Dienstag, 11. Februar 2020



LIBYEN-KURZMELDUNGEN


Die Kurzmeldungen zu Libyen sind der Website www.welt-im-blick.de entnommen und laufen dort unter der Rubrik "Kurz und knapp in zwei Sätzen".
Der Libyen-Krieg stellte den Beginn einer neokolonialen Offensive des Westens gegen Afrika dar. Ihm vorangegangen war 2011 bereits der französische Kampfeinsatz gegen die Elfenbeinküste. Nun ist Syrien das nächste Opfer. Deswegen werden wir auch über diese Konflikte und die westliche Destabilisierungspolitik in Afrika berichten.
Nun wird gegen Venezuela in der gleichen Strategie verfahren wie einst 2011 gegen Libyen.
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Deutschland: Friedensaktivisten besetzen Bundesamt für Ausfuhrkontrolle

11.2.2020. Rundert 100 Aktivisten des Bündnisses „Krieg beginnt hier“ haben letzte Woche  das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) im hessischen Eschborn besetzt.
Die Friedensaktivisten forden das Amt auf »umgehend alle Genehmigungen für Rüstungsgüter auszusetzen«, da das Bafa über die Ausfuhr von Waffen aller Art entscheidet.

 

Niger: Libyscher Botschafter läuft zur Benghasi-Regierung über

11.2.2020. Der libysche Botschafter in Niger hat sich von der umstrittenen „Einheitsregierung“ in Tripolis, die auf die Unterstützung radikal-islamischer Milizen angewiesen ist, losgesagt und ist in die Reihen der „Übergangsregierung“ von Premierminister Abdullah al-Thani übergelaufen. Dessen Regierung sitzt in Ostlibyen im Raum Benghasi, wird vom gewählten Parlament und vielen Stämmen unterstützt, ihr Militärchef ist der bekannte General Khalifa al-Haftar.

 

 



Kurznachrichten aus Libyen – 07.02.2020

Libyen. Libysche Stämme / Diplomatische Bemühungen / Militärische Lage / Migranten 


Libysche Stämme
+ Die Ölfördermenge des italienischen Energiekonzerns ENI hat sich laut ihres Sprechers halbiert und liegt unter 160.000 Barrel/Tag.
+ Parlamentspräsident Aguila Saleh sagte während eines Treffens mit dem algerischen Minister, Sabri Bogadoum, die Schließung der Ölfelder und die Einstellung des Ölexports durch die Sozialausschüsse und die libyschen Stämme habe gewichtige Gründe. Es soll damit eine gerechte Verteilung der Öleinnahmen und das Austrocknen der Geldquellen für terroristische Gruppierungen, Söldner und Extremisten gewährleistet werden. Diese würden vom türkischen Regime ins Land gebracht, um Libyer zu töten und Chaos und Zerstörung in Libyen und Nordafrika anzurichten.
+ Die EU-Delegation in Libyen teilte auf Twitter ihre Bereitschaft mit, die Gemeinden in der Kyrenaika zu unterstützen. Während eines Treffens zwischen der Delegation und dem Stadtrat von Bengasi sowie den Ältesten und Stammesführern der Cyrenaica betonte der EU-Botschafter die wichtige Rolle der Gemeinden bei der Verbesserung der Grundversorgung.
Seit der Schließung der Ölanlagen durch die libyschen Stämme sind diese plötzlich gefragte Gesprächspartner.

Vereinte Nationen
+ Der UN-Sonderbeauftrage für Libyen, Ghassan Salamé, nannte den 26. Februar als Beginn für die politischen Gespräche in Genf. Was davon zu erwarten ist, eröffnet sich durch ein mitgeschnittenes Gespräch zwischen Salamé und dem Stammesführer Salam Alzwi, das die Libysche Nationalarmee (LNA) wie folgt kommentiert: „Hieraus wird der Umfang der Verschwörung gegen das libysche Volk durch die Moslembrüder und al-Kaida mit Hilfe des UN-Sonderbeauftragten Ghassan Salamé und der UN-Sondermission für Libyen offensichtlich“.
Mitschnitt: „Ich bin Vertreter der südöstlichen Region, ein Gebiet, wo Reiche leben, und ich unterstütze, was die anderen Führer gesagt haben. Aber ich möchte noch etwas hinzufügen, dass für Sie persönlich bestimmt ist. Denn diese neuen Pläne oder Gespräche, und das sage ich direkt zu Ihnen. Ich sage Ihnen, wir haben keinen Bedarf für diese Konferenz. Die Libyer haben dafür keinen Bedarf und ich werde Ihnen sagen, warum. Zunächst, vom militärischen Aspekt des 5+5-Treffens, her gesehen: Es werden fünf Militärs von der Armee dabei sein, aber die anderen fünf sind Milizenführer. Wir wissen es nicht, aber wenn uns die Militärführer das Ergebnis mitteilen, werden wir zustimmen, falls wir einen Nutzen für Libyen darin sehen. Was den politischen Aspekt des Treffens betrifft: 13 Repräsentanten des Staatsrats – alle davon sind Moslembrüder oder von terroristischen Vereinigungen. Sie sind bei diesem Treffen unsere Ansprechpartner. Das ist schon von Anfang an der kritische Punkt. Ausgewählt auf der Basis der Wahlkreise der Kyrenaika, so wie Kreis 1, da wählten sie Mansor al-Hasadi. Dieser Mann ist ein IS-Führer aus Derna. Kreis 2, Fwzi al-Agab, dieser Mann ist als extremistischer Moslembruder bekannt. Kreis 3, Ibrahim Sahad, Ihnen und allgemein bekannt als al-Kaida- und Schura-Führer. Dann gaben sie dem Parlament gleichfalls 13 Sitze und wen haben wir da? Zwei sind von den Kyrenaika-Behörden, ein Amt, das die Moslembruderschaft in Tripolis geschaffen hat, und das die Kyrenaika überhaupt nicht repräsentiert.
[Es wird gefordert, dass für die Genf-Gespräche von den drei libyschen Regionen Tripolis seine 13 Teilnehmer aussuchen soll und Bengasi seine 13 Kandidaten aussucht. Jeder andere Auswahlmodus wird zurückgewiesen.]
https://twitter.com/LindseySnell/status/1225839840840822791?s=20
+ Russland, China und Südafrika haben eine von Großbritannien beim UN-Sicherheitsrat eingebrachte Resolution zurückgewiesen. Es ging dabei um die bei der Berliner Libyen-Konferenz gebilligte 55-Punkt-Roadmap zur Beendigung des Krieges in Libyen. Der russische Botschafter bei der UN: „Die Resolution enthält einige problematische Paragraphen. Wir haben beschlossen, die Gespräche mit den anderen Ratsmitgliedern fortzusetzen.“

Militärische Lage
+ Nachdem es militärisch die letzten Tage relativ ruhig blieb, wurden Luftangriffe der LNA auf Milizen der ‚Einheitsregierung‘ in Abu Grain (etwa 100 km südlich von Misrata) gemeldet. Die LNA gab bekannt, dass um Abu Grain eine große Schlacht zu Lande begonnen habe.
+ Die italienischen Behörden haben das Schiff Bana, das im Hafen von Genua liegt und verdächtigt wird, Waffen von der Türkei nach Libyen unter Umgehung des Waffenembargos zu schmuggeln, beschlagnahmt. Der Kapitän wurde verhaftet.

Diplomatie
+ Der Oberbefehlshaber der LNA, Feldmarschall Haftar, hat in Bengasi eine Delegation des britischen Außenministeriums begrüßt.
+ Der für Frieden und Sicherheit zuständige Kommissar der Afrikanischen Union (AU), Ismail Sharqi, kündigte an, dass am 8. Februar in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba ein Gipfeltreffen zu Libyen und den Sahel-Ländern stattfinden wird. Es geht dabei auch um die Durchsetzung eines Waffenembargos und wie die ausländische Einmischung in Libyen gestoppt werden kann. An dem Gipfel werden 15 Staatsoberhäupter teilnehmen.
Auf dem Gipfel wird über das Treffen des Hohen AU-Ausschusses in Brazzaville sowie über die Ergebnisse der Berliner Konferenz und die Ergebnisse des Treffens der Nachbarländer Libyens vom 23. Januar in Algerien berichtet werden.
+ Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel war zu einem Staatsbesuch in Südafrika. Wichtige Themen bei den Gesprächen mit dem südafrikanischen Präsidenten Cyril Ramaphosa waren Libyen und die Sahelzone. Ramaphosa übernahm unmittelbar nach dem Besuch von Merkel den Vorsitz bei der Afrikanischen Union von dem ägyptischen Präsidenten Abdelfatah as-Sisi. Südafrika ist zusammen mit Deutschland derzeit nichtständiges Mitglied im UN-Sicherheitsrat.
+ Der libysche Parlamentspräsident Aguila Saleh hat in Amman an einer Sitzung des arabischen Parlaments teilgenommen. Am Rande der Sitzung führte Saleh eine Reihe von Gesprächen.
+ Der Außenminister der libyschen Übergangsregierung (Tobruk) Abdulhadi al-Huwaijist ist zu Gesprächen in der marokkanischen Hauptstadt Rabat eingetroffen.
+ Der saudische Außenminister ist zu Gesprächen über regionale Entwicklungen und den Krieg in Libyen in Algerien eingetroffen.

Migranten
+ Tatsächlich hat Italien mit Unterstützung der EU das Abkommen mit der libyschen Küstenwache von Sarradschs ‚Einheitsregierung‘ um weitere drei Jahre verlängert. Die Sarradsch-‚Einheitsregierung‘ erhält weiter Gelder für die Finanzierung und Ausbildung der umstrittenen Küstenwache, die afrikanische Migranten vor der libyschen Küste abfangen und zurück nach Libyen in die Migrantenlager bringen soll. Amnesty International bezeichnete die Verlängerung des Abkommens aus dem Jahre 2017 als „unverständlich“, da im Vergleich zu 2017 mehr über Menschenrechtsverstöße und die katastrophalen Haftbedingungen in den Lagern bekannt geworden ist.
So sei das Migranten-Transitzentrum in Tripolis, das vom Hohen Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen (UNHCR) in Zusammenarbeit mit den libyschen Behörden betrieben wurde, Ende Januar geschlossen worden, da nebenan ein militärischer Komplex der ‚Einheitsregierung‘ errichtet worden war und Militärübungen stattfanden. Hunderte von Migranten sind seitdem auf sich allein gestellt, da die Kämpfe in der Region zugenommen haben. Erst im November sei auch ein Bericht über systematische Menschenrechtsverletzungen, Todesfälle, verschwundene Personen und Korruption in den Lagern veröffentlicht worden.

Montag, 10. Februar 2020



Kurznachrichten aus Libyen – 05.02.2020

Libyen. Staatsgäste geben sich in Bengasi Klinke in die Hand / Algerien schlägt Stammeskonferenz vor / Ölförderung sinkt auf Rekordtief


+ Der frühere deutsche Botschafter in Libyen und MENA-Direktor (Angelegenheiten des Nahen Ostens und Nordafrikas im deutschen Außenministerium), Christian Buck, traf am 05.02. in Bengasi eine Delegation der Stammesführer und den Oberkommandierenden der LNA, Feldmarschall Haftar, zu Gesprächen.
Christian Buck auf Twitter: Hörten heute in Bengasi den Ältesten und Stammesführern zu, zusammen mit @GermanAmbLBY [deutschen Botschafter in Libyen] und @EUinLibya [Vertretern der EU in Libyen]. Das tun wir nicht genug. Dankbar für erfahrungsreiche Ansichten und Perspektiven.
https://twitter.com/GermanyOnMENA/status/1225123516476985346

+ Der algerische Außenminister Sabri Boukadoum traf sich am 05.02. in Bengasi mit einer Delegation des Hohen libyschen Stammesrats und mit dem libyschen Ministerpräsidenten Abdullah al-Thani (Tobruk), um die Beziehungen zwischen den beiden Ländern und die aktuelle Lage in Libyen zu erörtern.
Anschließend traf Boukadoum auch mit dem Oberkommandierenden der LNA, Feldmarschall Haftar, zusammen.
Außenminister Boukadoum lud den libyschen Premierminister Abdullah al-Thani (Tobruk) und Haftar für nächste Woche nach Algerien ein.
Dem Treffen war der Vorschlag des tunesischen Präsidenten Abdelmadjid Tebboune vorausgegangen, entweder in Algier oder in Tunis ein Treffen „aller libyschen Stämme abzuhalten, um mit einem neuen Aufbau der Institutionen zu beginnen, die die Organisation von Parlamentswahlen und die Errichtung neuer Fundamente eines demokratischen libyschen Staates ermöglichen.“
Solche Treffen sollten von den Vereinten Nationen unterstützt werden. Tebboune bestand darauf, dass eine Lösung für den Konflikt in Libyen von den Libyern selbst kommen und „vor ausländischen Einmischungen und Waffenlieferungen geschützt“ werden sollte.
As-Sarradsch von der ‚Einheitsregierung‘ in Tripolis hat ein geplantes Treffen mit dem algerischen Außenminister abgesagt, nachdem dieser zu Gesprächen in Bengasi war.

+ Türkische Behörden gaben bekannt: „Unser Präsident hat ein Telefongespräch mit Angela Merkel geführt. Während des Gesprächs haben beide Seiten die Entwicklung der Situation in Syrien und Libyen erörtert“.

+ Das US-Repräsentantenhaus hat den Premierminister der libyschen Regierung, Abdullah al-Thani (Tobruk), und den Außenminister, Abdul Hadi Al-Hawaij, zu einem Besuch in die USA eingeladen, um deren Lösungsvorschläge für Libyen zu erörtern.

+ Am 16. Februar findet in München wieder die „Sicherheitskonferenz“ statt. Bundesaußenminister Maas möchte die Gelegenheit nutzen, um die Teilnehmer der Berliner Libyen-Konferenz, die größtenteils ebenfalls an der Konferenz teilnehmen, zu einem Folgetreffen zu Libyen einzuladen.
Das Treffen ist für Mitte März geplant.

+ Bereits bis zum 2. Februar wurde die in Berlin am 19. Januar vereinbarte Waffenruhe 110mal gebrochen.

+ Es wird berichtet, dass die Teilnehmer der 5+5-Militärgespräche in Genf nur indirekt miteinander kommunizieren wollen.
Es wurde bei den Berliner Libyen-Gesprächen vereinbart, dass in Genf ein dauerhaftes Waffenstillstandsabkommen ausgehandelt werden soll.

+ Die Ölförderung in Libyen ist auf nur noch 187.000 Barrel pro Tag gesunken. Die Verluste belaufen sich auf 931 Milliarden US-Dollar.
Der UN-Sondergesandte für Libyen, Ghassan Salamé: Die Ölproduktion in Libyen ist schwer geschädigt.
Die ‚Einheitsregierung‘ in Tripolis hat die Gehaltszahlungen für die Petroleum Facilities Guard der stillgelegten Ölfelder eingestellt. Löhne soll es erst wieder nach Öffnung der Ölanlagen geben.
Sheikh Saleh Al-Atyoush, einer der bekanntesten Stammesführer in Libyen, sagte, dass die ‚Einheitsregierung‘ in Tripolis, die National Oil Corporation und die Tripoli Central Bank die Öleinnahmen zur Kriegsfinanzierung benutzten. Es werden damit syrische Söldner und die Türkei bezahlt, während die libysche Bevölkerung leide. Die Öleinnahmen würden verwendet, um Libyer zu töten.

+ Der ehemalige Gaddafi-Vertraute Gaddafi al-Dam: „Wir werden zu den Waffen greifen, um die türkische Invasion zu bekämpfen ... die ‚Einheitsregierung‘ hat 277 Milliarden US-Dollar für Terroristen und Milizen ausgegeben“.

+ UN-Generalsekretär Guterres: „Ich bin über die Vorgänge in Libyen zutiefst frustriert“.

+ Der Vorsitzende des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungskomitees des libyschen Parlaments, Talal al-Mihoub Alobaidy, sagte, dass das libysche Parlament as-Sarradsch und den türkischen Präsidenten Erdogan vor dem UN-Sicherheitsrat anklagen werde.

+ Der libysche Botschafter im Niger sagte sich von der ‘Einheitsregierung’ in Tripolis los und erklärte seine Solidarität mit dem Bengasi-Parlament und der LNA.
Die ‘Einheitsregierung’ hat begonnen, systematisch alle libyschen Botschafter zu entlassen, die nicht mit der Moslembruderschaft in Beziehung stehen. Sie setzt sich dabei auch über libysches Gesetz hinweg, indem sie auch Personen zu Botschaftern macht, die eine doppelte Staatsangehörigkeit haben.


+ Bewohner in Ghat (Südwestlibyen) protestierten gegen die Grenzschließung zu Algerien. Sie benötigten dort dringende medizinische Versorgung.

+ Der Frachter Bana, der im Verdacht steht, türkische Militärfahrzeuge nach Libyen zu liefern, liegt jetzt im Hafen von Genua vor Anker. Der Frachter war vor zwei Tagen in Begleitung von zwei türkischen Militärschiffen vor Tripolis aufgetaucht. Französische Militärquellen hatten berichtet, dass der französische Flugzeugträger Charles De Gaulle das Frachtschiff und die beiden Fregatten abgefangen habe.
Wie ein türkischer Reporter erklärt, habe der Frachter, der unter libanesischer Flagge unterwegs ist, sein AIS-Radarsignal ausgeschaltet, um unsichtbar zu bleiben.
https://www.ilfoglio.it/esteri/2020/02/03/news/la-nave-dei-traffici-d-armi-con-la-libia-e-ferma-a-genova-299873/

+ Auszug aus German-Foreign-Policy.com: „... stehen die Mächte Europas, nachdem sie ihren Einfluss in Syrien verloren haben und auch im Irak mit zunehmenden Forderungen nach dem Abzug ihrer Truppen konfrontiert sind, vor einem weiteren Kontrollverlust in Nordafrika. Das Ruder herumreißen ließe sich aus Sicht der deutschen Eliten womöglich durch eine Militärintervention. Weil Berlin kaum bereit ist, die dominante Stellung der europäischen Mächte in den früheren nordafrikanischen Kolonien preiszugeben, steigt die Gefahr eines Libyen-Einsatzes der Bundeswehr.“
https://www.german-foreign-policy.com/news/news/detail/8175/

+ Aus Sorge um die Sicherheit von Migranten und Mitarbeitern schließen die UN das einzige EU-finanzierte Flüchtlingslager in Libyen. Direkt neben dem Lager in Tripolis werden nach UNHCR-Angaben Militäranlagen errichtet und es finden dort auch Militärübungen statt.
Dies dürfte kein Zufall sein. Die Migranten sollten als menschliche Schutzschilder benutzt werden.

+ Auf publikumskonferenz.de wurde ein lesenswerter Artikel über die heuchlerische Libyen-Berichterstattung in den Medien veröffentlicht.
https://publikumskonferenz.de/blog/2020/02/02/windei-libyen-konferenz/

Donnerstag, 6. Februar 2020

Die Falschheit der Europäer

Libyen/EU/Krieg. Die EU ist alles andere als ein neutraler Vermittler. Während die Türkei in Libyen weiter aufrüstet, werden schon wieder Forderungen nach einer Flugverbotszone laut. 


Ein Artikel im aktuellen Spiegel von Herfried Münkler trägt die Überschrift „Kleiner Weltkrieg“. Dieser Titel mag so falsch nicht sein, störend eher das Prädikat „klein“. Denn dieser Krieg wird auf allen Ebenen, vor allem wirtschaftlich, geführt. Und alle großen Akteure der politischen Bühne, USA, Russland, EU, Nato, Türkei, China, sie alle sind daran beteiligt. Militärisch gekämpft wird in den arabischen Ländern und in Afghanistan; Staatsstreiche angezettelt in Europa, Südamerika, im Iran und anderswo.
Wie vom Spiegel nicht anders zu erwarten, ist für Herfried Münkler klar, wer die Bösen und wer die Guten sind: Erdogan und Putin, da sie nur ihre Eigeninteressen verfolgen, sind mit ihren kleinen Zielen erfolgreich, während die Guten, sprich die Europäer, an ihrem großen Anspruch scheitern, in der Nahostregion eine umfassende „Friedenslösung“ zu erzielen. Sie löschten nicht an „Brennpunkten“, sondern bemühten sich in den zusammenhängenden Kriegen um „Frieden“.
Es darf daran erinnert werden, dass diese „Guten“ all diese Kriege angezettelt haben. Die Nato marschierte in Afghanistan ein, dann besetzte Bush junior mit seiner „Allianz der Willigen“ den Irak. Es folgte der Krieg gegen Libyen und gegen Syrien, natürlich alles unter dem Mäntelchen, ein „unterdrücktes Volk“ von seinen „Diktatoren“ befreien zu wollen. Die hunderttausende von Toten werden für diese „Befreiung“ wirklich dankbar gewesen sein, ebenso wie die Kriegskrüppel und jene, die heute noch unter dem Terror dieser Kriege leben und leiden müssen.

Münkler sieht die Europäer noch im Denken des Ersten Weltkriegs verhaftet, der beendet werden konnte, indem man Deutschland von den zur Kriegsführung nötigen Ressourcen abschnitt und somit zu Friedensverhandlungen zwang. Diese Strategie verfolge Europa heute in Libyen. So versuche man, mit der Durchsetzung des Waffenembargos den Kämpfenden Militärlieferungen vorzuenthalten und somit eine Waffenruhe und Friedensverhandlungen zu erzwingen. Dass diese Strategie nicht aufgehen kann, sieht auch Münkler. Und wenn dies wirklich die Strategie Europas ist, soll auch kein Frieden vermittelt werden, sondern dem Frieden ginge die totale Kapitulation des Gegners und dessen totaler Zusammenbruch voraus.
In Folge der Berliner Libyen-Konferenz setzte eine vorher noch nicht gekannte militärische Aufrüstung in Libyen ein, wobei sich vor allem die Türkei hervortat, die zur Unterstützung der sogenannten ‚Einheitsregierung‘ in Tripolis mit Kriegsfregatten eintraf, um gleich ganze Schiffsladungen militärisches Gerät im Hafen von Tripolis zu löschen, um es in den einzigen noch funktionierenden Flughafen von Tripolis, den Mitiga-Airport, zu schaffen, dazu ein paar tausend frisch eingeflogene Söldner aus den Dschihadistenhochburgen in Syrien. Wie der Sprecher der Libyschen Nationalarmee al-Mismari bemerkte: „ Der Mitiga-Flughafen ist vollständig in eine türkische Militärbasis umgewandelt worden.“

Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell plant, die Operation Sophia wiederaufzunehmen, um vor der Küste Libyens gegen Verletzungen des Waffenembargos vorzugehen. Die Schiffe könnten dann auch wieder zur Rettung afrikanischer Migranten eingesetzt werden. Dagegen hat sich sofort der österreichische Kanzler Kurz ausgesprochen, nach dessen Meinung der EU-Marineeinsatz zwischen 2016 und 2019 wirkungslos war. Kurz sagte: „Die EU sollte sich zusammen mit Partnerländern vielmehr darauf konzentrieren, den Waffenschmuggel nach Libyen am Boden und in der Luft zu kontrollieren.“ Das ist natürlich ein infamer Plan, denn damit hätte die Türkei weiter freie Fahrt in die libyschen Häfen in Tripolis und Misrata, um Militärgerät und sonstige Unterstützung nach Libyen zu schaffen, während Luft- und Boden kontrolliert würden. Wie man weiß, unterstützt Ägypten das säkulare und 2014 demokratisch gewählte libysche Parlament in Bengasi sowie dessen Libysche Nationalarmee (LNA) unter dem Oberkommando von Feldmarschall Haftar. Diese militärische Unterstützung dürfte den Landweg über die lange gemeinsame Grenze nehmen. Und die VAE, die ebenfalls die LNA unterstützen, kommt mit Flugzeugen ins Land.

Doch wie könnte die Überwachung des Bodens und der Luft überhaupt aussehen? Die könnte nur über die erneute Einrichtung einer Flugverbotszone durchgesetzt werden, bekannt aus dem Jahre 2011. Und so ist es nur folgerichtig, dass ein Resolutionsentwurf von heute den gleichen Wortlaut wie 2011 hat:
Im heutigen Resolutionsentwurf steht folgender Passus:
Wir bekräftigen unser entschlossenes Bekenntnis zur Souveränität, Unabhängigkeit, territorialen Integrität und nationalen Einheit Libyens. Nur ein politischer Prozess unter libyscher Führung und in libyscher Eigenverantwortung kann den Konflikt beenden und dauerhaften Frieden bringen.”
In der UN-Resolution 1970 vom Februar 2011 hieß es:
„Wir bekräftigen unser entschlossenes Bekenntnis zur Souveränität, Unabhängigkeit, territorialen Integrität und nationalen Einheit der Libyschen Arabischen Dschamahirija.”
Diese Resolution war die Grundlage für die darauf folgende Resolution 1973, in der die UNO eine Flugverbotszone über Libyen verhängte. Die galt selbstverständlich nur für die Flugzeuge der libyschen Armee, während die Nato mit ihren Geschwadern das Land zerbombte.
Was 2011 aus der „Souveränität, Unabhängigkeit und territorialen Integrität“ Libyens wurde, ist bekannt. Eine neuerliche Resolution mit dem Ziel der Verhängung einer Flugverbotszone würde dem gleichen Ziel dienen: Militärische Unterstützung einer der Parteien, in diesem Falle der Dschihadisten und Moslembrüder in Tripolis, die inzwischen unter Führung des türkischen Präsidenten Erdogan stehen.
Damals wie heute besteht das Ziel des Westens und der EU in einer Spaltung und damit der Schwächung des Landes. Die Hauptstadt Tripolis bliebe mit dem von UN-Gnaden eingesetzten Sarradsch und der National Oil Corporation (NOC) sowie der Libyschen Zentralbank unter Kontrolle der EU. Solange dieses Ziel nicht gesichert ist, soll es keinen Frieden geben. Der Kriegszustand muss eingefroren bleiben. Kein Frieden, der nicht den eigenen Interessen dient – die auch in Europa nicht einheitlich sind. So steht Frankreich auf der Seite der LNA und des Parlaments in Bengasi.

Die ganze Rechnung wird ohne die libysche Bevölkerung gemacht, die sich bei den Wahlen 2014 klar gegen die Moslembrüder stellte, die von insgesamt 188 Sitze gerade einmal 30 Sitze erobern konnten. Die verbleibenden 158 Sitze gingen an säkulare Kandidaten. Das gewählte Parlament wurde vom militärischen Arm der Moslembrüder, der Libyan Islamic Fighting Group (LIFG), also den Dschihadisten unter Führung des al-Kaida-Mannes Belhadsch, aus Tripolis vertrieben und musste nach Bengasi flüchten. Die Moslembrüder riefen in Tripolis eine Gegenregierung aus. Anstatt dass sich die EU nun eindeutig auf die Seite des demokratisch gewählten Parlaments und seiner Regierung gestellt hätte, wollte es – na was wohl: Friedensverhandlungen! – die eine eindeutige Stärkung und Aufwertung der Moslembruderschaft vorsahen und das Parlament mit der Einsetzung der sogenannten ‚Einheitsregierung‘ unter Sarradsch kalt stellten. Mit diesem Vorgehen hat sich Europa nicht nur in Libyen für alle Zeiten diskreditiert.
Die Stämme und Städte in Libyen sprechen sich in ihrer großen Mehrheit auch heute wieder ganz eindeutig für die Unterstützung des Parlaments, deren Regierung und der LNA unter Haftar aus. Sie haben am Tag der Berliner Libyen-Konferenz fast alle libyschen Ölanlagen geschlossen. Mit dem Ölhahn wird der ‚Einheitsregierung‘ in Tripolis unter Sarradsch und Erdogan auch der Geldhahn zugedreht. Die Öleinnahmen können nicht mehr länger dazu genutzt werden, dschihadistische Milizen, Söldner aus Syrien und Waffenkäufe aus der Türkei zu finanzieren.

Aktuelle libysche Karte bezüglich Öl und Militär:
https://twitter.com/reportingLibya/status/1224291503876530179

Nachdem durch die Schließung der Ölanlagen durch die Stämme, die den westlichen Ölmultis Abermillionen an Verlusten bringen wird, eine Friedensverzögerungstaktik durch Friedensverhandlungen nicht mehr erfolgversprechend ist, wird ein härteres Vorgehen wie die Verhängung einer Flugverbotszone ins Gespräch gebracht. Europa stellt sich an der Seite der Türkei gegen das libysche Volk. Nun ist Erdogan plötzlich der Gute, während den Russen mal wieder die Rolle der Bösen zukommt. Und dies, obwohl die Russen nicht direkt in den Konflikt involviert sind, die ‚Friedenskonferenz‘ in Berlin erst ermöglichten, mit der libyschen Bevölkerung und ihrer demokratisch gewählten Repräsentanten und deren Armee sympathisieren und sich die Gesprächskanäle zu allen Konfliktparteien offen hielten. Doch gegen den bösen Russen kämpfen, das geht bei uns immer. Dass Deutschland gegen ein gewähltes Parlament und dessen Armee an der Seite der Dschihadisten in den Krieg in Libyen zieht, käme bei der europäischen Bevölkerung sicher nicht so gut an.
Wenn dann von dem Spiegel-Autor der Oberbefehlshaber der LNA, Feldmarschall Haftar, in einem Satz gleichgesetzt wird mit dem IS in Syrien, dem IS im Nordirak und den Taliban, fragt man sich schon, wie weit die Schizophrenie noch gehen kann.

Deutschland hat mit der BASF-Tochter Wintershall enorme Interessen an den libyschen Ressourcen, ebenso wie Italien mit ENI oder Frankreich mit TOTAL, aber auch Österreich mit OMV. Auch die Europäer gehen über Leichen, über libysche, um den politischen und wirtschaftlichen Interessen zu dienen, verbrämt mit „Friedensbemühungen“. Wenn kein Frieden zu deren Vorteil, dann eben ein endloser Krieg, auch an der Seite der Türkei und der syrischen Dschihadisten. Droht man doch zu verlieren, lässt sich vielleicht eine Flugverbotszone durchsetzen. Die UN ist bei solchen Dingen immer gern behilflich und weiß genau, auf welcher Seite sie steht.
Denkt eigentlich noch jemand daran, welch gute Geschäfte die Europäer mit Libyen vor 2011 machen konnten? Welcher Segen das Land für die Migranten aus Subsahara-Afrika waren, die dort in Brot und Lohn kamen und gar nicht weiter über das Mittelmeer nach Europa wollten? Doch das war nicht genug, es musste mehr sein. Man wollte die totale Kontrolle, auch über die Rohstoffe. Und nun könnte man alles verlieren.

Empfehlenswerter Artikel: https://www.german-foreign-policy.com/news/news/detail/8175/
Darin heißt es in Bezug auf Libyen: "Kriegsgefahr: ... stehen die Mächte Europas, nachdem sie ihren Einfluss in Syrien verloren haben und auch im Irak mit zunehmenden Forderungen nach dem Abzug ihrer Truppen konfrontiert sind, vor einem weiteren Kontrollverlust in Nordafrika. Das Ruder herumreißen ließe sich aus Sicht der deutschen Eliten womöglich durch eine Militärintervention. Weil Berlin kaum bereit ist, die dominante Stellung der europäischen Mächte in den früheren nordafrikanischen Kolonien preiszugeben, steigt die Gefahr eines Libyen-Einsatzes der Bundeswehr."
https://deutsch.rt.com/international/97578-trotz-eu-warnung-vor-neuer/
https://kurier.at/politik/ausland/libysches-erdoel-sprudelt-fuer-oesterreich/400707141
https://publikumskonferenz.de/blog/2020/02/02/windei-libyen-konferenz/

Montag, 3. Februar 2020



Deutschlands Ambitionen im Nahen Osten

Deutschland/Naher Osten. Thierry Meyssan beschreibt auf "Voltairenet" Deutschlands unbeholfene Versuche, auf internationaler Bühne auch militärisch Fuß zu fassen.


75 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs drängt Deutschland zurück auf die internationale Bühne. Das Niveau ist hoch und so ist die Betätigung nicht nur schwierig, sondern auch gefährlich, wenn die diesbezüglichen Erfahrungen historischen Zeiten entstammen. 

29.01.2020

Wie im Plan von Volker Perthes aus dem Jahr 2013 vorgesehen, bereitet sich Deutschland darauf vor, Soldaten in den Nahen Osten zu entsenden. Es scharrt vor Ungeduld mit den Hufen, nachdem ihm die rechtmäßig zustehende Rolle 75 Jahre lang vorenthalten wurde. Es ist eine Frage der nationalen Ehre.
Die Deutschen wollen mit ihrer Armee irgendwo Frieden schaffen, sie, die die Hauptlast der verlorenen Kriege des Nationalsozialismus zu tragen haben.
Zunächst hofften sie, gemeinsam mit den mutigen „Demokraten“ von Idlib siegreich in Damaskus einzumarschieren. Dort! Das sind doch nur Dschihadisten! Dann hofften sie, als Präsident Donald Trump zum zweiten Mal den Rückzug der USA ankündigte, die GIs in Nordsyrien zu ersetzen. Leider behielt das Pentagon die Oberhand und die GIs blieben dort. Deutschland nahm von der Intervention Abstand.
Deutschland verzichtete auch auf ein Eingreifen, als die Türkei eine Operation gegen die PKK/YPG startete, weil es in Deutschland einen großen türkischen und kurdischen Bevölkerungsanteil gibt. Als nächstes hatte Deutschland die Idee, sich für sein Handeln ein humanitäres Alibi zu verschaffen, indem es einen Resolutionsentwurf im US-Sicherheitsrat einbrachte, mit dem es ein empörtes Veto von Russland und China provozierte.
Im Oktober 2019 entsandte Deutschland diskret Experten zu Abd al-Fattah as-Sissi und Scheich Tamim, die das Terrain in Ägypten und Katar erkunden sollten, um schließlich Libyen ins Visier zu nehmen und die Berliner Konferenz am 19. Januar 2020 zu organisieren.
Auch dies erwies sich als ein Schlag ins Wasser. Die beiden Rivalen, Fayez as-Sarradsch und Khalifa Haftar, sprachen nicht einmal miteinander. Trotzdem unterstützte die herrschende Klasse die deutsche Bundeskanzlerin Merkel für ihre „Friedensarbeit“. Das Abschlusskommuniqué beschreibt einen Waffenstillstand, den keiner will und der nur in der Fantasie existiert, und den Einsatzwillen der deutschen Armee, ihn durchzusetzen
Es ist halt nicht so einfach, den Nahen Osten nach 75 Jahren Abwesenheit zu verstehen, schon gar nicht, wenn man sich auf der internationalen Bühne bewegt.
Vielleicht hat Deutschland zusammen mit der Türkei, seinem langjährigen militärischen Verbündeten, eine neue Chance, wenn auch dies nicht so einfach sein dürfte. Die Europäische Union schuldet der Türkei 2,6 Milliarden Euro für den Migrationspakt, wie der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu erklärte. Berlin und Ankara liegen sich seit dem Putschversuch von 2016 in den Haaren, als in der Türkei eine halbe Million Menschen eingesperrt wurde, darunter 59 Deutsche, die sich noch immer in Haft befinden. Und dann gibt es auch noch den Streit um das Gas im Mittelmeer.
Aber es existieren auch viele historische Bindungen zwischen beiden Ländern, im Guten wie im Schlechten (Rudolf Hess war an dem von den Jungtürken begangenen Völkermord an Nicht-Muslimen beteiligt, bevor er das Vernichtungslager Auschwitz leitete und später in den Nürnberger Prozessen zum Tode verurteilt wurde). Es bestehen auch viele zwischenmenschliche Beziehungen, denn die größte türkische Auswanderergemeine seit dem Kalten Krieg lebt in Deutschland.
Seit dem Putschversuch im syrischen Hamah 1982 sind Führer der Muslimbruderschaft in der Bundesrepublik willkommen. Zu Beginn des Krieges gegen Syrien wurde ihnen sogar ein eigenes Büro im Auswärtigen Amt eingerichtet.
Kanzlerin Merkel ist zur Einweihung eines neuen Campus der deutsch-türkischen Universität nach Istanbul gereist. Dabei brachte sie die Bereitschaft zum Ausdruck, der Region zu „helfen“. So bot sie an, 10.000 neue Wohnungen für Menschen zu bauen, die aus Idlib kommen. Meinte sie damit Zivilisten oder Dschihadisten?“

(Thierry Mayssan)

https://www.voltairenet.org/article209062.html


Waffenruhe geplatzt – LNA auf dem Vormarsch

Libyen/LNA/Stämme. LNA nähert sich Misrata/Generalin Naima al-Arabi begrüßt nach Einnahme von Abu Grain die Bevölkerung/Stämme stellen Forderungen. 


Die militärische Lage
Der Libyschen Nationalarmee (LNA) gelang es, weiter in Richtung Misrata vorzurücken und die Stadt Abu Grain, die etwa 100 Kilometer südlich von Misrata liegt, einzunehmen. Die für die Südfront von Abu Grain verantwortliche Befehlshaberin, die LNA-Generalin (!) Naima al-Arabi, begrüßte die Frauen und Männer der Stadt.
https://twitter.com/LNA2019M/status/1221396957685522432
Die LNA nahm auch Gebiete wie Qudijah und Zamzam im Süden von Misrata ein.
https://twitter.com/LibyaReview/status/1221395676321538051/photo/1
Die 114. Tawerga-Brigade der LNA stößt in Richtung Tawerga vor. Die meist dunkelhäutigen Bewohner von Tawerga wurden 2011 aus ihrer Stadt von Misrata-Milizen vertrieben und wollen nun in ihre Heimat zurückkehren.[1] Tawerga befindet sich rund 40 Kilometer südlich von Misrata.
Von der Küsten- und Industriestadt Misrata aus sind es noch etwa 180 Kilometer in westlicher Richtung nach Tripolis. Aus der Hauptstadt Tripolis selbst wird die Explosion eines Munitionslagers der sogenannten ‚Einheitsregierung‘ gemeldet. Bereits seit Tagen wird von Zusammenstößen an der Südfront in Tripolis berichtet. Auch fliegt die LNA nach wie vor Luftangriffe auf Stellungen der Milizen der sogenannten ‚Einheitsregierung‘.
Bereits am Donnerstag hatte LNA-Sprecher al-Mesmari die Verhängung einer Flugverbotszone für den Großraum Tripolis verkündet. Jedes militärische oder zivile Flugzeug, das die Hauptstadt überfliegt, werde – unabhängig von seiner Herkunft – zerstört. Dies betrifft den Mitiga-Flughafen von Tripolis (ehemals Wheelus-Airbase), der nach der Verwüstung des internationalen Flughafens von Tripolis 2014 durch Misrata-Milizen sowohl als Militär- als auch als Zivilflughafen genutzt wird. Von hier stiegen bis in letzter Zeit immer wieder türkische Kampfdrohnen auf. Auch landeten dort und im Flughafen von Misrata Zivilflugzeuge mit syrischen Kämpfern, die aus der Türkei eingeflogen wurden.
Man erinnere sich: Erst vor einer Woche fand in Berlin unter Ausschluss Libyens die große Libyen-Konferenz statt, bei der die vereinbarte Waffenruhe gelobt und vereinbart wurde, weiter über eine Friedensregelung zu verhandeln sowie das Waffenembargo von nun an streng zu kontrollieren. Inzwischen werden nicht nur immer neue Kämpfe, sondern auch Verstöße gegen das Waffenembargo gemeldet. Laut UN-Angaben wurden von verschiedenen Staaten weiterhin Munition und Kämpfer nach Libyen gebracht.[2]

Forderungen der Stämme
Die Ölanlagen in Libyen sind weiterhin geschlossen. Der Scheich des as-Zwaia-Stammes, as-Senussi al-Haliq, gab bekannt, dass die Stämme erst nach Erfüllung folgender Bedingungen bereit seien, die Ölanlagen wieder zu öffnen:
  1. Der sogenannten ‚Einheitsregierung‘ in Tripolis muss die Anerkennung entzogen werden 
  2. . Der Vorsitzende der Libyschen Zentralbank und der Direktor der National Oil Corporation (NOC) müssen ihrer Posten enthoben und durch andere Personen ersetzt werden
  3. . Es muss eine neue nationale Regierung ohne Beteiligung der Moslembruderschaft gebildet werden
  4.  Die Staatseinnahmen müssen zwischen allen drei libyschen Regionen gerecht verteilt werden
https://twitter.com/LNA2019M/status/1221087142903975936
Die Einigung der Stämme schreitet voran. Dieser Tage waren einer Einladung nach Bengasi eine Abordnung der Tuareg und der Tibu gefolgt.
Wie Vanessa Tomassini auf Twitter berichtet, hat der Sozialrat von Misrata zugestimmt, die Einladung des Warfalla-Stammes anzunehmen, am kommenden Dienstag an einem Stammestreffen in Bani Walid teilzunehmen. Es wird von Zerwürfnissen zwischen Misrata und der Moslembruderschaft berichtet. Bei der Stammeskonferenz soll über die 5plus5-Gespräche, die nächste Woche in Genf beginnen sollen, diskutiert werden. In Genf werden je fünf Teilnehmer der ‚Einheitsregierung‘ in Tripolis und der LNA in Bengasi erwartet. Über die zu diskutierenden Themen erfolgte keine Festlegung.
Die Menschen in Libyen leiden seit über sechs Jahren unter den Milizen. Die beste Möglichkeit, sich endlich von ihnen zu befreien, besteht darin, ihnen den Geldhahn – sprich das Öl – abzudrehen. Allerdings stehen jetzt die ‚Einheitsregierung‘ und die Libysche Zentralbank im Verdacht, Goldreserven zu verkaufen, um weiterhin den Krieg gegen das eigene Volk finanzieren zu können. 16 Tonnen Gold sollen zum Vorzugspreis an Katar und die Türkei gegangen sein.
Als Rechtsbruch wird die Unterzeichnung eines Beratervertrages zwischen dem ehemaligen britischen Botschafter in Libyen, Peter Millett, und der NOC (National Oil Corporation) gesehen.
Dem Ausland wird vorgeworfen, sich einzig für die eigenen Interessen zu interessieren als da sind: libysches Öl und Gas; Abschluss von Gewinn versprechenden Verträgen; Stopp der Migration; Bekämpfung des Terrorismus; Möglichkeit von Investitionen. Es ginge dabei weder um das libysche Volk, noch um Demokratie oder die Souveränität des libyschen Staates.

[1] https://www.freitag.de/autoren/gela/der-hilfeschrei-des-tawerga-stammes
[2] https://www.tagesschau.de/ausland/libyen-waffenembargo-verstoss-103.html

Freitag, 31. Januar 2020

Massiver Militäraufmarsch der Türkei

Libyen/Türkei. Zwei türkische Kriegsschiffe vor Tripolis/LNA verschiebt Teilnahme an 5+5+Gesprächen in Genf. 


Die beiden türkischen Fregatten Gaziantep und Qediz sind vor Tripolis aufgekreuzt. Begleitet wurden sie von einem Hubschrauber und einem Frachtschiff, aus dem am frühen Morgen im Hafen al-Shaab türkische Soldaten, schweres Militärgerät, Waffen und Munition ausgeladen wurden. Die türkische Operation wurde von den Tripolis-Milizen Special Deterrence Force und al-Nawasi gesichert. Die Fracht wurde zum Mitiga-Flughafen in Tripolis gebracht.
In ganz Libyen macht sich Entsetzen breit über die erste Anlandung von feindlichen Kriegsschiffen seit der libyschen Unabhängigkeitserklärung und dem Rauswurf ausländischen Militärs im Jahre 1970. Der türkische Präsident Erdogan hatte bei der Berlin-Konferenz noch zugesagt, nicht in Libyen zu intervenieren oder Truppen und Söldner nach Libyen zu schicken.

Es sind auch Berichte von chemischen Waffen im Umlauf, die aus Misrata nach Tripolis geschafft worden sein sollen. Es sollen auch 60.000 Gasmasken nach Tripolis geliefert worden sein.
Auch Flugzeuge der italienischen Luftwaffe kreisen an der libyschen Küste.
Derweil brennt in Tripolis das Hauptgebäude der libyschen Handels- und Entwicklungsbank.
Wie Hohn klingt es da, dass am Montag Gespräche zwischen dem US-amerikanischen Präsidenten Trump und dem türkischen Präsidenten Erdogan stattgefunden haben, in denen beide ausländische Einflussnahme in Libyen verurteilten und sich für einen Waffenstillstand aussprachen.

Es wurde bekannt, dass der Vorsitzende der ‚Einheitsregierung‘ in Tripolis, Sarradsch, im Haushaltplan für 2020 725 Millionen US-$ für sein ‚Kriegsministerium‘ veranschlagt hat. Dieses Geld wird zur Finanzierung syrischer Söldner und türkischer Waffen benötigt. In den sozialen Medien tauchten erneut in Flugzeugen gefilmte Videos auf, die den Transfer von syrischen Söldnern nach Tripolis belegen. Derweil mangelt es der libyschen Bevölkerung an allem, auch an einer ausreichenden Versorgung mit Lebensmitteln.
In Bani Walid beraten die libyschen Stammesführer die neu entstandene militärische Situation. Das Verteidigungskomitee des libyschen Parlaments in Bengasi sagte, „die gegen Libyen gerichtete türkische Aggression“ habe zum Ziel, koloniale Ambitionen zu verwirklichen, die auf der Zerschlagung der Freiheit und der Unabhängigkeit der Völker in Nordafrika und der Plünderung deren Ressourcen abziele. Auch Libyens Nachbarländer wie Tunesien seien davon bedroht.

Die LNA hat die in Berlin vereinbarten 5+5-Gespräche von Militärführern aus Tripolis und Bengasi, die in Genf stattfinden sollten, derweil vertagt und Truppenverstärkung nach Tripolis in Bewegung gesetzt. Sie betont, dass Libyen ein fester Bestandteil der Arabischen Liga sei und sich niemals zum Inhalt osmanischer Großmachtphantasien machen ließe. Außerdem ließ die LNA wissen, dass sie sich nicht als Regierung verstehe, sondern dass eine Regierung, vom demokratisch gewählten Parlament dazu autorisiert, in Bengasi ihr Amt ausübt.
Morgen will der UN-Sicherheitsrat tagen, um den von Großbritannien eingebrachten Resolutionsentwurf über einen dauerhaften Waffenstillstand in Libyen zu erörtern. Es geht dabei um die Überwachung eines Waffenstillstands. Vermutlich soll dieser nach dem Zusammenbruch der Tripolis-Milizen und die militärische Übermacht der LNA nun durch den massiven Einsatz türkischen Militärs erzwungen werden. Es soll um jeden Preis verhindert werden, dass Libyen wieder ein souveränes Land wird und mittels Wahlen über sich selbst bestimmen kann.
Die Gefahr ist groß, dass die Situation in Libyen durch das massive militärische Eingreifen der Türkei weiter eskaliert.

https://www.addresslibya.co/en/archives/category/news
https://www.addresslibya.co/en/archives/53399
https://www.addresslibya.co/en/archives/53385
https://www.thedrive.com/the-war-zone/32002/two-turkish-frigates-appear-of-libya-amid-reports-of-troops-and-armor-landing-ashore
https://twitter.com/LNA2019M/status/1222459042804748293/photo/1