Kurznachrichten Libyen – 18. bis 24. Juni 2026
Zusammenbruch der Stromversorgung in Südlibyen / Initiativen zur Überwindung des politischen Stillstands: Strukturierter Dialog, 4plus4-Dialog, Boulos-Plan, Grundsatzpapier, Nationaler Fahrplan / Geheimdienstchefs von Italien, Türkei und Ägypten geben sich im Osten und Westen die Klinke in die Hand / Zusammenstöße in az-Zawaya halten an / Vor libyscher Küste: Migrantensterben im Mittelmeer / Einsatzzentrum für Migrationsfragen in Tripolis mit libyschen, italienischen, türkischen und katarischen Mitarbeitern startet Testphase / AI kritisiert Pläne der EU, Zusammenarbeit mit libyschen Behörden in Migrationsfragen auszubauen / Parallelregierung in Bengasi verbietet Sudanesen, Eritreern, Äthiopiern und Somalis die Einreise nach Libyen – AI protestiert / Von Boulos ausgehandelter einheitlicher Entwicklungshaushalt wird immer noch nicht umgesetzt / USA bauen Antimon-Schmelzanlage in Bengasi / Gefangenenaustausch zwischen Niamey, Tripolis und Bengasi
Zusammenbruch der Stromversorgung in Südlibyen
+ LibyaPress:
Der Süden hat seit mehr als einer Woche keinen Strom, kein Wasser,
keinen Treibstoff. Insbesondere ältere Menschen, Kinder und Kranke
leiden stark unter dieser Situation.
Keiner der Verantwortlichen unternehme etwas.
+ Achmed Matko (Bürgermeister von Ubari): Ausnahmslos alle Städte im Süden leiden unter ständigen Stromausfällen, ohne dass die General Electric Company eine Lösung aufzeigt.
+ Nasr Amgar (Gemeinde Ghat): In Ghat und den angrenzenden Gebieten al-Awainat, Tahala und al-Barkat sind rund 40.000 Einwohner seit über einer Woche vom Stromausfall betroffen.
+ Die Einwohner von Ghat und Zala appellierten an die zuständigen Behörden, unverzüglich einzugreifen, um die Probleme zu lösen und das Leiden der Bevölkerung zu lindern.
+ Bürger von Ghat:
Seit 2011 musste die Gemeinde viele Krise ertragen, von gesperrten
Straßen und Überschwemmungen bis zu fehlenden Dienstleistungen.
Es müsse eine Delegation aus Weisen, Scheichs und Einwohnern der Region
gebildet werden, die die Verantwortlichen mit den Problemen konfrontiert.
+ Mohammed Ramadan
Abdel Fattah (Bürgermeister von al-Awainat): Die Gemeinden
al-Awinat, Tahala, Ghat und al-Barkat leiden unter wiederholten
Stromausfällen, was gravierende Auswirkungen auf das Leben der Bürger
sowie auf die öffentlichen Einrichtungen und Dienstleistungen in den
Bereichen Gesundheit, Bildung und Wirtschaft hat.
„Wir fordern den Wiederaufbau des Kraftwerks al-Awainat als eines
der lebenswichtigen und strategischen Projekte, welches die Stabilität des
Stromnetzes verbessern helfen.“ Dies könne in kurzer Zeit und zu
geringen Kosten umgesetzt werden.
+ Die aufständische
Jugendbewegung (westliche von Tripolis) warnt davor, dass
mit Hilfe von eingeschleusten Migranten im südlichen Libyen eine Teilung
des Landes durchgesetzt werden soll.
Es gebe separatistischen Pläne, eine Polisario–Front im
Südosten, Süden und Südwesten Libyens zu schaffen. Es seien Krisen
inszeniert worden, wie zuletzt die Zerstörung von Strommasten
zwischen Ubari und Ghat.
+ LibyaPress: Im Süden Libyens fehlt das Serum gegen Skorpionstiche.
Saif al-Islam / Dschamahiriya
+ Fathi Bashaga
(abgesetzte Vorsitzender der Bengasi-Parallelregierung): Gaddafi begann
bereits 1980 mit der Zwangsrekrutierung zum Aufbau einer
starken Armee. Es wurden Militärabkommen mit mehreren Ländern geschlossen,
um diese Armee zu bewaffnen.
Gaddafi glaubte an den arabischen Nationalismus und erlaubte
allen arabischen Nationalitäten, sich den libyschen Militärakademien
anzuschließen. In der Luftwaffenakademie in Misrata wurden Teilnehmer
aus Tunesien, Libanon und Palästina ausgebildet, zusätzlich zu afrikanischen
Stipendiaten.
Es gab keine Stammescliquen innerhalb der libyschen Armee; dessen
strengem Regiment mussten sich alle unterwerfen.
Niemand wurde belästigt, solange er sich nicht einer Gruppe
anschloss, die das Regime stürzen wollte, oder der einer verbotenen
religiösen Organisation wie den Muslimbrüdern beitrat.
Die Libyer sehnen sich wegen der schlechten heutigen Lage
in Bezug auf Sicherheit, Wirtschaft und Lebensbedingungen nach den alten
Zeiten zurück. Vergleiche man damals mit heute, so
werde die Gaddafi-Zeit zweifellos bevorzugt. Niemand konnte sich
des Öls bemächtigen, der Lebensunterhalt aller war gesichert,
die Sicherheitslage war sehr gut und das Justizsystem
funktionierte.
„Damals habe ich nicht mit einer Revolution in Libyen gerechnet, denn
die Lage wurde besser, es gab Reformen und Entwicklung.
Es herrschte keine Korruption wie heute. Die Sanktionen gegen das
Land waren aufgehoben. Den Bürgern ging es immer besser.“
+ Salwa al-Maqasbi
(Künstlerin): In der Gaddafi-Ära genossen Kunst und Künstler Freiheit.
Es gab keine Verbote oder Ausgrenzungen so wie es derzeit der Fall ist.
Theaterstücke mit unterschiedlichen Ausrichtungen, die auch
Kritik am Regime äußerten, wurden aufgeführt. Eine Zensur, wie
sie derzeit stattfindet, hat es im Verlauf der libyschen Geschichte noch
nie gegeben.
+ Yahia Abu Zakaria (algerischer Gelehrter): Katar hat die Weltvereinigung muslimischer Gelehrter unter dem Vorsitz von Yusuf al-Garadawi gegründet. Dieser erließ eine Fatwa, in der zum Mord an Muammar al-Gaddafi aufgerufen wurde: „Wer ihn tötet, dem wird eine Belohnung zuteil“. Er rechtfertigte damit den Einmarsch der Nato in Libyen.
Politische Initiativen für Libyen
+ GelaNews: Seit einiger Zeit gibt es ein Verwirrspiel um verschiedene Pläne und Initiativen zur Überwindung des politischen Stillstands und der Spaltung des Landes und seiner Institutionen. Es soll eine Roadmap, die den Weg zu Wahlen ebnet, gefunden werden. Genannt seien hier die von der UN-Mission ins Leben gerufenen Initiativen Mini-Dialog 4plus4 und Strukturierter Dialog sowie der von Massad Boulos, Gesandter des us-amerikanischen Präsidenten Trump, ins Spiel gebrachte Boulos-Plan. Daneben existiert ein gemeinsames Grundsatzpapier zu einer Roadmap, vorgestellt von den bisher zutiefst zerstrittenen libyschen Gremien Parlament, Staatsrat und Präsidialrat, sowie seit neuestem ein Nationaler Fahrplan von einem sogenannten Libyschen Gründungsrat.
+ Hannah Tetteh
informierte darüber, dass sie mit dem libyschen Generalstaatsanwalt
zusammentraf. Dieser führe derzeit Konsultationen über die Namen der
Kandidaten für den Vorsitz der Wahlkommission durch.
Es sei der Mini-Dialog 4plus4 einberufen worden, um die
Bildung des Rates der Wahlkommission – welche dem Parlament und dem
Staatsrat obliegt – zu erreichen.
+ AgenziaNova:
Libyen wurde wieder zum Brennpunkt regionaler und internationaler
Geheimdienstaktivitäten. Am 23. Juni beteiligten sich italienische,
türkische und ägyptische Geheimdienste an einer präzise koordinierten
Operation in Libyen.
Innerhalb weniger Tage empfing Dabaiba den Leiter des ägyptischen
sowie des italienischen Geheimdiensts, Hassan Rashad und Giovanni
Caravelli. Zur gleichen Zeit besuchte der Leiter des türkischen
Geheimdiensts, Ibrahim Kalin, Bengasi und begab sich dann nach
Tripolis, um Abdul Salam Zubi zu treffen.
Der italienische Geheimdienstchef überbrachte Dabaiba eine Botschaft
der italienischen Premierministerin Giorgia Meloni, die ihre Bereitschaft
bekräftigt, die Koordination und Zusammenarbeit mit Libyen fortzusetzen.
An dem Treffen nahmen auch Zubi, Walid al Lafi (Kommunikationsminister)
und Ibrahim Dabaiba (Neffe von Abdul Hamid Dabaiba) teil.
Dies erfolgte zu einem Zeitpunkt, in dem Ägypten und die Türkei
ihre Strategien neu bewerten.
Seit fünf Jahren hatte kein ägyptischer Geheimdienstchef mehr
Tripolis besucht. Ägypten, das enge Beziehungen mit dem östlichen
Libyen pflegt, habe nun direkte Kommunikationskanäle mit Tripolis
reaktiviert, ohne seine Beziehungen zu Bengasi abzubrechen.
Die Türkei sei der wichtigste Militärunterstützer von Tripolis, intensivierte
aber seit einiger Zeit auch seine Kontakte zu Bengasi.
Es gebe durch den us-amerikanischen Boulos-Plan und die UN-Roadmap
einen breiteren Kontext. Probleme blieben aber weiter
ungelöst, so wie die Spannungen in Tripolis aufgrund rivalisierender
Milizen, die Kontrolle der südlichen Grenzen, die Beziehungen
zu den Sahel-Staaten, die Bewältigung von Migrationsströmen, die
Frage der ausländischen Inhaftierten – zwei italienische und zwei
türkische Teilnehmer der Sumud-Flotille sitzen in Bengasi ein – und der Einfluss
der Milizen innerhalb der Institutionen.
Militär/Milizen/Gewalt
+ LibyaPress: Es kam zu Kämpfen zwischen Mitgliedern der Miliz von Mohammed Bahrun als diese gegen eine Farm in az-Zawiya vorgingen, in der sich Bewaffnete aufhielten. Auslöser war der Tod eines Mitglieds der Bahrun-Miliz namens al-Mahruq durch Schüsse. Ein afrikanischer Arbeiter war durch verirrte Schüsse getötet worden.
+ LibyaPress:
Am 19. Juni kam es in az-Zawiya zu Gefechten mit schweren Waffen.
Mitglieder der Miliz von Achmed al-Marabet positionierten sich an
mehreren Knotenpunkten.
Außerdem erfolgten bewaffnete Zusammenstößen zwischen der az-Zaitat-Miliz
und der Hassan-Aweis-Miliz.
+ Die Revolutionäre
von Tadschura forderten am 23. Juni den sofortigen Rückzug
der Joint Opperation Truppe aus dem Hauptquartier des Ausbildungsinstituts
für Innere Sicherheit Asch as-Saqr in der Stadt
al-Chums, nachdem diese das Gelände militärisch besetzt hat, und drohen mit
einer Eskalation.
Dieses Hauptquartier unterstehe der regulären Polizei und habe nichts
mit politischen oder militärischen Auseinandersetzungen zu tun. Sollte der Rückzug
nicht erfolgen, werde die Situation eskalieren.
+ Im Gebiet von Gasr al-Akhiyar
erfolgten zeitgleich bewaffnete Aufmärsche des 112.
Infanteriebataillons, das der Joint Opperation Truppe
angehört.
Imad at-Trabelsi (Innenminister Dabaiba-‚Regierung‘) hatte der Joint
Opperation Truppe die Nutzung des Hauptquartiers des
Ausbildungsinstituts in al-Chums genehmigt.
+ Der Justizausschuss
berichtete von der Verschleppung von sieben Zivilisten am 11. Juni 2026
in der Nähe des Grenzübergangs Ras Adschdir aufgrund ihrer regionalen
Zugehörigkeit zu Misrata. Sie waren auf dem Rückweg von Tunesien.
Der an Krebs erkrankte Othman Abubakar Salama war zur Behandlung in
Tunis gewesen und befand sich in Begleitung seines Sohnes, bevor auch diese
Beiden spurlos verschwanden.
Der Vorfall scheint in Zusammenhang mit vorangegangenen Spannungen
durch die Festnahme von Personen aus der Stadt Zuwara zu stehen.
+ Nationale Institution für Menschenrechte: Am 21. Juni wurde Narmin asch-Scharif, Präsidentin des Allgemeinen Gewerkschaftsbundes, in Bengasi durch die Strafverfolgungsbehörde aufgrund einer Beschwerde von Agila Saleh verhaftet. Asch-Scharif hatte Agila Saleh auf Facebook kritisiert.
+ Nationale
Institution für Menschenrechte: Abdul Karim Mohammed Misbah
Abu Giradeh war im Oktober 2024 von Mitgliedern der Sicherheitsdirektion
Bengasi verschleppt worden, nachdem seine Wohnung zerstört, Geld gestohlen
und seine Familie beschimpft und attackiert worden war.
Abu Giradeh leide an Krebs. Es wird seine sofortige Freilassung
gefordert.
+ Nationale Institution für Menschenrechte forderte erneut Aufklärung über den Verbleib von Ibrahim ad-Darsi und Suhama Sergiwa. Außerdem forderte sie Informationen über die Opfer von außergerichtlichen Tötungen, über den Mord an der Anwältin Hanan al-Barasi, über die Tötung von Siradsch Dughman sowie von Machmud al-Werfalli und Mohammed al-Kani.
+ Nationale
Institution für Menschenrechte: Abu Bakr Mohammed Abd
al-Latif al-Darwisch wurde am 24. Juli 2021 in seinem Haus von Mitgliedern
vom sogenannten as-Salaa–Bataillon (Kommando Othman
al-Lahab) ohne rechtliche Grundlage festgenommen.
Es wird die Aufklärung über seinen Verbleib und seine sofortige
Freilassung gefordert.
+ Die Organisation zur Überwachung von Straftaten forderte die Behörden im Osten und Westen Libyens anlässlich des Internationalen Tages gegen Hassrede auf, Äußerungen zu unterlassen, die Diskriminierung oder Gewalt rechtfertigen. Diese Äußerungen richteten sich insbesondere gegen die am stärksten gefährdeten Bevölkerungsgruppen.
+ Fathi Baschagha:
Die Milizen in Libyen haben sich weiterentwickelt und besitzen
Milliarden; sie haben Anteile an Banken oder sind Besitzer von
Kreditinstuten, was ihre Bekämpfung schwierig macht.
Sie haben sich Ölkonzessionen und einige der exportfähigen libyschen Ressourcen
angeeignet. Es entstanden riesige Finanznetzwerke, deren Interessen sich
politisch oft überschneiden, da sie ein gemeinsames Interesse an der Plünderung
der Reichtümer Libyens haben.
Die politischen Entscheidungen lägen nicht in den Händen der Libyer, sondern in
denen einflussreicher internationaler Akteure wie den USA, die alle ihr eigenes
Interesse über das von Libyen stellen.
Die aktuellen politischen Eliten hätten im Ausland gelebt, bevor sie
nach Libyen zurückkehrten, um sich zu bereichern.
+ Machmud
al-Masrati (Journalist): Abdul Madschi Maligata, Geschäftsführer des
Unternehmens BP für öffentlich-private Partnerschaften, steht kurz
davor, Chef des Geheimdienstes zu werden.
Der jetzige Chef Hussein al-Aib und der Finanzdirektor des Geheimdienstes,
Khaled Tubasch, stünden unter Korruptionsverdacht.
+ Yusuf al-Farsi
(Partei Libya al-Karama) befürchtet, dass der Transfer von
Drohnentechnologie an bewaffnete Gruppen in Libyen bereits Realität ist.
Dies sei darauf zurückzuführen, dass Drohnen auf den Weltmärkten leicht
erhältlich und die Kosten für ihre Herstellung oder Umrüstung gering sind.
Die Gefahr werde durch die Schwierigkeit, libysche Grenzen zu überwachen,
erhöht.
+ CBC-Netzwerk (Kanada): Kanadische Scharfschützengewehre tauchen trotz internationaler Sanktionen gegen den Waffenexport nach Libyen in öffentlichen Paraden beispielsweise der Deterrence Force (Tripolis) auf. Videos zeigten öffentlich präsentierte kanadische Scharfschützengewehre des Typs Sterling Cross XLCR in den Händen von Kämpfern libyscher Milizen.
Migration
+ Die Bewohner der Region Sawani Bin Adam erklärten ihren Widerstand gegen die von Imad at-Trabelsi (Innminister der Dabaiba-Regierung) angeordneten Übergabe des Sitzes der Landwirtschaftlichen Vereinigung an internationale Organisationen. Die Bewohner vermuten, dass dies als Vorbereitung für die Ansiedlung illegaler Migranten in der Region dienen soll.
+ Am 19. Juni erklärte die Organisation Alarm Phone, dass 64 Migranten im Mittelmeer vor Abu Kamasch in Gefahr sind, da der Motor nicht funktioniere. Die Behörden seien alarmiert.
+ Abreen-Organisation Mindestens 51 Migranten werden nach einem Bootsunglück vor der ostlibyschen Küste nahe Tobruk vermisst. Nur zehn Migranten konnten lebend geborgen werden. Mehrere Leichen von Ertrunkenen wurden zwischenzeitlich an die Küste gespült.
+ Deutsche Rettungsorganisation
Sea-Watch: Die libysche Küstenwache drang am 23. Juni
in den maltesischen Hoheitsraum ein, nahm eine Gruppe von Migranten
in Gewahrsam und brachte sie gewaltsam zurück nach Libyen.
Ein Flugzeug von Sea-Watch hatte das manövrierunfähige Boot
mit 42 Migranten an Bord gesichtet und sich auf den Weg zu ihnen gemacht.
Doch die Küstenwache kam ihnen zuvor. Zwanzig Migranten
hätten es vorgezogen, sich ins Meer zu stürzen und zu ertrinken,
anstatt sich von der libyschen Küstenwache festnehmen zu lassen.
+ Die italienische
Regierung ist mit der Testphase des gemeinsamen Einsatzzentrums
zu Migrationsfragen in Tripolis zufrieden. Das Operationszentrum ist
eine Folgemaßnahme der Istanbuler Gipfelkonferenz.
Die von den libyschen Behörden geleitete gemeinsame Einsatzzentrale
umfasst libysche Beamte sowie Verbindungsoffiziere aus Italien, Katar
und der Türkei. Sie unterstütze die libyschen Bemühungen bei
der Steuerung der irregulären Migration, stärke die libyschen Such-
und Rettungskapazitäten und verbessere den Informationsaustausch.
+ Amnesty International kritisierte die Pläne der Europäischen Union, die Zusammenarbeit mit Libyen bei der Migration auszubauen, und beschuldigte sowohl die libyschen Behörden als auch die EU, zu einer Verschlechterung der Lage von Migranten beizutragen.
+ Laut einem neuen Erlass der Parallelregierung in Bengasi ist Staatsangehörigen aus dem Sudan, Eritrea, Äthiopien und Somalia die Einreise nach Libyen über alle Land-, See- und Luftwege verboten. Dies soll zur Regulierung der Migration beitragen.
+ Amnesty International verurteilte das Verbot der Parallelregierung, die Einreise von Staatsangehörigen aus vier benachbarten afrikanischen Ländern zu verbieten sowie die sofortige Abschiebung von Personen mit illegalem Aufenthaltsstatus anzuordnen. Die EU wurde aufgefordert, die Zusammenarbeit mit Libyen im Bereich der Migrationskontrolle einzustellen anstatt sie auszubauen.
+ Khalil Al-Hasi (Journalist): Libyen hat offiziell von Europa die Aufgabe übernommen, die Migration zu stoppen. Im Gegenzug erhält sie politische Anerkennung und Unterstützung – gemäß den im Jahre 2017 zwischen der damaligen Sarradsch-Regierung (Tripolis) und Italien getroffenen Abmachungen.
+ Ibrahim Moussa:
Osama al-Masri wurde zu sieben Jahren und vier Monaten Haft wegen Folter
in einer Haftanstalt verurteilt. Doch Libyens Migrantengefängnisse
sind auch Teil des europäischen Grenzregimes.
Afrika muss sowohl die lokalen Kriegsherren als auch das
imperialistische System benennen.
Innerlibysche Nachrichten
+ Irm News
(VAE): Die Dabaiba-‚Regierung‘ möchte Sirte anstatt Tripolis zur libyschen
Hauptstadt machen. Damit möchte sie die Probleme mit westlibyschen
Milizen, insbesondere in az-Zawiya und Tadschura, umgehen.
Der Präsidialrat soll in Tripolis verbleiben.
+ Der Oberster Sozialrat der Stämme von Sirte erörterte auf einer Sondersitzung die Ausgrenzung der Honoratioren der Stadt bei dem Empfang von Khalifa und Saddam Haftar.
+ Machmud Abudbus (Organisation für Organtransplantationen): Mehrere Nierentransplantierte sind aufgrund verzögert gelieferter Medikamente gestorben, andere benötigten wieder Dialyse.
Der Staatsanwalt ordnet immer noch regelmäßig eine hohe Anzahl von Verhaftungen aufgrund von Korruption, Fälschungen von Identitätsnachweisen, Gewalttaten und weiteren kriminellen Handlungen an. Auch weil diese Anordnungen nicht immer zu Festnahmen führen, wird auf die Aufführung der Einzelfälle verzichtet.
Wirtschaft / Finanzen
+ Omar Tantusch (parlamentarischer Finanzausschuss): Der ausgehandelte einheitliche Entwicklungshaushalt wird nicht umgesetzt. Es sei trotz seiner Unterzeichnung im April 2026 noch nicht in Kraft getreten. Es fehle der Wille, die Ausgaben zu vereinheitlichen.
+ Al-Mahdi
Abdel-Ati (Politaktivist aus Misrata): Ein einheitlicher Haushalt
ist unmöglich, solange es Verbrecher gibt, die öffentliche
Gelder stehlen, die sich das Rohöl teilen und es außerhalb der
staatlichen Buchführung und außerhalb der Ölgesellschaft verkaufen.
Diese beiden Clans könnten nicht zu einem einheitlichen
Haushalt gelangen, da es zu Konflikten kommen wird.
Der stattgefundene Hackerangriff auf die Zentralbankdaten sei
eine Folge dieses Konflikts. Es laufe eine strafrechtliche
Untersuchung zu diesem Thema durch ein internationales Unternehmen
um herauszufinden, was genau geschehen ist.
Es kursiere das Gerücht, dass Farhat bin Gadara, der Libyen
verraten und verkauft habe, Nadschi Issa als Zentralbankchef ablösen
soll. Sollte der Boulos-Plan umgesetzt werden, seien auch andere Namen,
die in kriminelle Geschäfte verwickelt sind, für Posten im Gespräch.
„Wo bleibt die Bankenaufsicht? Wo bleiben die Vorstandssitzungen?“
+ Al-Mahdi Abd
al-Ati: Nadschi Issa (Zentralbankchef) ist derzeit machtlos
und unfähig, die angeblichen Probleme des einheitlichen
Entwicklungshaushalts zu lösen. Die unkontrollierten Ausgaben
gehen weiter, alles andere sei reine Illusion.
„Warum fragt niemand, wo Marei al-Barasi (stellvertretender Chef der
Zentralbank) ist, der seit einer Weile nicht mehr gesehen wurde – nicht
einmal während des Cyberangriffs? Ihr solltet wissen, dass er unter
Hausarrest steht.“
+ Hackmanac
(Plattform für Cybersicherheit): Die Ransomware-Gruppe Gilin hat
die Verantwortung für den Cyberangriff auf die Zentralbank Anfang
Juni übernommen.
Die Ergebnisse der technischen Untersuchungen über den Umfang und die
Auswirkung des Datenabflusses stehen noch aus.
Zentralbank:
Die Arbeiten zur Wiederherstellung verlaufen planmäßig, wobei
weiter an der Gewährleistung der Sicherheit der Systeme gearbeitet wird.
Die Sicherheitsmaßnahmen wurden verstärkt.
+ Behörde zur Bekämpfung von Finanzkriminalität: Es wurde ein grenzüberschreitendes kriminelles Netzwerk mit Verbindungen nach Frankreich, Deutschland und Dubai zerschlagen, das in systematische Betrugsdelikte mit gestohlenen Bankkarten in Höhe von zehn Millionen Dinar verwickelt war.
+ Achmed Senussi
(Wirtschaftsexperte): Wären die Gelder nicht von den Vereinten
Nationen eingefroren worden, hätten die derzeitigen Behörden in
Libyen mit diesen Geldern enorme Verluste verursacht.
Bei der Verwaltung der eingefrorenen Gelder sei weder den Libyern
noch dem Ausland zu trauen.
+ Die Wirtschaftszeitung Sada
berichtete, dass Mohammed al-Hangari die Exportförderungsbehörde
so leite, als wäre sie sein Privateigentum. Ihm werden Korruption
und Nepotismus vorgeworfen.
Achmed
Senussi forderte, dass Mohammed al-Hangari sofort gestoppt
wird.
+ Ezzedine Aqil
(Republikanische Koalitionspartei): Jene Parteien, die den Amerikanern
hinterherlaufen, vergaßen, was dem ehemaligen Chef der
Zentralbank widerfahren ist. Er sei gestürzt worden, weil er sich weigerte,
zehn Milliarden US-Dollar als Einlage in der israelischen Zentralbank zu
hinterlegen, als die Kreditwürdigkeit Israels herabgestuft wurde.
Und er lehnte das us-amerikanische Unternehmens K2 für eine Bankenprüfung
ab.
Auch der Ölminister Machmud Aoun sei durch ausländische Intervention
aus dem Amt entfernt worden. Er hatte sich geweigert, Libyens
Rechte an den Ölfeldern N7 aufzugeben.
+ Africa
Intelligence: Das US-Unternehmens Rox Energy festigte
seine Position bei seltenen Mineralien in Libyen im Rahmen der Trump-Initiative
zur Sicherung der Versorgung der USA mit seltenen Mineralien.
Rox Energy baut die erste Antimon-Schmelzanlage in Bengasi,
als Teil der US-Bergbaudiplomatie, die im östlichen Libyen ins
Leben gerufen wurde.
Antimon ist strategisch wichtig und wird bei der Herstellung
von Batterien sowie in der Kunststoff-, Elektronik-, Glas- und
Keramikindustrie eingesetzt.
+ The Century
(USA): Beide Regierungen in Libyen haben die Häfen des Landes
gegen Bezahlung für iranische Schiffe geöffnet.
Frachtschiffe, die in Verbindungen zum Iran und Syrien standen,
hätten seit dem Sturz Assads im Dezember 2024 ihre Routen in die Häfen von
Misrata und Bengasi umgeleitet. Das korrupte und zersplitterte
libysche Hafenverwaltungssystem habe Libyen zu einem alternativen
Logistikstandort für den Iran gemacht.
Erdöl / Erdgas
+ Mustafa Sanella
(ehemaliger NOC-Vorsitzender): Jede Nachlässigkeit oder Verzögerung
bei der Klärung der Frage der libyschen Seegrenzen zu Griechenland
und Malta könnte langfristige Schäden nach sich ziehen und muss
als nationale Priorität behandelt werden.
Es dürften keine neuen Vereinbarungen eingegangen werden, bevor nicht
durch ein Expertenteam ein rechtliches und technisches Dossier
erstellt wurde, gestützt auf Karten, Dokumente, Studien und historische
Rechte, und unter Hinzuziehung einer internationalen Anwaltskanzlei zur
Unterstützung der libyschen Position.
+ Othman al-Hudayri (Ölexperte): Massad Boulos verkauft Illusionen, um seine Deals durchzusetzen. Er vergesse, dass eine Erhöhung der Ölproduktion eine effiziente Verwaltung, eine korrekte Verwendung der Gelder sowie die Einhaltung der Gesetze und Vorschriften erfordert.
+ ErmNews (VAE): Kraftstoffkrise
in Libyen – trotz riesiger Erdölressourcen und finanzieller Mittel
kommt es an den Tankstellen zu langen Schlangen, während gleichzeitig
der Strom wegbleibt.
Eine der Hauptursachen dafür sei der Kraftstoffschmuggel, der zu
einem ständigen Aderlass für die libysche Wirtschaft führt.
Daneben herrschten Korruption, mangelhafte Kontrolle, Verschwendung
und Misswirtschaft bei Beschaffung und Verteilung.
Libyen und das Ausland
+ Niger. Africa
Intelligence: Nach dem Besuch des nigrischen Premierministers
Ali al-Amin Zine in Tripolis fand ein Gefangenenaustausch zwischen Niamey,
Tripolis und Bengasi statt.
Am 22. Juni brachte ein Flugzeug einen libyschen Geheimdienstoffizier und 17
seiner Landsleute nach Tripolis zurück. Diese waren zuvor in Niamey
vom Militärrat (General Abdulrahman Tchiani) festgehalten worden.
Ihre Festnahme im Juli 2025 hatte eine diplomatische Krise entzündet,
da sich Niger weigerte, die Gefangenen an die ostlibyschen Machthaber
auszuliefern. Letztere waren an Informationen interessiert, die sie
sich von den Libyern erhofften.
Im Gegenzug ließen die Behörden im östlichen Libyen Machmud Salah, den
Führer der Nationalen Befreiungsfront, frei, der im Februar
des Vorjahres in Libyen festgenommen worden war.
+ Tunesien. Am Grenzübergang Ras Adschdir betrug die Wartezeit trotz hoher Temperaturen und ohne Begründung bis zu 18 Stunden.
+ Italien. ANSA.
Der italienische Außenminister Antonio Tajani verkündete am 24.
Juni die Freilassung von italienischen Aktivisten, die sich an der Sumud-Flottile
beteiligt hatten und einen Monat lang im östlichen Libyen
festgehalten wurden.
Zwischenzeitlich wurden alle zehn inhaftierten
Aktivisten freigelassen.
Aus den Nachbarstaaten
+ Sudan. Moussa Ibrahim
(Gaddafis letzter offizieller Sprecher, pan-afrikanistisch libyscher Politiker
und Journalist): „Sudan blutet, während sein Gold abfließt. African
Arguments berichtet, dass die VAE-Importe von sudanesischem Gold im Jahr
2024 um 70 Prozent gestiegen sind und in der Zeit von 2012 bis 2024 mindestens
400 Tonnen geschmuggelt wurden.
So sieht „Souveränität“ aus, wenn Milizen und ausländische Märkte die Mine
besitzen.“
+ Sudan. Moussa Ibrahim: „Südsudan kündigt an, seine ersten allgemeinen Wahlen am 22. Dezember 2026 abzuhalten, nach Jahren der Verzögerung. Seine Unabhängigkeit erlangte es 2011. Doch Riek Machar steht unter Hausarrest, die Kämpfe gehen weiter, und das Friedensabkommen von 2018 bricht zusammen. Wahlen ohne Frieden sind gefährliches Theater.“
+ Ägypten/Sudan. Tagesschau: „Mehr als 1,3 Millionen sudanesische Geflüchtete leben in Kairo. Trotz milliardenschwerer EU-Hilfen für Ägypten fliehen viele weiter Richtung Europa – aus Angst und wegen gekürzter Hilfsangebote.“
+ Niger. Moussa Ibrahim: „Die Hauptstadt des Niger wurde erneut getroffen. Laut Reuters hat die mit al-Kaida verbundene JNIM die Verantwortung für einen Anschlag auf den Flughafen und den Militärflugplatz von Niamey übernommen, bei dem elf Angehörige der Sicherheitskräfte und zwei Zivilisten ums Leben kamen. Die Sicherheitslage in der Sahelzone lässt sich nicht durch Staatsstreiche, französische Stützpunkte, russische Flaggen oder NGO-Slogans verbessern. Die Menschen brauchen Macht.“
+ Niger. RT: „Selektive Justiz: Niger verlässt Internationalen Strafgerichtshof. Nach den Philippinen und Burundi ist Niger zum dritten Land der Welt geworden, das den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag (IStGH) verlässt. Der Ausstieg ist noch nicht in Kraft, da nach der Einreichung des entsprechenden Antrags zwölf Monate vergehen müssen. Die Regierung in Niamey hat den Austritt aus dem sogenannten Römischen Statut offiziell am Montag beantragt.“
+ Tunesien. GeopoliticalDesk:
„Tunesien ist seit langem das am stärksten unter Druck stehende Land
Nordafrikas und verwaltet ständig einen Krisenzustand. Die Zahlen erzählen eine
düstere Geschichte: Die Arbeitslosigkeit liegt landesweit bei 15 Prozent,
steigt bei jungen Menschen auf 37,5 Proznt. Die Staatsverschuldung ist auf 83,7
Prozent des BIP gestiegen. Für Grundgüter, einschließlich Zucker, Mehl und
Reis, bestehen immer wieder Engpässe, die durch Devisenbeschränkungen und ein
staatliches Vertriebssystem verursacht werden.
Die Inflation, obwohl der Höchststand von 10,4 Prozent Anfang 2023 fast
halbiert wurde, ist bei Lebensmitteln immer noch am stärksten, wo die Preise im
Mai 2026 um 8,2 Prozent stiegen. Zwei Millionen von Tunesiens zwölf Millionen
Bürgern leben unterhalb der Armutsgrenze.
2026 kam es bereits zu Protestwellen wegen schlechter Regierungsführung,
politischer Repression und Umweltverschmutzung. Jede Welle schwoll an, ging
zurück, bevor sie sie sich auflöste.“
+ Geopolitik/Iran. Moussa Ibrahim:
„Die US-Seeblockade muss aufgehoben werden, während der Iran die zentrale Rolle
bei der Wiedereröffnung der Straße von Hormus spielt. Teheran hat die
geografische Lage, den militärischen Widerstand und die Kontrolle über eine
lebenswichtige Energie-Route in ein diplomatisches Druckmittel umgewandelt. Das
ist Macht, die in Verhandlungen übersetzt wird.“
Moussa
Ibrahim: „Der Iran hat auch das Libanonthema in den Rahmen des Abkommens
gezwungen. Teheran hat keinen Frieden für sich allein akzeptiert und seine
Verbündeten nicht im Stich gelassen. Die libanesische Souveränität und die
regionale Front wurden Teil der Einigung. Das ist politische Loyalität unter
Druck.“
Moussa
Ibrahim: „Das geht über den Iran hinaus. Es ist eine Lehre für den Globalen
Süden. Sanktionen, Blockaden und militärische Drohungen sind keine rechtmäßigen
Maßnahmen. Sie sind Instrumente imperialer Kontrolle. Man kann sich ihnen
widersetzen, wenn ein Land geeint ist, Abschreckungskraft besitzt und
strategische Geduld an den Tag legt.“
Moussa
Ibrahim: „Der Weg in die Zukunft ist klar. Afrika, Asien, Lateinamerika und
die arabische Welt müssen unabhängige Zahlungssysteme, Handelswege,
Entwicklungsbanken, Mediennetzwerke und eine Zusammenarbeit im
Verteidigungsbereich aufbauen. Der Iran hat es im Alleingang geschafft. Ein
geeinter Globaler Süden kann die Welt verändern.“
A. Gutsche
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