Kurznachrichten Libyen – 7. bis 16. September 2026
Al-Menfi und die Union der libyschen Stämme planen Konferenz in Tripolis: Technokratenregierung und Ältestenrat anstatt 4plus4-Abkommen / Proteste und Streiks im Bildungsbereich, Gesundheitssektor und beim Wachpersonal der Ölfelder / Wachpersonal blockierte die al-Hamada-az-Zawiya-Pipeline – Ölförderung eingeschränkt – Italien befürchtet Schließung der Green-Stream-Gasleitung von az-Zawiya nach Sizilien / Aufruf zur Großdemonstration gegen das 4plus4-Abkommen am 25. September / UN-Sanktionen gegen libysche Akteure wurden nicht verhängt, damit Mitglieder des UN-Sicherheitsrats Druckmittel in der Hand haben / Verwirrspiel um 4plus4-Abkommen: nach Türkeibesuch von Agila Saleh und Takala abgelehnt – im Parlament unter Agila Saleh trotz nicht Erreichens des Quorums angenommen – Konkurrenzkampf der Haftar-Söhne Saddam und Belqasem / Vollstreckung von durch Militärgerichte verhängte Todesurteile im östlichen Libyen / Bewaffnete mit Angriffsdrohnen auf dem Weg nach Sebha festgenommen / Haftar-Militär mit Anschlägen in az-Zawiya in Verbindung gebracht / Ukrainische Drohneneinheit in Misrata stationiert / ‚Fessan-Rebellen‘ erklären südliche Grenzgebiete zu Sudan-Tschad-Niger bis Algerien zum militärischen Sperrgebiet / Khamis Gaddafi und eine Afrikanische Armee / Türkisches Privatflugzeug: Bruchlandung in Misrata / 3. Jahrestag der Dammbruchkatastrophe von Derna / Devisendefizit beträgt fünf Milliarden US-Dollar / Etwa 590.000 sudanesische Kriegsflüchtlinge in Libye
Al-Menfi und die Union der libyschen Stämme
+ LibyaPress:
Es gab eine Übereinkunft zwischen dem Vorsitzenden des Präsidialrats,
Mohammed al-Menfi, und dem Vertreter der Union der libyschen
Stämme, at-Tahir asch-Schahibi, eine Konferenz in Tripolis
abzuhalten. Diese soll eine möglichst breite Palette an Persönlichkeiten
zusammenbringen mit dem Ziel, die Boulos-Initiative zu vereiteln.
Die Konferenz sieht sich in Opposition zu den 4plus4-Ergebnissen.
Vorgesehen ist die Teilnahme von Vertretern libyscher
Stämme und gesellschaftlicher Gruppierungen sowie von politischen
Parteien und Organisationen der Zivilgesellschaft.
Ziel der Konferenz sei es, al-Menfi die Befugnis zu erteilen,
für die Dauer eines Jahres den Ausnahmezustand auszurufen, und ihn mit
der Bildung einer Technokratenregierung zu beauftragen, die die Voraussetzung
für die Durchführung von Wahlen schaffen soll.
Auch werde die Einsetzung eines Ältestenrats angestrebt, der gesetzgeberische
Aufgaben wahrnehmen und die für die Übergangsphase erforderlichen
Gesetze erlassen soll.
Hinsichtlich der Vereinheitlichung des Militärapparats ziele die
Konferenz auf die Bildung eines Obersten Rates für Sicherheit und
Verteidigung ab, dem auch Mitglieder der 5plus5-
Militärkommission angehören sollen.
Des Weiteren sieht die Konferenz vor, die Wahlkommission mit der
Durchführung eines Referendums über die Staatsform, das
Regierungssystem, die Flagge und die Nationalhymne zu
beauftragen.
+ LibyaPress:
Details der Initiative Union der libyschen Stämme
zur Überwindung der Krise in Libyen. Die Konferenz in Tripolis
richte sich gegen das 4plus4-Abkommen und ziele auf die Beteiligung
von Vertretern der Stämme und sozialen Teilen der libyschen
Gesellschaft, politischen Parteien und zivilgesellschaftlichen
Organisationen ab.
Die Initiative umfasse eine Reihe von Schritten, die mit der Tripolis-Konferenz
beginne, um die Grundlagen für eine klare Übergangsphase zu
schaffen, die mit Wahlen endet.
Die Konferenz zielt darauf ab, al-Menfi die Befugnis zu erteilen, für
die Dauer eines Jahres den Ausnahmezustand auszurufen, und ihn
mit der Bildung einer Technokratenregierung zu beauftragen, die
die Voraussetzungen für die Durchführung von Wahlen schaffen soll. Zudem
soll die Konferenz einen nationalen Ältestenrat aus namhaften
Persönlichkeiten einsetzen, der während der Übergangsphase gesetzgeberische
Aufgaben wahrnimmt, Gesetze erlässt und einen geordneten Übergang
zu gewählten Institutionen gewährleistet.
Die Einzelheiten der Initiative wurden ausschließlich an die zur
Teilnahme vorgesehenen Personen übermittelt; das Dokument trage die Unterschrift
von at-Tahir asch-Schahibi, dem Vorsitzenden der Union der libyschen
Stämme.
Demonstrationen/Proteste
Die bereits in der Vorwoche angekündigten und durchgeführten Streiks in verschiedenen Bereichen wurden fortgeführt.
+ Al-Mabruk Abu Amid (ehemals Oberster Rat von Wirschefana): Die Amerikaner bestimmen die Gehälter der Libyer. Die Zentralbank Libyens steht unter ihrer Verwaltung und muss ihren Anweisungen folgen.
Bildungseinrichtungen
+ Lehrkräfte der Schulen von al-Garabulli: Wir unterstützen die Initiative, einen vollständigen Streik im Bildungsbetrieb auszurufen und den Schulbeginn für zwei Wochen auszusetzen, um unsere gesetzlich verbrieften Rechte zu verteidigen.
+ Die Lehrergewerkschaft
der Gemeinde al-Baida verkündete den Beginn eines gewerkschaftlichen Streiks
ab dem 13. September, um die Forderungen der Lehrer zu unterstützen
und um die Ausflüchte bei der Bearbeitung der Ansprüche zu
missbilligen.
Gefordert werde die Anpassung der Gehälter an die gestiegenen
Lebenshaltungskosten, die Einführung der Krankenversicherung, die Verbesserung
der Situationen in den Wüsten-Schulen sowie die Prüfung der
Rentenansprüche.
+ Die Gewerkschaften
der mittleren technischen Institute in der Zentralregion
kündigten einen Streik und die Aussetzung des Lehrbetriebs für
die Dauer von 15 Tagen an.
„Wir fordern eine faire Behandlung der Beschäftigten, eine Verbesserung
ihrer Lebensbedingungen sowie Gerechtigkeit und Gleichheit bei der
Vergütung aller Staatsbediensteten.“
+ Die Lehrergewerkschaft
der Gemeinde Tarhuna kündigte einen Unterrichtsstopp an, bis auf
ihre Forderungen eingegangen wird.
Gefordert werden gerechte Gehaltszahlungen, die Auszahlung von
Prämien sowie eine umfassende Krankenversicherung.
+ Die Lehrergewerkschaft der Gemeinde Audschila kündigte den Streik und die Unterbrechung des Unterrichts für 15 Tage an.
+ Die Lehrerbewegung des Stadtviertels Hay al-Andalus in Tripolis kündigte einen friedlichen Streik von 15 Tagen an. Gefordert werde eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Lehrkräfte. Sollten die Forderungen nicht erfüllt werden, drohe ein Generalstreik.
+ Die Lehrergewerkschaften in der westlichen Region verkündeten die Aussetzung des Unterrichts für 15 Tage, bis die Gehälter vereinheitlicht sind. Ansonsten drohe ein umfassender Streik.
+ Lehrerschaft in Bani Walid: Wir verkünden unseren Beitritt zur Bewegung im Bildungswesen und unterbrechen den Unterricht für 15 Tage, um die uns zustehenden Rechte einzufordern.
+ LibyaPress:
Die Schulen in Misrata, Sabrata und Tarhuna bleiben aufgrund des
Lehrerstreiks am ersten Tag des neuen Schuljahrs geschlossen.
Der Lehrerstreik umfasse auch die libyschen Schulen in Ägypten.
+ LibyaPress:
„Streik, Streik – kein Unterricht, kein Dienst“: Die Lehrergewerkschaft
von Tripolis-Zentrum verweigerte die Unterrichtsaufnahme zu Beginn
des Schuljahres.
Kein Unterrichtsbeginn auch in der Region Nafusa-Berge (Batin
al-Dschabal) und vollständiges Fernbleiben von Lehrern und Schülern
an den Schulen in az-Zawiya. (Fotos)
+ Lehrergewerkschaft in Sabrata: Der Unterricht in Sabrata wird für zwei Wochen ausgesetzt.
+ Lehrergewerkschaft in Zliten: Unsere Forderungen dulden keinen Aufschub. Der Unterricht wird weiter ausgesetzt, bis die Forderungen erfüllt sind. Der Bildungsprozess müsse gewährleistet und die Stellung der Lehrkräfte gestärkt werden.
+ Die Lehrkräfte der
Bildungsaufsicht von Abu Salim hielten am 14. September vor ihrer Dienststelle
einen Protest ab; zudem ging die Lehrerschaft in Tripolis auf die
Straße.
Zahlreiche weitere Bildungsaufsichtsbehörden haben die Aussetzung des
Unterrichts für 15 Tage angekündigt – zur Durchsetzung ihrer
berechtigten Forderungen.
+ Aschraf al-Hadi
(Lehrerbewegung der Westregion): Sollte während der zweiwöchigen
Aussetzung des Unterrichts nicht auf unsere Forderungen eingegangen werden,
werden wir in einen Generalstreik treten und den Unterricht
vollständig einstellen.
„Wir führten zahlreiche Gespräche mit dem Staat, doch diese blieben alle
ergebnislos, was bei der Lehrerschaft großen Unmut hervorrief.“
+ Das College für
Medizintechnik in Misrata verurteilte den Angriff auf
das Hochschulgelände, bei dem ein Teil der Umfassungsmauer
niedergerissen wurde, und setzte den Lehrbetrieb aus.
„Wir werden alle gesetzlich garantierten Mittel und rechtlichen
Schritte nutzen, um unsere Rechte zu verteidigen, unser Eigentum
zu schützen sowie die Unabhängigkeit und Unantastbarkeit des
Hochschulgeländes zu wahren.“
+ LibyaPress: Mitglieder der Grenzschutzkräfte griffen mehrere Mitglieder des Lehrkörpers und Studierende der Fakultät für Medizinische Technik der Hochschule in Misrata an.
+ Die Studentenverbände verkündeten die Aussetzung des Studiums innerhalb der Universität Misrata und der technischen Hochschulen solange an, bis die Sicherheitsbehörden alle von ihnen besetzten Gebäude wieder geräumt haben.
+ Der Stammesverband
von Misrata forderte, dass Maßnahmen gegen das Eindringen in das Gelände
der Fakultät für medizinische Technik getroffen werden und deren Dekan,
Mohammed Omar al-Madschdub, sofort freigelassen wird.
Zudem wurde betont, dass die betreffenden Milizen dem al-Maqasba-Stamm
angehören.
+ Lehrer der Gemeinde Misrata organisierten eine Protestkundgebung vor dem Sitz des Gemeinderats, um ihre Rechte einzufordern und ihre Forderungen im Zusammenhang mit dem Bildungswesen vorzubringen.
+ LibyaPress: Bewaffnete eröffneten am 15. September während der Proteste das Feuer auf Lehrkräfte und Studierende des College für Medizinische Technik in Misrata.
+ Die Lehrer von Tadschura und Tripolis-Mitte bestätigten die Fortsetzung ihres Streiks solange, bis ihre Forderungen erfüllt werden.
+ Die Untergewerkschaften der Lehrer forderten in einem offiziellen Memorandum den Bildungsminister der Dabaiba-‘Regierung’ auf, einen einheitlichen Gehaltsplan zu genehmigen, die Krankenversicherung zu aktivieren und die ausstehenden Zulagen auszuzahlen.
+ Auch am 16. September protestierte
die Lehrerbewegung
für einen Plan zur stufenweisen Umsetzung ihrer Forderungen.
Es müsse eine für die Umsetzung verantwortliche Stelle sowie ein klarer
Mechanismus zur Nachverfolgung festgelegt werden; mit der Bildung von
Ausschüssen und Versprechungen lasse man sich nicht abspeisen.
+ Im Staatsrat forderte die Fraktion der
Nationalen Einheit eine verantwortungsvolle Auseinandersetzung mit
den Forderungen der Lehrer sowie angemessener Bedingungen zur Erfüllung
ihres beruflichen Auftrags.
Die Prioritäten der öffentlichen Ausgaben müssten neu gesetzt
werden, um die Ressourcen des Staates auf Bildung, Gesundheit, Sicherheit
und Grundversorgung auszurichten.
Gesundheitswesen
+ Die Bewegung des Gesundheitssektors kritisierte das Vorgehen der Dabaiba-‘Regierung’, ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, an dem die Beschäftigten ihre Rechte einfordern, Kriterien für die Ernennung von Leitern der Krankenhäuser und Gesundheitszentren festzulegen.
+ Die medizinischen und administrativen Mitarbeiter im Referenzlabor Zliten kündigten den Beginn eines Streiks aus Solidarität mit den Gesundheitsbewegung in Libyen an.
+ Die Union der
Bewegung des Gesundheitssektors dokumentierte den Zusammenbruch
der Versorgung mit medizinischen Geräten im Dialysezentrum von
Sabrata. Die Geräte seien kaputt, es herrsche ein Mangel
an medizinischem Material und Medikamenten, Fachkräfte und
Patienten seien erschöpft. (Fotos)
„Wer trägt für diesen Zustand die Verantwortung?“
+ Die Nationale
Institution für Menschenrechte dokumentierte die Entführung,
Inhaftierung und Folterung des Arztes Achmed Ibrahim al-Mahdi vom Sabrata-Lehrkrankenhaus.
Da vermutlich eine Sicherheitsbehörde beteiligt sei, seien der Präsidialrat
und die Dabaiba-‘Regierung’ verantwortlich. Die Entführung
erfolgte im Zusammenhang der Teilnahme von al-Mahdi an dem Protest der
Beschäftigten des Sabrata-Lehrkrankenhauses. Der Generalstaatsanwalt müsse
sich einschalten.
+ Die medizinischen Abteilungen des al-Dschamil General Hospitals verkündeten den Beginn eines Streiks bis zur Erfüllung ihrer Forderungen nach Gehaltserhöhungen. Dieser Streik sei eine Botschaft der Solidarität mit allen Beschäftigten im Gesundheitssektor in allen Teilen Libyens.
+ Das Bündnis der Bewegung des Gesundheitssektors kündigte für den 20. September eine gemeinsame Protestkundgebung des medizinischen Personals unter dem Motto „Tag der Entscheidung“ vor dem Regierungssitz in Tripolis an – als Zeichen der Geschlossenheit des Gesundheitssektors und der Entschlossenheit der Beschäftigten, auf ihren Rechten und berechtigten Forderungen zu beharren.
+ Die Ärztegewerkschaft der Grünen Berge erklärte ihre Unterstützung für die Forderungen der Beschäftigten im Gesundheitssektor nach Gehaltserhöhungen und einer Krankenversicherung für Ärzte und ihre Familien.
+ Die Gewerkschaft des Gesundheitssektors in Libyen kündigte an, die Streiks so lange fortzusetzen, bis die Forderungen der Beschäftigten erfüllt sind. Das Leid der libyschen Patienten aufgrund des Mangels an Medikamenten und medizinischen Dienstleistungen müsse beseitigt werden.
+ Achmed Senussi (Journalist): Die Menschen sind auf die Straße gegangen, um zu demonstrieren und Streiks auszurufen, weil sie das Gefühl hatten, mit dem Rücken zur Wand zu stehen. Die Ärzte besäßen nicht einmal Desinfektionsmittel und medizinische Handschuhe. „Was also hätten sie tun sollen?“
Wachpersonal Ölanlagen
+ AgenziaNova:
Nachdem das Wachpersonal der Ölanlagen (Petroleum Facilities Guard)
vor dem Mellita Öl- und Gaskomplex eine Protestkundgebung
abgehalten hat, zeichnet sich eine neue Bedrohung bezüglich der libysch-italienischen
Gasleitung Green Stream ab.
Die Drohung des Stopps der Gasleitung nach Sizilien, sofern ihre
Forderungen nicht erfüllt werden, sind für Italien gefährlich, da 20
% der Gasimporte nach Italien von Green Stream abhängen. Jede
Unterbrechung würde Rom angesichts des amerikanisch-iranischen
Krieges in eine große Krise stürzen.
+ LibyaPress:
Mitglieder des Wachpersonals der Ölanlagen blockierten am 13.
September die Zufahrt zur az-Zawiya-Raffinerie, nachdem die Frist zur
Erfüllung der Forderung nach Gehaltserhöhungen abgelaufen war.
Das Wachpersonal drohte damit, die Gasleitung nach Italien zu
schließen, falls nicht auf ihre Forderungen eingegangen wird.
+ Az-Zawiya Ölraffinerie: Nachdem die Hauptzufahrt blockiert wurde, ruft das Ölkombinat dazu auf, die Zufahrt über die Brega Oil Marketing Company zu benutzen.
+ Der Bürgermeister von Al-Zawiya Nord, Hamza Kaschlaf, einigte sich mit dem Wachpersonal darauf, die Blockade aufzulösen, und den zuständigen Behörden noch einmal eine Frist von 10 Tagen zur Erfüllung der Forderungen zu geben.
+ Die NOC
gab am 15. September die Einstellung der Förderung in drei Ölfeldern bekannt,
nachdem das Wachpersonal die Pipeline al-Hamada – az-Zawiya
blockierte.
Sollte die Blockade anhalten, könnte die NOC gezwungen
sein, den Notstand auszurufen.
+ Wachenpersonal der Ölanlagen, Südwestsektion: Wir verkünden eine teilweise Reduzierung der Förderung für eine Woche in den Feldern Wafaa, Scharara, Fil und anderen Feldern und drohen mit der vollständigen Schließung, falls nicht auf unsere Forderungen eingegangen wird.
+ Das Wachpersonal der Ölanlagen forderte die rückwirkende Erstattung ihrer Gehälter und Zulagen, die vom Allgemeinen Volksausschusses 2007 festgelegt worden waren. Das Wachpersonal der Ölanlagen sei von der NOC und der von ihr abhängigen Lobby seit 2013 ihrer Rechte beraubt worden.
+ NOC am 16. September: Die Ölförderung wird durch die Schließung einiger Felder nicht wesentlich beeinträchtigt. Die Exporte laufen normal weiter, ebenso wie die Förderung im Scharara-Ölfeld.
+ Angehörige des Wachpersonals der Ölanlagen in Nalut: Der Grund für die Spannungen ist die beharrliche Weigerung der NOC und der zuständigen Behörden auf unsere berechtigten Forderungen, die seit Jahren vorgebracht werden, einzugehen, und ihre Weigerung, unsere Gehälter anzugleichen.
+ Al-Arab
(London): Die Drohung, Ölfelder in Libyen zu schließen,
offenbart, wie fragil die Kontrolle über jene Ressource
ist, die rund 90 Prozent der libyschen Wirtschaft ausmacht.
Jene Akteure, die eigentlich für den Schutz der Ölfelder, Pipelines
und Anlagen sorgen sollen, verfügten über die Macht, deren Betrieb zu
unterbrechen und die Ölförderung als Druckmittel gegenüber der Regierung
und der NOC einzusetzen.
Die Auswirkungen des Stopps der Ölförderung könnten sich auf die Staatseinnahmen,
die öffentlichen Ausgaben sowie das Vertrauen von Unternehmen und Märkten
in die Fähigkeit Libyens, den Exportfluss aufrechtzuerhalten,
ausweiten.
+ LibyaDesk:
Die NOC warnt vor der Ausrufung höherer Gewalt, nachdem
Mitglieder der Sicherheitskräfte für Ölanlagen ein wichtiges Ventil
an der Exportpipeline von Zawiya geschlossen haben. Dies habe zu
einem Anstieg der Lagerbestände in der Zawiya Raffinerie geführt
und die Förderung auf den Scharara- und Hamada-Feldern gefährdet.
Die Nachricht erregte international größeres Aufsehen als üblich, da die
Entwicklungen im Roten Meer die Energiemärkte besonders anfällig
für mögliche Versorgungsunterbrechungen gemacht haben.
Die frühzeitige Warnung der NOC sei zudem der Versuch,
internationalen Druck und Unterstützung zu mobilisieren, bevor
die Lage eskaliert.
Doch selbst wenn die Blockade zu einer vollständigen Stilllegung
führen sollte, sei es unwahrscheinlich, dass diese lange genug
andauert, um Auswirkungen auf den Markt zu haben. Der Dabaiba-Clan
könne es sich schlicht nicht leisten, dass es in dem von ihr kontrollierten
Gebiet zu einer länger anhaltenden Unterbrechung der Ölförderung
kommt. Dies würde ihre Unfähigkeit offenbaren, Westlibyen zu regieren,
und ihren Rivalen im östlichen Libyen einen erheblichen politischen
Vorteil verschaffen.
Eigentlich gehe es um wachsende interne Streitigkeiten innerhalb des
Dabaiba-Clans und die Erschütterung des politischen Bündnissystems,
auf dem die Dabaiba-‚Regierung‘ fußt. Im Rahmen der informellen
libyschen Machtaufteilung zwischen Ost und West unterstehe die Waha
Oil Company weitgehend der Schirmherrschaft der Dabaiba-‚Regierung‘.
Geschäfte, an denen das östliche Libyen beteiligt ist, liefen
über den Neffen von Premier Abdul Hamid Dabaiba und wichtigsten Architekten
des Bündnisnetzwerks, Ibrahim Dabaiba. Die jüngsten Veränderungen im
Waha-Vorstand scheinen jedoch von Abdul Hamid Dabaiba und
seinem zunehmend einflussreichen Sohn Mohammed vorangetrieben
worden zu sein. Damit stellten sie nicht nur Ibrahims
traditionelle Autorität infrage, sondern ließen auch die von ihm
geschaffene, umfassendere Bündnisstruktur außer Acht.
Die Waha–Wachosten waren zuvor an Akteure aus
Zintan vergeben worden, deren Unterstützung für die Dabaiba-‚Regierung‘ nach
wie vor von entscheidender Bedeutung ist. Ihre Absetzung habe
Mitgliedern der Petroleum Facilities Guard – die ohnehin bereits Gehaltserhöhungen
forderten – die Gelegenheit gegeben, politische Rückendeckung für
ihre Proteste zu erhalten.
Eine Einigung scheine nun in greifbarer Nähe. Doch wie so oft stehe
Zawiya im Zentrum eines der chaotischsten Kapitel der libyschen
Geschichte, in dem Clan-Rivalitäten, lokale Missstände und nationale
Machtkämpfe rasch aufeinanderprallen können.
Weitere Proteste
+ Die Mitarbeiter der Berufungsgerichte von Gharyan und Sabrata verkündeten den Beginn eines Streiks bis zur Erfüllung ihrer Forderungen – in Solidarität mit ihren Kollegen im Justizkomplex und den Staatsanwaltschaften von az-Zawiya.
+ Die Bewegung Familien von Tadschura gegen die Ansiedlung riefen zu einer friedlichen Demonstration am Freitag, dem 18. September, in Tripolis auf, um die Abschiebung von Migranten zu fordern.
+ Einwohner
der Gemeinde Ain Zara protestierten gegen die Entlassung ihres
gewählten Bürgermeisters Achmed at-Tahir Attiya und kündigten Widerstand
an.
„Ain Zara hat durch die Wahlurne gesprochen, und dieser Wille
muss respektiert werden.“
+ LibyaPress: Noch immer kommt es täglich zu langen Schlangen vor den Tankstellen wie in az-Zawiya. (Fotos)
+ LibyaPress: Auch in Sabrata bildeten sich lange Schlangen vor Tankstellen. (Foto)
+ Der Gemeinderat von
Sebha: Im Süden Libyens herrscht Treibstoffmangel, unter dem
wir stark leiden. Vor den Tankstellen bilden sich lange
Warteschlangen. Der Gemeinderat habe große Probleme, den Bürgern
Dienstleistungen zur Verfügung zu stellen.
„Wir machen hierfür voll die Brega Oil Marketing Company verantwortlich.“
Die Zuweisungen für Sebha müssten erhöht werden.
+ Die Bewohner des Gebiets Salah ad-Din verurteilten die Weigerung und Hinhaltetaktik des für das Straßenbauprojekt – Verbindung zwischen Salah ad-Din und Gasr bin Ghaschir – zuständigen Unternehmens, das Gebiet an die Kanalisation und die Wasserversorgung durch den Man-Made-River anzuschließen.
+ Massud Marsch, Bürgermeister von Kabaw: Wir leiden unter massiven Problemen bei der Wasserversorgung und Infrastruktur. Wie jede Stadt in den westlichen Bergen hat auch Kabaw mit Problemen bei der Wasserversorgung zu kämpfen.
+ Die Bewohner der Gebiete al-Haschan, Samah ar-Rumi und der Umgebung starteten eine Protestaktion und stoppten die Arbeiten am Brückenprojekt al-Farnadsch. Grund dafür ist die wiederholte Beschädigung eines Stromkabels, die zu einem zehnstündigen Stromausfall führte, zusätzlich zu den bestehenden sieben Stunden Lastabwurf.
4plus4-Abkommen / Boulos-Plan / UN-Mission
+ Die Bewegung Wille
des Volkes rief die Libyer zu einer Massendemonstration am
Freitag, dem 25. September, auf, um das 4+4-Abkommen sowie
die Kontrolle der UN-Mission über die politischen und souveränen Entscheidungen
in Libyen sowie das gewaltsame Aufzwingen aufeinanderfolgender
Regierungen abzulehnen.
„Eine klare Botschaft an die Welt und die Vereinten Nationen,
sich nicht in die inneren Angelegenheiten Libyens einzumischen.“
+ Fathi asch-Schibli (Partei „Stimme des Volkes/Saut asch-Schab): Was heute erforderlich ist, ist keine neue Einigung zwischen den politischen Akteuren, sondern der direkte Weg zu Wahlen.
+ Al-Menfi (Präsidialratsvorsitzender
– dessen Posten laut Boulos-Plan an Saddam Haftar gehen soll): Die Verzögerung
von Sanktionen durch den UN-Sicherheitsrat hat dazu geführt, dass
sich die beteiligten Akteure noch stärker an die Macht klammern; sie
sind nun fremdgesteuert – insbesondere angesichts ihrer Beschuldigungen
durch UN-Expertenberichte. Es wurden Sanktionen gegen die Akteure
blockiert, um sie als Druckmittel zu nutzen und eigene Interessen
durchzusetzen. Der UN-Sicherheitsrat liefere denjenigen, die
über Waffen, Geld und Macht verfügen, die Rechtfertigung, sich zu
behaupten.
Eigentlich hätten bereits im November Sanktionen verhängt werden
sollen, doch bis heute sei dies nicht geschehen.
Al-Menfi: „Dienen diese Akteure den besagten Staaten als
Druckmittel, das aktiviert werden kann, sobald diese libyschen
Akteure an der Macht sind, um die Interessen jener Staaten zu verfolgen?
Es liegt nicht im Interesse der Libyer, dass eine Person an der Macht
ist, die vom Ausland gesteuert wird und die unter Druck gesetzt
werden kann, indem man ihr mit strafrechtlicher Verfolgung droht.“
Darüber hinaus würde sich diese Person aus Angst vor einer drohenden Anklage
an die Macht klammern.
+ Al-Menfi: Wenn die Welt wirklich die Einheit Libyens will, dann sollte diese für alle legislativen und souveränen Institutionen gelten, nicht nur für die Regierung und den Präsidialrat.
+ Al-Araby
al-Dschadid: Die Teilnehmer der 4plus4-Gesprächsrunde sind
weitgehend dieselben wie jene der Boulos-Initiative.
Das 4+4-Abkommen beschränke sich nicht auf die Wahlgesetze,
sondern bereite den Boden für eine künftige politische Phase,
deren Konturen derzeit festgelegt werden.
Die Erklärung des UN-Sicherheitsrats zur Unterstützung des 4plus4-Abkommens
werfe die zusätzliche Frage auf, welchen Stellenwert dieses Abkommen
im internationalen Prozess einnimmt.
Das 4plus4-Abkommen zeige die Annäherung zum Boulos-Plan,
in der hinzugefügten Passage, worin es heißt, die Wahlen würden
„unter einer einzigen Exekutive und vereinten nationalen Institutionen“
stattfinden. Frage: Warum sollten die beteiligten Akteure Wahlen
zustimmen, die sie selbst von der politischen Bühne verdrängen
würden – es sei denn, sie wären es, die diese neue Ordnung gestalten?
Die Erklärung des UN-Sicherheitsrats wurde einstimmig von seinen
Mitgliedern verabschiedet, was eine Frage nach Russlands Haltung
aufwirft und welcher Zusammenhang zwischen dem russischen Schweigen und
dem Besuch der beiden us-amerikanischen Gesandten bei Putin vor
einigen Tagen in Moskau besteht.
+ Anwar Yassin
(Politberater): Innerhalb des politischen Prozesses herrscht Verwirrung. An den
Ergebnissen des 6plus6-Ausschusses sei festzuhalten.
Jeder Prozess, der mit den Wahlgesetzen zu tun hat, müsse auf den
rechtlichen Rahmenbedingungen und den libyschen Institutionen
sowie den früheren Vereinbarungen basieren und nicht auf Absprachen,
die fernab getroffen werden.
+ Hafed Gaddur (Partei Libyen Zusammen) lehnt das 4plus4-Abkommen ab: Entweder ein umfassender politischer Dialog, der alle Parteien umfasst, oder die Rückkehr zum Politischen Abkommen und die Bildung einer Übergangsregierung zur Vorbereitung von Wahlen, oder der direkte Weg zu Präsidentschafts- und Parlamentswahlen.
+ Achmed al-Dscharu (as-Sumud-Brigade): Das 4plus4-Abkommen ist durch und durch mangelhaft und stützt sich auf lediglich zwei Parteien, die übrigen Libyer fungieren für diese beiden Parteien nur als Arbeitskräfte.
+ Hannah Tetteh und Stephanie
Khoury versuchen bei Treffen mit unterschiedlichen politischen
Vertretern, hier mit einer Delegation
der Versammlung der Nationalen Vision, darunter Mohammed Aoun
sowie Hamida al-Dscharu, diese für die Unterstützung des
4plus4-Abkommens zu gewinnen.
Die Delegation stellte ihrerseits ihre Standpunkte und Vorstellungen
bezüglich eines umfassenden politischen Prozesses dar.
Khoury traf sich auch mit Jugendlichen aus
az-Zawiya und mit Salem az-Zadma
(Stellvertreter Dabaiba).
Khoury
suchte auch das Gespräch mit Jugenddelegationen aus Tripolis,
al-Gharyan, Surman, Sabrata und al-Aghila.
+ Abdullah Othmana
(Parlamentarier): Alle Lösungen, die seit dem Sturz des Regimes
im Jahr 2011 mit internationaler Begleitung vorgeschlagen
wurden, haben das wahre Problem von Libyen nicht erfasst, das auf den Verlust
der politischen Führung und eines reifen, umfassenden nationalen
Projekts zurückgeht, das alle Schichten und Libyer unabhängig von ihren
politischen und sozialen Hintergründen einschließt.
Die 4plus4-Initiative oder 6plus6 oder 5plus5
oder ein Strukturierter Dialog oder die Boulos-Initiative
oder ein UN-Plan hätten keine realistische libysche Lösung
geboten, da das Land einen neuen Volksvertretungsrat, eine einheitliche
Regierung und gewählte Behörden benötige.
Allen Initiativen fehle es an Transparenz, sie verstünden
das libysche Leben und die tatsächlichen Bedürfnisse der Bürger nicht,
und sie enthielten Widersprüche zum Vorteil bestimmter Parteien.
Es gebe internationalen und westlichen Einfluss, der der Dabaiba-‘Regierung’
wohlgesonnen ist und nicht zulassen werde, dass sie abtritt,
während Wahlen das Letzte seien, das Dabaiba
interessiere.
4plus4-Abkommen – Türkei – Parlament
+ Al-Araby al-Dschadid (Katar): Aqila Saleh und Mohammed Takala sind am 10. September in der türkischen Hauptstadt Ankara eingetroffen. Das Treffen erfolgte auf offizielle Einladung der türkischen Seite mit dem Ziel, Möglichkeiten zur Unterstützung des 4+4-Abkommens zu erörtern und die Vorbehalte von Aqila und Takala zu überwinden. Es soll beraten werden, wie das Parlament und der Staatsrat in die Umsetzung des Abkommens und der UN-Roadmap einbezogen werden können.
+ Aqila und Takala
gaben in Ankara eine gemeinsamen Erklärung ab, die ihren
Widerstand gegen die 4plus4-Vereinbarung und die Rückkehr zum
Pfad des 6plus6-Ausschusses bezüglich der Ausarbeitung der
Wahlgesetze betonte.
„Wir schätzen die Bemühungen der Türkei und ihre Bereitschaft, den 6plus6-Ausschuss
in den kommenden Tagen auszurichten, damit dieser seine Aufgaben im
Zusammenhang mit den Wahlgesetzen vervollständigen und erfüllen kann.“
+ As-Senussi
Basikri (Libysches Zentrum für Forschung und Entwicklung): Die Erklärung
von Aqila und Takala lässt sich nur als eine Ablehnung der
4+4-Ergebnisse verstehen.
Es sei Kairo gewesen, das Parlament und Staatsrat zusammenbrachte.
Dass das Treffen in Ankara stattfand, heißt, dass Kairo mit
der Haltung Ankaras einverstanden ist.
Die Türken seien zu klug, den Boulos-Plan offen zu bekämpfen.
Die Ergebnisse von Ankara zeigten die Tiefe der Veränderungen in der
libyschen politischen Landschaft und die Größe ihrer Komplexität.
Die Tür zu anderen Optionen sei geöffnet, darunter der Volksaufstand,
insbesondere angesichts der Verschlechterung der Lebensbedingungen.
Die Erklärung, die positiv und versöhnlich wirkte, bedeute keine
Übereinkunft von Parlament und Staatsrat, sondern sei eher ein Versuch,
die Ereignisse zu instrumentalisieren, zu lenken und Zeit zu gewinnen.
+ Independent
Arabia: Das 6plus6-Komitee, das 2023 die Wahlgesetze
erarbeitet hat, ist wieder in den Mittelpunkt des Geschehens
zurückgekehrt, zu einem Zeitpunkt, als das 4plus4-Abkommen auf
die Entscheidung des Parlaments und des Staatsrats bezüglich seiner Annahme
wartet.
Die Türkei versuche, von der Position einer einflussreichen Partei zur
Position eines Vermittlers überzugehen, der fähig ist, konkurrierende
Institutionen zusammenzubringen, doch ihr Erfolg wird an ihrer Fähigkeit
gemessen, die Wiederaufnahme von 6plus6 in praktische
Verständigung umzuwandeln.
Libyen könnte sich vor zwei parallelen Pfaden wiederfindet, die
um die Legitimität ringen.
+ Hana al-Arifi (Staatsrat):
Das Treffen in Ankara hat den Kommunikationskanal zwischen den
legitimen Institutionen in Libyen wieder geöffnet. Wir wollen einen Dialog,
der alle Parteien zusammenbringt, und niemanden ausschließt.
Es gebe einige strittige Punkte in den Wahlgesetzen der 6plus6-Kommission,
wie die Bedingungen für die Kandidatur zum Präsidentenamt für Doppelstaatsbürger
und Militärangehörige sowie den Mechanismus zur Entscheidung
einer zweiten Wahlrunde.
+ Saad bin Scharada: Wenn die vom 6plus6-Ausschuss ausgearbeiteten Gesetze gut und geeignet sind, um zu Wahlen zu gelangen, warum hat ihnen dann der Staatsrat nicht zugestimmt, sondern volle drei Jahre verschwendet?
+ Aischa at-Tabluki (Parlamentarierin): An der für den 14. September von Agila Saleh einberufenen Parlamentssitzung wollen 68 Abgeordneten nicht teilnehmen. Das Sitzungsthema solle auf einen einzigen Punkt zu beschränken sein, nämlich das 4plus4-Abkommen. Die 68 Abgeordneten forderten aber zunächst die Diskussion bezüglich der Änderung der Geschäftsordnung.
+ 63 Parlamentsmitglieder, die das 4plus4-Abkommen und den Boulos-Plan unterstützen, verkündeten ihren Boykott der Sitzung am 14. September und halten an der Forderung nach der Absetzung von Agila Saleh als Parlamentspräsident fest.
+ Abdullah Blihaq verkündete am 14. September den Sitzungsbeginn des Parlaments in Bengasi unter der Leitung von Agila Saleh.
+ Das Parlament verabschiedete
einstimmig die Zustimmung zu den 4plus4-Ergebnissen.
Die 64 Abgeordneten, die die Sitzung boykottierten,
erklärten dass die für die Beschlussfähigkeit erforderliche Mindestanzahl an
Parlamentariern nicht erreicht worden sei – anwesend waren 87
Abgeordnete –, weshalb die Ergebnisse der Sitzung juristisch angefochten
werden könnten. Sie verwiesen auf die Möglichkeit, eine beschlussfähige
Sitzung unter dem Vorsitz des ältesten Mitglieds abzuhalten, um die
notwendigen Schritte zur Wahl eines neuen Parlamentspräsidiums einzuleiten.
+ Laut dem Abgeordneter
Issam al-Dschuhani nahmen an der Parlamentssitzung nur 30
Parlamentarier teil, um das 4plus4-Abkommen anzunehmen.
„Was passiert ist, war eine Farce.“
+ Aguila Saleh hatte bei seiner Rede vor dem Parlament die Unterstützung für die 4plus4-Ergebnisse bekräftigt, die den Boulos-Plan sowie die Kandidatur von Militärangehörigen und Personen mit doppelter Staatsbürgerschaft bei den Wahlen unterstützen.
+ Issam
al-Dschuhani (Parlamentarier): Das Parlament wird von seinem Präsidenten
manipuliert, der mit seinen willkürlichen Entscheidungen alle Bemühungen
zur Vereinigung des Landes behindert.
„Wir wissen nicht, was mit Aguila Saleh passiert ist, dass er
seine Haltung in der Türkei bezüglich der Anerkennung des 6plus6-Ausschusses
geändert hat, um dann nach Bengasi zurückzukehren, seine Meinung
wieder zu ändern und nun das 4plus4-Abkommen zu unterstützen
– das ist eine seltsame Sache?!“
Dies lasse sich nur so erklären, dass sich Agila mit Takala
darauf geeinigt hat, öffentlich ihre Rückkehr zum 6plus6-Ausschuss
anzukündigen, und dann das 4plus4-Abkommen ohne
Verfassungsänderung zu unterstützen, weil er unter starkem Druck
steht.
Sie versuchten, den Boulos-Plan umzusetzen und eine Regierung
sowie einen Präsidialrat bis Oktober zu bilden, also vor den
US-Midterm-Wahlen im November.
Die Teilnahme an der Sitzung sei verweigert worden, weil sie eine
Farce war. Das Parlament könne nicht ohne eine vollständige
Reform seiner Präsidentschaft weitermachen.
+ Khalifa ad-Dughar (Parlamentarier): Die Parlamentssitzung zur Genehmigung des 4plus4-Abkommens ist ungültig, da Artikel 7 des Gesetzes Nr. 4 ausdrücklich festlegt, dass Sitzungen nur mit einem gültigen Quorum abgehalten werden dürfen, und genau das ist nicht geschehen.
+ Ali at-Tikbali
(Abgeordneter): Wir haben die Ergebnisse der 4plus4-Vereinbarungen
mit den Anwesenden verabschiedet, und wer aus irgendeinem Grund nicht
teilgenommen hat, hat kein Recht zu widersprechen, denn dies sei im
Parlament schon lange so üblich.
Keine Debatte wird an dieser von großen Ländern, die Einfluss in
Libyen haben, unterstützten Initiative etwas ändern.
+ Die UN-Mission begrüßte die Unterstützung des Parlaments für das 4plus4-Abkommen, das den Boulos-Plan unterstützt, trotz der Zweifel am gesetzlichen Quorum der Sitzung, an der nur 30 Mitglieder teilnahmen.
+ UN-Generalsekretär António Guterres begrüßte die Ratifizierung des der 4plus4- Abkommens durch das Parlament.
+ Aschraf
asch-Schah (Politberater): Derzeit tobt ein Konflikt zwischen Khalifa
Haftars Söhnen, Saddam und Belqasim, wobei Belqasim die 4plus4-Vereinbarung
sabotieren will und Saddam sie unterstützen möchte und deswegen Druck
auf Aqila ausübt.
Aqila Saleh spiele mit allen Seiten, da er die 4plus4 Vereinbarung
ohne Änderung der Verfassungserklärung unterstützt hat, um sich selbst
eine Rückzugsmöglichkeit zu sichern. Aqila und Belqasim Haftar
versuchten, Saddam und Dabaiba zu behindern und die Übergangsperiode
hinauszuzögern.
+ Salem Gunaidi: Agila Saleh unternimmt widerrechtliche Maßnahmen. Er müsse seinen Fehler eingestehen; die Entscheidungen müssen aufgehoben werden und eine Sitzung zur Änderung der Geschäftsordnung einberufen werden.
+ Ascharq
al-Awsat: Das gesetzliche Quorum für die Parlamentssitzung
zur Billigung des 4plus4-Abkommens wurde nicht
erreicht.
Dies offenbare einen Konflikt, der nicht nur das 4plus4-Abkommens
betrifft, sondern sich auch auf die Art und Weise der
parlamentarischen Entscheidungsfindung erstreckt sowie auf die Frage,
wer in dieser Phase das Recht hat, das Parlament zu vertreten.
+ As-Sadiq
al-Gharyani: Agila Saleh verleugnete sofort nach seiner Rückkehr
alle Vereinbarungen, die unter der Schirmherrschaft der türkischen
Behörden getroffen wurden, und brach sein Versprechen. Dies stelle
eine Verhöhnung der Bemühungen des türkischen Staates und seiner
Vermittlung dar.
Wegen Nichterreichung des Quotums sei die Annahme des 4plus4-Abkommens
durch das Parlament ungültig. Dieser Betrug müsse rückgängig
gemacht werden.
Militär / Milizen / Gewalt
+ Amnesty
International: Im östlichen Libyen wurden 30 Personen
hingerichtet und mindestens 50 weiteren Menschen droht ebenfalls die
Hinrichtung. Die Todesurteile seien in „geheimen und ungerechten
Militärprozessen“ gesprochen worden, beruhend auf unter Folter
erfolgten Geständnissen.
Die Verurteilten waren in Bengasi und Derna zwischen 2014
und 2018 während der Kämpfe festgenommen worden.
Die Familien der Opfer wurden daran gehindert, die Leichen in
Empfang zu nehmen, sie zu beerdigen oder Trauerzeremonien abzuhalten.
Die Ankündigung der Hinrichtungen war zwei Wochen nach der
Ermordung des Leiters des militärischen Geheimdienstes, Generalmajor
Fawzi al-Mansuri, erfolgt.
Zwei Personen wurden hingerichtet, obwohl ihr Todesurteil in
eine lebenslange Haftstrafe umgewandelt worden war.
„Wir fordern den sofortigen und vollständigen Stopp der Hinrichtungen
sowie die Aufhebung der ungerechten militärischen Urteile.“
+ Die Dabaiba-‘Regierung’ verurteilte die Hinrichtung von Gefangenen durch die Behörden der östlichen Region und forderte deren sofortigen Stopp sowie die Überprüfung der Situation der Verurteilten und die Gewährleistung ihres Rechts auf faire Verfahren.
+ Die UN-Mission verurteilte die Ausführung von Todesstrafen durch die Behörden der Ostregion und forderte deren sofortigen Stopp sowie faire Gerichtsverfahren.
+ UN-Mission:
Trotz unserer Forderung, dass die Fälle von Todesstrafe einer
genauen Überprüfung unterzogen werden müssen, die mit den Menschenrechten
gemäß nationalem und internationalem Recht übereinstimmt, müssen wir mit
tiefstem Bedauern feststellen, dass die Hinrichtungen trotz dieser
Bemühungen fortgesetzt wurden.
Diese Hinrichtungen markierten das Ende des de facto Moratoriums
für die Anwendung der Todesstrafe in Libyen.
+ LibyaPress: Nachdem die 166. Schutz- und Wachbrigade (Kommando: Abu-Dschalda as-Sabti) auf eine Patrouille der Unterstützung der Sicherheitsdirektionen geschossen hatte, positionierten sich Einheiten der Unterstützung der Sicherheitsdirektionen sowie der 111. Brigade (Kommando Abd as-Salam Zubi) mit schweren Waffen und gepanzerten Fahrzeugen in der Nacht zum 15. September im Gebiet von Gargar.
+ Michele
Marsiglia (italienische Ölgesellschaft FederPetroli) bringt
Angriffe auf ein Kraftwerk südlich von Tripolis und auf weitere
Einrichtungen sowie auf politische wie militärische Personen mit
Omar Amradsch (auch Omar Marajea/Morajea/Imraj) in Verbindung. Amradsch
ist Kommandeur der Tariq bin Ziyad Brigade, die zum Haftar-Militär
des östlichen Libyens gehört.
Marsilia sehe in Libyen eine mögliche Lösung für die
Schwierigkeiten Italiens bei der Sicherung der Energieversorgung
und forderte eine breitere Beteiligung italienischer Unternehmen.
+ Harawa-Gemeinderat: Wir verurteilen die Erstürmung des Gebäudes des Standesamtes von Harawa durch eine der Sicherheitsbehörden und den sogenannten ‚parallelen Gemeinderat‘. Wir lehnen es ab, öffentliche Einrichtungen zu stürmen, staatliche Einrichtungen anzugreifen und Sicherheitskräfte zu benutzen, um außerhalb des rechtlichen Rahmens vollendete Tatsachen zu schaffen.
+ Verwaltung Man Made River: An der Strecke von Abu Zian wurde ein Sabotageakt durchgeführt, der zu einem Verlust von mehr als 80.000 Kubikmetern Wasser führte, das in die Wüste floss.
+ Nationale Menschenrechtsinstitution:
Der 80-jährige Scheich Saleh Butdschwida wurde aus seinem Haus
in al-Abyar durch Mitglieder der Kriminalpolizei von al-Abyar auf Anweisung
des Sicherheitsdirektors von Bengasi, Salah Huwaidi, verschleppt und
inhaftiert, weil er sich weigerte, sein Land an einen Verwandten
von Salah Huwaidi abzutreten.
Saleh Butdschwida sei herzkrank und leide an mehreren chronischen
Erkrankungen.
+ LibyaPress:
Südlich der Region Idri wurde eine bewaffnete Gruppe
festgenommen, die Abdel Salam Zubi untersteht (stellvertretender
Verteidigungsminister der Dabaiba-‘Regierung’) und etwa 25 Angriffsdrohnen mit
sich führte.
Die Gruppe sei auf dem Weg in die Stadt Sebha gewesen, um dort Angriffe
auf wichtige zivile und militärische Einrichtungen zu verüben.
Dies sei eine Reaktion von Zubi auf die Drohnenangriffe gegen die
Zawiya-Raffinerie gewesen, in deren Folge die für die Attacken
verantwortliche Terrorzelle festgenommen worden war.
+ Aschraf
asch-Schah (Politberater): Die Bekanntmachung der Entdeckung
einer Zelle, die Drohnen einsetzt, ist ein Versuch, die Libyer
hinsichtlich der Sicherheitslage zu verunsichern, um Dabaiba zum
schnellen Abschluss des 4plus4-Abkommens zu drängen. Diese Zelle
verfüge über eine Liste von Persönlichkeiten aus Dabaibas Regierung und
seinen engsten Vertrauten, gegen die Attentate geplant seien.
Nachdem die Verbindung der Zelle zu Saddam Haftar aufgedeckt wurde, versuchten
einige vermittelnde Staaten die Angelegenheit zu beruhigen, damit
der Deal nicht gefährdet wird. Zudem nutzten einige aus Dabaibas
Umfeld diese Informationen, um Saddam bezüglich des Deals
zu erpressen.
Streitigkeiten zwischen Personen in der östlichen Region seien
der beste Beweis für den Konflikt zwischen Saddam und Belqasem Haftar
bezüglich des 4plus4-Abkommens.
„Es gibt Streit und Rivalität unter den Söhnen, nachdem der betagte
Haftar nicht mehr die Kontrolle über sie hat. Sie sind bereit, das Land
und alles darauf zu verbrennen, nur um zu herrschen.“
+ LibyaPress: Die Ermittlungen gegen die Terrorzelle, die Anschläge auf die Raffinerie von Zawiya und das dortige Kraftwerk verübt hatte, hätten ergeben, dass Mohammed Bahrun (alias al-Far) die Mitglieder der Zelle in Zawiya beherbergte. Die Terroristen seien auf dem Seeweg nach Zawiya gelangt und dort von Mitgliedern der Anti-Security Threats Agency in Empfang genommen worden. Bahrun habe eingewilligt, sich an der Operation zu beteiligen, da es zwischen ihm und der Dabaiba-‘Regierung’ Streitigkeiten gab und er zudem die Position von Mohammed Kaschlaf (alias al-Gasab) schwächen wollte, der die First Support Agency befehligt und die Zawiya-Raffinerie kontrolliert.
+ Al-Hurra
(USA): Der Konflikt in Libyen tritt in eine neue, gefährlichere Phase
ein, nachdem direkte Drohnenangriffe auf Ölanlagen erfolgten,
insbesondere im Hinblick auf die strategische Bedeutung des angegriffenen
Standorts az-Zawiya.
Trotz der Bemühungen der Dabaiba-‘Regierung’, ihren Sicherheitseinfluss
zu erweitern, unterliegen weder az-Zawiya noch Misrata ihrer direkten
Kontrolle, da dort Milizen seit dem Sturz Gaddafis im Jahr 2011
einen breiteren Einfluss ausüben.
Dabaiba habe am 9. August, also am Tag vor dem Angriff auf die
Raffinerie, eine Besprechung mit mehreren Sicherheits- und
Militärverantwortlichen abgehalten. Dabei schlug Dabaiba vor, einen militärischen
Schlag gegen die bewaffneten Gruppen in az-Zawiya durchzuführen, doch dies
wurde von einem der teilnehmenden Militärführer abgelehnt.
+ Khalil al-Hasi (Journalist): Russische Militärschiffe treffen in libyschen Gewässer ein, um russische Frachtschiffe und Tanker zu schützen und Angriffe, die die Ukrainer zusammen mit Dabaiba und Zubi durchführen, abzuwehren. „Eine gefährliche Eskalation.“
+ Mohammed Schuaib
al-Murdas (ehemaliger Botschafter): Es gibt derzeit ein Wettrüsten
zwischen den Milizen in Libyen, und es gibt Konflikte zwischen ihnen um
die Beschaffung von Drohnentechnologie.
Die Ukrainer bewegten sich frei in Tripolis, um Drohnentechnologie allen
Milizen zugänglich zu machen. Diese benötigten kaum Platz zum Starten;
da sie anschließend mit KI flögen, sei ihre Kontrolle schwierig.
Diese Drohnen seien eine gefährliche Sache, insbesondere da einige Milizen
5.000 oder 10.000 Motoren für Drohnenflugzeuge gekauft haben.
Ihre Bekämpfung erfordere politische Stabilität und eine
funktionierende Grenzkontrolle.
Die Milizen in Libyen arbeiteten mit allen illegalen Akteuren, der
Mafia und Banden zusammen, um ihre Interessen durchzusetzen,
und so hätten sie auch Ukrainer ins Land geholt.
Der Besitz von Drohnen werde ihren Einfluss in jeder politischen
Operation oder bei der Vereinigung des Heeres festigen.
+ Il Foglio
(Italien): Italienische Flugzeuge haben südlich von Sizilien sieben
russische Kriegsschiffe gesichtet, die gepanzerte Fahrzeuge an Bord
hatten und auf dem Weg nach Libyen waren.
Es werde vermutet, dass die Schiffe von Tartus in Syrien unterwegs nach
Tobruk in Libyen waren.
+ Eine Flotte russischer Kriegsschiffe mit gepanzerten Fahrzeugen und Logistikfahrzeugen an Bord erreichte Tobruk im östlichen Libyen.
Südliches Libyen
+ Ikad
(Plattform für Geheimdienst-Infos): Eine bewaffnete Gruppe namens Fessan-Rebellen
erklärte am 12. September die Schließung der südlichen libyschen
Grenzen für Lastwagen und kommerziellen Transport bis auf Weiteres. Der Grenzstreifen
von Algerien bis zum Länderdreieck mit Tschad und Sudan sei militärisches
Sperrgebiet.
Die Gruppe begründete die Sperrung mit einer von ostlibyschen
Streitkräften verhängten Blockade von al-Gatrun, bei der Lastwagen mit
Treibstoff und Kochgas aufgehalten wurden. Sie drohte auch damit, Lastwagen
in Brand zu setzen, die Treibstoff in Nachbarländer schmuggeln.
Die Grenzschließung erfolgte zwei Wochen nach den Spannungen in
al-Gatrun, die durch die Tötung eines jungen Tibu an einer
Tankstelle ausgelöst und für die Mitglieder des 87. Bataillon
verantwortlich gemacht wurden. Bei den darauffolgenden Zusammenstößen
kam ein weiterer Mensch ums Leben.
Die Fessan-Rebellen hatte bereits zuvor angekündigt, Treibstoffkonvois
ins Visier zu nehmen, die illegal aus Libyen herausgeschmuggelt oder
an militärische Gruppierungen außerhalb des Landes – insbesondere die „Rapid
Support Forces (Sudan) – geliefert werden.
+ Ascharq
al-Ausat: Die Feier zum Nationaltag der Tibu-Kultur
in Kufra erzeugte erneut Spannungen aufgrund der Stammeskonflikte
zwischen den Zway-Stamm und dem Tibu-Stamm.
Vor elf Jahren waren es zwischen den beiden Stämmen zu Kämpfen
gekommen, die Dutzende Tote und Verletzte forderten, bevor eine Vermittlung
durch Stammesführer und Parlamentarier die Kämpfe stoppen konnte.
+ Die Einsatzzentrale
zur Befreiung des Südens verurteilte die Verhöre und
Festnahmen von Bürgermeistern aus dem Süden durch den Geheimdienst
der östlichen Region – darunter zwölf Bürgermeister, die nach
Tripolis gereist waren, um mit der Dabaiba-‘Regierung’ und GECOL
über die Verbesserung der schlechten Versorgungslage zu beraten.
Der Wille der Bürger dürfe nicht missachtet und gewählte
Institutionen nicht untergraben werden.
+ Die gewählten Bürgermeister der südlichen Regionen lehnten in einer gemeinsamen Erklärung die Suspendierung von zwölf Bürgermeistern in der südlichen Region durch die Parallelregierung von Osama Hammad ab.
+ Das Nationalforum
Fessan lehnte die Suspendierung von zwölf Bürgermeistern
aus der südlichen Region durch die Hammad-Parallelregierung ab.
Die Gemeinden sollten eine Brücke zwischen Bürger und Staat sein,
nicht zu einem Schauplatz für politische und administrative Konflikte
werden.
Ausländische Besatzung
+ Jeremy Brent (US-Außenministerium) traf sich am 13. September mit Dabaiba, um Druck bezüglich der Umsetzung 4+4-Ergebnisse, die den Boulos-Plan unterstützen, auszuüben, ebenso wie auf der Einhaltung des einheitlichen Entwicklungshaushalts und der Überwachung des Ölfördersektors.
+ Jeremy Brent: Es wurde in Tripolis mit Abdel Salam az-Zubi die Vertiefung der militärischen Zusammenarbeit zwischen den USA und Libyen sowie die US-Unterstützung zur Vereinheitlichung der Militär- und Sicherheitsinstitutionen und zur Steigerung ihrer Professionalität erörtert.
+ CNN: Die Drohneneinheit der ukrainischen Marine, die in Libyen stationiert ist, nutzt die Militärbasis in Misrata als Startplattform, um die russische Flotte anzugreifen. Ukrainische Soldaten und Offiziere nahmen an Operationen in Libyen teil.
+ Dabaibas Verteidigungsministerium widersprach dem CNN-Bericht über die Nutzung der Militärbasis Misrata durch ukrainische Einheiten für Operationen gegen russische Schiffe aus der Luft und vom Meer aus, wofür im Gegenzug libysches Militär im Umgang mit Drohnen geschult worden sein soll.
+ Ein sudanesischer
Migrant in Tadschura wandte sich per Videobotschaft an
internationale Organisationen: Ukrainische Offiziere in Libyen versuchen,
uns zu rekrutieren und in den Krieg gegen Russland zu werfen. Er sei nach
Tadschura gelockt worden, indem man ihn Arbeit als Wachmann in Libyen
versprach. Zusammen mit einer Anzahl junger Afrikaner sei er gefoltert
worden, um den Beitritt in die ukrainische Armee zu erzwingen.
„Jeden Monat werden Afrikanern hierher gebracht und nach ihrer Ausbildung
in Libyen für den Kampf gegen Russland rekrutiert.“
+ GeopoliticalDesk. CNN
berichtete, dass ukrainisches Personal den Militärstützpunkt in Misrata
als Ausgangspunkt für Angriffe mit Seedrohnen auf die russische
Schattenflotte nutzen – im Gegenzug für die Ausbildung
lokaler Streitkräfte.
Der Bericht verleihe der sich ohnehin verschlechternden Sicherheitslage im
Westen Libyens eine internationale Dimension. Es gebe Befürchtungen,
dass der Russland-Ukraine-Konflikt auf die Schifffahrtswege des
Mittelmeers übergreifen und das Risiko einer schweren Umweltkatastrophe
mit sich bringen könnte.
Für die Dabaiba-‘Regierung’ liege die unmittelbarste Gefahr nicht
unbedingt in der Reaktion Moskaus, sondern in den innenpolitischen
Folgen. Die Bevölkerung im Westen Libyens leide bereits unter
lang anhaltenden Stromausfällen, Treibstoffknappheit, einer Verschlechterung
der öffentlichen Dienstleistungen sowie Angriffen auf die kritische
Infrastruktur. Hinweise darauf, dass ukrainisches Personal von
Westlibyen aus operiert, könnten den Eindruck verstärken, dass Dabaiba-nahe
Akteure zulassen, dass libysches Territorium in einen ausländischen
Krieg hineingezogen wird – und das zu einer Zeit, in der der Staat
Schwierigkeiten hat, die Grundversorgung zu gewährleisten.
Die Liste der Kritikpunkte an der Dabaiba-‘Regierung’ wachse stetig, und
mit jeder neuen Kontroverse steige die Gefahr, dass sich erneute
Proteste zu einer ernsten Bedrohung für die Regierung ausweiten.
+ Ein modernes Spionageflugzeug der US-Armee führte eine Aufklärungs- und Überwachungsmission im östlichen westlichen libyschen Luftraum durch, nachdem es von einer der us-amerikanischen Militärbasen in Rumänien eingetroffen war. Anschließend kehrte es zur Luftwaffenbasis Chania (Kreta) zurück.
+ Libysches
Zentrum für Sicherheits- und Militärstudien: Die Aktivitäten
arabischer und internationaler Geheimdienste in Libyen und ihre Treffen
hinter verschlossenen Türen fernab des Präsidialrats und der Regierung
wecken Misstrauen und verdeutlichen, dass die Diskussionen auf
eine Ebene mit höherer Sensibilität und Detailtiefe verlagert wurden.
Libyen sei seit Jahren von Unbeständigkeit, Stillstand sowie Chaos hinsichtlich
der Zuständigkeiten, Befugnisse und der rechtlichen Rahmenbedingungen
gekennzeichnet.
Das Umfeld begünstige Aktivitäten geheimdienstlicher oder neutralisierender
Art, die darauf abzielen, die Abhängigkeit lokaler Akteure von Ländern
mit strategischen Interessen zu gewährleisten.
Verschiedene Staaten nutzten die chaotische Lage in Libyen aus,
um führende Akteure gefügig zu machen, auszuschalten oder gar zu
rekrutieren und so ihre eigenen Agenden und Interessen durchzusetzen.
Diese Staaten verfolgen ihre Ziele mittels langfristiger Abkommen,
sei es in den libyschen Hoheitsgewässern, im Ölsektor oder im
Bereich des Wiederaufbaus.
Die De-facto-Machthaber versuchten durch diese Agenden,
die Unterstützung und das Vertrauen einflussreicher Großmächte
im UN-Sicherheitsrat und in der Afrikanischen Union zu gewinnen, um
sich die Unterstützung dieser internationalen oder regionalen Mächte zu sichern,
um an der Macht zu bleiben. Libyen als Staat, seine Interessen
und seine Zukunft hätten in solchen Gleichungen keinen Platz und
würden nicht berücksichtigt.
Die jüngsten Besuche von Chefs arabischer, internationaler und europäischer
Geheimdienste und ihre Treffen mit Militärführern, von denen die meisten
ihre Posten durch Beförderungen erreicht haben, die offen gegen das
Militärgesetz verstoßen, erregten Verwunderung. Diese Treffen,
von denen niemand wusste, was dabei besprochen wurde, weder im Osten
noch im Westen, seien geheim, obwohl das libysche Militärgesetz
geheime Treffen mit Geheimdiensten verbiete, es sei denn, sie werden in Abstimmung
mit dem Oberbefehlshaber durchgeführt.
Es werde empfohlen, die Aktivitäten ausländischer Botschafter
sowie ihre Aussagen zu politischen, sicherheitspolitischen und
verfassungsrechtlichen Aspekten Libyen betreffend zu prüfen. Diese Botschafter
sollten verpflichtet werden, regelmäßige Berichte über die Art der
Treffen, die beteiligten Personen und die besprochenen Themen einzureichen.
Dem Außenminister werde empfohlen, die Botschafter
ausländischer Staaten einzuberufen, um sie erneut auf die Wiener
Konvention über diplomatische Beziehungen und ihre Verpflichtung
hinzuweisen.
Dem Präsidialrat und der Dabaiba-‘Regierung’ werde empfohlen,
das Außenministerium dabei zu unterstützen, die Erteilung von
Genehmigungen für die Aktivitäten ausländischer Botschafter zu überwachen
und die diplomatischen Missionen zu beobachten. Die anderen Ministerien
und die Chefs souveräner Institutionen sollten zur Rechenschaft gezogen
werden hinsichtlich der Art der Treffen, die ausländische Botschafter
mit Institutionen wie der Verwaltungsaufsicht, dem Rechnungshof
und der Zentralbank abhalten.
Es müsse darauf gedrängt werden, dass Regierungsvertreter keine Treffen mit
ausländischen Botschaftern abhalten, es sei denn in Anwesenheit des
Außenministeriums oder mit Genehmigung des Premierministers.
Der Direktor des Generalgeheimdienstes Jordaniens, Generalmajor Ahmad
Husni, sei in den Kreis der nachrichtendienstlichen Aktivitäten in Libyen
eingetreten, als er sich im Juli 2026 mit Dabaiba traf. Dies werfe mehrere
Fragen auf, da Jordanien keine strategischen Interessen in Libyen habe,
anders als die Türkei, Ägypten und Italien. Dies sei kein
unbedeutender Besuch gewesen.
Trotz des Verbots habe sich der Chef des ägyptischen Geheimdienstes
hinter geschlossenen Türen mit folgenden Personen getroffen: Abdul
Salam Zubi (Stellvertretender Verteidigungsminister), Machmud Hamza (Kommandeur
des Militärgeheimdienstes) sowie Imad at-Trabelsi (Innenminister). Er
habe keinen der regulären Armeeoffiziere getroffen noch einen der anderen
Geheimdienstchefs, die Libyen besuchten.
Dschamahirya / Saif al-Islam Gaddafi / Aischa Gaddafi
+ LibyaPress:
Der Anführer der LIFG (Libyan Islamic Fighting Group), Abdulhakim
Belhadsch, strebt ein Treffen unter dem Motto „Wiedervereinigung“
am 16. September an. Abdulhakim Belhadsch bemühe sich, im Präsidialrat
den Posten des Vizepräsidenten zu erhalten.
Es sollen Personen, die dem ehemaligen Regime zugerechnet werden, heimlich
daran teilnehmen wollen, um Belhadsch zu unterstützen.
Saif al-Islam Gaddafi sei gegen jede Annäherung an Gruppen des
politischen Islams wie die LIFG und die Muslimbruderschaft
gewesen, trotz seiner Beteiligung am Versöhnungsprojekt, das von der
Afrikanischen Union betreut wurde, da diese Gruppen persönliche Vorteile
anstrebten und verdächtige Personen unterstützten, die maßgeblich
zur Zerstörung Libyens vor und nach 2011 beigetragen haben.
Belhadsch habe für seine Unterstützung Ministerposten versprochen.
+ Aischa al-Gaddafi richtete eine Anfrage an das Büro des Generalstaatsanwalts: Warum liegen die Untersuchungsergebnisse zum Absturz des türkischen Privatflugzeugs so schnell vor, während es keinerlei Ergebnisse zum Mord an Saif al-Islam und den Angriff auf die Raffinerie von Zawiya gibt? „Ist Gerechtigkeit bei Ihnen etwas, das es einmal gib und dann wieder nicht?“
+ Moussa Ibrahim (Video) über den getöteten Sohn von Muammar Gaddafi, Khamis Gaddafi, und den Traum einer Vereinigten Afrikanischen Armee (UAA).
+ BBC:
Lockerbie. Die stellvertretende US-Staatsanwältin Brittany
Keil erklärte vor Gericht: „Ziel des Anschlagsplans war es,
so viel Leid und Schrecken zu verbreiten, dass die Nachricht
davon um die ganze Welt gehen würde.“ Deshalb habe die US-Regierung
den Angehörigen der Opfer gestattet, im Prozess gegen den libyschen
Verdächtigen al-Massud al-Marimi auszusagen. Die Richterin Dabney
Friedrich habe darüber noch nicht entschieden, äußerte jedoch Bedenken,
dass dies ein hohes Risiko der Voreingenommenheit gegen al-Marimi berge.
Die Richterin habe darauf hingewiesen, dass sie derzeit die Festlegung des
19. Januar als Termin für den Beginn der Juryauswahl prüft und betonte,
dass sie keine weiteren Verzögerungen dulden werde.
Al-Marimi war bei der Gerichtsverhandlung anwesend und verfolgte
die Ereignisse ohne sichtbare Reaktion. Seine Verteidigerin
erklärte, dass sie neue Zeugen befragen und zusätzliche Gutachten
vorlegen müssten, um auf die neuen Beweise zu reagieren.
Innerlibysche Nachrichten
+ As-Senussi
al-Haliq, Oberster Rat der Zuwaiya-Stämme, warnte Agila Saleh
vor einer demografischen Veränderung in der Region Rebiana, die
von Osama Hammad, dem Regierungschef der Bengasi-Parallelregierung,
vorangetrieben wird. Hammad habe dort Land an Tibu-Stämme,
die aus dem Tschad und Niger stammen, vergeben. Al-Haliq
drohte: „In Libyen gibt es 29 Millionen Schusswaffen. Jeder ist bewaffnet.“
Wenn die Sicherheit gefährdet sei und die Dinge so weitergingen,
werde es nicht gut enden.
Die libyschen Tuareg seien willkommen. „Unser Problem sind
die Eindringlinge, hinter denen Agenden und externe Geheimdienste stehen.“
Hammad müsse die Gefühle der Zuwaiya-Stämme berücksichtigen.
+ Nationale Institution für Menschenrechte: As-Senussi al-Haliq wurde am 13. September willkürlich vom Innenministerium in Bengasi inhaftiert. Er hatte Osama Hammad beschuldigt, eine demografische Veränderung in der Region durch die Vergabe eines riesigen Gebiets an die nicht-libyschen Tibu vorzunehmen.
+ Organisation für Menschenrechte: Wir fordern die Gewährleistung der Sicherheit von Scheich as-Senussi al-Haliq und das Einstellen der Hetze und die Beleidigung von Teilen der libyschen Gesellschaft. Der Azwai-Stamm sei wie alle anderen Stämme und sozialen Teile ein integraler Bestandteil der libyschen Gesellschaft.
+ Arabisches
Zentrum für politische Studien in Washington: Wahlen werden
in Libyen nur stattfinden, wenn Druck auf beide Regierungen ausgeübt wird,
eine Einheitsregierung zu bilden, und wenn wirksame
Strafmaßnahmen gegen diejenigen verhängt werden, die am illegalen
Ölverkauf beteiligt sind.
Die in beiden libyschen Regierungen grassierende Korruption trage zur Aufrechterhaltung
des Status quo und der Spaltung bei.
Bewaffnete Milizen betrieben Netzwerke von Vetternwirtschaft, die
jeder Regierung helfen, an der Macht zu bleiben, während externe
Kräfte ihre Verbündeten weiterhin durch verschiedene militärische und
wirtschaftliche Strategien unterstützen. Dies behindere den Einigungsprozess.
Beide Regierungen seien in weitreichende Korruptionspraktiken
verwickelt, und hinter der Fassade des Staatsaufbaus verberge sich ein noch ausbeuterisches
System.
+ Al-Arabi al-Dschadid: Die Familien in Libyen bereiten sich auf das neue Schuljahr vor inmitten steigender Kosten für Schulsachen, Transport und Privatschulen, was ihre Budgets erheblich belastet. Die Preise für Schulsachen seien im Vergleich zum Vorjahr um 20 bis 30 % gestiegen.
+ Der Nationale
Sicherheitsrat unter der Leitung von an-Nassuri verbot die
Einschulung von Kindern libyscher Staatsbürger an ausländischen Schulen
in Libyens.
„Wir streben danach, sicherzustellen, dass die Kinder libyscher
Staatsbürger ihre Bildung im Rahmen des nationalen
Bildungssystems erhalten, unter Berücksichtigung der islamischen
Religion, der Werte, Bräuche, Traditionen, allgemeinen Sitten und der nationalen
Identität.“
+ Verwaltung von Derna: Die Stromversorgung des Badr-Brunnens wurde eingestellt, da sein Wasser aufgrund der Vermischung mit Abwasser als Trinkwasser ungeeignet ist.
+ Am 14. September kam am Flughafen von
Misrata ein türkisches Privatflugzeug während der Landung von der
Landebahn ab und ging in Flammen auf, woraufhin der Flugbetrieb
eingestellt werden musste. Es befanden sich keine Passagiere an Bord,
die Besatzung blieb unverletzt.
Khalil l-Hasi
(Journalist): Das Flugzeug sollte den Bruder von Abdul Salam Zubi
(stellvertretender Verteidigungsministerium) transportieren.
Al-Arabiya: Nach dem Flugzeugabsturz wurde der Luftraum
über Misrata geschlossen.
The Sunday
Guardian (Indien): Das Privatflugzeug, das auf dem
internationalen Flughafen Misrata in Flammen aufging, gehört dem türkischen
Milliardär und Unternehmer Hamdi Akın, Gründer und Vorsitzender des
Vorstands der Akfen Holding.
Die Crew konnte das Flugzeug verlassen, bevor das Feuer
ausbrach.
Der Generalstaatsanwalt
erließ einen Haftbefehl gegen den Piloten und den Copiloten des türkischen
Flugzeugs, da nachgewiesen sei, dass sie das Flugzeug in betrunkenem
Zustand gesteuert haben.
Die türkische
Firma BKNJET, die Dienstleistungen im Bereich der privaten
Luftfahrt anbietet, bestritt, dass die Piloten des in Flammen
aufgegangenen Flugzeugs unter Alkoholeinfluss standen.
+ Die Fraktion des
Nationalen Konsenses im Staatsrat gedachte des 3. Jahrestages der
Katastrophe von Derna und forderte, die Wahrheit
aufzudecken und sicherzustellen, dass die Katastrophe nicht
vergessen werde.
Die Justiz müsse ihre Rolle unabhängig ausüben, um zu gerechten,
transparenten Urteilen zu gelangen, die die Verantwortung eines jeden
feststellen.
+ Organisation
für die Überwachung von Verbrechen: Zum 3. Jahrestag der Katastrophe
von Derna warten die Familien der Vermissten weiterhin auf Informationen
über das Schicksal ihrer Angehörigen.
Die Katastrophe, die dem Einsturz der beiden Wadi-Staudämme
folgte, forderte Tausende von Menschenleben, zerstörte weite Teile
der Stadt und spülte sie ins Meer.
„Wir fordern den Generalstaatsanwalt auf, die Ermittlungen zur
Katastrophe abzuschließen und die Ergebnisse zu veröffentlichen
sowie sicherzustellen, dass alle, deren Verantwortung
nachgewiesen wird, zur Rechenschaft gezogen werden, sei es aufgrund
von Fahrlässigkeit, Versäumnis, Mitwirkung oder Beihilfe.“
+ Der Abgeordnete Badr an-Nuhayb beklagte sich, dass eine große Anzahl von Mitgliedern des Parlaments schwierige finanzielle und psychische Situationen durchmachen und dass die Gehälter der Abgeordneten nur zwischen 1500 und 2000 US-Dollar liegen.
Der Staatsanwalt ordnet immer noch regelmäßig eine hohe Anzahl von Verhaftungen aufgrund von Korruption, Fälschungen von Identitätsnachweisen, Gewalttaten und weiteren kriminellen Handlungen an. Auch weil diese Anordnungen nicht immer zu Festnahmen führen, wird auf die Aufführung der Einzelfälle verzichtet.
Wirtschaft / Finanzen
+ Die Libysche Zentralbank
veröffentliche Zahlen zu Einnahmen und Ausgaben in den ersten acht Monaten 2026
der Dabaiba-‘Regierung’,
des Parlaments,
des Staatsrats, der Ministerien für Öl- und Gas, für
Stiftungen und der NOC.
Das Defizit bei den Devisen
betrug etwa 5 Milliarden US-Dollar.
+ Ghaith Mardschi (ehemaliges Vorstandsmitglied Zentralbank): Die einzige Lösung besteht darin, dass die Kredite und der US-Dollar ausschließlich aus der Zentralbank ausgegeben werden. Die Zentralbank müsse die einzige Institution sein, die den US-Dollar besitzt, damit sie seinen Verbrauch und seine Nutzung zum Wohl des Landes regulieren kann.
+ Chalid Busaykuk (Wirtschaftsanalyst): Um die Probleme zu lösen, ist es wichtig, eine einheitliche Technokratenregierung zu bilden, die Finanzpolitik zur Begrenzung ungerechtfertigter Ausgaben zu vereinheitlichen und eine staatliche Sparpolitik umzusetzen.
+ As-Sadiq
al-Gharyani (Mufti in Tripolis und Muslimbruder): Die Korruption im
Finanzwesen bedroht Libyen wie ein unheilbarer Krebs.
Der Bericht der Vereinten Nationen sei fair und neutral und stehe den
Eliten feindlich gegenüber; das geschilderte Ausmaß an Korruption und Diebstahl
sei unvorstellbar groß.
Die NOC sei ein Hort der Korruption; Personen exportierten
Öl außerhalb der NOC über Arkano und andere
Unternehmen.
+ Attia al-Fituri (Wirtschaftsexperte):
Nach 2011 hat sich die wirtschaftliche Lage der Libyer stark
verschlechtert. Ein Urlaub in Ägypten, der Türkei oder Tunesien
sei zu einem Traum geworden.
Früher konnten sich die Libyer neue Autos leisten, heute
reiche es nur noch für billige Gebrauchtwagen.
Erdöl / Erdgas
+ Said Unes (Staatsrat):
Der Bericht der Zentralbank besagt, dass im Februar 2026 Treibstoffe
im Wert von 517 Millionen US-Dollar geliefert wurden, während im Juli
Lieferungen im Umfang von 1,4 Milliarden US-Dollar
erfolgten. Das ergibt einen Fehlbetrag von 900 Millionen US-Dollar. Die Krise
eskaliert.
Ein weiteres Problem sei die Verteilung des Kraftstoffs, welche Aufgabe
der Brega-Gesellschaft ist, die für die Lieferung verantwortlich sei,
allerdings übernehmen andere Unternehmen die Verteilung.
Es bestünden Lücken zwischen den Abläufen, die für Schmuggel genutzt
werden.
Wegen der politischen Spaltung sei die NOC nicht
mehr direkt den Kontrollbehörden unterstellt.
Die Stromprobleme stünden in Verbindung mit der NOC,
da der Strom mit Gas oder Schweröl erzeugt wird.
+ Jeremy Brent traf sich mit Massud Suleiman, (von Dabaiba eingesetzter) Chef der NOC, um die Umsetzung des NOC-Budgets und die Situation der in der Ölförderung tätigen US-Unternehmen zu besprechen.
Migration
+ Fathi
asch-Schibli (Partei Stimme des Volkes/Saut
asch-Schab): Die Verlagerung der Migrationsrouten in Richtung
Kreta an die libysche Ostküste ist bedingt durch die verschärfte
Überwachung der traditionellen Routen im zentralen und westlichen Mittelmeer.
Diese Seeroute gelte trotz der damit verbundenen Gefahren
zunehmend als attraktive Option für Schleuser. Das Problem sei längst
kein rein libysches mehr, da sich Libyen zu einem Transitpunkt
innerhalb eines regionalen und internationalen Migrationsnetzwerks
entwickelt habe. Die Lösung liege nicht darin, eine Route
zu schließen und eine andere zu öffnen, sondern darin, die Schleusernetzwerke
zu zerschlagen, die Grenzen zu sichern und den Aufenthalt von
Migranten in Libyen zu regeln.
+ Al-Dschazira-Menschenrechtsbeobachtung:
Libyen beherbergt etwa 590.000 sudanesische Kriegsflüchtlinge,
die nach Ausbruch des Krieges im April 2023 aus dem Sudan flohen.
Die Behörden hielten in dem Gefängnis Ganfada in Bengasi mehr als 1.200
Personen verschiedener Nationalitäten und Altersgruppen fest, einschließlich
Frauen und Kinder. In dem Gefängnis herrsche ein Mangel an
Nahrung, Trinkwasser und medizinischer Versorgung, während sich ansteckende
Krankheiten ausbreiten.
In einem Gefängnis in Tobruk würden bis zu 700 Personen inhaftiert
sein, die entweder beim Grenzübergang oder auf dem Mittelmeer
festgenommen worden waren.
Aus den Lagern Tadschura und Bir al-Ghanam in der westlichen Region
kommen Vorwürfe, das persönliche Gegenstände wie Geld,
Mobiltelefonen und Ausweisdokumente beschlagnahmt wurden. Die Zeugenaussagen
aus den Gefängnissen Osama und al-Asa umfassen Vorwürfe von Folter,
entwürdigender Behandlung und finanzieller Erpressung der
Inhaftierten und ihrer Familien.
Außerdem würden die libyschen Behörden Sudanesen, insbesondere solche
mit ansteckenden Krankheiten, einfach zur Grenze zurückschicken.
Libyen und das Ausland
+ Ägypten. Der ägyptische Außenminister Badr Abdelatty: Die parallele Durchführung der Präsidentschaftswahlen und Parlamentswahlen in Libyen muss vorangetrieben werden. Auch müsse die Einheit Libyens neben der Vereinheitlichung der staatlichen Institutionen gewahrt werden, da dies von größter Bedeutung für Libyen, für Ägypten und für die gesamte Region sei.
+ Tschad. Africa
Intelligence: Tripolis versucht, die G5 Sahel (Gruppe
der Sahel- und Sahara-Staaten) zur Verbesserung der Beziehungen zum Tschad und
dessen Präsidenten Mohammed Idriss Déby einzubinden, obwohl dies den Haftar-Clan
verärgern könnte, der eine militärische Vorgehensweise bevorzugt.
Déby habe von Tripolis politische und finanzielle Zusagen
erhalten, unter anderem, dass ein tschadischen Kandidat für den Posten
des nächsten Exekutivsekretärs der G5 Sahel unterstützt
wird.
Bengasi möchte, dass ihre Beziehungen zu Tschad auf
Grenzsicherungsoperationen beschränkt bleiben, um die Nachschublinien
für Militärgüter an die Rapid Support Forces im Sudan
aufrechtzuerhalten.
Tripolis strebe an, einen Teil des zwischen Bengasi und Tschad
geteilten Einflusses zu erhalten, bemühe sich aber, Déby an sich
zu binden, indem er ihm einen Anteil an der Freihandelszone
von Misrata anbot, mit dem Ziel, einen Handelsweg zwischen Westlibyen
und dem Tschad aufzubauen. Auch der Verlegung des Sitzes der G5
Sahel nach N’Djamena, wurde zugestimmt.
Die G5 Sahel habe ihre aktive Rolle auf dem Kontinent seit
dem Fall von Muammar al-Gaddafi verloren, und ihre Projekte seien
aufgrund der sich verschlechternden Sicherheitslage, der Ausweitung
des Einflusses dschihadistischer Gruppen und der Schwäche der nationalen
Armeen vollständig gelähmt.
+ IstGH: Der Internationale Strafgerichtshof legte den 4. Mai 29027 als Termin für den Beginn des Prozesses gegen Khalid al-Hischri fest. Er wird in 17 Punkten in Zusammenhang mit in Libyen ausgeführten Kriegsverbrechen angeklagt.
+ Nigeria. Sylvester Okafor (Experte für globale Sicherheit): Wenn der Wahlbetrug im Jahr 2027 weitergeht, könnte sich Nigeria zu einem gescheiterten Staat nach dem Vorbild Libyens entwickeln, der vor Chaos und Gesetzlosigkeit nur so strotzt.
Rückblick
+ Moussa Ibrahim (Video): Libyens Wasser war nie nur eine ingenieurtechnische Frage. Es war eine Frage der Souveränität. „Ich sprach mit Sputnik Africa über den Man Made River, Gaddafis Vision für Wassersicherheit und Ernährungssicherheit und warum Libyens unabhängige Entwicklungsprojekte im Rahmen des breiteren Kampfes um die afrikanische Souveränität verstanden werden müssen. Ein Gespräch über Wasser, Macht und das Libyen, das vor dem NATO-Krieg 2011 existierte.“
+ Der Dokumentarfilm
„König Idris“ (al-Jazeera Documentary) zeigt, dass mehr
als 95 % des libyschen Volkes die September-Revolution von 1969 begrüßten,
da sie Korruption und ausländische Basen ablehnten.
Das Auftauchen einer neuen Generation junger Offiziere, angeführt
von Muammar Gaddafi, veränderte Libyen.
Die Menschen in Libyen sahen, dass der Reichtum durch das Öl nicht
gerecht verteilt wurde Sie sahen auch, dass diese Offiziere keiner
großen Stammesgruppe angehörten und Gaddafi aus einer Region
stammte, die weder zu Tripolis noch zu Kyrenaika zählte,
und er zu den Ärmsten und Bescheidensten gehörte.
Gaddafi überzeugte sie, dass die libysche Revolution ihnen die
Zukunft bringen würde, die sie sich wünschten.
+ Afrika und
seine Geschichte (Nigeria): Gaddafi war der Garant für den
inneren Zusammenhalt Libyens. Als die NATO ihn 2011 stürzte, konnte
das Land nicht vor dem Zerfall bewahrt werden. Es gab kein
Militär mehr, keine Institutionen und keinen politischen Rahmen. Diejenigen,
die gegen Gaddafi kämpften, verband kein gemeinsamer Nenner, und
sobald er weg war, kämpften sie gegeneinander.
Der anschließende Bürgerkrieg beschädigte mehr als 6.000
Gebäude und Bengasi erlebte von 2014 bis 2018 die größte
Welle der Bevölkerungsverschiebung in der Nachkolonialzeit.
Afrika musste beobachten, wie ein US-Präsident afrikanischer
Herkunft sich Europa anschloss, um einen Staat in Nordafrika zu zerlegen.
Afrika sah ein Libyen, dass am Boden lag und nicht mehr
hochkommt.
Frankreich unter Sarkozy und Großbritannien unter Cameron
drängten fast mit der gleichen Intensität zu diesem Krieg wie Washington.
Hillary Clinton war US-Außenministerin, während die NATO-Allianz die
Luftangriffe durchführte. Es sei eine kollektive westliche Entscheidung gewesen,
und Obama könne nicht von der Verantwortung entbunden werden.
+ Moussa Ibrahim
(Video): „2011. Die NATO verstärkte ihre Bombardierung
Libyens. Dutzende unserer tapferen Soldaten fielen als Märtyrer als
sie der Atlantischen Allianz und ihrem Krieg gegen unser Land
entgegentraten. […]
Seither ist viel geschehen. Tripolis fiel. Libyen ging verloren. Viele
jener Männer waren fort, und schließlich verloren wir den Mann, der
uns anführte. Der NATO gelang es, einen Staat zu zerstören,
aber sie konnte die Idee, für die wir kämpften, nicht zerstören. Was
mich betrifft, so bleibe ich auf demselben Weg, engagiert für Einheit
und Befreiung.“
+ Moussa Ibrahim (Video): Gaddafi verschloss nicht die Augen vor den schwierigen Kapiteln der afrikanischen Geschichte wie der Sklaverei.
Aus den Nachbarstaaten
+ Afrika. Moussa Ibrahim (Video): „Afrika hätte aus Libyen eine Lehre ziehen sollen, was passiert, wenn ausländische Mächte sich anmaßen, zu entscheiden, welche afrikanischen Regierungen legitim sind, welche Sicherheitsarrangements akzeptabel sind und welche politische Zukunft Afrikanern gestattet wird. Die Allianz der Sahelstaaten steht vor Fragen, die weit über den Sahel hinausreichen: Wer kontrolliert die afrikanische Sicherheit? Wer kontrolliert ihre Ressourcen? Wer definiert ihre politische Legitimität? Und wer kontrolliert die Erzählung, wenn ein afrikanischer Staat die etablierte Ordnung ablehnt? Libyen hat einen enormen Preis bezahlt. Afrika sollte die Warnung nicht ignorieren.“
+ Afrika. Moussa Ibrahim (Video): „Kolonialmacht funktioniert nicht nur durch Armeen, Militärstützpunkte und wirtschaftliche Kontrolle. Sie versucht auch zu kontrollieren, wie Menschen ihre eigene Realität verstehen. Die US-Armee hat eine neue psychologische Operationszentrale in einem Afrika-fokussierten Bataillon gegründet, dessen offizielle Mission die Beeinflussung der Argumentation, der Motive und des Verhaltens von Zielgruppen umfasst. Genau deshalb habe ich jahrelang argumentiert, dass Afrika die Souveränität über Information, Kommunikation, Bildung und Narrativ behalten muss. Umkämpft sind nicht nur afrikanisches Land und Ressourcen. Der Kampf findet auch um die afrikanischen Köpfe statt.“
A. Gutsche
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