Kurznachrichten Libyen – 8. bis 14. Januar 2026
Demonstrationen und Proteste gegen Dabaiba-‚Regierung‘ halten an / Forderung nach Freilassung unrechtmäßig Inhaftierter / Premier Dabaiba ins Herz- und Gefäßzentrum von Misrata eingeliefert – keine Nachfolgeregelung / Staatsrat spaltet auch noch die Wahlkommission / Al-Menfi ernannte in Katar lebenden Muslimbruder Ali as-Salabi zum Berater für Versöhnungsfragen / Diskriminierendes Verbot der Registrierung nicht-arabischer Namen in der westlichen Region / Fathi asch-Schibli fordert nationalen Entwicklungsplan / Millionen verschwundener Gelder belasten Staatshaushalt / Katar wird Hafen von Misrata betreiben / Gaslieferungen nach Italien gehen zurück / Libyen wurde zum wichtigen Vertriebszentrum im Drogenhandel / Aischa Gaddafis Botschaft an die iranische Bevölkerung / Venezuela ist nicht Libyen / USA setzen Visabearbeitung für Bürger aus Libyen aus
Demonstrationen/Proteste
+ Um das Hauptquartier der UN-Mission in Dschanzur wurde vor den Freitagsprotesten von Sicherheitskräften ein strenger Sicherheitskordon gezogen.
+ Bei den Freitagsprotesten
forderten die Demonstranten den Rücktritt der
Dabaiba-‚Regierung‘ und der UN-Mission sowie die Bildung einer neuen
Regierung, um den Weg für Wahlen zu ebnen. „Wir werden die Politik
des Aufschiebens und des Recyclings gescheiterter Gremien nicht länger
akzeptieren.“
Die UN-Mission sei für das Scheitern aller Lösungsansätze
verantwortlich, weil sie auf genau jene Parteien gesetzt hat, die
eine Einigung und Wahlen blockieren. „Wir fordern die Unterstützung
eines echten libyschen Nationalwegs, auf dem der Volkswille durch die
Abhaltung von Wahlen zum Ausdruck kommt.“
Eine neue Regierung müsse Militär, Sicherheitskräfte und politische
Institutionen vereinen und Libyen zu freien und fairen Wahlen ohne
Ausgrenzung oder Marginalisierung führen.
+ Nach einem Treffen kündigte die Bewegung Aufstand der Jugend der westlichen Bezirke von Tripolis an, dass die Aktionen zur Forderung nach Auflösung der bestehenden Gremien fortgesetzt werden. Man habe sich mit einer Delegation aus Zintan abgestimmt.
+ Die Bewegung der Söhne des Suk al-Dschumaa deckte einen Plan von Walid al-Lafi und Machmud Hamza auf, der Zwietracht in der Bewegung säen und sie spalten soll.
+ Die Tripolis-Bewegung
rief zu einer breiten, friedlichen Volksdemonstration auf, um ihren kategorischen
Protest der sich verschlechternden Lebensbedingungen zum Ausdruck zu
bringen. Sie forderte das Ende der Dabaiba-‚Regierung‘, die zum
Zusammenbruch das Landes geführt hat.
Schweigen sei Komplizenschaft und Abwarten lebensbedrohlich.
„Diese politischen Kreise entstanden nicht durch freie Wahlen,
die uns repräsentieren, sondern wir wurden vor vollendete Tatsachen gestellt.
Dieses illegitime Mandat öffnete Korruption und der Aneignung
staatlicher Ressourcen ohne echte Volkskontrolle Tür und Tor.
Wir fordern den Schutz des Einkommens der Bürger und die Gewährleistung
eines Mindestlebensstandards sowie die strafrechtliche Verfolgung
all jener, die an der Veruntreuung öffentlicher Gelder oder der Manipulation
wirtschaftspolitischer Maßnahmen beteiligt sind.“
+ Ali Misbah Abu
Sabiha, Leiter des Versöhnungsteams des Präsidentschaftskandidaten Saif
al-Islam Gaddafi, war bei einem politischen Treffen während des Abspielens
der neuen Nationalhymne nicht aufgestanden. Er erklärte: „Ich bin nicht zum
ersten Mal während des Abspielens der Nationalhymne nicht aufgestanden, da sie
mich nicht überzeugt.“
„Wir erkennen die Februar-‚Revolution‘ (2011) nicht an und haben
im Gegenzug auch niemanden aufgefordert, die Septemberrevolution (1969) anzuerkennen.
Ich lehne jede Hymne und Flagge ab, mit der ich mich nicht identifizieren
kann.“
+ In Tripolis kam es zu Protesten und einem Eierboykott, nachdem die Eierpreise auf Rekordniveau gestiegen waren. Der Mangel an staatlicher Unterstützung für die Züchter und die Knappheit an Impfstoffen und Tierarzneimitteln haben zu einem Produktionsrückgang beigetragen. Der libysche Geflügelsektor ist vom vollständigen Zusammenbruch bedroht.
+ Die Bewohner der Stadt al-Dschamil protestierten am 11. Januar gegen die sich verschlechternden Dienstleistungen, insbesondere im Gesundheitssektor.
+ Am 12. Januar protestierten Angestellte von Unternehmen, die in wirtschaftlichen Schwierigkeiten steckten, vor dem Parlamentsgebäude in Bengasi. Sie forderten die Auszahlung ihrer seit zwölf Jahren einbehaltenen Gehälter.
+ Am 12. Januar protestierten Bewohner des Gebiets Garqarsch in Tripolis gegen den Abriss ihrer Häuser ohne die Zahlung einer angemessenen Entschädigung.
Militär/Milizen/Gewalt
+ Nationale
Menschenrechtsinstitution: Ein Einwohner der Stadt al-Bayda
wurde von Mitgliedern der Kriminalpolizei willkürlich verhaftet
und schwerer physischer und psychischer Folter ausgesetzt. Er wurde in
die Rehabilitationsanstalt al-Kuweifiya in Bengasi
verlegt.
Er ist einer von etwa 200 willkürlich Inhaftierten, darunter etwa 86
Personen, gegen die gerichtliche Anordnungen zu ihrer Freilassung
ergangen sind, denen aber nicht Folge geleistet wurde. 114 Personen
wurden der Staatsanwaltschaft nicht zur Prüfung der
Rechtmäßigkeit ihrer Inhaftierung vorgeführt.
+ Die Nationale
Menschenrechtsinstitution veröffentlichte Videos, die die Entführung
einer Person südlich von Tripolis zeigen.
In Tripolis und seinen Vororten herrschten seit Mai 2025 Gesetzlosigkeit.
Kriminalität, Entführungen und bewaffneten Raubüberfälle nehmen zu. Es sei
unerlässlich, Rechtsstaatlichkeit
und Justiz zu stärken, Straflosigkeit zu beenden, die Rechte
der Opfer, Betroffenen und Beschwerdeführer zu gewährleisten und die Täter
zur Rechenschaft zu ziehen.
+ Die Nationale Institution für Menschenrechte forderte eine Untersuchung der Entführung und Folter des Bürgers Salem al-Buzidi vor neun Monaten durch bewaffnete Männer östlich von Tadschura, die mit dem Leiter der Behörde für Anlagen- und Installationssicherheit, Osama Talisch, in Verbindung stehen, sowie seine sofortige Freilassung.
+ Die Nationale
Menschenrechtsinstitution verurteilte die Brandstiftung am Scheikh
al-Hattab Zawiya in der Gemeinde Tadschura. Die Organisation
rief zum Schutz von Gebetsstätten und historischen religiösen Zentren
auf und forderte vom Innenministerium und den Sicherheitsbehörden
eine umfassende Untersuchung des Vorfalls.
Es scheint sich um Versuche zu handeln, die historische islamische Identität
des libyschen Staates auszulöschen.
+ Middle East
Online: Das Treffen von Dabaiba mit einem der prominentesten und
international gesuchten Milizenführer, Schmuggler und Menschenhändler
Mohammed Kaschlaf (alias al-Gasab) wird stark kritisiert. Dies spiegle die Fragilität
offizieller Institutionen und ihre Abhängigkeit von Streitkräften
wider, die keiner rechtlichen Rechenschaftspflicht unterliegen.
Der Menschenrechtsaktivist Tariq Lamlum:
Die Missachtung von internationalen Sanktionen gegen Mohammed Kaschlaf
durch die Dabaiba-‚Regierung‘ gibt allen grünes Licht, die an Verletzungen
der Rechte von Bürgern beteiligt sind. Die Dabaiba-‚Regierung‘ sei
auf die Allianz mit dieser Art von Verbündeten angewiesen.
+ Al-Araby
al-Dschadid (Katar): Die Einsetzung eines Ausschusses zur
Überprüfung der Haftbedingungen im östlichen Libyen durch Osama Hammad
erfolgte nach zunehmenden internationalen Druck sowie der
Veröffentlichung von Berichten, die das Ausmaß der Verstöße in
den Gefängnissen aufdecken. Dieser Schritt sei eine verspätete
politische Reaktion, ein Versuch, einen Rechenschaftsprozess
einzudämmen, der sich den Machtzentren nähert.
Haftar habe erkannt, dass die in Gefängnissen begangenen
Verbrechen das am besten dokumentierte Glied in seiner Bilanz der
Menschenrechtsverletzungen darstellt. Die Massengräber in Tarhuna sowie
die Schickalse der in den Gefängnissen verschwundenen Menschen
seien bis heute nicht aufgeklärt.
Ausländische Besatzung
+ Türkei. Das türkische Verteidigungsministerium gab die Teilnahme der Fregatte TCG Yıldırım an der Mission der türkischen maritimen Einsatzgruppe vor der Küste Libyens im Rahmen ihrer laufenden operativen Missionen in der Region bekannt.
+ Griechenland. Ein griechisches Frühwarnflugzeug führte einen Überwachungsflug im zentralen Mittelmeer und vor der libyschen Küste durch.
Flugzeugabsturz
+ Bezüglich des Flugzeugabsturzes, bei dem Stabschef al-Haddad und seine Begleiter ums Leben kamen, forderte Dschaballah asch-Schaibani (Parlamentarier) eine ernsthafte Aufklärung und die Veröffentlichung der gesamten Ermittlungsergebnisse.
+ Generalstaatsanwalt as-Siddiq as-Sur bestätigte, dass die Türkei die Teilnahme einer libyschen Justizdelegation an den laufenden Ermittlungen zum Absturz des Flugzeugs, in dem sich al-Haddad und seine Begleiter befanden, zustimmte.
+ Türkische Zeitung Yeni Ankara: Eine zypriotische Flugbegleiterin, die ursprünglich zur Besatzung des abgestürzten Flugzeugs gehörte, wurde auf Anweisung der ermittlungsführenden Staatsanwaltschaft Ankara festgenommen. In die Ermittlungen zum Flugzeugabsturz wurden Erkenntnisse von Geheimdiensten miteinbezogen, die sich auf Sabotage beziehen. Der Verdacht stütze sich auf folgende Unklarheiten: Warum charterte die libysche Delegation, die zuvor Linienflüge nutzte, für diese Reise ein Privatflugzeug bei einer Firma mit Sitz auf Malta? Wieso fand in letzter Minute ein Crewwechsel statt und wieso war ein zypriotischer Staatsbürger an Bord?
+ Anadolu
Agency: Bisher hat sich keine Verbindung mit einer terroristischen
Organisation oder mit ausländischen Geheimdiensten ergeben.
Die türkische Generalstaatsanwaltschaft sandte den libyschen Behörden
ein Memorandum, in dem sie Informationen über das Unternehmen,
das das Flugzeug geleast hatte, die Leasingverfahren, alle
bisherigen Aufzeichnungen über regelmäßige Wartungen und den Austausch
von Ersatzteilen sowie eine Liste der Namen der Personen, die die
letzten technischen Inspektionen durchgeführt hatten, anforderte.
Analysen
+ Times of
Israel: Libysche Fraktionen betrachten die Demokratie als
existenzielle Bedrohung für ihr politisches Überleben. Die politische
Szene in Libyen habe sich Anfang 2026 in eine Bühne für
institutionalisierten Kannibalismus verwandelt.
Die fragile Stabilität, die das Vorjahr kennzeichnete, wurde durch
eine direkte Konfrontation zwischen dem Parlament und dem Staatsrat
über den Vorsitz der Wahlkommission, einer der wenigen
verbliebenen einheitlichen Institutionen, zunichte gemacht. Dies stelle
den endgültigen Sargnagel für den Übergangsplan 2026 dar.
Trotz der stabilen Ölförderung herrsche eine Wirtschaftskrise. Das
BIP-Wachstum sei ein statistischer Trugschluss, der den Verfall
des Finanzsystems verschleiere.
+ Times of
Israel: Die größte Hoffnung für die Einheit Libyens ruht auf dem
Great-Man-Made-River, dessen Pipeline-Netzwerk sich über eine
Strecke von 4.000 Kilometern erstreckt und 1.300 Brunnen umfasst. In
den Bürgerkriegen, insbesondere in den Jahren 2014 und 2019,
wurde der Man-Made-River als Waffe eingesetzt, und da er durch
umstrittene Gebiete verläuft, ist es nahezu unmöglich, ihn zu sichern.
Die im Plan 2050 geforderte einheitliche Wartung und ein einheitliches
Stromnetz der rivalisierenden Eliten in Tripolis und Bengasi seien technische
Fantasterei.
Der institutionelle Zusammenbruch untergrabe jeden technokratischen
Weg zur libyschen Einheit, nachdem die Zentralbank und der Ölkonzern zu
„toten Institutionen“ geworden sind, die nicht mehr in der Lage
seien, ihre positiven Funktionen zu erfüllen, sondern eine fortdauernde Bedrohung
der Stabilität darstellen.
Die größten Hindernisse für die libysche Einheit seien die Türkei und
Russland. Die von den USA angeführten Manöver Flintlock 2026
sei ebenso wie der Wasserplan 2050 lediglich Flickwerklösung für
eine politische Struktur, die durch innenpolitische Gier und außenpolitische
Strategien systematisch demontiert werde.
Wahre Stabilität erfordere die vollständige Zerschlagung der Konfliktökonomie,
die das Chaos zum profitabelsten Wirtschaftszweig im Mittelmeerraum
macht.
+ Geopolitical
Desk: Ägypten, Libyen und Sudan. Der wachsende geopolitische
Wettbewerb zwischen Ägypten und den VAE zeigt sich in der
Sahelzone, wobei Haftar hiervon profitieren wird. Das Länderdreieck
Ägypten-Libyen-Sudan könnte Schauplatz für eine neue Konfrontation
werden, wobei die Gebiete des südöstlichen Libyens das Schlachtfeld
abgeben.
Ägypten und die VAE vertreten im Sudan unterschiedliche
Interessen: Kairo unterstützt General Abdel Fattah al-Burhan
und die sudanesischen Streitkräfte als die einzige lebensfähige Staatsstruktur
an seiner Südgrenze. Abu Dhabi hingegen hat viel in die Rapid
Support Forces von Mohammed Hamdan Dagalo investiert und
auf ein auf Milizen basierendes Machtzentrum gesetzt, das direkter
beeinflusst werden kann.
Haftar ließ sich von der RSF als logistischer Helfer nutzen
und bekommt dafür von den VAE Waffen, Ausrüstung, politische
Unterstützung und Zugang zum Sudan.
Der Sudan ist ein Tor zur Sahelzone. Haftar ist nun in
einem Konflikt aktiv, der den Sudan mit dem Tschad,
Zentralafrika und darüber hinaus verbindet. Er baut Beziehungen
zu einer neuen Generation militärischer Akteure auf, die auch von den USA
und Europa genutzt werden.
Ägypten ist dabei in eine schwächere Position gerutscht. Kairo
hat Haftar in materieller oder politischer Hinsicht weit weniger anzubieten
als die VAE. Hier begibt sich Haftar auf einen Balanceakt.
Der gleichzeitige Umgang mit der VAE und des Sudan ist für
Haftar nicht einfach. Beide sind auf unterschiedliche Weise
strategische Partner, aber mit unterschiedlicher Prioritätensetzung.
Erkrankung von Premierminister Dabaiba
+ Der Premierminister der
Tripolis-‚Regierung‘, Abdulhamid Dabaiba,
ist erkrankt. Das Außenministerium: „Wir übermitteln dem
Premierminister und amtierenden Außenminister unsere aufrichtigsten
Genesungswünsche.
Dabaiba wird im Herz- und Gefäßzentrum von Misrata behandelt.
+ Dabaiba präsentierte sich umgeben von Ärzten im Rollstuhl im Krankenhaus und erklärte, dass es ihm nach einer behandlungsbedürftigen Erkrankung gut gehe und er seine Verpflichtungen gegenüber Libyen weiterhin erfülle.
+ Am 11. Januar gab der Parlamentarier Ali at-Takbali bekannt, dass sich Dabaibas Gesundheitszustand verschlechtert habe und er seine Arbeit nicht wieder aufnehmen kann. Es herrsche Uneinigkeit darüber, wer sein Nachfolge antreten soll. Bestimmte Kreise lehnen die Übernahme des Amtes durch seinen Stellvertreter al-Gatrani ab.
+ Am 12. Januar forderte Präsidentschaftskandidat Slimane al-Bayudi die Offenlegung des Gesundheitszustands von Dabaiba und dessen Fähigkeit, seine Amtsgeschäfte auszuüben; andernfalls solle die offizielle Arbeit an einem Interimsnachfolger übertragen werden, bis ein neuer Premierminister ernannt ist.
+ Laut Abdul Razzaq al-Aradi hat laut den politischen Vereinbarungen die Vakanz des Premierministeramtes den Rücktritt der gesamten Regierung zur Folge. Diese wird dann zu einer Übergangsregierung unter der Leitung eines der stellvertretenden Premierminister, bis sich das Parlament und der Staatsrat auf eine neue Regierung einigen.
+ Ali Misbah Abu
Sabiha (Leiter des Versöhnungsteams von Präsidentschaftskandidat Saif
al-Islam Gaddafi) sagte: „Die plötzliche Abwesenheit von Dabaiba
könnte die Krise verschärfen.“ Es gebe keinen festgelegten
Mechanismus für die Ernennung eines Nachfolgers. Das Parlament habe
der Dabaiba-‚Regierung‘ bereits vor mehr als vier Jahren das
Vertrauen entzogen, aber die Hammad-Parallelregierung sei aufgrund
des zu erwartenden Widerstands durch die politischen und Sicherheitskräfte im
Westen nicht in der Lage, Tripolis einzunehmen.
Wegen der Rivalitäten bei Klärung der Nachfolge könnte die Hauptstadt
längere Zeit ohne effektive Führung bleiben, was sich auf das Leben
der Bürger negativ auswirken würde. Die UN-Mission habe es versäumt,
Lösungen für Probleme dieser Art zu finden.
+ Africa Intelligence: Nachdem Präsidialratsmitglied Walid al-Lafi an Stelle von Dabaiba an einem wichtigen Jahrestreffen teilgenommen hat, werde die Frage nach Dabaibas Nachfolger immer lauter, insbesondere da Dabaiba zwei Stellvertreter hat, nämlich Hussein al-Gatrani und Ramadan Abu Dschenah. Dabaiba selbst beharre darauf, seinen Posten selbst auszuüben und beruhige die Öffentlichkeit über seinen Gesundheitszustand.
+ Osama Schahumi (Politikwissenschaftler): Walid Al-Lafi ist in Tripolis zum faktischen Entscheidungsträger geworden, was bedeutet, dass Katar die libysche Hauptstadt aus der Ferne kontrolliert, da al-Lafi Teil ihres politischen Systems und ihrer Ausrichtung ist.
Neubesetzung der Wahlkommission
+ Imad as-Sayeh,
Vorsitzender der Wahlkommission: „Zum ersten Mal gerät die Wahlkommission
ins Zentrum des politischen Sturms.“ Eine Einigung zwischen Parlament
und Staatsrat werde nicht zustande kommen. Die Wahlkommission habe
das Recht, sich zu verteidigen. „Wir haben uns in einem Schreiben an die
Abgeordneten gewandt und erklärt, dass der Wahlprozess gestoppt wird,
wenn diese Gesetze nicht geändert werden. Wenn Einwände hinsichtlich der
Nationalität oder des Militärpersonals bestehen, ist dies eine Angelegenheit,
die nicht die Wahlkommission, sondern die politischen Parteien betrifft.“
Weiter erklärte as-Sayeh,
dass er bereit sei, nach 14 Jahren seinen Posten zu verlassen. Er
erwarte, dass sich Parlament und Staatsrat auf einen neuen
Vorsitzenden der Wahlkommission einigen, damit er eine einheitliche
und nicht eine gespaltene Kommission übergeben kann. Dies sei seine
einzige Bedingung.
Sollten tatsächlich Wahlen im Jahr 2026 gewünscht sein, sollte der Vorstand
der Wahlkommission vervollständigt, aber nicht komplett neu besetzt
werden, damit die nötige Erfahrung zur Umsetzung der Wahlgesetze
gewährleistet ist. Bei einer kompletten Neubesetzung wäre die Abhaltung
von Wahlen erst 2027 oder 2028 denkbar.
As-Sayeh:
Die Gerichtsurteile bezüglich der Wahlen 2021 waren politisch
motiviert. Die Forderung der Wahlkommission nach Änderung der
Wahlgesetze wurde abgelehnt.
Im Mittelpunkt des politischen
Streits stehen die Wahlgesetze und die Ergebnisse des
6+6-Komitees. Die Wahlkommission ist die einzige einheitliche und
erfolgreiche Institution in ganz Libyen. Es sei ein großer Fehler der
UN-Mission, dass sie sich an die Schritte des Fahrplans gehalten habe,
denn dies würde die Spaltung vertiefen.
As-Sayeh:
Die Besetzung freier Stellen im Rat der Wahlkommission unterliegt keiner
politischen Vereinbarung, im Gegensatz zur Neubesetzung des gesamten
Rates der Wahlkommission, die einen Konsens zwischen dem Parlament
und dem Staatsrat erfordert.
Die Botschaften der UN-Mission sind widersprüchlich, mal spricht
sie von einer Umstrukturierung des Kommissionsvorstands, mal von
der Besetzung freier Stellen, als ob sie den Unterschied zwischen
den beiden nicht verstünde.
Die UN-Mission
habe Bedenken hinsichtlich möglicher Herausforderungen für den
aktuellen Vorstand der Wahlkommission oder dessen Vorsitzenden im
Falle der anstehenden Wahlen. „Wir verfügen jedoch über das Urteil
des Obersten Gerichtshofs, das endgültig ist und alle vorherigen
Urteile außer Kraft setzt.“
As-Sayeh:
Die Wahlkommission repräsentiert den Willen des libyschen
Volkes, und wenn die Wahlgesetze breite Unterstützung in der
Bevölkerung finden, werden wir uns unverzüglich am Wahlprozess beteiligen.
Einwände
bezüglich der Staatsbürgerschaft oder der Kandidatur von
Militärangehörigen fallen nicht in den Zuständigkeitsbereich der
Kommission; vielmehr handle es sich um politische Angelegenheiten.
+ Laut dem Staatsratsmitglied Amina al-Mahdschub will der Staatsrat dafür sorgen, dass der vom Staatsrat – in Widerspruch zum Parlament – von ihm neu gewählte Vorsitzende der Wahlkommission, Salah al-Kamischi, bald sein Amt antritt.
+ Die Koordinierungsstelle
der politischen Parteien und Blöcke warnte vor Versuchen, die Wahlkommission
zu untergraben und Maßnahmen zu ergreifen, die zur Bildung einer
Parallelkommission führen könnten. Dies würde die letzte Hoffnung auf die
Abhaltung von Parlaments- und Präsidentschaftswahlen zerstören.
Die UN-Mission müsse die Arbeit der Wahlkommission unterstützen
und sich auf die Seite des libyschen Volkes stellen, das einen Wandel
fordert.
Die Wahlkommission habe die bisherigen Wahlanforderungen mit
bemerkenswerter Effizienz erfüllt, trotz der Knappheit an materiellen
Ressourcen und der administrativen und logistischen Schwierigkeiten,
mit denen sie konfrontiert war. Ihre Integrität und Unabhängigkeit
wurden nie bezweifelt.
+ Achmed al-Mahdawi (politischer Analyst): Die Wahlkommission ist eine unabhängige technische Institution, die nicht Gegenstand politischer Auseinandersetzungen sein sollte. Die Manipulation dieser Institution in dieser heiklen Phase kann nur als Versuch verstanden werden, die Wahlen zu stören und ein politisches Faktum zu schaffen, das Partikularinteressen auf Kosten des Willens des libyschen Volkes dient.
+ As-Senussi Ismail: Trotz der Kriege und Spaltungen in Libyen blieb die Wahlkommission geschlossen und neutral. Die aktuellen Ereignisse werden, wie bei anderen Institutionen auch, zu ihrer Aufspaltung in zwei Kommissionen führen: eine in der Hauptstadt Tripolis und die andere in Bengasi.
+ Am 12. Januar gab der Staatsrat die Wahl von drei Mitgliedern aus den westlichen und südlichen Regionen in die Wahlkommission bekannt.
Das weitere Hickhack um die Besetzung der Wahlkommission sei den Lesern erspart. Die Wahlkommission wird sich spalten und damit wird die Durchführung von Wahlen im Jahr 2026 kaum mehr möglich sein.
Ali as-Salabi zum Berater für Versöhnungsfragen ernannt
+ Al-Menfi ernannte Ali as-Salabi, ein Mitglied der Muslimbruderschaft, zu seinem Berater für nationale Versöhnungsfragen.
+ Dazu Osama Schahumi: Ali as-Salabi steht seit 2017 aufgrund von Vorwürfen der Unterstützung und Finanzierung von mit al-Kaida verbundenen Terrorgruppen in Saudi-Arabien, den VAE und Bahrain auf Terroristenlisten.
+ Ascharq al-Awsat schrieb, dass es als Widerspruch gesehen wird, eine Person mit Wohnsitz außerhalb Libyens mit der Leitung eines komplexen internen Versöhnungsverfahrens zu beauftragen. Aktivisten stellten das Schicksal des Versöhnungsgesetzes in Frage, das noch immer in den gesetzgebenden Institutionen feststeckt. Die Spaltung werde durch die Ernennung as-Salabis verstärkt.
+ Ali Misbah Abu
Sabiha, Leiter des Versöhnungsteams des Präsidentschaftskandidaten Saif
al-Islam Gaddafi: „Die Ernennung von Ali as-Salabi zum Berater von
Mohammed al-Menfi in Fragen der nationalen Versöhnung ist unangemessen.“
Ali as-Salabi sei eine umstrittene Persönlichkeit und für die
meisten libyschen Parteien inakzeptabel. Seine Ernennung beeinflusse
den nationalen Versöhnungsprozess negativ.
Ali Misbah
Abu Sabiha: „Ich betone die Notwendigkeit, die Versöhnungsbehörde
rasch zu bilden, um eine der wichtigsten Bestimmungen der Genfer
Dialogkonferenz umzusetzen.
+ Salem Karwad aus Misrata sieht den Einfluss des Auslands bei der Einsetzung von as-Salabi am Werk. Die Muslimbruderschaft sei in Libyen eine Konfliktpartei.
+ Die Koalition politischer Parteien weist die Entscheidung von Mohammed al-Menfi zurück, Ali as-Salabi zum Berater für Versöhnungsfragen zu ernennen.
+ Der Oberste Rat der libyschen Stämme und Städte in der Zentralregion lehnt die Entscheidung ab, Ali as-Salabi zum Berater für Versöhnungsfragen zu ernennen.
+ Die Partei Stimme des Volkes lehnte die Ernennung von as-Salabi zum Berater des im Exil lebenden Vorsitzenden des Präsidialrats al-Menfi ab und betonte, da diese die Situation in ein neues Schlachtfeld für Konflikte und gegenseitige Anschuldigungen verwandeln könnte.
Innerlibysche Nachrichten
+ Die Koordinatisionsstelle
der politischen Parteien und Blöcke verurteilte das Verbot der
Registrierung nicht-arabischer Namen in der westlichen Region durch
die Zweigstelle der Zivilstandsbehörde. Dies stelle eine
Diskriminierung der indigenen Bevölkerung Libyens dar und richte sich gegen
die Amazigh (Berber), Tuareg und Tibu, deren Stämme
Bestandteile Libyens sind. Gefordert wird die sofortige und
bedingungslose Aufhebung des Verbots.
„Libyen ist mit seiner Geschichte, seiner Zivilisation und
seiner Vielfalt eine Heimat, die alle seine Bürger vereint.
Seine nationale Identität basiert auf Pluralismus und Vielfalt, nicht
auf Ausgrenzung und Verleugnung.“
+ Die von Fathi asch-Schibli
geführte Partei
Stimme des Volkes forderte ein nationales Entwicklungsprogamm zur
Diversifizierung der Wirtschaft, zur Schaffung von einer Million
Arbeitsplätze für Libyer außerhalb des Staatshaushalts und zur Festlegung
einer klaren und strengen Einwanderungs- und Grenzpolitik, die die
demografische Zusammensetzung und die nationale Sicherheit schützt.
Soziale und gesundheitliche Indikatoren seien Warnhinweise: Die Krebsinzidenz
hat 18 % überschritten, die Scheidungsrate ist auf über 24 %
gestiegen, und die Ausbreitung von AIDS nimmt alarmierend zu.
Die andauernde politische Spaltung, die systemische Korruption,
die Verbreitung von Waffen außerhalb staatlicher Institutionen und das Fehlen
einer strategischen Planung werden unweigerlich dazu führen, dass der
Staat nicht mehr in der Lage ist, Gehälter zu zahlen, dass Subventionen
eingestellt werden, der Dinar zusammenbricht und die grundlegenden
Dienstleistungen wegfallen.
Es sei notwendig, verbindliche jährliche, fünfjährige und zehnjährige
Entwicklungspläne auf der Grundlage moderner Industrie und
Landwirtschaft, erneuerbarer Energien, Tourismus und digitaler
Wirtschaft zu erstellen.
Die staatlichen Institutionen müssten vereinheitlicht, eine einheitliche
Rechtsinstanz geschaffen und eine unabhängige, unpolitisierte Justiz
eingerichtet werden.
+ Laut dem Journalisten Khalil al-Hassi
gibt es im westlichen Libyen einen Plan bezüglich der Besetzung
der Posten des Außenministers und des Geheimdienstchefs. Es gebe einen Deal
über 200 Millionen Dinar zwischen Ibrahim Dabaiba, Walid al-Lafi,
Abdul-Muttalib Thabet (Vertreter der Arabischen Liga) und Ziad
Daghim (Botschafter in den Niederlanden mit großem politischen Einfluss).
Abdel-Schafi Buzlaa, derzeit Sportminister und
Kommunalverwaltungsminister, soll zukünftig den Geheimdienst führen. Bozlaa
habe eine skandalöse Vergangenheit und sei dadurch leicht erpressbar
und völlig ungeeignet für einen Posten, der die nationale Sicherheit
betrifft.
Walid al-Lafi habe es auf den Posten im Außenministerium
abgesehen und deshalb dem Plan zugestimmt.
+ Weder der Chef der Zentralbank, Nadschi Issa, noch sein Stellvertreter nahmen an der Parlamentssitzung am 11. Januar teil, zu der sie berufen wurden. Nadschi Issa entschuldigte sich aus gesundheitlichen Gründen.
+ Das Parlament zeigte sich verärgert, dass der Chef der Zentralbank wiederholt nicht vor dem Parlament erschienen ist. Dies würde seine Entlassung rechtfertigen.
+ Der Parlamentsabgeordnete Issa al-Oraibi forderte, die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses, der den Zentralbankchef, seinen Stellvertreter und die Vorstandsmitglieder übergeprüft, andernfalls würden sie entlassen und andere Personen eingesetzt werden, die besser zur Verwaltung der Gelder in der Lage sind. Die Fortsetzung dieser Krise werde einen deutlichen Anstieg des Dollarkurses zur Folge haben.
+ Die Libysche Nationalbewegung: Das Land muss sich nun für einen von zwei politischen Wegen entscheiden, eine dritte Option gibt es nicht: entweder die Bildung einer nationalen verfassungsgebenden Versammlung oder die Einsetzung eines umfassenden politischen Dialogkomitees.
+ Sieben Kandidaten
für das Präsidentenamt der neuen Regierung bekräftigen in einer
gemeinsamen Erklärung, dass die Bildung einer Einheitsregierung eine
grundlegende Voraussetzung für die Integrität des Wahlprozesses sei.
Der Wahlprozess sollte auf den Gesetzen zur Wahl des Staatsoberhaupts
basieren, die sowohl lokale Akzeptanz als auch internationale
Unterstützung und jene von der UN-Mission haben.
+ Mohammed Tarhuni: Der Staatsrat ist ein Instrument zur Verhinderung von Lösungen, eine Waffe der Parteien, die die nächste Phase blockieren möchten. Die Dabaiba-‚Regierung‘ habe Takala durch Manipulation zum Vorsitzenden des Staatsrats gemacht, um die Einigung mit dem Parlament zu verhindern.
+ Nasser al-Hawari (Menschenrechtsaktivist): Abdel Salam az-Zubi (Verteidigungsministerium der Dabaiba-‚Regierung‘) verdiente mehr als 300 Millionen US-Dollar durch Devisengeschäfte bei der Zentralbank. Dies geschah über Akkreditive, die an Unternehmen vergeben wurden, die unter den Namen anderer Personen registriert waren, aber faktisch von seinem Bruder Mohammed az-Zubi geführt wurden.
Die Rate der Anordnungen von Verhaftungen durch die Staatsanwaltschaft aufgrund von Korruption, Fälschungen von Identitätsnachweisen, Gewalttaten ist nach wie vor sehr hoch. Da diese Festnahmen aber nicht immer durchgeführt werden, wird auf ihre einzelne Erwähnung verzichtet.
Wirtschaft / Finanzen
+ Die Libysche
Zentralbank (CBL) gab bekannt, dass sich die Einnahmen vom Monatsbeginn
bis zum 8. Januar auf lediglich 155 Millionen US-Dollar belaufen. Die gesamten
Devisenverkäufe überstiegen im gleichen Zeitraum eine Milliarde
US-Dollar.
Die CBL werde weiterhin Devisen bereitstellen, um den Bedarf
des libyschen Marktes zu decken, um so die finanzielle Stabilität des
Landes zu sichern und die Verfügbarkeit lebensnotwendiger Güter zu
gewährleisten.
+ Am 12. Januar erreichte der Wechselkurs des US-Dollar neun Dinar, der damit seinen Abwärtstrend fortsetzt.
+ Abdul Hamid al-Fadhil (Professor für Wirtschaftswissenschaften, Uni Misrata): Die ungezügelten Ausgaben des Aufbaufonds von Belqasim Haftar sowie der Regierungen von Dabaiba und Hammad verschärfen den Druck auf den Wechselkurs, wobei der Bürger der Leidtragende ist.
+ Der Präsident der Journalistenvereinigung, Mansur al-Ahrasch, sagte: „Während des von Abdel Fattah Ghaffar angeführten Zentralbankraubs verschwanden fünf Milliarden.“
+ Mohammed al-Gardsch (Medienvertreter) fragte nach dem Verbleib von 2,6 Milliarden Dinar Steuergeldern im Jahr 2025. Laut Berechnungen müsste der Staat 3,6 Milliarden Dinar an Steuern eingenommen haben, in den Konten der Zentralbank erscheine aber nur eine Milliarde Dinar. „Wo ist die Steuerbehörde?“
+ Die Libysche Stiftung für Technologie entschuldigte sich für den Vertragsabschluss mit der Holdinggesellschaft für Kommunikation. Der Vertrag bürde die gesamte finanzielle Last der von ihr durchgeführten Projekte der Stiftung auf, ohne der Holding Company irgendwelche Verpflichtungen aufzuerlegen. Die Stiftung habe außerdem das Rechnungsprüfungsamt gebeten, den Vertrag zu prüfen.
+ Kenianische Wirtschaftswebsite Mailing Middle East: Libyens Weizenimportrechnung in Höhe von 910 Millionen US-Dollar wirft Fragen nach dem Umfang der Importe auf, denn der libysche Weizenverbrauch übersteigt damit den globalen Durchschnitt um mehr als 470 Prozent. Diese große Diskrepanz zwischen dem geschätzten Konsumbedarf des Landes und dem für Importe bereitgestellten Geldern wirft Fragen hinsichtlich Subventionen, Datengenauigkeit und Ressourcenmanagement in Libyen auf.
+ Mohammed al-Gardsch (Medienvertreter) deckte auf, dass das Lafico-Unternehmen unter der Leitung von Musa Atiq, dem Direktor der Libyan Foreign Investment Company, Verluste in Millionenhöhe verbuchte.
+ Emiratische Zeitung al-Ain News: Libyen sucht nach einer Lösung, nachdem sich Unternehmen, die ums Überleben kämpfen, aus Libyen zurückziehen. Davon betroffen seien vormals über 18.000 Arbeiter, deren Zahl aber aufgrund von Todesfällen und harten Arbeitsbedingungen zurückgehe. Die nach 2011 Verantwortlichen konnten noch keine Lösung finden, auch wenn sporadische Gehaltszahlungen an Arbeiter stattfanden, die seit Jahren kein regelmäßiges Einkommen haben.
+ Africa Intelligence:
Doha (Katar) wird gemeinsam mit einer großen
italienisch-schweizerischen Reederei den Hafen von Misrata
betreiben, nachdem sein Angebot türkische, emiratische und französische
Angebote übertroffen hat. 1,5 Milliarden US-Dollar sollen in die Modernisierung
des Hafen- und Logistiksektors investiert werden. Der Vertrag umfasst auch
den Bau eines neuen Tiefwasserhafens.
Seit dem Sturz Gaddafis zählt Katar zu den stärksten Unterstützern
Dabaibas. Auch Italien unter Meloni arbeitet eng mit Dabaiba zusammen.
+ Turkey Today: Libyen gehört zu den größten Importeuren von türkischem Gold, die Importe beliefen sich im vergangenen Jahr auf über 350 Millionen US-Dollar. Die Menschen flüchteten angesichts der wirtschaftlichen und politischen Unsicherheit in Gold.
Erdöl / Erdgas
+ Der Generalstaatsanwalt kündigte die Einleitung eines öffentlichen Gerichtsverfahrens gegen die Verantwortlichen für die Unterbrechung der Treibstoffversorgung und die Veruntreuung der dafür bereitgestellten öffentlichen Gelder an. Die öffentliche Kassen wurden zum einen durch Rohöltausch und zum anderen durch Sofortlieferverträge, die nicht dem öffentlichen Interesse dienen und keiner ausreichenden Aufsicht unterliegen, geschädigt.
+ Laut der italienische
Nachrichtenagentur Nova gingen
die Gaslieferungen von Libyen nach Italien im Jahr 2025 um
fast 30 Prozent zurück, entgegen den Aussagen der
Dabaiba-‚Regierung‘. Der verringerte Durchfluss könnte auf eine teilweise
Stilllegung der Pipeline von libyscher Seite zurückzuführen sein, die durch
lokale Proteste oder betriebliche Probleme verursacht wurde.
Die Importe aus Libyen werden im Jahr 2025 weniger als zwei Prozent
des Gesamtvolumens ausmachen, was den allmählichen Rückgang Libyens
im italienischen Gasmix bestätigt.
+ Machmoud
al-Futaisi (Nationaler Rat für wirtschaftliche und soziale Entwicklung):
Wer das Öl kontrolliert, regiert Libyen. Politik ist reine Fassade. Der
Konflikt sei ein Streit zwischen Politikern um Reichtum, sonst nichts.
Die National Oil Corporation leide unter gravierenden
Problemen und wird nicht ordnungsgemäß geführt, sodass sie rückständig
sei und einer kompletten Überholung bedarf. Die Arkano Company
habe im Ölsektor erhebliche Probleme verursacht, die Umstände ihres
Entstehens seien ungeklärt. Der von der Regierung eingesetzte Untersuchungsausschuss
habe keine Ergebnisse seiner Ermittlungen veröffentlicht. Arkano
erhalte bei einigen Ölfeldern einen prozentualen Anteil der
Ölproduktion auf der Grundlage einer unklaren Konzession.
+ Mahdi Abdel-Aati (politischer Analyst aus Misrata) enthüllte Machenschaften von Saddam Haftar und Achmed al-Aschibi, die darauf abzielten, Angebote für den Kauf von Öltankern einzuholen, die für den Schmuggel von Rohöl über den Schwarzmarkt genutzt und der Kontrolle der Firma Arkano unterstellt werden sollten.
+ Der britische Wirtschaftsanalyst
Simon Witkins: Das westliche Interesse am libyschen Ölsektor ist zurückgekehrt:
Mehr als 40 Unternehmen haben ihr Interesse an der ersten Lizenzierungsrunde
seit 2011 bekundet. Libyen verfüge über die größten nachgewiesenen Ölreserven
in Afrika mit rund 48 Milliarden Barrel und produzierte vor 2011 rund 1,65
Millionen Barrel pro Tag an hochwertigem Rohöl, das sich in Europa
einer breiten Nachfrage erfreute.
Der Kern der Krise bleibe politischer Natur, da die im Rahmen
des Abkommens zur Aufhebung des Ölembargos im September 2020 beschlossenen
Maßnahmen nicht in Kraft getreten sind, insbesondere im Hinblick auf die Verteilung
der Öleinnahmen, die Vereinheitlichung des Haushalts und die gemeinsame
Überwachung der Einnahmen.
Jeder Anstieg oder Rückgang der Ölproduktion könnte die Karten auf
dem globalen Ölmarkt neu mischen und Libyen trotz seiner politischen
Instabilität zu einem einflussreichen Akteur machen.
+ Reuters berichtete, dass die Ölexporte aus den Häfen von Brega, Ras Lanuf und Zwaitina am 9. Januar aufgrund widriger Wetterbedingungen ausgesetzt wurden.
UN-Mission / UNO
+ Am 11. Januar begann die erste
Sitzung des Strukturierten
Dialogs zum Thema Regierungsführung. Zunächst soll
eine Liste der zu behandelten Inhalte erstellt werden. Die UN-Mission
moderierte.
Die beiden Gruppen zu den Themen Sicherheit und Wirtschaft tagen vom 18. bis
22. Januar.
+ Der Parlamentarier Ali as-Sul kritisierte, dass die UN-Mission die Libyen-Krise verlängere, indem sie sie verwaltet, anstatt sie zu lösen. Sie binde Persönlichkeiten und Parteien ein, die im politischen Geschehen keinerlei Rolle spielten. Die von der Mission ergriffenen Maßnahmen verstießen gegen geltendes libysches Recht und die Verfassungserklärung.
+ UN-Büro für
Drogen- und Verbrechensbekämpfung: Der Drogenhandel in Libyen wurde
durch die prekäre Sicherheitslage, die schwachen Institutionen
und Korruption seit 2011 begünstigt. Lokale Drogenhandelsnetzwerke
verdoppelten ihre Kontakte zu Lieferanten in verschiedenen Teilen
der Welt, wodurch Libyen zu einem immer wichtigeren Vertriebszentrum
wurde. Kriminelle Netzwerke in Libyen agieren zunehmend unabhängig
und verbinden Schmuggler in Amerika mit traditionellen Märkten in Westeuropa,
wachsenden Märkten in Südosteuropa und neuen Märkten in Westasien.
Daneben floriert der Handel mit Menschen, Treibstoff und Schusswaffen.
Die extreme
Instabilität der Sicherheitslage hat seit 2011 zu einem rasanten
Wachstum der Schattenwirtschaft in Libyen geführt, und die meisten dieser Gruppen,
die in kriminelle Aktivitäten verwickelt sind, sind in bestimmten und
relativ kleinen Gebieten verankert.
Einflussreiche Persönlichkeiten im ganzen Land ermöglichen
Schmugglern und Schleusern gegen Geld ihre Tätigkeit und
gewähren ihnen Informationen und Schutz.
Wichtige libysche
Häfen wie Tripolis, al-Choms und Bengasi sind in Drogenschmuggeloperationen
von Lateinamerika nach Nordafrika verwickelt und wurden zu wichtigen
Einfallstoren für Kokain nach Nordafrika.
Goldminen
an Nigers Nordgrenze haben sich zu Rastplätzen entlang der Routen
entwickelt, die für den Kokain- und Cannabisschmuggel genutzt werden.
Sie seien sichere Orte zum Auftanken und zur logistischen
Unterstützung für Schmuggler auf dem Weg nach Libyen.
Kriminelle Netzwerke nutzten wichtige Transitzentren in Sebha,
Ubari und Murzuq, bevor sie die Ware innerhalb des Landes
verteilen oder sie in Zusammenarbeit mit Milizenführern, von
denen einige offizielle Positionen im Staat innehaben, in
Nachbarländer transferieren. Kriminelle Gruppen konnten so ihre
militärische und wirtschaftliche Macht ausbauen, ihren Einfluss auf
staatliche Institutionen stärken und sogar institutionelle Rollen
übernehmen und so zusätzliche Finanzmittel erhalten, um ihre kriminellen
Aktivitäten zu legitimieren.
Die libysche
Regierung müsse ihre Ausgabenprioritäten überdenken, da die Ausgaben
stark auf den Verteidigungs- und Sicherheitssektor konzentriert sind, der 44
Prozent der Arbeitsplätze ausmacht, verglichen mit 27 Prozent im
Bildungssektor und 8 Prozent im Gesundheitssektor.
Strafverfolgungsmaßnahmen, die sich auf Schmuggler und Kleinhändler
konzentrieren, ermöglichen zwar kurzfristig greifbare Ergebnisse, sind
aber bei der Zerschlagung von Märkten und kriminellen Gruppen ineffektiv
und können soziale Konflikte und wirtschaftliche Instabilität,
insbesondere in Grenzgebieten, verschärfen.
Weitere Nachrichten aus Libyen
+ Die von der Stadtverwaltung Misrata betriebene Müllabfuhr kippt Unrat aller Art auf einer Deponie ab, die direkt an die Wohngebiete von Tawergha grenzt. Der Müll wird verbrannt und der giftige Rauch, der die Stadt einhüllt, verursacht bei der dortigen Bevölkerung gesundheitliche Schäden.
+ Lenkungsausschuss Tobruk: Die Knappheit an Futtermitteln hat zu erheblichen Verlusten für die Viehzüchter geführt und stellt eine ernsthafte Bedrohung für die Nachhaltigkeit dieses Sektors dar, der eine der Hauptsäulen der Ernährungssicherheit ist. Es sei notwendig, mit dem Import von Futtermitteln zu beginnen und diese den Züchtern zu einem subventionierten Preis anzubieten.
+ Fotos: Im Erdöl fördernden Libyen ist es sehr schwierig, Treibstoff zu erhalten. Es bilden sich lange Kolonnen inmitten der Ölfelder um al-Adschdabiya.
+ Libyen zählt laut dem globalen Lebensqualitätsindex Numbeo zu den zehn afrikanischen Ländern mit den höchsten Kriminalitätsraten. Es leide unter Terrorismus, Milizenaktivitäten und politischer Instabilität, was den Alltag gefährlich mache.
Migration
+ Nato Defense
College: Die zentrale Mittelmeerroute bleibt der am stärksten
frequentierte Migrationskorridor und Libyen ist weiterhin der wichtigste
Ausgangspunkt. Illegale Migration ist ein lukratives Geschäft
für eine Vielzahl von Milizen in ganz Libyen.
Die Zahl der Migranten von Libyen nach Kreta stieg genau dann an,
als es zu diplomatischen Auseinandersetzung zwischen Griechenland und
den Behörden im Osten Libyens gekommen war. Weißrussland habe
dazu den Transfer illegaler Migranten von Minsk nach Bengasi
erleichtert. Vor dem Hintergrund der eskalierenden Konfrontation zwischen
Russland und dem Westen habe die mögliche Nutzung Libyens als
Ausgangspunkt für hybride Kriegsführung gegen die Südflanke der
NATO die europäischen Hauptstädte alarmiert.
Moussa Ibrahim und Aischa Gaddafi melden sich zu Wort
+ Interview Moussa Ibrahim /
Libyen 2011: Über eine Rede von Muammar Gaddafi: „Sie nannten es
Propaganda. Aber es war eine Warnung. Jedes Wort, das in diesem Moment
gesprochen wurde, ist nun unsere Realität.“
Video.
+ Botschaft an den Iran: Aisha Gaddafi, Tochter von Oberst
Gaddafi, die heute mit ihrer Familie im Exil im Oman lebt, verfasste eine
Botschaft an die Menschen im Iran:
„O standhafte und freiheitsliebende Menschen im Iran!
Ich spreche zu euch aus einem Herzen, das voll ist von Zerstörung, Schmerz und
Verrat. Ich bin die Stimme einer Frau, die die Verwüstung ihres Landes gesehen
hat – verursacht nicht durch die Hände offener Feinde, sondern das Land ließ
sich vom trügerischen Lächeln und falschen Versprechungen des Westens
einfangen.
Ich warne euch, nicht auf die falschen Worte und Parolen westlicher
Imperialisten hereinzufallen. Sie sagten einmal meinem Vater, Oberst Gaddafi:
„Wenn Ihr euer Atom- und Raketenprogramm aufgebt, werden sich für Euch die
Türen der Welt öffnen.“
Mein Vater wählte mit guten Absichten und dem Vertrauen in den Dialog den Weg
der Zugeständnisse. Aber am Ende haben wir gesehen, wie Nato-Bomben unser Land
in Schutt verwandelten. Libyen wurde im Blut ertränkt und seine Menschen in
Armut und Zerstörung gefangen oder ins Exil gedrängt.
Meine iranischen Schwestern und Brüder, euer Mut, eure Würde und eure Widerstandskraft
angesichts von Sanktionen, Agenten und Wirtschaftskrieg sind ein Beweis für die
Ehre und wahre Freiheit eures Landes. Dem Feind Zugeständnisse zu machen bringt
nichts als Zerstörung, Spaltung und Leid. Mit einem Wolf zu verhandeln wird
weder die Schafe retten noch dauerhaften Frieden bringen – es setzt nur das
Datum für die nächste Mahlzeit!
Die Geschichte hat bewiesen, dass diejenigen, die standhaft blieben – von Kuba,
Venezuela und Nordkorea bis Palästina – in den Herzen der Helden der Welt am Leben
bleiben; ehrenvoll und unsterblich gehen sie in die Geschichte ein, während die
Namen derjenigen, die sich ergeben haben, zu Asche wurden.
Gruß an die mutigen Menschen im Iran! Gruß an den iranischen Widerstand! Gruß
an die globale Solidarität mit dem palästinensischen Volk!
Mit Liebe und Mitgefühl, Aisha Gaddafi.“
USA: Libyen und Venezuela
+ Mohammed Gaschut
(Politologe) sieht Libyen nicht weit vom Venezuela- Szenario entfernt.
Es sei zu erwarten, dass die USA ihren Einfluss und ihre
Kontrolle ausüben werden, sollte die Spaltung anhalten.
Sollte Trump den globalen Ölmarkt mit Millionen von venezolanischen
Barrel Öl überschwemmen, werde Libyen zu den größten Verlierern gehören.
+ The Guardian:
Trump will, dass us-amerikanische Unternehmen den venezolanischen
Ölsektor übernehmen, vergisst dabei aber, dass der Sturz von Regimen
in einem ölreichen Land keinen Produktionsboom garantiert. Dafür seien Libyen
und der Irak die besten Beispiele.
Mehr als ein Jahrzehnt nach Gaddafis Tod sei Libyen weiterhin von
Rebellenmilizen bedroht, die von der US-Regierung unterstützt
werden. Die Ölproduktion habe sich nie erholt. Ölexporte, die
wichtigste Einnahmequelle des Landes, würden bei Konflikten als Druckmittel
eingesetzt.
+ Abdullah
al-Kebir (Politologe): Wenn die USA beschließen, in Libyen
einzugreifen oder sich stärker zu engagieren, wird sich das Vorgehen von
dem in Venezuela unterscheiden. Den einflussreichen Parteien werde mitgeteilt
werden, was sie zu tun haben, andernfalls werden sie als den
amerikanischen Interessen feindlich gesinnt eingestuft.
Sollte der Ölpreisverfall anhalten ebenso wie die Preissteigerungen
bei allen Waren und Dienstleistungen, bedeute dies größere Härten
für die Bevölkerung. Die Regierung könnte nicht mehr in der Lage
sein, die Gehälter ihrer Angestellten zu zahlen.
+ Fathi
asch-Schibli (Parteivorsitzender Stimme des Volkes) sagte, dass die Aussage
des US-Außenministers, Venezuela sei nicht Libyen, im Nahen Osten
nicht als beiläufige Bemerkung abgetan werden könne, sondern als politisch
brisante Aussage verstanden werden müsse. Libyen sei in den
Medien zum stereotypen Bild von Chaos und Spaltung geworden.
Libyen stehe nicht mehr für sich selbst, sondern sei
nurmehr ein warnendes Beispiel.
Dabei werde übersehen, dass Libyen – anders als Syrien – nicht in
einen Bürgerkrieg wie Syrien verfiel, noch konfessionelle Spaltungen
erlebte. Sein Zusammenbruch wäre ohne umfangreiche internationale und
regionale Interventionen nicht möglich gewesen.
+ Die Zeitung asch-Scharq
al-Awsat: Wie konnte Gaddafis Land zum Inbegriff von Unruhen
und Konflikten werden? Immer wenn ein Land von einer Katastrophe
heimgesucht wird, werde zur Demonstration der Fortsetzung des Konflikts das
libysche Modell herangezogen. Das libysche Modell sei zu einem abschreckenden
Beispiel für die Zersplitterung eines Landes geworden, da es seit
dem Sturz des Regimes von Muammar Gaddafi im Jahr 2011 unter politischen
Unruhen leidet.
Angesichts des Dilemmas, eine Lösung in Libyen zu finden, äußerte
beispielsweise der frühere italienische Außenminister Paolo Gentiloni
die Befürchtung, dass Libyen zu einem „zweiten Somalia“
werden könnte, wenn keine Einigung zwischen den Libyern erzielt würde. Dies sei
auch vom algerischen Präsidenten Tebboune zum Ausdruck gebracht worden,
als er sagte, dass „der Versuch, libysche Stämme zum Tragen von Waffen zu
bewegen, eine gefährliche Angelegenheit ist“. Es gebe Parteien, die die libyschen
Stämme bewaffnen wollten, was zur ‚Somalisierung‘ Libyens
führen werde.
Libyen und das Ausland
+ Ägypten/USA. Bei Gesprächen
in Kairo am 14. Januar erörterten der ägyptische Außenminister Badr Abdel
Aati und Trumps Berater Massad Boulos die aktuellen Entwicklungen
in Libyen.
Abdel-Aati betonte die Notwendigkeit, die Bemühungen zur Förderung
des politischen Prozesses in Libyen fortzusetzen, um möglichst bald gleichzeitig
Präsidentschafts- und Parlamentswahlen sowie den Abzug aller
ausländischen Streitkräfte und Söldner aus Libyen zu erreichen.
Massad Boulos
traf auch mit Ägyptens Präsident as-Sisi zusammen. Die beiden Länder
wollen sich in Bezug auf Libyen besser koordinieren.
+ USA. US-Außenminister Marco Rubio hat die Visabearbeitung für Bürger aus 75 Ländern, darunter Libyen, auf unbestimmte Zeit ausgesetzt.
+ Griechenland. Der parlamentarische
Ausschuss zur Überwachung eingefrorener libyscher
Vermögenswerte im Ausland erörterte mit der griechischen
Vize-Außenministerin Alexandria Papadopoulou die Stärkung der
bilateralen Zusammenarbeit und die Überprüfung der Problematik der im
Ausland eingefrorenen libyschen Gelder.
Der Ausschuss bestätigte, dass es sich bei den im Ausland
eingefrorenen libyschen Vermögenswerten um Staatsfonds im Besitz
des libyschen Volkes handelt, die durch internationale Resolutionen zu
dessen Schutz eingefroren wurden. Dem UN-Sicherheitsrat liege
ein Memorandum vor, in dem die Einrichtung eines unabhängigen
internationalen Rechnungshofs zur Prüfung aller eingefrorenen
libyschen Vermögenswerte gefordert wird.
Beamte des griechischen Außenministeriums bekräftigten ihre Unterstützung
für libysche Initiativen bezüglich der eingefrorenen Vermögenswerte.
+ Sudan. Die Gemeinde al-Kufra steht aufgrund des starken Anstiegs der Zahl vertriebener Sudanesen innerhalb und um die Stadt vor einer Reihe zunehmender Herausforderungen. Dienstleistungseinrichtungen, insbesondere der Gesundheitssektor, seien stark belastet. Auch die Kriminalitätsraten seien im Steigen begriffen.
+ Israel. Der ehemalige Sprecher
der Operation Würde (unter dem Kommando von Khalifa Haftar), Mohammed
al-Hidschazi, enthüllte Details des ersten Treffens zwischen Khalifa
Haftar und dem israelischen Mossad in Jordanien.
Haftar habe sich in Jordanien mit einflussreichen Personen getroffen, nämlich
mit Mitgliedern und Führungskräften des Mossad und des zionistischen
Außenministeriums. Israel habe die Unterstützung mit Waffen sowie
Ortungs- und Überwachungssystemen zugesagt. Diese hochentwickelten
Systeme und Geräte, Munition, Waffen und technische Ausrüstung seien auch geliefert
worden, insbesondere Überwachungs- und Kommunikationssysteme sowie leichte
Waffen.
Aus den Nachbarstaaten
+ Ägypten/Libanon/Jordanien. Die Regierung von US-Präsident Donald Trump stuft die Muslimbruderschaft in Ägypten, Jordanien und im Libanon als terroristische Organisationen ein. US-Außenminister Marco Rubio: „Wir werden alle Mittel einsetzen, um der Bruderschaft jegliche Ressourcen zu entziehen.“
+ Algerien. „Die Ende
Dezember von einer lautstarken Gruppe algerischer Emigranten in Paris
verkündete Unabhängigkeit der berberisch sprechenden Region Kabylei hat
dortselbst kein Echo gefunden. Die von der französischen Rechten unterstützte
Aktion hat sich vielmehr als neokoloniale Einmischung entpuppt, um die
ehemalige Kolonie zu destabilisieren. Die angebliche Unterdrückung der Berber
wurde dadurch widerlegt, dass das am Montag gefeierte berberische Neujahr
›Yennayer‹ seit 2017 in ganz Algerie arbeitsfreier Festtag ist. Im
Zentrum Algiers traten traditionelle Musikgruppen aus der Kabylei, den
Tuareggebieten, dem ebenfalls saharischen Msabtal, dem Aurèsgebirge und
etlichen kleineren Gebieten auf, in denen man im Alltag eine Berbersprache
nutzt.“
jW – 14.01.2026
+ Allianz der Sahelstaaten.
„Der Präsident von Burkina Faso, Ibrahim Traoré, hat in einer eindringlichen
Rede eine düstere Warnung an Afrika ausgesprochen. Mit drastischen Bildern und
ungewöhnlicher Offenheit spricht Traoré von einem heraufziehenden „Schwarzen
Winter“ – einem kommenden Zeitalter aus Chaos, Blutvergießen und imperialer
Einmischung, das insbesondere Westafrika treffen werde.
Seine Worte sind keine diplomatische Ansprache, sondern ein politischer
Weckruf.“
Video
+ Allianz der Sahelstaaten: Die AES hat sich gegen die Verletzung der politischen und territorialen Souveränität Venezuelas, die Bombardierung der Zivilbevölkerung sowie die Entführung von Präsident Nicolás Maduro und First Lady Cilia Flores ausgesprochen.
+ Sudan. Die sudanesischen Streitkräfte gaben bekannt, dass sie die Nachschublinie zwischen Südlibyen und den Rapid Support Forces von Hemedi (alias Dagalo) bombardiert haben. „Die Verluste der Dagalo-Söldner beliefen sich auf die Zerstörung von über 240 Kampffahrzeugen und den Tod hunderter ihrer Milizionäre. Auch mehrere strategische Drohnen, Verstecke und Operationsstützpunkte am Flughafen Nyala wurden zerstört. Den Bodentruppen gelang es, die Rebellenmiliz aus großen Gebieten in Kordofan und Darfur zu vertreiben.“
+ Sudan. „Die sudanesische
Regierung unter De-facto-Staatschef Abd Al-Fattah Al-Burhan ist am Montag von
der Hafenstadt Port Sudan in die Hauptstadt Khartum zurückgekehrt, die sie nach
Ausbruch des gegenwärtigen Krieges im April 2023 verlassen hatte. Zugleich will
die Armee eine neue Offensive starten, um die Regionen Darfur und Kordofan von
der gegnerischen Miliz »Schnelle Eingreiftruppen« (RSF) zurückzuerobern.“
jW – 13.01.2026
+ Afrika-Cup: „Riecht nach
Schiebung: Fußball: Der Afrika-Cup geht ins Viertelfinale. Weitergekommen sind
bisher vor allem die üblichen Verdächtigen. […] War der Schiedsrichter
bestochen, der Tansania im Achtelfinale einen Strafstoß gegen Marokko
verweigerte? Mehrfach schon war zuvor für die »Atlaslöwen« entschieden worden:
ein Elfer, der keiner war, gegen die Komoren, ein nicht gegebener Strafstoß für
Mali, ein übersehenes, grobes Foul. Hinzu kommen Berichte, nach denen schon die
Auslosung der Gruppenspiele so manipuliert gewesen sein soll, dass die Heimelf
wenigstens ins Viertelfinale gelangt. Im Netz ist die Rede von der bisher
größten »Verschwörungserzählung«, die sich um einen AfrikaCup spinnt. Spötter
könnten einwenden: Willkommen im FIFA-Normalbetrieb.“
jW / 9.1.26
A. Gutsche
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