Kurznachrichten Libyen – 1. bis 7. Januar 2026
Proteste in Zawiya, Misrata und Tripolis gegen Dabaiba-‚Regierung‘ und alle politischen Gremien / Proteste vor UN-Mission in Dschanzur: Abhaltung von Wahlen gefordert / Protestierer drohen mit Einstellung der Ölexporte nach Europa / Libyer wehren sich vehement gegen Spaltung des Landes / Saif al-Islam Gaddafi und das Projekt der Volksautonomie / Erbitterter Streit um Wahl des Vorsitzenden der Wahlkommission zwischen Parlament und Staatsrat eskaliert / Agila Saleh: Komitee soll statt neuer Einheitsregierung ohne Ausgrenzungen Parlaments- und Präsidentenwahlen durchführen / Dabaiba wechselt Vorstand der Telekommunikations-Holdinggesellschaft aus / Video mit angeblichem Geständnis von al-Maryami al-Massud vor Prozessbeginn verschwunden / Spannungen zwischen Ägypten und Haftar wegen Unterstützung der sudanesischen RSF / Moussa Ibrahim berichtet über Situation in Venezuela
Demonstrationen/Proteste
+ Die Bewegung Aufstand der Jugend der westlichen Bezirke von Tripolis rief für Freitag, den 2. Januar zu Protesten auf dem Märtyrerplatz in Zawiya auf, um von dort aus nach Tripolis auf den dortigen Märtyrerplatz zu ziehen. Gefordert wurde die Absetzung der überholten politischen Gremien.
+ Mehrere Nächte kam es in Tripolis zu Protesten. Es brannten Reifen und es wurde die Stadtautobahn blockiert. (Fotos)
+ Am 2. Dezember fanden Massendemonstrationen
vor dem Hauptquartier der UN-Mission in Dschanzur statt. Auf
Transparenten forderten die Demonstranten die Abhaltung von Wahlen,
ein Ende der ausländischen Einmischung und ein Ende der Korruption.
An den Protesten
beteiligten sich politische Parteien, verschiedene Organisationen,
zivilgesellschaftliche Vereinigungen und Institutionen. Gefordert
werden gleichzeitige Präsidentschafts- und Parlamentswahlen, während vor
dem Zusammenbruch und totalem Chaos gewarnt wird. (Fotos)
Die Proteste
hielten am 3. Januar an. Die rasche Umsetzung des UN-Fahrplans sei der
einzig praktikable Rahmen für die Organisation von Wahlen.
+ Auch in Misrata fanden am 2. Dezember Proteste statt, bei denen der Sturz aller politischen Gremien und die Abhaltung von Präsidentschafts- und Parlamentswahlen gefordert wurden. Auf Transparenten forderten die Demonstranten ein Ende des Sicherheits-, Wirtschafts- und politischen Chaos‘.
+ Auf dem Märtyrerplatz in Tripolis versammelte sich am 2. Dezember eine große Menschenmenge, die den Sturz aller politischen Gremien und die Abhaltung gleichzeitiger Präsidentschafts- und Parlamentswahlen forderte. (Fotos)
+ Bewegung Aufstand
der Jugend der westlichen Bezirke von Tripolis drohte
damit, die Ölexporte zu stoppen, falls die Forderungen des Volkes
nach der Auflösung illegitimer Gremien und der Abhaltung von Wahlen weiterhin
ignoriert werden.
„Wir werden uns dafür einsetzen, den Export von Öl und Gas zu verhindern,
insbesondere in Länder der Europäischen Union, die weiterhin eine
korrupte Regierung anerkennen und unterstützen, während sie das Leid
der Libyer und dessen Willen ignorieren.
Wir fordern unser Recht auf einen gerechten, souveränen Staat, der nach
dem Rechtsstaatsprinzip regiert wird und dessen Reichtum zum
Wohle aller seiner Bürger verwaltet wird.
Wir lehnen es ab, dass der libysche Reichtum der Bereicherung
korrupter Gruppen und Clans dient, die ihren Einfluss und
ihren Reichtum auf Kosten der Bevölkerung unter sich aufteilen.
Wir verurteilen die eklatante ausländische Einmischung in
libysche Angelegenheiten sowie die politische und finanzielle Unterstützung
für illegitime Machthaber durch einige Länder – einzig und allein, um
unfaire Verträge und Abkommen durchzusetzen.“
+ Es wurde für den 5. Januar zu
erneuten Protesten
vor dem Hauptquartier der UN-Mission in Dschanzur aufgerufen, unter
anderen von Salem
Karwad, Notabler und Mitbegründer der Misrata-Bewegung gegen
Ungerechtigkeit.
Gefordert wird die Bildung einer neuen Regierung und die so
schnell wie mögliche Abhaltung von Präsidentschafts- und Parlamentswahlen.
+ Die Demonstranten
forderten am 5. Januar vor dem Hauptquartier der UN-Mission, dass alle
Länder unverzüglich jegliche Einmischung einstellen und den Willen des
libyschen Volkes respektieren, sein eigenes Schicksal ohne fremde
Vormundschaft zu bestimmen.
„Wir fordern ein Ende der Legitimierung von De-facto-Regierungen, ohne
einen klaren Weg einzuschlagen, der zur Bildung einer neuen und geeinten Regierung
führt, die das Land so bald wie möglich zu freien und fairen Wahlen
führen wird.“
„Wir haben die Nase voll von dieser schlimmen
Situation in Libyen, die seit 2011 anhält, angesichts der globalen
Verhältnisse und des völligen Zusammenbruchs internationaler Gesetze,
die angeblich Demokratie und Menschenrechte schützen sollen.
Wir fordern, dass die UN-Mission die Libyen-Krise nicht fortsetzt
und den libyschen Staat nicht als Instrument für die Zwecke regionaler
Mächte benutzt.
Wir wollen einen Präsidenten für unser Land, denn Libyen
durchlebt eine sehr gefährliche Phase der Spaltung durch regionale Mächte
und deren Einfluss.
Das libysche Volk will keine Spaltung des Landes!“
+ Bewegung Aufstand
der Jugend der westlichen Bezirke von Tripolis verkündete bei
den Protesten vor dem Hauptquartier der UN-Mission, dass die Demonstrationen
so lange andauern werden, bis die Dabaiba-‚Regierung‘ abgesetzt und Wahlen
abgehalten werden.
„Wir werden nicht zulassen, dass die Öleinnahmen weiterhin in den
Taschen korrupter Beamter verschwinden.“
+ Khalil al-Hassi (Medienschaffender): Osama ad-Dabaiba, Sohn von Hadsch Ali, übergab neun Millionen Dinar an einen gewissen al-Adschili, damit dieser die Summe an Demonstranten auszahlt, um diese von der Teilnahme an Demonstrationen in Misrata abzuhalten.
+ Sadiq al-Gharyani
(Moslembruderschaft) rief Dabaiba dazu auf, gegen die Demonstranten
vorzugehen, die Sicherheitsbehörden dürften keine Nachsicht
gegen sie üben.
2011 hatte Gharyani eine Fatwa erlassen, wonach der Kampf
gegen Oberst Gaddafi die Pflicht eines jeden Libyers sei.
Präsidentschaftskandidat Saif al-Islam Gaddafi
+ Garin Saleh,
ehemaliger Botschafter im Tschad: Saif al-Islam Gaddafi gehört zu
den jungen Menschen in Libyen, die das Land aus der Rückständigkeit in den
Fortschritt führen werden. Für sein Projekt Libyen von morgen holte
er damals internationale Unternehmen ins Boot, mit denen es nun umgesetzt wird.
Saif, Sohn der al-Fatah-Revolution, war überzeugt, dass die Jugend
ein neues Projekt brauche, um Libyens Infrastruktur sowie Wohnungsbau-,
Landwirtschafts-, Industrie-, Flughafen- und Kommunikationstechnologieprojekte
zu entwickeln.
Das Projekt Libyen von morgen sei ein Projekt der
Volksautonomie, das heißt, das Volk ist frei in seinen Entscheidungen.
Der Grundstein dafür sei am 2. März mit der Ausrufung der Volksautonomie
gelegt worden. Das Volk wird nicht zurückweichen, sondern voranschreiten
und seinen Willen, seine Souveränität und sein Existenzrecht
durchsetzen.
Das gesamte libysche Volk rufe nach Saif al-Islam, der sein ganzes Leben
für das Volk opferte und dessen Brüder und sein Vater für das Volk
starben. Wer sich jetzt Saif widersetze, sei ein Verräter,
dem es an Weitblick mangle.
„Wir haben eine historische Mission von der al-Fatah-Revolution
geerbt und Saif wird an der Spitze des libyschen Volkes stehen. Und wir
stehen an seiner Seite, ob lebend oder tot.“
Die Antwort an die naiven Feinde des libyschen Volkes sowie an
jene, die Kolonialbasen, Söldner und Verräter ins Land brachten, lautet:
„Wir sind Feinde all dieser unbedeutenden Figuren, denen niemand
Glauben schenken wird, ihnen und ihren falschen Versprechungen.
Diese Leute werden vom Mossad und von westlichen Geheimdiensten sowie von
den Großmächten, die Libyen zerstört haben, rekrutiert.
Sie alle sind Verräter, die dem Volk nicht dienen, und das Volk hat
erlebt, wie sie handeln. Saif al-Islam hingegen ist ein Symbol
des Widerstands und strebt nicht nach Macht, denn die Macht gehört dem
libyschen Volk. Das Volk bestimmt über das Land, und die neue
Generation junger Menschen ist der Visionär.
Libyen liegt in den Händen des Volkes und Saif al-Islam ist dessen
Symbolfigur. Er und die Jugend als die Zukunft Libyens sind das Rückgrat
der Nation.“
Militär/Milizen/Gewalt
+ Am 3. Januar wurde die von Schüssen durchsiebte Leiche von Abdul Salam asch-Schaibani (alias al-Scharqut) in az-Zawiya gefunden.
+ Die Revolutionsgruppe Tadschura warnte die Verantwortlichen des Allgemeinen Sicherheitsdienstes vor schwerwiegenden Konsequenzen, falls Sameh Ayad Abu Hariba nicht freigelassen oder der Justiz übergeben werde. Abu Hariba sei, ohne einem Richter vorgeführt worden zu sein, seit fast einem Monat in Haft.
+ Die Nationale
Menschenrechtsinstitution in Libyen: Die willkürlichen Luftangriffe
des Verteidigungsministeriums der Dabaiba-‚Regierung‘ auf zivile
Einrichtungen in den Städten az-Zawiya, Zuwara und Sabratha
haben Dutzende von Opfern und Verletzten zur Folge.
Dies verstoße gegen das humanitäre Völkerrecht und den
Grundsatz der Verhältnismäßigkeit.
+ Die Nationale
Institution für Menschenrechte verurteilte Dabaibas Empfang
des Schleusers und Schmugglers Mohammed Kaschlaf (alias al-Gasab), der 2018
vom UN-Sicherheitsrat auf die internationale Sanktionsliste gesetzt wurde. Kaschlaf
gehöre vor Gericht gestellt.
Kaschlafs Miliz kontrolliert die Raffinerie von Zawiya
und das dortige Internierungslager.
Ausländische Besatzung
+ Türkei. Kurdische
Nachrichtenagentur ANF: Die Türkei setzt ihre rücksichtslose
Rolle und Unterstützung des Chaos‘ in Libyen fort. Die Ermordung
des Stabschefs von Westlibyen, al-Haddad, sei ein Beweis dafür, dass die Türkei
weiterhin eine Strategie des „Chaosmanagements“ verfolgt, die es als
wichtiges Instrument zur Umsetzung seiner geopolitischen Ziele in der
Region einsetzt.
Al-Haddad sei für seine harte Haltung gegenüber der ausländischen
Militärpräsenz bekannt gewesen, insbesondere der türkischen. Seine Ermordung
werfe ernsthafte Fragen über die Rolle Ankaras auf.
Libyen sei zu einem Schauplatz für Abrechnungen und die Durchsetzung
von Interessen geworden, wobei sämtliche internationalen Konventionen
und die Werte der nationalen Souveränität missachtet wurden.
Ankara behindere jeden politischen Weg, der zu freien Wahlen
und zur Vereinigung des Militärapparats führt.
+ Africa
Intelligence berichtet, dass die Ernennung von Salah ad-Din
an-Namrusch zum Stabschef in der Nachfolge von Mohammed al-Haddad
den türkischen Einfluss innerhalb des libyschen Militärapparats stärkt.
Seine Ernennung werde von Ankara unterstützt.
An-Namrusch sei bekannt für seine Nähe zu Ankara, insbesondere aufgrund
seiner militärischen Kontrolle über die westliche Küstenregion, wo sich
der al-Watiya-Militärstützpunkt befindet, in dem ein türkisches
Bataillon stationiert ist, und in dem türkische Militärausrüstung
gelagert wird.
Es gebe weitere Konkurrenten aus dem Umfeld Ankaras für den Posten des Stabschefs,
Abdel Salam Zubi und Machmud Hamza. Die Türkei selbst konzentriere
sich auf die Aufrechterhaltung seiner militärischen Präsenz in Tripolis,
am Mitiga-Flughafen und auf dem Luftwaffenstützpunkt al-Watiya.
+ Israel. Die kenianische
Investigativ-Site Who Owns
Africa: Israel ist in Libyen involviert. Es gibt geheimdienstliche
israelische Kontakte zu Haftar, der den Osten des geteilten Landes
beherrscht und seine Legitimität stärken will.
Es gibt seit 2021 Kontakte, darunter den Besuch von Saddam Haftar in
Israel, um über Möglichkeiten zur Aufnahme von Beziehungen im Austausch
für Unterstützung zu sprechen. Es wurde auch berichtet, dass israelische
Waffen und Ausbildungsprogramme die Truppen Haftars erreichten. Jason Pack,
Libyen-Experte am Middle East Institute, erklärte, die israelische
Intervention sei opportunistisch. Da Haftar die ölreichen Regionen
kontrolliere, werde jede Unterstützung als potenzielle Verschärfung
der Spaltungen angesehen.
+ Frankreich. Itamilradar:
Ein französisches Aufklärungsflugzeug vom Typ E-3 Sentry
erweiterte seine französische Luftüberwachung über die Küsten von Libyen,
Tunesien und Malta. In den letzten Tagen führte das Flugzeug verstärkt
nachrichtendienstliche Aktivitäten an der libyschen Küste durch, ohne
dass es dazu eine offizielle französische Erklärung gab.
Diese Flugzeuge werden zur Koordinierung alliierter Luftoperationen
eingesetzt, insbesondere da sie von Radar weder erfasst noch verfolgt
werden können.
+ USA. US-Präsident
Trump in einem Telegramm an Präsidialratsvorsitzenden al-Menfi:
Wir fordern die führenden Politiker in ganz Libyen dringend auf, sich zu
engagieren, um die Spaltungen zu beenden, die Gewalt zu
stoppen und einen politischen Prozess zu unterstützen, der die Libyer
vereint.
Trump beschwört auch die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit
us-amerikanischen Unternehmen.
+ Die Partei Stimme
des Volkes (Vorsitz: Fathi asch-Schibli): Da Libyen weder
seine Exporte kontrollieren noch wirtschaftliche Entscheidungen
treffen kann, ist es stärker als Venezuela bedroht. „Wenn das Völkerrecht
Venezuela nicht vor der Logik der Gewalt schützen konnte, kann es
dann Libyen angesichts der politischen Spaltung, des Fehlens
eines geeinten Staates und der Vielzahl von Entscheidungszentren schützen?“
Zwei Szenarien seien denkbar: Entweder rutsche Libyen in die Armut
ab und wird – wenn die Ölpreise einbrechen – zwangsweise an
IWF-Programme gebunden und verliere damit die Kontrolle über seine
Einnahmen.
Oder das venezolanische Szenario wiederhole sich in anderer Form,
wobei Chaos und Spaltung als Vorwand für eine direkte oder indirekte
militärische Intervention dienten, um sich die Kontrolle über Öl und Gas
mit Zwang anzueignen.
Flugzeugabsturz – Tod von al-Haddad und seiner Begleiter
+ Aqila Saleh: Die Weigerung Frankreichs als das Herstellungsland und die Vorbehalte Deutschlands hinsichtlich der Auswertung der Blackbox des Flugzeugs, in dem al-Haddad und seine Begleiter starben, sind verwirrend. Die offiziellen Ergebnisse seien abzuwarten.
+ Der türkische
Verkehrsminister Abdulkadir Oglu: Untersuchungen haben ergeben, dass
der Flugschreiber und die Sprachaufzeichnungsgeräte des Flugzeugs, in
dem sich Haddad und seine Begleiter befanden, beschädigt wurden.
Nur vier Länder sind in der Lage, dieses Problem zu lösen.
Deshalb haben wir beschlossen, die Blackbox in England auswerten
zu lassen.
+ Laut Ezzeldin Aqil (Republikanischen Koalitionspartei): „Großbritannien ist das letzte Land der Welt, das man im Hinblick auf den Flugzeugabsturz als neutral bezeichnen kann. Was Stabschef al-Haddad widerfahren ist, steht in engem Zusammenhang mit den Entwicklungen in Libyen seit 2011 … und London ist einer der Hauptverantwortlichen für diese Entwicklungen.“
Analysen
+ LibyaDesk:
Der Status quo in Libyen bröckelt. Der Dinar stürzt ab.
In Tripolis kommt es fast täglich zu Protesten. Die Lebenshaltungskosten
belasten die Haushalte. Was einst mit Ölgeld überdeckt wurde, funktioniert
nicht mehr.
2026 ist das Jahr, in dem es vorbei ist. Es muss sich etwas ändern.
+ Misbah al-Ali
(Berater des libanesischen Informationsministers): Libyen hat sich in
den letzten Jahren zu einem strategischen Knotenpunkt entwickelt, an dem
Energieinteressen, die Sicherheitsinteressen im Mittelmeerraum, geopolitische
Verschiebungen in der afrikanischen Sahelzone und der Kampf der
Großmächte um internationalen Einfluss aufeinandertreffen.
Das libysche Öl wird in Washington nicht als eine
innerwirtschaftliche Angelegenheit betrachtet, sondern vielmehr als ein Element,
das im Rahmen umfassenderer strategischer Verhandlungen eingesetzt
werden kann, sei es mit Moskau oder sogar mit einigen europäischen
Hauptstädten.
Jede längere Unterbrechung der libyschen Ölproduktion oder die Kontrolle
strategischer Anlagen durch eine unerwünschte Partei stellt
automatisch eine direkte Bedrohung dar.
Auch im Bereich der irregulären Migration nimmt Libyen eine zentrale
Stellung ein, da die zentrale Mittelmeerroute über libysches
Gebiet und Küste verlaufe.
Die Bedeutung des südlichen Libyens nimmt angesichts der raschen
Veränderungen in den afrikanischen Sahel-Ländern – Mali , Niger, Burkina
Faso – von Militärputschen über den Abzug der französischen und europäischen
Streitkräfte bis hin zum Aufstieg der russischen Präsenz zu.
Besetzung der Wahlkommission
+ Der Abgeordnete
Abdul Nasser an-Naas: Die Wahl des Vorsitzenden der Wahlkommission
ist ein dem Parlament innewohnendes Vorrecht und nicht das des
Staatsrats. Der Staatsrat und die Dabaiba-‚Regierung‘ setzten rechtswidrige
Ansichten durch. Dies werde von der UN-Mission nicht verurteilt.
Das Parlament lehnt die Absetzung des jetzigen Vorsitzenden der
Wahlkommission, Imad al-Sayeh, durch den Staatsrat ab.
Laut as-Senussi
Ismail sei es der derzeitigen Wahlkommission unter der Leitung
von Imad as-Sayeh gelungen, die Neutralität der Wahlkommission
angesichts der politischen Spaltung zu wahren. As-Sayeh habe bei der
Durchführung der Kommunalwahlen wertvolle Erfahrungen gesammelt
und einen guten Ruf im In- und Ausland.
[Der Fahrplan der UN-Mission sah nur die Besetzung der drei vakanten Sitze
in der Wahlkommission vor.]
+ Der Konsensblock im Staatsrat: Wir lehnen die einseitigen Maßnahmen des Parlaments in Bezug auf die Hohe Wahlkommission ab. Wir lehnen auch jegliche einseitigen Schritte des Staatsrats in diese Richtung ab.
+ Safwan al-Masouri (Beratendes Mitglied des Staatsrats): Es gibt keine verfassungsrechtliche oder gesetzliche Grundlage für den Staatsrat, den Vorsitzenden der Wahlkommission zu wählen. Es gibt nur die verfassungsrechtliche und gesetzliche Möglichkeit, einseitige Maßnahmen des Parlaments zurückzuweisen.
+ Fathallah as-Sariri (Staatsratsmitglied): Einige Parteien, insbesondere die UN-Mission und die dahinterstehenden Personen, behindern unter fadenscheinigen Vorwänden jegliche Einigung zwischen Staatsrat und Parlament.
+ Laut Khaled Mussa Sakran ( Bürgermeisterkandidat Bengasi): Die Streitigkeiten zwischen dem Staatsrat und dem Parlament dauern an und sind vorsätzlich; sie zielen auf die vollständige Zerstörung Libyens.
+ Die Parlamentsabgeordnete
Fatima as-Suwayi weist darauf hin, dass es zwischen dem Parlament und
dem Staatsrat nie eine wirkliche Überstimmung gab. Der Staatsrat
behindere die Entscheidungen des Parlaments, obwohl er nur ein
beratendes Gremium ist, ohne die Befugnis, eigene
Entscheidungen zu treffen.
Die UN-Mission trage nicht zur Lösung der bestehenden Probleme
bei, sondern vertiefte vielmehr die Differenzen zwischen den
beiden Gremien. Echte Konsensbildung werde erst dann erreicht sein, wenn
die Wahlkommission die Durchführung von Wahlen ernsthaft verfolgt und den notwendige
Rückhalt durch die Sicherheitskräfte erhält.
Das libysche Volk wünsche sich Wahlen und ein Ende der
Übergangsphasen.
+ Am 5. Januar traf sich der Staatsrat,
um den Vorsitzenden der Wahlkommission und drei Mitglieder des
Verwaltungsrats der Wahlkommission zu wählen. Dies erfolgte auf direkten Befehl
von Abdulhamid Dabaiba, der Mohammed Takala anwies, eine ihm loyal
gesinnte Wahlkommission mit Sitz in Tripolis zu bilden. Dies geht auf
Kosten der Unabhängigkeit der Wahlkommission. Damit wird auch die Wahlkommission
gespalten, ähnlich der bestehenden Spaltungen innerhalb der Regierung und
anderer souveräner Institutionen. Damit soll sichergestellt werden, dass
die beiden Clans Haftar und Dabaiba an der Macht bleiben und Einfluss,
Reichtum und Waffen unter sich aufteilen.
Trotz Widerstands innerhalb des Staatsrats setze Takala diesen Kurs
durch und ignorierte Warnungen vor den schwerwiegenden Folgen für den
Wahlprozess und die Einheit der Institutionen.
+ Dazu das Staatsratsmitglied Amina al-Mahdschub: „Als Reaktion auf den Schritt des Parlaments, die Hohe Wahlkommission zu vervollständigen, werden wir unsere Kontrolle über die Besetzung der Posten mit aller Macht durchsetzen.“
+ Die Wahl im Staatsrat um den Vorsitz der Wahlkommission am 5. Januar gewann in der Stichwahl mit 63 Stimmen Salah al-Kamischi (al-Aref at-Teir erhielt 33 Stimmen). 105 von 107 anwesenden Mitglieder stimmten ab.
+ Mohammed al-Alaqi (Allgemeine Anwaltskammer): Die Wahl des Vorsitzenden der Wahlkommission durch den Staatsrat ist ungültig, da sie gegen das politische Abkommen verstößt, das die Besetzung jeglicher Staatsämter regelt.
+ Ahmed Hamza (Nationale Institution für Menschenrechte): Die Wahlen zur Wahlkommission durch den Staatsrat sind eine politisch motivierte Farce, ungültig und außerhalb der Zuständigkeit des Staatsrats.
+ Der Staatsrat meldete technische Probleme bei der Auswahl der weiteren Mitglieder der Wahlkommission aufgrund der großen Anzahl von Kandidaten. Die Wahl wurde auf einen späteren Zeitpunkt verschoben.
+ Khalil al-Hassi
(Journalist): Dieses legislative Monstrum namens Allgemeiner
Nationalkongress ist seit 2012 eine verheerende Katastrophe
für Libyen.
[Die Mitglieder des Staatsrats wurden von verbliebenen Mitgliedern des
Allgemeinen Nationalkongresses nominiert und setzen sich in der Hauptsache aus
Mitgliedern der Muslimbruderschaft zusammen, die es bei den Parlamentswahlen
2014 nicht schaffte, Parlamentssitze zu erringen].
+ Milud al-Aswad (6+6-Komitee): Die Wahl eines neuen Leiters der Wahlkommission durch den Staatsrat hat den Zweck, den Fahrplan der UN-Mission behindern.
+ Diese Wahl soll dazu dienen, die Amtszeit der Dabaiba-‚Regierung‘ zu verlängern, um dem Trump-Gesandten Massad Boulos mehr Zeit für die Bildung der von ihm geplanten Regierung zu verschaffen.
+ Die UN-Mission zeigte sich besorgt über die zunehmenden Spannungen zwischen dem Parlament und dem Staatsrat hinsichtlich der Umstrukturierung der Wahlkommission, die einen der grundlegenden Schritte im politischen Fahrplan darstellt.
+ Mansur al-Hasadi (Staatsrat): Was sich zwischen Parlament und Staatsrat abspielt, ist eine rücksichtslose Missachtung des Schicksals einer Nation, und dies unter der Schirmherrschaft einer UN-Mission, die ihren Kompass verloren hat.
+ Kamel al-Marasch (politischer Analyst): Die UN-Mission möchte keine weiteren institutionellen Spaltungen, um ihre Mission nicht noch weiter zu verkomplizieren. Doch Mohammed Takala verstieß gegen alle getroffenen Vereinbarungen, indem er einen Minister aus der Dabaiba-‚Regierung‘ ernannte.
+ Der EU-Botschafter Nicola Orlando sicherte Mohammed Takala seine Unterstützung für alle Bemühungen und den Dialog mit dem Parlament zu.
+ Die Mitarbeiter des Wahlamtes Sirte lehnten die Wahl eines neuen Leiters der Wahlkommission durch den Staatsrat ab, ebenso wie Mitarbeiter der Wahlämter in Bengasi, al-Mardsch und Tarhuna Maslata.
Parlamentspräsident Agila Saleh zu Parlaments- und Präsidentschaftswahlen
+ Parlamentspräsident Agila Saleh
erklärte, dass die Bildung einer Einheitsregierung unmöglich geworden
sei, und schlug die Bildung eines Komitees zur Durchführung der
Wahlen vor. Mitglied soll der Vorsitzende des Justizrates
sein, der Richter zur Überwachung der Wahlen einteilt.
Auch der Chef der Zentralbank soll dem Komitee angehören, damit
das zugewiesene Budget ohne Rücksprache mit den beiden Regierungen
ausgezahlt werden kann, ebenso wie die Staatssekretäre des
Innenministeriums im Osten und Westen, die für die Sicherung des
Wahlprozesses verantwortlich sein würden. Zur Unterstützung der Sicherheitsbehörden
soll auch je ein Mitglied des 5+5-Komitees aus dem Osten und dem Westen
dazugehören.
Der Leiter der Wahlkommission soll den Wahlprozess administrativ steuern.
„Wenn es nur dann zu Wahlen kommt, wenn eine Einheitsregierung existiert,
ist dies mit den derzeitigen Machthabern unmöglich.“
Weiter sagte Agila
Saleh, dass die Wahlkommission ihre Fähigkeit erklärt habe, im
April Wahlen abzuhalten. Sie habe bereits die Kommunalwahlen erfolgreich
durchgeführt.
Agila Saleh:
Der Staatsratsvorsitzende Takala nahm nicht am Treffen der
Arabischen Liga teil und weigerte sich, mich in Paris zu treffen.
Die Dabaiba-‚Regierung‘, der wir das Vertrauen entzogen haben, kontrolliert
den Präsidialrat und den Staatsrat.
Takalas Position sei klar: Es bestehe kein Interesse an einer Lösung
der Krise. Der Staatsrat sei gegründet worden, um den
libyschen Prozess zu behindern. Aber es gebe patriotisch gesinnte
Mitglieder, mit denen man in Kontakt stehe. Der Staatsrat
sei in sich gespalten.
Saleh
erklärte, sich mit Khaled al-Mischri getroffen zu haben, der eine Lösung
anstrebt. Man werde einen Kompromiss finden.
+ Agila Saleh:
Sollten Saif al-Islam Gaddafi oder Anhänger des ehemaligen Regimes an
den Wahlen teilnehmen, liegt die Entscheidung beim Volk. Wir
wollen ein faires Gesetz, demnach sich alle beteiligen können und
das nur die üblichen Voraussetzungen für eine Kandidatur vorsieht.
Durch die gefälschten Identifikationsnummern sei die Wahl nicht
gefährdet, da die Namen von den Listen gestrichen werden können.
Sollten keine Wahlen stattfinden, werde das Land in Spaltung, Chaos
und Bankrott abgleiten.
„Lasst das Volk entscheiden. Selbst wenn einer [Haftar] die doppelte
Staatsbürgerschaft besitzt, kann das Volk entscheiden, ihn nicht zu
wählen.“
+ Agila Saleh:
Nur Parlamentswahlen durchzuführen, kann Libyens Probleme nicht lösen.
Was wäre das Ergebnis, wenn nur Parlamentswahlen abgehalten
werden? Das Parlament bliebe in Bengasi, der Staatsrat in
Tripolis und die beiden Regierungen im Amt. Nur das
Staatsoberhaupt kann die Spaltung beenden, da es den Premierminister
ernennt.
Die Wahl
eines Präsidenten ist die einzige Möglichkeit, um die Spaltungen
und die Vielzahl der Macht ausübenden Gruppierungen zu beenden.
Die Wahlurne muss entscheiden. Und selbst wenn 100 Personen für
ein Amt kandidieren, ist es das Wichtigste, dass niemand ausgeschlossen wird.
Alle Libyer über 18 Jahre werden ihre Stimme abgeben. Die Libyer
können selbst entscheiden, wen sie als Staatsoberhaupt
wünschen. Und sie können ein neues Parlament wählen.
Nach Wahlen werden sich Libyer aus Bengasi am Märtyrerplatzes im
Herzen von Tripolis einfinden und Demonstranten vom Märtyrerplatz im
Herzen von Bengasi.
Ein Präsident wird das Volk zu seiner früheren Einheit zurückführen
und den Rivalitäten und Konflikten ein Ende setzen.
+ Agila Saleh:
Es gibt keine legitime Regierung ohne Rechenschaftspflicht gegenüber
ihrem Parlament. Daher liegt die Korruption in der Spaltung
begründet. Wie kann die Dabaiba-‚Regierung‘ zur Rechenschaft gezogen
werden, wenn sie keiner parlamentarischen Kontrolle unterliegt? Folglich
können wir das wahre Ausmaß der Staatsverschuldung nicht kennen.
Die Aufsichtsbehörden übten ihre Arbeit nicht unabhängig aus,
insbesondere nicht in Tripolis, wo viele unter Bedrohungen
arbeiten. Jeder kann entlassen werden, so wie es auch beim ehemaligen Chef
der Zentralbank, as-Siddiq al-Kebir, der Fall war.
Es kam auch vor, dass Abgeordnete an der Anreise zu den Sitzungen gehindert
wurden.
+ Die Libysche Nationalbewegung lehnte den Vorstoß von Agila Saleh ab, der die Bildung einer neuen Einheitsregierung überspringen und gleich zu Wahlen kommen will. Es werde damit ein selektiver Weg beschritten und vom Wahlprozess der UN-Mission abgerückt.
Innerlibysche Nachrichten
+ Der Verfassungsgerichtshof
in Bengasi forderte die UN-Mission dazu auf, sich nicht in
Angelegenheiten einzumischen, die nicht in ihren festgelegten Mandatsbereich
fallen, insbesondere in solche, die die Justiz betreffen.
Die Einstufung der aktuellen Situation durch die UN-Mission als verfassungsrechtlicher
Streitfall sei unzutreffend und äußerst gefährlich.
+ Die Nationale
Menschenrechtsinstitution erklärte ihre volle Unterstützung für
die Position des Obersten Gerichtshofs und betonte, dass die Äußerungen
von Agila Saleh unverantwortlich seien, da er die Justiz in
den politischen Konflikt hineinzuziehen versuche. Jegliche Versuche,
Druck auf die Arbeit der Justiz auszuüben oder diese zu beeinflussen
oder ihre Zuständigkeit zu beschränken, stellten einen eklatanten und
klaren Verstoß gegen die Verfassungserklärung und die Rechtsstaatlichkeit
dar.
„Wir rufen alle Mitglieder der Justizorgane, ungeachtet ihrer Rolle und
Position, dazu auf, die Einheit der Justiz zu wahren, ihre Unabhängigkeit
zu verteidigen und sich jeglicher Einmischung in ihre
Angelegenheiten zu enthalten.“
+ Die Nationale
Menschenrechtsinstitution: Die libyschen Behörden müssen dem langjährigen
Leid der libyschen Gesellschaft ein Ende setzen, das sie aufgrund
der sich verschlechternden Sicherheits-, humanitären und Lebensbedingungen
erfährt.
Die weitverbreiteten Verstöße gegen die Menschenrechte und das humanitäre
Völkerrecht müssen im ganzen Land gestoppt, die Straflosigkeit
beendet, die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden.
+ Eine Charta für
Nationale Versöhnung wurde am 7. Januar vom Präsidialrat verabschiedet.
Dabei anwesend waren Mitglieder des Rates für Frieden und Nationale
Versöhnung sowie Botschaftsvertreter. Laut dem Präsidialratsvorsitzenden
al-Menfi müsse die Charta nun mit Leben erfüllt und umgesetzt
werden.
Al-Menfi erklärte den 7. Januar zum nationalen Tag des
Friedens und der Versöhnung.
+ Ali al-Takbali (Parlamentarier): Al-Menfi wird die Libyer nicht hinter einer nationalen Versöhnungscharta vereinen können.
+ Scheich Ali
Misbah Abu Sabiha, Leiter des Versöhnungsteams von Saif
al-Islam Gaddafi, wies Falschaussagen von Saddam Haftar scharf
zurück. Haftar hatte behauptet, Abu Sabiha habe sich mit
Gaddafi getroffen und zwar „unter dem Banner des neuen Libyen,
seiner Hymne und in Anerkennung der neuen politischen Realität“.
Abu Sabiha: „Ihr habt versagt. Erstickt an eurer Wut!“
Wirtschaft / Finanzen
+ Suleiman al-Bayudi (Präsidentschaftskandidat) weist darauf hin, dass fünf Milliarden libysche Dinar, die aus der Besteuerung des Dollar-Umtausches eingenommen wurden, ohne Rechenschaft über die Ausgaben abzulegen, veruntreut wurden.
+ Khalil al-Hassi
(Journalist) warnte vor der Absicht der Zentralbank, US-Dollar für private
Zwecke an Wechselstuben zu verkaufen: „Die meisten dieser Wechselstuben
befinden sich im Besitz von Milizenführern oder Kredithaien.“
Dies würde das Ende der Banken und ihrer Funktionen bedeuten. Devisen
würden in die Hände derjenigen gelegt, die für Chaos und organisierte
Kriminalität stehen. „Die Finanzierung von Geldwäschebüros bedeutet
die Finanzierung bewaffneter Gruppen, die sich seit 15 Jahren gegen
die Idee eines Staates und seiner Institutionen stellen.“
+ Der Finanzanalyst Sabri Daw fragte, woher die Mittel zur Finanzierung der Erhöhung der Militärsolds kommen sollen.
+ Der Wirtschaftsexperte Mukhtar al-Dschadid fragte, woher die 69 Milliarden Dinar für den Wiederaufbaufonds von Belqasim Haftar stammen. Diese Ausgaben ohne Rechtsgrundlage und ohne einen allgemeinen Staatshaushalt seien eine Katastrophe.
+ Dabaiba entließ
den Vorsitzenden der Telekommunikations-Holdinggesellschaft, Yussef
Abu Zwaida, und ernannte Ali Ben Gharbia zu seinem Nachfolger.
Gleichzeitig wurde der gesamte Vorstand ausgetauscht.
Innerhalb des Telekommunikationskonzerns soll ein Kampf zwischen
Ibrahim Dabaiba und Mohammed Dababai, dem Sohn von Abdelhamid
Dabaiba, entbrannt sein.
Kommentar von Hossam al-Gamati (Menschenrechtsaktivist): „Die Dabaibas
hegen einen seltsamen Hass auf das Volk.“
+ Es wurde das Schreiben
veröffentlicht, das Yussef Abu Zwaida vor seiner Entlassung
durch Dabaiba an das Rechnungsprüfungsamt richtete, indem er die Korruption
im gesamten Telekommunikationssektor offenlegte.
Darin heißt es auch, dass der ehemalige Vorstandsvorsitzende 87
Millionen Euro von den Konten des italienischen Unternehmens Buzval
veruntreute, wovon 17 Millionen Euro aus Libyen auf das Konto von Buzval
überwiesen wurden. Mit dem Geld wurden Aktien eines Rüstungsunternehmens
gekauft, das nicht zum Tätigkeitsbereich der libyschen Telekommunikationsholding
gehörte.
+ Die Libya Telecom and Technology Company war ab dem 30. Dezember das Ziel von DDoS-Angriffen (Distributed Denial of Service). Ein Notfallplan wurde in Kraft gesetzt.
Erdöl / Erdgas
+ Die National Oil Corporation (NOC) gibt bekannt, dass im laufenden Jahr 2025 mit durchschnittlich 1,374 Millionen Barrel pro Tag die höchsten Produktionsraten der letzten zehn Jahre verzeichnet wurden. Die gesamte Rohölproduktion im Jahr 2025 belief sich auf 501 Millionen Barrel.
+ Der Libyen-Experte
Dschalel Harchaui deckt eine Diskrepanz von etwa acht Milliarden
US-Dollar bei den von der National Oil Corporation (NOC) für
das Jahr 2025 angegebenen Einnahmen auf.
Auf Basis einer groben Schätzung von Produktionsraten und den dadurch zu
erzielenden Einnahmen von etwa 30 Milliarden US-Dollar und dem von der NOC
angekündigten Betrag von 22 Milliarden US-Dollar ergebe sich eine Differenz
von etwa acht Milliarden US-Dollar.
Für diese Diskrepanz gebe es verschiedene Ursachen, unter anderem
der Verkauf von Rohöl über Arkano.
+ Ölexperte Othman al-Hadhiri: Der Rechnungshofbericht bestätigte die Wirtschaftskriminalität, die von Akteuren aus Wirtschaft, Politik und dem Sicherheitssektor begangen wurde. Er sei allerdings selektiv, da er die nicht weniger schwerwiegender Fälle, allen voran die finanziell angeschlagene Arabian Gulf Oil Company, nicht erwähnte. Auch die Ausblendung der Berichte zu Arkano sei ein Versäumnis, das fachlich nicht zu rechtfertigen ist und das Vertrauen der Öffentlichkeit in den Berichts untergrabe.
+ Der Menschenrechtsaktivist Hossam al-Gamati
veröffentlichte Dokumente, die den Verkauf von 22 Millionen Barrel
Treibstoff an türkische Streitkräfte im Hafen al-Choms belegen. Der
Weltmarktpreis betrage etwa 27,28 Millionen US-Dollar, der Treibstoff
werde offiziell zum subventionierten Preis an die Türkei verkauft. Der tatsächliche
Preis, den die Türkei bezahle, liege aber zwischen dem offiziellen
Subventionspreis und dem Weltmarktpreis. „Welche Rolle spielt
Ibrahim ad-Dabaiba bei diesen Geschäften?“
Mansur al-
Ahrasch: Haftar gibt dem sudanesischen Milizenführer Hemedi kostenlos
Treibstoff, während Dabaiba den Türken Treibstoff zum subventionierten
Preis verkauft.
+ Laut Khalil al-Hassi (Journalist) laufen Verhandlungen, wonach die libysche Zentralbank us-amerikanische Ölgesellschaften unter Umgehung der National Oil Corporation direkt bezahlen soll, um deren Schulden in Höhe von 2,4 Milliarden US-Dollar, die sie vor 2011 hatten, zu begleichen.
+ Laut Sputnik steht Libyen, gemessen an der Größe der nachgewiesenen Reserven, an dritter Stelle der größten Ölfunde in arabischen Ländern im Jahr 2025. Im Ghadames-Becken wurden die seit Jahren größten Entdeckungen gemacht.
UN-Mission
+ Wie es scheint, haben die jüngsten Demonstrationen, bei denen Neuwahlen und die Auflösung aller politischen Gremien gefordert werden, die UN-Mission veranlasst, ihre Bemühungen zur Eindämmung der öffentlichen Unzufriedenheit zu intensivieren und die libyschen Parteien zu politischen Vereinbarungen zu drängen, die die gegenwärtige Pattsituation beenden sollen. So soll das zweite Treffen des Strukturierten Dialogs bereits vom 11. bis 15. Januar stattfinden.
+ Die UN-Mission begrüßte die Bildung eines Vermittlungsausschusses, der sich aus prominenten libyschen Rechtsexperten zusammensetzt, um den Streit über die Verfassungsgerichtsbarkeit beizulegen.
+ Die Libysche
Organisation für Menschenrechte: Die UN-Mission ist nicht in
der Lage, Libyen aus seiner Krise zu helfen.
Sie habe dazu beigetragen, die politische und institutionelle
Spaltung zu vertiefen und die Souveränität des Staates zu untergraben.
Die Einmischung der Mission in Justizangelegenheiten stelle einen
schwerwiegenden Eingriff in eine der wichtigsten Säulen des Staates dar
und sei ein klarer Verstoß gegen die Grundsätze des Völkerrechts, allen
voran gegen den Grundsatz der Souveränität.
+ Sadiq
al-Ghariani (Muslimbruderschaft): Die UN-Mission agiert in
Libyen hinterlistig und sucht nur die schwierigsten Wege. Ihre Mitarbeiter
intrigieren gegen die Libyer.
Die UN-Mission verfolge einen Weg der Täuschung, des Verrats
und der Bosheit. Die Libyer müssten sich erheben, um sie
zu vertreiben, da ihre Anwesenheit eine Aggression gegen das
Volk darstelle.
Weitere Nachrichten aus Libyen
+ Die Generalgewerkschaft der Justizangestellten verurteilte die Erhöhung der Gehälter von Beratern, Richtern und Gerichtsangestellten um vierzig Prozent, während die übrigen Angestellten leer ausgehen. Dies sei eine große Ungerechtigkeit.
+ Die Vereinigung der Patienten mit Muskeldystrophie: Wir machen die Therapeutic Services Support and Development Authority rechtlich und moralisch für die ungerechtfertigte Verzögerung bei der Bereitstellung dringend notwendiger therapeutischer Leistungen verantwortlich.
+ Nachdem ein weiteres Kind an Muskeldystrophie verstarb, erklärte der Vorsitzende der Vereinigung der Patienten mit Muskeldystrophie, dass die meisten Todesfälle aufgrund von fehlenden Medikamenten erfolgen.
+ Die im September 2023 vom Sturmtief Daniel betroffenen Landwirte in den Regionen der Grünen Berge fordern eine Entschädigung, so wie sie Viehhaltern und Imkern gewährt wurde.
+ In Libyen ist die Zahl der Scheidungen in den letzten Jahren deutlich angestiegen. Dies löse zunehmend Besorgnis um den sozialen Zusammenhalt aus. Der Trend zur Scheidung werde durch wirtschaftliche Herausforderungen, psychischen Druck und rasche kulturelle Veränderungen verstärkt.
Libyen und das Ausland
+ USA/Lockerbie. BBC:
Laut dem Verteidigerteam von Abu Agila al-Maryami al-Massud könne
das Verfahren gegen ihren Mandanten, den in die USA verschleppten
al-Maryami, nicht fair sein, denn das Video mit dem angeblichen
Geständnisse von al-Maryami, sei „verloren gegangen oder zerstört“
worden. Da ihn das Video entlastet hätte, sei damit ein Beweismittel der
Verteidigung verschwunden.
Die Verteidigung forderte, die Klage gegen ihren Mandaten abzuweisen,
auch weil sie sich auf Ereignisse vor 37 Jahren beziehe und somit außerhalb
der us-amerikanischen Gerichtsbarkeit liege.
Al-Massud bestritt den Vorwurf, die Bombe gebaut zu haben, die am
21. Dezember 1988 die Maschine des Pan-Am-Flug 103 über Lockerbie zum
Absturz brachte und 270 Menschen starben. Die US-Staatsanwaltschaft
behauptet, Massud habe 2012 während eines Verhörs in einem
libyschen Gefängnis seine Beteiligung an dem Flugzeugbombenanschlag
gestanden.
Massud hatte erklärt, er sei unter Zwang zu einem falschen
Geständnis gezwungen worden. Schottische Ermittler erfuhren 2017
von dem angeblichen Geständnis und erhielten Kopien einer schriftlichen
Erklärung. Die Dokumente wurden den US-Amerikanern übergeben
und waren von zentraler Bedeutung für die Anklage gegen Massud, die am
Jahrestag des Bombenanschlags im Jahr 2020 verkündet wurde.
Die Verteidigung gibt an, dass der libysche Ermittler im Jahr 2024
erklärte, er habe „das Aufnahmegerät gefunden, nicht aber die Aufnahme“.
Die Aufnahme war plötzlich nicht mehr aufzufinden, als der
libysche Beamte im Jahr 2024 aufgefordert wurde, den us-amerikanischen
Strafverfolgungsbehörden eine Kopie davon zukommen zu lassen.
+ Ägypten/Sudan. Al-Araby
al-Dschadid (Katar): Aufgrund Haftars fortgesetzter Unterstützung
der sudanesischen Rapid Support Forces (RSF) kommt es in den
Beziehungen zwischen Ägypten und Khalifa Haftar zu Spannungen.
Haftar habe nur mangelnde Bereitschaft gezeigt, der Aufforderung
Ägyptens nach Einstellung der Unterstützung für die RSF nachzukommen. Haftars
Besuch in Kairo Anfang Dezember 2025 habe in einer angespannten
Atmosphäre stattgefunden.
Der stellvertretende Chef des ägyptischen Geheimdienstes, Generalmajor
Khaled Hussein, besuchte am 29. Dezember Tripolis, um sich mit dem dortigen
Premierminister Dabaiba zu treffen. Kairo habe damit an
Haftar die klare Botschaft übermitteln wollen, dass er nicht der
einzige Verbündete in Libyen ist.
Rückblick
+ Ghassan Salamé
(von 2017 bis 2020 Leiter der UN-Mission): Ich habe damals die Anhänger
des ehemaligen Regimes aufgefordert, sich dem Einigungsprozess
anzuschließen, und das war etwas Neues. Die Idee der Nationalkonferenz
umfasste ein umfassendes Referendum zur Meinungsbildung der Libyer. Die Ergebnisse
sollten auf einer Nationalkonferenz präsentiert werden, auf der eine Einigung
über eine Einheitsregierung und über die Grundlagen für die Ausarbeitung
der libyschen Verfassung erzielt werden sollte.
Zehn Tage vor der geplanten Nationalkonferenz in Ghadames wurde die
Hauptstadt Tripolis von Haftar überfallen.
Libyen ist zersplittert. Was in Libyen geschehen ist, ist eher eine
Zersplitterung als eine Teilung. Die einzelnen Teile hätten in einer
umfassenden Konferenz zusammengeführt werden müssen, nicht in einem Treffen
von Vertretern aus Ost und West.
Salamé
weist darauf hin, dass die über 20 Millionen Waffen, die in
Libyen im Umlauf sind, kein Grund dafür sein können, Wahlen
nicht abzuhalten. „Wie kann man da vor Wahlen eine Entwaffnung erwarten?
Außerdem fanden in Libyen bereits mindestens zwei Wahlen statt,
die relativ akzeptabel waren.“
Die ausländischen Staaten, die in Libyen aktiv sind, lehnten
Wahlen ab, da sie befürchten, ihre bevorzugten Kandidaten würden verlieren.
Die Vorstellung der europäischen Länder, sie hätten einen großen
Einfluss in Libyen, sei falsch. Länder der Region verfügten
über einen viel größeren Einfluss, weil sie die größeren Interessen
haben.
Krieg gegen Venezuela
+ Der Fotograf Salim asch-Schibl weist darauf hin, dass es Libyen 2011 gelang, acht Monate gegen den Nato-Krieg Widerstand zu leisten. Und erklärte: „Was Maduro heute widerfahren ist, ist eine Schande.“
+ Moussa Ibrahim
(Executive Secretary Africa Legacy Foundation/ehemaliger
außenpolitischer Sprecher in Libyen) wollte am 10. Januar „den standhaften
venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro“ wie vorab vereinbart in
Caracas treffen.
„Ich persönlich habe dieses Treffen vorbereitet, um die Söhne und Töchter
sowie die Enkelkinder der historischen Führer Afrikas einzubeziehen,
von Mandela über Lumumba, Nkrumah, Nyerere, Kaunda und Machel,
als kollektiven Ausdruck der Solidarität mit der venezolanischen
Revolution angesichts der us-amerikanischen Arroganz.
Der Besuch sollte auch Volksversammlungen, akademische Vorträge
und Besuche bei revolutionären bewaffneten Gruppen umfassen,
unter denen ich zwischen 2013 und 2014 mehrere Monate lebte.
Nach der Entführung des Präsidenten bestand ich darauf, den Besuch der kolumbianischen
Hauptstadt durchzuführen. Venezolanische Genossen haben mich jedoch nun darüber
informiert, dass alle Transitreisen bis zur Klärung der politischen und
sicherheitspolitischen Lage abgesagt werden müssen.
Ich verhehle nicht meine Befürchtung, dass innerer Verrat die
Verhaftung des Präsidenten begünstigt haben könnte. Gleichzeitig vertraue
ich der venezolanischen Armee, den bewaffneten Revolutionsmilizen
und der dort vorhandenen Solidarität der Bevölkerung und des Kontinents.
Insgesamt hat die regierende Sozialistische Partei die Situation zum jetzigen
Zeitpunkt weiterhin unter Kontrolle. Dies ist ein andauernder Kampf
mit dem westlichen Feind, und wir werden weder der Verzweiflung
erliegen, noch uns dem Rückzug ergeben, bis wir unser gerechtes Projekt
der Befreiung und Einheit erreicht haben.“
+ Moussa
Ibrahim/Venezuela: „Gestern und heute [04./05. Jan.) stand ich in ständigem
Kontakt mit venezolanischen Genossen aus Politik und Militär, die mit den
Gegebenheiten vor Ort bestens vertraut sind. Sie alle bestätigen trotz
ihrer unterschiedlichen Positionen, dass die Lage im Land völlig ruhig und
vollständig unter der Kontrolle der Regierung, der Armee und der bewaffneten
Revolutionsmilizen ist.
Die mit den USA verbundene venezolanische Opposition ist extrem
schwach und verfügt über keine nennenswerte Fähigkeit zur Mobilisierung
der Bevölkerung oder zu militärischen Aktionen. Selbst den
Amerikanern ist diese Realität bewusst.
Es scheint eine vorläufige Übereinkunft mit Trump zu geben, die die Vergabe
exklusiver Ölverträge an Washington sowie Vereinbarungen im Zusammenhang
mit dem Mineralienreichtum des Landes vorsieht, im Gegenzug für die
Freilassung des entführten Präsidenten und die Lockerung des Drucks auf
Venezuela.
Venezolanische Genossen glauben, dass Trumps transaktionsorientierte,
geschäftstüchtige Art eine solche Übereinkunft erleichtern könnte. Natürlich
ist die Situation weitaus komplexer als es Trump selbst oder sein
offen faschistisches Gefolge vorgeben.
Diese Entwicklung stellt einen schweren Schlag für die
Widerstandsfront in Lateinamerika dar. Das Überleben des revolutionären
Staates in Venezuela bleibt jedoch von entscheidender Bedeutung.
Eine entschiedene Reaktion auf die amerikanischen Versuche, ihre Version
von „Demokratie“ durchzusetzen, ist unerlässlich. Die Revolution
kann aus dieser Situation lernen und den Aufbau einer integrierten
militärisch-wirtschaftlichen Achse mit Kolumbien, Brasilien und
möglicherweise Kuba und Nicaragua anstreben.
Die Lösung liegt daher in der Einheit, im Machtaufbau und im fortgesetzten
Widerstand. Die Alternative ist der Verlust von allem: Land,
Souveränität und Reichtum.“
+ Moussa Ibrahim im RT-Interview: „Maduro verkörpert die Fortsetzung des Befreiungskampfes Lateinamerikas.“
+ Indisches Magazin Frontline:
Die Entscheidung Venezuelas, Öl außerhalb des etablierten Dollar-Systems zu
verkaufen, ist der Hauptgrund für Trumps Angriff und die Entführung
des venezolanischen Präsidenten und seiner Frau.
Washington erklärt, dass das Wesen der amerikanischen globalen Hegemonie
nicht nur in der militärischen Macht, sondern auch in der monetären
Hegemonie liegt, und Washington scheint jede Bedrohung dieser Hegemonie
und des US-Dollars als existenzielle Bedrohung zu betrachten.
Was Gaddafi betrifft, so ging es um mehr. Er diskutierte nicht lediglich
die Verwendung eines libyschen Dinars als alternative Abrechnungswährung,
sondern schlug vielmehr ein neues Währungssystem für Afrika vor, in dem
er den Einsatz des goldgedeckten Dinars im Ölhandel und im
innerafrikanischen Handel forderte, was den US-Dollar und den Euro
direkt untergraben würde. Libyen verfügte über enorme
Goldreserven, gewaltige Ölvorkommen und weitreichenden Einfluss
auf dem afrikanischen Kontinent. Die Schaffung eines erfolgreichen, von
westlichen Währungen unabhängigen afrikanischen Währungsblocks hätte die
Finanzstruktur der postkolonialen Abhängigkeit bedroht.
Die NATO-Intervention 2011 zerstörte einen Staat, der es
gewagt hatte, über Währungssouveränität nachzudenken. Libyen
wurde zerstört, Gaddafi getötet und die Idee einer alternativen
afrikanischen Währung wurde unter den Trümmern begraben.
Anders als Irak und Libyen hat Venezuela die Abkehr vom Dollar nicht als
ideologisches Projekt initiiert, sondern wurde durch Sanktionen dazu
gezwungen.
Die Abkehr vom Dollar ist die Erbsünde der gegenwärtigen
Weltordnung; sie ist der einzige Fehltritt, der unverzeihlich,
nicht verhandelbar und irreparabel ist.
+ Der frühere Stratege des Weißen Hauses, Steve Bannon, kritisierte zum Jahreswechsel die ehemalige US-Außenministerin Hillary Clinton scharf dafür, 2011 eine Intervention in Libyen befürwortet zu haben, um Oberst Muammar Gaddafi zu stürzen. Diesen Ansatz verfolge nun auch Präsident Trump, indem er in Venezuela interveniert und mit einer Intervention im Iran droht. Bannon sagte, dass Trumps Vorgehen in Venezuela, das in Richtung Krieg weist, sowie seine Drohung, unter dem Vorwand der möglichen Unterdrückung von Demonstranten militärisch im Iran zu intervenieren, der Vorgehensweise von Clinton folge.
+ Tamer al-Maghazi
(Politischer Analyst): Die Warnung des verstorbenen libyschen Führers
Muammar Gaddafi bewahrheitet sich nun erneut in Venezuela… und wer
wird das nächste Opfer sein?
Vor Jahren habe Muammar Gaddafi auf einem arabischen Gipfeltreffen davor
gewarnt, dass sich das, was dem irakischen Präsidenten Saddam Hussein
widerfahren war, mit anderen arabischen Führern wiederholen würde.
Der Verlauf der Ereignisse bestätigte seine Warnung: der Arabische
Frühling, der eine Reihe von Präsidenten stürzte; die geopolitischen
Verschiebungen, die das Antlitz der Region veränderten; und die ausländischen
Interventionen, die die politische Landkarte neu zeichneten.
Angesichts der beispiellosen Eskalation gegen Venezuela und der Entführung
des Präsidenten und seiner Frau stellt sich heute wieder die Frage
Gaddafis: „Wer wird der Nächste sein?“
Diese Operation ziele nicht nur auf Venezuela ab, sondern sende klare
Botschaften an die Unterdrückten: Absoluter Gehorsam ist der einzige Weg
zum Überleben. Die Botschaft an die Welt lautet, dass die Ära der
nationalen Souveränität bedroht ist.
Diese Politik führe die Welt mit modernen Mitteln
zurück in die Ära des direkten Kolonialismus. Die Lehre aus Gaddafis
Warnung, ungeachtet aller Kontroversen um seine Person, sei es, dass Unterwerfung
keinen Schutz garantiert, sondern ein Vorbote der Niederlage sein
kann.
+ Ali al-Asbali (Crimes Monitoring Organization): Von Venezuela bis Libyen wird die Welt von Gewalt beherrscht und fälschlicherweise als auf Recht basierende internationale Ordnung bezeichnet. Dieses ‚Recht‘ werde außer Kraft gesetzt, sobald der Schwache der Arroganz der Mächtigen zu nahekommt.
Geopolitik
+ Somaliland. Die Times of
Israel: Es wird ein alternativer Korridor zwischen Indien und Europa
geschaffen, Die alternative Route „Indien – Europa“ umgeht den Jemen
und führt durch Somaliland, Äthiopien bis Bengasi.
Der Korridor soll mit Indien im Osten beginnen und mit Israel im
Westen enden, während Italien über den Hafen von Bengasi zur Schaffung
einer Seebrücke nach Europa beitragen könnte. [Dieser sogenannte
Korridor erschließt sich mir nicht].
Von Bedeutung für diesen Korridor sei die kürzliche Unterzeichnung der gegenseitigen
Anerkennung von Israel und Somaliland (westliches Horn von Afrika). Großbritannien
könnte als zweiter Staat Somaliland anerkennen.
Italien sollte eine Vermittlerrolle zwischen den Kriegsparteien
in Libyen spielen.
Der Journalist
Nabil as-Sukni fragte: Werden Mohammed Sawan (Vorsitzender der
Partei Gerechtigkeit und Aufbau/Muslimbruderschaft) und Fathi
Baschagha (ehemals kurzzeitig Premierminister) nach diesen verbrecherischen
Vorschlägen Haftar weiterhin unterstützen, um mit ihm eine gemeinsame
Regierung zu bilden?
Laut Informationen des somalischen Geheimdienstes hat Somaliland
im Gegenzug für eine Anerkennung drei Bedingungen Israels akzeptiert.
Dazu zählt unter anderem die zwangsweise Umsiedlung von Palästinensern in
die abtrünnige Region Somalias.
+ Jemen. Der jemenitische
Präsidentenberater Thabet al-Ahmadi
erklärte zum Putsch des Südlichen Übergangsrats zur Machtergreifung
in den Gouvernements Hadramaut und al-Mahra: Dieses Vorgehen lässt sich
nur im Kontext der Ereignisse in Libyen und des Projekts des zionistischen
Gebildes verstehen.
[7.Jan.: Der gesamte von den VAE unterstützte Südliche Übergangsrat
existiert nicht mehr in nennenswerter Weise, abgesehen von einigen Hochburgen
in einigen Provinzen, obwohl er erst vor einer Woche seine Absicht zur
Unabhängigkeit verkündet hatte.]
Aus den Nachbarstaaten
+ Allianz der Sahelstaaten.
„Basierend auf aktuellen
Berichten aus verschiedenen Quellen gab es in der Nacht vom 3. auf den 4.
Januar 2026 in Burkina Faso einen versuchten Putsch gegen Präsident Captain
Ibrahim Traoré, der jedoch vereitelt wurde. Die burkinische Regierung hat den
Plot auf nationalem Fernsehen als „große Verschwörung“ bestätigt, die von
Verrätern und ausländischen Elementen orchestriert worden sein soll, darunter
mutmaßlich Verbindungen zu Ex-Präsident Paul-Henri Sandaogo Damiba und
ausländischen Mächten wie Frankreich. […] Tausende Burkiner mobilisierten sich
spontan in der Nacht und marschierten zum Palast, um Traoré zu schützen. Dies wird
als Akt der „wahren Liebe“ und Solidarität beschrieben, inspiriert von der
Geschichte des ermordeten Präsidenten Thomas Sankara, dessen Schicksal sie
nicht wiederholen wollen.“
+ Video: „Geheimdienst
in Burkina Faso vereitelt Großputsch. Am Sonntag, dem 4. Januar 2026, erlebte
Burkina Faso einen eindrucksvollen Moment nationaler Solidarität, als sich die
Bürger nach der Abwehr eines geplanten Putschversuchs zur Unterstützung ihrer
Führung mobilisierten.
Glaubwürdigen Geheimdienstinformationen zufolge wurde der Putschversuch
abgefangen, bevor er ausgeführt werden konnte. Sicherheits- und Geheimdienste
überwachten demnach die Kommunikation, identifizierten Ziele und zerschlugen
das Netzwerk ohne Schusswechsel oder Konfrontation. Die Festnahmen erfolgten
friedlich in den späten Abendstunden und deckten Koordinierungsbemühungen auf,
an denen mutmaßlich externe Akteure und interne Komplizen beteiligt waren.
In Städten wie Bobo-Dioulasso versammelten sich Bürger spontan, um ihre
Unterstützung für die MPSR II-Regierung und Hauptmann Ibrahim Traoré zu
bekräftigen und zu erklären, dass Burkina Faso Destabilisierung, Manipulation
und ausländische Einmischung nicht länger dulden werde.“
A. Gutsche
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen