Kurznachrichten Libyen – 15. bis 21. Januar 2026
Unter dem Motto „Es reicht!“ Demonstrationen vor UN-Mission in Dschanzur sowie in Misrata und Tripolis: Drohung, die Ölförderung einzustellen / 484 Opfer von Landminen seit 2020 / Berufung des Muslimbruders Ali as-Salabi zum Berater für Versöhnungsangelegenheiten löst Proteststurm aus / Untersuchungsbericht: Flugzeug mit al-Haddad kollidierte mit Berg / Khaled al-Mischri bringt sich wieder gegen Dabaiba in Stellung / Hafenübernahme in Misrata durch katarisch-italienisches Konsortium umstritten / Dreißig Prozent der Libyer leben nun unterhalb der Armutsgrenze / Importe übersteigen bei Weitem den Verbrauch – und gehen als Schmuggelware ins Ausland: Verlust von über 20 Milliarden US-Dollar jährlich / Öleinnahmen gehen weiter zurück / Dollarkurs steigt weiter an / Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Rohöl-gegen-Kraftstoff-Modell / Sandsturm sucht östliches und zentrales Libyen heim: schwere Zerstörungen und umgeknickte Strommasten
Demonstrationen/Proteste
+ Am 16. Januar fand eine Massendemonstration vor dem Hauptgebäude der UN-Mission in Dschanzur statt. Gefordert wurden Präsidentschafts- und Parlamentswahlen sowie die Beendigung der Spaltung der ‚Regierung‘.
+ Am 16. Januar wurde bei einer Protestkundgebung in Misrata der Sturz der Dabaiba-‚Regierung‘ gefordert und die grassierende Korruption angeprangert.
+ Am 16. Januar protestierten auf dem Märtyrerplatz in Tripolis Demonstranten gegen die Ansiedlung von Ausländern in Libyen und gegen die mit Italien geschlossenen Abkommen.
+ Unter dem Motto „Es reicht!“
riefen die Anführer der Revolutionären
Brigaden und Bataillone von Misrata zum Protest am am 20. Januar
auf, um den Sturz der Dabaiba-‚Regierung‘ zu fordern. Auch die
Einmischung des IStGH in libysche Angelegenheiten wurde strikt abgelehnt.
Außerdem stehe Libyen nicht zum Verkauf, weder an Katar
noch an irgendjemand anderen. Es werde nicht akzeptiert, dass eine ‚Regierung
des Verrats und der Heimtücke ‘ vollendete Tatsachen schaffe.
Die Realität des Volkes bestehe aus Hunger und Entbehrungen, dazu
seien die öffentlichen Dienstleistungen komplett zusammengebrochen,
während Libyens Reichtum für korrupte Geschäfte und fiktive
Projekte geplündert werde.
„Nein zu jeglichen Plänen zur Ansiedlung illegaler Migranten und nein
zu der teuflischen Idee, unsere palästinensischen Brüder zu vertreiben
und nach Libyen auszusiedeln.“
„Nein zur Vereinheitlichung der Streitkräfte nach us-amerikanischen oder
türkischen Vorgaben. Unsere Armee wird aus einem nationalen
Willen heraus aufgebaut, um das Land zu schützen und die Souveränität zu
wahren.“
+ Am 20. Januar versammelten sich in Tripolis Demonstranten, die das Ende der Dabaiba-‚Regierung‘ und Neuwahlen forderten.
+ Die Schutzkräfte Tripolis organsierten am 21. Januar einen großen Protestmarsch mit dem Ziel, die Marionettenregierung von Dabaiba zu stürzen. Sie drohten mit der Einstellung der Ölförderung. Sie werde erst wieder aufgenommen, wenn alle legitimen Forderungen der Bevölkerung erfüllt sind.
+ Vorsitzender des libyschen Ältestenrats, Mohammed al-Mubaschir: Wenn die Menschen dieses Mal auf die Straße gehen, wird es nicht nur eine Forderung nach Veränderung sein, sondern ein Rachefeldzug.
+ Garin Saleh (ehemaliger Botschafter): Diejenigen, die sich als Februarrevolutionäre bezeichnen, betreiben den Ausverkauf von Militärbasen, Häfen, Flughäfen, Öl- und Gasförderung, Bodenschätzen und Banken des Landes… Es muss jemand kommen, der Libyen so führt, wie es Muammar Gaddafi und seine treuen Gefolgsleute taten.
+ Mohammed Mezughi
(Kandidat für neue Einheitsregierung): Die Verharmlosung oder Herabsetzung
dieser Volksbewegung durch die Machthaber, die den
Staat ohne Legitimität oder Rechenschaftspflicht regieren, stellt eine eklatante
Leugnung der Realität dar.
Die Stimme der Straße zu ignorieren, werde nicht zur Lösung
der Krise beitragen, sondern nur die Kluft zwischen Regierung und
Bürgern vertiefen.
+ Anwohner des Gebiets Airport Road in Tripolis protestierten gegen den Abriss ihrer Geschäfte und Häuser ohne dafür eine Entschädigung zu erhalten.
+ Bewohner der Gebiete as-Sarim und al-Mansura protestierten vor der nigerianischen Botschaft über die sich verschlechternde Sicherheitslage. Anwohner litten unter Auto- und Wohnungseinbrüchen und unter dem zunehmenden Drogenhandel durch Wanderarbeiter.
Militär/Milizen/Gewalt
+ Die Nationale Menschenrechtsinstitution dokumentierte die Verschleppung sowie die physische und psychische Folter eines Bürgers durch Sicherheits- und Militärbehörden in der Stadt Sirte. Anschließend wurde er in das Garnada-Militärgefängnis überführt.
+ Der Justizausschuss erklärte, dass die willkürliche Inhaftierung und Folter einer Frau in al-Bayda seit November 2025 von der Abteilung Kriminalermittlungen dokumentiert wurde, ebenso wie die Versäumnis, die von der Staatsanwaltschaft erlassenen Freilassungsanordnungen umzusetzen.
+ Die Nationale
Menschenrechtsinstitution dokumentierte die Verschleppung zweier
Bürger in Sirte und Sebha ohne jegliche Rechtsgrundlage.
Abdullah Massud Ahmed Iqrad wurde 2024 entführt, sein Schicksal
ist unbekannt.
Salim Hamu al-Mahdi at-Tarqi (Geheimdienstmitarbeiter) wurde im Februar
2025 von Mitgliedern des 115. Infanteriebataillons von Sebha entführt
und immer noch nicht der Staatsanwaltschaft vorgeführt.
+ Am 20. Januar traf sich Premier Dabaiba mit Trabelsi (Innenminister), Zubi (Verteidigungsministerium) und Machmud Hamza (444. Kampfbrigade), um die neuesten Entwicklungen im Sicherheitsbereich zu besprechen.
+ Die Leitung des internationalen
Flughafens al-Kufra gab die Schließung des Flughafens ab dem 19. Januar
für einen Monat unter dem Vorwand von Wartungsarbeiten,
die auch die Start- und Landebahn betreffen, bekannt.
Der unter Haftars Kontrolle stehende Flughafen al-Kufra ist eine wichtige
Nachschublinie für die Rapid Support Forces im Sudan.
+ Seit Mai 2020 hat der UN-Minenräumdienst in Libyen 484 Opfer von Explosionen registriert, darunter 174 Todesfälle, 19 davon Kinder.
Ausländische Besatzung
+ Das US-Außenministerium:
Wir unterstützen die Bemühungen der UNO, einen auf Konsens
basierenden Prozess einzuleiten, der zu einer Einheitsregierung und
nationalen Wahlen führen, ebenso wie die Vereinigung des Militärapparats,
dessen prominentester Architekt der verstorbene Generalstabschef Mohammed
al-Haddad war.
Wir pflegen regelmäßigen Kontakt zu den führenden Persönlichkeiten im Osten
und Westen, um sie dazu aufzufordern, die Spaltung zu überwinden
und die Institutionen zu vereinen.
Wir begrüßen Libyen als Ausrichter und Bestandteil der Übung Flintlock
26, die Militärvertreter aus Ost und West zusammenbringt. Wir unterstützen
den Schutz und die Unabhängigkeit der Nationalen Ölgesellschaft, der Zentralbank
und des Rechnungshofs. Wir begrüßen die Ernennung von Massud
Suleiman zum Leiter der Nationalen Ölgesellschaft und die Unterzeichnung
des Einheitlichen Entwicklungsprogramms im November 2025.
+ Italien. Wie die italienische Zeitschrift Contropiano am 19. Januar enthüllt, bildet Rom Soldaten der Milizen von Khalifa Haftar im östlichen Libyen aus. Die EU finanziere die Ausbildung. Außerdem plane Brüssel, das „Tripolis-Modell“, wonach Schleuser für das Festhalten von Migranten bezahlt werden, auch in der von Haftar kontrollierten Region Kyrenaika zur Anwendung zu bringen. jungeWelt – 21.1.2026
+ Russland. Die ukrainische Plattform United 24 Media behauptete, dass Russland mit einem sanktionierten Schiff – eskortiert von einem Kriegsschiff – Waffen nach Libyen schmuggelt.
+ Russland. Laut der Website Martim
Exketov wurde das russische Militärfrachtschiff Miss Zilania,
das internationalen Sanktionen unterliegt, im Hafen von Tobruk
gesichtet. Der Hafen wird von Haftars Milizen kontrolliert und ist ein Transitpunkt
für Militärlieferungen, die für das russische Afrikakorps bestimmt
sind.
Russland führe seine Operationen in der Region von einer Reihe
libyscher Stützpunkte aus und habe verlassene Einrichtungen reaktiviert,
insbesondere den Stützpunkt Maatan as-Sarrah.
Analysen
+ Die libanesische Zeitung an-Nahar
al-Arabi: In Stuttgart fand ein von AFRICOM gesponsertes
Sicherheitstreffen statt, an dem Saddam Haftar und Abdul Salam
Zubi teilnahmen. Dies war das erste Treffen zwischen
östlichen und westlichen Sicherheitskräften nach dem Tod von Mohammed
al-Haddad Ende Dezember 2025.
Das Treffen habe am Vorabend von Haftars Abreise nach Paris
stattgefunden, was darauf hindeutet, dass Washington auf Absprache und
Zusammenarbeit zwischen den östlichen und westlichen Streitkräften besteht,
um die Vereinigung der libyschen Militärinstitutionen vorzubereiten und
nach Haddads Tod ein Vakuum zu vermeiden.
Im Mittelpunkt des Treffens in Stuttgart standen die letzten Vorbereitungen
für die Übung Flintlock 26 im Frühjahr in Sirte, bei der
erstmals gemeinsame Streitkräfte aus Ost und West unter der Führung von
AFRICOM zusammengeführt werden.
Die Abwesenheit von Salah an-Namrusch, der in der Nachfolge von
al-Haddad vorübergehend die Position des Stabschefs übernommen hat und
der Türkei nahesteht, lässt darauf schließen, dass Washington mit
seiner Ernennung nicht zufrieden ist.
Dies falle zeitlich mit dem Eintritt von Saudi-Arabien in die libysche
Politarena zusammen und der Eröffnung von drei Kommunikationslinien, die
Riad, Washington und Kairo zusammenbringen.
Im Mittelpunkt der Gespräche stehe die Möglichkeit eines Führungswechsels in
Haftars Armee. Es wird befürchtet, dass es im Falle des Ausfalls von
Khalifa Haftar zu Spaltungen kommen könnte, die die Stabilität
der Militärinstitution gefährden könnten.
+ TheGeopoliticalDesk:
Libyens Premierminister Abdulhamid Dabaiba ist in einem schwierigen
Moment erkrankt. Es besteht die Wahrscheinlichkeit, dass er im
Ausland behandelt werden muss.
Es sei bekannt, dass Dabaiba an Diabetes und anderen gesundheitlichen
Beschwerden leidet. Aufgrund von Herzproblemen sei er zweimal ins
Krankenhaus eingeliefert worden. Die Dabaiba-‚Regierung‘ sei derangiert,
es gebe einen stetigen Strom von Ministern, die entweder zurücktraten,
zum Rücktritt gezwungen oder verhaftet wurden.
Die Entscheidungsfindung verenge sich auf einen kleinen inneren Kreis,
der hauptsächlich aus Dabaiba selbst, seinem Cousin und
nationalen Sicherheitsberater Ibrahim Dabaiba, sowie seinem Staatsminister
besteht. Doch jetzt falle auch Abdulhamid Dabaiba aus und sein Cousin
Ibrahim befinde sich außer Landes.
Die fragile Sicherheitsarchitektur stehe noch stärker unter Druck,
da dessen Akteure unterschiedliche Prioritäten haben:
Der amtierende Innenminister Emad Trabelsi sei damit beschäftigt, seine zersplitterten
und Kräfte in Tripolis zu kontrollieren. Der stellvertretende
Verteidigungsminister Abdul Salam az-Zubi soll im Geheimen Kontakt zu
Saddam Haftar aufgenommen haben, um sich gegen die Instabilität im Westen
abzusichern. Machmud Hamza scheine sich zunehmend auf die Konsolidierung
seiner eigenen wirtschaftlichen Interessen zu konzentrieren.
Die Koordination zwischen diesen Personen sei begrenzt,
und die Loyalität gegenüber der Regierung als Institution schwächer denn
je. Dies vollziehe sich vor dem Hintergrund einer sich verschlechternden
Wirtschaftslage.
Der Wechselkurs des Libyschen Dinars sei historisch schlecht und
die Proteste gegen die Dabaiba-‚Regierung‘ hielten sich hartnäckig.
Sollte unter den jetzigen Umständen Dabaiba auch nur für wenige Wochen
das Land verlassen müssen, könne dies entscheidend sein. Dabaiba
und sein engster Kreis bemühten sich, seine Krankheit klein zu reden. Es
sei jedoch fraglich, ob dies in Abwesenheit von Dabaiba
aufrechterhalten werden kann und ob das System ohne ihn funktioniert.
+ Al-Arab
(London): Politische Spaltung und das Fehlen einheitlicher
Finanzinstitutionen haben in Libyen die Staatsverschuldung zu einem zusätzlichen
Konfliktfeld zwischen den rivalisierenden Mächten gemacht.
Aufgrund des wirtschaftlichen Zusammenbruchs seien Finanzierungen
zu politischen Waffen geworden. Der Haushalt diene dazu, sich Loyalitäten
und Milizen zu kaufen. Der libysche Bürger zahle einen doppelten
Preis: Zum einen zehre die Wirtschaftskrise seine Ersparnisse
auf und schwäche seine Lebensgrundlage, und zum anderen werde dadurch der Konflikt
weiter angeheizt. Der Staat als organisierter Wirtschaftsakteur fehle.
Daneben häuften sich die Gewinne in den Taschen der Finanzelite
und anderer davon profitierender Personen.
Ernennung von Ali as-Salabi und Vorwürfe gegen al-Menfi
+ Mabruk Abu Ammar (Wirschefana): Der sich im Ausland aufhaltende Vorsitzende des Präsidialrats, Mohammed al-Menfi, erhielt die Anweisung, den nationalen Versöhnungsprozess zu sabotieren, indem er den Muslimbruder Ali as-Salabi zu dessen Berater ernannte.
+ Die Zeitung Ascharq
al-Awsat: Die Entscheidung al-Menfis, as-Salabi zu ernennen,
vergrößert die Kluft zu seinem Stellvertreter Musa al-Koni und löste
einen Sturm der Entrüstung aus.
As-Salabi stehe seit Juni 2017 auf den Terrorlisten
Saudi-Arabiens, Ägyptens, der VAE und Bahrains.
+ Die beiden Präsidialratsmitglieder
al-Koni und al-Lafi forderten in einem offiziellen Schreiben,
dass der Zentralbankchef den Präsidialratsvorsitzenden al-Menfi daran hindern
müsse, über Konten des Präsidialrats zu verfügen. Die ihm erteilte Befugnis
müsse ihm entzogen werden. Dies umfasse insbesondere Ausgaben für
Auslandseinsätze.
Man habe alle Mandate, die man dem im Ausland lebenden al-Menfi
erteilte, zurückgezogen. Nur der Präsidialrat als Ganzem sei zu
Entscheidungen befugt.
Die Arbeit des Präsidialrats sei völlig zum Erliegen gekommen.
Der im Exil lebende al-Menfi handle ohne rechtliche Grundlage.
+ Ali as-Salabi selbst meldete sich in einer Audiobotschaft an seine politische Gegner zu Wort. Er sagte, dass diejenigen, die ihn als ideologisch motiviert bezeichnen, „geisteskrank“ seien. Er werde nicht mit Menschen zusammenarbeiten, die Bosheit, Hass, Neid und Undankbarkeit in sich tragen und ihre Gottesfurcht verloren haben. „Ich vertrete nichts anderes als die Ideologie des Glaubens an Gott. Dies ist meine Botschaft.“
+ Der Journalist Khalil al-Hassi
erklärte, dass as-Salabi zu den Initiatoren der Bestechung in Genf gehörte,
die Abdulhamid Dabaiba an die Macht brachte. Die Liste der Gekauften
sei damals al-Aliyain-Liste genannt worden, nach Ali Dabaiba
und Ali as-Salabi.
Seit er 2017 auf die Terrorlisten gesetzt wurde, sei seine Bewegungsfreiheit
auf
Katar und die Türkei beschränkt. Die Ernennung könnte nun den
Druck auf ihn verringern.
Aber wie könne jemand den Versöhnungsprozess leiten, der und dessen
Brüder, insbesondere im östlichen Libyen, für die Ermordung von
Angehörigen verantwortlich gemacht werden.
+ Fathi asch-Schibli (Partei Stimme des Volkes): Am 11. April 2004 hatte as-Salabi ein an Dr. Saif al-Islam Gaddafi adressiertes Dokument unterzeichnet, in welchem er eine Loyalitätserklärung für die Dschamahiriya-Regierung abgab. Der Bruch dieses Versprechens sei Verrat gewesen.
+ Osama Schahumi (Politikwissenschaftler): Sadiq al-Gharyani, Ali as-Salabi, Salah Badi und Abdulrahman as-Suwayli haben den Staat gelähmt und ruiniert.
+ Middle East
Online: Die Ernennung von as-Salabi ist von großer
politischer und symbolischer Bedeutung. Es scheint sich um den Versuch
zu handeln, die Machtverhältnisse in der politischen Landschaft unter
dem Vorwand der nationalen Versöhnung neu zu ordnen.
Die Wahl einer umstrittenen Persönlichkeit wie Ali as-Salabi widerspreche
dem Geist der Versöhnung und reproduziere alte Polarisierungen.
Versöhnung setze zumindest die allgemeine Akzeptanz der Person
voraus, die mit der Umsetzung beauftragt ist.
As-Salabi sei eine der prominentesten Persönlichkeiten aus dem Umfeld
der politischen Islambewegung in Libyen, sein Name werde mit
intellektuellen und politischen Netzwerken in Verbindung gebracht, die Verbindungen
zur Muslimbruderschaft und zur Libya Islamic Fighting Group
(LIFG) unterhalten.
Die Entscheidung falle zeitlich mit erneuten internationalen
Maßnahmen gegen Netzwerke zusammen, die mit dem politischen Islam in
Verbindung stehen, darunter die Einstufung einer Reihe von
Organisationen der Muslimbruderschaft als terroristische Vereinigung durch die
USA.
As-Salabi umgebe ein Beziehungsnetzwerk innerhalb der libyschen
politischen Szene, insbesondere zu Dabaiba. Die Vertrauenslücke
zwischen Staat und Gesellschaft werde so immer größer.
[Türkei und Katar sind Unterstützer der Muslimbruderschaft.]
+ Kamel al-Marasch (politischer Analyst): Ali as-Salabi ist eine umstrittene Persönlichkeit und völlig unglaubwürdig. Das jüngste Versöhnungsprojekt werde seit vier Jahren von einem Mitglied des Präsidialrats geleitet, ohne dass trotz enormer Ausgaben, deren Details unbekannt sind, kein einziger Schritt in Richtung Versöhnung erzielt wurde.
+ Miftah
al-Giluschi (Nationale Einheitsbewegung): Die Entscheidung, Ali as-Salabi
zum Berater für Versöhnungsangelegenheiten zu ernennen, ist ein verzweifelter
„britisch-katarischer“ Versuch, das Image der globalen
Muslimbruderschaftsorganisation innerhalb Libyens wiederherzustellen und
eine falsche Versöhnung mit den Libyern zu erzwingen.
Es könnten wieder Gesichter wie die von Abdul Hakim Belhadsch, Khaled
asch-Scharif, Mahdi al-Harati und andere Symbole der Zerstörung aus
der Versenkung auftauchen.
Großbritannien als historischer Förderer der terroristischen
Muslimbruderschaft beschloss, das terroristische
al-Dschulani-Modell von Syrien nach Libyen zu reexportieren, um das Weiße
Haus davon zu überzeugen, dass es für Libyen keine andere als die syrische
Lösung gibt.
Der Flugzeugabsturz, bei dem Mohammed al-Haddad in der Türkei ums
Leben kam, sei ein Attentat gewesen, um ihn auszuschalten.
Flugzeugabsturz
+ Bezüglich des Flugzeugabsturzes
in der Türkei, bei dem Stabschef al-Haddad und seine Begleiter ums
Leben kamen, erklärte Anwar Sawan
(Ältestenrat) von Misrata, dass das Flugzeug nicht wie behauptet
aufgrund eines Unfalls abstürzte, sondern dass der Absturz
vorsätzlich herbeigeführt wurde.
Luftfahrtexperten hätten erklärt, dass bei einem technischen Defekt eine
Notladung möglich gewesen wäre. „Wer hat al-Haddad getötet? Warum und wie?“
+ Am 22. Januar veröffentlichte die
türkische Nachrichtenagentur
Anadolu den Untersuchungsbericht der Staatsanwaltschaft Ankara zum
Flugzeugabsturz. Demnach sei das Flugzeug mit laufenden Triebwerken und hoher
Geschwindigkeit in einer Höhe von 1252 Metern gegen einen Berg
geprallt und explodiert. Die Trümmer seien weiträumig
verstreut worden.
Das Flugzeug hatte einen Notfall aufgrund einer elektrischen Störung gemeldet,
um Notlandung gebeten und diese eingeleitet. Dann die sei
die Maschine plötzlich vom Radarschirm verschwunden. Nach dem Absturz
sei ein Blitz zu sehen gewesen; vor dem Aufprall habe es keine
Anzeichen für ein Feuer an Bord gegeben.
Erst Anfang Dezember 2025 sei das Flugzeug einer Generalüberholung
unterzogen worden.
Khaled al-Mischri bringt sich wieder in Stellung
+ Khaled
al-Mischri ist der Meinung, dass ihn Dabaiba von der politischen
Bühne ausgeschlossen hat, weil er glaubt, dass er als Vorsitzender des
Staatsrats Vereinbarungen mit dem Parlament schlösse, die zur Bildung
einer neuen Regierung und zur Abhaltung von Wahlen führen würden.
Den Strukturierten Dialog der UN-Mission hält Mischri für Zeitverschwendung:
Libyens Problem sei kein theoretisches.
+ Khaled al-Mischri: Die Dabaiba-‚Regierung‘ ist gescheitert und der Gesundheitszustand von Dabaiba wird die ohnehin schon geringe Effizienz ihrer Arbeit weiter negativ beeinflussen. Ich bin gegen ihren Verbleib an der Macht.
+ Khaled al-Mischri: Die Dabaiba-‚Regierung‘ bot mir an, im Amt zu bleiben, wenn ich im Gegenzug die Frage eines Regierungswechsels ruhen ließ. Dies habe er abgelehnt.
+ Khaled
al-Mischri hält die auf der Grundlage der Vereinbarung zwischen dem
Parlament und dem Staatsrat erlassenen Wahlgesetze, die von der
Wahlkommission anerkannt wurden, zur Durchführung von Wahlen geeignet.
Die Rolle der UN-Mission sei negativ und ineffektiv; alle Gesandten,
die nach Libyen kamen, verfolgten eine außenpolitische Agenda. Die UN-Mission wolle
die Dabaiba-‚Regierung‘ nicht verändern und ihr strukturierter Dialog
behandle theoretische Themen, die in Libyen bereits gründlich
geprüft wurden.
Die absolute Priorität bestehe darin, eine einheitliche Regierung zu
bilden und Wahlen abzuhalten.
+ Khaled al-Mischri: Ich betrachte mich nach wie vor als Vorsitzenden des Staatsrats, und mein Sieg mit 69 Stimmen war mehrheitlich – bevor die Wahl mit Hilfe eines ungültigen Stimmzettels manipuliert wurde.
+ Khaled al-Mischri geht davon aus, dass das Gerichtsurteil, das im Februar erwartet wird, ihn wieder als Vorsitzenden des Staatsrats einsetzt. Er werde dann wieder an den Sitzungen teilnehmen.
Hafenausbau Misrata
+ Taha Hadid
(ehemaliger Sprecher der Schutzkräfte von Sirte): Der katarische
Premierminister unterzeichnet in Misrata ein Abkommen zum
Ausbau der Freihandelszone Misrata, ein Abkommen über Investitionen
und den Bau des internationalen Flughafens von Tripolis sowie ein
Kooperations- und Entwicklungsabkommen im Ölsektor.
Nach der Unterzeichnung
des Vertrags über den Ausbau des Hafens von Misrata zugunsten eines italienisch-schweizerisch-katarischen
Unternehmens mit Verbindungen zum Daibaba-Clan müssen Bearbeitungs-
und Lagergebühren im Hafen in Fremdwährung entrichtet werden.
Dazu al-Mahdi Abdel-Aati (Misrata): Das Abkommen ist ein Deal zwischen
dem katarischen Unternehmen UCC und der al-Maha Company
von Ibrahim Dabaiba. „Wer auch immer das Abkommen
unterzeichnet und zum Verkauf von Libyen beiträgt, wird in naher
Zukunft die Konsequenzen tragen.“
+ Der Ausschuss für Energie
und natürliche Ressourcen und der Ausschuss für auswärtige
Angelegenheiten und internationale Zusammenarbeit des Parlaments lehnten
in einer gemeinsamen Erklärung den Schritt der Dabaiba-‚Regierung‘ ab, langfristige
Verträge für die Entwicklung des Freihandelshafens Misrata abzuschließen.
Die mit katarischen und italienischen Unternehmen unterzeichneten Verträge
beinhalteten den Verzicht auf Freihandelszonen und Aneignung großer Anteile
der Öleinnahmen.
Diese Geschäfte, denen es an Transparenz mangelt, seien von Ausbeutung
und Korruption geprägt und widersprächen den Gesetzen, die es
jeder Regierung untersage, strategische Ressourcen zu manipulieren.
+ Dschaballah asch-Schaibani (Parlamentsabgeordneter): Die sogenannte ‚Freihandelszone Misrata‘ ist Gegenstand eines Rechtsstreits. Jeder diesbezügliche Vertrag oder jede Investition in dieser Zone gilt als Verstoß gegen libysches Recht. Wir warnen ausländische Staaten und Unternehmen vor den Gefahren einer Investition in ein Projekt, das auf einem rechtlich umstrittenen Grundstücksbesitz basiert.
+ Khaled Mohammed
al-Hidschazi (ehemals Kontrollbüros des Investitionsportfolios Libya
Africa): Dabaiba versucht, die Gunst ausländischer Mächte zu
erlangen, um sein politisches Überleben zu sichern, da es ihm an Legitimation
durch Wahlen und einem internen Konsens mangelt. Die Unterzeichnung
langfristiger strategischer Abkommen stelle eine Überschreitung
der Befugnisse einer Übergangsregierung dar und gehe Verpflichtungen
ein, die von einer künftig gewählten Regierung nur schwer aufzuheben
sind.
Das Abkommen über den Ausbau des Hafens von Misrata stärke
eine bestimmte politische Gruppierung und verschärfe die Befürchtungen
bezüglich Ausgrenzung und regionalen Ungleichgewichten.
+ Hossam al-Fanich (Politologe): Die Kontroverse um das Hafen-Abkommen offenbart die Fragilität des Entscheidungsrahmens in Libyen, wo sich wirtschaftliche Interessen mit politischen Konflikten überschneiden. Der Zeitpunkt des Abkommens und der internationale Partner werfen Fragen über das Verhältnis zwischen den Behörden und den in Libyen aktiven ausländischen Mächten auf. Unklar sei, ob das Ziel darin besteht, Investitionen anzuziehen oder darin, politische Botschaften zu senden und internationale Akteure zu beschwichtigen, um den eigenen Einfluss zu stärken.
Wirtschaft / Finanzen
+ Mohammed al-Hawidsch (Wirtschaftsminister der Dabaiba-‚Regierung‘): Mehr als dreißig Prozent der Bevölkerung leben nach internationalem Standard unterhalb der Armutsgrenze.
+ Mohammed
al-Hawidsch: Viele Waren werden in Mengen importiert, die
über dem Marktbedarf liegen, um ins Ausland geschmuggelt zu
werden.
Der Zuckerimport bedeute einen durchschnittlichen Pro-Kopf-Verbrauch
von mehr als 100 Kilo, im Vergleich zu 22 Kilo weltweit. Dies
bedeute, die überschüssigen Mengen werden außer Landes geschmuggelt.
Luxusgüter wie Handys wurden im Wert von 1,6 Milliarden Dinar
importiert und anschließend außer Landes geschmuggelt. Der Schmuggel
von Treibstoff und Erdölprodukten hat ein Volumen von rund sechs
Milliarden US-Dollar jährlich erreicht.
Das Land erlitt innerhalb von drei Jahren Verluste von über 20 Milliarden
US-Dollar.
+ Zentralbank: Die Öleinnahmen vom Anfang Januar bis zum 15. Januar beliefen sich auf lediglich 371 Millionen US-Dollar. Es werden weiterhin Devisen bereitgestellt, um den Marktbedarf zu decken und die Verfügbarkeit von lebensnotwendigen Gütern auf den Märkten vor dem Ramadan sicherzustellen.
+ Das Parlament genehmigt offiziell den Vorschlag, Lebensmittel und Rohstoffe mit einem Steuersatz von 2 % und persönliche Gegenstände mit einem Steuersatz von 15 % zu besteuern.
+ Nach Bekanntgabe der Einführung einer Warensteuer und einer Devisenumsatzsteuer kommentierte Khalil al-Hassi: „Damit wird den Leuten das Geld gestohlen, um Korruption und das Haushaltsdefizit zu vertuschen.“
+ 85 Parlamentsmitglieder forderten den sofortigen Widerruf der Bekanntmachung bezüglich der Warensteuer sowie die Einstellung aller daraus resultierenden Vereinbarungen oder Verfahren. Es handle sich lediglich um einen Resolutionsentwurf, der zur Diskussion gestellt wurde.
+ Khaled al-Kadiki (Wirtschaftsexperte) erörterte detailliert, welche Maßnahmen nötig sind, um die libysche Wirtschaft zu stabilisieren. Unter anderem forderte er, die auf Devisen erhobene Steuer durch effizientere und weniger marktverzerrende Instrumente zu ersetzen. Die Probleme erforderten ein umfassendes Reformpaket, das neben der politischen und institutionellen Dimension auch monetäre, finanzielle, banktechnische und administrative Aspekte umfassen müsse.
+ Die Bewegung Wille
des Volkes warnte vor den Folgen, die sich aus der Kontrolle
der Großhandelsmärkte durch Nicht-Libyer ergeben. Dies habe direkte
Auswirkungen auf die nationale Sicherheit sowie schwerwiegende langfristige
wirtschaftliche Folgen in Bezug auf Spekulation, die Verknappung
von Devisenreserven und die Kontrolle über viele nationale
Belange.
„Wir wenden uns in Abstimmung mit allen relevanten Behörden und unter Beachtung
der geltenden Gesetze an das Wirtschaftsministerium und fordern
Maßnahmen, um diese Manipulation zu stoppen.“ Die Öffentlichkeit
müsse aufgeklärt werden.
+ Suleiman al-Bayudi (Präsidentschaftskandidat): Das Ziel ist es, Libyen mittels Korruption, Chaos und Plünderung so weit zu bringen, dass es der Weltbank verpfändet werden kann.
+ Mohammed Khalifa al-Akrout (ehemalige Botschafter): Fragen Sie Toyota und die Fabriken, die Panzerfahrzeuge, Drohnen, Gewehre und Minen herstellen, nach dem Verbleib des libyschen Geldes … Fragen Sie die Militärlager und Hauptquartiere … Fragen Sie nach der enormen Höhe ihrer Gehälter und ihrer Lebenshaltungskosten.“
+ Der offizielle Wechselkurs
zum US-Dollar wurde am 18. Januar auf 6,36 Dinar festgelegt.
Der Schwarzmarktwechselkurs
stieg am 22. Januar auf 9,15 libysche Dinar.
+ Mansur al-Ahrasch (Journalistengewerkschaft): „Wenn Korruption nicht ausreicht, dann wertet man eben den Dinar ab.“
+ Achmed al-Khamisi (Oya-Forschungszentrums): Der erneute Wertverlust des Dinars in weniger als einem Jahr seit der vorherigen Abwertung belastet den Bürger durch die steigende Inflation. Die Kaufkraft schwinde und die Preise für Importwaren steigen, während die Regierung von erhöhten Deviseneinnahmen profitiere.
+ Die Zentralbank gab eine Aufstellung der Aufgaben der verschiedenen Regierungen und Institutionen des Jahres 2025 bekannt. Das Devisendefizit betrug 2025 neun Milliarden US-Dollar.
+ Khaled al-Kadiki (Wirtschaftsexperte): Libyen ist für den Konsum zu über 90 Prozent auf Importe angewiesen, was bedeutet, dass jede Änderung des Dollar-Wechselkurses direkte und unmittelbare Auswirkungen auf die nationale Wirtschaft hat.
+ Achmed al-Kurdi (Verbraucherschutzvereinigungen): Die negativen Auswirkungen der Abwertung des Dinar trifft durch die steigenden Preise für Grundnahrungsmittel und Dienstleistungen vor allem die Mittelschicht und Menschen mit geringem Einkommen.
+ Omar
Tntusch (Rechtsgelehrter) warnte davor, dass das anhaltende Einfrieren
von Libyens Staatsvermögen seit 2011 ohne jegliche Möglichkeit, neu
zu investieren, auf eine Bestrafung hinausläuft, da die Vermögenswerte
einem allmählichen realen Wertverlust ausgesetzt seien. Dies bedrohe
den strategischen Sinn der Gelder, die als langfristige Reserve für
den libyschen Staat und zukünftige Generationen dienen sollen.
Es gehe nicht darum, die eingefrorenen Mittel freizugeben, sondern darum, unter
internationaler Aufsicht neue Investitionen in sichere Finanzinstrumente
zuzulassen. Dies könnte die Vermögenswerte vor Abschreibungen, Inflation
und Marktvolatilität schützen, während der internationale Rechtsrahmen
eingehalten wird.
Erdöl / Erdgas
+ Der Generalstaatsanwalt
traf sich mit Schaschak, Nadschi Issa, Massud Suleiman sowie den Ministern
für Finanzen und Wirtschaft, um die Störungen im Management von
Rohölraffinerieprodukten und die Mängel bei der Vermarktung von
Erdölderivaten zu erörtern.
Generalstaatsanwalt
as-Siddiq as-Sour: Wir ermitteln im Fall des Rohöl-gegen-Kraftstoff-Modells
seit 2023. Im Jahr 2024 wurde die National Oil Corporation offiziell
aufgefordert, das Tauschsystem wegen der Verschwendung
öffentlicher Gelder zu beenden. Der Korruptionsverdacht
begründet sich auf den Abschluss von Verträgen mit Unternehmen, die nicht
in der Ölindustrie tätig sind.
Libyen verlor jährlich etwa 1,5 Milliarden
US-Dollar durch das Modell des Öltausches gegen Kraftstoffe. Treibstoffe
würden im Rahmen von Tauschgeschäften zu hohen Preisen und in
Mengen importiert, die den libyschen Bedarf übersteigen.
Insbesondere subventioniertes Benzin und Diesel würden an öffentliche
oder private Einrichtungen geliefert und anschließend ins Ausland geschmuggelt
oder auf dem Schwarzmarkt verkauft.
Rund 70
Prozent der Kraftstoffe und ihrer Derivate gingen an juristische
Personen sowie öffentliche und private Einrichtungen, ohne
dass dies gerechtfertigt wäre. Es sei nachgewiesen, dass der Kraftstoff
in die afrikanischen Nachbarländer geschmuggelt wird.
Es sei absolut inakzeptabel, dass Treibstoffvertriebsunternehmen
in Schmuggelgeschäfte verwickelt sind. Innerhalb dieser Unternehmen
komme es zu Interventionen bewaffneter Gruppen sowie zu Spaltungen
und Konflikten, was die Ermittlung des Treibstoffbedarfs erschwert.
Die Brega Oil Company habe beispielsweise fingierte Krisen
inszeniert, um die Ermittlung des Bedarfs zu verhindern und
weiterhin Treibstoff in Nachbarländer zu schmuggeln zu können. Außerdem
sie zu Finanzierungsquellen für zahlreiche Gruppen geworden.
+ Al-Arab
(London): Angesichts der zunehmenden geopolitischen Spannungen
entwickelt sich Libyen zu einem Instrument der USA, um das Öl
aus dem Golf und den Iran zu ersetzen. Die zentrale Frage laute:
Wird Libyen zu einem Instrument der USA zur Wiederherstellung des
globalen Energiegleichgewichts oder bleibt es ein Gefangener des
inneren Chaos‘? In Riad und Teheran hätten die Bestrebungen
der USA Besorgnis ausgelöst.
Gaddafi hatte die ausländischen Ölgesellschaften verstaatlicht,
was in den 1970er Jahren zu einem Produktionsboom von etwa 1,7
Millionen Barrel pro Tag führte. Mit dem Sturz des Gaddafi-Regimes
im Jahr 2011 brach die Produktion aufgrund bewaffneter Konflikte
und der Teilung zwischen Tripolis und Bengasi ein. Heute bestehe
zwar ein enormes Potential, doch derzeit werden nur 1,2 bis 1,4
Millionen Barrel gefördert.
Heute unterstützten die USA die National Oil
Corporation (NOC), drängten auf ein einheitliches Management
und tätigten Investitionen. Öl diene auch zur geostrategischen
und politischen Einflussnahme. Durch die Straße von Hormus, die der
Iran kontrolliert, werden zwanzig Prozent des weltweiten Erdöls
transportiert.
In Libyen sei deshalb auch eine begrenzte direkte Intervention
möglich, insbesondere, wenn die Bedrohungen durch Russland oder den Iran
in der Region eskaliere. Nachdem 2011 die USA das
Gaddafi-Regimes erfolgreich stürzte, soll Libyen nun zu einem verlässlichen
Energiepartner umfunktioniert werden.
+ Omar Skileh
(Abteilung für Informations- und Kommunikationsangelegenheiten) erklärte, dass
die Ermittlungen zum Treibstoffschmuggel auch Gruppen außerhalb
Libyens umfassen.
Da die Zahlungen für Treibstoff nicht den genehmigten libyschen Standardvorgaben
entsprechen, wurden Haftbefehle gegen den Leiter der
Generaldirektion für Internationales Marketing und den Direktor
der Generaldirektion für Versorgung und Seetransport der Brega Company
erlassen.
Praktiken des Öltausches und der Spotverträge hätten zu einer Verschwendung
von zig Milliarden geführt.
+ Das General Oil Syndicate forderte die Ablösung aller Branchenchefs, die nachweislich in die von der Generalstaatsanwaltschaft aufgedeckten Korruptionsfälle im Zusammenhang mit der Versorgungskrise verwickelt sind. Dies sei eine dringende nationale Pflicht und eine existenzielle Notwendigkeit zum Schutz des Staates.
+ Mohammed
al-Gardsch (Medienvertreter) deckte auf, wie Saddam Haftars Firma Arkano
in den libyschen Ölsektor eingestiegen ist. Es gebe Überschneidungen
der Interessen zwischen dem Ölministerium, der Arabian Gulf
Oil Company und nicht namentlich genannten Banken, die zur
Finanzierung eines Unternehmens hinzugezogen wurden, das nicht älter als zwei
Jahre ist.
Der amtierende Ölminister Khalifa Abdul Sadiq sagte, dass Arkano
eine libysche Aktiengesellschaft für die Ölförderung ist, die
sich im Besitz von Libyern befindet und von libyschen Banken und libyschen
Unternehmen finanziert wird.
Die entscheidende Frage an Dabaiba sei gewesen: Hat Arkano
wirklich eine Milliarde Dollar bezahlt? Und warum wurden
diese Gelder an die Gulf Company und nicht an die National
Corporation oder das Ölministerium überwiesen? Die Antwort
blieb aus.
Die implizite Bedeutung bestehe darin, eine Privatperson ohne
Vermögen oder Erfahrung als Finanzierungsintermediär und anschließend
als Partner im Ölgeschäft einzubinden.
Es bleiben Fragen: welche Banken finanzierten Arkano? Waren es öffentliche
oder private Banken? Welche Garantien gab es für einen Kredit
in Milliardenhöhe an ein Start-up-Unternehmen ohne Vermögen oder Produktionsnachweis?
Warum wurde die Suspendierung nicht umgesetzt? Und was geschah
mit den Ergebnissen des UntersuchungsaAusschusses?
+ Lange Schlangen vor den Tankstellen in Misrata wegen Treibstoffknappheit.
Innerlibysche Nachrichten
+ Präsidentschaftskandidat Slimane al-Bayudi forderte eine klare politische Strategie zur Bildung einer neuen, geeinten, starken und repräsentativen Exekutive, da Dabaibas Gesundheitszustand ihm den Verbleib an der Macht nicht erlaube.
+ Militäranalyst Mohammed Baschir an-Naas: Ohne die Zustimmung des us-amerikanischen Botschafters und die Unterstützung der Warlords in Misrata und Tripolis könnte Dabaiba keine einzige Woche an der Macht bleiben.
+ Mohammed Buysir (politischer Berater) bezüglich des Haftar-Clans: „Ihr werdet für eure Verbrechen gegen das Volk zur Rechenschaft gezogen, und dann ist es vorbei mit euch.“ „Wir wollen uns nicht von einem zionistischen Agenten dominieren lassen, der seit 2015 vor den Toren Tel Avivs bettelt.“
+ Mansur al-Ahrasch (Präsident Journalistenverband): Das Rechnungsprüfungsamt unter Schakschak steht bei der Korruption Pate: Patientenakten und Rechnungen von Kliniken im Ausland werden auf Anweisung von Schakschak nicht geprüft.
Der Staatsanwalt ordnet immer noch regelmäßig eine hohe Anzahl von Verhaftungen aufgrund von Korruption, Fälschungen von Identitätsnachweisen, Gewalttaten und weiteren kriminellen Handlungen an. Auch weil diese Anordnungen nicht immer zu Festnahmen führen, wird auf die Aufführung der Einzelfälle verzichtet.
Migration
+ Reuters
meldete, dass libysche Sicherheitsbehörden ein unterirdisches Gefängnis entdeckten,
das von einem libyschen Menschenhändler betrieben wurde.
Die Behörden befreiten mehr als 200 Migranten aus einem
geheimen Gefängnis in Kufra, wo sie unter unmenschlichen
Bedingungen festgehalten und gefoltert worden waren. Die Gefangenen
stammten aus Subsahara-Afrika.
UN-Mission
+ Laut der UN-Mission
ist der Strukturierte Dialog kein Entscheidungsgremium für die
Wahl einer neuen Regierung, sondern soll praktische Empfehlungen zur
Schaffung eines förderlichen Umfelds für Wahlen erarbeiten.
Die Tagung zum Thema Nationale Versöhnung und Menschenrechte
findet vom 25. bis 29. Januar statt.
+ Die Zeitung asch-Scharq al-Awsat: Der Streit zwischen Parlament und Staatsrat über die Besetzung der Wahlkommission hat erneut Zweifel an der Fähigkeit der UN-Mission aufkommen lassen, die Umsetzung des ins Stocken geratenen Fahrplans voranzutreiben. Hanna Tetteh habe durchblicken lassen, dass sie auf einen alternativen Mechanismus zurückgreifen werde, sollte keine Einigung erreicht werden. Die Unklarheit bezüglich dieses alternativen Mechanismus und der bisherige Mangel an Details haben die Zweifel an seiner Wirksamkeit verstärkt.
+ Zeitung
asch-Scharq al-Awsat: Die UN-Mission steht in Kontakt mit
bewaffneten Gruppen im Westen des Landes, um jeglichen Einsatz
von Gewalt zu verhindern, der den erwarteten Wahlprozess gefährden
könnte. Dabei werde die komplexe Realität in Libyen nicht berücksichtigt.
Jeder politische Weg könne nur dann Erfolg haben, wenn er von
einer rein libyschen Option ausgeht, die den Willen der Bürger
respektiert und ausländischen Interventionen, die reine
Zeitverschwendung sind, ein Ende setzt.
Das Hauptziel der Milizen sei es, mehr Zeit zu gewinnen, um die staatlichen
Institutionen unter ihre Kontrolle zu bringen und den Reichtum des
libyschen Volkes zu plündern. Es gebe keine Alternative zur Integration
oder Auflösung der Milizen im Rahmen eines nationalen Konsenses, der zum Aufbau
einheitlicher, dem Staat unterstellter Sicherheitsinstitutionen
führt.
Sandstürme
+ Für den 18. Und 19. Januar rief
die Hammad-Parallelregierung
aufgrund der zu erwarteten Unwetter den höchsten Alarmzustand in Süd-
und Ostlibyen aus. Alle staatlichen Einrichtungen blieben geschlossen.
Am 20. Januar suchte ein schwerer Sandsturm das östliche Libyen
heim. Video.
In Bengasi kippten Strommasten und Bäume um. Video. Die Stromversorgung
des Wadi-Gattara-Sekundärdamms wurde aufgrund starker Winde unterbrochen.
In Zentrallibyen wurde
der Verkehr u.a. in Dschufra und benachbarten Städten
aufgrund starker Sandstürme und mangelnder Sicht ausgesetzt.
+ Aufgrund der schlechten Wetterbedingungen sank am 20. Januar ein Frachtschiff zehn Seemeilen nördlich des Gebiets Dschebel Akhdar im Osten Libyens. Das mit Maschinen und Marmor beladen Schiff war auf dem Weg in den Libanon. Alle Besatzungsmitglieder konnten gerettet werden.
+ In der östlichen Region
herrschte am 20. Januar von al-Mardsch bis Tobruk aufgrund der
schlechten Witterungsbedingungen Stromausfall.
Die Bewohner des Gebiets Malitania wurden evakuiert, da der Sturm
die Dächer der Häuser abdeckte.
+ Libyan Airlines gab die Schließung des internationalen Benina-Flughafens von Bengasi aufgrund widrigen Wetterbedingungen bekannt.
+ Der schwere Sandsturm führte in mehreren Gebieten im Osten, Zentrum und Westen Libyens zu unterschiedlich schweren Schäden am Stromnetz.
Libyen und das Ausland
+ Algerien/Tunesien/Ägypten. Al-Araby
al-Dschadid (Katar): Es wird ein Treffen der Außenminister der
Nachbarländer Algerien, Tunesien und Ägypten erwartet, um eine politische
Lösung und den libysch-libyschen Dialog zu unterstützen, die Teilung
zu beenden und Parlaments- und Präsidentschaftswahlen zu organisieren.
Das Treffen knüpfe an das Treffen der drei Länder im November 2025 und
die dort getroffenen Vereinbarungen an.
Im arabischen Raum bestehe der Wunsch, eine Verfestigung der
Spaltung in Libyen so wie im Jemen und in Somalia zu verhindern.
+ Frankreich. Bei einem Besuch
in Paris am 16. Januar traf Saddam Haftar auf offizielle Einladung den
Stabschef Frankreichs, General Vincent Girod, sowie den Sonderbeauftragten
von Präsident Emmanuel Macron, Paul Soler. Im Mittelpunkt des Treffens
standen die bilateralen militärischen Beziehungen und eine umfassendere
Sicherheitszusammenarbeit zwischen Libyen und Frankreich.
Frankreich
hält die Stabilität im Süden Libyens wesentlich für die umfassendere Sicherheit
im Mittelmeerraum und in der Sahelzone. (Smiley!)
+ Frankreich. Die französische Botschaft erneuerte ihre Reisewarnung für Reisen in die als rot gekennzeichnete Zone Libyens. Dies betrifft auch die Hauptstadt Tripolis. Misrata und Bengasi werden als zur orangenen Zone gehörig eingestuft; Reisen dorthin sind nur in dringenden Gründen erlaubt.
+ GB. Das britische Außenministerium rät seinen Bürgern aufgrund der Zunahme von regionalen Spannungen von Reisen nach Libyen ab.
+ Russland. Der russische Außenminister Sergej Lawrow erinnerte während einer politischen Attacke gegen Großbritannien an Libyen unter Oberst Muammar Gaddafi. Er sagte, dass Großbritannien den Zusatz „Groß” nicht verdiene. Es sei das einzige Land der Welt, das sich offiziell als „groß“ bezeichnet – mit Ausnahme der Großen Libysch-Arabischen Dschamahirija. Aber diese existiere nicht mehr.
+ Ägypten. Der ägyptische Präsident Abdel Fattah as-Sisi in Davos: Alles, wofür wir seit 2014 kämpfen, ist die Wiederherstellung des Staates in Libyen, Sudan, Libanon, Syrien und Somalia, damit diese Länder unter einer legitimen nationalen Führung ihre Krisen bewältigen können.
+ Weltwirtschaftsforum. In Davos nahm auch der umstrittene Präsidialratsvorsitzende Mohammed al-Menfi teil.
+ UNO. Ezzedine Aqil (Republikanische Koalitionspartei): Heute wiederholte der kanadische Premierminister mit noch größerer Bitterkeit das, was Gaddafi sagte, als er die UN-Charta zerriss. Dasselbe werden noch viele andere sagen – doch Libyen sagte es zuerst.
Aus den Nachbarstaaten
+ Afrika-Cup. „Senegal gewinnt Skandal-Finale im Afrika-Cup gegen Marokko. Der Senegal ist Afrika-Cup-Champion im Jahr 2026. Was nüchtern klingt, hatte beim 1:0 (0:0)-Sieg (Pape Gueye traf in der 94. Minute) nach Verlängerung gegen Marokko ein Zustandekommen, dass wohl für immer im Geschichtsbuch des Weltfußballs stehen wird.“
+ Afrika-Cup: „Die sozialen Netzwerke platzen aus allen Nähten. Anlass ist der »Afrika-Cup«, der am Sonntag in Rabat mit einem Sieg Senegals über Marokko endete. Obwohl der Schiedsrichter offensichtlich als »zwölfter Mann« den Gastgebern den Sieg garantieren sollte und die senegalesische Fußballelf und ihr Anhang sich auch sonst Schikanen und Anfeindungen bis hin zu handfester Gewalt ausgesetzt sahen.“
A. Gutsche