Dienstag, 12. Mai 2026

 

Libyen: Gegen Massad Boulos‘ Plan für Libyen formiert sich massiver Widerstand

2. Mai 2026 / gelanews 

Erklärungen und Protestkundgebungen gegen den Plan des Trump-Vertrauten Massad Boulos und den in Rom von der UN-Mission organsierten, niedlich benannten, aber umso gefährlicheren Mini-Dialog fanden vor der UN-Mission in Dschanzur, in Misrata und anderen westlibyschen Städten und Gemeinden statt. Demonstriert wird gegen den Ausverkauf Libyens und die beiden machthabenden, zutiefst korrupten Haftar- und Dabaiba-Clans. Es erfolgten Aufrufe, auch mit Waffengewalt gegen den Boulos-Plan vorzugehen.
Libyen im Fadenkreuz ausländischer Mächte. Es geht um Geopolitik, die Kontrolle von Bodenschätzen und deren Handelswege.

 Die Boulos-Initiative

Massad Boulos ist ein us-amerikanisch-libanesischer Geschäftsmann und der Schwiegervater von Donald Trumps Tochter Tiffany. Innerhalb der US-Administration hat er keine offizielle Stellung inne, außer dass er von Trump zum Nahost-Berater ernannt wurde. Dafür verfügt er über gute, auch zwielichtige Beziehungen im Erdölhandel. Nun ist Boulos in Libyen unterwegs, bemüht um den Abschluss von Deals, insbesondere mit den zwei mächtigen und zutiefst korrupten Clans, die den Osten beziehungsweise Westen Libyens und somit dessen Erdöl und Erdöleinnahmen beherrschen.

Ein sogenannter Boulos-Plan sieht vor, dass der Vorsitzende des libyschen Präsidialrats, Mohammed al-Menfi, durch den östlichen Militärkommandanten und Sohn von Machthaber Khalifa Haftar, Saddam Haftar, ersetzt wird und die Führung eines umstrukturierten Präsidialrats übernimmt. In seiner Funktion als Vorsitzender des Präsidialrats ist al-Menfi auch Oberbefehlshaber über das westliche Militär. Diese Funktion würde dann auf Saddam Haftar übergehen. Saddam Haftar wäre somit Oberbefehlshaber sowohl des östlichen als auch des westlichen Militärs. Der Regierungschef der im westlichen Libyen beheimateten Tripolis-Regierung, Abdelhamid Dabaiba, könnte sein Amt behalten. Die beiden zutiefst korrupten Clans von Dabaiba und Haftar würden sich somit in Libyen militärisch abgesichert Macht und Geld teilen – unter Beteiligung der us-amerikanischen Geschäftswelt und deren Ölkonzernen. Soweit so schlecht.

Massiver Widerstand formiert sich

Dieser Plan wird nicht nur von Mohammed al-Menfi und von weiten Teilen der bewaffneten Kräfte im westlichen Libyen strikt abgelehnt, sondern insbesondere auch von der einflussreichen Stadt Misrata sowie von den Städten und Gemeinden im Westen und Süden. Der ganz überwiegende Teil der libyschen Bevölkerung wünscht sich die Entfernung der korrupten Clans von der Macht und baldmöglichst Wahlen, bei der ausnahmslos alle politischen Parteien zugelassen werden und die Wähler über die zukünftige Ausrichtung der libyschen Politik bestimmen.

Die von politischen Parteien, Blöcken und politischen Bewegungen veröffentlichten Protesterklärungen häufen sich. Sie alle sprechen sich vehement gegen die Übernahme des Staates durch die beiden Familienclans Haftar und Dabaiba als Marionetten ausländischer Mächte unter Aufgabe der libyschen Souveränität aus. Es scheint sich in dieser Frage ein oppositionelles Bündnis zwischen Anhängern der Dschamahirija-Bewegung von Gaddafi als Vertreter der September-Revolution von 1969 und der sogenannten Februar-Revolution von 2011, die die Dschamahirija-Regierung stürzte, anzubahnen. So rief der Dabaiba nahestehende und der Muslimbruderschaft zugehörige Mufti von Tripolis, as-Sadiq al-Gharyani, die westlichen Militäreinheiten dazu auf, mit dem Einsatz von Waffengewalt zu drohen, um die Boulos-Initiative zu verhindern.

Der Premierminister der Tripolis-Regierung, Abdulhamid Dabaiba, scheint dabei in einer Zwickmühle zu stecken. Er könnte bereit sein, bei entsprechender finanzieller Abfindung von der politischen Bühne freiwillig abzutreten. Innerhalb des Mini-Dialogs sollen bereits diesbezügliche Summen gehandelt werden.

Nachdem der Sohn von Oberst Muammar Gaddafi, Saif al-Islam Gaddafi, der innerhalb der libyschen Bevölkerung großen Rückhalt genoss und bei Wahlen faktisch nicht zu schlagen gewesen wäre, durch einen heimtückischen Mordanschlag am 3. Februar 2026 aus dem Weg geräumt wurde – ebenso wie schon am 23. Dezember 2025 der Militärstabschef des westlichen Militärs Mohammed al-Haddad mit seinen militärisch hochrangigen Begleitern durch einen mysteriösen Flugzeugabsturz in der Türkei – scheinen sich die ausländischen Kräfte, insbesondere die us-amerikanischen, zusammen mit den korrupten libyschen Machthabern  und mit der Hilfestellung der UN-Mission stark genug zu fühlen, einen Coup zur Übernahme der Macht durchzuführen. Dieser – als sogenanntes „Vereinigungsprojekt“ getarnt – wird aber nur eine Zementierung der Spaltung Libyens zur Folge haben. Wahlen werden mit Sicherheit, wenn überhaupt, erst dann angestrebt, wenn sichergestellt ist, dass das Wahlergebnis den eigenen Interessen entsprechend kontrollierbar ist. So geht Demokratie nach westlichem Vorbild. Kein Wunder, dass der globale Süden für deren Übernahme wenig Begeisterung zeigt.

Mehr als fraglich ist es, ob es dem Trump-Gesandten Boulos wirklich gelingen kann, seinen Plan umzusetzen. Am 25. April fanden vor der UN-Mission in Dschanzur Demonstrationen gegen die Initiative von Massad Boulos statt. Von der UN-Mission wird Neutralität und die Unterstützung zur baldigen Abhaltung von Wahlen gefordert. Zu Protesten kam es auch in Tripolis und am 28. April insbesondere in Misrata. Niemand glaubt, dass es Washington tatsächlich um Wahlen oder gar den Aufbau starker libyscher Sicherheitskräfte geht. Dabei stoßen auch die Trump-Kriege gegen arabische und islamische Staaten im Schulterschluss mit Israel bei der libyschen Bevölkerung übel auf und viele Fragen sich, warum man auf diese US-Regierung vertrauen soll, die auf reine Machtpolitik setzt und der im eigenen Land die Basis wegbricht.

Sollte versucht werden, den Boulos-Plan tatsächlich umzusetzen, könnte dies das Ende das Waffenstillstands zwischen den östlichen Haftar-Militärs und den bewaffneten Milizen im westlichen Libyen bedeuten. Für die Trump-Regierung hieße dies: so schnell kein Deal, dafür ein neuer Krieg.

Die UN-Mission und der Mini-Dialog 4plus4

Besonders bitter stößt es den Libyern auf, dass die UN-Mission unter Umgehung des Parlaments im Osten und des Staatsrats im Westen – beide Kammern zelebrieren im Sinne der Aufrechterhaltung der Zersplitterung des Landes mitsamt des dadurch verursachten Chaos‘ ihre Dauerzerstrittenheit – aktuell in Rom einen sogenannten Mini-Dialog mit handverlesenen Teilnehmern aus dem östlichen und westlichen Libyen veranstaltet. Die dort erzielten Ergebnisse dürften den Vorstellungen eines Massad Boulos sehr nahekommen.

Der Mini-Dialog 4plus4, der am 29. April in Italien unter der Schirmherrschaft der UN-Mission begann, soll als paralleler Kanal zum Strukturierten Dialog der UN-Mission zwei Hauptpunkte umfassen: Vorbereitung der Wahlgesetze und Bildung der Wahlkommission. Strittige Themen dabei sind die Bedingungen für die Kandidatenauswahl, das heißt die Beteiligung von Militärs und/oder Personen mit doppelter Staatsbürgerschaft – dies betrifft vor allem das Haftar-Lager –, sowie die Festlegung des Wahlsystems. Die handverlesenen Dialogteilnehmer bestehen aus Vertretern der Tripolis-Regierung und der ‚Führung‘ in Bengasi.

Bereits beim ersten Treffen soll eine Einigung über die Neubildung des Vorstands der Nationalen Wahlkommission erzielt worden sein. Von vielen wird der Mini-Dialog 4plus4  als im Widerspruch zum Strukturierten Dialog stehend und als Verrat der UN-Mission am politischen Weg gesehen. Sowohl Hannah Tetteh als auch Massad Boulos streben einen schnellen politischen Übergang nach us-amerikanischen Vorstellungen an, der jeder Legitimität entbehrt und sich losgelöst vom Volkswillen vollzieht.
Tetteh scheint zu wissen, dass das, worauf man sich bei diesem Dialog einigen wird, vom Parlament und vom Staatsrat abgenickt wird, denn die Interessen der Machthabenden wurden bei diesem Dialog schon im Voraus umfänglich berücksichtigt.

Doch ob und wie die Ergebnisse der auf die libysche Zukunft so einflussreichen Hinterzimmerabsprachen, verniedlichend Mini-Dialog genannt, gegen den massiven Widerstand in weiten Kreise der libyschen Öffentlichkeit und Politik durchgesetzt werden können, darüber herrscht Schweigen. Es könnte das Ende des Waffenstillstands zwischen den östlichen und westlichen Militärs bedeuten.

Libyen im Strudel der Geopolitik

Geopolitisch ist dies einzuordnen in das hegemoniale Vormachtstreben der USA und deren Versuche, die Rohstoffe global unter ihre Kontrolle zu bekommen – insbesondere über die Kontrolle der Handelswege – und dies auf allen Kontinenten. Als Beispiele gelten in Europa die Sprengung der Nordstream-Gaspipeline und die Abkoppelung Russland als Gas- und Erdöllieferant für Europa sowie Trumps Versuch, Grönland zu übernehmen; in Westasien führen die USA und Israel Krieg gegen den Iran, wobei es um die Kontrolle des iranischen Erdöls und der Meerenge von Hormus geht; in Südamerika wurde der gewählte Präsident des erdölreichen Venezuelas, Nicolas Maduro, gewaltsam verschleppt und in den USA inhaftiert sowie  die jetzige venezolanische Regierung massiv unter Druck gesetzt.

 Der Kampf um den billigen Zugang zu den Ressourcen dieser Erde und um die Aufrechterhaltung des US-Dollar als Handelswährung ist im vollen Gange.

Ein neuer Kriegsschauplatz zeichnet sich seit geraumer Zeit in der ebenfalls ressourcenreichen Sahelzone ab, die – an den Sandgürtel der Sahara anschließend – der Zugang nach Subsahara-Schwarzafrika ist. Im Sudan wird erbittert mit Unterstützung ausländischer Akteure um territoriale Kontrolle gekämpft, und erst dieser Tage flammten in Mali blutige Kämpfe auf, bei der die malische Regierung mit Unterstützung russischer Truppen gegen von Frankreich und den USA unterstützte aufständische al-Kaida- und Tuareg-Kämpfer vorging.

Libyens Südgrenze zu Sudan, Tschad und Niger bieten dabei nicht nur den Zugang zu diesen Kampfgebieten, sondern sind das Tor nach Subsahara-Afrika. Im Süden Libyens haben russische Streitkräfte und deren Afrikacorps Militärstützpunkte besetzt, während das us-amerikanische AFRICOM ebenfalls versucht, ihren Einfluss in Libyen auszuweiten, zuletzt durch die im libyschen Sirte durchgeführte Flintlock 2026-Miltiärübung.

Dem Interesse der von ausländischen Mächten als Kampfgebiet missbrauchten Ländern und ihren Menschen dient dies alles sicher nicht.

 Die Details

+ Für den 25. April wird zu Protestkundgebungen gegen den Boulos-Plan vor dem Sitz der UN-Mission in Dschanzur aufgerufen, da dieser Plan nicht im Interesse Libyens sei.

+ Anwar Sawan (Senat von Misrata): Ich rufe die Libyer dazu auf, am 25. April an der Demonstration gegen die Boulos-Initiative teilzunehmen und gegen sein „Vereinigungs-Projekt“ zu protestieren.
An der Krise trügen diejenigen die Schuld, die sich vor der Propaganda von Boulos und anderer Ausländer beugten. Wer sage, dass die Amerikaner eine Lösung wollten, lüge, denn Boulos sei nur ein Makler für Unternehmen, die die Kontrolle über Libyen anstrebten.
Boulos sei kein UN-Gesandter und vertrete auch nicht die USA, sondern er sei nur ein Vertreter von Trump, der Deals abschließen wolle.
Anwar Sawan: Der zum Scheitern verurteilte Boulos-Deal kann nur über unsere Leichen hinweg durchgesetzt werden.
Anwar Sawan: Muammar al-Gaddafi hat während 42 Jahren kein einziges Fass Öl außerhalb des Staatssystems verkauft, und als er es während der Belagerung tat, tat er es, damit die Libyer zu Essen hatten.
Das Erdölunternehmen Arkano sei immer noch aktiv, und dafür trage Dabaiba die Verantwortung.
[Arkano gehört Ibrahim Dabaiba und Saddam Haftar. Die Einnahmen gehen zum Großteil in deren private Taschen. Die UN-Expertenkommission hat die Einstellung des Betriebs empfohlen.]

+ Am 25. April fand vor der UN-Mission in Dschanzur eine Protestkundgebung statt, um ihren Widerstand gegen die Boulos-Initiative und die herrschenden Clans zu verkünden.
„Dieser Pakt mit dem Teufel zielt darauf ab, den Willen der Nation zu konfiszieren und ihre Zukunft gemäß enger gruppenegoistischer Interessen zu verpfänden.“
Von der UN-Mission wurde gefordert, dass sie einen libyschen, echten und umfassenden Dialog leitet, der die Kräfte überwindet, die sich an die Macht klammern.
Gefordert wurde auch eine Untersuchung der im UN-Expertenbericht angeprangerten Fälle.
Entweder ein souveräner Staat der Institutionen oder es wird eine Bewegung geben, die den ‚Mini-Dialog der Korrupten‘ stürzt.“

+ Bei Protestkundgebungen am 25. April in Tripolis lehnten die Demonstranten das Boulos-Abkommen zur Machtteilung in Libyen als von außen aufgezwungen ab. Es ignoriere das Recht der Libyer auf Selbstbestimmung.

+ Fotos: Am 28. April wurde zeitgleich mit dem Besuch von Hannah Tetteh vor dem Sitz des Stadtrats in Misrata für den Abzug der UN-Mission aus Libyen demonstriert.
Die Demonstranten bekundeten ihre Ablehnung des Boulos-Abkommens zur Machtteilung zwischen den Clans.
Erklärung: Jeder, der in diese Deals verwickelt ist, repräsentiert nur sich selbst, ohne jede  Volkssouveränität. Jeder Weg, den die UN-Mission in diese Richtung unterstützt oder stillschweigend duldet, ist Verrat und weicht gefährlich von den Wünschen der Libyer ab.
„Wir fordern die UN-Mission auf, alles zu beenden, was ihre Neutralität überschreitet, und sich an ihre ursprüngliche Aufgabe als unparteiischer Vermittler zu halten. Sie soll an dem Weg arbeiten, der es den Libyern ermöglicht, ihre Führung durch echte Wahlen zu bestimmen.“

+ Belqasem Gazit (Staatsrat): Die Abgeordnetenversammlung von Misrata äußerte in ihrem Treffen mit Hanna Tetteh ihre Bedenken und ihr Misstrauen gegenüber der Boulos-Initiative, da sie lediglich eine Verschiebung der Probleme darstellt. Ein bewaffneter Zusammenstoß werde unvermeidlich.

+ Die Versammlung der Führer libyscher Rebellen erklärte ihren Widerstand gegen das Boulos-Abkommen. „Wir lehnen entschieden jede Initiative und jedes Projekt ab, das durch äußere Diktate erzwungen wird oder die Willensfreiheit der Libyer und ihr Recht auf Selbstbestimmung tangiert.“ Die Einheit Libyens könne nur durch einen nationalen Willen hergestellt werden. Tripolis sei eine rote Linie. „Wir werden mit eiserner Hand zuschlagen. Niemand soll es wagen, die Sicherheit der Hauptstadt anzutasten oder die Souveränität des Vaterlands zu verraten. Es wird keine Nachsicht mit Verrat oder Komplizenschaft geben.“

+ Mitglieder des Parlaments und des Staatsrats aus dem Süden: Jede politische Einigung muss dem Süden das Recht zusichern, die Präsidentschaft in einer der souveränen Institutionen zu übernehmen. Eine echte, repräsentative Vertretung des Südens, die seine Rechte sichert und seine Interessen wahrt, müsse gewährleistet sein.
„Wir rufen alle sozialen Akteure im Süden dazu auf, sich diesen Forderungen anzuschließen, da es sich um legitime Rechte handelt, über die nicht verhandelt werden kann.“

+ Am 25. April fand in Misrata ein großes Treffen statt, um eine einheitliche Position zur Boulos-Initiative zu finden. Abgelehnt werde die Durchsetzung einer Clanherrschaft sowie Vereinbarungen ohne nationale Akzeptanz. Es solle ein unüberwindbarer Damm gegen das Boulos-Projekt errichtet werden. Sollte die Macht zwischen zwei Clans aufgeteilt werden, wären alle anderen Libyer Bürger zweiter Klasse.
Es soll zu Massenkundgebungen aufgerufen werden, um die Ablehnung des Boulos-Plans und den Sturz der Regierung der beiden Clans zu fordern.
Schluss mit Diebstahl, Raub und Plünderung durch die beiden Clans!“
Az-Zawiya sei zu einer Katastrophenstadt geworden, in der die  Kriminalitätsrate täglich steige, und dies habe sich auf Gharyan und Tripolis ausgeweitet. Walid al-Lafi [Präsidialratsmitglied] vertrete nicht mehr die Bevölkerung von Misrata; der Dabaiba-Clan dürfe im westlichen Libyen nicht länger eine Rolle spielen.
Selbst wenn die NATO in Libyen einmarschiere, hätte das Boulos-Projekt keinen Bestand, denn man habe die Angst überwunden.
Die Anhänger des früheren Dschamahirija-Regimes seien ein nicht zu leugnender Teil der libyschen Bevölkerung. Zehntausende, die unter dem früheren Regime arbeiteten, seien ehrbare und aufrichtige Menschen, im Gegensatz zu denjenigen, die derzeit an der Macht sind.
Während der Versammlung kam es zu Störaktionen von Anhängern des Dabaiba-Lagers.

+ Auf der Versammlung sprach auch al-Habib al-Amin, ein prominenter Vertreter von Misrata. Dabaiba solle nicht versuchen, eine Spaltung in einer Stadt von der Größe Misratas herbeizuführen. Man werde diesem Abkommen widerstehen, notfalls mit der Waffe in der Hand.

+ Al-Habib al-Amin: Wenn wir dazu gezwungen sind, dass wir uns mit Gewehren gegen die Hinterzimmer-Deals zu verteidigen, rufe ich jeden Revolutionär dazu auf, sein Gewehr bereit zu halten. Nach diesem Deal werde es nichts mehr geben: weder Staat noch Souveränität noch Reichtum.
Dabaiba erhalte seine Anweisungen von Boulos, der ihm beim Diplomatischen Treffen von Antalya versichert habe, dass die Dinge in die Wege geleitet sind.

+ Abschlusserklärung von Misrata: Jeder, der sich an einem Deal zur Aufteilung der Staatseinnahmen oder zur Teilung der politischen und militärischen Macht beteiligt, vertritt nur sich selbst. Wir erklären unseren vollständigen Widerstand gegen diesen Weg, einschließlich des Boulos-Plans und der daran beteiligten Parteien.
„Wir betonen die Notwendigkeit, dass die UN-Mission ihrem Weg folgt, gemäß den Ergebnissen des Beratungsausschusses […] Wir warnen die UN-Mission davor, sich von verdächtigen politischen Deals mitreißen zu lassen, die bestimmten Parteien dienen, das Leid der Bürger verschärfen und die Reichtümer des Landes ausschöpfen.“

+ Der Libysche Verband der Märtyrer und Vermissten sowie der Rat der Ältesten und Weisen in Misrata: Wir lehnen das Boulos-Projekt sowie jede neue Übergangsphase entschieden ab, da dies die politische Krise wiederholen und die Militarisierung der Regierung zementieren könnte. Wir halten an der Option des demokratischen zivilen Staates fest.
Die UN-Mission solle sich auf die Durchführung der Wahlen beschränken und sich nicht in libysche Angelegenheiten einmischen oder externe Lösungen aufzwingen.

+ Stadt az-Zawiya erklärte ihren Widerstand gegen die Boulos-Initiative sowie gegen die Versuche, Libyen Personen aufzuzwingen, die ihre Legitimität verloren haben.
Die Zukunft Libyens werde ausschließlich durch den Willen der Libyer gestaltet.
Fotos von der Bürgerversammlung in Zawiya.

+ Die  Honoratioren von Zuwara erklärten in ihre kategorischen Widerstand gegen das Boulos-Abkommen zur Machtteilung in Libyen und gegen das Aufzwingen eines  Status quo, der auf Absprachen zu Gunsten einer Clan-Herrschaft basiert.

+ Die Koordinierungsgruppe Stimme von Groß-Tripolis lehnte die „eigennützige Initiativeab und warnte davor, Zwietracht zu säen.
Die internationale Gemeinschaft müsse die Bestrebungen der Libyer anerkennen, und die Berlin-Gruppe müsse sich bewusst sein, dass Initiativen, die ohne ihre Einbeziehung erfolgen, eine Marginalisierung darstellen. Die Justiz dürfe nicht in die Politik hineingezogen werden. Die UN-Mission werde vor Doppelmoral gewarnt.
„Wir fordern alle Städte und Regionen auf, sich geschlossen für den Aufbau des Staates einzusetzen.“

+ Städte und Stämme der westlichen Region verkündeten ihre Ablehnung des Boulos-Deals zur Machtteilung in Libyen. Die Dabaiba-‚Regierung‘ sei nicht der einzige Repräsentant der westlichen Region.
Es gebe keinen richtigen Mechanismus zur Lösung der Problematik der Wahlgesetze und auch keinen verbindlichen Zeitplan für die Durchführung von Wahlen. Der Deal bedrohe die Einheit des Landes und öffne die Tür für Eingriffe von außen, um nationale Entscheidungen zu unterlaufen und eine nicht gewählte Macht zu etablieren, welche die Zukunft Libyens und dessen Reichtümer kontrolliert.
„Wir betonen die Notwendigkeit der Bildung einer einzigen neuen Regierung, die die politische Spaltung beendet und deren primäre Aufgabe die Schaffung geeigneter Bedingungen für Wahlen ist. Wir unterstützen die Roadmap der UN-Mission, insbesondere den vierten Pfad, der mit der Bildung eines konstituierenden Gremiums zusammenhängt, das den Zustand der bestehenden Gremien beendet. Wir lehnen jede internationale Vermittlung ab, einschließlich der us-amerikanischen, wenn sie auf Vereinbarungen zwischen bestimmten Parteien unter Ausschluss aller anderen basiert, insbesondere wenn diese Parteien wegen Korruption angeklagt sind.

+ Ali Abu Sabiha (Oberster Rat der Stämme und Städte des Südens): Wer glaubt, dass die USA das Wohl des libyschen Volkes wollen, der täuscht sich.
Die USA strebten nur ihre eigenen Interessen an, und das stimme mit dem Wunsch derer überein, die die libysche Szene kontrollieren, denen es nur um ihren Verbleib in ihren Positionen als Marionetten der US-Administration gehe.

+ Die Operationszentrale für die Befreiung des Südens verkündete ihre Ablehnung der Boulos-Initiative bezüglich der Machtteilung in Libyen.
„Wir lehnen es ab, uns auf eine neue Übergangsphase einzulassen. Wer Libyen regieren will, muss sich Wahlen stellen und die Stimmen des Volkes gewinnen.“
Militärangehörige müssten zunächst allerdings ihre Uniform ablegen, um sich Wahlen stellen zu können.
„Alle ehrenhaften Libyer müssen sich erheben, um Ungerechtigkeit, Unterdrückung und Diktatur zu beseitigen und ein neues Libyen aufzubauen, in dem die Macht friedlich übergeben wird. Wir verkünden den Beginn unserer Operationen im gesamten Süden und die Fortsetzung der Operationen zur Befreiung des Südens.“

+ Führer der Operation Vulkan des Zorns trafen sich mit dem Staatsratsvorsitzenden Takala, um ihre kategorische Ablehnung jeglicher Initiativen, die außerhalb des Konsensrahmens getroffen werden und die Souveränität des Staates und die Einheit seiner Institutionen beeinträchtigen, zu bekunden.

+ Präsidialratsmitglied al-Lafi teilte dem französischen Botschafter mit, dass er den Boulos-Plan zur Machtteilung in Libyen ablehnt.
Kein politischer Weg könne erfolgreich sein, wenn er nicht auf einem nationalen Willen und libyscher Eigenverantwortung beruhe, fernab von Ansätzen, die die nationale Souveränität untergraben.

+ Netzwerk der libyschen Parteien: Wir lehnen jeden Weg und jede Initiative ab, die darauf abzielt, die zivilen Prinzipien des Staates, die Souveränität des Gesetzes und den friedlichen Machtwechsel zu untergraben.
Es müssten Wahlen durchgeführt und eine einheitliche Regierung gebildet werden, sowie die souveränen Institutionen vereint werden.
„Wir warnen vor dem Versuch, die Legitimität zu umgehen, um Geschäfte und Interessen durchzusetzen, die den Rechten des Volkes, seine Regierung in Freiheit und Integrität zu wählen, schaden.“
Die Korrupten müssten zur Rechenschaft gezogen und das geplünderte Geld in die Staatskasse zurückgeführt werden.

+ Abd al-Wahhab Bassikri (Bewegung zur Wiederherstellung der Legitimität): Deine Deals, Dabaiba, enden in Zerstörung, Verwüstung und Korruption.
Das Ergebnis des Boulos-Plans würde sein, dass Libyen dem sudanesischen Modell folgt, wo der blutige Konflikt seit vier Jahren zwischen Burhan und Hemeti andauert.

+ Die Arbeits-Partei lehnt die Boulos-Intiative zur Machtteilung in Libyen kategorisch ab, da sie sich nicht auf die Volkslegitimität stützt und den nationalen Weg nicht respektiert.

+ Hamza al-Scheikhi (Geistlicher): Donald Trump schickt jemanden, der ihn vertritt, der aber keine offizielle Stellung hat, und der an Vereinbarungen im Zusammenhang mit Ölabkommen teilnimmt. Rechtlich gesehen sei dies alles leeres Gerede. Dies zeige, dass Libyen als Staat nicht mehr existiere.
Während die USA gegen islamische und arabische Nation kämpften, begrüße Libyen die USA, um und mit ihnen Abkommen zu schließen, dabei ging jede Sache, in die sich die USA einmischten, schlecht aus.

+ Machmud Abdel Aziz: Die Trump-Regierung weiß nichts von Menschenrechten oder Demokratie; sie betrachtet diese als Mittel der Manipulation, die sie bei ihrer Meinung nach rückständigen Völkern wie den Libyern einsetzt. Wir können von ihnen keine Lösung für die libysche Krise erwarten.
Die Trump-Regierung sei schwächer als ein Spinnennetz, wie der Iran beweise. Das Weiße Haus beginne zu zerfallen – wie könnten sie dann in Libyen akzeptiert werden.
Die Libyer verstünden die Lage nicht und setzten ihre Hoffnungen auf die UN-Mission, deren einziges Ziel darin bestehe, das Chaos in Libyen zu verwalten, und nicht zu lösen. Die UN-Mission profitiere von der Schwäche der Eliten und der libyschen Straße, um den Status quo aufrechtzuerhalten und das bestehende Chaos zu verwalten.

+ Salah al-Bakusch (Politberater): Jeder weiß, dass der Boulos-Plan nur eine vorübergehende Lösung ist und weder eine Vereinigung der Armee noch des Landes darstellt, dass keine Wahlen stattfinden werden und dass diese Flickwerk-Lösungen zu nichts führen werden. Boulos werde Libyen danach im Stich lassen, so wie es die USA in Afghanistan und anderen Länder gemacht haben.
Dabaiba identifiziere sich derzeit mit diesem Deal, um den Amerikanern nicht als Störfaktor zu erscheinen. Wenn die Menschen auf die Straße gehen, um diesen Deal abzulehnen, würde er der Aufgabe enthoben sein, Boulos „Nein“ zu sagen.

+ Dschabal Allah asch-Schibani (Abgeordneter): Der Vorschlag von Boulos spiegelt eindeutig die Unterwerfung unter fremde Vorherrschaft wider.
Die USA waren die tonangebende Macht, die Wahlen behindert hat, um die Rückkehr der Dschamahirija zur Macht zu verhindern.

+ Mohammed Sawan (Muslimbruder/Demokratische Partei); Der Boulos-Deal beruht auf einer fehlerhaften Diagnose, denn das Probleme des Landes ist kein geographisches zwischen Ost und West, sondern ein politisches. Die Kräfte, die den Osten kontrollieren, stammen ursprünglich aus dem Westen.
Der Bericht des UN-Experten-Teams war klar in seiner Verurteilung einiger Parteien, deren Namen in der politischen Vereinigung genannt werden. Merkwürdigerweise wurde der UN-Bericht mit der Zustimmung aller UN-Sicherheitsratsmitglieder veröffentlicht. Damit wolle die USA Druck auf diese Parteien ausüben, damit sie einer Einigung zustimmen. Sollten sie dies nicht tun, könnten sie auf Sanktionslisten gesetzt werden.
Die internationale Gemeinschaft gehe mit Libyen nur nach ihren eigenen Interessen um und sei nicht an einer Demokratisierung der Region interessiert. Sie behandle die arabische Welt wie eine Milchkuh für Ressourcen.
Der einheitliche Entwicklungshaushalt sei eine Fälschung und trage zum weiteren Ausbluten der Wirtschaft und zur Vertiefung der politischen Spaltung bei.

+ Mohammed Mahfuz (Politanalyst): Die Reduktion des politischen Prozesses auf zwei bestimmte Personen spiegelt nicht die tatsächlichen Machtverhältnisse vor Ort wider.
Es gebe auch andere Kräfte, darunter militärische Formationen im Westen, den Präsidialrat und den Staatsrat sowie Parteien im Osten, die jeden Prozess blockieren können, der nicht über eine breite Zustimmung verfügt.

+ Ali at-Takbali (Abgeordneter): Geschäftsleute können keine aktiven Parteien bei der Schaffung von Stabilität in Libyen sein, da deren Motive Eigeninteressen entspringen.
Der Weg zur Stabilität in Libyen sei bekannt und bedürfe keiner weiteren Initiativen, sondern Maßnahme zur Kontrolle über die Milizen und die bewaffneten Kräfte. Das Monopol des Staates auf Waffen sei der grundlegende Einstieg für jeden Stabilisierungsprozess.

+ Fathi asch-Schibli(Partei Stimme des Volkes): Massad Boulos bekleidet kein politisches Amt. Sein Abkommen ist gescheitert, noch bevor es überhaupt begonnen hat. Er wird nicht damit durchkommen.
Boulos sei lediglich ein persönlicher Gesandter, da er nur Trumps Schwiegersohn ist und keinerlei politische Funktion innehat. Alles, was Boulos unternehme, habe keine rechtliche Wirkung bei einer kommenden US-Regierung.

+ Mahdi Abd al-Ati (Politaktivist aus Misrata): Die New York Times schrieb im vergangenen November einen Artikel über Massad Boulos und veröffentlichte Fotos von ihm und der Trump-Tochter mit einer berühmten Ölmaklerin, die libysches Rohöl über die National Oil Corporation auf krummen Wegen kauft und in internationalen Korruptionsberichten sowie im Bericht des UN-Expertenausschusses erwähnt wird. Der UN-Expertenbericht durfte erst nach us-amerikanischer Zustimmung den Sicherheitsrat passieren.
Das Weiße Haus verfüge derzeit über zwei Wege in Libyen, zum einen den Boulos-Plan, zum anderen den Weg der UN-Mission, wobei sich beide Wege widersprechen.
In Libyen stehlen beide Clans die Öleinnahmen, bisher in Höhe von etwa acht Milliarden US-Dollar, was etwa einem Drittel der Öleinnahmen entspricht. Boulos wolle nun ein Abkommen mit ihnen, denn sein Appetit auf libysches Öl sei unersättlich.
Es gebe Bemühungen, die Identität und Besonderheiten des libyschen Volkes auszulöschen und seine Reichtümer auszusaugen. Das Volk müsse auf der Straße diese Geschäfte ablehnen.
Die Boulos‘ Initiative werde bald am Ende sein und es werden alle internationalen Parteien, die in Libyen an Korruption beteiligt waren, vor Gericht landen.

+ Idris Bufayed  (Staatsrat): Der Boulos-Deal wird von AFRICOM unterstützt.
AFRICOM habe den Besuch von az-Zubi in Sirte ermöglicht und klar gesagt, dass sie den Besuch von Saddam Haftar in Tripolis in den kommenden Wochen sichern wird.

+ As-Sadiq al-Gharyani forderte die Milizen auf, als Mittel zur Ablehnung des Boulos-Plan mit dem Einsatz von Waffengewalt zu drohen.
Die Macht in Libyen und dessen Reichtümer stünden den Milizen zu, da sie es sind, die sie kontrollieren. In der Beziehung der USA zu Libyen dominierten die USA und diktierten ihre Bedingungen. Nach der Unterwerfung errichteten sie Militärstützpunkte, um sich anschließend Billionen anzueignen und sich Ölgeschäfte zu sichern.
Wer bei den USA Hilfe suche, erliege einem Trugbild, das Flehen bringe noch mehr Demütigung und Schande.

+ Präsidialratsmitglied Musa al-Koni verlieh dem Berater des US-Präsidenten, Massad Boulos, den Preis des Nationalen Rates für amerikanisch-libysche Beziehungen für Führungsstärke. Koni forderte Boulos zur Einflussnahme in Libyen auf, damit eine politische Lösung gefunden werde.

+ Massad Boulos auf X zu al-Koni: Die Vereinigten Staaten werden Libyen auf seinem Weg zur Wiedervereinigung und Reform seiner politischen, militärischen und wirtschaftlichen Institutionen unterstützen.

+ Responsible Statecraft (us-amerikanische Website): Die Boulos-Initiativen sind lediglich ein kurzzeitiges Schmerzmittel, aber keine Lösung für die Ursachen des Machtkampfs.
Die Manöver in Sirte zeigten, dass die USA nicht von ihrer Geschichte ablassen können. Während die US-Marines das Lied „Zu den Küsten Tripolis“ anstimmten, kehrten die US-Streitkräfte nun erneut in den Golf von Sirte zurück, der unter Gaddafi für die USA noch eine rote Linie war.

+ Ascharq al-Awsat (Saudi-Arabien): Die Ablehnung des Boulos-Plans durch Misrata spiegelt die Ausweitung des Vorbehalts innerhalb der politischen und sozialen Kreise im Westen des Landes wider.
Der Ärger im Volk verschärfe sich, was den Druck auf die Dabaiba-‚Regierung‘  auf politischer oder sozialer Ebene verdoppeln könnte.

+ GeopoliticalDesk: Vertreter des Haftar- und des Dabaiba-Clans, der beiden dominierenden Machtzentren in der Ost-West-Spaltung Libyens, wollen technische Gespräche über die Wiedervereinigung aufnehmen. Libyens politische Spaltung ist nicht nur ein Problem der Regierungsführung. Sie ist die strukturelle Ursache, die den wirtschaftlichen Aufschwung blockiert, die Ölförderkapazitäten gedrosselt und das Land zu einer anhaltenden Quelle der Instabilität für seine Nachbarn sowie für die europäische Migrations- und Energiepolitik gemacht hat.
Jeder Schritt in Richtung eines einheitlichen institutionellen Rahmens, so unvollkommen er auch sein mag, verändert das Umfeld für alle Akteure, die in Libyen engagiert sind. Dies steht auch im Einklang mit der neuen diplomatischen Dynamik in Zusammenhang mit Massad Boulos.

UN-Mission und Mini-Dialog

+ Stephanie Khoury (UN-Gesandte und US-Amerikanerin): Wir haben die Idee eines Mini-Dialogs, um die Krisen aufzulösen, die die Arbeit des Parlaments und des Staatsrats behindern. „Zur us-amerikanischen Initiative werde ich keine Fragen beantworten.“
Der Mini-Dialog ziele nicht nur auf die Exekutivgewalt, sondern auf die noch ungeklärten Schritte, damit die UN-Roadmap starten kann.
Der Mini-Dialog werde von den beteiligten Parteien bestritten als das sind Haftar, die Dabaiba-‚Regierung‘, das Parlament und der Staatsrat und andere Personen.

+ Hannah Tetteh behauptete, dass der Mini-Dialog nichts mit der von Boulos geleiteten US-Initiative zu tun habe. Man habe sich nicht über die Etablierung einer weiteren Exekutivgewalt geäußert.

+ Achmed Buhriba (Journalist): Letztendlich war Oberst Muammar al-Gaddafi der Einzige, der sein Versprechen gehalten hat und als Märtyrer starb, so wie seine Väter, Großväter und Söhne starben.
„Was die jetzigen Machthaber betrifft, so sind sie Verräter und Handlanger, die sich gegenseitig um der Macht willen umgebracht haben. Um derselben Macht willen versöhnen sie sich jetzt in Rom. Und am Gedenktag von al-Gardabiya haben sie die Ungewissheit der Zukunft Libyens zementiert.“
[Im August 2015 schlug der IS, der die Stadt Sirte eingenommen hatte, blutig einen Aufstand der dortigen Bewohner nieder.]

+ Abdessalam Abu Ghalia (Anwaltskammer) wundert sich, wie dieselben Parteien, die gemäß dem UN-Expertenbericht in Korruption, Plünderung und illegale Ölexporte verwickelt sind, auch die Parteien des von der UN-Mission betreuten Mini-Dialogs sein können.

+ Hassan Habib (Staatsrats): Es ist uns nichts Offizielles bezüglich der Boulos-Initiative oder des Mini-Dialogs zugegangen.

+ Amina al-Mahdschub (Staatsrat): Wir lehnen den Mini-Dialog in seiner derzeit vorgeschlagenen Form ab. Der Staatsrat besteht darauf, dass die Lösung von den legitimen libyschen Institutionen ausgeht, fern von ausländischen Diktaten.

+ Achmed Hamza (Nationalen Menschenrechtskommission): Der Versuch der UN-Mission, den Konsensweg für eine politische Lösung auf einen neuen Mini-Dialog unter Ausgrenzung libyscher Bevölkerungsgruppen zu beschränken, stellt einen Verstoß gegen die Grundsätze der politischen Teilhabe dar.

+ Am 27. April erörterten der Staatsratsvorsitzende Mohammed Takala und das Präsidialratsmitglied Abdullah al-Lafi die aktuelle politische Lage in Libyen sowie Wege aus der derzeitigen Pattsituation sowie zur Angleichung der Standpunkte zwischen Staatsrat und Parlament, um eine solide Grundlage für die Durchführung von Wahlen zu schaffen. Das Land dürfe nicht auf parallele Wege abgleiten, die die Einheit der Institutionen gefährden könnten.

+ Der Präsidentschaftskandidat Suleiman al-Biudi forderte den sofortigen Rücktritt von Hannah Tetteh, da sie zu einem Werkzeug für die Behinderung und Verzögerung des politischen Prozesses gemacht wurde.

+ Issam al-Dschahani (Parlamentarier): Die UN-Mission griff auf den Mini-Dialog zurück, weil das Parlament blockiert ist und der Staatsrat gespalten.
Das Parlament müsse zusammentreten, um die Souveränität Libyens gegenüber den us-amerikanischen oder UN-Initiativen zu verteidigen. Der Ball dürfe nicht vollständig in den Händen externer Parteien liegen. Agila Saleh vertrete nur sich selbst und solle zurücktreten.

+ AgenziaNova: Der Mini-Dialog 4plus4 begann am 29. April in Rom unter der Schirmherrschaft der UN-Mission als paralleler Kanal zum Strukturierten Dialog und umfasst zwei Hauptpunkte: Vorbereitung der Wahlgesetze und Bildung der Wahlkommission. Strittige Themen sind Bedingungen für die Kandidatenauswahl, die Beteiligung von Militärs und/oder Personen mit doppelter Staatsbürgerschaft sowie die Festlegung des Wahlsystems. Teilnehmer sind Vertreter der Tripolis-‚Regierung‘ und der ‚Führung‘  in Bengasi.
Delegierte aus Tripolis sind Walid al-Lafi (Präsidialrat), Mustafa al-Manie, Ali Abdul Aziz und Abdul Dschalil asch-Schawusch (Mitglieder des Staatsrats).
Delegiert aus Bengasi sind Abdul Rachman al-Abbar (ehemaliger Justizminister und ehemaliger Generalstaatsanwalt), asch-Schibani Buhamud (ehemaliger Botschafter in Frankreich), Adam Busakra und Zayed Hedia (beide Parlamentarier).

+ Der Mini-Dialog 4plus4 erklärte bereits bei seinem ersten Treffen, eine Einigung über die Neubildung des Vorstands der Nationalen Wahlkommission erzielt zu haben. Der Generalstaatsanwalt soll einen Justizbeamten als Präsidenten der Wahlkommission vorschlagen. Neue Vorstandsmitglieder sind: Ali at-Taiyeb Abdul Dschawad, Haitham Ali at-Tabuli und Ali Abu Salah (vom Parlament benannt) sowie Sanaa al-Lischani, Badawi Mohammed Badawi und Ali Muftah al-Mubarak (vom Staatsrat benannt).

+ Dazu sarkastisch al-Mahdi Abdel-Ati aus Misrata: Stellt euch vor, sie verhandeln in eurem Namen: der Minister für Sünden, der Verhinderer des Bösen und der Oberschmuggler Buhmud.

+ Mansur al-Ahrasch (Präsident des Journalistenverbands): Es sickerte durch, dass bei den Rom-Gesprächen Dabaiba 500 Millionen US-Dollar und einen sicheren Abzug gefordert hat.

+ Mustafa al-Fituri (Autor): Der Mini-Dialog 4plus4  ist ein Dolchstoß in den Rücken des Strukturierten Dialogs, der das beratende Gremium zur Lösungsfindung sein sollte. Die UN-Mission habe einen Verrat begangen. Trump stütze sich auf Interessen und Deals.
Sowohl Hannah Tetteh als auch Massad Boulos strebten einen schnellen Übergang nach us-amerikanischen Vorstellungen an, ohne Legitimität und losgelöst vom Volkswillen.
Tetteh wisse, dass das, worauf man sich bei diesem Dialog einigen wird, vom Parlament und vom Staatsrat abgenickt werden wird, denn es würden die Interessen der Teilnehmenden erfüllt worden sein.
Allerdings sei Misrata politisch und wirtschaftlich in der Position, jedes unliebsame Abkommen zu sabotieren.

+ Suleiman al-Biudi (Präsidentschaftskandidat) Was hier geschieht, ist ein Schlag gegen die Werte des Rechtsstaats und der Institutionen sowie eine Missachtung von Recht und Gesetz.

+ Ali Abu Sabiha (Oberster Rat der Stämme und Städte des Südens): Der gesamte globale Konflikt dreht sich ums Öl. Die USA haben alle Armeen der Region zerstört, um die Ressourcen zu kontrollieren. Deshalb sei es nicht glaubhaft, dass sie eine Vereinigung der libyschen Militärinstitutionen wollen.
Die USA und die westlichen Länder hätten die Milizen ins Leben gerufen, indem sie sie bewaffneten und unterstützten.
Der Strukturierte Dialog, dessen Ergebnisse nicht bindend für die libyschen Parteien sind, sei eine reine Zeitverschwendung.

 A. Gutsche

 

Kurznachrichten Libyen – 23. bis 30. April 2026

2. Mai 2026 / gelanews 

Vor Bengasi auf Grund gelaufener, beschädigter russischer Flüssiggastanker konnte gesichert werden / Massiver Widerstand formiert sich im westlichen und südlichen Libyen sowie insbesondre in Misrata gegen den us-amerikanischen Plan von Massad Boulos, die Macht zwischen Haftar und Dabaiba aufzuteilen / Kleiner Dialog 4plus4 unter Schirmherrschaft der UN-Mission in Rom: Verrat am Strukturierten Dialog der UN-Mission – Hintertür, um den  Boulos-Plan durchzusetzen / Söhne von Zintan distanzieren sich vom verbrecherischen Mord an Saif al-Islam Gaddafi / Unterstützer von Saif al-Islam Gaddafi arbeiten an gemeinsamen Programm für Libyen / Fragen zum Flugzeugabsturz in der Türkei am 23. Dezember, bei dem Stabschef al-Haddad ums Leben kam: Überwachungskameras außer Betrieb, zwielichtiges Flugunternehmen beauftragt / Tote bei Milizenzusammenstößen / Nächste Kriegszone: Sahelstaaten

+ Nachdem am 22. April gemeldet worden war, dass sich der von einer ukrainischen Unterseedrohne am 3. März beschädigte russische Flüssiggastanker Arctic Metagaz wieder losgerissen hat und führerlos nahe der Küste von Bengasi im Mittelmeer treibt, meldete der zuständige Krisenausschuss am 29. April, dass der Tanker auf Grund gelaufen ist, aber gesichert werden konnte. Es wurde ein Notfallplan aktiviert, um eventuell auftretende Umweltschäden bekämpfen zu können.

+ GelaNews: Massiver Widerstand gegen Boulos-Plan und gegen den Mini-Dialog 4plus4 der UN-Mission.
Erklärungen und Protestkundgebungen gegen den Plan des Trump-Vertrauten Massad Boulos und den in Rom von der UN-Mission organsierten, niedlich benannten, aber umso gefährlicheren Mini-Dialog fanden vor der UN-Mission in Dschanzur, in Misrata und anderen westlibyschen Städten und Gemeinden statt. Demonstriert wird gegen den Ausverkauf Libyens und die beiden machthabenden, zutiefst korrupten Haftar- und Dabaiba-Clans. Es erfolgten Aufrufe, auch mit Waffengewalt gegen die Durchsetzung des Boulos-Plans vorzugehen.
Libyen im Fadenkreuz ausländischer Mächte. Es geht um Geopolitik, die Kontrolle von Bodenschätzen und deren Handelswege.

Mord an Saif al-Islam Gaddafi

+ Ali Abu Sabiha (Vorsitzender des Obersten Rates der Stämme und Städte des Südens): Dr. Saif al-Islam al-Gaddafi starb während seines Fastens als Märtyrer.
Jeder wisse, dass Dr. Saif al-Islam intern und extern im Fadenkreuz stand, weil er das Hindernis bei der Umsetzung vieler Verschwörungen innerhalb Libyens war. Das sei auch nie geleugnet worden. Saif al-Islam sei für sie eine Zeitbombe gewesen. Sie wussten um seine Beliebtheit und seine Volksmacht, was bei seiner würdevollen Beerdigung klar zum Ausdruck kam.
Saif al-Islam hinterlasse zweifelsfrei eine große Lücke, aber dank der Getreuen werde man auf seinem Weg weitergehen, und zwar das ganze libysche Volk in all seinen Facetten, sei es das September- oder das Februar-Lager, sei es im Osten oder Westen.
„Wir handeln nicht nach persönlichen Interessen, sondern für die Rettung Libyens vor ausländischer Intervention, bewaffneten Banden, illegaler Migration und Korruption sowie für die Beendigung der Präsenz ausländischen Truppen und Stützpunkte.“
Nicht mehr als 4.000 Personen profitierten von der gegenwärtigen Situation, während das gesamte Volk unter Armut, Bargeldmangel und hohen Lebenshaltungskosten leide.
Der Aufbau einer neuen Führung nach dem Tod von Dr. Saif al-Islam erfordere Zeit, Analysen und tiefgehende Diskussionen unter den Akteuren. „Diese Debatten werden geführt, um zu einer einheitlichen Vision zu gelangen, damit wir ein lückenloses und einheitliches Programm für die nächste Phase erarbeiten.“

+ Al-Arabiya: 83 Tage nach dem Mord an Saif al-Islam Gaddafi sind immer noch keine Details zur Tat bekannt.
Der Fall sorge weiterhin aufgrund der Unklarheit über den Stand der Ermittlungen oder der Anschuldigungen der am Attentat Beteiligten für weitreichende Kontroversen in politischen, juristischen und gesellschaftlichen Kreisen.
Trotz der Erklärung der Söhne von Zintan, die sich von dem Verbrechen lossagen und die Bekanntgabe der Namen der Täter vom Generalstaatsanwalts fordern, wurde eine weitere Debatte innerhalb Libyens ausgelöst.

+ Jessica (Afrika-Website): Saif al-Islam al-Gaddafi war die populärste politische Figur in Libyen. Während des letzten Jahrzehnts der Herrschaft seines Vaters war er ein Befürworter der wirtschaftlichen Liberalisierung.
Nach dem NATO-Krieg gegen Libyen im Jahr 2011 wurde Saif al-Islam in Zintan für mehrere Jahre inhaftiert. Nach seiner Freilassung im Jahr 2017 wurde er eine prominente politische Figur auf nationaler Ebene. Als er bei den Wahlen im Jahr 2021 kandidierte wurden diese auf Wunsch der USA wegen seiner großen Popularität abgesagt.
Saif al-Islam plante, sich für die geplanten Präsidentschaftswahlen im April 2026 zu bewerben. Inoffizielle Umfragen zeigten, dass er auf eine breite Unterstützung innerhalb der Bevölkerung bauen konnte.
Es sei interessant, dass die Ermordung von Saif al-Islam eine Woche nach einem Treffen in Paris zwischen us-amerikanischen Beamten und hochrangigen Vertretern der libyschen Regierungen stattfand, und dies auch im Gefolge der Bemühungen der Trump-Administration, die ihre Ausbeutung des libyschen Öls intensivieren möchte, geschah.
Fünfzehn Jahren nach dem Fall der Dschamahirija sei das Erbe Gaddafis immer noch präsent. Die Unterdrückung der Grünen Widerstandsbewegung durch die Regierungen habe deren Mitglieder gezwungen, im Verborgenen zu arbeiten. Trotz dieser Einschränkungen für die Unterstützer Gaddafis und Saif al-Islams versammelten sich Tausende in Bani Walid, um an seiner Beerdigung teilzunehmen. Dies bewies, dass es sich keinesfalls um eine marginale oder isolierte Gruppe handle, sondern dass sie über eine breite soziale Basis verfüge, die die Ära vor 2011 als Maßstab für Stabilität und als Gegenstück zur anhaltenden aktuellen Krise betrachte.
Je länger die Krise anhalte und je länger Libyen den ausländischen Mächten unterworfen sei, desto mehr breite sich Nostalgie aus. Libyen sei westliche Freiheit und Demokratie versprochen worden, erhalten habe es Bomben, Bürgerkrieg und grassierende Korruption.

+ Mustafa al-Fituri (Autor): Hauptverantwortlich für die Verzögerung der Festnahme der Mörder von Saif al-Islam ist das Büro des Generalstaatsanwalts, das die Ermittlungen leitet.
Die Öffentlichkeit in Libyen und in Zintan sei zunehmend über die lange Dauer der Ermittlungen dieses abscheulichen Verbrechens beunruhigt. Es herrsche die Meinung, dass der Generalstaatsanwalt aufgrund der aktuellen Lage in Libyen unter Druck stehe.
So gut wie alle Akteure auf der aktuellen politischen Bühne profitierten direkt oder indirekt von Saif al-Islams Verschwinden. Sogar diejenigen, die keine Feinde von Saif al-Islam waren, profitierten von seiner Abwesenheit, etwa bei der Durchführung von Präsidentschaftswahlen, wo sie hoffen, Stimmen seiner Unterstützer für sich gewinnen zu können.
Der Mord an Saif al-Islam sei eine Katastrophe, die Libyen in einen noch tieferen Abgrund stürzen werde. 15 Jahre seit den Ereignissen von 2011 hätten die Libyer bereit sein können, politische Gewalt abzulehnen und sich versöhnlich anzunähern. Dieses große Versöhnungsprojekt fand unter Leitung des ermordeten Saif al-Islams statt.
Das Verbrechen stehe für das Scheitern, die Vergangenheit zu überwinden und zur Monopolisierung von Macht und Waffen durch den Staat zurückzukehren sowie dafür, die Idee einer Vorherrschaft, so wie sie die Stämme in den vergangenen Jahren praktizierten,  abzulegen
Es gebe Parteien, die nicht wollten, dass die Wahrheit ans Licht kommt. Über Jahre hinweg, erlebten die Libyer Morde und Verschwindenlassen, so dass dies zur Normalität wurde.
Selbst nach der Bekanntgabe von Namen und Beschreibungen dreier Angeklagter wurde ihre vollständige Identität nicht offengelegt. Das große Problem sei, dass kein Stamm ihnen die soziale Deckung zugunsten der Staatsanwaltschaft entziehen kann.
Dr. Saif al-Islam wollte für sich keine strengen Sicherheitsvorkehrungen. Er habe sich frei bewegt und die Menschen nicht an seinem Wohnsitz empfangen, sondern an anderen, unbekannten Orten.
„Als ich ihn besuchte, waren wir nicht allein. Wir unterhielten uns über allgemeine Dinge, über die Lage in Libyen, die Weltlage, Zukunftserwartungen bezüglich Libyens und des Nahen Ostens. Er lag in seinen Vorhersagen zu einem Großteil richtig. Während dieses Besuchs habe ich einen positiven Eindruck von ihm gewonnen, in dem Sinne, dass er sich in Zintan aufgrund seiner langen dortigen Aufenthaltsdauer sicher fühlte und keine Anzeichen von Unbehagen oder Wachsamkeit zeigte. Er gab sich natürlich, scherzte, lachte und äußerte seine Meinung zu verschiedenen Themen“.

Flugzeugabsturz von al-Haddad und Begleitern in der Türkei

+ Deniz Yavu Ilgaz (türkischer Parlamentarier) zum Flugzeugabsturz in Ankara am 23. Dezember 2025, bei dem der libysche Militärstabschef Mohammed al-Haddad und seine militärisch hochrangigen Begleiter ums Leben kamen: Die Überwachungskameras, die eigentlich die Flugzeugparkfläche Nr. 5 abdecken sollten, funktionierten am Tag des Absturzes nicht, obwohl dort eine libysche und eine israelische Maschine geparkt waren. Der Verkehrsminister müsse dringend die Gründe für den Ausfall dieser Kameras erläutern. Es stelle sich auch die Frage, wieso das abgestürzte Flugzeug fernab der VIP-Lounge geparkt war, anders als es sonst bei offiziellen Besuchen üblich ist, und wieso sich das israelische Flugzeug überhaupt in dessen Nähe befunden hat.

+ Mohammed al-Gardsch (Journalist) zum Flugzeugabsturz: Al-Haddad wurde mit dem Flugzeug einer Firma befördert, gegen die eine offizielle Anzeige beim libyschen Generalstaatsanwalt vorlag.
Die Fragen, die bis heute nicht beantwortet wurden, lauten:  Wer hat Haddads Flug mit einem Flugzeug von Harmony Jets organisiert? Geschah dies über die libysche Gesellschaft Oil Air oder direkt über das maltesische Unternehmen Harmony Jets?
Das Verteidigungsministerium der Tripolis-‚Regierung‘ unter Abdulhamid Dabaiba pflege schon lange Geschäftsbeziehungen mit Oil Air, dem es mehr als 218 Millionen Dinar für frühere Flugservices schulde.
Oil Air besaß kein einziges Flugzeug, das für eine internationale Route wie Tripolis – Ankara  geeignet war, was bedeutet, dass sie auf externe Firmen für solche Flüge angewiesen war.
Zwischenzeitlich sei ad-Dahir vom Inlandsgeheimdienst zu Ermittlungen einbestellt worden.

Militär/Milizen/Gewalt

+ Am 23. April griffen türkische Drohnen ein Lagerhaus an, das für die Herstellung von Booten für illegale Migration genutzt wird. Das Lagerhaus gehört zu Abdulrahim Gazima, der der Eingreiftruppe von Zawiya angehört.

+ Nationale Institution für Menschenrechte: Am 23. April wurde in der Stadt az-Zawiya Hamed Aschbil von Bewaffneten entführt.
Die Tripolis-‚Regierung‘ versage bei der  Sicherung von Leben und Wohlergehen der Bürger.

+ Nationale Institution für Menschenrechte: Gummah Mohammed asch-Scharif (65) starb im al-Kuayfiya-Gefängnis von Bengasi aufgrund unterlassener medizinischer Versorgung. Asch-Scharif litt an einer halbseitigen Lähmung in Folge von Folter. Er war im September 2024 verhaftet worden, weil er Anhänger der sufistischen Glaubensrichtung war.
Dies sei der achte Fall, bei denen Gefangene wegen der Zugehörigkeit zur sufistischen Glaubensrichtung schwerer Folter ausgesetzt waren.
Organisation zur Überwachung von Straftaten: Wir fordern die sofortige Offenlegung des Schicksals und des Aufenthaltsorts aller willkürlich Inhaftierten sowie ihre sofortige bedingungslose Freilassung.

+ Die Nationale Institution für Menschenrechte verurteilte den Mord an Ibrahim Abdul Salam Sasi am 31. Januar durch Sicherheitskräfte des Polizeireviers Gasr al-Akhyar, das der Sicherheitsdirektion al-Marqab unterstellt ist.

+ Die Leiche von Scheich Omar Aqila al-Farsi al-Aquri wurde im Krankenhaus von Bengasi gefunden. Er war 2024 ohne rechtliche Grundlage inhaftiert worden.

+ LibyaPress: Am 25. April wurden bei einem Schusswechsel in al-Adschilat zwei Personen getötet und zwei weitere verletzt.

+ LibyaPress: Am 27. April kam es in al-Adschilat zwischen Anhängern von Mohammed Bahrun (al-Far/stellvertretenden Leiter der Behörde zur Bekämpfung sicherheitsrelevanter Bedrohungen) und Bewohnern des Stadtteils az-Zaramqa zu Zusammenstößen.
Der Schulunterricht wurde ausgesetzt.

+ LibyaPress: Am 27. April wurde Achmed Makhluf bei einem Schusswechsel im Zuge der Zusammenstöße in al-Adschilat getötet.
In einem Haus wurde die Leiche eines sudanesischen Staatsangehörigen gefunden, der ebenfalls im Laufe der Kämpfe ums Leben gekommen war.

+ LibyaPress: Am 28. April wurde in der Region Ouled Amara südlich der Küstenstraße der junge Raschid al-Adschili az-Zaika von Bewaffneten, die Ali Farhat unterstützen, vor seinem Haus erschossen.

+ Der Leiter des Geheimdienstes, Hussein al-Aib, beschloss die Auflösung des Büros zur Bekämpfung des Terrorismus und destruktiver Aktivitäten in der Region Mittellibyen. Alle  dort Beschäftigten sowie die gesamte Ausstattung und das Archiv wurden zur  Zentralen Sicherheitsverwaltung verlegt.

+ Adel Abd al-Kafi (Militäranalyst): Die Lage im Süden Libyens steht vor einem grundlegenden Wandel, falls die Kräfte der Operationszentrale zur Befreiung des Südens, die die derzeitige Marginalisierung der südlichen Region ausnutzen, weiter an Stärke gewinnen.
Libyen sei zu einer militärischen Operationsbasis und einem Umschlagplatz für den Waffentransport in die Nachbarstaaten geworden. Dies beeinflusse die soziale Struktur der Region, da die Stämme des Südens ethnische Verbindungen in die Nachbarländer haben, das heißt, die Tuareg- und Tibu-Stämme in den Niger und in den Tschad.

+ Mohammed Turschin (Afrikaexperte): Der libysche Süden erlebt bemerkenswerte Veränderungen.
Es existieren wichtige Wirtschaftskorridore an der Grenze zwischen Libyen und dem Niger und dem Tschad, mit Auswirkungen auf den Fessan.
Stämme, die Interessen im libyschen Süden verfolgen, verfügten über ethnische Verbindungen in die Nachbarländer, ein wichtiger Faktor in Bezug auf Migration, aber auch bezüglich Bergbau sowie Treibstoff- und Goldschmuggel.
Die Konfrontationen werden bleiben, zum einen zwischen einflussreichen Stämmen oder zwischen Staaten, die um die Kontrolle über diese Korridore ringen, angesichts derer wirtschaftlichen (Ölressourcen und Gold) und sicherheitspolitischen Bedeutung.

+ Taha Hadid (ehemals Sprecher der SRT-Schutztruppe): Zum ersten Mal landete ein militärisches Frachtflugzeug der türkischen Luftstreitkräfte, aus dem türkischen Kayseri kommend, in Bengasi.

+ Am 28. April trafen libysche Streitkräfte in der Türkei ein, um an der internationalen Übung EFES 2026 teilzunehmen. Es soll die Einsatzbereitschaft und die militärische Zusammenarbeit mit der Türkei gestärkt werden.

+ Khaled Haftar unterzeichnete ein Kooperationsabkommen im Sicherheits- und Militärbereich mit den jordanischen Streitkräften.

Ausländische Besatzung

+ Jeremy Brendt (US-Botschafter): Ich habe mit Zentralbankchef Nadschi Issa das einheitliche Haushaltsabkommen besprochen sowie die entscheidende Rolle, die die Zentralbank bei der Förderung der Transparenz, der finanziellen Stabilität und des Wohlstands für das libysche Volk und seine internationalen Partner spielt.

+ Fawzi an-Nuwairi (stellvertretender Parlamentspräsident) erklärte seinen Widerstand gegen ein Treffen des Zentralbankchefs mit dem US-Vertreter. Dies sei eine Stärkung der externen Kräfte und ein Eingriff in die Unabhängigkeit der Entscheidungsfindung.
Jede Unterstützung von außen sollte ausschließlich über die UN-Mission erfolgen, da sie den anerkannten internationalen Rahmen für die Koordination mit Libyen zur Verfügung stelle.

+ Abdulhamid Dabaiba bei einem Treffen mit Jeremy Brendt:  Es ist notwendig, die Unterstützung der USA für die libyschen Institutionen fortzusetzen, insbesondere im Ölsektor als grundlegende Säule der Wirtschaft.
Es sei wichtig, auf den bestehenden wirtschaftlichen Verständigungen aufzubauen, um den Weg zur Stabilität zu unterstützen und breitere Perspektiven für nachhaltige Entwicklung in allen Teilen des Landes zu eröffnen.

+ Der vom Präsidialratsvorsitzenden al-Menfi abgelehnte Pseudo-Außenminister Taher al-Baur führte Gespräche mit Jeremy Brendt zum Thema Stärkung der bilateralen Beziehungen, insbesondere in den Bereichen Energie, Infrastruktur, Bildung und Ausbildung,

+ Radosław Sikorski (polnischer Außenminister) forderte die Schaffung einer von der EU finanzierten Schnellen Einsatztruppe zur Bewältigung der Krise in Libyen.
Die EU müsse fähig werden, in ihrem unmittelbaren Umfeld einzugreifen, falls die Lage in Libyen sich verschlechtert.

+ The Independent Arabia: Die Aktivitäten von Massad Boulos wecken in Moskau Befürchtungen hinsichtlich seines militärischen und diplomatischen Einflusses.
Es gebe Faktoren, die Moskau dazu veranlassten, seine Diplomatie gegenüber den beiden Konfliktparteien in Libyen zu aktivieren.

+ Organisation Stop Wagner: Russland bereitet einen geheimen Korridor vor, um ihre Aktivitäten in Afrika auszudehnen. Der Korridor führe durch Libyen, den Sudan und Äthiopien, um die dortigen Netzwerke, die in den Afrikakorps integriert sind, zu unterstützen.

UN-Mission

+ Hannah Tetteh: Nach acht Monaten seit der Verkündung der Roadmap konnten das Parlament und der Staatsrat die ersten beiden Phasen trotz unserer Beteiligung und kontinuierlichen Bemühungen nicht umsetzen.
Alternativ dazu werde nun ein Zwei-Schritte-Ansatz vorgeschlagen, der in der Einberufung eines Treffens einer kleinen Gruppe einflussreicher libyscher Parteien besteht, falls erforderlich gefolgt von einem breiteren Treffen, basierend auf den in den bestehenden libyschen politischen Abkommen vorgesehenen Verfahren. Dieses kleine Treffen werde den Strukturierten Dialog nicht ersetzen.

+ UN-Mission: Umfragen mit rund 6.000 Teilnehmern ergaben:
82 Prozent sind dafür, dass Personen, die Zwietracht säen, aus Machtpositionen entfernt werden.
73 Prozent fordern faire Prozesse und eine sofortige gerichtliche Vorführung von Inhaftierten.
67 Prozent sind der Meinung, dass die Angst vor Verhaftung oder Rache ein Haupthindernis für politische Partizipation und Meinungsfreiheit ist.

+ UN-Mission: Es gibt eine überwältigende Mehrheit, bei der 9 von 10 Personen für die Durchführung von Wahlen sind, vorausgesetzt, sie werden vor Einmischung geschützt und mit zuverlässigen Garantien unterstützt.
Das Vertrauen in die Regierung und Institutionen sei nach wie vor niedrig. Korruption, mangelnde Dienstleistungen und politische Spaltungen beeinflussten das tägliche Leben, insbesondere im Süden, während wirtschaftlicher Druck, Arbeitslosigkeit und Lebenshaltungskosten die beherrschenden Themen innerhalb der Bevölkerung sind.
Der Wunsch nach einer rechtsbasierten und in Gerechtigkeit verwurzelten nationalen Versöhnung sei stark: Entfernung der Korrupten, Ende der Straffreiheit und Entschädigung der Opfer.

UNO

+ Libysches Bündnis für Parteien des nationalen Konsenses: Der Bericht der UN-Expertengruppe zu Libyen deckte ein systemisches Geflecht zwischen Macht, Waffen und illegaler Wirtschaft auf, das einen tiefgreifenden strukturellen Verfall innerhalb der staatlichen Institutionen widerspiegelt und deren Souveränität und Einheit bedroht.
Die Wiederherstellung des libyschen Staates kann nur durch die Demontage der illegitimen Einflussstrukturen und die Etablierung eines effektiven Rechtssystems erreicht werden.

+ UN-Generalsekretär António Guterres: Ich fordere den Sicherheitsrat auf, neue Maßnahmen zu ergreifen, um die Umsetzung des Waffenlieferembargos zu stärken, um eine innere Eskalation zu verhindern und die Re-Armierung in Libyen zu begrenzen. Es bestehe ein dringender Bedarf an der Wiedervereinigung der militärischen und sicherheitspolitischen Institutionen in Libyen.

Demonstrationen/Proteste

+ Treffen der Jugend aus der Region al-Hadaba: Unsere Rechte werden seit 2011 missachtet und wir werden an den Rand gedrängt. Von maroden Straßen über die Straßenbeleuchtung bis zur Müllbeseitigung und unkontrollierten Ansiedlung von Migranten werden die Bürgerrechte beeinträchtigt.
Es werde ein Komitee zur Vertretung der Region gebildet, das sich mit der Gemeinde von Ain Zara in Verbindung setzen wird.

+ Am 25. April fand eine Protestkundgebung vor dem Sitz der türkischen Botschaft in Tripolis statt. Gefordert wurde die Öffnung der an der Botschaft vorbeiführenden Durchgangsstraße. Deren Schließung habe Verkehrsstaus zur Folge.

+ Es fand eine Protestkundgebung vor dem Regierungssitz von Dabaiba statt. Die Inhaber von Zuteilungsurkunden für Gebäude an der Flughafenstraße forderten die Umsetzung eines Gerichtsurteils und die Rückgabe ihrer Wohnungen.
Nationale Institution für Menschenrechte: Mitglieder einer Einheit, die Imad at-Trabelsi, Innenminister der Dabaiba-‚Regierung‘, unterstellt sind, gingen mit Gewalt gegen die Demonstranten vor und verhafteten einige der Teilnehmer.
Für die Übergriffe werde die Dabaiba-‚Regierung‘ verantwortlich gemacht.

Innerlibysche Nachrichten

+ Der Präsidialratsvorsitzende Mohammed al-Menfi unterstützte die Aussagen von Tetteh hinsichtlich der Kabinettsumbildung durch Dabaiba, die unrechtmäßig außerhalb der vereinbarten Bedingungen stattgefunden habe. Die Entscheidungen dieser neuen ‚Minister‘ seien gerichtlich anfechtbar.

+ Mohammed al-Menfi erklärte gegenüber Dabaiba, dass die Fortsetzung der Regierungsgeschäfte, die Abhaltung von Kabinettssitzungen und der Erlass von Beschlüssen ohne die erforderlichen rechtlichen Verfahren unzulässig sind.
Es müsse ein Termin für den Verfahrensabschluss und die Ablegung des Amtseids getroffen werden.

+ LibyaPress: Das Innenministerium führt eine Sicherheitskampagne durch, um verdächtige Parteien aufzudecken, die ausländische Agenden umsetzen, mit dem Ziel, Zwietracht und Spaltung innerhalb Libyens zu säen, und dafür Gelder und Unterstützung erhalten.
Das 2012 vom Übergangsrat erlassene Parteiengesetz habe eine große Anzahl verdächtiger Parteien entstehen lassen, darunter solche, die zu verbotenen Gruppen gehören und vom Ausland finanziert werden.

+ Ein Gericht in TripolisSüd verurteilte den Vorsitzenden der libyschen Investitionsbehörde, Ali Machmud, zu einer einjährigen Haftstrafe mit Amtsenthebung.
Der Leiter der Rechts- und Compliance-Abteilung der Libyschen Investitionsbehörde, Salah Fakrun: Das gegen Ali Machmud ergangene Urteil ist rechtlich nichtig, da es in Abwesenheit gegen eine Person mit bekanntem Aufenthaltsort erlassen wurde. Die Rechte auf ein faires Verfahren seien verletzt worden.

+ Dabaiba räumt eine große Krise im Arzneimittelsektor ein, da Medikamente im großem Umfang geschmuggelt werden. Dies beträfe Medikamente zur Behandlung von Diabetes, Krebs und anderen Krankheiten. Medikamente seien auch über das Verfallsdatum hinaus gelagert worden, anstatt verteilt zu werden.

+ Die Stadtverwaltung Ubari rief die Brega Oil Marketing Company dringend dazu auf, die notwendigen Kraftstofflieferungen für die Arbeiten am Wartungsprojekt der Ubari-Ghat-Straße zu sichern.

+ Nachdem aufgedeckt wurde, dass die Möglichkeit zur Teilnahme an der Hadsch als Geschenk für Gefälligkeiten gehandelt wird, ist die Empörung groß. Die Teilnehmer werden jedes Jahr ausgelost.

+ Die Sicherheitsdirektion von al-Batan warnte vor gefährlichen Sturzfluten in den Straßen, die  eine unmittelbare Gefahr für die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer darstellen.

+ Der direkte Flugverkehr zwischen Libyen und Syrien wurde wieder aufgenommen.

Der Staatsanwalt ordnet immer noch regelmäßig eine hohe Anzahl von Verhaftungen aufgrund von Korruption, Fälschungen von Identitätsnachweisen, Gewalttaten und weiteren kriminellen Handlungen an. Auch weil diese Anordnungen nicht immer zu Festnahmen führen, wird auf die Aufführung der Einzelfälle verzichtet.

Wirtschaft / Finanzen

+ Omar Tantusch (Parlamentarischer Finanzausschuss): Bislang wurden keine Gelder des einheitlichen Entwicklungshaushalts gemäß des Abkommens zwischen Vertretern von Parlament und Staatsrats ausgezahlt.
Die Genehmigung des Haushalts erfordere die Ratifizierung durch die legislative Gewalt, d.h. des Parlaments, damit er rechtskräftig wird. Bisher seien keine entsprechenden Unterlagen eingegangen.

+ Othman Aguil (Republikanischen Koalitionspartei): Das Abkommen über den Entwicklungshaushalt ist keine Vereinheitlichung des Haushalts, denn eine einheitliche Haushaltsführung gibt es nur für eine einzige Regierung.
Was jetzt passiert, sei die Aufteilung des Staatshaushalts auf zwei Regierungen. Das Land könnte durch Probleme, die bei dieser Aufteilung entstehen, erneut in einen Bürgerkrieg geraten.

+ Mustafa bin Huma (Libysches Zentrums für nachhaltige Entwicklung): Die Verflechtung der Milizen mit wirtschaftlichen und politischen Interessen ist zu einem der größten Hindernisse für die Arbeit der Aufsichtsbehörden geworden und ein Hauptgrund für die Blockade der Reformprozesse und des Staatsaufbaus.
Die größte Herausforderung bestehe darin, die Rechtsstaatlichkeit als einzige Grundlage für öffentlicher Angelegenheiten wiederherzustellen.

+ Khalil al-Hasi (Journalist) fragt, warum Zentralbankchef Nadschi Issa angesichts der Kriminalität im Finanz- und Devisenbereich innerhalb der Zentralbank schweigt. Spiele vielleicht Fawzi an-Nuweiri als Projektpartner von Abdulmadschid al-Maquri dabei eine wesentliche Rolle?

Erdöl / Erdgas

+ LibyaPress: Über die Nationale Ölgesellschaft NOC sollten etwa dreißig Millionen Liter mit Wasser gepanschtes Benzin nach Tripolis eingeführt werden. Momentan befindet sich die Lieferung auf einem Tanker im Hafen von Tripolis.
Die Lieferung erfolge über das türkische Unternehmen BGN, das laut UN-Bericht in internationale Korruptionsfälle verwickelt ist. BGN wird von der türkischen Geschäftsfrau Rüya Baygan geleitet und arbeitet eng mit Ibrahim Dabaiba zusammen.
Die Geschäfte von Rüya Baygan und Ibrahim Dabaibah werden durch Imad bin Radschab abgewickelt, den ehemaligen Direktor der Marketingabteilung der NOC , der sich auf der Flucht vor der Justiz befindet.

+ Al-Bariqah Oil Marketing Company: Die Lieferung von bestimmten Kraftstoffen wurde ausgesetzt, da sie die Standardbedingungen nicht erfüllen. Für die Kraftstoffverteilung trete ein Notfallplan in Kraft.

+ Energy (us-amerikanische Plattform): Starker Rückgang der Gasexporte aus Libyen nach Europa trotz steigender Liefermengen der meisten Hauptanbieter. Die Gasexporte aus Libyen nach Italien sind im ersten Quartal 2026 um 54 Prozent eingebrochen.

+ Mohammed Aoun (von Dabaiba an der Ausübung seines Amts gehinderter Ölminister): Die Unterzeichnung eines Memorandum of Understanding der libyschen Ölbehörde mit dem us-amerikanischen Unternehmen Chevron ist ein sich Vergreifen an den libyschen Ölvorkommen.

+ Mohammed asch-Schahat (Ölexperte): US-amerikanische Geschäftskreise wollen ihre Interessen in Libyen durchsetzen und drängen die USA zu einem Abenteuer, um dem Land künstliche politische und wirtschaftliche Verhältnisse aufzuzwingen.
Jegliche Störung in der libyschen Ölförderung bedrohe die wirtschaftliche Stabilität und Energiesicherheit der europäischen Länder bedrohen.

+ Ali Abu Sabiha: Die Gründung von Arkano hatte das Ziel, mit einer NOC-Lizenz libysches Öl zu stehlen. Diesen Diebstahl begingen Personen, die einen Eid leisteten, dem libyschen Volk zu dienen.
Der Bericht der UN-Expertenkommission entlarvte auch ihren Treibstoffschmuggel, was die libysche Haushaltsbilanz belastet und zur Abwertung des Dinar führte. Es tobt ein heftiger Kampf um libysches Öl wegen Libyens Nähe zu Europa und der hohen Ölqualität. Auch der innerlibysche Konflikt drehe sich um das Öl, da es die Haupteinnahmequelle für Devisen und die Hauptfinanzierungsquelle des Staates ist.
Der Boulos-Plan sei nicht im Interesse des libyschen Volkes, denn er verteile den Reichtum neu unter den Machtzentren, reduziere aber nicht die Ausgaben. Er verteile auch die Macht unter denselben Parteien neu, was die Situation noch komplizierter mache und das Land in einen inneren Krieg treiben und die Konflikte verschärfen werde.
Das us-amerikanische Manöver sei nichts anderes als der Versuch, seine Stärke in Libyen zu demonstrieren, was eine Beleidigung sei. Für ihre Manöver hätten die USA den Jahrestag gewählt, an dem sie 1986 Libyen angegriffen, das Haus von Oberst Muammar al-Gaddafi zerstörten und Zivilisten töteten, so als würden sie damit sagen: Ihr habt uns 1986 vertrieben, und heute sind wir nach Sirte zurückgekehrt.

+ Die Gewerkschaft der Ölarbeiter forderte die Auszahlung der festgelegten Gehaltserhöhung rückwirkend bis 2014, die Abschaffung der Einkommenssteuer für die in diesem Sektor Beschäftigten sowie eine Gefahrenzulage.

+ Mansur al-Ahrasch (Journalistenverband): Achtzig Millionen Dinar wurden für die Instandhaltung einer Raststätte der Firma Ras Lanuf ausgegeben Für diese Summe könnte man ein 5-Sterne-Hotel bauen. So erklärt sich, dass die Firma Ras Lanuf Verluste macht und nicht in der Lage ist, die Gehälter ihrer Mitarbeiter zu bezahlen.

Rückblick

+ Owen Schalk (kanadische Autor auf Africa Country): Die Libyer sehnen sich nach der Ära der Dschamahirija zurück, die vor 15 Jahren durch die Nato-Intervention militärisch zusammenbrach, gefolgt vom  wirtschaftlichen Zusammenbruch .
Es bestehe eine Sehnsucht zur Rückkehr der Stabilität, die das Zeitalter von Muammar al-Gaddafi auszeichnete.
Libyen sei früher ein blühendes Land gewesen und leide heute unter extremer Armut, institutionellen Dysfunktionen und einer ständigen Bedrohung durch einen Bürgerkrieg.
Gaddafi führte die al-Fatha-Revolution im Jahr 1969 an und beaufsichtigte den Aufbau eines souveränen, antiimperialistischen Staates.
Das Erbe der Dschamahirija sei auch heute noch ein starker Einflussfaktor in Libyen. Die Sehnsucht nach Gaddafi manifestiere sich in verschiedenen politischen Formationen und als Volksbewegung, die von Saif al-Islam al-Gaddafi angeführt wurde. Die Dschamahirija sei für viele Libyer nach wie vor ein Symbol für Souveränität und Stabilität.
Gestärkt werde dies durch die offensichtliche Unterwerfung Libyens unter ausländische Mächte, zuletzt dokumentiert in den Epstein-Dokumenten, die die Zusammenarbeit ehemaliger britischer und israelischer Geheimdienstoffiziere während der Nato-Intervention aufdeckten, um an die Milliarden US-Dollar der in westlichen Ländern eingefrorenen libyschen Staatsvermögen zu kommen.
Viele der „ehemaligen Rebellen, die gegen Gaddafi waren“, erklärten später, sie seien „getäuscht worden“ und hätten sich dem Lager von Saif al-Islam angeschlossen.
Zwischen 1969 und 2011 hatte sich Libyen sich von einem Staat mit extremer Armut zu dem blühendsten Land Afrikas gewandelt. Die Indizes für menschliche Entwicklung in Libyen lagen nahe an denen Südosteuropas. Die libyschen Ressourcen wurden der ausländischen Kontrolle entzogen und zur Finanzierung des Gesundheits- und Bildungssystem genutzt. Frauenrechte wurden erweitert und eine hohe Alphabetisierungsrate erreicht.
Owen Schalk:  Nach 2017 wurde Saif al-Islam zu einer prominenten politischen Figur auf nationaler Ebene, obwohl er in ständiger Attentatsgefahr schwebte. Da Saif al-Islam al-Gaddafi der populärste Präsidentschaftskandidat war, sagten die USA die Wahlen 2021 ab. Es sollte verhindert werden, dass er die Macht erlangt.
Die Ermordung von Saif al-Islam erfolgte eine Woche nach einem Treffen in Paris zwischen us-amerikanischen Beamten und hochrangigen Vertretern der libyschen Regierungen. Das Treffen folgte auf Bemühungen der Trump-Administration, die Ausbeutung des libyschen Öls zu intensivieren, was Spekulationen über die Motive der Mörder von Saif al-Islam auslöste.
Dass sich trotz der verhängten Beschränkungen Tausende Anhänger von Saif al-Islam zu seiner Beerdigung in Bani Walid versammelten, gilt als „stiller kollektiver Stimmungstest“.

+ Click Petroleo e Gas (Brasilien): Oberst Gaddafi schuf den größten künstlichen Fluss der Welt unter der Sahara, bestehend aus einem gigantischen Rohrnetzwerk von 4.000 Kilometern Länge, womit 40.000 Jahre altes fossiles Wasser in alle Städte Libyens gepumpt wird. Bei voller Kapazität könne der künstliche Fluss täglich 6,5 Millionen Kubikmeter Wasser transportieren. Das nubische Sandsteinreservoir ist eines der größten Grundwasserreservoirs der Welt und erstreckt sich unter vier Länder: Libyen, Ägypten, Tschad und Sudan.
Der Bürgerkrieg drohte, den künstlichen Fluss zu zerstören und Millionen ohne Wasser zu lassen. Die größte Gefahr bestand während des zweiten libyschen Bürgerkriegs zwischen 2014 und 2020, als Kämpfe schwere Schäden an Rohren, Pumpstationen und Sammelbrunnen verursachten.

Aus den Nachbarstaaten

+ Afrika. Moussa Ibrahim: „Wir, quer durch die Länder vom Atlantik bis zum Golf und von Afrika bis nach Westasien, leben in dem, was als ‚historische Einengung‘ bezeichnet werden kann.
Dies ist kein kulturelles Versagen oder genetische Rückständigkeit. Es ist ein System, das durch Gewalt mittels Macht, Wirtschaft und Kontrolle des Wissens aufgezwungen wurde.“

+ Sahelzone. Moussa Ibrahim/Video: „Gaddafi kannte die Region, ihre Menschen, ihre Spaltungen und ihre Dynamik. Und er nutzte dieses Wissen, um die Region zusammenzuhalten.“
Moussa Ibrahim: „Hegemonie ist heute keine direkte Besetzung mehr. Es handelt sich um ein System aus IWF-Politik, ausländischen Stützpunkten, ungleichem Handel, kontrollierten Medien und Bildung, die Abhängigkeit reproduzieren. Kontrolle benötigt kein sichtbares Imperium mehr.“

+ Tuareg. Moussa Ibrahim/Video: „Die Tuareg sind keine Randgruppe, sondern eine bedeutende afrikanische Nation, die im Sahel und Nordafrika verwurzelt ist. Vor 2011 waren sie Teil des libyschen Staates und seiner Stabilität. Nach dem Zusammenbruch Libyens verbreiteten sich Waffen, Kämpfer zogen über Grenzen hinweg, und Konflikte wurden im gesamten Sahel wieder entfacht.“

+ Allianz der Sahelstaaten/Mali. Moussa Ibrahim: „Was in Mali geschieht, lässt sich nicht auf ein Sicherheitsproblem reduzieren. Es geht um Souveränität, Einheit und Kontrolle über Ressourcen.
Aber diese Geschichte beginnt nicht in Mali. Sie beginnt in Libyen, im Jahr 2011.
Die NATO-Intervention und der Zusammenbruch des libyschen Staates haben die gesamte Region umgekrempelt. Waffen verbreiteten sich, Kämpfer überschritten Grenzen und Konflikte im Sahel wurden neu entfacht, insbesondere im nördlichen Mali.
Was Mali heute erleidet, ist in vielerlei Hinsicht eine direkte Folge jenes Moments.
Souveränität ist nicht einfach die Entfernung ausländischer Truppen. Es ist die Fähigkeit eines Staates, sein Territorium zu kontrollieren, seine Ressourcen zu verwalten und eine Zersplitterung zu verhindern.
Äußerer Einfluss verschwindet nicht. Er passt sich an, oft indem er durch innere Spaltungen wirkt.
Malis Ressourcen, insbesondere Gold, und seine strategische Lage sind seit Langem an externe Systeme gebunden. Jeder Versuch, sich von dieser Struktur zu lösen, führt zur Konfrontation.
Gleichzeitig ist die Herausforderung auch intern. Grenzen, die durch koloniale Geschichte geformt wurden, haben tiefe Spaltungen geschaffen. Doch sie heute zu durchbrechen bringt keine Befreiung. Es führt oft zu mehr Zersplitterung und schwächeren Staaten.
Die Aufgabe ist es nicht, Landkarten neu zu zeichnen, sondern Staaten auf dem Fundament von Einheit und Kontrolle über Reichtum neu aufzubauen.
Die Lehre ist klar:
Der Zusammenbruch eines Staates in Afrika kann eine gesamte Region destabilisieren.
Und Souveränität lässt sich nicht wiederherstellen ohne Einheit und Kontrolle über Ressourcen.“
Moussa Ibrahim/Video: „Mali versucht, seine Souveränität zurückzugewinnen, doch es sieht sich mit Grenzen und Teilungen konfrontiert, die vor über einem Jahrhundert geschaffen wurden. Dies ist nicht nur eine malische Angelegenheit, es ist eine afrikanische Realität.“

+ Mali. Tagesschau: „In Malis Hauptstadt Bamako haben nach Angaben des Militärs ‚unbekannte bewaffnete Terroristen‘ Kasernen und andere Ziele angegriffen. Auch im Landesinneren habe es Angriffe gegeben, heißt es in einer Stellungnahme des Generalstabs vom Vormittag.
Am Nachmittag sprach das Militär dann davon, dass die Lage unter Kontrolle sei. Mehrere Terroristen seien ‚neutralisiert‘ und ihre Ausrüstung zerstört worden.“

+ Mali. jW: „Die am Sonnabend [25.04.] gestartete Offensive überwiegend dschihadistisch orientierter bewaffneter Kräfte in Mali hatte eine neue Qualität. Ein Al-Qaida-Ableger und Tuareg-Verbände griffen auf dem gesamten Staatsgebiet an – von Kidal im Landesnorden in der Nähe der algerischen Grenze bis zur Hauptstadt Bamako. Verteidigungsminister Sadio Camara wurde nach übereinstimmenden Berichten des französischen Figaro und des Senders Al-Dschasira bei einem Angriff auf die nahe der Hauptstadt Bamako gelegene Garnisonsstadt Kati bei Bamako getötet, auch wenn dies offiziell dementiert wurde. Interimspräsident Assimi Goïta war ebenfalls zunächst für tot erklärt worden, soll die Attacke aber an einem sicheren Ort überlebt haben.
Zumindest ist eine helfende französische Hand hinter den in Mali wirkenden Organisationen zu erkennen. Unterstützt wird zwar nicht direkt der regionale Ableger von Al-Qaida, die »Gruppe zur Unterstützung des Islams und der Muslime« (GSIM), wohl aber die Tuareg-Separatisten im Norden Malis. Diese waren aber in der Vergangenheit wiederholt und sind offensichtlich auch jetzt mit den Dschihadisten verbündet. […]
Am Sonntag gab die malische Zentralregierung an, die Kontrolle über Kidal und auch die Hauptstadt der Zentralregion Mopti zurückerlangt zu haben. Dort sind vor allem aus den Reihen der Bevölkerungsgruppe der Fulbe rekrutierte dschihadistische Verbände aktiv. In Bamako gilt weiter eine nächtliche Ausgangssperre.“

+ Mali. Video/RT: „In der Grenzregion zwischen Mali und Algerien ist es Berichten zufolge zu intensiven militärischen Auseinandersetzungen gekommen. Im Zentrum der Kämpfe stehen Einheiten der malischen Regierungsarmee, die von russischen Spezialisten unterstützt werden, sowie Verbände der Tuareg-Rebellen. Beide Konfliktparteien beanspruchen derzeit militärische Erfolge für sich.

+ Allianz der Sahelstaaten. Kevork Almassian/Video: „Jeder, der Mali Aufmerksamkeit schenkt, weiß, dass diese mit al-Kaida verbundenen Angriffe nicht im Vakuum geschehen. Sie tragen die Fingerabdrücke derselben Mächte, die eine lange Geschichte des Tolerierens und Unterstützens takfirischer bewaffneter Gruppen haben, wenn es ihren Interessen dient. Afrika ist kein Nebenkriegsschauplatz. Es ist zentral wegen der Ressourcen, der Geografie und des Wettbewerbs zwischen einer alten westlichen imperialen Ordnung und aufstrebenden Herausforderern wie Russland und China.“

Libyen Kurznachrichten

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