Kurznachrichten Libyen – 02. bis 08. April 2026
Safia Farkasch, Mutter des ermordeten Saif al-Islam Gaddafi, erhebt auch gegen den Zintan-Stamm Vorwürfe und erfährt große Solidaritätsbekundung / Ibrahim al-Madani, der eine Erklärung zum Mord an Saif al-Islam abgeben wollte, entging in Zintan nur knapp einem Anschlag auf sein Leben / Nachdem sich der von Ukraine beschossene havarierte russische Gastanker bei stürmischer See losgerissen hat, treibt dieser weiterhin führerlos im Mittelmeer / Ukrainisches Militär im westlichen Libyen stationiert – Stellvertreterkrieg Nato-Russland in Libyen befürchtet / Tod von Militärstabschef al-Haddad durch Flugzeugabsturz in der Türkei: Waren es die USA/Israel oder war es Russland? / AFRICOM kündigt Flintlock 2026 Militärübung in Sirte an / Massad Boulos USA-Plan für Libyen zementiert Herrschaft von Haftar und Dabaiba – Widerstand formiert sich: neue Allianzen im Westen / USA wollen Kontrolle über libysches Öl- und Gas / Mehr als 40 Prozent der Libyer unterhalb der Armutsgrenze / Dabaiba fordert National Oil Corporation auf, Vertrag zwischen Arabian Gulf Company und Arkano zu kündigen
Saif al-Islam Gaddafi
+ GelaNews:
Safia Farkasch, Mutter des ermordeten Saif al-Islam Gaddafi, klagt an. Sechzig
Tage nach dem Attentat
auf Saif al-Islam Gaddafi prangerte die Mutter von Saif al-Islam Gaddafi
nicht nur an, dass sich die Täter immer noch auf freiem
Fuß befinden, sondern sie erhob auch schwere Vorwürfe gegen den
Zintan-Stamm, unter dessen Schutz sich Saif al-Islam zum Zeitpunkt der
Tat befand.
Mit ihrer Anklage löste Safia Farkasch innerhalb der libyschen
Gesellschaft eine breite Welle von Solidaritätsbekundungen und
Zustimmung zu ihren Forderungen aus.
Die libysche Gesellschaft steht vor der Frage, ob dieser Bruch
des strikten Tabus der Unantastbarkeit des Gastes, das die arabischen
Gesellschaften prägt, bereits ein Zeichen für den Verfall des arabischen
Moralkodexes ist.
+ LibyaPress:
Ibrahim al-Madani, Berater des Präsidialrats für Versöhnungsfragen, entging
am 7. April nur knapp einem Attentat in Zintan. Sein Auto war in
der Nähe des Rathauses unter Beschuss geraten.
Al-Madani habe sich darauf vorbereitet, eine Erklärung zum
Mord an Saif al-Islam Muammar al-Gaddafi abzugeben, die voraussichtlich
offenlegen sollte, dass der Anschlag gegen Saif al-Islam ein bezahlter
Auftragsmord war. Dies habe bereits einen breiten Streit in politischen
und medialen Kreisen ausgelöst.
Der Angriff unterstreiche die Herausforderungen, denen der
Versöhnungsprozess und der politische Übergang ausgesetzt sind, trotz
wiederholter Aufrufe zum Dialog und zur Einheit. Die an den Versöhnungsbemühungen
Beteiligten arbeiteten oft in einem äußerst sensiblen Umfeld,
in der politische Spannungen und konkurrierende Interessen schnell
eskalieren können.
Der Angriff wecke erneute Bedenken hinsichtlich der äußerst
gefährlichen Sicherheitslage im gesamten Land, wo Gewalt, außergerichtliche
Tötungen und Verbrechen weiterhin zunehmen, insbesondere im politischen
Umfeld.
Die zuständigen Stellen wurden aufgefordert, eine Untersuchung der
Umstände des Vorfalls einzuleiten.
+ Mohammed Khalifa al-Ku (Universität Zintan): Die Operation zur Beseitigung von Saif al-Islam wurde stark von mächtigen und einflussreichen Akteuren innerhalb und außerhalb Libyens unterstützt. Jeder, der darüber spricht oder sich bemüht, diese Angelegenheit aufzudecken, wird mit Bedrohungen und Anschlägen konfrontiert.
+ Al-Arabiya
(Saudi-Arabien): Die Verzögerung bei der Aufdeckung der Mörder von Saif
al-Islam Gaddafi sowie die Unterlassung der Bekanntgabe der Identität
der Täter oder ihrer Festnahme werfen Fragen auf.
Es gebe auch Fragen zur Rolle des Präsidialrats, insbesondere nach seiner
Beauftragung eines internationalen juristischen Teams mit der Sammlung
von Beweisen und Indizien zur Aufdeckung der Wahrheit.
Es könnten eine oder mehrere Parteien bestrebt sein, die Täter
zu schützen oder Druck auf den Generalstaatsanwalt auszuüben, um ihre
Identitäten nicht der Öffentlichkeit preiszugeben und sie nicht
festzunehmen – insbesondere in Kreisen, die von der Ermordung
Saif al-Islams profitieren.
Bei der Staatsanwaltschaft stapelten sich Fälle von Kriegsverbrechen
und Korruptionsvorwürfen, die in den Archiven landen und Anklagen,
die gegen Unbekannt erhoben wurden, da einflussreiche Personen
darin verwickelt sind.
Der Druck auf die Stellen, die mit der Ermittlung zum Mord an Saif al-Islam
beauftragt sind, wachse, die Ermittlungen zu beschleunigen, die Wahrheit
aufzudecken, die Verbrecher und ihre Mittäter festzunehmen
und zur Rechenschaft zu ziehen.
Havarierter russischer Gastanker
+ Libysche Seeverkehrsbehörde: Der von der Ukraine attackierte russische Gastanker Arctic Metagaz treibt wieder führerlos auf dem Mittelmeer. Alle Schiffe und Marineeinheiten wurden angehalten, das Gebiet zu meiden bzw. mindestens zehn Seemeilen Abstand vom Tanker zu halten. „Wir mahnen zu äußerster Vorsicht und Wachsamkeit und bitten um sofortige Meldung von jedem Schiff, das den Tanker sichtet oder eine Veränderung seines Zustands, wie z. B. Lecks, Rauch oder Emissionen, feststellt.“
+ Im Rahmen eines EU-Katastrophenschutzverfahrens unterstützt auch ein Experte der Münchner Feuerwehr in Zusammenarbeit mit einem internationalen Team die Rettungsmaßnahmen für die Arctic Metagaz.
+ Der WWF warnte bereits Mitte März davor, dass es katastrophale Auswirkungen auf die Natur haben werde, gelangen aus dem Tanker Giftstoffe ins Meer.
Stellvertreterkrieg in Libyen
+ Radio France
International: Ukrainische Soldaten wurden im Westen Libyens
im Rahmen eines verdeckten Krieges gesichtet, der auf dem
afrikanischen Kontinent zwischen der Ukraine und Russland auch
in Libyen geführt wird. Hinter dem Angriff auf den russischen
Gastanker stecke die ukrainische Armee, da mehr als 200 Offiziere
und Experten der ukrainischen Armee im Rahmen einer Vereinbarung mit der
Dabaiba-‚Regierung‘ in Westlibyen an drei Standorten stationiert
sind. Experten, die den Angriff auf den russischen Gastanker
untersuchten, stellten fest, dass dieser vom Stützpunkt bei Mellitah aus
gestartet wurde. Dort ist ukrainisches Militärpersonal stationiert.
Ukrainisches Militär sei zum einen an der Luftwaffenakademie in Misrata
stationiert, wo sich auch türkische und italienische Streitkräfte
sowie Streitkräfte des US Africa Command (AFRICOM) aufhalten, und
wo sich auch ein britisches Nachrichtendienstzentrum befindet.
Außerdem verfügten die Ukrainer über einen zweiten voll
ausgestatteten Stützpunkt für den Start von Luft- und See-Drohnen in
der Stadt Zawiya (50 Kilometer nördlich von Tripolis), d.h. in der Nähe
des Ölkomplexes Mellitah. Daneben stehe ihnen ein Gelände in Tripolis
mit direktem Zugang zum Meer zur Verfügung.
Ein dritter Standort befinde sich im Hauptquartier der 111. Brigade
an der Straße zum Flughafen Tripolis und sei insbesondere ein Treffpunkt
für die Milizen unter der Kontrolle von Abdul Salam Zubi
(Verteidigungsministerium der Dabaiba-‚Regierung‘).
Die Einrichtung von ukrainischen Militärpräsenzen in Libyen sollte
eigentlich geheim bleiben, nachdem die Dabaiba-‚Regierung‘ im
vergangenen Oktober auf offizielle Bitte des ukrainischen
Militärattachés in Algerien, Generalmajor Andriy Bayuk, ein Abkommen
mit einem ukrainischen Militärberater in Tripolis unterzeichnete.
Im Gegenzug schule die ukrainische Armee Angehörige der libyschen
Armee, insbesondere im Umgang mit Drohnen. Das Abkommen sehe
außerdem langfristige Waffenlieferungen und ukrainische Investitionen
im libyschen Ölsektor vor.
+ Radio France
Internationale: Ein hochrangiger russischer Geheimdienstmitarbeiter
sei vor einiger Zeit vor der libyschen Küste getötet worden, worauf als
Reaktion darauf der westlibysche Generalstabschef al-Haddad bei einem
Flugzeugabsturz in der Türkei ermordet worden sein soll.
Der russische Geheimdienstmitarbeiter habe sich an Bord des Öltankers
Qandil befunden, der im Rahmen eines verdeckten Krieges
zwischen Kiew und Moskau in Libyen mit Unterstützung von Dabaiba
von Ukrainern angegriffen wurde.
Auf dem Öltanker Qandil befanden sich als Matrosen verkleidet zehn
hochrangige russische Geheimdienstmitarbeiter. Bei dem ukrainischen
Angriff wurden zwei Menschen getötet und sieben weitere verletzt,
darunter General Andrei Avriano, ein hochrangiger russischer
Geheimdienstmitarbeiter, der als Kandidat zur Übernahme des Kommandos des
russischen Afrika-Korps galt. Er verfügte über umfassende
Afrikakenntnisse, insbesondere durch Reisen nach Bengasi.
Sein Tod sei ein schwerer Schlag für Russland, das diese
Todesfälle weder offiziell bestätigt noch dementiert hat, aber eine starke
Reaktion ankündigte.
Nur eine Woche später, am 23. Dezember, sei der westlibysche Staatschef
Mohammed al-Haddad in der Türkei bei einem Flugzeugabsturz getötet
worden. Seit der Auswertung der beiden Flugschreiber sei keine offizielle
Stellungnahme abgegeben worden.
Während einige die Türkei beschuldigen, glauben andere, es
handle sich um einen russischen Racheakt.
Russland hat die Anschuldigungen von Radio France zurückgewiesen.
+ Dogu Perincek,
Vorsitzender der türkischen Nationalpartei: Die Operation zum
Abschuss des Flugzeugs, das den Tod des libyschen Generalstabschefs
Mohammed al-Haddad zur Folge hatte, war eine gemeinsame Operation von
Israel und den USA.
Jeder, der sich nicht an die Nato-Strategie halte, werde als Bedrohung
wahrgenommen und ins Visier genommen.
Zeitgleich mit dem Abschuss des Flugzeugs habe Israel eine türkische
C-130-Transportmaschine abgeschossen, die in Aserbaidschan gestartet
war und 34 türkische Soldaten an Bord hatte. Die Ergebnisse
dieser Untersuchung wurden noch nicht veröffentlicht.
Wenn die Bedrohung von Israel und den USA ausgehe,
herrsche in der Türkei Schweigen.
+ Machmud Hamza,
Kommandeur der 444. Kampfbrigade und Leiter des militärischen
Geheimdienstes der Dabaiba-‚Regierung‘, bei der Konferenz der militärischen
Geheimdienste der Länder des Sahels und des Mittelmeers: Wir weigern
uns, dass Libyen zum Schauplatz für die Abrechnung anderer wird, für Kriege,
die uns nichts angehen, und sträuben uns dagegen, dass unser Land
in neue Konflikte mit welcher Partei auch immergezogen wird.
Die südlichen Grenzen seien zu einem Einfallstor für vielfältige
Bedrohungen geworden, vom Terrorismus bis hin zum Waffenschmuggel.
Daher müsse es eine echte nachrichtendienstliche Integration geben.
Massad Boulos‘ USA-Plan für Libyen
+ Ramadan
an-Nafati :Die USA konzentrieren sich auf beide Seiten: Tripolis,
das die Finanz- und Ölinstitutionen verwaltet, und Bengasi, das
die Förderstätten kontrolliert. Sie beschränkten die Verhandlungen
auf einflussreiche Persönlichkeiten der beiden Seiten.
Der us-amerikanische Plan basiere auf der Annahme, dass eine politische
Einigung den Aufbau einer gemeinsamen Militärmacht erfordert, die
die Wahrscheinlichkeit einer Konfrontation verringert und für Sicherheit
rund um die Ölfelder und an den Grenzen sorgt, um hinterher
die Energiefrage zu lösen.
Libyen stelle für die USA im Rahmen einer umfassenderen
Strategie zur Neuausrichtung des Einflusses in Nordafrika und der Sahelzone
eine Priorität dar, angesichts seiner Lage und seines Ölreichtums,
insbesondere im Hinblick auf das Eskalationspotenzial im Iran. Libyen
könne Versorgungsengpässe in Europa ausgleichen und dies beunruhige
die USA.
+ LibyaPress:
Die USA verfolgen in Libyen eine neue Strategie unter dem Namen Plan
Dezember oder Strategie zur Verteidigung der nationalen
Sicherheit oder Plan Boulos.
Die Strategie ziele darauf ab, Libyen von einer Dauerkrise
in eine Zone der weichen Stabilität umzuwandeln, um den wirtschaftlichen
und geopolitischen Interessen der USA zu dienen, und um die von den
Russen und Chinesen in Nordafrika und im Sahel hinterlassenen
Lücken zu schließen.
Die Strategie erfordere die schnelle Durchführung von Wahlen,
insbesondere nachdem Saif al-Islam Muammar al-Gaddafi mittels Mord
beseitigt wurde.
Die Strategie basiere auf einer politischen und einer
militärischen Achse, die politische ist bekannt durch den Plan
Boulos, der eine exekutive Regierung hervorbringen soll, die den USA
unterstellt ist.
Die militärische Achse werde von den AFRICOM-Truppen eingebracht,
wonach der Generalstab in drei Stabsbefehle für die Regionen
Barqa, Tripoli und Fessan aufgeteilt wird, was eine spätere
Teilung Libyens erleichtern würde.
Im ar-Radschma-Lager (Haftar Lager) herrsche große Uneinigkeit
zwischen Khalifa Haftar, der eine Eskalation fürchtet, und Saddam
Haftar, der die Militäruniform durch zivile Kleidung ersetzen
möchte.
Es gebe auch Bedenken hinsichtlich des sogenannten Militärrats von
Misrata, der es ablehnt, mit Khalifa Haftar zu verhandeln.
Die USA seien zuversichtlich, dass ihre Anweisungen umgesetzt
werden. Boulos habe allen befohlen, den Plan gemäß den
us-amerikanischen Vorgaben vorzubereiten.
+ Naima al-Hami (Staatsrates): Mohammed Takala stellte die Initiative von Massad Boulos vor. Sie sehe die Zusammenlegung der West- und der Ostregierung vor sowie, dass die UN-Mission diesem Plan zustimmt. Saddam Haftar solle Präsident des Präsidialrates in einer neuen Exekutivgewalt werden und Abdulhamid Premierminister bleiben.
+ Amina
al-Mahdschub (Staatsrat): Wir haben mit entschiedener Ablehnung gegen
die Initiative von Trump-Berater Massad Boulos zur Bildung einer kleinen
Regierung aus Vertretern beider Seiten gestimmt.
„Wir werden der UN-Mission nicht gestatten, ein Mitglied als Vertreter
des Staatsrats auszuwählen, da die Vertreter des Staatsrats
nur durch eine interne Abstimmung und in einer öffentlichen Sitzung
von allen Anwesenden erfolgt.“
+ Staatsrat:
Die Mitglieder stimmten in der Sitzung am 6. April einstimmig
dafür, jede politische oder wirtschaftliche Einigung abzulehnen, die außerhalb
des Rahmens des politischen Abkommens stattfindet.
Die Fälle von Korruption und der administrativen und finanziellen
Verstöße innerhalb der staatlichen Institutionen stehen an erster
Stelle, da sie eine der Hauptursachen für den wirtschaftlichen
Niedergang darstellen.
+ Massud Ubaid (Staatsrat): Die Initiative von Massad Boulos bezüglich der Zusammenlegung der beiden Regierungen wird aufgrund der Komplexität der libyschen Verhältnisse keinen Erfolg haben.
+ Bewegung Ya Baladi
(Leitung Nuri Buchemin): Wir lehnen jegliche aufgezwungene oder
vorgefertigte Lösung ab, die nicht dem nationalen Willen
entspricht, insbesondere angesichts früherer Erfahrungen, die sich
als Fehlschlag erwiesen haben und zu schwachen politischen
Strukturen, unter deren Folgen das Land bis heute leidet,
führten.
Die Dabaiba-‚Regierung‘ scheint in undurchsichtige Absprachen
verwickelt, die erneut eine Krise heraufbeschwören könnten.
„Wir lehnen die Initiative von Massad Boulos ab und begrüßen alle
Bemühungen, die diese korrupten Absprachen ebenfalls klar und
entschieden ablehnen.
Wir rufen alle politischen Führungskräfte, Parteien, Gewerkschaften,
Demonstrationsteilnehmer, Aktivisten und das gesamte Volk
dazu auf, diesen korrupten Deal abzulehnen.
Wir machen jeden, der sich an solchen Abmachungen beteiligt, historisch
verantwortlich und warnen davor, diese weiterzuverfolgen, da
sie schwerwiegende Folgen für die Einheit und die Zukunft des Landes
haben werden.“
+ Al-Araby
al-Dschadid (Katar): Der Boulos-Plan sieht vor, aus Mitgliedern
des Parlaments und des Staatsrats einen politischen Ausschuss
zu bilden, der einen Vorschlag zur Errichtung einer einheitlichen
Exekutivgewalt erarbeitet. Umgesetzt werden soll dies innerhalb
der von der UN-Mission betreuten Roadmap.
Die Erklärung des Staatsratsvorsitzenden Takala hierzu spiegle
eine klare Verschiebung in den Machtverhältnissen innerhalb
Tripolis wider, indem sich der Staatsrat in die Opposition gegen Dabaiba
einreiht, die der Präsidialratsvorsitzende al-Menfi seit Wochen
aufbaut.
Al-Menfi stand nicht nur in Opposition zur Kabinettsumbildung von
Dabaiba, sondern hielt auch militärische Treffen mit den Führern der
wichtigsten Tripolis-Milizen ab, die für ihre feindliche Haltung
gegenüber Dabaiba bekannt sind. Dies sei der Versuch, die Machtverhältnisse
im westlichen Libyen neu zu ordnen.
Die Annäherung zwischen Takala und al-Menfi spiegle eine auffällige
Veränderung in den Allianzen im Westen des Landes wider, da der Staatsrat
bisher Dabaiba politisch unterstützte.
Parlamentspräsident Agila Saleh soll positiv auf Bemühungen
zur Einberufung eines Treffens mit al-Menfi und Takala reagiert haben, was
die Tür für eine Neugestaltung der Allianzen öffne.
+ Alaa Faruk
(Maghreb-Experte): Das Bündnis zwischen al-Menfi, Takala und Agila
Saleh zielt darauf auf, proaktive Schritte gegen die Aktivitäten der
Dabaiba-‚Regierung‘ und gegen den us-amerikanischen Vorschlag zur Vereinigung
der beiden Regierungen und Änderung des Präsidialsystems zu unternehmen.
Insbesondere die Treffen von al-Menfi mit einigen militärischen
Führern, zuletzt mit Osama Dschulani, zeugten von einer politisch
und militärisch komplizierten Szene. Es solle eine Front gegen die
militärischen Gruppen gebildet werden, die die Fortsetzung der
Dabaiba-‚Regierung‘ unterstützen.
+ Ammar al-Ablaq (Parlamentarier): Ich warne davor, den Verbleib der einflussreichen Kräfte im Osten und Westen an der Macht für eine unbestimmte Zeitspanne zu zementieren, denn diese werden später nicht bereit sein, ihren Platz wieder zu räumen.
+ Staatsrat: Mohammed
Takala diskutierte mit Abdullah al-Lafi die Möglichkeiten zur Stärkung
der finanziellen und sozialen Stabilität der Bürger, unter Betonung der
Notwendigkeit, die nationalen Visionen zu vereinen, um die aktuelle
politische Blockade zu überwinden. Die Lösung müsse aus dem Willen
der Libyer hervorgehen und innerhalb der legitimen Wege
erfolgen, die sicherstellen, dass das Land eine Phase der dauerhaften
Stabilität erreicht und Wahlen so bald wie möglich abgehalten
werden.
Takala diskutierte diese Themen auch in einem weiteren Treffen mit
Abdullah al-Lafi und Khalid Schakschak.
+ As-Sadiq
al-Gharyani: Der Deal mit Massad Boulos ist in jeder Hinsicht inakzeptabel.
Die Dabaiba-‚Regierung‘ darf ihre Befugnisse an keine andere
Übergangsinstanz übergeben, sondern nur an eine gewählte Regierung.
Eine Machtteilung und Vereinheitlichung des Haushalts werde von
den USA vorgegaukelt, um ihre eigenen Ziele durchzusetzen.
+ Schuaiban Bosta (Staatsrat): Ich weiß nicht, warum Boulos‘ Initiative nicht eine ist, die Druck auf die Parteien ausübt, um zu Wahlen zu gelangen. Dies wäre eine sehr einfache Angelegenheit. Aber sie wollen keine Wahlen, sondern möchten nur ihre Interessen im Land mit Hilfe der aktuellen militärischen und zivilen Parteien durchsetzen.
+ Mohammed ar-Raisch: Der kursierende Boulos-Plan könnte dazu beitragen, die Krise zu vertiefen, anstatt sie zu lösen, da er auf der Umverteilung von Macht und Positionen zwischen an der Macht stehenden Personen und Kräften beruht, für die es keinen nationalen Konsens gibt.
+ Al-Menfi
(Präsidialratsvorsitzender) traf sich mit einer Reihe von Vertretern
politischer Parteien und Bündnisse, um die politische Stagnation zu
überwinden und Wege zu einem umfassenden Stabilisierungsprozess
voranzutreiben, sowie jede Form politischer Deals abzulehnen.
Die Teilnehmer betonten ihre kategorische Ablehnung jeglicher
Arrangements oder Vereinbarungen, die außerhalb der rechtlichen
und verfassungsrechtlichen Rahmenbedingungen getroffen werden.
+ Al-Arab
(London): Al-Menfi warnte die Libyer vor den Gefahren, die
drohen, da ausländische Mächte es auf die libyschen Reichtümer
abgesehen haben, und einflussreiche Clans um die Macht ringen.
Al-Menfi zeigte Gefühle der Ohnmacht, die zwischen Wut, Trauer
und Hoffnung schwankten und bekräftigte, dass Libyen zwischen dem Projekt
eines Staates oder eines Deals, zwischen nationaler
Souveränität oder ausländischer Vormundschaft, und zwischen Recht
oder Chaos steht.
Was die Libyer am meisten fürchten müssten, sei, dass ihr Land
zu einem Spielball der persönlichen und familiären Interessen von Präsident
Trump und seinem Team wird, so wie es in Venezuela
geschehe und wie es im Iran oder Kuba oder jedem anderen Land geschehen
könnte.
Die US-Regierung sei sich bewusst, welche unermesslichen
Reichtümer sie aus Libyen ziehen könnte, sei es in Form von natürlichen
Ressourcen und seltenen Erden oder in Form von eingefrorenen
Geldern.
+ Hafez al-Ghawil (Politologe): Boulos übersieht die Tatsache, dass Libyen erst einmal ein Staat werden muss, und dass das eigentliche Problem im Staatsaufbau liegt, nicht in der Wahl einer Regierung. Ich bezweifle, dass die Waffenruhe hält. Die Situation werde bald eskalieren, insbesondere angesichts der wirtschaftlichen Lage des Landes, die üblicherweise weltweit als Auslöser von Unruhen gelte. Ein Zusammenbruch Libyens würde Schockwellen durch die gesamte Region senden.
+ Adel Abdelkafi
(Militärexperte): Boulos Initiative zur Machtteilung zwischen Dabaiba
und Saddam Haftar ist dumm und bösartig. Boulos wolle
diejenigen stärken, die us-amerikanische Pässe besitzen und den USA
den Treueeid geschworen haben. Doch dieser Traum von Boulos werde platzen.
Boulos dürfe nicht glauben, dass es keine militärischen Kräfte
gibt, die in der Lage sind, die Situation umzukehren. Es müsse
ihm klar sein, dass er Libyen nichts aufzwingen kann, was das
Volk ablehnt. Die meisten militärischen Formationen seien immer noch
in der Lage, zu mobilisieren und sich miteinander zu verbünden.
Sie alle seien gegen Haftar und seine korrupten Söhne.
+ Fathi
asch-Schibli (Partei Stimme des Volkes: Deals, die hinter
geschlossenen Türen getroffen und über ausländische Mittelsmänner
abgewickelt werden, bedeuten, dass wir keinen einzigen Schritt
bei dem Aufbau des Staates vorangekommen sind.
Jede Einigung, die nicht auf rein nationaler Willensbildung
beruht, ist nichts weiter als eine Neuauflage der Krise und keine Lösung.
Bei solchen Modellen werden Institutionen nicht aufgebaut, sondern ihres
Inhalts entleert und zur bloßen Fassade, die fragile
Machtgleichgewichte bedienen, die bei der ersten Herausforderung
zusammenbrechen.
Ausländische Vermittlung, wenn sie statt zu unterstützen entscheiden
will, ist eine direkte Einschränkung der Souveränität, denn: Wer
die Schlüssel zur Lösung hat, hat auch zwangsläufig das Recht, die Zukunft zu
beeinflussen.
Der Aufbau eines Staates kann nicht auf temporären Deals beruhen
und nicht auf einer Verteilung der Macht unter streitenden Parteien, sondern
muss auf einem umfassenden nationalen Pakt fußen, der das Verhältnis
zwischen Bürger und Staat auf Basis von Rechten und Pflichten neu
definiert, und er darf nicht von Loyalitäten und Zugehörigkeiten bestimmt
werden.
Militär/Milizen/Gewalt
+ Mohammed
al-Gardsch (Journalist): Die UN-Mission gab eine spezielle Sicherheitswarnung
heraus, die auf Informationen über die mögliche Verwendung von Sprengsätzen
in Tripolis hinweist. Die Warnung erfolgte im Kontext von
zwei Versuchen, Ölpumpen zu sprengen, wobei der erste zu einem massiven
Leck führte und der zweite zu einem Leck und einem Brand.
Die Gefahrenlage wurde aufgrund allgemeiner Indikatoren ohne Angabe
eines direkten Ziels erhöht.
+ LibyaPress: In Wirschefana fanden bewaffnete Auseinandersetzungen zwischen Mitgliedern der 55. Infanteriebataillons unter dem Kommando von Muammar ad-Dawi und der 3. Infanteriekompanie unter Ulade Issa statt.
+ LibyaPress: In der Stadt az-Zawiya wurde die Leiche eines Kämpfers namens al-Gafa, der dem sogenannten al-Madah angehörte, aufgefunden. Die Leiche wies mehrere Schusswunden auf.
+ Der fünfjährige Walid
asch-Scharif Kaschim erlag in der Stadt az-Zawiya seinen Verletzungen,
nachdem er von Bewaffneten im Auto seines Vaters erschossen
worden war.
Die Nationale
Menschenrechtsinstitution forderte eine umfassende Untersuchung
des Vorfalls, die sicherstellt, dass die Täter strafrechtlich
verfolgt werden.
Das Verbrechen sei auf das Versagen des Innenministeriums und der zuständigen
Sicherheitsbehörden zurückzuführen, welche die Sicherheit und das Leben
der Bürger sowie deren Eigentum nicht gewährleisten können.
+ Die Nationale
Menschenrechtsinstitution erklärte, dass sich der Vater mit
seinem Sohn auf dem Heimweg von der Schule befand, als eine verirrte
Kugel die Scheibe des Fahrzeugs durchschlug. Der Vater
wurde an der Hand verletzt, während das Kind schwere Kopfverletzungen
erlitt.
Internationale Berichte dokumentierten die unkontrollierte Verbreitung von
Waffen in Wohngebieten zu einem „stillen Killer“, dessen Gefahr
der von direkten bewaffneten Konflikten in nichts nachstehe.
+ LibyaPress: In der Region Dschanan Attiya wurden Abdurrachman an-Nadschar und al-Mahdi al-Askari getötet sowie Rami Mutuk verletzt. Der Angriff auf das Haus der Familie Gweider ad-Dabrus wurde von Bewaffneten, die zur Gruppe Maher al-Askari gehören, ausgeübt. Beide Seiten sollen ihre Mitglieder mobilisiert haben.
+ Nationale Menschenrechtsinstitution: Abdullah Saad Mustafa al-Fardschani wurde im Januar 2021 in der Stadt Bengasi entführt. Über seinen Verbleib liegen widersprüchliche Informationen vor.
+ Hussam al-Gamati (Menschenrechtsaktivist): Sund Gald, einer der größten Kriminellen, wurde vom Inlandsgeheimdienst (Leitung Oberst Mustafa al-Wahischi) an die Generalstaatsanwaltschaft überstellt. Gald werden Morde, Entführungen, Verschwindenlassen und Folter zur Last gelegt.
+ Organisation für die Überwachung von Verbrechen: Der Monat März 2026 war geprägt von schwerwiegenden Verstößen im Osten, Westen und Süden Libyens, von denen sich einige auf dem Niveau internationaler Verbrechen bewegen.
+ Sadiq al-Gharyani (Moslembruder und Mufti von Tripolis): Korruption ist in den Geheimdiensten weit verbreitet, obwohl sie über mehr Personal und Streitkräfte verfügen als die us-amerikanischen Geheimdienste. Sie haben mehr als 30.000 Mitarbeiter und begehen zahlreiche Verbrechen, darunter Entführung, Verhaftung und willkürliche Inhaftierung.
+ Das Victory Battalion in Misrata gibt seinen Beitritt zur Intervention and Control Force bekannt, die Dabaibas Büro untersteht. Es warnt vor jedem Versuch, sich seinem Hauptquartier zu nähern, um dieses übernehmen zu wollen.
+ Mohammed al-Menfi diskutierte in seiner Eigenschaft als Oberbefehlshaber der ‚libyschen Armee‘ mit Osama Dschulani am 7. April die militärische Koordination und die Stärkung direkter Kommunikationskanäle mit den Kommandeuren der militärischen Regionen.
+ Baschir
asch-Scheich gab bekannt, dass er sich der Befreiungsfront des Südens
unter der Führung von Mohammed Wardago angeschlossen hat.
Es soll mit der Operation Beweglicher Sand gegen Kraftstoffschmuggel
und die Kontrollpunkte, die Schutzgelder erheben, vorgegangen
werden.
„Wir werden jede illegale Aktivität bekämpfen, die mit dem Schmuggel
von Waren und Ähnlichem einhergeht. Fremdwährung wird genutzt,
um Waren zu kaufen und sie nach Afrika zu schmuggeln.“
Die Operationszentrale des Südens umfasse alle Stämme
des Fessan.
+ Allein im Jahr 2025 verzeichnete das Libysche Minenräumzentrum 63 Opfer, darunter 21 Kinder. Die UN-Mission rief dazu auf, die koordinierte Unterstützung für die Minenräumung und die Beseitigung explosiver Kriegsreste zu intensivieren und so zum Schutz der Zivilbevölkerung in ganz Libyen beizutragen.
Ausländische Besatzung
+ USA. AFRICOM-Sprecher
Dave Wilson:
Die Flintlock 2026-Übung, die von den USA organisiert und von Libyen
und der Elfenbeinküste ausgerichtet wird, führt vom 14. bis 30. April
2026 mehr als 30 Länder zusammen.
Personal aus den östlichen und westlichen Regionen werden
gemeinsam mit Streitkräften der teilnehmenden Länder an den Manövern
teilnehmen. Im Mittelpunkt der Manöver stehen die Planung und
Durchführung von Operationen zur Effizienzsteigerung, bei gleichzeitigem
Schutz der Zivilbevölkerung.
+ USA. Al-Araby
al-Dschadid (Katar): Sirte bereitet sich darauf vor, einen Teil
der von AFRICOM organisierten Militärübung Flintlock 2026 auszurichten.
Diese Übung findet im Kontext des zunehmenden us-amerikanischen
Engagements im libyschen Sicherheits- und Militärbereich statt, das 2024
mit einer Reihe hochrangiger Treffen zwischen AFRICOM-Beamten und
führenden Vertretern des Ostens und Westens begann.
Flintlock ist das größte militärische Mobilisierungsprojekt, das jährlich
von AFRICOM organisiert wird, und dessen Ziel es ist, die Fähigkeiten
der mit Washington verbündeten afrikanischen Länder in Zusammenarbeit mit
internationalen Spezialeinheiten zu stärken.
Der us-amerikanische Vorschlag sieht den schrittweisen Aufbau einer
gemeinsamen Militärstreitmacht aus Ost- und Westlibyen vor.
+ USA. IRIB
berichtete, dass der us-amerikanische Flugzeugträger USS Tripoli
(LHA-7) kürzlich einer Angriffswelle aus dem Iran ausgesetzt war.
Infolge dieser Angriffe musste sich das Schiff in Richtung des südlichen
Indischen Ozeans zurückziehen.
[Am 28. März 2026, dem Jahrestag des Abzugs von britischen
Militärs aus Libyen im Jahr 1970, war die USS Tripolis im Hafen
von Tripolis eingelaufen. Das US Central Command feierte die Ankunft
von US-Matrosen und Marinesoldaten in Libyen. Fotos. Eine
Verhöhnung der libyschen Souveränität.]
+ Russland. Der russische Botschafter Aydar Aganin erörterte mit Abdul Salam Zubi die aktuelle Sicherheitslage in Libyen und Möglichkeiten zur Wiederbelebung der militärischen und militärtechnischen Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern.
Innerlibysche Nachrichten
+ Mohammed Schaaban al-Mardas (ehemaliger Botschafter): Dabaiba hat Abdul-Muttalib Thabit, der al-Menfi nahesteht, sowohl als Geschäftsträger der Botschaft in Kairo als auch als Vertreter bei der Arabischen Liga entlassen. Dabaiba entzieht al-Menfi seine Verbündeten.
+ Salam Bukzamales (Politanalyst): Alles im westlichen Libyen ist unter der Kontrolle bewaffneter Formationen, weder al-Menfi noch Dabaiba können Anweisungen erteilen und sie durchsetzen. All diese Institutionen – vom Präsidialratsvorsitzenden über die Dabaiba-‚Regierung‘, die Abgeordneten und den Staatsrat – sind lediglich formale Fassaden, die einen leeren, schwachen Staat darstellen, der zu keinerlei Maßnahmen fähig ist.
+ Abd an-Nabi Abd
al-Mula (Parlamentarier): Wir sind den internationalen Parteien ausgeliefert
und haben keine eigene Entscheidungsgewalt. Es sei unmöglich, von
einer libysch-libyschen Lösung zu sprechen, solange andere Parteien die
Kontrolle haben.
„Das Parlament erlässt Gesetze, die nicht umgesetzt werden und
die Justiz fällt Urteile, die nicht umgesetzt werden, weil diejenigen,
die die Waffen in den Händen halten, die Bühne beherrschen. Im
Land herrscht Unsicherheit und die Menschen haben in Niemanden
mehr Vertrauen.“
+ Das Parlament gab die vollständige Besetzung der vakanten Sitze für Mitglieder der Hohen Wahlkommission bekannt und veröffentlichte im Amtsblatt die Genehmigung des Wahlkommissionsbudgets in Höhe von 210 Millionen Dinar für die Durchführung der Parlaments- und Präsidentschaftswahlen.
+ Dschibril Ohida (Parlamentsabgeordneter) forderte die Wahlkommission auf, die Präsidentschafts- und Parlamentswahlen so schnell wie möglich und in Übereinstimmung mit den der Kommission vorliegenden, genehmigten Gesetzen durchzuführen.
+ Die Bewegung Heimat Libyen verurteilte die anhaltenden Versuche, die Wahlen in Libyen zu behindern, und kritisierte die Untätigkeit der UN-Mission sowie deren Beeinflussung durch externe Interessen.
+ Issam
al-Dschuhani (Parlamentarier) veröffentlichte eine Erklärung von
Parlamentsabgeordneten, mit der sie drohen, jede Sitzung des
Parlaments zu blockieren, in der nicht über eine Reform des Parlaments
und seines Präsidiums beraten wird.
Die Mehrheit der Parlamentsmitglieder befürworte den Grundsatz einer
umfassenden Reform und die Beendigung der Flut individueller Beschlüsse.
Demonstrationen/Proteste
+ Absolventen von
Erdölstudiengänge, die eine Teilnahme am Ausbildungsprogramm
der National Oil Corporation fordern, organisierten einen
Sitzstreik vor dem Hauptsitz des Konzerns. „Wir sind ausgebildete Nachwuchswissenschaftler,
die viele Jahre akademische Leistungen erbracht haben, nur um mit der
bitteren Realität von Ausgrenzung, Gleichgültigkeit und Frustration
konfrontiert zu werden.“
Die Protestierenden
erklärten, sie hätten zahlreiche Jobversprechen erhalten, aber keines
sei eingehalten worden.
+ Absolventen von Erdölstudiengängen, die aufgefordert wurden, dem Trainingsprogramm der NOC beizutreten, riefen zu einer Sitzblockade auf. Dies sei eine Ergänzung der vorherigen Sitzblockade vom 4. August 2026 aufgrund des Fehlens jeglicher ernsthafter Reaktion. Fotos.
+ Die Nationale Institution für Menschenrechte forderte die zuständigen Stellen auf, den Forderungen der Absolventen des Erdöl-Ingenieurwesens Gehör zu schenken und faire und gerechte Lösungen gemäß den Gesetzesbestimmungen zu finden.
+ Die Erben der Familie
at-Tarhuni warfen der Gesellschaft für öffentliche Dienstleistungen
Tripolis vor, gewaltsam und ohne jegliche rechtliche
Grundlage in das der Familie gehörende Land in Zawiya ad-Dahmani mit
Lkw und Bulldozer eingedrungen zu sein und das Land in Besitz genommen
zu haben.
Aufsichtsbehörden und Generalstaatsanwalt müssten eingreifen.
+ Das medizinische Personal von Dschamaa gibt die Schließung der Klinik und den Beginn eines Streiks bekannt, da der neue Klinikmanager die Leiterin der Pflegeabteilung angegriffen und beleidigt habe. Gefordert wird die Einleitung rechtlicher Schritte.
Wirtschaft / Finanzen
+ Die vom Präsidialrat beauftragte Kommission der
Wirtschaftsexperten veröffentlichte ihren Bericht zur aktuellen
wirtschaftlichen Lage: Mehr als 40 Prozent der Libyer leben nun unterhalb
der Armutsgrenze. Gründe sind der Rückgang der Kaufkraft und steigende
Lebenshaltungskosten.
Die öffentliche Verschuldung ist auf mehr als 300 Milliarden Dinar
angewachsen, zusätzlich zu einem Anstieg der Geldmenge ohne echte
Wirtschaftsleistung.
Die öffentlichen Ausgaben sind deutlich angestiegen,
insbesondere im Bereich Gehälter und Subventionen, parallel zum Verdoppeln
der Verwaltungsstrukturen aufgrund der Spaltung.
Gewarnt wird vor dem Rückgriff auf eine Abwertung des Dinar oder die
Bürger zusätzlich zu belasten.
„Wir fordern dringende Maßnahmen, darunter die Kürzung der
öffentlichen Ausgaben für das Jahr 2026, die Vereinheitlichung
des Haushalts, die Reform des Subventionssystems, die Kontrolle
der Nutzung ausländischer Währung, bei gleichzeitiger Notwendigkeit eines
echten politischen Willens zur Bekämpfung von Korruption und Verschwendung.
Wir empfehlen, alle staatlichen Einnahmen an die Zentralbank
zu leiten und jegliche finanziellen oder ölbezogenen Praktiken außerhalb der
gesetzlichen Rahmenbedingungen zu stoppen, unter Stärkung der
Transparenz und Kontrolle über die öffentlichen Ressourcen.
Wir betonen die Notwendigkeit einer Umstrukturierung der
Treibstoffsubventionen, einer Verbesserung der Steuer- und Zoll-Einziehung
sowie einer Regulierung des Imports.“
+ Nachdem al-Gharyani in einer Fatwa Preiserhöhungen bei Kartenzahlung als zulässig bezeichnete hatte, erklärte dies die Bewegung der Söhne des Suk al-Dschumaa als Ungerechtigkeit und völlig unangebracht. Ausbeutung, Preischaos und zunehmender Druck auf die Bevölkerung seien nicht zu übersehen.
+ Die Zentralbank
forderte die Sicherheitsbehörde dazu auf, Maßnahmen gegen
einige Geschäftsinhaber zu ergreifen, die bei Kartenzahlung die Preise
für Waren und Dienstleistungen erhöhen.
Dies unterlaufe die Bemühungen der Zentralbank, elektronische
Zahlungsmittel zu etablieren.
+ Al-Araby
al-Dschadid zum Tunis-Treffen unter der Schirmherrschaft von Massad
Boulos: Die Konsultationen über die Mechanismen des Einheitlichen
Entwicklungsabkommens zielen darauf ab, das Tempo der Ausgaben für
Bau- und Entwicklungsprojekte zu regulieren, um chronische finanzielle
Verschwendung zu reduzieren. Kern dieser Vereinbarung ist die Neuordnung
der Ausgaben im Bereich der Entwicklungshilfe, der immer wieder Anlass zu Streitigkeiten
gegeben hat und wo in den vergangenen Jahren erhebliche Ausgaben getätigt
wurden, ohne dass greifbare Ergebnisse erzielt wurden.
Das Ölthema spielte eine zentrale Rolle in den Verhandlungen, da
die USA die Notwendigkeit betonten, die Aufsicht über die Produktions-
und Exportvorgänge auf die National Oil Corporation zu
beschränken und jegliche Exportaktivitäten außerhalb des rechtlichen Rahmens
zu unterbinden.
Vertreter des US-Finanzministeriums forderten Klarheit und Stabilität
hinsichtlich der Ölexportwege innerhalb des OPEC-Systems. Die
Bedeutung eines klaren Rechtsrahmens für die Ölindustrie durch
die National Oil Corporation wurde als Voraussetzung für
die Beteiligung us-amerikanischer Unternehmen hervorgehoben.
+ Omar Tentaush (Parlamentarischer Finanzausschusses): Der Finanzausschuss wurde nicht über das Tunis-Treffen unter us-amerikanischer Schirmherrschaft, das in den vergangenen Tagen stattfand, informiert und war dort auch nicht vertreten.
+ Hasni Bey
(Geschäftsmann): Eine Erhöhung des Zollsatzes für den US-Dollar wird die
Kosten für importierte Waren steigern und die Lebenshaltungskosten
für die Bürger weiter erhöhen.
Die strategisch optimalste Option bestehe darin, ganz Libyen zur Freihandelszone
zu erklären, das traditionelle Zollsystem und die direkten
Steuern abzuschaffen und sie durch ein modernes und transparentes
Gebührensystem zu ersetzen.
+ Abd al-Munim al-Arifi (Parlamentarier): Der neue einheitliche Haushalt weist etwa 33 Milliarden US-Dollar aus, eine Steigerung um 30 Prozent im Vergleich zum Haushalt des Jahres 2025.
+ Zentralbank. Eine Delegation des Internationalen Währungsfonds traf sich mit dem Zentralbankchef Nadschi Issa und seinem Stellvertreter Marei al-Barasi sowie einer Reihe von Regierungsbeamten, um auf die Notwendigkeit der Kontrolle der öffentlichen Finanzen und der Sparsamkeit bei den öffentlichen Ausgaben hinzuweisen.
+ Libyen belegt beim Index der
wirtschaftlichen Freiheit unter 176 Ländern den Platz 174 und
bildet damit das Schlusslicht der Staaten der MENA-Region.
Strukturelle Reformen im Finanzsektor und im Geschäftsumfeld seien unerlässlich,
um sowohl lokale als auch ausländische Investitionen anzuziehen.
Arkano Oil Company
+ Mohammed Buysir
(Politberater): Nachdem die Arkano Oil Company wegen Korruption
in die Schusslinie gekommen ist, ihre Schließung erwartet und mit
der Neugründung einer alternativen Ölgesellschaft gerechnet wird, sollten
die Libyer über deren Eigentümer informiert werden.
Die Idee bei der Gründung von Arkano sei gewesen, dass
sich die libyschen Behörden Gelder verschaffen, die nicht mit dem
allgemeinen Haushalt, der Zentralbank oder dem Rechnungshof
in Verbindung stehen.
Das us-amerikanische Unternehmen Schlumberger sei das erste
Unternehmen, das nach der Entdeckung des libyschen Öls tätig wurde.
Doch die National Oil Corporation knüpfte deren Geschäftstätigkeit
an die Bedingung, dass sie über Arkano als Tarnorganisation ihre
Geschäfte abwickle.
Bei seiner Gründung hatte Arkano keinerlei Personal
und keiner der Arkano-Verantwortlichen sei in der Ölindustrie bekannt
gewesen.
+ Sadiq
al-Gharyani: Jeder Bürger, alle Aufsichts- und Justizbehörden,
der Generalstaatsanwalt und alle, die ein Interesse an Libyen haben,
müssen Klagen gegen die korrupte Arkano Company einreichen.
Laut den UN wurden Milliarden gestohlen. „Wir haben noch nie solche
Plünderungen, solches Unheil und solche Verkommenheit erlebt, und das
ist nicht hinnehmbar.“
+ Am 2. April forderte Dabaiba die National Oil Corporation auf, das Arkano–Entwicklungsabkommen mit der Arabian Gulf Oil Company zu kündigen. Er behauptete, dass in den verbreiteten Gerüchten Zahlen übertrieben und Informationen manipuliert seien. Gegen das Abkommen zwischen der Arabian Gulf Oil Company und Arkano gebe es eine breit angelegte Kampagne, unterstützt von der Bevölkerung.
+ Hussein bin Attia (ehemaliger Bürgermeister von Tschadura): Es handelt sich anders als von Dabaiba behauptet, nicht um Gerüchte, sondern um Tatsachen.
+ Achmed as-Senussi (Wirtschaftsjournalist): Warum ordnete Dabaiba nicht die Veröffentlichung des Arkano-Vertrags an? Wurde ein Strafantrag gegen Arkano gestellt?
+ Mohammed Aoun
(Ölminister, von Dabaiba an Ausübung seines Amts gehindert): Dabaiba
muss Arkano das Recht wieder entziehen, an der Ölförderung
der Gulf Oil Company beteiligt zu sein und deren Felder zu
erschließen. Seine damalige Entscheidung habe von vornherein gegen
das Gesetz verstoßen. Sobald das Abkommen aufgehoben ist,
werde die Rohölförderung des Landes um mehr als 100.000 Barrel
steigen.
„Ich fordere eine Untersuchung der eindeutigen Verstöße gegen
Gesetze und Vorschriften.“
+ Achmed Hamza (Institut für Menschenrechte): Dabaiba hätte eine Entscheidung treffen müssen, die die sofortige Aussetzung ausdrücklich festlegt. Dies sei für alle Ölexporte oder -verkäufe von entscheidender Bedeutung.
+ Al-Khair asch-Shaab (Parlamentarier): Das ist keine Auflösung von Arkano, sondern vielmehr die Anweisung, ein Abkommen zwischen Arkano und der Arabian Gulf Company zu beenden.
+ Suleiman al-Bayudi (Präsidentschaftskandidat): Das ist ein Aprilscherz, der nicht lange Bestand haben wird. Es ist ein Versuch, die Öffentlichkeit zu täuschen und sich der Verantwortung zu entziehen. Das Abkommen von 2022 zur Öffnung der Ölförderung ist weiterhin gültig, seine Garantiegeber sind aktiv, und es ist unmöglich, es aufzukündigen.
+ Saad bin Sharada (Beratungsausschuss Staatsrat): Wer glaubt, ein Schreiben könne einen rechtsgültigen Vertrag beenden, kennt entweder das Gesetz nicht oder er kennt es und spielt mit öffentlichen Geldern.
+ Aschraf
asch-Schah (ehemaliger Berater des Staatsrat): Was Dabaiba nun verlangt,
ist die Bildung eines Rechtsausschusses unabhängiger Juristen, der die Institution
bei den von ihr eingeleiteten Verfahren begleitet und Entscheidungen
trifft. Dies erfordert eine sorgfältige und transparente Nachverfolgung,
entsprechende Verfahren und den Nachweis, dass dieses Unternehmen nicht mehr
in der Lage ist, libysches Geld zu stehlen.
Das Unternehmen könnte erwidern, dass eine Stornierung aufgrund
der Strafklauseln in Milliardenhöhe unmöglich sei und dies eine Möglichkeit
für das Unternehmen darstelle, zu überleben.
+ Der Präsidialratsvorsitzende Mohammed al-Menfi appelliert an den Leiter der National Oil Corporation, Massud Suleiman, alle Verträge auszusetzen, sei es über die Aufteilung der Ölförderung oder ähnliche Konzessionen, einschließlich solcher, die sich noch in der Verhandlungsphase befinden. Al-Menfi forderte einen detaillierten Bericht über alle bisherigen Abkommen, einschließlich der Verhandlungsphasen, der beteiligten Parteien sowie der angewandten Bewertungskriterien und -standards.
+ Mohammed Buysir (Politberater): Der Entzug der Lizenz des Arkano-Unternehmens ist ein Schritt, um sicherzustellen, dass die Einnahmen durch Ressourcen in den allgemeinen Haushalt fließen. Die Situation in Libyen werde von den USA überwacht, um Boulos-Initiative zum Erfolg zu führen.
+ Al-Araby al-Dschadid: Dabaibas Anweisung zur Aufhebung des Arkano-Abkommens erfolgte als Reaktion auf us-amerikanischen Druck, der darauf abzielt, die Machtverhältnisse in diesem Sektor neu zu ordnen.
+ Baschir
asch-Scheich, Führer der Fessan-Bewegung: Die Libyer müssen aufbegehren
und erkennen, wer derzeit die Szene dominiert und ihr
Geld stiehlt.
Wer gibt mehr als 300 Milliarden Dinar für Scheinprojekte aus?! Das sind
Gelder, mit denen man eine neue Stadt bauen könnte.
Der Ölschmuggel durch Arkano ist ein Skandal. Der UN-Bericht hat
enthüllt, dass Öleinnahmen in Höhe von etwa 9 Milliarden US-Dollar an
dieses Unternehmen verschwendet wurden.
Die Kontrollbehörden und die Regierungen müssten diese Skandale
thematisieren.
„Wir werden siegen und wir werden gegen jeden vorgehen, der unser
Geld verschwendet. Wir werden den Menschen im Fessan ihre Würde
zurückgeben.“
Analysen
+ Middle East
Forum (USA): Die Abhängigkeit vom libyschen Öl ist eine Falle,
in die die Länder der Welt tappen könnten.
Trotz der Wiedererlangung von 81 Prozent der Ölförderung kontrollierten
die Milizen weiterhin das Öl, anstatt dass die Ölförderung
nach den Gesetzen des globalen Marktes agieren würde.
Die bittere Wahrheit sei, dass das NATO-Experiment, einen
libyschen Staat aufzubauen, gescheitert ist.
Es hieß, ein brutaler Diktator rücke auf die Rebellen in Bengasi vor,
und eine begrenzte Flugverbotszone mit Luftunterstützung ermögliche es
den Libyern, die Aufgabe selbst zu erledigen. Doch was folgte,
war kein Übergang zur Demokratie, sondern ein rascher Zerfall der
zentralen Autorität.
Stämme, Milizen und konkurrierende Regierungen nutzten das
Vakuum aus. Das Öl wurde zum Jackpot in einem hitzigen
Konflikt, und die Ölfelder wurden zu Schauplätzen von Machtdemonstrationen
und Erpressung. Exportterminals werden als Druckmittel geschlossen.
Die National Oil Corporation sei nur noch ein nomineller
Verband, da ihre Entscheidungen zunehmend von bewaffneten Gruppen
diktiert werden.
Die Institutionen, die die Ölfelder trotz Sanktionen,
Preisstürzen und sogar Bürgerkrieg am Laufen hielten, wurden nicht
wiederaufgebaut. Die Techniker seien noch da, die Leitungen
stehen, aber die neutrale Instanz, die Produktion und
Einnahmen verteilte, sei verschwunden. „Das Öl ist zurückgekehrt,
doch der Staat, der es verwalten sollte, existiert
nicht mehr.“
Eine einzige Blockade in Ras Lanuf oder Sidra könne Hunderttausende
Barrel über Nacht zunichtemachen; Wartungsteams könnten beschädigte
Infrastruktur nicht erreichen, ohne die Zustimmung bestimmter
Gruppen.
Ausländische Unternehmen zögerten, Kapital zu investieren, aus
Furcht, dass ein weiterer bewaffneter Zusammenstoß ihre Plattformen
lahmlegt. Das Ergebnis sei ein Staat, der seine Produktion nach
politischen Launen hoch- und runterfahre, und nicht nach ökonomischer
Logik.
Der sicherheitspolitische Aspekt sei noch düsterer: Die Öleinnahmen
waren stets die Lebensader libyscher Milizen. In den Jahren nach 2011 finanzierten
diese Gelder alles, von lokalen Machtkämpfen bis hin zur Ausweitung
dschihadistischer Netzwerke.
Die Einnahmen, die eigentlich Schulen oder Krankenhäuser
wiederaufbauen sollten, werden für Klientelnetzwerke verwendet, die Jugendliche
bewaffnen und ihre Loyalität aufrecht erhalten. Wenn die globalen
Ölpreise steigen, wie inmitten der jüngsten Spannungen um den Iran, werden
diese Netzwerke reicher, ohne dass sich die Regierungsführung
verbessert. Diese unerwarteten Gewinne festigen die Kräfte, die Stabilität
unmöglich machen.
Nach 15 Jahren bleibt Libyen zwischen Ost und West gespalten,
seine Währung entwertet, die Arbeitslosenquote nähert sich 19
Prozent, mehr als ein Drittel der Bevölkerung leidet unter multi-dimensionaler
Armut, und Indikatoren für staatlichen Erfolg wie Stromversorgung, effiziente
Gerichte und sichere Grenzen sind rückläufig.
Dies sei das erwartbare Ergebnis eines Eingriffs, der Regimewechsel
priorisiere. Milizen geben ihre Waffen nicht ab,
nur weil der Sieg von außen erklärt wird; sie passen sich an,
übernehmen Einnahmequellen und warten auf die nächste Krise,
um ihren Anteil neu zu verhandeln.
Libyen ist eine Warnung für jede zukünftige westliche
Intervention in der Region: Öl allein garantiert keine Stabilität. Ohne
Monopol auf legitime Macht und eine effiziente Bürokratie zur Verteilung
der Einnahmen wird der Ölreichtum zu Treibstoff für Zerfall, statt
Grundlage für Wohlstand.
Erdöl / Erdgas
+ Othman
al-Hadhiri (Überprüfungsausschusses für Öl- und Stromverträge): Der Ölkonzern
scheint etwas zu verbergen und verweigert daher die Zusammenarbeit.
Wir fordern die Kooperation mit der Generalstaatsanwaltschaft,
dem Rechnungshof und dem Sachverständigenausschuss des
Sicherheitsrates sowie die Bildung eines gemeinsamen Ausschusses mit
all diesen Institutionen.
Die Tatsache, dass der Ölkonzern Informationen zurückhält, deutet auf Verstöße
und illegale Verträge hin, die er nicht öffentlich machen will.
+ Uthman
al-Hadhiri: Libyen ist nicht in der Lage, eine zuverlässige
alternative Rolle zu spielen, um neue Energiequellen für Europa zu
sichern.
Die Raffinerien arbeiteten mit weniger als 30 Prozent ihrer Kapazität,
während die Pipelines und Häfen verfallen, zusätzlich zur Begrenztheit
der Speicheranlagen und der Gasverflüssigungsanlagen.
UN-Mission
+ Ahmad at-Tahami
(Autor): Jeder Schritt der UN-Mission, der ohne die Hauptparteien
und bewaffneten Gruppen unternommen wird, ist reine Zeitverschwendung.
Bei politischen Konflikten, die mit bewaffneten Gruppen verbunden
sind, sei der erste Schritt, den Kontakt zu diesen Gruppen aufzunehmen
und die Angelegenheiten zuerst mit ihnen zu regeln.
+ Daniele
Rufinetti (italienischer Politiker): Der Erfolg des UN-Rahmens hängt
davon ab, ob die libyschen Interessengruppen sich darin engagieren, und
zwar nicht nur formell.
Der Strukturierte Dialog biete einen kohärenten und
notwendigen Rahmen, der darauf abziele, eine Roadmap für die Vereinigung
der Institutionen zu definieren und letztlich die notwendigen
Bedingungen für die Durchführung von Wahlen zu schaffen.
+ Die Einigungsfraktion
im Staatsrat wandte sich mit einer Denkschrift an den
UN-Generalsekretär António Guterres. Darin heißt es, dass der libysche
Energiesektor in einem beispiellosen Ausmaß von schweren
Korruptionsverdachtsfällen heimgesucht werde.
Es wird daher die schnelle Veröffentlichung des Berichts der Expertengruppe
in seiner endgültigen Fassung gefordert, die es der libyschen
Öffentlichkeit erlaubt, die darin enthaltenen Fakten und Tatsachen einzusehen.
„Es muss technische und beratende Unterstützung für den libyschen
Generalstaatsanwalt und die zuständigen Aufsichtsbehörden bereitgestellt
werden, um deren Fähigkeit zu stärken, Ermittlungen
durchzuführen, damit lokale sowie ausländische Beteiligte
verfolgt werden können.“
+ Ibrahim
Aswayti (Politanalyst): Die Vereinten Nationen könnten ihre Rolle
als legitimer Vermittler in Libyen verlieren, insbesondere da Washington
nun praktikable und verhandelbare Punkte auf den Tisch legt, was
genau in den Kernbereich der Rolle der UN-Mission fällt.
Die UN-Mission habe beispielsweise bei der Vereinigung der
beiden militärischen und sicherheitspolitischen Institutionen keinerlei
Fortschritte erzielt. Sie sei unfähig, die Situation in Libyen zu managen.
Weitere Nachrichten aus Libyen
+ Al-Arabi al-Dschadid: Globale Versorgungsengpässe, bedingt durch den Irankrieg, treiben die Preise für Trinkwasser in Libyen in die Höhe. Der Preisanstieg pro Flasche entspricht fast fünfzig Prozent.
+ Tahir Hadid (ehemals Sirte Schutztruppe): Obwohl bereits vor über einem Jahr zugesagt, sind die benötigten Krebsmedikamente immer noch nicht in Libyen verfügbar.
+ In den Vororten von
Kikla sind die Wadis aufgrund der Regenfälle über
die Ufer getreten.
Auch im Gebiet al-Dschadada in Tawergha füllten sich die Wadis
mit Wasser.
Der Staatsanwalt ordnet immer noch regelmäßig eine hohe Anzahl von Verhaftungen aufgrund von Korruption, Fälschungen von Identitätsnachweisen, Gewalttaten und weiteren kriminellen Handlungen an. Auch weil diese Anordnungen nicht immer zu Festnahmen führen, wird auf die Aufführung der Einzelfälle verzichtet.
Libyen und das Ausland
+ IStGH. Der IStGH gab
bekannt, dass er Italien wegen mangelnder Kooperation im Fall Osama
Nadschim an die Versammlung der Vertragsstaaten verwies: „Italien
hat die Zusammenarbeit verweigert.“ Der Fall werde nun während
der Generalversammlung vor allen 124 Mitgliedstaaten öffentlich erörtert.
[Italien hatte Nadschim die Ausreise nach Libyen ermöglicht, obwohl ein
Haftbefehl gegen ihn vorlag.]
+ USA. Stephanie
Williams (ehemalige UN-Sondergesandte): Libyen befindet sich noch
immer in einem Konfliktzustand, der sich seit der NATO-Intervention
zum Sturz Gaddafis verschärft hat. Es sei versäumt worden,
die Milizen zu entwaffnen, die während des von der NATO
unterstützten Aufstands entstanden sind. In Libyen herrsche ein hässlicher
Frieden… ein Zustand der Instabilität, der immer wieder in Gewalt
ausbricht.
Das libysche Volk fordere eine repräsentative Regierung und
wünsche sich einen umfassenden Prozess, der zu einer Verfassung
und Wahlen führt. Doch die rivalisierenden Machthaber sind mehr
daran interessiert, ihre Macht zu erhalten und ihren Nutzen
aus den reichlichen Öleinnahmen des Landes zu maximieren.
Darüber hinaus bestehe die Sorge, dass libysche und internationale Akteure
bei Interventionen und Verstößen gegen Resolutionen des UN-Sicherheitsrates
ungestraft davonkämen, da es im Land keinerlei Rechenschaftspflicht
gibt. Es sei eine mittel- bis langfristige Perspektive erforderlich, um
zu den Grundlagen zurückzukehren, das Land voranzubringen und die
Forderung des libyschen Volkes nach einer repräsentativen Regierung
anzuerkennen.
+ Frankreich. Der ehemalige
französische Präsident Nicolas Sarkozy
erklärte sich bei einer Anhörung in Erwartung seiner Berufungsverhandlung
für unschuldig.
Das Berufungsverfahren soll bis zum 3. Juni dauern, das Urteil
wird im Herbst erwartet. Bei einer Verurteilung droht Sarkozy
eine Haftstrafe von bis zu 10 Jahren.
+ EU. Operation Irini: Wir haben die Überwachungsmaßnahmen zur Kontrolle des Waffenembargos in Libyen im März verstärkt und 754 Funkkontrollen sowie 62 Flüge zur Überprüfung verdächtiger Flugbewegungen durchgeführt. [Smiley!]
Rückblick
+ Dr. Saif al-Islam Muammar al-Gaddafi 20. Februar 2011: Die us-amerikanischen und europäischen Flotten werden nach Libyen zurückkehren, um es zu kolonisieren, denn sie werden keinen Zustand der Anarchie in einem Land zulassen, das im Herzen des Mittelmeers liegt und nur wenige Stunden von Südeuropa entfernt ist, und sie werden nicht dulden, dass die vorhandenen Ölvorkommen geschädigt werden.
+ Lockerbie. Jewish News
(GB): Die Anklage gegen die beiden Libyer Abdelbaset al-Megrahi und
Lamen Khalifa Fhima wegen des Lockerbie-Attentats war ein us-amerikanischer
Plan, um einen Sündenbock für den Absturz zu benennen.
In den Monaten nach dem Attentat seien als Verdächtige hochrangige
Mitglieder der iranischen Regierung ausgemacht worden. Doch dann hätten
sich die politischen Prioritäten geändert. Die US-Regierung stand unter
Druck, die Freilassung der us-amerikanischen und anderer westlicher
Geiseln zu sichern, die von der Hisbollah in Libanon festgehalten
wurden. Im November 1991 wurden US-Anklagen gegen die beiden
Libyer erhoben. Anschließend seien innerhalb von Tagen die Geiseln
freigelassen worden.
Aus den Nachbarstaaten
+ Burkina Faso. JungeWelt: „Seit
die von Militärs geführte Übergangsregierung Traorés vor einem Jahr ihre
»Fortschrittliche Volksrevolution« verkündet hat, befindet sich Burkina Faso im
Umbau: Ökonomische und fiskalische Reformen wurden verabschiedet, die
Industrialisierung sowie die Verbesserung der Landwirtschaft in Angriff
genommen. Die Menschen legen selbst Hand an, sowohl bei der Verteidigung ihrer
Dörfer als auch der Verbesserung der Infrastruktur durch »Faso Mebo«. Für den
Krieg gegen die Dschihadisten wurden dem »Fonds zur patriotischen
Unterstützung« etwa 350 Millionen Euro gespendet, doppelt soviel wie im
Vorjahr. Hinzu kommen die »Labaal-Brigaden«, die im öffentlichen Raum vor allem
für hygienische Zustände und Ruhe sorgen. […]
Die Burkinabe, was mit die »Aufrechten« zu übersetzen ist, wehren sich gegen
das vom Neokolonialismus aufgepfropfte Parteiensystem. Es repräsentierte die
nationale Uneinigkeit wie auch die Korruption, wie Traoré in seiner Rede
betonte. Dabei verwies er auch auf ein demnächst erscheinendes »Manifest der
Revolution« und rückte das »Tryptichon des neuen Burkinabe« in den
Mittelpunkt.“
A. Gutsche
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen