Kurznachrichten Libyen – 25. Juni bis 1. Juli 2026
Video von der Dschamahiriya-Großdemo am 1. Juli 2011 in Tripolis / Am Geburtstag des ermordeten Saif al-Islam Gaddafi wird Aufklärung der Tat gefordert / Verwirrspiel um Neubesetzung des Amts des Geheimdienstchefs / Von allen Seiten Widerstand gegen Boulos-Plan / Nach Treffen in Washington: Boulos-Plan „klinisch tot“ / Aufruf zu Protesten / Kandidaten für die anstehenden Staatsratswahlen / Skandal um hochbezahlten Auftritt eines syrischen Sängers bei Mall-Eröffnung / 65 Prozent der landwirtschaftlichen Erzeugnisse enthalten krebserzeugende Pestizide / Zweifel über Rechtmäßigkeit neuer Öl-Konzessionsverträge / Im östlichen und westlichen Libyen großangelegte Kampagnen gegen Migranten, darunter auch Frauen und Kinder / Botschafter von Katar trifft sich mit Parallelregierung
Gedenktag
+ Video: Großdemonstration
in Tripolis am 1. Juli 2011.
Moussa
Ibrahim: „An diesem Tag im Jahr 2011 erklärte die Propaganda-Maschinerie
der NATO, Libyen habe sich gegen seine Führung gewandt, während
in der Hauptstadt Tripolis Menschenmassen den Grünen Platz und jede
umliegende Straße fluteten.
Es war eine der außergewöhnlichsten öffentlichen Demonstrationen nationaler
Einheit in der modernen Geschichte Libyens. Dennoch wurden diese Bilder
unter einer Mediennarrativ begraben, das das Urteil bereits
gefällt hatte. […]
Wir erinnern uns an jene, die für Libyens Souveränität, Würde und
Unabhängigkeit eintraten angesichts der ausländischen Aggression.“
Saif al-Islam Gaddafi / Dschamahiriya
+ Aischa al-Gaddafi zum Geburtstag ihres Bruders und im Gedenken an ihn: Saif al-Islam Muammar al-Gaddafi, der am 25. Juni 1972 geboren und am 3. Februar 2026 ermordet wurde: „15 Jahre lang sagte ich dir: Vertraue ihnen nicht, denn wer einmal betrügt, betrügt tausendmal. Doch was mich tröstet, ist, dass du bei meinem Vater und meinen als Märtyrer gestorbenen Brüdern bist, an einem Ort, der rein, edel und erhaben ist, anders als dieses Land. Das, was hier geschieht, wäre eurer nicht würdig.“
+ Agila Dalhum, Mitglied des politischen Teams von Saif al-Islam al-Gaddafi, forderte den Generalstaatsanwalt auf, öffentlich zu erklären, wieweit die Untersuchungen zum Mord am Märtyrer Saif al-Islam gediehen sind, warum die Verdächtigen nicht festgenommen wurden und wer hinter dem Mord steckt – die mitgemacht haben, die ihn finanziert haben, und die ihn tatsächlich ausgeführt haben.
+ Agila Dalhom:
Seit dem Mord an Saif al-Islam Gaddafi sind 144 Tage vergangen.
Saif al-Islam Gaddafi sei es gelungen, allen Libyern Gerechtigkeit
widerfahren zu lassen und sie zu bewegen, ihre Feindschaften zu
vergessen und für eine gemeinsame Zukunft zusammenzuarbeiten.
Saif al-Islam habe seine Position durch seine Präsidentschaftskandidatur
gestärkt, was in der Welt und bei den sabotierenden Kräften im
Land einen Schock auslöste. Denn die Welt wollte keine Stabilität
für Libyen, ebenso wenig wie die inneren Kräfte, die von
der Krise profitieren und den Wahlprozess behindern. Sie setzten
die Verschwörung gegen Libyen fort – bis zum Mord an Saif
al-Islam, der von Zintan verraten wurde.
+ Said al-Ubaydi (ägyptischer Journalist): Zum Geburtstag des Märtyrers Dr. Saif al-Islam al-Gaddafi wird die Gerechtigkeit in Libyen weiter behindert, und damit verhindert, dass ein Rechtsstaat aufgebaut wird, Opfer entschädigt und unschuldige Opfer gerächt werden.
+ Anas az-Zaidani (Blogger): Warum haben der Zintan-Stamm und seine Notabeln keine Stellungnahme zu dem Verrat an Dr. Saif al-Islam al-Gaddafi abgegeben, obwohl der Mann unter ihnen lebte und durch die Hand ihrer Söhne ermordet wurde?
+ Tanzania
Times: Wo wurde Oberst Muammar al-Gaddafi beigesetzt?
Muammar al-Gaddafi soll in einem geheim gehaltenen Grab tief in
der libyschen Wüste beigesetzt worden sein. Bis heute sind die
Koordinaten seines Grabes ein Staatsgeheimnis.
Nach seiner Ermordung in Sirte am 20. Oktober 2011 entschied der Übergangsrat,
ihn heimlich zu beerdigen, um zu verhindern, dass der Ort zu
einem Wallfahrtsort für seine Anhänger wird.
Muammar al-Gaddafi wurde neben seinem Sohn Mutassim al-Gaddafi
und seinem ehemaligen Verteidigungsminister Abu Bakr Yunis Dschabr
beigesetzt. Alle drei Leichen wurden in der Morgendämmerung des 25.
Oktober 2011 aus Misrata weggebracht. Die Leichen wurden gewaschen
und in weiße Totenhemden gehüllt. Das Totengebet wurde in
Anwesenheit weniger Personen gesprochen, darunter Scheich Khalid
Tantusch, ein Gaddafi nahestehender Geistlicher. Diese bei der
Beerdigung anwesenden Personen schworen einen strengen Eid auf den
Koran, den Ort der Bestattung nicht preiszugeben.
Es wird angenommen, dass der Ort in Geheimdokumenten, die in
speziellen Tresoren aufbewahrt werden, aufgezeichnet wurde.
Einige Milizenführer, die an der Beerdigung beteiligt waren, erklärten
sich bereit, den Ort während politischer Verhandlungen bekanntzugeben.
+ Achmed Naschad, Anwalt von Generalmajor Abdullah as-Senussi (Leiters des Militärgeheimdienstes des früheren Regimes): Die Verhandlung gegen as-Senussi wurde auf den 19. Juli vertagt.
Verwirrspiel um Besetzung des Amts des Geheimdienstchefs
+ Erklärung des Präsidialrats: Am 28. Juni beschloss der Präsidialrat in Abwesenheit von Musa al-Koni, Hussein al-Aib von seinen Aufgaben als Chef des libyschen Geheimdienstes zu entbinden.
+ Am 29. Juni beauftragte der Präsidialrat Abdul Madschid Maligata, Direktor des Unternehmens PP (Private-Public-Partnership), das Amt des libyschen Geheimdienstchefs zu übernehmen.
+ Fotos: Am 29. Juni übernahmen Abdul Madschid Maliqata, und sein Stellvertreter Abdul Schafie al-Dschuweifi das Hauptquartier der Abteilung zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität, die dem Geheimdienst in der Region Sarradsch unterstellt ist.
+ Musa al-Koni
bekräftigte in einem Tweet auf X, dass jeder Beschluss bezüglich der
Leitung des Geheimdienstes, der außerhalb der Sitzungen des
Präsidialrats gefasst wird, ungültig ist.
Al-Konis Beitrag erfolgte nach Berichten über die Ernennung von Abdul
Madschid Maligata zum Leiter des Geheimdienstes als Nachfolger
von Hussein al-Aib.
+ Musa al-Koni:
Diese Erklärung des Präsidialrats ist eine Irreführung der
Öffentlichkeit und ich werde rechtliche Maßnahmen ergreifen.
„Ich habe heute um 13 Uhr an der genannten Sitzung über technische
Kommunikationsmittel teilgenommen und war nicht abwesend.
Während der Sitzung fanden ausführliche Diskussionen über die Ernennung des
Leiters der allgemeinen Nachrichtendienste und des Generalstabschefs statt.
Es wurde kein Einvernehmen erzielt, obwohl Vorschläge in
dieser Hinsicht eingebracht und auf ihre Durchsetzung gedrängt
wurde. Ich habe keinem dieser Vorschläge zugestimmt, und der Rat hat
keine Entscheidung auf Basis von Konsens oder Einstimmigkeit getroffen.“
Entscheidungen des Präsidialrats, insbesondere die souveräner Ämter
betreffen, erlangen keine rechtliche oder institutionelle Wirkung, wenn
sie nicht diskutiert, genehmigt und in einem offiziell beglaubigten
Protokoll festgehalten werden.
Diese Erklärung führe zu einer Irreführung der Öffentlichkeit, schädige
die Glaubwürdigkeit des Präsidialrats und untergrabe das Vertrauen
in die staatlichen Institutionen.
+ Am 30. Juni empfing Abdul Hamid Dabaiba Abdul Madschid Maliqata in dessen Funktion als neuer libyscher Geheimdienstchef und bekundete seine Unterstützung für dessen Amtsantritt.
+ Agila Saleh (Parlamentspräsident) warnte vor den Folgen eines Wechsels an der Spitze des Geheimdiensts. Dies sei ein Versuch, Verwirrung zu stiften. Die Sensibilität der Sicherheitsinstitutionen erfordere, dass sie aus politischen Konflikten und Machtkämpfen herausgehalten werden.
+ Agila Saleh
weist die Geheimdienstchefs befreundeter und verbündeter Staaten darauf
hin, dass die Ersetzung des libyschen Geheimdienstchefs durch den Präsidialrat
rechtswidrig ist. Er betont: „Wir lehnen jegliche Versuche ab,
mit Gewalt vollendete Tatsache zu schaffen.“
Die Entlassung oder Ernennung des libyschen Geheimdienstchefs werde erst
wirksam, nachdem sie dem Parlament vorgelegt und in einer
offiziellen Sitzung mit beschlussfähiger Anzahl von mindestens 120
Abgeordneten gebilligt wurde.
Damit werde sichergestellt, dass eine breite Mehrheit der libyschen
Volksvertreter sowie der verschiedenen Regionen, Städte und Gemeinden den
Beschluss mittragen.
+ LibyaPress:
Offiziere, Unteroffiziere und Angehörige des libyschen Nachrichtendienstes in
der östlichen und südlichen Region erklärten ihren kategorischen
Widerstand gegen die Entscheidung von al-Menfi, den Posten des
Geheimdienstchefs neu zu besetzen. Diese Entscheidung sei eine klare
Verletzung geltender Gesetze.
Die Erklärung von Agila Saleh werde unterstützt.
„Wir werden alle rechtlichen und administrativen Maßnahmen ergreifen,
die geeignet sind, die Staatseinrichtungen zu schützen, die Legitimität
zu wahren und allen Entscheidungen entgegenzuwirken, die im Widerspruch
dazu getroffen wurden.
+ Am 30.
Juli traf sich Präsidialratsmitglied
Musa al-Koni in der Kommandozentrale des Geheimdienstes mit den Abteilungschefs
und Offizieren, die unter dem Kommando von Hussein al-Aib, dem
von al-Menfi abgesetzten Geheimdienstchef, stehen.
Al-Koni forderte die Führungskräfte auf, die Einheit des
Geheimdienstes zu wahren, da dies zur Erfüllung seiner Aufgaben
erforderlich sei.
Al-Koni ließ sich umfassend über die Arbeitsabläufe des Dienstes,
seine Aufgaben und die Mechanismen zur Wahrnehmung seiner
Zuständigkeiten informieren.
+ Machmud al-Masrati: Am 1. Juli übte Hussein al-Aib trotz seiner Entlassung seine Tätigkeit an der Spitze des Geheimdienstes wie gewohnt aus..
+ LibyaPress:
Der Empfang, den Premier Abdul Hamid Dabaiba Maliqata bereitet
hat, und dessen Bestätigung als Leiter des libyschen Geheimdienstes,
offenbaren das Ausmaß der Risse innerhalb des Dabaiba-Lagers.
Abdul Hamid Dabaibas Neffe und Berater, Ibrahim Dabaiba, habe Einwände
gegen die Ernennung von Maliqata erhoben, infolgedessen es zu erheblichen Meinungsverschiedenheiten
im engsten Kreis des Regierungschefs gekommen sei.
Walid al-Lafi (Kommunikationsminister) lehnte die Ernennung
von Maliqata ab. Al-Lafi liege mit Maliqata über Kreuz, seitdem al-Lafi
Informationen über das Treffen zwischen der damaligen
Außenministerin Nadschla al-Mangusch und ihrem damaligen israelischen
Amtskollegen Eli Cohen durchsickern ließ. Das Treffen hatte Maliqata
in Abstimmung mit dem mauretanisch-arabischen Geschäftsmann Ould Dschaddin organisiert.
Dagegen sei eine deutliche Annäherung zwischen Dabaiba und
Mohammed al-Menfi zu beobachten, da beide den Boulos-Plan ablehnen,
wobei Dabaiba aus Angst vor der möglichen Reaktion der USA
eine klare Stellungnahme vermeide.
+ Parlamentarier
forderten den Präsidialrat dazu auf, von Änderungen in der Führung
des Geheimdienstes abzusehen, bis die Vereinigung der
Staatseinrichtungen abgeschlossen und eine einheitliche Exekutivgewalt
errichtet ist.
Gemäß dem Genfer Abkommen wurde die Befugnis zur Ernennung
des Geheimdienstchefs an den Präsidialrat übertragen, allerdings unter
der Bedingung, dass das Parlament keinen Einspruch erhebt.
+ Der parlamentarische Reformblock forderte den Präsidialrat auf, die Ernennung eines neuen Geheimdienstchefs auszusetzen, bis dieser Entschluss dem Parlament gemäß dem Genfer Abkommen vorgelegt wird. Solange dies nicht geschehe, sei die Entscheidung nichtig.
+ Abdul Nabi Abdul
Mula (Parlamentarier): Die Ernennung von Abdul Madschid Maliqata zum
Geheimdienstchef vertieft die Spaltung im Land.
Maliqata sei in Zusammenarbeit mit der ehemaligen Außenministerin
Nadschla al-Mangusch einer der prominentesten Unterstützer der
Normalisierung der Beziehung mit Israel. Maliqata verfüge weder über
die Kompetenz noch über den beruflichen Hintergrund, um den Geheimdienst
zu leiten. Libyen verfüge über qualifizierte Geheimdienstexperten aus
allen Regionen. An Präsidialratsmitglieder seien Millionen gezahlt
worden, um Maliqata durchzusetzen.
+ Die Abgeordneten von
Parlament und Staatsrat aus dem Fessan erklärten gemeinsam ihre Ablehnung
der neuen Stellenbesetzung im Geheimdienst und unterstützten die
Haltung von Musa al-Koni.
Die Ernennung oder Entlassung des Geheimdienstchefs müsse einstimmig
vom Präsidialrat beschlossen werden, und das Parlament dürfe dagegen
keine Einwände haben.
Der Präsidialrat wird aufgefordert, von einseitigen Maßnahmen
Abstand zu nehmen und sich an die Roadmap zu halten.
+ As-Sadiq
al-Gharyani (Mufti von Tripolis): Der Geheimdienst wird seit Anfang
Februar nicht mehr von Fachleuten wie erfahrenen Offizieren geführt.
Wie könne der Geheimdienst von einer Person geleitet werden, die weder
fachlich versiert ist, noch über Berufserfahrung verfügt oder
innerhalb des Dienstes aufgestiegen ist?
+ Khalil al-Hasi (Journalist): Mohammed und Sami al-Menfi leiden angesichts des nahenden Machtverlusts unter Wahnvorstellungen. Ihnen bleibt nur noch der Traum, Milliarden aus den Investitionen des korrupten Geheimdienstes zu plündern.
+ Geopolitical
Desk veröffentlichte ein Foto, das Abdel Madschid Maliqata
mit dem derzeitigen israelischen Botschafter in Rumänien, Lior Ben
Dor, zeigt.
Dor bekleidete damals das Amt des Leiters der Abteilung
für Ägypten und den arabischen Maghreb im israelischen
Außenministerium. Das Foto wurde während des ersten koordinierenden
Treffens zwischen Maliqata und israelischen Funktionären aufgenommen. Bei
dem Treffen ging es um Bemühungen der Normalisierung der Beziehungen
und die Vorbereitung späterer Treffen.
+ Geopolitical
Desk: Abdul Hamid Dabaiba und Vize-Verteidigungsminister Abdul
Salam Zubi drängten auf die Ernennung von Abdul Madschid Maliqata,
um bezüglich der Boulos-Initiative Unruhe zu erzeugen.
Dies habe den Unmut von Ibrahim Dabaiba hervorgerufen, der aktiv
die Boulos-Initiative verhandle. Er sei besorgt, dass die jüngsten
Entwicklungen ein Bild der Zersplitterung des westlichen Libyens
vermitteln könnten und zeigten, dass die Dabaiba-‚Regierung‘ nicht in
der Lage sei, ihren Verpflichtungen innerhalb des Boulos-Plans nachzukommen.
Mit dem Schritt solle der Geheimdienst geschwächt werden, weil es unwahrscheinlich
ist, dass die Machthaber im östlichen Libyens der Übernahme eines
so mächtigen Apparats, der nur begrenzt kontrollierbar ist, durch den
reichen Maliqata zustimmen.
Auch die Rolle von Maliqata bei der Vermittlung der Gespräche
zwischen Mangusch und Israel stellten ein politisches Risiko dar.
+ Geopolitical
Desk: Al-Koni legte der UN-Mission ein Video vor,
das seine Anwesenheit bei der Sitzung des Präsidialrats belegt. Eine Eskalation
der Spannungen im westlichen Libyen wird befürchtet, während die USA
um den Abschluss des Boulos-Plans bemüht sind.
Al-Koni habe offiziell Einspruch gegen die Ernennung des
Unternehmers Abdul Madschid Maliqata zum Geheimdienstchef eingelegt,
während Dabaiba versuche, seine Verbündeten im Hinblick auf den
zu erwartenden politischen Wandel zu stärken, um seinen Verbleib im
Amt zu sichern.
Gemäß des Genfer Politischen Abkommens kann der Chef des
Geheimdienstes nur durch einen einstimmigen Beschluss des Präsidialrats
ernannt werden, und die Ernennung muss zudem die Zustimmung des
Parlamentspräsidenten erhalten.
Da der Parlamentspräsident Agila Saleh die Ernennung von Maliqata
offiziell ablehnt und al-Kuni dieser nicht zustimmte, ist die Ernennung
Maliqatas rechtlich kaum haltbar.
Maliqata habe sein Vermögen und seinen Einfluss genutzt,
um ein Netzwerk politischer Allianzen im Westen Libyens zu schaffen.
+ Africa
Intelligence: Dabaiba entließ Hussein al-Ayeb als
Geheimdienstchef nach mehreren vergeblichen Versuchen, ihn abzusetzen,
und ernannte seinen loyalen Gefolgsmann Maliqata, der Dabaiba
während des Genfer-Prozesses 2021 unterstützte.
Letztendlich erhielt Dabaiba die Zustimmung von al-Menfi, und al-Ayeb
wurde offiziell vom Präsidialrat am 28. Juni entlassen.
+ LibyaDesk:
Maliqatas Ernennung ist hoch umstritten. Sie ist von Bestechungsvorwürfen
begleitet, während ihm offene Rechtsfälle anhaften, die mit seiner Amtszeit
bei der Grenz- und Hafenbehörde (BBP) in Verbindung stehen.
Bisher wurden Streitigkeiten über hochrangige Ernennungen und die damit
verbundenen Verhandlungen hinter verschlossenen Türen geregelt.
Diesmal jedoch habe die Aussicht auf eine neue politische Ordnung,
die viele der heutigen Machtmakler verdrängen könnte, diese Rivalitäten
in die Öffentlichkeit getragen und eine besonders explosive
Konfrontation sowie ein Bietergefecht geschaffen, das keine
der konkurrierenden Fraktionen im Griff zu haben scheint.
+ Mohammed Bouisier (Politberater) warnte vor einer Reorganisation des libyschen Geheimdienstes unter us-amerikanischer Aufsicht.
+ Mohammed Schuaib al-Mirdas: Abdul Madschid Maligata als neuer Geheimdienstchef dürfte bei den anderen arabischen Geheimdienstchefs zur Lachnummer werden.
Boulos-Plan
Der Plan von Massad Boulos, Berater von US-Präsident Trump, sieht die Zusammenführung der beiden Machtzentren im östlichen und westlichen Libyen vor. Dabei sollte Saddam Haftar Präsident des Präsidialrats werden und Abdul Hamid Dabaiba Premierminister bleiben.
+ AganziaNova:
Abdel Salam az-Zubi (Verteidigungsbeauftragter von Abdul Hamid
Dabaiba/Tripolis) wird sich in Washington mit Saddam Haftar
treffen. Dies geschieht unter der Schirmherrschaft von AFRICOM,
wo es um die Vereinheitlichung der Militär- und
Sicherheitsstrukturen in Libyen geht.
Dies erfolge zu einem Zeitpunkt, an dem Saddam Haftar internationale
militärische Kontakte knüpft, um den Boulos-Plan zu unterstützen.
Zur Unterzeichnung eines Abkommens dürfte es aber nicht kommen,
denn die USA möchten, dass dies unter dem Schirm der UNO
geschieht. Jedes Abkommen müsse in Anwesenheit der UN-Sonderbeauftragten
Hannah Tetteh unterzeichnet werden und mit dem UN-Fahrplan
vereinbar sein.
Die Frage sei, ob auch der Rivale von Abdul Hamid Dabaiba, sein Neffe
Ibrahim Dabaiba anwesend sein wird.
+ Aschraf
asch-Schah (Politberater): Die Eile, mit der die beiden
Parteien des Boulos-Plans von einer Einigung über die Wahlgesetze sprechen,
zeigt, dass mit diesen Gesetzen etwas nicht stimmen kann,
denn Wahlen stehen komplett im Widerspruch zum Boulos-Plan.
Der Hauptgrund dafür, dass alle strittigen Punkte beiseitegelassen
wurden, ist deren Wissen, dass es keine Wahlen geben wird, sondern sie auf
Initiative von Boulos verschoben werden.
Es sei wenig überraschend, dass keine Details über die vereinbarten
Wahlgesetze bekanntgegeben werden, ebenso wenig wie sie über
den einheitlichen Entwicklungshaushalt bekannt wurden. Alle versuchten,
dem Boulos-Plan den Weg zu ebnen.
Die derzeitigen Gremien verfügten über keinerlei Legitimität
außer der Legitimität der vollendeten Tatsachen und der Einschüchterung;
die UN-Mission sei aber immer noch der Ansicht, dass jeder
Entwurf oder jeder neue Lösungsansatz über diese maroden Gremien
erfolgen muss.
Wer glaube, dass der Boulos-Plan zu Wahlen führt, habe seinen Verstand
beurlaubt. Beide Parteien [Haftar und Dabaiba] strebten
ausschließlich an, auf ewig die Macht an sich zu reißen. Der Boulos-Plan
bedeute, Wahlen zu beerdigen, das Leiden der Libyer und die Probleme
zu verschlimmern und es Kriminellen zu ermöglichen, an der Macht
zu bleiben.
Es müsse auf das Volk und nicht auf Massad Boulos gehört werden. Es
müssten Wahlen abgehalten werden und das Volk müsse wählen können,
wen es will.
+ Fathi
asch-Schibli (Partei Stimme des Volkes): Die vielen ausländischen
Besuche in Tripolis und Bengasi zielen darauf ab, ihre Interessen
bezüglich des Boulos-Plans zu wahren.
Die Trump-Regierung wolle den Frieden zwischen den dominanten
Parteien mit Macht durchsetzen und deshalb die Macht unter ihnen
aufteilen, selbst wenn dies auf Kosten des Volkes und seiner Hoffnungen
geschieht.
Bestimmte politische Kräfte in Libyen weigerten sich, abzutreten.
Sie hätten 15 Jahre Übergangsregierungen zu verantworten, behinderten
die Durchführung von Wahlen und machten Libyen zu einem gescheiterten
Staat. Bis zum Februar 2011 hatten die Libyer ein gutes
Leben.
Der Traum von einem friedlichen Machtwechsel sei in weite
Ferne gerückt, denn das Volk verfüge nicht über den Einfluss,
das Geld und die Waffen, die die beiden Clans besitzen,
die die Lage beherrschen.
Der Boulos-Plan bedeute, dass das Volk Wahlen vergessen kann,
denn die Mächtigen werden die Macht auf keinen Fall wieder abgeben. Dies
müsse den Libyern klar sein.
Den USA sei der Zugang zu libyschem Öl und Gas wichtig. Deshalb
sei die US-Regierung bestrebt, diesen Plan mit allen Mitteln
durchzusetzen, selbst wenn sie dafür Druck auf regionale und westliche
Staaten ausüben müssen, damit diese den Plan akzeptieren.
+ Der Sozialrat in
der Westregion lehnte die Boulos-Initiative ab.
Niemand habe das Recht, die Zukunft Libyens zu bestimmen
oder in seinem Namen zu sprechen, außer den Libyern selbst
– durch ihre nationalen Institutionen und ihre sozialen und
politischen Gruppen.
Boulos habe keine offizielle Position oder Vollmacht, die ihm erlaube,
Initiativen bezüglich der Zukunft des libyschen Staates vorzuschlagen.
„Wir rufen alle Sozialräte, Weisen und Honoratioren in allen
Teilen Libyens dazu auf, eine einheitliche nationale Haltung einzunehmen,
die diese Initiative und alle ähnlichen Versuche ablehnt, die die
nationale Souveränität antasten oder den freien libyschen Willen
missachten.“
+ Faisal asch-Scharif (Politologe): Die Dabaiba-‚Regierung‘ verfolgt in Bezug auf den Boulos-Plan eine Strategie der schrittweisen Schocks, anstatt den Plan direkt und öffentlich bekanntzumachen.
+ Said Wannis
(Staatsrat): Der Boulos-Plan befindet sich in einer fortgeschrittenen
Phase, insbesondere angesichts der jüngsten zögerlichen Äußerungen
der UN-Sonderbeauftragten Hannah Tetteh, die keine Gewissheit
hinsichtlich der weiteren internationalen Unterstützung für ihre Initiative erkennen
ließen.
Die Kontroversen um die Ergebnisse des Strukturierten Dialogs
haben die UN-Initiative geschwächt und Fragen hinsichtlich ihrer Sinnhaftigkeit
und ihrer Umsetzungsmechanismen aufgeworfen.
Die Details der Boulos-Initiative seien nach wie vor unbekannt,
die daran Beteiligten hätten keinen offiziellen Status, und es fehle
eine verfassungsrechtliche Grundlage.
+ Mustafa
al-Fituri (Autor): Die us-amerikanische Initiative von Boulos ist
eine Illusion innerhalb der Serie falscher Versprechungen und
ein von Großbritannien unterstützter Putsch.
Das Hauptmotiv Washingtons bestehe darin, eine schnelle
Stabilisierung in Libyen zu erreichen, um den Weg für us-amerikanische
Investitionen im Energiesektor zu ebnen, und die libysche Ölförderung
bis 2030 auf drei Millionen Barrel/Tag zu verdoppeln.
Der UN-Plan von Tetteh drohe, Libyen in eine weitere
Übergangsphase zu stürzen mit ähnlichen Aussichten auf einen Misserfolg
wie die Abkommen von Skhirat und Genf, während der Boulos-Plan die Spaltung
des Landes zementiert, indem sie die Mächte belohnt, die Milizen
und Staatsressourcen ausbeuten, um ihre Macht zu erhalten.
Das größte Problem beim Boulos-Plan ist, dass eine erzwungenen
Allianz zwischen dem Dabaiba- und dem Haftar-Lager äußerst zerbrechlich
ist, da sie von tiefem Misstrauen geprägt ist.
Wenn die Milizen in der westlichen Region intakt bleiben, könnte
eine gewalttätige präventive Reaktion ausgelöst werden, anstelle
eines nachhaltigen Friedens.
+ Al-Arab
al-Dschadid (Katar): Ägypten und die Türkei durchkreuzen
die Pläne von Massad Boulos.
Trotz der Annäherung traue die Türkei dem Haftar-Lager im Osten nicht,
und Ägypten blicke ebenfalls weiterhin mit Vorsicht auf
Tripolis.
+ Anwar Sawan (Senat von Misrata): Die Boulos-Initiative zur Teilung der Macht zwischen den beiden Clans kann nur über unsere Leichen durchgesetzt werden.
+ Hussam ad-Din
al-Abudali (Politanalyst): Die Aktivitäten von ausländischen
Geheimdiensten zeugen von den regionalen und internationalen Ängsten
hinsichtlich der Art einer neuen Macht und der dafür vorgeschlagenen
Namen.
Ägypten neige dazu, das Abkommen zu unterstützen, das die Vorsitzenden
des Parlaments und des Staatsrats vereinbart haben, und das ein Ende der
Übergangsphasen vorsieht.
Die Türkei stelle sich nicht gegen den Boulos-Plan, erkennt
jedoch das Ausmaß des Einflusses, den Washington dabei
hat.
Sowohl Ägypten als auch die Türkei wollten nicht außen
vor bleiben.
+ Mohammed
Bouisier (Politberater): Das Hauptmotiv für das us-amerikanische
Eingreifen in Libyen liegt in der Strategie der US-Außenpolitik,
die von Trump offiziell übernommen wurde, und die besagt, dass das
Erdöl von Washington kontrolliert werden muss. Wie schon in Venezuela
und im Iran ist der Hauptmotor für Washingtons Aktivitäten
das Öl, denn Libyen verfüge über die größten Ölvorkommen Afrikas.
Trump möchte das Bosnien-Herzegowina-Modell von 1995 auf Libyen
anwenden. Es soll eine Autorität mit drei Armeen geschaffen und diese
dann vereinigt werden. Auf die libyschen Parteien werde über
AFRICOM Druck ausgeübt.
Das Problem sei die Verflechtung der politischen Seite mit den Milizen
und der Wirtschaft sowie die Verteilung der Öleinnahmen.
Der Boulos-Plan basiere nicht auf der Einführung von Demokratie.
+ Mohammed
al-Mazuqi (Präsidentschaftskandidat): Jede Herangehensweise, die
sich auf Vereinbarungen zwischen einer begrenzten Anzahl politischer
Akteure beschränkt, ohne echte Einbindung aller Teile des
libyschen Volkes, wird nicht die nachhaltige Stabilität
erreichen, die Libyen und ihre internationalen Partner anstreben.
„Wir rufen alle Brüder, Freunde und internationalen Partner auf, die
Option eines umfassenden nationalen Konsenses zu unterstützen und den Libyern
zu ermöglichen, ihren vereinten Staat auf Grundlagen von Gerechtigkeit,
Stabilität und Entwicklung aufzubauen, was den Interessen Libyens und
seiner Partner gleichermaßen dient.
+ Abbdulhakim
Fanuch: Die Vereinigung der militärischen Institutionen kann nicht
allein mit az-Zubi besprochen werden, da er nicht alle Milizen
repräsentiert, die in der westlichen Region stationiert sind. Zubi
arbeite nicht mit demjenigen zusammen, der sich selbst
zum Stabschef der westlichen Region ernannt hat.
Es fehle die Grundlage für einen Konsens zwischen diesen
Parteien aufgrund unterschiedlicher Interessen. Es sei undenkbar,
dass im Osten freiwillig akzeptiert werde, dass die Macht nach
Tripolis geht.
Die wiederholten Besuche internationaler Parteien in Libyen zeugten von
der Besorgnis hinsichtlich eines Projekts, über das sie keine
Informationen haben.
Bis jetzt habe auch weder das US-Außenministerium noch ein anderer
Verantwortlicher in der US-Administration diese angebliche Initiative
übernommen.
+ Salah al-Bakusch
(Politberater): Die Initiative von Massad Boulos wird scheitern,
so wie seine Initiativen in der DR Kongo, im Sudan oder im Südsudan
gescheitert sind. Libyen sieht sich nun mit einem weiteren Plan
konfrontiert, der wir jener von Skhirat und von Genf scheitern
wird.
„Die Wahlen im Jahr 2021 sind gescheitert, weil wir den Parteien,
die keine Wahlen wollen, die Kontrolle über den Wahlprozess
überlassen haben.“
Jedes Abkommen der USA müsse mit dem libyschen Volk
geschlossen werden, von dem sich fast drei Millionen Menschen für die
Wahlteilnahme registrieren ließen – und genau diese Menschen versuche
Boulos endgültig aus dem Geschehen auszuschließen. Die Amerikaner
wollten nur so viel Stabilität, wie nötig ist, um vom libyschen Öl zu
profitieren zu können.
+ Abdullah Naker:
Die Trump-Administration versucht, Libyen ihre Sicht aufzuzwingen,
indem sie den Willen des Volkes umgeht
Sie strebe einen neuen Karzai wie in Afghanistan an. Der Boulos-Plan
sei abzulehnen, da er eine schamlose Einmischung in libysche
Angelegenheiten darstelle und die Rechte der Libyer missachte, ihr Land
und die Wahl ihrer Führer über die Urnen zu bestimmen.
+ The Spectator
(London): Libyen ist mittlerweile Geisel regionaler und
internationaler Einmischungen, denen weder die Libyer noch die
internationalen Gesandten entgegenwirken können.
Die Mehrheit der schweigenden Bevölkerung im Westen, Osten und Süden des
Landes lehne es entschieden ab, dass die Clans von Dabaiba und Haftar
weiterhin die Exekutivgewalt ausüben und die staatlichen
Institutionen kontrollieren.
Sollte das Vorhaben von Boulos umgesetzt werden, gäbe es keine
Hoffnung mehr. Dabaiba habe keinerlei Absicht gezeigt, die Lebensbedingungen
der Menschen zu verbessern, sondern er und sein Umfeld machten
deutlich, dass ihnen nur daran liegt, öffentliche Gelder zu plündern.
Bei der Parallelregierung im östlichen Libyen sehe die Sache nicht
anders aus.
Auch Russland habe Einwände gegen den Boulos-Plan, weil er außerhalb
des Rahmens des Sicherheitsrats und des Berliner-Prozesses steht, an
dem Russland beteiligt war, und weil der Plan darauf abziele, die
russische Militärpräsenz im Osten und Süden Libyens einzuschränken, um sie
später ganz zu beenden.
+ Othman Aguil
(Republikanische Koalitionspartei): Washington und London streben
seit 2011 danach, in Libyen mittels Deals und Spaltungen ihre Interessen
durchzusetzen, die sie schon vor 1969 in Libyen hatten.
Sie behinderten von 2011 bis heute den Prozess der Vereinigung der
militärischen Institutionen, wobei Washington persönliche Befehle
an libysche Parteien erteilte, nicht einmal daran zu denken, die
militärischen Institutionen zu vereinigen, da dies ihren Interessen
entgegenstünde.
Die USA betrieben eine gefährliche Politik, insbesondere in arabischen
Ländern; mit der Trump-Administration sei die Situation noch
schlimmer geworden.
Die Vereinigung der militärischen Institutionen wäre sehr einfach,
da Libyen kein ethnisch oder sektiererisch geprägtes Land ist. Es seien
die ausländischen Interventionen, die die Sache verkomplizieren.
Libyen stehe unter Vormundschaft zusätzlich zur Waffenstillstandslinie,
die das Land zwischen dem östlichen und westlichen Libyen teile. Der
UN-Sicherheitsrat werde daher jeden Versuch zur Vereinigung der Armee
verhindern.
Die USA hätten die deutsche, japanische, irakische und libysche
und sogar die afghanische Armee zerschlagen.
+ Lana Bedvan
(russische Expertin für internationale Beziehungen): Die Boulos-Initiative
stellt eine direkte Bedrohung für den Einfluss Moskaus und sein Afrikacorps
in Libyen dar, worauf Russland mit einer zweigleisigen Strategie
reagiert, nämlich einer Ausweitung der diplomatischen Öffnung gegenüber
Westlibyen bei gleichzeitiger Verstärkung seiner militärischen Präsenz vor
Ort.
AFRICOM sei bemüht, den durch das Afrikacorps geschaffenen
De-facto-Zustand zu beenden. Moskau verfüge über einen tief
verwurzelten militärischen Einfluss, während Washington über politische,
wirtschaftliche und diplomatische Druckmittel habe.
Diese Realität mache eine libysche Einigung von internationalen Absprachen
abhängig und stelle die libyschen Mächte vor die Aufgabe, zwischen
den beiden Großmächten zu manövrieren. Dies verzögere eine nachhaltige
nationale Lösung und mache die aktuelle Stabilität, die erschüttert
werden kann, wenn das Gleichgewicht der Abschreckung zwischen den
Parteien gestört wird, fragil.
+ Sky News
Arabia: Diese aktiven Schritte der USA verbinden diplomatisches
Vorgehen mit sicherheitspolitischem Engagement zu einer Zeit, in der
Moskau bestrebt ist, seine Errungenschaften zu festigen und jegliche
Vereinbarungen zu verhindern, die das Kräfteverhältnis neu gestalten
könnten.
Dies gehe über den Versuch zur Beendigung der Spaltung in Libyen
hinaus und stehe mit der Neugestaltung der Machtverhältnisse in
Nordafrika, der Sahelzone und im Mittelmeerraum in
Verbindung. Diese Gleichung wird von der eskalierenden Konkurrenz
zwischen den USA und Russland um militärischen Einfluss, Versorgungswege,
Terrorismusbekämpfung sowie die Sicherung von Energieversorgungswegen
und die Eindämmung der irregulären Migration bestimmt.
+ Mohammed Baschir an-Naas (Militäranalyst): Der Boulos-Plan ist teuflisch und ebnet den Weg für die vollständige Verschlingung der libyschen Szene zugunsten des internationalen Operationszentrums (USA, Großbritannien und Frankreich) gemäß einem ausgeklügelten Plan, der seit 2011 verfolgt wird.
+ Fathi
asch-Schibli (Partei Stimme des Volkes): Das westliche Libyen
mit all seinen Bevölkerungsgruppen lehnt den Boulos-Plan
kategorisch ab. Fragezeichen bleiben bezüglich der plötzlichen
Zustimmung von Stämmen in den ostlibyschen Gebieten.
Sowohl das Bündnis libyscher Parteien, dem 17 Parteien
angehören, als auch das Team für politischen Dialog, dem mehr
als 500 Akademiker aus ganz Libyen angehören, lehnen die Boulos-Initiative
ab.
+ 16
Parlamentsmitglieder erklärten ihren Widerstand gegen den Boulos-Plan.
Dieser sei dem Parlament nicht offiziell vorgelegt worden und es habe keine
Gelegenheit gegeben, seinen Inhalt einzusehen.
Man sei verwundert, dass suggeriert werde, dass die Initiative
die Unterstützung des Parlaments habe.
Libyens Zukunft könne nicht durch Initiativen mit unbekannten Details
geformt werden oder durch Absprachen, die fernab der Institutionen
geführt werden.
„Wir fordern die sofortige und vollständige Veröffentlichung des Inhalts
der Initiative und all ihrer Anhänge und das Unterbleiben des Verkündens
von angeblichen Zustimmungen, es sei denn, dies erfolgt gemäß den offiziellen
Verfahren.“
Jede politische Einigung erhalte ihre Legitimität nur durch nationale
Einigkeit, verfassungsrechtliche Verfahren und libysche
Willensbildung.
+ Mohammed Baschir an-Naas (Militäranalyst): Wenn der Boulos-Plan durchgeht, wird Libyen in eine Periode eintreten, die der Herrschaftsperiode des US-Amerikaners Bremer im Irak gleicht.
+ Al-Menfi
(Präsident Staatsrat) appellierte an die Afrikanische Union, sich
gegen die US-Initiative von Massad Boulos zu stellen. [Diese zielt
darauf ab, Saddam Haftar anstelle von al-Menfi das Präsidentenamt zu übertragen.]
Laut al-Menfi bestehe die Befürchtung, dass bei der Boulos-Initiative
die nationalen verfassungsmäßigen Institutionen, die Afrikanische
Union, der UN-Prozess sowie das gesamte politische Spektrum
Libyens außen vor gelassen werden.
Es sei zu betonen, dass die Wahrung der afrikanischen Rolle in der
Libyen-Frage eine kollektive Verantwortung aller ist.
Das gescheiterte Washington-Treffen
+ Massad Boulos und der Leiter der US-Botschaft in Libyen und stellvertretende Kommandeur von AFRICOM, luden Abdel Salam Zubi (stellvertretender Verteidigungsminister) nach Washington ein, um das Boulos-Abkommen zum Abschluss zu bringen.
+ Al-Araby
al-Dschadid: Es gibt Leaks, die über ein Papier namens „Arbeitsrahmen
für das Projekt zur Wiederherstellung der vereinten nationalen Herrschaft in
Libyen“ berichten. Danach treffen die USA Vorbereitungen für die
Vereinigung der militärischen Institutionen in Libyen. Diese umfassen
den Aufbau einer geeinten Militäreinheit, die auf die Sicherung der
südlichen Grenzen abzielt.
Das us-amerikanische Konzept umfasse einen Zeitplan, der bis in
das Jahr 2032 reicht, in dem Präsidentschafts- und Parlamentswahlen
stattfinden sollen.
[Seit der Nato-Intervention zum Sturz von Gaddafi und für die Einführung der
Demokratie wären dann schlappe 21 Jahre vergangen!]
+ Suleiman al-Buwaydi (Präsidentschaftskandidat): Boulos versucht, seine politische Existenz innerhalb der Trump-Administration zu retten, indem er den Libyen-Deal durchdrückt – auf Kosten aller Libyer.
+ Stimson
Research Center (USA): Seit 2011 zielen alle Verhandlungen
in Libyen darauf ab, die Macht aufzuteilen.
Die regionalen Mächte (Ägypten/Türkei/Italien) hätten erkannt,
dass bei den libyschen Verhandlungen der Einfluss traditioneller Vermittler
nachgelassen habe.
Politische Deals seien nur dann erfolgreich, wenn sie letztlich
Deals der Eliten stärken.
Friedensabkommen scheiterten, weil keine der Seiten der anderen
nach Verschiebungen der erzwungenen Machtverhältnisse vertraue. Frühere
Initiativen suchten den Ausgleich zwischen rivalisierenden
Institutionen, während sie die zersplitterte Sicherheitsstruktur
weitgehend unangetastet ließen.
Die US-Initiative habe die Rolle der Verhandler, das Thema der
Verhandlungen und die Reihenfolge der Einigungen neu geformt. Politische
Legitimität, militärische Integration, wirtschaftliche Governance
und Kontrolle über strategische Infrastruktur werden nicht mehr getrennt
verhandelt, sondern wurden Teil eines einzigen Verhandlungsprozesses.
Die Zukunft Libyens werde nicht dadurch bestimmt, wer die nächste
Regierung bildet, sondern ob der Staat seine exklusive
Autorität zur Durchsetzung des politischen Systems wiedererlangt.
+ LibyaDesk:
Saddam Haftar ist am 29. Juni in Washington eingetroffen. Er soll
US-Außenminister Marco Rubio zusammen mit hochrangigen Beamten des
US-Verteidigungsministeriums treffen.
Der Boulos-Plan rücke in der Washingtoner Hierarchie hoch,
während die Trump-Administration die Machbarkeit einer neuen einheitlichen
Regierung in Libyen prüft.
Die Unterzeichnung eines Abkommens werde zu diesem Zeitpunkt nicht erwartet.
+ Massad Boulos:
Die US-Initiative in Libyen steht unter der Leitung von Präsident
Trump. Es ist nicht möglich, das Jahr 2032 oder andere
Jahre für die Durchführung von Wahlen im Rahmen dieser Initiative festzulegen.
„Wir haben die Unterstützung von 109 der insgesamt 140 Abgeordneten, die
diese Initiative im Parlament befürwortet haben; dies ist eine sehr wichtige
Mehrheit, und wir arbeiten daran, beide Kammern in diesen Prozess
einzubeziehen, da sie eine Rolle im Rahmen dieser Initiative beibehalten
werden.“
Die US-Initiative befasse sich mit der libyschen Krise auf kurze und
mittlere Sicht. Dies sei es, was Libyen derzeit brauche, anstatt das
Zeit verschwendet wird.
„Das libysche Volk hat viel gelitten, warum also warten?“
+ Massad
Boulos: Abdel Salam Zubi spielt eine zentrale Rolle bei unseren
Plänen.
Sollte der US-Plan erfolgreich sein, wäre dies eine Ehre. Dies
würde in Anwesenheit von Donald Trump bekanntgegeben. Die Vereinbarung
betreffe den Osten und den Westen, aber auch der Süden müsse
vertreten sein, und im Westen müssten alle vertreten sein. Die Lage
im Westen sei komplexer, da es dort eine große Anzahl von
Parteien gibt. Die Rolle von Parlament und Staatsrats werde mit dem
Inkrafttreten der Initiative nicht enden; beide werden weiterhin eine
grundlegende Rolle spielen.
Es werde ergänzend zum Fahrplan der UN-Mission gearbeitet, um die
dringenden Angelegenheiten der kurz- und mittelfristigen Phase
anzugehen.
+ Auch Belgasem Haftar, ein weiterer Sohn von Khalifa Haftar, nahm an Gesprächen im US-Außenministerium in Washington teil. Es soll dabei über die Ausweitung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit und die Unterstützung der Wiederaufbaubemühungen gegangen sein.
+ Il Foglio
(Italien): Ibrahim Dabaiba versuchte bis zuletzt, nach
Washington zu reisen, um die Boulos-Initiative über die Machtteilung
in Libyen abzuschließen.
Ibrahim Dabaiba sei sich bewusst, sollte er diese Gelegenheit
verstreichen lassen, er wahrscheinlich bei einer zukünftigen
Neuverteilung der Macht keinen Platz haben werde.
Zwar hatte Ibrahim Dabaiba ein Einreisevisum für die USA
erhalten, wollte jedoch auch Garantien hinsichtlich seiner Immunität,
da gegen ihn bereits strafrechtliche Anklagen vorliegen. US-Beamte
teilten Ibrahim Dabaiba mit, dass sie ihm diese Garantien nicht geben
könnten.
+ Il Foglio:
Ibrahim Dabaiba habe Angst, dass ihm nach Inkrafttreten des
Boulos-Abkommens Verhaftung oder Exil drohen könnten.
Ein Treffen zwischen US-Außenminister Marco Rubio und Vertretern
des östlichen Libyens dauerte eine Stunde, ohne dass westliche
Vertreter anwesend waren.
In den sozialen Netzwerken verbreitete sich ein Foto aus dem Jahr
2009, das die damalige US-Außenministerin Hillary Clinton zeigt,
wie sie Muttassim Gaddafi, dem Sohn von Oberst Muammar Gaddafi, die Hand
schüttelt. Dies sei eine klare Botschaft an die libyschen Parteien,
dass man den USA nicht trauen könne.
Massad Boulos werde seinen Libyen-Plan nicht aufgeben, auch wenn bislang
kein Abkommen unterzeichnet wurde.
+ Il Foglio:
Der allgemeine Eindruck, den Abdel Salam Zubi, der Verteidigungsbeauftragte
von Abdul Hamid Dabaiba, bei den US-Beamten hinterlassen hat, war äußerst
negativ.
Niemand kannte ihn, und es stellte sich schnell heraus, dass er lediglich
ein Milizenführer mit einer langen Geschichte von Gewalt und
Menschenrechtsverletzungen war.
+ Suleiman
al-Bayudi (Präsidentschaftskandidat): Trotz aller Wiederbelebungsversuche
ist der Boulos-Deal klinisch tot – es muss nur noch der Stecker
gezogen werden.
Noch in diesem Sommer könnte Hannah Tetteh zurücktreten und die US-Amerikanerin
Stephanie Khoury die kommissarische Leitung der UN-Mission
übernehmen.
UN-Mission
+ Fuhmi at-Tuwati (Parlamentarier) beschwerte sich, dass die Arbeiten des Mini-Dialogs 4plus4 geheim verlaufen. Der Inhalt der Vereinbarungen müsse veröffentlicht werden, damit sie bewertet und diskutieren werden können.
Demonstrationen/Proteste
+ Die Revolutionäre
von Tadschura kündigten für Freitag, den 3. Juli eine Demonstration
unter dem Motto „Freitag des Zorns“ an, um die Absetzung des Präsidialrats,
des Parlaments und der Dabaiba-‚Regierung‘ zu fordern. Die Mitglieder
dieser Gremien wurden aufgefordert, ihren Rücktritt einzureichen.
Alle Regionen und Städte sind aufgerufen, sich den Demonstrationen
anzuschließen, um die Korrupten und diejenigen, deren Amtszeit
abgelaufen ist, zu stoppen.
Die Libyer, die diesen Institutionen angehören, wurden aufgefordert,
ihre Rücktritte einzureichen. Denn diese Instituten hätten Libyen
ruiniert.
„Wir sagen ihnen: Geht, sonst werdet ihr mit Gewalt vertrieben!“
+ As-Sadiq
al-Gharyani: Der Boulos-Plan ist ein neuer Versuch der USA und
Israels, jemanden durchzusetzen, der es nicht geschafft hat,
mit Waffengewalt in Tripolis einzumarschieren.
Die hochgesteckten Parolen der Gremien bezüglich eines gemeinsamen
Entwicklungshaushalts und zur Sicherung der Staatsgelder seien Lügen
mit dem Ziel, die Spaltung zu verlängern und das Chaos zu festigen.
Der einzige Weg aus dieser Krise bestehe in der Abhaltung allgemeiner
und direkter Wahlen, bei denen das libysche Volk über sein Schicksal
entscheidet – etwas, vor dem sich alle Parteien drücken, die von der
aktuellen Situation profitieren.
Die Dabaiba-‚Regierung‘ werde gewarnt, sich dem anzuschließen
oder unter dem Deckmantel des „Konsenses“ Zugeständnisse zu machen, da
dies unweigerlich das Ende dieser Regierung und ihre vollständige
Entmachtung bedeuten würde.
„Wir rufen das gesamte libysche Volk dazu auf, auf die Straßen zu
gehen, um die kategorische Ablehnung des Boulos-Deals und seiner
Ergebnisse zu bekunden.“
Ausländische Besatzung
+ Jerusalem
Post: Die Türkei positioniert sich nach sechs Jahren der
Konfliktanstachelung als Friedensvermittler, um ihre regionalen
Ambitionen zu verwirklichen.
Die Türkei führe Verhandlungen über die Vereinigung der
rivalisierenden Verwaltungen im Osten und Westen Libyens sowie ihrer
militärischen Kräfte unter einer einzigen Autorität.
Es sei offensichtlich, dass sich hinter den Kulissen viel bewege,
doch die Welt ignoriere dies trotz der großen Bedeutung Libyens.
Die Türkei strebe eine größere Rolle in Libyen an und könnte im
Rahmen der Friedensvermittlung eine wichtigere Rolle einnehmen
als vorher, als es zu Spannungen mit Ägypten,
Griechenland und anderen Mittelmeerstaaten kam.
+ Fotos: Die türkische Fregatte Giresun führte unter dem Kommando des Gemeinsamen Ausbildungszentrums in der Republik Türkei für Angehörige der libyschen Marine eine Übung auf See durch.
Militär/Milizen/Gewalt
+ Am 1. Juli
gab es erneut Spannungen,
Mobilisierungen und Zusammenstöße an der Küstenstraße in az-Zawiya
zwischen zwei Milizen, eine mit der Militärzone Westküste
und die andere mit der Justizpolizei verbunden.
Die Küstenstraße ist einer der wichtigsten Verkehrswege Libyens.
+ Die Nationale Institution für Menschenrechte verurteilte den Mord an Ayman al-Lafi (Amt zur Bekämpfung von Sicherheitsbedrohungen). Er wurde in der Stadt al-Agheilat erschossen.
+ Der
in der Schweiz ansässige Justizausschuss
verurteilte die Entführung des ehemaligen Präsidenten des
libyschen Fußballverbands, Abdel Nasser as-Suwai, und forderte
Aufklärung über sein Schicksal.
As-Suwai konnte noch kurz mit seiner Familie telefonisch Kontakt
aufnehmen und mitteilen, dass er bedroht werde. Sein Wagen wurde westlich
von Tripolis gefunden.
As-Suwai wurde wenige Tage nach einem Treffen mit Vertretern
libyscher Vereine verschleppt, wobei er Unterstützung für eine
Kandidatur bei den Präsidentschaftswahlen des libyschen Fußballverbands
erhielt.
+ Der Nationale Rat
für Bürgerfreiheiten und Menschenrechte forderte die Dabaiba-‚Regierung‘
auf, schnellstens gegen die schlechten Haftbedingungen für jugendliche
Straftäter vozugehen.
Der Schutz und die Betreuung der Kinder, die Rehabilitation,
psychosoziale Betreuung und Bildung umfassen müsse, stellten eine nationale,
moralische und rechtliche Verpflichtung dar.
Innerlibysche Nachrichten
+ Middle East
Online (GB): Ein Vierkampf um das Amt des Staatsratspräsidenten
offenbart einen Konflikt um die Gestaltung der Übergangsphase und
die Festlegung ihrer Prioritäten.
Es konkurrieren vier Kandidaten um das Amt des Vorsitzenden des Präsidialrats
[das praktisch dem Amt des libyschen Präsidenten entspricht], und das im
Moment von al-Menfi besetzt wird: Mohammed Takala, Salah Metu,
Belkacem Kazit und Abdel Rachman as-Swayhli. Diese vier stehen für
den Konflikt zwischen den verschiedenen politischen Kräften, die die Übergangsphase
mit unterschiedlichen Prioritäten gestalten möchten.
Der Staatsratsvorsitzende Mohammed Takala steht der Dabaiba-‚Regierung‘
nahe, ebenso wie Abdul Rachman as-Swehli, die sich gegenseitig
Stimmen wegnehmen könnten.
Salah Mito ist einer der prominentesten Anwärter und wird unterstützt
von der Fraktion, die hinter Khaled al-Mischri (ehemaliger
Staatsratsvorsitzender) steht, der selbst nicht antritt.
Belkacem Kazit wird unterstützt von der Opposition gegen Dabaiba in
Misrata, und steht der Demokratischen Partei (Führung
Mohammed Sawan) nahe.
Um das Amt des ersten Stellvertreters, der gleichzeitig die südliche
Region vertreten soll, konkurrieren Hassan Habib, Nadschi
Mokhtar und at-Tahir Makni.
Für das Amt des zweiten Stellvertreters gibt es die meisten Bewerber:
Musa Faradsch, Omar Buscha, Omar Khalid, Sayed al-Haddad, Khalid an-Nazuri und
Dschamilah az-Zawi.
Für das Amt des Generalsekretärs des Präsidialrats treten an: Belkacem
Debrz und al-Adschili Busdil.
Die Wahl einer neuen Führung, die über eine größere Fähigkeit zum
Aufbau von Konsens verfügt, könnte zur Annäherung konkurrierender
Parteien beitragen und den politischen Prozess neu beleben.
Die Wahlen selbst könnten den Staatsrat aufwerten, auch bei der Überwindung
des Stillstands. Er könnte die Rolle eines Vermittlers zwischen den
verschiedenen Parteien einnehmen und so zur Abhaltung der Wahlen beitragen.
+ Dschaballah
asch-Schibani (Abgeordneter): Der Bürgermeister von Misrata benutzt
einige Minister der Dabaiba-‚Regierung‘, um von der Gemeinde Tawergha
Dienststellen zu übernehmen.
Dies sei Unsinn und entspräche einer Gangstermentalität, die gerichtliche
Urteile missachte.
+ LibyaPress:
Große Wut machte sich unter den Libyern breit, nachdem der syrische
Sänger Schami mit der libyschen Präsidentenmaschine nach Tripolis
eingeflogen wurde und ihm für seinen Auftritt bei der Eröffnung der First
Mall ein Honorar von 850.000 USD gezahlt wurde, während die Bevölkerung
unter den sich täglich verschlechternden Lebensbedingungen leidet.
Das Konzert musste aufgrund der Proteste abgesagt werden –
allerdings war der Sänger bereits in Tripolis und bekam auch das
ihm zugesagte Honorar.
Das Einkaufszentrum gehört der Islamischen Dawah-Gesellschaft“,
dessen Leiter der Rechtsabteilung, Saleh Abu Raqiya, aus Protest
gegen das geplante Konzert seinen Rücktritt einreichte.
Der Bau dieses Einkaufszentrums war von Korruption in
einer Höhe von geschätzt mehr 60 Millionen Dinar überschattet.
+ Al-Mahdi Abd al-Ati (Aktivist aus Misrata): Kein Geld für lebensrettende Medikamente für an Muskeldystrophie, Nieren-, Herzkrankheiten und Tumoren Erkrankten, aber Geld für einen syrischen Sänger.
+ Generalstaatsanwalt:
65 Prozent der landwirtschaftlichen Erzeugnisse, die in Libyen direkt
an Verbraucher verkauft werden, enthalten Rückstände von sieben
verbotenen krebserregenden Pestiziden.
Dies ging aus Proben landwirtschaftlicher Erzeugnisse in Verkaufsstellen
in Tripolis, Bengasi und Misrata hervor.
+ Die Ärztegewerkschaft verurteilte den Übergriff auf Mitglieder des medizinischen Personals, während sie ihren Dienst versahen, im Unfallkrankenhaus Abu Salem.
+ Balqasim
al-Mubaschir (Aktivist): In Sebha führt die Verschmutzung der
Brunnen mit Abwässern zu einem Anstieg von Krankheiten.
Die Tiefbohrbrunnen seien alt und ebenso wie das gesamte
Wassernetz baufällig.
+ LibyaPress:
Der Bürgermeister und die Gemeindemitglieder von Ghadames forderten
Dabaiba auf, den Flughafen aus humanitären Gründen wieder in
Betrieb zu nehmen, damit ihn die Bewohner bei Notfällen sowie bei Reisen
zu Arbeits- und Studienzwecken nutzen können.
Der Flughafen müsse – auch aus touristischen Gründen – Priorität
haben, um Ghadames mit der Hauptstadt Tripolis und anderen libyschen
Städten zu verbinden.
+ Passport Index:
Libyen belegt Platz 85 bei der Stärke des Reisepasses. Libyer
benötigen für 146 Länder eine vorherige Visumerteilung, während 32
Länder die Erteilung eines Visums bei Ankunft und nur 15 Länder
eine visafreie Einreise erlauben.
Seit der Katastrophe des Februars 2011 habe der libysche Pass
seine einstige Stärke eingebüßt.
+ LibyaPress: Regen und Gewitter führten in den Gebieten Wadi al-Bab und Wadi al-Salk in der Nähe von Saluq zu Sturzfluten.
+ LibyaPress: In Ras Lanuf fiel am 26. Juni in Wohnsiedlungen der Strom aus.
Der Staatsanwalt ordnet immer noch regelmäßig eine hohe Anzahl von Verhaftungen aufgrund von Korruption, Fälschungen von Identitätsnachweisen, Gewalttaten und weiteren kriminellen Handlungen an. Auch weil diese Anordnungen nicht immer zu Festnahmen führen, wird auf die Aufführung der Einzelfälle verzichtet.
Wirtschaft / Finanzen
+ Laut al-Mahdi Abd al-Ati (Politaktivist Misrata) werde Zentralbankchef Nadschi Issa zurücktreten.
+ Zentralbank:
Wir setzen die technische Überprüfung fort, um die Art und den Umfang
der auf Websites im Dark Web nach dem Cyberangriff veröffentlichten
Daten zu bestimmen.
„Wir lehnen es ab, auf erpresserische Forderungen einzugehen,
oder auf Forderungen, die gegen die rechtlichen und regulatorischen
Rahmenbedingungen verstoßen.“
+ Muraidsch Ghayth
(ehemaliges Vorstandsmitglied Zentralbank): Die Gefahr besteht in der
Möglichkeit, dass Angreifer die Betriebssysteme der Bank infiltrieren
und illegale Operationen durchführen, wie Geldüberweisungen, die Ausstellung
gefälschter Genehmigungen oder die Manipulation von Banktransaktionen.
Der Schutz der Bankensysteme erfordere eine kontinuierliche
Weiterentwicklung der Cybersicherheitssysteme.
+ Achmed
as-Senussi (Wirtschaftsjournalist): Das Afrika-Portfolio der
libyschen Investitionsbehörde hat sich seit 2011 in einen Mülleimer
für Investitionen verwandelt und wurde aufgrund schlechter Verwaltung
zu einer Belastung für Libyen.
Beispiele: Das Unternehmen FM Capital besaß vor 16
Jahren 800 Millionen US-Dollar und hat heute nicht mehr als 500
Millionen. Una Energy verfügt über mehr als 1.100
Zweigstellen weltweit, und dennoch erzielte es im vergangenen Jahr nur
fünf Millionen Dinar Gewinn – welch peinliche Zahl!
Das Michael-Angelo-Hotel in Südafrika, das als eines der besten
Hotels in Afrika galt, ist seit 16 Jahren geschlossen.
Libyen müsse für seine Investitionen aufkommen, anstatt Gewinne
daraus zu erzielen.
+ Al-Mahdi Abdel-Ati (Politaktivist aus Misrata) veröffentlichte Unterlagen, die beweisen, dass gefälschte Unternehmen, die bei der Arzneimittelbehörde registriert wurden und den Namen des portugiesischen Unternehmens Bazi tragen, Medikamente im Wert von rund 1,5 Millionen Euro unbekannter Herkunft nach Libyen lieferten.
Erdöl / Erdgas
+ Africa
Intelligence: Die großen Ölkonzerne sind verunsichert, da
die libysche NOC (National Oil Corporation) versucht, die Konzessionsverträge
mit neuen Unternehmen aus Katar und der Türkei offiziell zu machen – obwohl
hinsichtlich der Rechtmäßigkeit dieser Verträge Zweifel bestehen.
Es handelt sich dabei um Verträge mit Unternehmen wie Qatar
Energy, Turkish Petroleum und die ungarische Mol-Gruppe,
neben dem us-amerikanischen Chevron und dem nigerianischen
EITIO.
Die großen Unternehmen sind der Ansicht, dass Libyen nach
wie vor unter politischer Instabilität leidet und seine Institutionen
zwischen der Dabaiba-‚Regierung‘ und der Parallelregierung
(Haftar-Kräfte) gespalten sind. Befürchtet werden rechtliche Anfechtungen
hinsichtlich der Rechtmäßigkeit der Konzessionsverträge, die je nach der
Entwicklung der institutionellen Lage im Land angefochten werden könnten,
zumal das Parlament die Dabaiba-‚Regierung‘ und die NOC nicht befugt
sind, neue Explorationskonzessionen zu genehmigen.
Der von der Dabaiba-‚Regierung‘ an der Ausübung seines Amts gehinderte
Ölminister Mohammed Aoun ist einer der schärfsten Kritiker der von der
NOC ausgehandelten Vereinbarungen. Er forderte weiterhin die Rückkehr
auf seinen Posten, [libysche Gerichte bestätigten, dass er unrechtmäßig
von Dabaiba aus dem Amt entfernt wurde].
Trotz seiner Marginalisierung bleibe Aoun im Hintergrund aktiv.
So gelang es ihm, 2025 Verhandlungen bezüglich des Entwicklungsprojekt
des NC7-Gasfelds in der Hamada zu blockieren und eine Prüfung
der Rechtmäßigkeit der vertraglichen Verfahren zu fordern, was zum Stillstand
des Projekts führte.
Türkische und katarische Unternehmen bemühten sich, in den libyschen
Markt einzusteigen. Sowohl die Türkei als auch Katar sind
enge Verbündete von Abdul Hamid Dabaiba.
Der NOC-Vorsitzende, Massud Suleiman, wurde durch westliche Unternehmen gestärkt,
die aufgrund des Iran-Kriegs in Besorgnis gerieten. Allerdings könnte Suleiman
selbst abgesägt werden, da im westlichen Libyen ein Machtkampf
zwischen dem Premier Abdul Hamid Dabaiba und seinem Neffen Ibrahim
Dabaiba tobt.
Migration
+ Rasad
(Organisation zur Überwachung von Straftaten in Libyen) verurteilte
die Entscheidung der Parallelregierung in Bengasi, Staatsangehörige
aus Sudan, Eritrea, Äthiopien und Somalia die Einreise nach
Libyen über Land-, See- und Luftgrenzen zu untersagen.
Diese Entscheidung sei Teil eines breiteren Kontexts von sich
aufschaukelnden Kampagnen, die Migranten, Asylsuchende und Flüchtlinge
ins Visier nehmen. Die Bekämpfung illegaler Migration rechtfertige
nicht den Einsatz diskriminierender kollektiver Maßnahmen gegen
bestimmte Gruppen.
+ Die
Organisation Crime
Watch forderte die UN-Sonderbeauftragten auf, unverzüglich Maßnahmen
gegen die Verstöße beim Vorgehen gegen Migranten im östlichen und
westlichen Libyen zu ergreifen. Es müsse sichergestellt werden, dass
die Behörden ihren völkerrechtlichen Verpflichtungen nachkommen.
Von Milizen und Sicherheitskräften würden groß angelegter Kampagnen
gegen Migranten, darunter auch Frauen und Kinder, durchgeführt. Es
komme neben hetzerischen Hassreden zu Massenverhaftungen,
Verschwindenlassen, Folter und Misshandlungen, Zwangsräumungen
sowie kollektive Zwangsabschiebungen. Dabei handle es sich nicht um
Einzelfälle.
Libyen und das Ausland
+ Katar.
Der Botschafter
von Katar, Khalid ad-Dosari, traf sich am 25. Juni mit Salam az-Zadma
(stellvertretender Premierminister der Parallelregierung/Bengasi), um
Wege zur Stärkung der bilateralen Zusammenarbeit zu erörtern.
Der katarische Botschafter sprach über die Unterstützung Katars für Libyen,
die zur Stärkung der Stabilität im Land beitrage, insbesondere durch logistische
Hilfe bei der Bekämpfung der illegalen Migration.
Katar habe Konzepte für eine Reihe von Entwicklungsprojekten
in den südlichen Regionen, die dazu beitragen würden, die Entwicklung
voranzutreiben.
+ Griechenland/Tunesien.
Greek City Times: Sowohl
Tunesien als auch Italien schickten offizielle Schreiben an UN-Generalsekretär
Guterres, um ihre kategorische Ablehnung der von Libyen angekündigten
einseitigen maritimen Ansprüche auszudrücken.
Italien und Tunesien bestehen auf der Notwendigkeit,
Streitigkeiten durch multilateralen Dialog und direkte Verhandlungen
zu lösen, anstatt einseitige Entscheidungen zu treffen.
Aus den Nachbarstaaten
+ Sudan.
GeopoliticalDesk:
Nach drei Jahren brutaler Konflikte hat der Krieg im Sudan eine Sackgasse
erreicht. Beide kriegführenden Seiten sind ziemlich erschöpft […]. Die Rapid
Support Forces (RSF) scheinen jedoch ihre Kräfte für eine letzte Offensive
aufzubauen.
In den letzten Wochen wurde ein großer Truppenaufbau der RSF um El Obeid, die
Regionalhauptstadt der Region Nord-Kordofan, im Zentrum des Landes,
dokumentiert. Ein Angriff auf die Stadt scheint fast sicher zu sein.
Die RSF eskalierte bereits in den vergangenen Tagen ihren Drohnenangriff auf
die Stadt El Obeid. RSF-Drohnen zielten wiederholt auf Treibstoffdepots in und
um die Stadt. Einer der jüngsten Angriffe in der Nacht vom 18. Juni traf die
wichtigsten Kraftwerke der Stadt und verursachte einen stadtweiten Stromausfall,
der die Schließung von medizinischen Einrichtungen erzwang.“
+ Burkina
Faso. Anti-Spiegel:
„Die Regierung von Burkina Faso teilt mit, dass sie beschlossen hat, die
diplomatischen Beziehungen zur Französischen Republik mit Wirkung zum 26. Juni
2026 abzubrechen“, zitiert das Nachrichtenportal LeFaso die
Regierungserklärung. „Dieser Schritt erfolgte nach einer umfassenden Bewertung des
Zustands der bilateralen Beziehungen zwischen Burkina Faso und Frankreich. Die
Regierung ist der Ansicht, dass die notwendigen Voraussetzungen für die
Entwicklung von Beziehungen, die auf gegenseitigem Respekt, gegenseitigem
Vertrauen, Nichteinmischung in innere Angelegenheiten und Achtung der
nationalen Souveränität beruhen, nicht mehr gegeben sind.“
In der Erklärung heißt es weiter, dass die Maßnahmen der französischen
Regierung gegen die Interessen Burkina Fasos gerichtet seien. „Paris zeigt
offen neokolonialistische Bestrebungen“, betonte die Erklärung. „Es unterstützt
aktiv subversive und terroristische Netzwerke, die die Sahelzone verwüsten, und
Ereignisse und Äußerungen heuchlerisch und tendenziös über unser Land mit dem
Ziel verbreiten, um es international zu einem Paria zu machen. Angesichts
dieser imperialistischen Versuche, unser Land zu beherrschen und unser Volk zu
versklaven, haben wir uns für Verantwortung und die Verteidigung unserer
Souveränität entschieden.“
Die Regierung von Burkina Faso bekräftigte ihr Bekenntnis zu einer unabhängigen
Außenpolitik, die auf der Diversifizierung internationaler Partnerschaften, der
Stärkung der Süd-Süd-Kooperation, dem Aufbau ausgewogener Beziehungen zu allen
Staaten und der Förderung von Frieden, Sicherheit und nachhaltiger Entwicklung
beruht.“
+ Burkina Faso. Israelischer Botschafter trifft Präsident Traoré: „Ich bin besonders geehrt, meine Akkreditierungsschreiben dem Präsidenten von Burkina Faso, Captain Ibrahim Traoré, überreicht zu haben. Diese Zeremonie markiert die Fortsetzung der langjährigen Beziehungen zwischen dem Staat Israel und Burkina Faso und spiegelt die dauerhafte Freundschaft zwischen unseren beiden Völkern wider. Ich freue mich darauf, in den kommenden Jahren gemeinsam daran zu arbeiten, unsere bilaterale Zusammenarbeit weiter zu stärken.“
A. Gutsche
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