Kurznachrichten Libyen –
25.03. bis 01.04.2026
4.
April 2026 / gelanews
Jahrestag: Schließung der britischen Stützpunkte am
28. März 1970 / Jahrestag: Am 30. März 2011 starben durch Nato-Bomben erste
Zivilisten / Durch ukrainischen Beschuss havarierter Gastanker zunächst
gesichert, durch Sturm wieder führerlos / Bericht des Expertengremiums des
UN-Sicherheitsrats zu Libyen / Mord an Saif al-Islam Gaddafi: Öffentlichkeit
wartet noch immer auf Bekanntgabe von Tätern und Hintergründen / Abschuss des
Flugzeugs in der Türkei mit al-Haddad an Bord soll von USA und Israel
durchgeführt worden sein / Weitere Zunahme von außergerichtlichen Tötungen /
Libysches Wirtschaftstreffen unter US-Schirmherrschaft in Tunis wird von
Belqasim Hafar abgelehnt / USA verfolgen in Libyen nur eigene Interessen, indem
sie die beiden Familien-Clans unterstützen / Libyen könnte aufgrund
wirtschaftlicher, sozialer und militärischer Probleme wieder in Instabilität
abdriften / Libyens Institutionen von Cyberattacken bedroht / Enorme
Preissteigerungen – insbesondere bei Tomaten und Mehl / Seit 2020 verlor der
Dinar achtzig Prozent seines Wertes / Arkano-Ölunternehmen weiter
Korruptionsvorwürfen und starker Kritik ausgesetzt / Schwere Sandstürmen fegen
durch Libyen – miserable Sichtverhältnisse, Verletzungen und
Atemwegserkrankungen
Jahrestag
28. März 1970 – Schließung britischer Militärstützpunkte
+ Am 28.
März 1970 erfolgte die Schließung der
britischen Stützpunkte und der Abzug ihrer Streitkräfte aus Libyen.
Von diesen Stützpunkten aus hatten Flugzeuge 1956 und 1967 Angriffe
auf Ägypten geflogen, und auch deshalb war ihre Schließung eines der
Ziele der Revolution vom 1. September 1969 und von Oberst Muammar
Gaddafi.
+ Fotos von
damaligen britischen Soldaten und Fahrzeugen auf dem besetzten
Stützpunkt al-Adham in Tobruk. Oberst Gaddafi stellte die
libysche Kontrolle über den Militärstützpunkt wieder her.
+ Fotos: Genau
am Jahrestag des Abzugs von britischen Militärs aus Libyen, dem 28.
März 2026, lief der Flugzeugträger USS Tripolis im Hafen
von Tripolis ein. Das US Central Command feierte die Ankunft
von US-Matrosen und Marinesoldaten in Libyen.
Fotos
belegen, wie in Tripolis rund 3.500 Angehörige der US-Marine, begleitet
von Transportflugzeugen und Kampfflugzeugen, begrüßt
wurden.
[Eine Verhöhnung der libyschen Souveränität].
+ Achmed Hamza
(Menschenrechtsinstitution): Wir begehen einen glorreichen nationalen
Jahrestag, doch er fällt in eine Zeit, in der ausländische
Stützpunkte und Söldner aufgrund der Einmischung regionaler Mächte, die
Libyens Souveränität untergraben, wieder im ganzen Land präsent
sind.
+ Ali Ramadan
Dabnun, Sozialrats des Gaddafa-Stammes: Ihr Abzug war nicht
bloß ein militärischer Rückzug, sondern vielmehr der Fall der
noch verbliebenen Hegemonie und ein Sieg für den Willen eines Volkes,
das beschlossen hatte, Herren und nicht Untertanen im eigenen
Land zu sein.
+ Bewegung Wille des
Volkes: Der Abzug der britischen Streitkräfte aus Libyen
ist ein bleibendes Gedenken und ein ruhmreiches Kapitel der libyschen
Geschichte, geschrieben vom historischen Helden, dem legendären
Führer Muammar Gaddafi und seinen Offizieren der Freien Unionisten.
+ Brigadegeneral
al-Adschami al-Ateiri: Eine großartige Erinnerung, auf die wir mit
Recht stolz sein und die wir feiern dürfen, auch wenn die Rückkehr
auf die Stützpunkte und die Errichtung weiterer Stützpunkte zur Besetzung
unseres Landes Traurigkeit auslöst.
+ Attia Bani
(Journalist): Drei wichtige nationale Ereignisse, die im Gedächtnis
des libyschen Volkes fortleben werden: Räumung der britischen
Stützpunkte am 28. März 1970; Evakuierung der us-amerikanischen
Stützpunkte am 11. Juni 1970; der Wegzug der italienischen Siedler.
+ Alam al-Fallah
(ehemals Dialogkomitee): Die allgemeine Stimmung in Libyen ist noch
immer von einer langen Tradition der Feindseligkeit und einem langen
Kampf gegen den westlichen Kolonialismus geprägt und hat zur Ausbildung
einer großen Sensibilität gegenüber jeder ausländischen Präsenz auf
libyschem Boden beigetragen. Dies erklärt die weitverbreitete Ablehnung
der Anwesenheit ausländischer Streitkräfte und Söldner.
+ Mohammed Buysir
(politischer Berater): Als die al-Fatah-Revolution stattfand, war ihr wichtigster
Slogan die Forderung nach Räumung der ausländischen Stützpunkte. Mit
der Ölforderung war in Libyen eine neue Klasse gebildeter Menschen
entstanden, ohne Bindung zur Monarchie, sondern die stattdessen Ideen der
Befreiung und antikoloniale Visionen verfolgte.
Britische und us-amerikanische Dokumente zeigen, dass König Idris und
seine Regierung die Räumung der britischen Stützpunkte bis nach
Beendigung des Abkommens hinauszögern wollten. Dies war jedoch umstritten;
der Verbleib dieser Stützpunkte wurde abgelehnt. Da sich der König
und sein Regime als Teil der westlichen Weltgemeinschaft verstanden,
erkannte er weder die Volksrepublik China noch die die DDR an.
Gaddafi sagte damals, dass Libyen als Königreich nicht mit der neu
entstandenen Republik vergleichbar sei. Der Fortbestand dieser
Stützpunkte sei sinnlos. Millionen Menschen jubelten.
Ähnlich wie die Menschen in Ägypten die Verstaatlichung des
Suezkanals und in Irak den Zusammenbruch des Bagdad-Bündnisses
feierten, herrschte in Libyen ein Geist der Befreiung, einhergehend
mit Feindseligkeit gegenüber dem Westen und seiner Kolonialpolitik.
Jahrestag
30. März 2011 – Nato-Bombardierung
+ Am 30.
März 2011 fielen im Gebiet von al-Arqub Nato-Bomben zum
„Schutz von Zivilisten“ und töteten Zivilisten. Gedacht wird der Toten: Yunis
Ali Mohammed (43 Jahre alt), Amradsch Musa Said (41), Faradsch
al-Mabruk Ali (13), Abdulmula Nasr Ali (5), Umm Schanaf Hamad
Abdul Rabbo (43), Hania Said Mussa (4), Asmaa Mohammed al-Huni
(7), Hanaa Mohammed Omran Yunes al-Huni (1 ½ ), Hadschar Hamed
Mohammed (8).
Havarierter
russischer Gastanker – nach Stürmen erneut Gefahrenzuspitzung
+ GelaNews:
Ein mit Flüssiggas und Erdöl beladener Tanker wurde Anfang März 2026
von einem vermutlich von Libyen aus gestarteten ukrainischen Drohnenboot
in Brand geschossen. Das schwer havarierte Schiff drohte zu explodieren und gefährdete
die Küsten von Malta und Libyen sowie Bohr-, Erdöl- und Erdgasanlagen. Schwere
Umweltschäden wurden befürchtet. Nach einem dramatischen
Abdriften des Tankers in Richtung des libyschen Erdöl- und Erdgaskomplexes Mellitah,
der nahe der westlibyschen Küstenstadt Stadt Zuwara liegt, gelang
es Spezialeinsatzkräften zunächst, das Schiff zu sichern. Durch
das Aufkommen schwerer Stürme im Mittelmeer wurde die Kontrolle über
den Frachter wieder verloren, der erneut führerlos im Wasser treibt.
Libyens Befürchtung, neuer Schauplatz des Stellvertreterkriegs
zwischen den USA/NATO und Russland zu werden, haben sich verstärkt.
+ Dabaiba-‚Regierung‘:
Von dem havarierten russischen Tanker gehen keine Umweltrisiken
mehr aus. Er soll in der kommenden Woche an einen bestimmten Ort geschleppt
und dort entladen werden. Die NOC werde dafür ein internationales
Unternehmen beauftragen; diesbezügliche Verhandlungen liefen. Mit
der russischen Seite sei man im Gespräch.
+ Russisches
Ermittlungskomitee: Der Gastanker Arctic Metagas wurde von
zwei Drohnen und mindestens drei mit Sprengstoff beladenen Drohnenbooten
angegriffen. Die 30-köpfige Besatzung, die allesamt russische
Staatsbürger waren, konnten gerettet werden und befänden sich alle in
Russland. Es werde weiter ermittelt.
+ Krisenkomitee
der Dabaibah-‚Regierung‘: Der russische Tanker befindet sich,
nachdem er erneut abgeschleppt wurde, mehr als 62 Seemeilen von der
libyschen Küste entfernt. Die Abschleppaktion ist noch im Gange,
zusammen mit den parallel laufenden Stabilisierungsmaßnahmen.
Die National Oil Corporation überwache in Abstimmung mit
einem spezialisierten internationalen Unternehmen die Anwendung der Sicherheits-
und Schutzstandards während des Entladevorgangs. Das Hauptziel in dieser
Phase ist es, den Tanker von der libyschen Küste und deren
potenziellen Umweltgefährdung zu entfernen.
+ Der russische
Außenminister Sergej
Lawrow sagte, dass die europäischen Länder sich weigern, über die potenzielle
Umweltkatastrophe zu diskutieren, die sich aus dem Angriff der Ukraine
auf den russischen Gastanker Arctic Metagaz im Mittelmeer ergeben
könnte.
+ Am 31.
März berichtete al-Arabiya,
dass der havarierte russische Gastanker aufgrund schlechter Wetterbedingungen,
rauer See und der Befürchtung eines Lecks zur libyschen
Küste zurücktreibe. Die Generaldirektion für Küstensicherheit entsandte zum
Abschleppen des Tankers aus den libyschen Hoheitsgewässern zusätzliche
Marineverstärkung.
Der Tanker befinde sich nun etwa 62 Seemeilen vor der libyschen Küste
entfernt.
+ AgenziaNova
(Italien): Das Auftreten eines Zyklons im Mittelmeer, begleitet von starken
Winden, stellt eine Bedrohung für die Fortsetzung der Schleppvorgänge
dar.
+ Die Lage
hat sich am 2. April aufgrund der widrigen Wetterverhältnisse im
östlichen Mittelmeer mit Wellen bis zu einer Höhe von sieben Metern
wieder dramatisch zugespitzt. Die National Oil Corporation
(NOC) bestätigte, dass die Kontrolle über die zerstörte Arctic
Metagaz erneut vollständig verloren ging. Die Schleppleine
wurde gekappt und der Tanker treibt bei hohem Seegang führerlos
im Wasser.
Bericht des
Expertengremiums des UN-Sicherheitsrats zu Libyen
+ GelaNews.
Ein am 29. März 2026 veröffentlichter Bericht eines Expertenrats
(Sachverständigengremium) des UN-Sicherheitsrats zu Libyen gibt tiefe
und erschreckende Einblicke über die Verfasstheit des Landes. Es geht dabei um Korruption,
organisierte Kriminalität, grenzüberschreitende Terror-, Schmuggel- und
Schleusernetzwerke. Die Arkano Oil Company, die sich der Dabaiba-
und der Haftar-Clan teilen, ermöglichte die Abzweigung von Milliarden
US-Dollar in private Taschen, während Investitionen vernachlässigt wurden.
Die National Oil Corporation wird von Milizen kontrolliert.
Der Milizenführer Abdul Salam Zubi wurde zum Unterstaatssekretär
des Verteidigungsministeriums ernannt. Er ist unter anderem berüchtigt
für Treibstoffschmuggel, Erpressung, Umgehung des Waffenembargos und er kontrolliert
den Süden von Tripolis, der libyschen Hauptstadt.
Von Ibrahim Dabaiba, unterstützt von seinem Vater Ali, ist
bekannt, dass er im westlichen Libyen als „Königsmacher“ fungiert und
der Pate des Arkano-Deals war. Sein Einfluss umfasst über die Aktivitäten
der Milizen hinaus auch Sicherheits-, politische und wirtschaftliche
Funktionen. Die direkte Zusammenarbeit mit Milizenkommandeuren hat
ihn zu einem wichtigen Akteur in deren System gemacht.
Der Chef der General Electricity Company, Mohammed al-Maschay,
ist in Treibstoffschmuggel im großen Stil verwickelt.
Unter Ben Gaddara als Chef der Natinal Oil Company kam
diese zunehmend unter die Kontrolle von Milizen.
Der Schmuggel von Öl und Ölderivaten hat ein beispielloses Ausmaß
erreicht und ist nicht mehr staatlich kontrollierbar.
Daneben geht der Bericht auch ein auf Fälle von Verschwindenlassen,
Folter und Inhaftierung als Mittel zur Einschüchterung von Zivilisten,
Aktivisten und Journalisten in libyschen Haftanstalten.
Der Bericht beschreibt außerdem, wie der libysche Premier Abdulhamid Dabaiba
zusammen mit dem Milizenkommandanten Machmud Hamza den Milizenführer
Ghaniwa al-Kikli in eine Falle gelockt und ermordet hat.
All diese aufgeführten Verbrechen und schweren Korruptionsfälle sind dem
UN-Sicherheitsrat nicht erst seit heute bekannt. Doch es wurde nicht
nur nicht gehandelt, sondern die kriminellen Regierungen wurden aktiv im
Amt gehalten und bestätigt. Dabei ist eine UN-Sondermission zur Unterstützung
und Begleitung des politischen Prozesses seit September 2011 in
Libyen aktiv. Die Chronik eines Totalversagens.
Der Bericht klammert nicht nur den Mord am
Präsidentschaftskandidaten Saif al-Islam Gaddafi aus, sondern auch
weitgehend die nicht weniger verbrecherischen Vorgehensweisen im östlichen
Libyen unter dem Haftar-Clan.
+ Othman
Al-Hadhiri (Ölexperte) bezeichnete den Bericht des UN-Expertengremiums
für 2025-2026 als ein „beunruhigendes und gefährliches Dokument“, das
das Ausmaß der Krise offenbart. Der Bericht bestärke die Befürchtung,
dass der Ölsektor an internationaler Legitimität verliert, da globale
Unternehmen wahrscheinlich zögern werden, Geschäfte in Libyen
zu tätigen. Der UN-Sicherheitsrat könnte neue Sanktionen
gegen die beteiligten Personen oder Organisationen verhängen.
Mord des
Präsidentschaftskandidaten Saif al-Islam Gaddafi
+ Ibrahim
al-Madani kündigte eine Erklärung von Zintan bezüglich des Mordes
am Präsidentschaftskandidaten Saif al-Islam Gaddafi an. Der Verrat
sei von bezahlten Mördern des Geldes wegen begangen worden.
+ Die Jugend der
westlichen Bergregion brachte ihren Unmut und ihre Besorgnis
über das Schweigen und die Verzögerung bei der Bekanntgabe
neuer Entwicklungen im Mordfall Saif al-Islam Gaddafi zum Ausdruck.
Die libysche Öffentlichkeit erwarte Aufklärung über die Wahrheit
und Gerechtigkeit für das Opfer. Die Bürger seien beunruhigt
und stellten Fragen zum weiteren Verlauf des Verfahrens.
+ Jugendliga
Gharyan: Mit großer Sorge und Bestürzung wird die Verzögerung
bei der Bekanntgabe neuer Entwicklungen im Mordfall von Saif al-Islam
Muammar Gaddafi beobachtet.
Die Öffentlichkeit warte darauf, dass die ganze Wahrheit ans
Licht komme und die Fakten bekannt werden. Es werde befürchtet,
dass das Thema marginalisiert wird. Die Aufklärung des Falls und
die Ermittlung der Umstände müssten nationale Priorität haben und
Gerechtigkeit das oberste Ziel sein.
+ Riwaq Center
for Research, Visions and Studies: Die Ermordung von Saif al-Islam
Gaddafi bedeutete eine qualitative Wende der Libyen-Krise, da
er ein einigendes Symbol für die Anhänger des ehemaligen
Regimes und eine politische Karte in den Gleichungen zur Beilegung
des Konflikts und zu den Wahlen war.
Das Fehlen von Saif al-Islam habe das Land in eine neue Phase
politischer Verwirrung und eines politischen Vakuums gestürzt, und
dies in einer Zeit der Spaltung zwischen zwei Regierungen und zwei
Militärblöcken.
Der Zeitpunkt des Attentats gebe Anlass zu ernsten Bedenken
hinsichtlich einer Untergrabung der verbliebenen nationalen Dialogprozesse
und offenbare die Fragilität der Sicherheitslage.
Die Abwesenheit von Saif al-Islam könnte die Tür für eine
direkte Konfrontation zwischen den Konfliktparteien öffnen. Sie könnte zu
einer weitverbreiteten Wählerapathie führen und die Legitimität des
Wahlprozesses schwächen. Dies erhöhe die Wahrscheinlichkeit einer
Eskalation und könne den Wahlprozess zum Scheitern bringen oder ihn völlig
umgestalten.
Es könnte die gesamte Zukunft des libyschen Staates auf dem Spiel
stehen.
Al-Mahdi
Abdel-Aati wieder frei
+ Der
politische Aktivist al-Mahdi
Abdel-Aati aus Misrata wurde am 26. März der Staatsanwaltschaft
übergeben.
Die EU
und die diplomatischen Vertretungen der Mitgliedstaaten forderten
in einer gemeinsamen Erklärung die Freilassung von al-Mahdi Abdel-Aati.
Seine körperliche Unversehrtheit müsse gewährleistet werden.
+ Am 29.
März forderte auch der Konsensblock des
Staatsrats die bedingungslose Freilassung von al-Mahdi Abdel-Aati. Die
Strafverfolgungsbehörden müssten unverzüglich eingreifen und die Täter
vor Gericht bringen.
+ Der
politische Aktivist al-Mahdi Abdel-Aati, der am 19. März verschleppt
worden war, wurde von der Generalstaatsanwaltschaft freigelassen.
Al-Mahdi Abdel-Aati deckte zuletzt Korruption innerhalb der Dabaiba-‚Regierung‘
und der National Oil Corporation auf und berichtete
über zahlreiche Details zu Verstößen im Zusammenhang mit dem Unternehmen
Arkano. In seinem letzten Video vor seiner Entführung
sprach al-Mahdi Abdel-Aati über den Schmuggel von Rohöl und Treibstoff,
das Verschwinden von Steuereinnahmen und den Rückgang der Öleinnahmen.
Militär/Milizen/Gewalt
+ Dogu Perincek,
Vorsitzender der türkischen Nationalpartei: Die Operation zum
Abschuss des Flugzeugs, das den Tod des libyschen Generalstabschefs
Mohammed al-Haddad zur Folge hatte, war eine gemeinsame Operation von
Israel und den USA.
Jeder, der sich nicht an die Nato-Strategie halte, werde als Bedrohung
wahrgenommen und ins Visier genommen.
Zeitgleich mit dem Abschuss des Flugzeugs habe Israel eine türkische
C-130-Transportmaschine abgeschossen, die in Aserbaidschan gestartet
war und 34 türkische Soldaten an Bord hatte. Die Ergebnisse
dieser Untersuchung wurden noch nicht veröffentlicht.
Wenn die Bedrohung von Israel und den USA ausgehe,
herrsche in der Türkei Schweigen.
+ Am 26.
März fanden
bewaffnete Zusammenstöße in Surman zwischen Anhängern von Nuri
ar-Raitimi und Anhängern von ar-Rabie, der dem Stability Support
Apparatus angehört, statt.
+ Al-Ammari
al-Faqi Huwaidsch wurde am 26. März erschossen in der Nähe seines
Hauses im Stadtteil Gumata von Gasr al-Akhyar aufgefunden.
+ Nationale
Menschenrechtsinstitution: Der junge Siradsch Schaladi
wurde am 27. März auf der Küstenstraße westlich der Stadt az-Zawiya erschossen.
Zwei Begleiter, einer aus der Familie Raschid und der andere aus der
Familie Baschkar, wurden durch Schüsse verletzt.
Es wird gefordert, die Täter strafrechtlich zu verfolgen und sie vor
Gericht zu stellen.
In vielen Städten und Gemeinden, insbesondere in Zawiya,
Adschilat, Surman, Sabratha, Tripolis und Dschanzur, komme es immer
wieder aufgrund des Fehlens kompetenter Sicherheitsbehörden zu
außergerichtlichen Tötungen.
+ Der junge Mohammed
Abdelghani Koko wurde am 30. März in der Stadt Zawiya von mehreren
Tätern erschossen. Die Mörder flüchteten.
+ Mohammed Abdul
Hamid Dschirah wurde bei einem Angriff auf sein Haus in Gharyan
getötet und seine Mutter schwer verletzt. Ein bewaffneter Mann
hatte eine Handgranate in das Haus geworfen.
+ Fünf
internationale Menschenrechtsorganisationen forderten den IStGH, die
UNO und Interpol auf, die Umstände rund um die Massengräber in
Tripolis zu untersuchen. Sie brachten auch ihr tiefes Bedauern über die
Entführung, Folterung und Tötung der Bürger Machmud Ali at-Taher und
Abdel-Aati al-Gibli zum Ausdruck, deren Leichen am 8. März 2026
in einem Massengrab im Gebiet Sidi Hussein in Tripolis gefunden
wurden.
Der Schutz von Zeugen und Angehörigen der Opfer müsse gewährleistet
sein und Gerechtigkeit und Wiedergutmachung ermöglicht werden.
+ Die Libysche
Vereinigung der politischen Gefangenen: Wir leiden unter der Politik
der Straflosigkeit, der Marginalisierung der Rechte der Opfer und
der Behinderung der Justiz. Der Forderung über Aufklärung der
Verstöße gegen das Recht von politischen Gefangenen sowie über den Verbleib
von Verschwundenen wird nicht nachgekommen. Diese Fälle
werden nicht ernsthaft geprüft, und die Verantwortlichen wurden
bis heute nicht zur Rechenschaft gezogen.
„Wir rufen alle Parteien dazu auf, ihrer Verantwortung gerecht zu
werden und sich dem Weg der Übergangsjustiz zu verpflichten, da dies der
einzige Weg ist, einen gerechten Frieden auf der Grundlage von Wahrheit und
Fairness zu erreichen.“
+ Präsidialratsvorsitzender
al-Menfi traf sich mit an-Namrusch, Hassan Abu Zriba, Hussein
al-Aib und Ayub Buras bei separaten Treffen, die der
Erörterung der jüngsten Sicherheits- und Militärentwicklungen in
verschiedenen westlichen Regionen und Städten gewidmet sind.
+ Al-Menfi
traf sich auch mit dem Direktor des Militärgeheimdienstes und dem Kommandeur
der 444. Kampfbrigade, Machmud Hamza, um sich über die Sicherheitslage
zu informieren und die Koordination zwischen den militärischen
Stellen zu verbessern.
+ Al-Menfi
traf sich im Rahmen der gemeinsamen Koordinierungsbemühungen verschiedener
militärischer Institutionen und zur Beobachtung der Sicherheitslage
mit an-Namrusch, al-Aib, Karah, Hassan Abu Zriba und dem Chef der
Präsidentengarde.
+ Khalil al-Hassi
(Journalist): Die Dabaiba-‚Regierung‘ gab 355 Millionen Dinar für
etwas namens „Verteidigungsministerium“ aus, um dieses Krebsgeschwür
namens Milizen am Leben zu erhalten.
Der Süden
Libyens – Bedrohung durch IS
+ Mohammed
as-Senussi (Militärexperte): Die Sprengung eines Ventils im
Scharara-Ölfeld wirft ernsthafte Fragen hinsichtlich einer möglichen
Beteiligung des IS auf, insbesondere nachdem der IS in der Vergangenheit
Ölförderanlagen wie Sidra und Ras Lanuf ins Visier genommen
hatte. Der Druck auf extremistische Gruppen an den Grenzen zu Tschad,
Niger und Sudan könnte den IS dazu veranlassen, sich neu
zu positionieren und erneut in libysches Gebiet einzudringen.
+ Salem Karwad
(Misrata-Bewegung gegen Ungerechtigkeit): Der gegenwärtige Zustand
relativer Stabilität bedeutet nicht das Ende der Bedrohung durch den
IS. Dieser könnte ein Vakuum nützen, um sich neu zu formieren.
+ Dschalal
Harchaui (Libyen-Experte): Das Problem der Söldner wird
wahrscheinlich auch weiterhin bestehen. In Libyen seien seit
Jahren Hunderte von Söldnern verschiedener Nationalitäten stationiert,
darunter aus Russland, dem Tschad und Syrien.
Der UN-Bericht dokumentierte die Nutzung libyschen Territoriums
als Ausgangspunkt für die Verlegung von Kämpfern auf ausländische
Schlachtfelder. Kolumbianer durchquerten Libyen auf
der Durchreise in den Sudan, ohne sich dort jedoch niederzulassen.
Dieser Transit stelle ein umfassenderes regionales
Sicherheitsdilemma dar.
Wirtschaftstreffen
in Tunis
+ Al-Arab
(London): In Tunis fand unter der Schirmherrschaft des Trump-Gesandten
Massad Boulos und des US-Finanzministeriums ein Wirtschaftstreffen
zwischen Vertretern der östlichen und westlichen Regionen statt.
Erörtert wurden die Umsetzung der Bestimmungen des gemeinsamen
Entwicklungsabkommens und die Einrichtung eines gemeinsamen Haushalts.
Die Delegation der Westregion wurde von Walid al-Lafi und Mustafa
al-Mana geleitet, und zur Delegation der Ostregion gehörten der
ehemalige Staatssekretär des Ölministeriums, Rifaat al-Abbar, und der
ehemalige Planungsminister, Fakher Bufrana.
+ Der von Belqacem Haftar
geleitete Wiederaufbaufonds stellte sich gegen das in Tunesien
unter der Schirmherrschaft von Massad Boulos abgehaltene Wirtschaftstreffen
und bezeichnete es als unverbindlich und für ihn ungültig.
Der Fonds griff die beim Wirtschaftstreffen anwesenden Vertreter
von Saddam Haftar, Rifaat al-Abbar und Fakher Bufrana, an,
und erklärte, dass diese nicht die östlichen und südlichen Regionen
repräsentieren.
+ Manur al-Hasadi
(Staatsrat): Die Diskussionen um das Wirtschaftstreffen in Tunis
bestätigen, dass Massad Boulos die Libyen-Krise mit der Denkweise
eines Bauunternehmers angeht, indem er Spaltung und Korruption fördert
und verdächtige Schritte unternimmt.
+ Konsensblock
im Staatsrat: Wir weisen die hinsichtlich ihres Inhalts
und Kontextes verdächtigen Aktionen von Massad Boulos wegen Interessenkonflikten
und Korruptionsverdachtsvorwürfen zurück.
Seine Treffen mit Clanvertretern spiegelten seinen Mangel an
strategischem und politischem Gespür wider. Boulos versuche, persönliche
Deals durchzusetzen und die Herrschaft des Militärs und dessen Clan
sowie das korrupte Regierungssystem auf Kosten Libyens, seines Volkes
und seiner Institutionen zu festigen.
„Libyen war und wird niemals einer ausländischen Macht untertan
sein, und sein Volk wird es nicht hinnehmen, dass seine Zukunft
von familiären Ambitionen, Geschäftsabschlüssen mit einem us-amerikanischen
Berater oder von außen aufgezwungenen politischen Projekten diktiert wird.“
+ As-Senussi
Ismail (ehemalige Sprecher des Staatsrats): Massad Boulos ist ein
kleiner Bauunternehmer, der seinen persönlichen Vorteil sucht und
seinen Reichtum auf Kosten des libyschen Volkes mehren will.
+ Khaled Al-Ghawil
(Berater Libysche Stammesunion): Die verdächtigen Aktivitäten von
Massad Boulos in Libyen, darunter die Abhaltung geheimer Treffen,
um vom libyschen Blutvergießen zu profitieren und seine persönlichen
Interessen zu verfolgen und sich durch korrupte Verräter zu
bereichern, stürzen Libyen ins Chaos.
+ Die Ablehnung
des Tunis-Wirtschaftstreffens
durch Belqasim Haftar wird als Streit im Haftar-Lager gedeutet.
Es gebe deutliche Anzeichen interner Uneinigkeit hinsichtlich der Gestaltung
des Wirtschaftsbereichs und der laufenden politischen Vereinbarungen.
Ausländische
Besatzung
+ USA.
Der amtierende US-Botschafter traf sich mit Mohammed asch-Schahubi,
dem Verkehrsminister und Finanzberater von Dabaiba, um die
Finanzstabilität und die Vereinheitlichung der öffentlichen Ausgaben
besprechen mit dem Ziel, die Grundversorgung positiv zu beeinflussen und
die Entwicklung in verschiedenen Regionen zu beschleunigen.
+ Fawzi an-Nuwairi
(Vizepräsident des Parlaments): Die Zentralbank und ihre Finanz- und
Währungsregelungen sind eine souveräne Angelegenheit, in die wir jegliche
Einmischung von außen ablehnen.
Die Einbeziehung der Zentralbank in politische Prozesse stelle eine gefährliche
Abweichung dar.
+ USA.
Yussef Ben
Othman as-Saghir (Völkerrechtsexperte): Die USA versuchen, die
Unterstützung bei der libyschen Ernährungssicherheit auszunutzen,
um militärische und geopolitische Ziele zu erreichen.
Die Herangehensweise der USA in Bezug auf die Ernährungssicherheit
sollte nicht durch die vorgeblich humanitäre Rhetorik in die Irre
führen, sondern vielmehr innerhalb der Logik der Hegemonie, die das außenpolitische
Verhalten der USSA bestimmt, betracntet werden.
Die anvisierten Gebiete im Süden Libyens stellen eine strategische
Tiefe dar, die mit der regionalen Sicherheit, dem Ressourcenfluss
und der Grenzkontrolle verknüpft ist, wodurch die us-amerikanische
Intervention eher einer strategischen Positionierungsoperation als
einer humanitären Initiative gleicht.
+ USA.
Mohammed
Buysir: Trumps Politik zielt darauf ab, die Ölressourcen der Welt,
einschließlich die libyschen, zu kontrollieren. Libyen komme
bei den us-amerikanischen Interessen nach dem Iran, den Golfstaaten und
Russland, wobei sie sich in Libyen auf Massad Boulos verlassen, weil
er sich als Geschäftsmann auf das Dealmachen konzentriere.
Er wolle nur mit den zwei Clans Geschäfte machen, und daher die Herrschaft
der Clans fördern, da dies der einfachere Weg sei.
Wahlen seien keinesfalls Teil des us-amerikanischen Abkommens.
Die USA wollten die Kontrolle über die Öleinnahmen behalten und es us-amerikanischen
Unternehmen sowie ihren europäischen Tochtergesellschaften ermöglichen,
in Libyen tätig zu sein und Öl zu exportieren.
„Die USA werden weder das libysche Volk ernähren noch seine Probleme
lösen; sie werden nur ihre eigenen Interessen verfolgen.“
Demonstrationen/Proteste
+ Die Bewohner von
Misrata verurteilten während einer Protestaktion die Angriffe
auf Schreine und Zawiyas und forderten, dass die Täter gefasst
und zur Rechenschaft gezogen werden.
Die Stiftungsbehörde veröffentliche provokative Publikationen,
die sich negativ auf den Einzelnen und die Gemeinschaft
auswirkten, deshalb müsse deren Leiter wegen Verbreitung von
extremistischen Inhalten abgesetzt werden.
+ Die Bewohner von
Tarhuna forderten die sofortige Entlassung des Filialleiters der Aman
Bank in Tarhuna sowie eine dringende Untersuchung der Vorfälle
von Beleidigungen und Misshandlungen von Kunden. Die Bank
werde den Bedürfnissen der Stadtbewohner nicht gerecht.
Analysen
+ LibyaDesk:
Die libysche Wirtschaft befindet sich in ihrer seit Jahren schlechtesten
Lage. Die Bevölkerung spürt den Niedergang des Dinars
durch steigende Preise und sinkende Kaufkraft. Es handelt sich
dabei um eine strukturelle Währungskrise, die sich über Jahre
hinweg angebahnt hat.
Das größte Risiko sei derzeit sozialer Natur. In ganz Libyen
herrsche ein seltener Konsens: Die Wirtschaftskrise spitze sich
zu. Proteste, ausgelöst durch Korruption und steigende
Lebenshaltungskosten, werden immer wahrscheinlicher; sie nähmen in Tripolis
ihren Anfang, würden sich aber voraussichtlich nicht auf
Tripolis beschränken. Es könnte zu sozialen Unruhen kommen.
Dies sei nicht nur ein Problem des westlichen Libyens.
Auch im Osten wachse die Frustration über die Ausgabenpolitik des
Wiederaufbaufonds unter Belqasim Haftar. Öffentliche Kritik
werde immer sichtbarer.
Dazu kämen Fragen zum Gesundheitszustand von Premierminister Abdulhamid
Dabaiba. Innerhalb der Tripolis-Regierung zeichneten sich Anzeichen
für Notfallplanungen ab, einige haben sich neue Wohnsitze in
Kairo und Europa eingerichtet. In diplomatischen Kreisen werde Dabaibas
Überleben zunehmend in Frage gestellt.
Eine explosive Entwicklung zeichne sich angesichts der Ermittlungen
zum Attentat auf Saif al-Islam Gaddafi ab. Erkenntnisse könnten erhebliche
politische und sicherheitspolitische Konsequenzen haben.
Auch auf militärischer Ebene flamme die Spannung in Tripolis
wieder auf, insbesondere zwischen den mit der Dabaiba-‚Regierung‘
verbündeten Milizen und dem Deterrence Force Apparatus,
nachdem Dabaiba Personen unterstützte, die RADA offen
feindlich gesinnt seien. Das fragile Gleichgewicht komme ins Schwanken.
Zusammengenommen stehe Libyen nicht vor einer einzelnen Krise, sondern
vor einem Zusammenwirken verschiedener Belastungen in den Bereichen
Wirtschaft, Politik und Sicherheit. Die Gefahr bestehe in
einem allmählichen Abgleiten in erneute Instabilität.
+ International
Crisis Group: Treibstoffschmuggel und Aufteilung der
Öleinnahmen sowie das Ignorieren von „informellen Einnahmequellen“
(Korruption) erhalten den Frieden zwischen den rivalisierenden Parteien
des Landes, plündern aber die Staatskasse und untergraben
internationale Vermittlungsinitiativen, die auf die Beendigung der
Teilung des Landes abzielen.
Obwohl sich die beiden rivalisierenden Lager als Gegner darstellten,
bildeten sie insgeheim eine Interessengemeinschaft. Finanzströme
ermöglichten es beiden Seiten, ihre Regierungen zu finanzieren, Gehälter
zu zahlen, politische Loyalität zu gewinnen und ihre Macht in
ihren Einflussgebieten zu festigen.
Die Unsicherheit, gepaart mit wirtschaftlichem Missmanagement,
führe zu einer Verschlechterung der Lebensbedingungen, zu falschen
Zuweisungen öffentlicher Gelder und zu übermäßigen Ausgaben.
+ Mohammed Buysir
(Politberater): Die Behauptung, Massad Boulos werde eine libysche Zukunft
zum Wohle der Libyer gestalten, ist nichts als Wunschdenken.
Er setze eine Politik des Weißen Hauses um und arbeite für
us-amerikanische Interessen. Er werde seine Marionetten so einsetzen,
dass sie den US-Amerikanern dienen, denn die libysche Seite sei nicht
beteiligt.
Der Strukturierte Dialog habe sich als nichts weiter als ein Druckmittel
von Hannah Tetteh gegenüber den libyschen Parteien entpuppt. „Sie werden
nichts anbieten.“
Innerlibysche
Nachrichten
+ Abdullah al-Lafi
traf sich mit Bürgermeistern von Gemeinden der westlichen Region. Er
sagte, Führungspersönlichkeiten wie Bürgermeister, Älteste und
Würdenträger bildeten eine tragende Säule bei den Bemühungen um die Vereinheitlichung
staatlicher Institutionen und die Lenkung des politischen Prozesses.
+ Laut Cryptica
wurden zwischen November 2025 und Februar 2026 eine Ölraffinerie,
ein Telekommunikationsunternehmen und eine libysche
Regierungsinstitution Ziel einer koordinierten Spionagekampagne. Die
Angreifer installierten Fernsteuerungs-Spionagesoftware in den Systemen
dieser kritischen libyschen Institutionen.
Angesichts des Konflikts in der Golfregion und steigender Ölpreise
scheint der libysche Energiesektor weltweit zunehmend an Bedeutung zu
gewinnen.
+ Imran
asch-Schaibi (Spezialist für Cybersicherheit): Staatliche Institutionen
und Unternehmen in Libyen schenkten der Cybersicherheit zu wenig
Aufmerksamkeit. Cyberangriffe könnten einen Ölkonzern lahmlegen,
sensible Daten stehlen oder ein Lösegeld für die Rückgabe der
erbeuteten Informationen fordern.
+ Al-Nahar
al-Arabi (Libanesische Zeitung): Cyberangriffe, insbesondere auf
den Ölsektor, der mehr als neunzig Prozent der libyschen Einnahmen
ausmacht, stellen eine große Bedrohung dar. Die jüngst mit internationalen
Unternehmen, insbesondere us-amerikanischen, abgeschlossenen Verträge
könnten die Attraktivität dieses Sektors für Angriffe erhöhen.
+ As-Senussi
Ismail (Staatsrat): Anstatt ihre geldpolitischen Befugnisse
auszuüben, greift die Zentralbank in den politischen Konflikt
ein. Sie kontrolliert nicht, wer das Geld ausgibt
und wer es verschwendet.
Massad Boulos sei lediglich ein Geschäftsmann und könne keine
umfassende Vereinbarung zur Beendigung des Konflikts treffen. Die
UN-Mission sei verwirrt über die wechselnden Positionen der
Libyer. Derzeit hätten in Libyen die Länder, die die Szene
kontrollieren, wie beispielsweise Russland und die Türkei,
die Oberhand. Würde das Land politische Parteien und
zivilgesellschaftliche Organisationen aufgeben, würde es zu einem Gewirr
von Stämmen verkommen, die sich gegenseitig mit Waffen bekämpften,
und die Abhaltung von Wahlen wäre ausgeschlossen.
+ LibyaPress:
Namentlich genannte, ehemalige Beamte der Antikorruptionsbehörde
sind in Korruptionsfälle verwickelt, beispielsweise mit dem Handel
von Materialien, die für die nationale Sicherheit von Bedeutung
sind, wie zum Beispiel Harnstoff. Der Leiter des Beraterbüros der
Nationalen Antikorruptionsbehörde, Nasser Ali Abdulrahman al-Warfali,
reichte eine offizielle Beschwerde bezüglich dieser Fälle beim Parlamentspräsidenten,
dem Generalstaatsanwalt und dem Leiter der Abteilung für die Inspektion
der Justizorgane ein. Den Beamten wird vorgeworfen: Manipulation von
Mitarbeitergehältern, fiktive Ernennungen, Berufung von Personen
mit Vorstrafen auf sensible Posten und Geschäfte mit korrupten
Organisationen.
Verfahren gegen die Beamten wegen Gefährdung der nationalen Sicherheit,
Korruption und Plünderung der Ressourcen des libyschen Volkes
seien seit Jahren vor Gericht anhängig.
+ Die Generalgewerkschaft
der Justizangestellten forderte von Mohammed Takala dessen Intervention
zur Umsetzung der beschlossenen Gehaltserhöhung und zur Wiederherstellung
der Stabilität des Justizsystems.
+ Dabaiba verbot
Ermittlungen gegen Bürgermeister ohne seine schriftliche Zustimmung.
Der Staatsanwalt
ordnet immer noch regelmäßig eine hohe Anzahl von Verhaftungen aufgrund
von Korruption, Fälschungen von Identitätsnachweisen, Gewalttaten
und weiteren kriminellen Handlungen an. Auch weil diese Anordnungen
nicht immer zu Festnahmen führen, wird auf die Aufführung der
Einzelfälle verzichtet.
Wirtschaft /
Finanzen
+ Welternährungsprogramm:
Der Anstieg der lokalen Preise erfolgte nach der Abwertung des Dinars
im Januar 2026; der niedrigste nationale Warenkorbindex stieg im Februar
um fünf Prozent. In der östlichen Region wurden starke
Preisanstiege bis über neun Prozent verzeichnet. In der südlichen
Region treiben hohe Transportkosten, Angebotsengpässe, die Abhängigkeit
von langen Lieferketten und Wechselkurseffekte die Preise
weiterhin in die Höhe.
+ Achmed
al-Khamisi: Der vierfache Anstieg der Tomatenpreise von 3 auf 15
Dinar zeigt, dass einige Spekulanten die Schwäche des Staates ausnutzen.
+ Komitee zur
Überwachung der Bäckereien: Die Mehlpreise sind von 190 Dinar auf
240 Dinar gestiegen, während der Preis für einen Sack Zucker von
160 auf 220 Dinar gesprungen ist. Der Preis für eine Kiste Öl stieg
von 90 Dinar auf 137 Dinar. Außerdem erhöhten sich die Preise für Hefe und
Brottüten.
Bäckereibesitzer sehen sich auch zunehmendem Druck von Arbeitern
ausgesetzt, die nach der Wechselkursänderung höhere Löhne fordern.
+Geopolitical
Desk: Seit Beginn des Jahrzehnts hat der libysche Dinar fast 80
Prozent seines offiziellen Werts gegenüber dem US-Dollar verloren – und das
in einem Land, das nicht unter wirtschaftlichen Sanktionen steht, in dem
die Ölproduktion gestiegen ist und wo die Devisenreserven (FX) zu den
höchsten Pro-Kopf-Reserven in Nordafrika gehören.
Libyen arbeite mit drei verschiedenen Kursen für den gleichen US-Dollar
und schaffe so Möglichkeiten zur Bereicherung. Nach der Abwertung im
Januar 2026 liege der offizielle Kurs bei 6,38 Dinar/US-Dollar. Auf
dem Parallelmarkt sei der Kurs des gleichen US-Dollars bis zu 9,10
Dinar. Diese Lücke, die seit 2024 konstant im Bereich von 30–45
Prozent liegt, sei groß genug, um als räuberisches Geschäftsmodell
zu fungieren.
Mit einem angemessenen Zugang kann man US-Dollar billig über offizielle
Kanäle kaufen, sie zu parallelen Marktpreisen verkaufen und den Unterschied
einstecken, ohne einen Wert zu schaffen.
Ein dritter Preis sei im Bankensystem selbst versteckt.
Dort herrsche ein chronischer Mangel an Banknoten. Jeder, der Geld
auf einem Bankkonto hat, aber Bargeld benötigt, sei gezwungen,
seinen Scheck unter Wert an einen Broker zu verkaufen – in der Regel 15
bis 20 Prozent unter dem Nennwert. Wenn das Halten von Dinaren in
Einlagen mit einer Strafe versehen ist, wechseln Agenten auf
das Halten von US-Dollar oder physisches Bargeld und verstärkten
damit die FX-Nachfrage.
„Wenn man dies alles zusammennimmt, können die effektiven Kosten für
die Gewinnung nutzbarer US-Dollars vom offiziellen Zinssatz um 40 bis 60
Prozent abweichen – eine außergewöhnliche Arbitrage-Marge.“
+ Der Bürger
Muradschi
Ghaith fragt: Warum konzentriert sich die gesamte
Diskussion auf den Wechselkurs und nimmt nicht auch andere Probleme
in den Fokus als da sind: Inflation, Arbeitslosigkeit, niedriges
Bildungsniveau und unzureichende Gesundheitsversorgung, fehlende
Sozialprogramme und Wohnungsnot?
+ Mradschaa Ghith
(ehemals Zentralbank): Es ist unlogisch, dass die Mittelzuweisungen
für persönliche Ausgaben im Jahr 2026 etwa acht Milliarden US-Dollar
ausmachen sollen. Dies würde bedeuten, dass alle Libyer studieren,
sich medizinisch behandeln lassen und zu touristischen Zwecken ins
Ausland reisen.
+ Der Telekommunikationskonzern
suspendierte Mitarbeiter, die gegen ein Technologieprojekt
im Wert von über 100 Millionen US-Dollar protestierten, mit dem die Aktivitäten
von Bürgern auf den Plattformen Facebook und WhatsApp überwacht
werden sollen.
Erdöl /
Erdgas
+ Hassan al-Haddad
(Wirtschaftsjournalist) deckte die Verwicklung von Massud Suleiman in
die Geschäfte von Arkano auf den Masila und Sarir Ölfeldern
auf.
+ Hossam al-Gamati
(Menschenrechtsaktivist): Das bei Arkano abgezweigte Geld
floss auf Privatkonten und in die Taschen von Ölkartellen. Die Behauptung,
das Geld sei zum Aufbau der Armee verwendet worden, sei falsch.
+ Reuters:
Russland – das vor den Sanktionen elf Prozent der weltweiten Benzinexporte
tätigte – hat seine Exporte angesichts der sich verschärfenden Energiekrise
bis mindestens zum 31. Juli eingestellt. Davon betroffen
ist auch Libyen (neben anderen afrikanischen Ländern, Brasilien und
Türkei).
+ Bloomberg
Middle East Economy Plattform: Ägypten strebt den Import von
mindestens einer Million Barrel libyschen Öls pro Monat an, um den Ausfall
der kuwaitischen Rohöllieferungen auszugleichen.
+ Bloomberg
News: Libyen wird zwei Lieferungen Rohöl pro Monat nach
Ägypten schicken, insgesamt 1,2 Millionen Barrel, um den Ausfall
der kuwaitischen Rohöllieferungen aufgrund der faktischen Schließung der
Straße von Hormus zu kompensieren.
+ Jonathan Winer
(ehemaliger US-Gesandter in Libyen): Libyens Stabilität gewinnt
angesichts der Folgen des Golfkriegs an strategischer Bedeutung. Die
Steigerung seiner Ölproduktion hängt vom Vorhandensein eines
fähigen Regierungssystems ab. Die Vorkehrungen, die die libysche
Ölproduktion aufrechterhalten haben, geraten mit der Verschlechterung
der wirtschaftlichen Lage zunehmend unter Druck.
Der Ansatz des US-Gesandten Massad Boulos ziele darauf ab, die Exekutivgewalt
durch die Verteilung der Ministerien zwischen den westlichen und östlichen
Behörden zu vereinen, um so Stabilität zu erreichen.
UN-Mission
und UNO
+ Ayman Badr
(ehemals UN-Mission): Der Strukturierte Dialog hat nichts Neues
gebracht, und die UN-Mission ist nicht mehr in der Lage,
irgendetwas zu bieten. Sie habe sich aufgrund ihrer schwachen
Leistung mit der politischen Pattsituation abgefunden.
Wenn die Libyer Stabilität und Wahlen wollten, müssten sie sich
vereinen und Druck auf die UN-Mission ausüben.
Die UN-Mission sei Konfliktpartei und nicht Teil der Lösung,
da sie seit 2014 Organe hervorbringe, die die Macht nicht abgeben
wollen.
Die UN-Mission verhalte sich so, als wolle sie Libyen in zwei Teile
spalten.
Weitere
Nachrichten aus Libyen
+ Sputnik.
Während sich Hämophilie-Erkrankungen (genetische Störung der
Blutgerinnung) zunehmend zu einer chronischen Krankheit entwickelt, fehlt
es an Möglichkeiten der Früherkennung, Behandlung und medizinischen
Nachsorge.
+ Hafez al-Ghawil
(Politikwissenschaftler) über die Probleme der heutigen Jugend, die nach
2011 aufgewachsen ist. Sie sei traurig, enttäuscht und resigniert
und wirke als zu früh erwachsen geworden.
+ Fotos: Am 1.
April herrschte in Tobruk und Bengasi aufgrund eines starken
Sandsturms enorme Sichteinschränkung.
Die nördlichen und nordöstlichen Städte sowie die Grenzgebiete zu
Ägypten sind am stärksten von Sandstürmen
betroffen.
Das Tiefdruckgebiet soll bis einschließlich 3. April
bestehen bleiben.
Der Unterricht
wurde ausgesetzt und öffentliche Einrichtungen bleiben geschlossen.
In Tobruk wurde der Notstand ausgerufen. Es kam zu Erkrankungen
der Atemwege und Verletzungen durch herumfliegende Teile.
+ Fotos. In
der Gemeinde Tazerba brach während eines Sandsturms ein Brand
in einem Palmenhain aus.
Migration
+ The Guardian:
In Griechenland müssen sich zwei sudanesische Schleuser vor Gericht
verantworten. Sie werden beschuldigt, Dutzende Migranten aus Libyen
eingeschleust zu haben und für den Tod von mindestens 22 Menschen mitverantwortlich
zu sein, deren Schiff tagelang ohne Nahrung und Wasser auf See trieb.
+ La Stampa:
Libyen steht unter der Kontrolle der Milizenmafia,
die den Menschenhandel zu einem stabilen Wirtschaftsmodell
gemacht hat. Der Einfluss von Mafia-Gangs erstrecke sich über das
gesamte Mittelmeer und deren Gewalt eskaliere. Sie betrieben auch Waffen-,
Treibstoff- und Drogenschmuggel.
Italien trage aktuell zur Finanzierung dieser Banden bei, indem
es diesen Milizen Boote und andere Mittel zur Verfügung stelle, um
Migranten abzufangen. Die aufgebrachten Boote würden anschließend
an die Banden zurückgegeben, die die Migranten erpressen, verstecken
und an Schleuser verkaufen. Die italienische Regierung habe mit Anführern
dieser Milizen zusammengearbeitet, um ihre eigenen Interessen zu
fördern; ein Beispiel dafür sei Osama Nadschim.
Libyen und
das Ausland
+ Türkei.
Der türkische
Botschafter, Kovin Bekic, traf am 31. März den Bürgermeister von Bengasi,
Ezzeldin al-Gharabi, und bot seine Unterstützung an.
+ Russland.
Der russische
Vizeaußenminister Sergei Ryabkov empfing am 31. März den Gesandten des
Präsidialratsvorsitzenden, Sami al-Menfi. Man war sich einig, dass
die Stabilität fragil sei und einen umfassenden politischen Prozess
auf der Grundlage eines nationalen Konsenses erfordert.
+ Jordanien.
Ein Gerichtsurteil fiel zugunsten der Islamic Call
Society aus. Es ordnete die Rückgabe der Sheikh of Martyrs
Omar al-Mukhtar Schulen in Amman unter die Aufsicht
der Islamic Call Society an.
+ Frankreich.
Le
Parisien: Ein Pariser Strafgericht hat den Schweizer
Staatsbürger Tariq Ramadan, Enkel des Gründers der
Muslimbruderschaft, Hassan al-Banna, wegen der Vergewaltigung von
drei Frauen zu 18 Jahren Gefängnis verurteilt.
Rückblick
+ Nato-Intervention
2011. Foreign
Policy Magazin: Das Ende der Ära Gaddafi markierte den Beginn
von Chaos, Staatszerfall, der Ausbreitung von Milizen und des Abstieg
des Landes in eine Gewaltspirale.
Was wie ein schneller Sieg aussah, entwickelte sich zu einer Pattsituation,
und obwohl die NATO die Lufthoheit erlangt hatte, blieb sie unfähig,
den Kampf am Boden zu gewinnen. Es wurde erwartet, dass das Regime in
Libyen unter dem Druck zusammenbrechen würde, doch die Realität
sah anders aus: ein langer Widerstand und ein Krieg, der nicht
allein durch Bombardierungen entschieden werden konnte. Im Laufe der Zeit
wurden die Luftoperationen ausgeweitet und die Unterstützung für die
Rebellen durch intensive Bombardierungen der Infrastruktur mittels
Tausender Angriffe über Libyen verstärkt.
+ Der ehemalige
libanesische Präsident Amin Gemayel erklärte auf dem Sender al-Arabiya:
Das Verschwinden von Musa as-Sadr im Jahre 1978 war eher das Ergebnis
einer syrischen Operation und beruhte nicht auf einer Entscheidung
Libyens.
As-Sadr sei für Damaskus zu einem Ärgernis geworden und sollte
deshalb verschwinden. Muammar Gaddafi sei in dieser Angelegenheit
vor vollendete Tatsachen gestellt worden.
[Oberst Gaddafis Sohn Hannibal saß wegen angeblich
zurückgehaltener Informationen über das Verschwinden von as-Sadr beinahe elf
Jahre in Beirut im Gefängnis, bevor er im November 2025 freikam.]
+ Samir al-Wafi
(tunesischer Journalist): Wir vermissen Gaddafi und sehnen uns nach
dieser Zeit zurück. Seine Nachfolger misshandelten die Tunesier
und seien ihnen gegenüber respektlos. „Gaddafi war ein guter
Nachbar, in guten wie in schlechten Zeiten, bis wir ihn im Namen der
Revolution verraten haben und einige von uns ihm in den Rücken
gefallen sind.“
Aus den
Nachbarstaaten
+ Ägypten. Das ägyptische
Innenministerium teilte mit, dass zwei Mitglieder der mit der Muslimbruderschaft
verbundenen Hasm-Bewegung nach einer Razzia in ihrem Versteck im
Gouvernement Gizeh bei einem Schusswechsel getötet wurden. Ein Polizist
erlitt Verletzungen. Der Anführer der Hasm-Bewegung, der
einen Anschlag auf das Präsidentenflugzeug geplant hab
A. Gutsche