verteilungszentrum zu stärken. Dies ging parallel mit der
Erweiterung des inländischen Konsummarkts einher, was die Sicherheits-
und Gesundheitsrisiken verdoppelt.
+ Im Sirte-Becken (Dur at-Talah) wurde der Zahn einer bisher unbekannten Primatenart, benannt als Saharapithecus Salmi, entdeckt, der vor etwa 38 bis 39 Millionen Jahren, während der Eozän-Epoche, lebte. Dieser Fossilienfund könnte das wissenschaftliche Verständnis der frühen Primatenevolution revolutionär verändern.
Der Staatsanwalt ordnet immer noch regelmäßig eine hohe Anzahl von Verhaftungen aufgrund von Korruption, Fälschungen von Identitätsnachweisen, Gewalttaten und weiteren kriminellen Handlungen an. Auch weil diese Anordnungen nicht immer zu Festnahmen führen, wird auf die Aufführung der Einzelfälle verzichtet.
Wirtschaft / Finanzen
+ Ismail Aschtawi
(Präsidentschaftskandidat): Die Libysche Investitionsbehörde verlor
rund 17 Milliarden US-Dollar innerhalb eines Jahres.
Die Dabaiba-‚Regierung‘ führe Libyen in den Bankrott.
+ Africa Intelligence: Hürden bei der Einhaltung von Vorschriften gegen Geldwäsche behindern die Bankbeziehungen zwischen Tripolis und Paris. Bisher akzeptierten nur wenige Banken in Frankreich Geld aus Libyen, da das Land als hoch riskant gelte.
+ Africa
Intelligence: Der UN-Sicherheitsrat beabsichtigt, ein internationales
Audit- und Prüfungsunternehmen zu beauftragen, um eine umfassende
Prüfung aller Banken durchzuführen, die gemäß den UN-Sanktionen von 2011 libysche
eingefrorene Gelder verwahren.
Die Überprüfung ziele darauf ab, sicherzustellen, dass diese Banken
die eingefrorenen Gelder nicht verwenden, da sie gemäß den Sanktionen unangetastet
bleiben sollen.
Es soll beispielsweise das Verschwinden von 2,3 Milliarden US-Dollar an
Zinsen und Gewinnen 2017 in Belgien bei Euroclear untersucht
werden.
Erdöl / Erdgas
+ As-Sadiq
al-Gharyani (Mufti von Tripolis und Muslimbruder) ruft zu Demonstrationen
gegen Korruption vor libyschen Institutionen auf. Diese müssten reformiert
und das Führungspersonal ausgetauscht werden.
Allein im letzten Monat seien eine Milliarde US-Dollar für
Kraftstoffkäufe ausgegeben worden. Davon hätte man in Libyen eine eigene
Raffinerie bauen können, die Arbeitsplätze schaffe und Libyen
unabhängig mache.
Trotz dieser hohen Ausgaben bildeten sich lange Warteschlangen an den
Tankstellen und die Elektrizitätsgesellschaft klage über Treibstoffmangel.
„All das liegt an der Korruption, der Plünderung, den Banden
und dem Schmuggel. Die Leute in der Ölgesellschaft sind unehrlich
und unverantwortlich und die Regierung ist mitschuldig,
indem sie Geld verschwendet und zu dieser Korruption schweigt.“
+ Ynet News:
Arkano gelang es schnell, Zugang zu Explorations- und
Förderaktivitäten sowie zu einer Partnerschaft mit der Arab Gulf
Company zu erhalten und Gewinne außerhalb der offiziellen Kanäle zu
erzielen.
Arkano arbeite nach einem ausgeklügelten Mechanismus: Das
Unternehmen erhält Rohöl, um dieses unabhängig auf den
internationalen Märkten zu verkaufen, anstatt Barzahlungen zu
erhalten.
Die Exporteinnahmen von Arkano beliefen sich auf über drei
Milliarden US-Dollar; dies ist eine Zahl, die mit Korruption in
Verbindung steht, und eine strategische Einnahmequelle zur Finanzierung
der Parallelinstitutionen im Osten Libyens darstellt.
+ DeutscheWelle:
Die Unruhen nach dem Sturz des Regimes von Oberst Muammar
al-Gaddafi haben die Investitionen globaler Ölkonzerne für Jahrzehnte
behindert.
Es sei zur Belagerung von Ölanlagen durch Milizen gekommen.
Versuche der Vereinten Nationen, Wahlen zur Vereinigung Libyens abzuhalten,
seien von Politikern und Milizen vereitelt worden, die den Verlust
von Einfluss und Zugang zu den Ressourcen fürchten.
Es bestünden große Zweifel, dass die Boulos-Initiative, die den von
Milizen abhängigen Machthabern offizielle Anerkennung verleihen würde, durchgesetzt
werden kann.
+ Bloomberg
(USA): US-Ölriesen haben es trotz politischer Spaltungen und sicherheitspolitischer
Herausforderungen auf die riesigen Energiereserven Libyens abgesehen.
Vor 2011 habe Libyen täglich etwa 1,6 Millionen Barrel Öl
gefördert; seitdem hätten Bürgerkrieg, Blockade und Unruhen zu
wiederholten Einbrüchen der Produktion geführt.
Laut Schätzungen der Tripolis-‚Regierung‘ benötigte eine Steigerung
der Förderungmenge um vierzig Prozent Investitionen in
Höhe von etwa zwanzig Milliarden US-Dollar.
Um die Förderung auf zwei Millionen Barrel pro Tag zu steigern bräuchte es politische
Stabilität und massive Investitionen in die Infrastruktur, was
beides nicht garantiert sei.
Analysten warnten, dass die politische Zersplitterung nach wie
vor ein großes Hindernis darstellt.
Libyen und das Ausland
+ Frankreich. Saddam Haftar traf sich am 14. Juni während eines offiziellen Besuchs in Paris mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron.
+ USA. An-Nahar
al-Arabi (Libanon): Die Übergabe von Marai Saleh al-Arfi an die USA
ist Verrat an der libyschen Souveränität.
Dabaiba habe ihn aufgeliefert, um zu zeigen, dass er ein zuverlässiger
Partner im Kampf gegen den Terrorismus ist.
Al-Arfi war am Sturmangriffs auf den US-Diplomatenkomplex 2012
in Bengasi beteiligt, der zum Tod des US-Botschafters Chris Stevens
führte.
+ EU. AgenziaNova:
Die Operation IRINI registrierte im Mai 563 Funküberwachungen und
80 verdächtige Flüge nach Libyen.
Am 24. Mai 2026 lief das Mandat des UN-Sicherheitsrates ab, das
der IRINI-Mission die Inspektion von Schiffen bei Verdacht auf
Verletzung des UN-Waffenembargos gegen Libyen erlaubte, da es nicht
verlängert wurde. Die Resolution 1970 von 2011, die die rechtliche Grundlage
für das Sanktionsregime gegen Libyen bildet, einschließlich des Waffenembargos,
bleibt jedoch weiterhin in Kraft.
Die Laufzeit von IRINI wurde gemäß einem Beschluss des EU-Rates bis
zum 31. März 2027 verlängert und um den Aufgabenbereich der Sammlung
von Informationen zu potenziell illegalen Aktivitäten erweitert. Sie
soll nun auch Schiffe überwachen, die verdächtigt werden, zur russischen
Schattenflotte zu gehören.
Die Ausweitung
der Operation IRINI hat Kritik aus China und starke Warnungen aus
Russland ausgelöst, die argumentieren, dass die erweiterte Mission die
zunehmenden Spannungen im Mittelmeer verstärkten. Einseitige Sanktionen,
die nicht auf internationalem Recht basieren oder vom
UN-Sicherheitsrat genehmigt sind, seien abzulehnen.
Faisal Bualraiga
(Politberater): Ein großer Teil der Waffen und Ausrüstungen sowie der technischen
Unterstützung gelange über Luft- und Landwege ins Land, über Flughäfen,
Militärstützpunkte und über Landesgrenzen, und nicht über das
Meer.
+ GB. BBC: Ein britisches Gericht verurteilte zwei Männer wegen des Schmuggels von Waffen – darunter Kampfflugzeuge und bodengestützte Luft-Luft-Raketensysteme – im Wert von Millionen US-Dollar aus Ländern Osteuropas nach Libyen und in mehrere Konfliktgebiete im Nahen Osten.
+ Ägypten. Das ägyptische
Außenministerium: Der libysche Staat ist von höchster Bedeutung
für die vitale strategische Tiefe Ägyptens und seine nationale
Sicherheit.
„Wir halten es für notwendig, dass so schnell wie möglich
Präsidentschafts- und Parlamentswahlen abgehalten werden, um den Zustand
der Spaltung zu beenden.“
+ Togo. Der Außenminister
von Togo, Robert
Dussey, besuchte am 14. Juni Tripolis, wo er nach einem
offiziellen Besuch in Israel Gespräche mit Dabaiba führte.
In Israel hatte er die Klagemauer besucht, einen Zettel
mit einer persönliche Nachricht zwischen die Steine der Mauer gelegt,
und gesagt: „Ich bete für Israel – Togo betet für Israel“.
+ Niger. Africa
Intelligence: Das Treffen von Abdul Hamid Dabaiba mit seinem Amtskollegen
aus Niger, Ali Lamine Zine, zu Gesprächen über die Zusammenarbeit
im Sicherheitsbereich findet vor dem Hintergrund der Vorherrschaft von
Haftar im Grenzgebiet zwischen den beiden Ländern statt.
Die Spannungen zwischen der Dabaiba-‚Regierung‘ und dem Niger
nahmen wegen der Inhaftierung des libyschen Offiziers Badr ad-Din
Schredi Mahdun 2025 in Niamey zu. Haftar versuchte, die Auslieferung
von Mahdun nach Bengasi zu erreichen, woraufhin Dabaiba drohte, als
Vergeltungsmaßnahme zwei Millionen nigerianische Staatsbürger, die im
Süden Libyens leben, in den Niger abzuschieben.
Mit dem Treffen mit Zein versuche Dabaiba, Einfluss im Fessan
zurückzugewinnen.
+ Niger. Es wurde in Tripolis ein Abkommen über militärische Zusammenarbeit zwischen der Dabaiba-‚Regierung‘ und dem Ministerpräsidenten von Niger, Ali Lamine Zeine, unterzeichnet.
Aus den Nachbarstaaten
+ Sudan. „Im Sudan wird
gefoltert, vergewaltigt, gemordet. Die Schnellen Eingreiftruppen (Rapid Support
Forces, RSF) sind eine sudanesische paramilitärische Truppe, die seit April
2023 gegen die reguläre Armee kämpft und der internationale
Menschenrechtsorganisationen systematische Kriegsverbrechen vorwerfen. Nun
haben zwölf Überlebende in Kenia in der vergangenen Woche Strafanzeige gegen
Mitglieder der Truppe gestellt.“
JungeWelt – 15.06.2026
+ Geopolitik/Iran/USA. Moussa Ibrahim:
„Irans Sieg beginnt mit einer einfachen Tatsache: Die Vereinigten Staaten
scheiterten daran, eine Kapitulation zu erzwingen. Teheran behielt seine
Regierung, Raketen, nukleare Infrastruktur, regionalen Allianzen und
Souveränität, während Washington Verhandlungen, die Aufhebung von Blockaden und
wirtschaftliche Zugeständnisse akzeptierte.“
Moussa
Ibrahim: „Dieses Abkommen zwischen Iran und den USA erkennt die Islamische
Republik als souveräne Verhandlungsmacht an. Kein Regimewechsel. Keine
erzwungene Regierung. Keine ausländische Aufsicht über Irans politisches
System. Washington musste mit dem Staat verhandeln, den es jahrelang zu
schwächen versucht hatte.“
Moussa
Ibrahim: „Wirtschaftlich sicherte der Iran die Wiederaufnahme der
Ölexporte, einschließlich der für die Realisierung dieser Exporte notwendigen
Bank-, Versicherungs- und Schifffahrtsdienste. Dies trifft die Maschinerie der
wirtschaftlichen Belagerung, nicht nur eine isolierte Sanktion.“
Moussa
Ibrahim: „Iran hat auch wieder Zugang zu eingefrorenen iranischen
Vermögenswerten erhalten. Dies ist keine amerikanische Wohltätigkeit. Es
handelt sich um iranisches Geld, das Washington blockiert hatte. Das Abkommen
erkennt Irans Recht an, über seine eigene Zentralbank zu entscheiden, wie diese
Mittel verwendet werden.“
Moussa
Ibrahim: „Militärisch wurde der Iran nicht entwaffnet. Seine ballistischen
Raketen sind unversehrt geblieben. Seine Drohnenkapazität ist unversehrt
geblieben. Sein strategisches Abschreckungspotenzial ist unversehrt geblieben.
Ein besiegtes Land wird normalerweise gezwungen, seine Waffen zu zerstören. Der
Iran wurde nicht dazu gezwungen.“
A. Gutsche