Teil II: Kurznachrichten Libyen – 15. bis 21. Oktober 2026
Parlament/Türkei: Saddam Haftar und Recep Tayyip Erdogan verbünden sich und marschieren durch: Nach Absetzung von Agila Saleh als Parlamentspräsident auf Druck von Saddam Haftar ratifiziert Parlament türkisch-libysches Seegrenzenabkommen – Ägypten, Griechenland, Zypern, EU, Israel lehnen Abkommen ab – Staatsrat begrüßt es / Beispiellose Annäherung: Treffen Saddam Haftar und Abdul Hamid Dabaiba unter türkischer Schirmherrschaft in Ankara geplant
Turbulente Machkämpfe um Besetzung der Führungsposten
bei staatstragenden Institutionen im westlichen Libyen:
National Oil Corporation (NOC) – Schließung des Ventils der Ölpipeline
des al-Fayl-Felds – Ölförderdung bricht ein – Mohammed Dabaiba gegen Ibrahim
Dabaiba
Rechnungshof – 444. Brigade von Machmud Hamza erzwingt Zugang des neu
eingesetzten Stellvertreters – Chef des Rechnungshofs Schakschak schließt
Hauptsitz
Zentralbank – Parlamentspräsident al-Nabi nimmt Rücktritt von Nadschi
Issa als Zentralbankchef an und ernennt Fawzi Abu Khazam – Nadschi Issa
verweigert Rücktritt
Parlament / Türkisch-Libysches Seerechtsabkommen
+ LibyaPress:
Agila Saleh erklärte gegenüber Vertrauten, die aktuelle Lage zu
akzeptieren. Er habe seine Niederlage im Kampf um den Parlamentsvorsitz
eingeräumt.
Der Rückzug von Agila Saleh sei auf die internationale Zustimmung zur
Wahl eines neuen Präsidiums des Parlaments unter dem Vorsitz von
as-Salhin Abdul an-Nabi zurückzuführen.
Agila Saleh befürchte, dass seine früheren Differenzen mit Abdul
Hamid ad-Dabaiba dazu führen könnten, dass dieser einen anderen
Kandidaten für den Parlamentsvorsitz unterstützt, falls die Abgeordneten,
die eine neue Sitzung zur Wahl des Parlamentspräsidiums in Tripolis
anstreben, diesen bevorzugen sollten.
Agila befürchte eine Annäherung zwischen Dabaiba und an-Nabi mit türkischer
Unterstützung.
+ LibyaPress: Ägypten
rückt das Thema der Festlegung der Seegrenzen nach der Wahl von
as-Salhin Abdul Nabi zum Parlamentspräsidenten wieder stärker in den
Vordergrund und bekräftigt in einer gemeinsamen Erklärung mit
Griechenland die Bedeutung der Einhaltung der Regeln des Völkerrechts bei
der Festlegung der Seegrenzen.
Abdul Nabi sei Vorsitzender des libysch-türkischen parlamentarischen
Freundschaftsausschusses, wobei die Türkei bestrebt sei, dass das 2019
unterzeichnete Abkommen zur Festlegung der Seegrenzen in Kraft gesetzt
wird.
Die Türkei habe die Unterzeichnung des Abkommens zur Bedingung
für ihre direkte Unterstützung von Saddam Haftar gemacht.
Ägypten und Griechenland bekräftigten die Notwendigkeit,
einen libysch-libyschen politischen Prozess voranzutreiben, der zur gleichzeitigen
Durchführung von Präsidentschafts- und Parlamentswahlen führt, und lehnten
jegliche Form ausländischer Einmischung ab. Sie betonten auch die Notwendigkeit,
dass alle ausländischen Truppen, Kämpfer und Söldner libysches Gebiet
verlassen.
+ Murtaza Garnfil, Vorsitzender des türkisch-libyschen Wirtschaftsrats, besuchte am 19. Oktober Abdul an-Nabi in dessen Büro und erklärt: „Ich wünsche mir eine weitere Stärkung der Bande der Freundschaft und Brüderlichkeit zwischen dem libyschen und dem türkischen Volk.“
+ Das Parlament
unter dem Vorsitz von As-Salhin Abdul an-Nabi stimmte am 20. Oktober für die
Annahme des zwischen der Tripolis-Regierung und der Türkei 2019 unterzeichneten
Abkommens zur Festlegung der Seegrenzen.
Der vorherige Parlamentspräsident Agila Saleh war aufgrund seiner Ablehnung
der Verabschiedung des Seegrenzenabkommens mit der Türkei durch das
Parlament abgesetzt worden.
Parallel zur Ratifizierung des Seegrenzenabkommens traf sich der Leiter des türkischen
Geheimdienstes, İbrahim Kalın, in Tripolis mit Abdul Hamid und
Ibrahim Dabaiba – in Anwesenheit des Staatsratsmitglieds Walid al-Lafi.
Themen waren illegale Migration und die politische und
sicherheitspolitische Lage sowie die Bemühungen zur Förderung
des politischen Prozesses.
+ LibyaPress:
Der neue Parlamentspräsident as-Salhin Abdul an-Nabi soll am 22. Oktober
unter türkischer Aufsicht und Organisation Tripolis besuchen.
Unter türkischer Schirmherrschaft komme es zu einer beispiellose
Annäherung zwischen Abdul Hamid Dabaiba und Saddam Haftar.
+ Der Staatsrat begrüßte die Ratifizierung des Abkommens zur Festlegung der Seegrenzen. Dieser Schritt sei eine positive Entwicklung hin zur Vereinheitlichung der libyschen Position hinsichtlich der souveränen Rechte und Interessen des Staates.
+ Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan begrüßte die Ratifizierung des maritimen Abkommens durch das libysche Parlament.
+ Israelisches
Außenministerium: Die Ratifizierung des Seegrenzenabkommens
zwischen Libyen und der Türkei durch das libysche Parlament
verletzt die Hoheitsrechte unserer Verbündeten in der Region.
Die Türkei versuche erneut, die Stabilität im östlichen
Mittelmeerraum zu untergraben.
+ Laut dem griechischen
Außenministerium hat dieses Seegrenzenabkommen keinerlei
rechtliche Wirkung, da es gegen das internationale Seerechtsgesetz
verstoße und die Souveränitätsrechte der Länder der Region verletzt.
Türkei und Libyen besäßen keine gegenüberliegenden
oder angrenzenden Küsten, die eine derartige Seegrenzziehung
rechtfertigen würden.
„Wir haben unsere Partner und Verbündeten darüber informiert,
dass wir alle geeigneten Maßnahmen ergreifen werden, um unsere
Souveränitätsrechte zu schützen.“
+ Ägypten wies
die Ratifizierung des maritimen Abkommens zwischen Libyen und der
Türkei als „absolut nichtig“ zurück. Es habe für Ägypten keine
rechtlichen Folgen.
Imad ad-Din
Hussein (ägyptischer Parlamentarier): Die Ratifizierung ist nicht
rechtmäßig, da es den Kontinentalschelf und die ausschließliche
Wirtschaftszone Ägyptens beeinträchtigt.
Die türkischen Medien und die „terroristische Muslimbruderschaft“
verbreiteten entgegen der Wahrheit, dass das Abkommen
im Interesse von Kairo sei. Dies stimme nicht.
Die Frage der Festlegung der Seegrenzen sei äußerst heikel
und sollte zwischen Ägypten, Türkei, Israel, Palästina, Libanon, Zypern,
Griechenland und Türkei ausgehandelt und in einem kollektiven
Abkommen gelöst werden.
+ Ursula von der
Leyen (EU-Kommission): Wir bedauern zutiefst die heutige Billigung
des sogenannten Seerechtsabkommens durch das libysche Parlament.
Die Haltung der EU zu dieser Angelegenheit sei vom Europäischen
Rat im Jahr 2019 klargestellt worden, und diese Haltung bleibe unverändert
bestehen.
Dieses Abkommen verletze die Souveränitätsrechte anderer
Staaten, entspreche nicht dem Seerechtsübereinkommen und sei
nichtig.
„Wir bekräftigen erneut unsere Solidarität mit Griechenland
und Zypern und wiederholen die bekannte und ablehnende Haltung der
Europäischen Union gegenüber jeglicher externer Einmischung in
Libyen.“
+ Ägypten und
Griechenland erörterten telefonisch die zunehmenden Herausforderungen im
Mittelmeerraum und vereinbarten ein Dreiergipfeltreffen mit
Zypern.
Der ägyptische Außenminister diskutierte mit seinem griechischen
Amtskollegen die Bedeutung der Fortsetzung der
Zusammenarbeit im Rahmen des trilateralen Koordinationsmechanismus
zwischen Ägypten, Griechenland und Zypern.
+ Israel verurteilte
das vom libyschen Parlament verabschiedete Seegrenzenabkommen mit der
Türkei, das von Griechenland stark kritisiert wird.
Griechenland ist ein enger Verbündeten Israels.
+ Die EU bekräftigte erneut ihre Ablehnung der Ratifizierung des Seegrenzenabkommens im Rahmen eines Treffens der EU-Vertreterin für Außenpolitik, Kaya Kallas, mit dem türkischen Außenminister Hakan Fidan, am 22. Oktober in Brüssel.
+ Türkisches
Verteidigungsministerium: Einseitige Bewertungen machen die rechtliche
Gültigkeit des Seegrenzenabkommens nicht ungültig.
Die Abgrenzung maritimer Grenzgebiete falle in die Souveränitätsrechte
der betroffenen Küstenstaaten. Bewertungen von Drittparteien
könnten die rechtliche Gültigkeit des zwischen der Türkei und Libyen
unterzeichneten Abkommens nicht aufheben.
Ankara werde weiterhin seine Rechte und legitimen Interessen im
östlichen Mittelmeer im Rahmen des Völkerrechts schützen und zum Ausbau
von Frieden, Sicherheit und regionaler Stabilität beitragen.
+ Am 21. Oktober flog ein türkisches Militärtransportflugzeugs von Ankara zur von der Türkei besetzten libyschen al-Watiya-Luftwaffenbasis (bei Tripolis).
+ LibyaPress:
Für den 23. Oktober ist ein Besuch von Abdul Hamid Dabaiba in der
türkischen Hauptstadt Ankara geplant. Zeitgleich soll auch Saddam
Haftar in Ankara sein, wo es zu einem von Ankara organisierten Treffen
zwischen beiden kommen könnte, um ihre Beziehung nach den Ereignissen in
Zawiya und der ausgehobenen Sabotagezelle wieder zu normalisieren.
Dies könnte als Belohnung von der Türkei an Saddam Haftar gesehen
werden, dafür, dass er das Seegrenzenabkommen vom Parlament ratifizieren
ließ.
Kommentare zur Ratifizierung des Seegrenzenabkommens
+ Hamad Dahschan (Experte für internationale Beziehungen): Die Türkei hat im östlichen Libyen alles erreicht, was sie sich erträumte und anstrebte – und das nahezu ohne Kosten –, während sie gleichzeitig ihre militärische Präsenz im Westen Libyens gefestigt hat.
+ The Cradle:
Die einstimmig angenommene Ratifizierung des historischen
Seegrenzenabkommens ist eine große politische Kehrwende des
libyschen Parlaments in Bengasi und konsolidiert den türkischen
Einfluss im gesamten energiereichen östlichen Mittelmeerraum.
Neben der Ratifizierung stimmte das Parlament auch für die Aufhebung
der Resolution Nr. 1 von 2020, welche die zwischen der Türkei und der
Tripolis-‚Regierung‘ unterzeichneten bilateralen Pakte formell ablehnte,
sowie die Resolution Nr. 6, die die Trennung der diplomatischen und
politischen Beziehungen zu Ankara forderte. Dies signalisiere eine entscheidende
politische Annäherung zwischen der Türkei und den Machthabern im
östlichen Libyen nach Jahren geteilter Regierungsführung.
Die Abstimmung besiegelte effektiv eine einheitliche libysche
Front hinter der maritimen Grenzziehung und sei ein Schlag gegen die
maximalistischen maritime Ansprüche Griechenlands und Zyperns.
+ Bloomberg (USA): Das maritime Abkommen zwischen der Türkei und Libyen bedroht den Energiesektor und verschärft die Spannungen im Mittelmeer.
+ Global
Insides Group: Tatsächlich kann Ägypten vom Seegrenzenabkommen
zwischen Libyen und der Türkei profitieren, da es seine eigenen maritimen
Ansprüche stärken könnte. Griechenland, Zypern und Israel haben
am meisten zu verlieren.
Das Zögern Kairos lasse sich auf zwei Faktoren zurückführen.
Erstens: Seine gute Beziehung zu Israel und die Zurückhaltung,
Israel herauszufordern.
Zweitens: Kairo habe ein umfassenderes außenpolitisches
Problem und sei strategisch unflexibel geworden. Es passe sich nur
langsam an eine sich rasch wandelnde Region an.
Dennoch sei Ägyptens Position wohl die flexibelste. Es müsse lediglich
davon überzeugt werden, dass die Vorteile die Nachteile überwiegen.
Ein koordinierter Vorstoß von Ankara und Bengasi könnte Kairo mit ins
Boot holen. Eine Anerkennung durch Ägypten wäre ein wichtiger
Wendepunkt, der das regionale Gleichgewicht entscheidend zugunsten des
Abkommens verschieben würde.
+ Town Hall
(US-Zeitung): Die Manöver des Haftar-Lagers haben der Türkei
einen politischen Vorteil auf Kosten von Griechenland verschafft, nur wenige
Tage nachdem der US-Außenminister Marco Rubio seine Unterstützung
für die Partnerschaft der USA mit Griechenland bekundet hatte.
Washington müsse seine Beziehungen zum Haftar-Clan neu bewerten,
da dieser über weitreichenden militärischen und politischen Einfluss im
Osten Libyens verfüge und bestrebt sei, den Kontakt zu den USA
zu stärken.
Die Absetzung von Agila Saleh vor der Abstimmung und die Ernennung
von jemanden, der den Vorsitz im parlamentarischen
Freundschaftsausschuss mit der Türkei innehatte als seinen Nachfolger,
würden Fragen hinsichtlich der Hintergründe für die Ratifizierung des
Abkommens aufwerfen.
Saddam Haftar habe auf die Absetzung von Agila Saleh gedrängt,
nachdem dieser sich geweigert hatte, das Seegrenzenabkommen zur
Abstimmung zu stellen.
Die Türkei übte Druck auf das Haftar-Lager aus, indem sie mit dem
Abzug ihrer Investitionen und einer Verstärkung der militärischen
Unterstützung für seine Gegner drohte.
Washington müsse Haftar auffordern, sein Haltung zu den
jüngsten parlamentarischen Entwicklungen und zum Seegrenzenabkommen
mit der Türkei zu klären, bevor die Zusammenarbeit ausgeweitet
oder weitere Unterstützung gewährt wird.
Machkämpfe um Besetzung der Führungsposten
# National Oil Company (NOC)
+ LibyaPress: Es liegen Informationen vor, dass die Ventile im al-Fayl-Feld am 19. Oktober geschlossen wurden.
+ LibyaDesk. Die Schließung des Hamada-Ventils am 19. Oktober durch Zintani-Streitkräfte geht auf denselben Streit um die Führung der Waha Oil Company zurück, der den vorherigen Shutdown ausgelöst hat, nachdem Mohammed Dabaiba versucht hatte, die Führung von Waha zu ersetzen, um Ibrahim Dabaiba auszuhebeln.
# Rechnungshof
+ LibyaDesk: Khaled Schakschak, Chef des Rechnungshofs, schloss am 21. Oktober dessen Hauptsitz in Tripolis aus Protest gegen den Einsatz bewaffneter Kräfte durch den neuen stellvertretenden Leiter des Rechnungshofs, Anwar al-Hosch, mit dem sich dieser Zugang zum Gebäude verschaffen wollte. (Fotos)
+ LibyaDesk:
Eine bewaffnete Gruppe, die der 444. Kampfbrigade unter Machmud
Hamza angehört, drang in den Rechnungshof ein, um Anwar
al-Hosch die Übernahme seines Amtes zu ermöglichen.
Al-Hosch, der zuvor als Finanzkontrolleur im Ministerium für
technische und berufliche Bildung tätig war, ist durch Heirat mit
dem ehemaligen Vorsitzenden der Parallelregierung, Fathi Baschaga, verwandt
und steht zudem in enger Verbindung zu Muammar ad-Dhawi (Kommandeur 55.
Infanterie-Brigade).
Die Ernennung von al-Hosch erfolgte durch eine einseitige
Entscheidung des Vorsitzenden des Staatsrats, Mohammed
Takala, inmitten von Kontroversen über die Rechtmäßigkeit von
Postenbesetzungen in Kontrollämtern.
Im Gegensatz dazu deuten die kursierenden Informationen bezüglich
der Ernennung von Abdul Halim Abu Dhair in dieses Amt darauf hin,
dass zwei offizielle Schreiben dazu vorliegen, eines vom Staatsrat
und das andere vom Ausschuss für Kontrollbehörden des Parlaments.
Abu Dhair, ein Jurist, der seit 2002 im Bereich der
Verwaltungsaufsicht tätig ist, durchlief verschiedene Positionen
innerhalb der Behörde, bevor er das Amt des amtierenden Leiters
übernahm.
+ Anwar al-Hosch nahm sein Amt im Rechnungshof an und trat unmittelbar darauf seinen Posten als stellvertretender Leiter des Rechnungshofs an.
+ LibyaDesk: Der Rechnungshof gibt bekannt, dass einige seiner Büros von den bewaffneten Kräften, die in die Räumlichkeiten eindrangen, verwüstet und Dokumente entwendet wurden. (Fotos)
+ Der Rechnungshof unter Khaled Schakschak kündigte am 21. Oktober an, dass er seine Arbeit so lange aussetzen wird, bis geeignete und sichere Bedingungen für die Wiederaufnahme der Arbeit vorliegen, und Tatsachen anstatt mit Gewalt mit rechtlichen Verfahren durchgesetzt werden.
+ LibyaPress: Am 22. Oktober stürmten Bewaffnete zum zweiten Mal den Hauptsitz des Rechnungshofs in Tripolis, um Anwar al-Hosch, und eine Gruppe von Personen, die behaupten, Mitarbeiter des Rechnungshofs zu sein, zu begleiten
+ Die USA äußerten ihre Besorgnis über das Eindringen bewaffneter Kräfte in den Rechnungshof, um Anwar al-Hosch als stellvertretenden Leiter einzusetzen.
+ UN-Mission:
Wir verurteilen den Einsatz von Gewalt und Einschüchterung am
Sitz des Rechnungshofs in Tripolis, um die Ernennung eines
stellvertretenden Präsidenten der Institution durchzusetzen. Dies
stelle eine ernste Bedrohung für die Herrschaft des Rechts, die Unabhängigkeit
und Integrität der libyschen Institutionen dar.
Die Verantwortlichen für Angriffe auf libysche Staatseinrichtungen
könnten Sanktionen gemäß den einschlägigen Resolutionen des UN-Sicherheitsrates
ausgesetzt sein.
Die Parteien sollten den Streit über die Ernennung gemäß den gesetzlichen
Verfahren, institutionellen Regelungen, den geltenden libyschen
Gesetzen und dem libyschen politischen Abkommen beilegen.
+ As-Sadiq
al-Gharyani unterstützte Khaled Schakschak: Diejenigen, die in den Rechnungshof
eindrangen, sind Teil des großen zionistischen Projekts der gewaltsamen
Übernahme von Institutionen. Jeder, der dieses Chaos verursacht
hat, sei mitschuldig und werde dafür bestraft werden.
Dieses zionistische Projekt sei das, was die Amerikaner als „kreatives
Chaos“ bezeichneten, damit die Spaltung und die Bildung von Fraktionen
fortbestehe und jede Gruppe gegen die andere kämpfe.
Al-Gharyani:
Das, was dem Rechnungshof passiert, das könnte auch dem Staatsrat
widerfahren, nämlich, dass eine Miliz kommt und dessen Präsidenten
al-Menfi ersetzt.
Al-Gharyani:
Die Zionisten und die Amerikaner haben in Saddam Haftar
die richtige Person gefunden. Jetzt bereiteten sie ihn auf die Aufgabe
vor, mittels Chaos und Kämpfen die Machtzentren gewaltsam zu
übernehmen.
+ GeopoliticalDesk:
Bewaffnete, die mit der 444. Brigade von Machmud Hamza verbunden
sind, versuchten, eine umstrittene Ernennung im libyschen Rechnungshof
durch Gewalt und Einschüchterung durchzusetzen. Dies sei
ein alarmierender Angriff auf eine der wenigen verbliebenen
unabhängigen Aufsichtsinstitutionen Libyens.
Einst mit dem Ruf, einer der professionellsten
Sicherheitskommandanten Tripolis zu sein, werde Hamza nun beschuldigt,
genau jene Taktiken anzuwenden, gegen die er einst kämpfte.
+ LibyaDesk:
Die Ironie von Machmud Hamzas neuestem Machtspiel in Tripolis ist
kaum zu übersehen. Nachdem er al-Kiklis bewaffnetes Netzwerk im
Namen der Wiederherstellung staatlicher Autorität zerschlagen half, wird
Hamzas 444. Brigade nun beschuldigt, ähnliche erzwungene
Taktiken einzusetzen, um eine umstrittene Ernennung beim libyschen
Rechnungshof durchzusetzen.
Der Zeitpunkt sei besonders besorgniserregend. Erst einen Tag
zuvor war der türkische Geheimdienstchef İbrahim Kalın in Tripolis
und drängte Sicherheitsakteure, die Stabilität zu wahren und
weitere Unruhen zu vermeiden.
4plus4-Abkommen / Boulos-Plan
+ Dschuma
al-Gamati (Partei des Wandels): Nachdem Massad Boulos und die
Amerikaner Saddam Haftar davon überzeugt haben, dass er Libyen
vereinen und Sicherheit und Stabilität erzwingen könne, ist er von
der Idee besessen, libyscher Präsident zu werden und dies dadurch
realisieren könnte, indem er Israel besänftigt.
Saddam Haftar habe für eine Million USD eine PR-Firma
engagiert – für einen Besuch in Washington, ein Händeschütteln und
ein Foto mit Mark Rubio (US-Außenminister). Es soll ein auch ein Händeschütteln
und ein Foto mit JD Vance organisiert werden, um den Eindruck
zu erwecken, dass die Trump-Administration ihn als Führer Libyens
akzeptiert hat.
In der jüngsten Zeit habe sich Saddam Haftar auf die US-Botschafterin
in Griechenland konzentriert, aufgrund ihrer engen Nähe zur
Trump-Administration. Allerdings werde diese derzeit beschuldigt, sich mit 100.000
Dollar für die Vermittlung einer Person an die Trump-Administration bezahlt
haben zu lassen.
Der us-israelische Sicherheitsanalyst Josi Gomez schrieb in der Times
of Israel, dass Saddam Haftar von Israel ein Angebot
erhalten habe, dass Saddam mit seiner Familie von Israel umfassende sicherheitspolitische
und nachrichtendienstliche Unterstützung erhalten könne, sowohl in ihren Residenzen
im östlichen Libyens als auch in Griechenland und auf Zypern
– im Gegenzug für die Lieferung von 50.000 Barrel Rohöl pro Tag.
Diese könnte über Saddam Haftars Arkano-Unternehmen abgewickelt
werden, das libysches Öls ins Ausland verkauft – wobei die Einnahmen
auf Konten des Haftar-Clans gehen.
Israel werde von Saddam Haftar auch verlangen, dem Abraham-Abkommen
beizutreten, Die Normalisierung der Beziehung mit Israel sei der
Preis, um eine Figur wie Saddam Haftar an die Macht zu bringen.
+ Al-Arabi
al-Dschadid (Katar): Saddam Haftars Freude über das 4plus4-Abkommen
nahm zu, nachdem Agila Saleh zugunsten von as-Salhin
Abdel Nabi von seinem Amt als Parlamentspräsident abgelöst
worden war.
Obwohl Abdul Hamid Dabaiba von Anfang an in die Verhandlungen mit
Haftar eingebunden war, ließ dessen Begeistern zu wünschen übrig.
Bislang scheine das US-Abkommen, das offensichtlich von der UN-Mission
im Rahmen des 4plus4-Ausschusses ausgearbeitet wurde, noch
nicht unter Dach und Fach zu sein. Ein Grund für die Verzögerung war
die Aufdeckung einer Terrorzelle in Tripolis, die Anschläge auf militärische
und politische Personen vorbereitete und mit Personen aus dem
Umfeld von Saddam Haftar in Verbindung stand.
Da bisher keine weiteren Details bekanntgegeben wurden, werden Informationen
über die Terrorzelle wohl als Druckmittel benutzt, um vor
der Umsetzung des 4plus4-Abkommens Zugeständnisse zu
erzwingen.
Saddam Haftar bemühe sich, ein direktes Treffen mit Dabaiba im
dem Rahmen des 4plus4-Abkommens in der Türkei zu arrangieren.
Die tatsächliche Frage laute: Wie lassen sich tiefgehende politische,
wirtschaftliche und soziale Probleme auf Vereinbarungen
zwischen den beiden De-facto-Mächten reduzieren?
+ Salah al-Bakusch (Politberater) bezeichnete das von Boulos propagierte Abkommen zwischen den beiden Clans als „Abkommen der Diebe“. Er fragte, wie diese dazu gebracht werden könnten, Wahlen abzuhalten, die Institutionen zu vereinen und sich aus dem Konflikt zurückzuziehen?“
# Libysche Zentralbank
+ Al-Arabi
al-Dschadid (Katar): Zentralbankchef Nadschi Issa hält an
seinem Rücktrittsgesuch fest – vor dem Hintergrund anhaltender
Spaltungen innerhalb der Regierung, fehlender institutioneller
Unterstützung für Wirtschaftsreformen und zunehmenden Drucks auf die
Bank, Finanzmittel bereitzustellen – parallel zu steigenden
öffentlichen Ausgaben und wachsendem Druck auf die Devisenreserven
sowie den Wechselkurs des Dinar.
Diese Probleme überstiegen die Fähigkeiten der Zentralbank, sie
allein zu bewältigen, da die Vielzahl der Entscheidungs- und Ausgabenzentren
mit einer Ausweitung der öffentlichen Verpflichtungen einhergehe, ohne
dass ein einheitlicher finanzpolitischer Rahmen vorhanden sei, der die
Übereinstimmung der Ausgaben mit den verfügbaren Einnahmen gewährleiste.
+ Der neue Parlamentspräsident
as-Salhin Abdul an-Nabi hat den Rücktritt von Nadschi Issa als Chef
der Libyschen Zentralbank auf Anweisung von Saddam Haftar angenommen.
Der vorherige Parlamentspräsident Agila Saleh hatte diesen Rücktritt
noch abgelehnt.
Abdul an-Nabi beauftragte Fawzi Abu Khazam mit den Aufgaben
des Zentralbankchefs.
+ GeopoliticalDesk:
Nadschi Issa veröffentlichte inzwischen eine Erklärung, in
der er seine Entlassung ablehnt, da das Parlament zuvor seinen
Rücktritt abgelehnt habe. Die Zentralbank veröffentlichte eine Erklärung,
in der sie das verurteilte, was sie als „erzwungenen Einlass“ von
Fawzi Abu Khazam bezeichnete, und beschuldigte das Verteidigungsministerium,
das Gebäude nicht verteidigt zu haben.
Es habe wohl aktive Vorbereitungen zwischen östlichen und westlichen
Fraktionen gegeben, um Nadschi Issas Absetzung zu sichern.
+ Nadschi Issa,
Zentralbankchef: Angesichts des Fehlens einer politischen Lösung
mit einer einzigen Regierung wird die einheitliche Zentralbank
unter enormem Druck stehen.
Die libysche Wirtschaft stehe vor schwerwiegenden strukturellen
Herausforderungen, insbesondere aufgrund ihrer starken Abhängigkeit von
Erdöl- und Erdgas, übermäßigen öffentlichen Ausgaben, Druck auf
den Wechselkurs, kontinuierlicher Ausweitung des öffentlichen Sektors,
begrenzter Beteiligung des Privatsektors an der wirtschaftlichen
Aktivität und dem Bruttoinlandsprodukt.
Libyen bleibe stark anfällig für Ölpreisschocks und Förderstörungen,
was bedeutet, dass die öffentlichen Finanzen und die Wirtschaft
in hohem Maße anfällig für Veränderungen der globalen
Ölpreisentwicklung und Förderunterbrechung sind.
Die Struktur des Staatshaushalts sei ein Grund zur Sorge, da etwa
85 % der gesamten öffentlichen Ausgaben Konsumausgaben
sind, davon rund 45 % für Gehälter und 25 % für Subventionen,
während gleichzeitig die Beschäftigung im öffentlichen Sektor auf etwa
2,3 Millionen Beschäftigte angewachsen ist – bei einer Gesamtbevölkerung
von 7,5 Millionen.
Das Ziel sei es, die finanzielle Disziplin wiederherzustellen
und die öffentlichen Ausgaben schrittweise auf produktive
Investitionen umzulenken, unter Reduzierung der Abhängigkeit von
Öleinnahmen. Dies erfordere die Stärkung des Privatsektors durch Verbesserung
des Geschäftsumfelds und der Investitionen, Förderung des
Unternehmertums sowie Stärkung von Investitionen in Sektoren wie Handel,
Logistikdienstleistungen, Landwirtschaft, Fertigung und Dienstleistungen.
Die Annahme des ersten einheitlichen Haushalts seit 2013 sei ein
Wendepunkt in der Wiederherstellung der finanziellen Disziplin, der Überwindung
der finanziellen Zersplitterung sowie der Schaffung eines soliden gemeinsamen
Rahmens für die öffentlichen Ausgaben gewesen.
Trotz offensichtlicher Herausforderungen bei seiner Umsetzung,
einschließlich Druck von beiden Regierungen zur Erhöhung der Ausgaben,
sei das primäre Ziel, die vollständige Einhaltung der öffentlichen
Ausgaben im vereinbarten Rahmen zu gewährleisten.
Der Zentrale Wirtschaftsrat setze weiterhin auf die Verschärfung
der Ausgabenbeschränkungen, Verbesserung der Geldverwaltung und Lenkung
öffentlicher Ressourcen auf grundlegende Dienstleistungen, strategische
Entwicklung und primäre wirtschaftliche Prioritäten.
Die Vereinigung der Zentralbank sei ein Erfolg auf dem Weg des
Landes zur wirtschaftlichen und finanziellen Stabilität.
Die einheitliche Zentralbank habe einen Modernisierungsprozess des
Finanzsystems vorangetrieben, so die Einführung von Systemen für
elektronische Zahlungen, die Verbesserung der Fremdwährungsverwaltung
und der sicheren Wiederaufnahme des Imports von Fremdwährung.
A. Gutsche