Kurznachrichten Libyen – 13. bis 19. Mai 2026
Libysches Gericht spricht Saif al-Islam Gaddafi und hohe Beamte der Gaddafi-Zeit frei / Mord an Saif al-Islam Gaddafi: Vermutliche Täter nach 100 Tagen immer noch auf freiem Fuß / Internationale Petition fordert Aufklärung des Mordes an Saif al-Islam Gaddafi / Zusammenstöße mit dem al-Ittihad-Fußballclub: Dabaibas Regierungssitz brennt / USA versuchen, Spaltung zu managen, anstatt sie zu beenden – Kriegswirtschaft, Korruptionsnetzwerke, bewaffneter Machtzentren und widersprüchlicher Interessen ausländischer Mächte / kein tiefergehender Bruch zwischen Dabaiba und Muslimbrüdern / Bericht der Verwaltungskontrollbehörde zeigt schwere Verstöße und Missstände auf / Wieder Brände in al-Asabia / Wachsende Schuldenkrise / Verschwendung öffentlicher Gelder und massiven Ausgabenerhöhung seit 2011 / Prozess gegen den Milizionär Khalid al-Hischri beginnt in vor dem IStGH in Den Haag / Russland weist darauf hin, dass das IStGH die Verbrechen der NATO-Staaten während der Ereignisse 2011 nie interessierten, ebenso wenig wie die Aufklärung der Morde an Muammar al-Gaddafi und Saif al-Islam Gaddafi
+ GelaNews:
Libysches Gericht spricht Saif al-Islam Gaddafi und hohe Beamte der
Gaddafi-Zeit frei. Nach fast 15-järhiger Prozessdauer wurden alle
Angeklagten der ehemaligen Dschamahiriya freigesprochen
beziehungsweise alle Anklagen fallengelassen.
Nachdem der Präsidentschaftskandidat Saif al-Islam Gaddafi am 3. Februar
2026 in Zintan ermordet wurde, müssen die jetzigen Machthaber
seinen Wahlsieg nicht mehr fürchten.
Mord an Saif al-Islam Gaddafi
+ Start einer internationalen
Petition auf der Website http://Change.org
unter dem Link https://www.change.org/p/arrest-the-assassins-of-dr-saif-al-islam-end-the-protection-of-his-killers
Diese digitale Initiative zielt darauf ab, globalen Druck zu mobilisieren,
um die Hintergründe des Mordanschlags vom 3. Februar juristisch aufzudecken.
+ GelaNews:
Mord an Saif al-Islam Gaddafi: Täter nach 100 Tagen immer noch auf freiem Fuß.
Die rechtlichen Aktivitäten und der Druck des Volkes in Libyen
zur Forderung nach Aufklärung der Umstände des Mordes an Saif al-Islam
Muammar al-Gaddafi haben sich 100 Tage nach der Tat verstärkt.
Obwohl die Täter bekannt sind, wurden sie bisher nicht verhaftet.
Nicht nur Gaddafi-Unterstützer klagen die Stämme von Zintan an und
fordern den Innenminister der Dabaiba-‚Regierung‘ zum Rücktritt oder zum
Handeln auf.
Wie soll es in Libyen zu echten Wahlen kommen, wenn jeder missliebige
Kandidat im Vorfeld damit rechnen muss, ermordet zu werden?
Politische Gegner durch Mord beseitigen – barbarische Zeiten.
+ Al-Aheb
(Befehlshaber des 103. Bataillons): Was in Zintan mit Saif
al-Islam Gaddafi geschah, zeugt von einer Zeit der Isolierung und
Spaltung.
Sie überließen Saif al-Islam Gaddafi seinem Schicksal, während sie sich
mit Slogans und Reden in den Medien begnügten, ohne wirklich Position
zu beziehen.
Trabelsi wurde von al-Aheb
aufgefordert, den Posten des Innenministers zu räumen. In seiner
Amtszeit sei die Institution zu einem Schauplatz des Chaos’ und der Spaltung
verkommen, anstatt ein Symbol für Sicherheit und Stabilität zu sein.
+ Jugendliga
von Gharyan: Die Ermordung von Dr. Saif al-Islam Muammar
al-Gaddafi ist eine Angelegenheit, die in der libyschen Öffentlichkeit
großes Aufsehen erregt und nicht beiseitegeschoben werden kann.
Wir rufen die zuständigen Stellen auf, der Öffentlichkeit die rechtliche
Lage zu erläutern und die ergriffenen Maßnahmen offenzulegen,
um das Vertrauen in die Justiz zu stärken.
Die vollständige Aufklärung und die Herstellung von Gerechtigkeit
stellen eine nationale und moralische Pflicht dar, die keinen
Aufschub duldet.
Zusammenstöße 444. Brigade und al-Ittihad-Fußballclub
+ Mitglieder der 444. Brigade unter dem Kommando von Machmud Hamza eröffneten das Feuer wahllos auf Fans des al-Ittihad-Clubs im Stadion von Tarhuna, nachdem das Spiel gegen den as-Suwaihli-Club unterbrochen wurde. Ein Fan des al-Ittihad-Clubs, Mohammed asch-Schaftari, wurde durch Schüsse verletzt.
+ LibyaPress:
Fotos von Zusammenstöße zwischen Anhängern des al-Ittihad-Fußballclubs
und Mitgliedern der 444. Brigade vor dem Club.
Fotos: Anhänger
des al-Ittihad-Clubs haben die Ampelanlage vor dem al-Ittihad-Club
blockiert und ein Fahrzeug der 444. Brigade in Brand gesteckt.
+ Fotos: Vor dem Sitz der Dabaiba-‘Regierung’ in Tripolis kam es zu einer Massendemonstration der Fans des al-Ittihad-Clubs als Reaktion auf den Angriff auf sie durch die 444. Kampfbrigade nach dem Spiel ihres Teams gegen den as-Suwaihli-Club. Bewaffnete eröffneten das Feuer auf die Demonstranten.
+ Fotos: Die Fußballfans
steckten das Regierungsgebäude von Dabaiba in Brand.
Die Feuerwehr versuchte, den Brand unter Kontrolle zu bekommen.
+ Fotos: Demonstranten setzten an der Ampelanlage nahe des Vereins im Viertel Bab Ben Ghashir Reifen in Brand.
+ Othman Allahab, Kommandeur des 103. Bataillons: Der Zorn der Straße eskaliert, die Menschen fordern die Wahrheit und Rechenschaft, während das Schweigen die Spannungen steigert und Misstrauen sät.
+ Drei Menschenrechts-
und Medienorganisationen verurteilten in einer gemeinsamen Erklärung
den Übergriff am 14. Mai auf das Team des Senders Libya
ar-Riyadhiya, während der Live-Übertragung eines Fußballspiels
zwischen den Vereinen al-Ittihad und as-Suwaihli.
Der Vorfall ereignete sich bei Ausschreitungen und chaotischer Szenen
im Stadion und der Besetzung des Spielfelds durch die Fußballfans in
den letzten Minuten des Spiels.
Es kam zu körperlichen Angriffen und Schlägen, die zu Verletzungen
bei vier Mitgliedern des Medienteams führten, bevor sich die Gewalt in der Zerstörung
von sechs professionellen digitalen Kameras Bahn brach und mit der
Brandstiftung des Satelliten- und Live-Übertragungswagens endete.
+ Die Mitarbeiter des Senders Libyen Sport kündigten an, ihre Arbeit und die Live-Übertragung von Fußballspielen als Protest gegen die Verschlechterung der Arbeitsbedingungen einzustellen, da ihnen keine Krankenversicherung und Gefahrenzulage gewährt werde. Sie müssten vor Übergriffen geschützt werden.
+ Fans des as-Suwaihli-Clubs: Versuchen, hinter verschlossenen Türen unserem Verein seine Rechte zu entziehen, werden wir nicht tatenlos zusehen. Die Geduld mit nichtssagenden Erklärungen ist zu Ende. Wir machen den libyschen Fußballverband für die Folgen jeder ungerechten oder willkürlichen Entscheidung verantwortlich, die eine Eskalation mit unabsehbaren Folgen auslösen könnte.
+ Die Fans von al-Ittihad verurteilten die Festnahme von Anhängern nach den Ereignissen im Anschluss an das Spiel ihrer Mannschaft gegen as-Suwaihli in Tarhuna und drohten mit Eskalation, sollten diese nicht freigelassen werden.
Militär/Milizen/Gewalt
+ LibyaPress: Bewaffnete Auseinandersetzungen fanden am 16. Mai im Hauptquartier der Drogenbekämpfung in Tripolis statt.
+ LibyaPress:
Am 14. Mai wurde die Leiche eines unbekannten jungen Mannes mit
Folterspuren und Schusswunden an einem Strand von Dschanzur
gefunden.
Die von Schüssen durchsiebte Leiche des jungen Ali Machluf wurde
in Adschilat gefunden.
Bewaffnete erschossen den jungen Schahab al-Akraschi in az-Zawiya.
+ Die Nationale Institution für Menschenrechte forderte den Generalstaatsanwalt auf, eine Untersuchung der willkürlichen Inhaftierung und Folterung von Milad al-Dschuhaydiri durch Mitglieder der Sicherheitsdirektion Zliten einzuleiten.
+ Tarek Lamlum (Menschenrechtsaktivist): Vier jemenitische Arbeiter wurden in az-Zawiya bei ihrer Rückkehr von der Arbeit entführt und in einem Revier der Kriminalpolizei festgehalten. Ihre Familien erhielten Anrufe, bei denen pro Person für ihre Freilassung 1.500 US-Dollar gefordert wurden.
+ Organisation
zur Überwachung von Verbrechen: Das Parlamentsmitglied Ibrahim
Abu Bakr ad-Darsi war am 16. Mai 2024 in Bengasi entführt worden. Trotz
der Ankündigung der Behörden in Ostlibyen und des Generalstaatsanwalts, Ermittlungen
einzuleiten, ist das Schicksal von ad-Darsi bis heute ungeklärt.
Amnestie
International: Die Nichtveröffentlichung der Ergebnisse der
Untersuchungen zum Verschwindens von Ibrahim ad-Darsi nach zwei
Jahren ist ein Beispiel dafür, dass die Behörden unfähig oder nicht willens
sind, den Fall zu untersuchen.
+ Die Nationale Institution für Menschenrechte dokumentierte die Folterung eines Inhaftierten durch die Sicherheitsdirektion Bengasi. Der Kriminalermittler Scharif al-Fasi entführte zwei Personen, griff sie an, filmte den Vorfall und stellte das Video über soziale Medien ins Netz.
+ Uthman Allahab (Kommandeur des 103. Bataillons), griff den Innenminister Imad at-Trabelsi an: Er beauftrage eine Gruppe von Gesetzlosen, um Zwietracht unter den Familien von az-Zawiya zu säen, wovon er als einziger profitiere.
+ Das Forum der Stadt Zawiya erklärte seinen kategorischen Widerstand gegen die Umwandlung der Stadt in einen Tummelplatz für Kriminelle, Milizen, Drogenhändler und Schmuggler.
Ausländische Besatzung
+ Dschamal Schaluf
(as-Salafium-Stiftung für Forschung): Am 18. Mai landete ein ukrainisches
Flugzeug am Mitiga-Flughafen (Tripolis) mit einer Sprengstoffladung von
7,5 Tonnen an Bord. Die Maschine kam nach einem Flug mit Zwischenstopp
auf der Insel Kap Verde von der mauretanischen Hauptstadt
Nouakchott.
Taha Hadid
(ehemals Schutztruppe SRT): Das ukrainische Flugzeug, das Sprengstoff
transportierte, verließ den Mitiga-Flughafen nach ca. 1,5 Stunden
wieder.
+ Am 20. Mai trafen sich der us-amerikanische
Militärattaché und der Stabschef des westlichen Libyens, an-Namrusch,
zur Besprechung der Trainingsprogramme zur Qualifikation und
Ausbildung der Spezialkräfte.
Der Generalstab der Dabaiba-‚Regierung‘: Es wurden die Ergebnisse der
Flintlock-Übung diskutiert und die damit erzielten Fortschritte auf
dem Gebiet der Steigerung der Einsatzbereitschaft.
+ Massad Boulos (Trump
Berater): Das US-Finanzministerium spielte eine große und wichtige
Rolle bei der Erreichung des einheitlichen Entwicklungsabkommens in Libyen.
Meine Kollegen bei AFRICOM konnten die militärischen Institutionen
Ost- und Westlibyens im Rahmen der Flintlock-Übungen in Sirte zusammenbringen.
Wir haben wichtige Arbeit im Hinblick auf die Zentralbank und die
Öl-Institution geleistet und unterstützen die Vereinigung der
Institutionen im Allgemeinen und arbeiten mit beiden libyschen Seiten
und einer Reihe von Führern zusammen.
+ Mohammed Bouicir
(politische Berater): Die us-amerikanische Politik gegenüber Libyen
folgt ihrer fest verwurzelten Doktrin, nämlich ihren finanziellen und
wirtschaftlichen Interessen.
So wie die USA derzeit den Boden in Venezuela für
us-amerikanische Unternehmen ebnen, damit diese die Lage kontrollieren
können, strebten sie dies in Libyen an. Das libysche Wirtschaftssystem
solle drei us-amerikanische Bedingungen erfüllen. Erstens die Offenlegung
aller Verträge und Ausschreibungen; zweitens eine Rechenschaftspflicht
sowie drittens eine geregelte Planung im Rahmen der Möglichkeiten.
Washington erkenne, dass seine Ölvorräte bei anhaltendem
aktuellen Verbrauch in 15 Jahren erschöpft sein könnten, was es notwendig
mache, andere Märkte zu erschließen, um den Einsatz seiner
strategischen Reserven zu reduzieren – das treibe sein Handeln in
Libyen an.
+ Salah Bakusch (Politberater): Boulos sieht in Libyen keinen unabhängigen Staat. Er versucht, den Status quo und die Teilung zu konsolidieren, auf eine fabrizierte Lösung zurückzugreifen und eine politische Einigung zu erzielen, wobei die us-amerikanischen Interessen mehr gewahrt werden als die Interessen des libyschen Volkes.
+ Arab Post:
Die US-Maßnahmen und die Initiative von Massad Boulos entwickeln sich zu
einem Deal zur Neuverteilung der Macht zwischen den Clans.
Es gibt inoffizielle Vereinbarungen, die in Libyen eine neue
Regierungsform schaffen möchten, die den Einfluss des Ostens und des Westens
vereint, jedoch ohne dass zuvor allgemeine Wahlen oder
eine umfassende politische Einigung stattfinden.
Derzeit werde ein Treffen in den USA vorbereitet, an dem Vertreter
aus Ost- und Westlibyen teilnehmen. Dabei soll dem eingeschlagenen Kurs
der letzten Schliff gegeben werden, insbesondere nach dem Treffen, das
am 28. Januar 2026 in Paris unter gemeinsamer us-amerikanisch-französischer
Schirmherrschaft stattfand.
Was derzeit geschieht, gleiche mehr einer Neuverteilung des Einflusses
zwischen zwei Hauptmachtzentren als einem echten Projekt zum Aufbau eines
einheitlichen Staates.
+ Baschir Mohammed an-Naas (Militäranalyst): Osama al-Dschubaili (aus Zintan/Militärzone West) ist ein us-amerikanisches Projekt, das von Stephanie Williams betreut wird, mit dem strategischen Ziel, Libyen und die Libyer auf langsame, ruhige Weise zu zerstören und die Entstehung eines stabilen Staates zu verhindern, während das libysche Volk in einer klinischen Todesstarre verharrt.
+ Am 20. Mai erklärte der Sprecher
des türkischen Verteidigungsministeriums, Zeki Aktürk,
dass Mitglieder des östlichen und des westlichen Militärs gemeinsam an
den von der Türkei ausgerichteten Manövern Efe-2-26 teilgenommen
haben.
Die türkischen Streitkräfte ergriffen in Libyen konkrete Schritte
zur Erreichung des Ziels „Ein Libyen, eine Armee“.
Analysen
+ Al-Arab
(London): Die Einigung über den einheitlichen Haushalt und die gemeinsamen
Militärmanöver unter US-Schirmherrschaft scheinen Versuche zu sein,
die Spaltung zu verwalten, anstatt sie zu beenden – vor dem Hintergrund
einer anhaltenden Kriegswirtschaft, weitverzweigter Korruptionsnetzwerke,
zahlreicher bewaffneter Machtzentren und widersprüchlicher Interessen
ausländischer Mächte.
Diese Vereinbarung bedeutet nicht, dass ein echter Wille zum
Wiederaufbau des Staates besteht, sondern spiegelt vielmehr einen vorübergehenden
Konsens zwischen den Machtzentren über die Aufteilung der
Öleinnahmen und die Milderung des zunehmenden internationalen Drucks wider.
Seit dem Sturz des Regimes von Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 hat sich Libyen
zu einem Schauplatz für interne, regionale und internationale Rivalitäten
entwickelt, und alle Initiativen zum Aufbau einer einheitlichen
Zentralgewalt, die in der Lage wäre, ihre Souveränität über das gesamte
Land durchzusetzen, sind gescheitert.
Das Öl wurde zu einem Instrument, das die Spaltung
aufrechterhält, da sowohl die Regierungen als auch die mit ihnen
verbundenen Milizen auf die Öleinnahmen angewiesen sind, um Netzwerke
der Loyalität und Vetternwirtschaft zu finanzieren.
Eine mögliche Steigerung der Ölförderung, auf die die USA und Europa
drängen, um die durch den Krieg mit dem Iran verursachten Versorgungsstörungen
aus der Golfregion auszugleichen, könnte die Wirtschaft der bewaffneten
Eliten stärken, anstatt die Lebensbedingungen der Bürger zu
verbessern.
Washington befasst sich derzeit aus zwei wesentlichen Blickwinkeln
mit Libyen: Der erste betrifft die Energieversorgung angesichts
des westlichen Bedarfs an alternativen Öl- und Gasquellen nach den
Unruhen im Golf und der Sperrung der Straße von Hormus; der zweite
ist sicherheitspolitischer Natur und steht im Zusammenhang mit dem
Versuch, den russischen Einfluss in Nordafrika und der Sahelzone einzudämmen.
Die US-Unterstützung für das Abkommen über den einheitlichen Haushalt
und die Durchführung des Militärmanövers Flintlock lassen sich
als Teil einer umfassenderen Strategie zur Wiedereingliederung Libyens in
das internationale Sicherheitssystem verstehen.
+ AgenziaNova:
Dabaibas Angriff auf die Muslimbruderschaft ist ein Versuch,
sich an die neuen regionalen und internationalen Machtverhältnisse
anzupassen.
In den letzten Monaten habe Dabaiba eine neue us-amerikanische
Initiative unterstützt, die darauf abzielt, die Wiedervereinigung der
Institutionen zu stärken und den Wahlprozess anzustoßen. Zugleich
habe Washington seine Haltung gegenüber vielen regionalen Gruppen, die
zur Muslimbruderschaft gezählt werden, verschärft und einige Ableger
der Bewegung auf die US-Terrorliste gesetzt.
Dabaibas Aussagen drückten keine vollständige politische Trennung
aus, und was geschieht, komme einer Neupositionierung und Anpassung näher
als einem echten politischen Bruch.
Dabaibas politischer Aufstieg wurde auch durch die Unterstützung von
Personen gestärkt, die der Partei für Gerechtigkeit und Aufbau
nahestehen, dem politischen Flügel der Muslimbruderschaft in Libyen.
Dabaiba verdanke einen Teil seines Erfolgs im Politischen
Dialogforum von Genf den Stimmen dieser Gruppe, und ohne
diese Unterstützung hätte möglicherweise die Liste von Fathi Baschagha
und Aqila Saleh gesiegt.
+ Arabisches
Zentrum für politische Studien in Washington: Wahlen werden
in Libyen nur stattfinden, wenn Druck auf beide Regierungen ausgeübt wird,
eine Einheitsregierung zu bilden, und wenn wirksame
Strafmaßnahmen gegen diejenigen verhängt werden, die am illegalen
Ölverkauf beteiligt sind.
Die in beiden libyschen Regierungen grassierende Korruption trage zur Aufrechterhaltung
des Status quo und der Spaltung bei.
Bewaffnete Milizen betrieben Netzwerke von Vetternwirtschaft, die
jeder Regierung helfen, an der Macht zu bleiben, während externe
Kräfte ihre Verbündeten weiterhin durch verschiedene militärische und
wirtschaftliche Strategien unterstützen. Dies behindere den Einigungsprozess.
Beide Regierungen seien in weitreichende Korruptionspraktiken
verwickelt, und hinter der Fassade des Staatsaufbaus verberge sich ein ausbeuterisches
System.
Proteste
+ Bewohner der Region Sirte: Wir fordern die UN-Mission und das Flüchtlingskommissariat auf, die Programme zur Ansiedlung von Flüchtlingen zu stoppen, da die Wut und die Volksverdrossenheit ein beispielloses Niveau erreicht hat.
+ Der Saradsch-Sozialrat forderte die Eigentümer von Immobilien sowie die Besitzer von Geschäften in der Region auf, die sofortige Räumung aller an Afrikaner oder Migranten vermieteter Immobilien zu veranlassen.
+ Die Protestbewegung
in Tripolis forderte den Rücktritt des Vorstands der Ölbehörde,
die Aufhebung des Vertrags mit der Arkano-Gesellschaft und die
Aufklärung über den Verbleib von 100 Milliarden Dinar.
„Jahrelang haben wir zu systematischer Korruption und Diebstahl
geschwiegen, dazu, wie die Ressourcen des libyschen Volkes, sein Reichtum
und seine Politik manipuliert und libysches Blut missachtet
wurde.“
„Wir warnen ausländische Unternehmen, die mit der Dabaiba-‚Regierung‘
in den Bereichen Exploration und Entwicklung zusammenarbeiten möchten,
davor, Abkommen oder Verträge einzugehen, bis es eine legitime
Regierung gibt, die ihre Autorität über das gesamte libysche Territorium
ausübt.“
+ Einwohner des Gebiets Gawqas in der Stadt al-Chums sowie Farmer der Umgebung protestierten am 20. Mai gegen die Verschlechterung der Dienstleistungs- und Umweltbedingungen, was zu Ausbreitung von Krankheiten und Verkehrsbehinderungen führt.
+ Pilger protestierten den achtzehnten Tag in Folge vor dem Flughafen von Misrata gegen die Vetternwirtschaft bei der Vergabe der Pilgerplätze auf Kosten älterer Menschen.
Innerlibysche Nachrichten
+ Der Bericht der
Verwaltungskontrollbehörde für die Jahre 2024 und 2025 verzeichnet
schwere Verstöße bei den Projekten der Küstenstraße, die Risse und Absenkungen
im Asphalt aufwies. Die Straßenbauarbeiten weisen eine niedrige
Fertigstellungsrate auf, trotz Ausgaben in Milliardenhöhe, wobei der
technische Fortschritt bei einigen Projekten der Straße unter 30 % liegt.
Bericht:
Es gab dutzende Verstöße im Zusammenhang mit dem Gesundheitsministerium
und den ihm unterstellten Einrichtungen. Der Schaden übersteigt 81
Millionen Dinar.
Bericht:
Die Gesamtausgaben von Devisen betrugen im Jahr 2025 mehr als 31,1
Milliarden US-Dollar, was einem Anstieg von über 4 Milliarden Dollar
gegenüber 2024 entsprach.
Bericht:
Die Gesamtausgaben des öffentlichen Sektors überschritten im Jahr 224
Milliarden Dinar, darunter 123 Milliarden für die Dabaiba-‘Regierung’, 59
Milliarden für die parallele Hammad-‚Regierung‘ von und 42 Milliarden über das
Tauschsystem der Nationalen Ölgesellschaft.
Bericht:
Die NOC steigerte ihre Verpflichtungen und Verbindlichkeiten
in nur zwei Jahren auf mehr als 31 Milliarden Dinar. Das waren im Jahr 2025
199 Prozent mehr im Vergleich zu 2024.
Bericht:
Die Ausgaben der Ölbehörde für „Tauschgeschäfte“ (Rohöl
gegen Kraftstoffe) betrug 2024 42 Milliarden Dinar. Das ‚Tauschsystem‘
zählt zu den Hauptursachen für die Aufblähung der öffentlichen Ausgaben.
+ Anwar Sawan
(Senat von Misrata): Unter Gaddafi war Libyen ein Staat.
Es gab niemanden, dem es möglich gewesen wäre, auch nur 100 Barrel Öl zu
schmuggeln oder auch nur ein einziges Schiff mit geschmuggeltem Treibstoff
einlaufen zu lassen.
Wir haben diesen Staat zerstört, und Libyen ist zu einem Pseudo-Staat
geworden – oder vielleicht nicht einmal das. Nun beherrschen ausländische
Staaten den Süden und plündern das Gold und die Reichtümer, und
keine Regierung tritt ihnen entgegentreten, denn alle sind damit einverstanden,
solange sie ihr Amt behalten können.
Die Zentralbank genehmigte die Ausgabe von US-Dollar an die Bürger
auf dem Parallelmarkt; damit machen sich schuldig, Bürger zu
Verbotenem zu verführen.
Wir werden niemals eine Teilung Libyens durch irgendwelche Abkommen
akzeptieren und setzen uns für ein vereintes Libyen im Osten, Westen und
Süden ein, ohne Komplizenschaft mit Kriminellen.
Die Libyer müssen sich zusammensetzen und die Herrschaft des Militärs
und der Clans ablehnen.
Die Übergangsregierung wird keine Wahlen abhalten. Wir können von
ihr nichts Gutes erwarten, denn sie will den Status quo beibehalten,
da er im Gegenzug ihre Interessen bezüglich Geld oder Ämter sichert.
+ Mohammed al-Mazuqi
(Präsidentschaftskandidat Einheitsregierung): Libyen kann nicht
auf Personen oder Einrichtungen oder de-facto-Mächte reduziert werden.
Das libysche Volk akzeptiert nicht, dass seine Zukunft weiterhin
in Geiselhaft von Spaltungen oder temporären
Machtgleichgewichten oder der Herrschaft von Waffen genommen wird.
Die Stabilität Libyens hängt von einem umfassenden nationalen Projekt
ab, das die Entscheidungsgewalt mittels freier und fairer Wahlen
zurück an das libysche Volk gibt, die staatlichen Institutionen vereint
und die Übergangsphasen beendet werden.
+ Fathi asch-Schibli (Volkspartei) griff Mohammed al-Maqarif (während der Dschamahiriya Botschafter Libyens in Indien/Überläufer zur Opposition und Nato-Fraktion/heute Vorsitzender der Partei Nationale Front)an: Heute sprichst du über Werte und Gerechtigkeit, dabei bist du derjenige, der als Vertreter der libyschen Regierung im Ausland seinen Posten verließ. Du bist derjenige, der nach 2011 zurückkehrte, um im Jahr des Chaos‘, der Spaltung und der Kriege auf der Februarwelle mitzuschwimmen.
+ Am 19. Mai fachten starke Winde Brände im Gebiet der Gemeinde Tazerbo an, denen große Palmenplantagen zum Opfer fielen.
+ Erneut brachen am 19. Mai in Häusern
der Gemeinde al-Asabia Brände unbekannter
Ursache aus.
Die Dabaiba-‚Regierung’ habe immer noch nicht darüber informiert,
zu welchen Ergebnissen wissenschaftliche Untersuchungen über den Grund
der Feuerausbrüche gekommen sind. Von den Bränden sind etwa neunzig
Familien betroffen, die bis jetzt keine Entschädigungen erhalten
haben. Im Jahr 2026 stieg die Zahl der
betroffenen Häuser auf 65.
Seit 2025 kommt es in der Stadt immer wieder zu Brandausbrüchen
mit erheblichen Sachschäden, vereinzelt auch zu Rauchvergiftungen.
Die Löscharbeiten werden durch Eigeninitiative der Anwohner
durchgeführt, wobei nur ein Feuerwehrfahrzeug einsatzbereit ist.
+ Amer
asch-Schuhub, Bürgermeister von Brak asch-Schati: Die Gebiete
des Wadi asch-Schati litten in der vergangenen Woche mehrere Tage unter vollständigen
Stromausfällen aufgrund von Kabelschäden.
Das Gebiet leidet auch unter maroder Infrastruktur, zusätzlich zum Zusammenbruch
des Abwassersystems in bestimmten Stadtteilen.
+ LibyaPress: Inmitten eines Wohnviertels in der Region Tamsa al-Chaab explodierte ein Stromtransformator.
Der Staatsanwalt ordnet immer noch regelmäßig eine hohe Anzahl von Verhaftungen aufgrund von Korruption, Fälschungen von Identitätsnachweisen, Gewalttaten und weiteren kriminellen Handlungen an. Auch weil diese Anordnungen nicht immer zu Festnahmen führen, wird auf die Aufführung der Einzelfälle verzichtet.
Wirtschaft / Finanzen
+ Gericht Süd-Tripolis: Die Umstrukturierung des Vorstands der Libya Africa Investment Portfolio im Jahr 2024 war unrechtmäßig und ist daher ungültig.
+ Verwaltungskontrollbehörde:
Die Wirtschaft leidet unter erhöhten öffentlichen Ausgaben
und einer schwachen Diversifizierung der Einnahmen, was in den meisten
Jahren zu einer Erhöhung der Haushaltsdefizits durch die Zentralbank
führte. Die Staatsverschuldung überstieg 270 Milliarden Dinar.
Die öffentlichen Ausgaben haben in den letzten Jahren einen großen
Sprung von über 85 Milliarden Dinar verzeichnet und sind auf etwa 137
Milliarden Dinar im Jahr 2025 gestiegen.
Die Besorgnis über die Finanzstabilität des Landes angesichts steigender
öffentlicher Ausgaben, anhaltender Haushaltsdefizite und anhaltender
Abhängigkeit von der Finanzierung durch die Zentralbank wächst.
Libyen verzeichnete in vier von fünf Jahren ein Devisendefizit von
mehr als 20 Milliarden US-Dollar.
Die Verbreitung gefälschter und schlechter Medikamente ohne wirksame Kontrolle
bedrohe das Leben von Patienten.
+ Abdullah Gaderboh (Leiter des Verwaltungskontrollamtes): Die öffentlichen Ausgaben sind seit 2011 auf eine erschreckende Höhe angewachsen und dies zu einer Zeit, in der die Libyer nach vielen Jahren politischer Übergänge und aufeinanderfolgender Krisen ein stabileres und würdevolleres Leben anstreben.
+ Mohammed
al-Mazuqi (Kandidat für Präsidentenamt einer Einheitsregierung): Der Bericht
des Verwaltungskontrollamts über die öffentlichen Ausgaben und das Devisendefizit
offenbart das Ausmaß der wirtschaftlichen und administrativen Katastrophe,
die Libyen in eine gefährliche Phase führt, den Staat und
die Zukunft der kommenden Generationen bedroht.
Die Erhebung einer Devisensteuer bestätigt, dass der libysche Bürger allein
die Rechnung für das Versagen zahlt, während die Netzwerke der
Korruption und die parallelen Ausgaben ohne wirkliche Aufsicht oder radikale
Reform fortbestehen.
„Das libysche Volk verdient eine starke, vereinte nationale Regierung,
die das Interesse des Vaterlandes über die eigenen Interessen stellt.“
Die Kleptokraten plünderten Libyen systematisch aus, sie gieren
auch nach den eingefrorenen libyschen Geldern in den Banken der Welt,
und wollten sich die ausländischen Investitionen aus der Ära von Muammar
al-Gaddafi aneignen.
Die erschreckend hohen Ausgaben in Billionenhöhe versetzen alle in Panik,
nicht nur wegen der Sorge um die Zukunft der libyschen Wirtschaft.
+ Dschribril al-Ubaydi: Libyen belegt unter 180 Ländern im Jahr 2024 den 173. Platz im globalen Korruptionsindex. Die Verschwendung öffentlicher Gelder und die massiven Ausgaben seit 2011 könnte erklären, was Ghassan Salamé meinte, als er sagte, dass „jeden Tag ein neuer Millionär in Libyen entsteht“.
+ As-Sadiq al-Gharyani
(Mufti in Tripolis und Muslimbruder): Die Korruption im Finanzwesen bedroht
Libyen wie ein unheilbarer Krebs.
Der Bericht der Vereinten Nationen sei fair und neutral und stehe den
Eliten feindlich gegenüber.
Die NOC sei ein Hort der Korruption; Personen exportierten Öl
außerhalb der NOC über Arkano und andere Unternehmen.
Erdöl / Erdgas
+ Nasser Ammar (Kommandeur der Unterstützungskräfte Operation Vulkan des Zorns): Die angebliche Anordnung zur Aufhebung des Arkano-Abkommens ist die Tinte nicht wert, mit der sie geschrieben wurde, sondern eine bloße propagandistische Botschaft zur Beschwichtigung der Bevölkerung. Das Unternehmen wird trotzdem im Verborgenen weiterarbeiten.
+ Africa
Intelligence: Geheime Partner in Libyen helfen der nigerianischen
Firma Oando dabei, eine Öllizenz in Libyen zu erhalten.
Achmed Maitiq ist einer der diskretesten Partner und pflegt ein Netzwerk
von Beziehungen, das sein Vater Omar Maitiq in ihrer Heimatstadt Misrata
aufgebaut hat. Gemäß geheimer Vereinbarung erhielt das nigerianische
Unternehmen die Lizenz im Murzuk-Becken.
+ Mahdi Abd al-Ati (Politaktivist/Misrata) forderte die vollständige Offenlegung der Korruptionsfälle im Ölsektor: von den Erhöhungen und den Vorfällen bei der Gulf Oil Company und der Rotation der Mitarbeiter im Akakus und der Manager, sowie von den Ölladungen, die auf dem Schwarzmarkt verkauft werden.
UN-Mission
+ Abduldschalil
asch-Schausch, Mitglied des Mini-Dialogs 4plus4 für die
Dabaiba-‚Regierung‘: Das Treffen des Mini-Dialogs war positiv. Es
wurde ein allgemeiner Rahmen für den Wahlprozess vereinbart, mit
dem Ziel, eine Einigung hinsichtlich der Wahlen zu erzielen.
Das nächste Treffen wird am 2. Juni in Tunesien stattfinden, um
das Gesetz zur Wahl des Präsidenten und des Parlaments zu besprechen,
ein weiteres Treffen ist in Sirte geplant.
Die Wahlgesetze werden an die Kammern des Parlaments und des
Staatsrats zur Annahme überwiesen, mit Alternativen im Falle
einer Ablehnung.
+ Al-Araby al-Dschadid: Das
Treffen des Mini-Dialogs 4plus4 in Tunesien hat den ersten Durchbruch
bei den strittigen Fragen im Zusammenhang mit den Wahlgesetzen erzielt.
Es wurde das Verfahren für die Parlamentswahlen vom Verfahren der
Präsidentschaftswahlen getrennt, letztere sollen erst bei der nächsten
Sitzung diskutiert werden.
Die Teilnehmer betonten ihre Bereitschaft, jede Person,
die der Generalstaatsanwalt zum Präsidenten der Wahlkommission ernennt,
zu akzeptieren.
+ Idris Bufayed (Staatsrat),: Das bisherige Ausbleiben einer Einigung beim Mini-Dialog 4plus4 deutet auf eine neue Blockade des UN-Wegs hin. Dies könnte bedeuten, dass direkt zur Umsetzung der Boulos-Initiative übergegangen wird.
+ As-Senusi Ismail
(Staatsrat): Die Durchführung allein von Parlamentswahlen wird die Krise
nicht lösen, sondern den aktuellen Zustand zementieren. Es würde ein
Parlament in Bengasi und Scheichs in Tripolis geben, und die Spaltung
würde zementiert werden.
Die Dabaiba-‚Regierung‘ dränge auf Parlamentswahlen, um ihre Fortexistenz
zu sichern oder einen Deal mit Boulos sicherzustellen. Dies würde
bedeuten, die Macht zu teilen und die Spaltung fortzusetzen.
Libyen könne keine Einheit sein, ohne einen vom Volk
gewählten Präsidenten. Selbst wenn ein Präsident durch das Parlament
bestimmt werden würde, wäre er aus der Spaltung hervorgegangen – im
Gegensatz zur direkten Wahl des Präsidenten durch das Volk.
Khaled al-Hischri vor dem IStGH
+ Die Verhandlung
gegen Khalid al-Hischri fand ab dem 19. Mai 2026 vor dem Internationalen
Strafgerichtshof in Den Haag statt. Al-Hischri wird beschuldigt,
im Mitiga-Gefängnis (Tripolsi) in der Zeit von 2014 und 2020
Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen an Libyern,
Migranten und Asylsuchenden begangen, angeordnet und beaufsichtigt zu
haben.
38 Menschenrechtsorganisationen in einer gemeinsamen Erklärung: Die Verhandlung
im Fall von Khalid al-Hischri stellt einen wichtigen Schritt dar,
der die Opfer des berüchtigten Mitiga-Gefängnisses in Tripolis der
Gerechtigkeit näherbringt.
Weitere Verantwortliche im Mitiga-Gefängnis müssten ebenfalls vor
Gericht gestellt werden, da sie Komplizen bei diesen Verbrechen waren.
Die schweren Verbrechen, wie sie al-Hischri angelastet werden, werden weiterhin
im Mitiga-Gefängnis sowie in verschiedenen Teilen von Libyen begangen;
das Mitiga-Gefängnis sei lediglich ein Teil eines umfassenderen
Systems, in dem Zivilisten, politische Oppositionelle,
Menschenrechtsverteidiger, Migranten, Flüchtlinge, Asylsuchende und andere willkürlicher
Haft, Folter, erzwungenem Verschwinden, geschlechtsspezifischer Gewalt,
Versklavung, Zwangsarbeit, Erpressung und Mord ausgesetzt sind.
+ As-Sadiq al-Gharyani (Mufti von Tripolis und Moslembruder) erklärte es als zulässig, Libyer wegen Verbrechen vor nicht-muslimische Gerichte zu stellen. Es handle sich dabei um eine Verwaltungsanordnung.
+ Ali al-Asbali
(Organisation zur Überwachung von Straftaten in Libyen): Der Milizionär
Khalid al-Hischri ist nichts weiter als eine einzelne Person innerhalb
eines weitreichenden Systems aus Gräueltaten und Repression, das sich weiterhin
mit Waffen und Einfluss schützt und sich in Libyen hinter der Straffreiheit
versteckt.
Die Botschaft lautet, dass viele der Täter in Libyen befürchten
müssen, eines Tages selbst vor dem Gericht zu stehen.
+ Nozha Shamim (stellvertretende
Generalanwältin des IStGH): In Zusammenhang mit Libyen sind neun
weitere Haftbefehle in Kraft. Es geht dabei um Verbrechen, die im
Zeitraum zwischen 2014 und 2020 in Libyen begangen wurden.
Die Bemühungen, Täter für Verbrechen, die in Haftanstalten im Westen
und Osten Libyens begangen wurden, zur Rechenschaft zu ziehen,
werden ausgeweitet.
Tatverdächtige, die sich derzeit in Libyen aufhalten, müssten festgenommen
werden.
+ Russlands
Vertreterin im UN-Sicherheitsrat kritisierte den IStGH: Der IStGH
hat zur Zerstörung des libyschen Staates beigetragen, einen Vorwand
für den Angriff der NATO geliefert und die verbrecherischen Morde an
Muammar al-Gaddafi und seinem Sohn Saif al-Islam ignoriert.
Die Anklagen und Haftbefehle, die gegen libysche Führer erlassen
wurden, endeten alle mit deren Tod.
Es sei erstaunlich, dass die einzige Person, die vom IStGH verhaftet
wurde, nichts mit den Ereignissen von 2011 zu tun hat.
Zunächst wurde Muammar al-Gaddafi vor den Augen der internationalen
Gemeinschaft ins Visier genommen, und kürzlich wurde sein Sohn Saif
al-Islam getötet. Deren Akten wurden daraufhin geschlossen, ohne
dass die Aufklärung der Verbrechen gefordert wird. Dies lasse den Schluss
zu, dass der IStGH als „Hinrichtungsgericht“ agiere.
Das Gericht habe die Verbrechen der NATO-Staaten während der Ereignisse von
2011 nie interessiert. Es stelle sich die Frage, ob diese Staaten eine
dauerhafte Immunität vor dem IStGH genießen.
„Was hat dieses Gericht dem libyschen Volk gebracht? Der von dem NATO-Angriff
ausgelöste Bürgerkrieg dauert seit Jahren an, Tausende Zivilisten kamen
ums Leben und das Land bleibt gespalten.“
„Wir fordern den Sicherheitsrat auf, anzuerkennen, dass die
Maßnahmen des IStGH in Libyen nicht erfolgreich waren, und
verlangen von ihm, die libysche Akte zurückzuziehen, damit die libyschen
Strafverfolgungsbehörden diese Aufgabe selbst übernehmen können.“
Libyen und das Ausland
+ Frankreich. Euronews:
Libyen fordert vom ehemaligen französischen Präsidenten Nicolas
Sarkozy und weiteren angeklagten ehemaligen Amtsträgern, darunter
die beiden ehemaligen Innenminister Brice Hortefeux und Claude Guéant, Schadenersatz
in Höhe von zehn Millionen Euro. Dieses Geld wurde Sarkozy für
seinen Wahlkampf 2007 von Libyen zur Verfügung gestellt. Bereits Saif
al-Islam al-Gaddafi hatte 2011 die Rückzahlung des Betrags gefordert.
Die Staatsanwaltschaft
forderte die Richter auf, Sarkozy aller Anklagepunkte für schuldig
zu befinden, einschließlich Korruption und illegaler Finanzierung seines
Präsidentschaftswahlkampfs von 2007. Sarkozy saß bereits zwanzig Tage
im Gefängnis, bevor er unter Auflagen freigelassen wurde, bis über
seinen Berufungsantrag entschieden wird. Das Urteil wird
voraussichtlich am 30. November verkündet. Sollte er verurteilt
werden, wäre seine letzte Möglichkeit, Einspruch vor dem höchsten
Gericht Frankreichs, dem Cour de Cassation, einzulegen.
+ VAE: Die emiratische Fluggesellschaft flydubai kündigte an, dreimal wöchentlich Bengasi anfliegen zu wollen.
Rückblick
+The Namibia:
Muammar al-Gaddafi war ein Mann mit einer Vision und tiefgreifendem
Verständnis. Er erkannte dank seines umfassenden afrikanischen Gespürs
die Wahrheit: Die Zersplitterung Afrikas war kein Zufall, sondern folgte
der kolonialen Logik der schwachen Währungen, geteilten Märkte, abhängigen
Armeen und von außen beeinflussten Institutionen.
Die Erinnerung an Muammar al-Gaddafi muss gegenwärtig sein, wenn
von Afrika die Rede ist, das allzu oft zulässt, dass ausländische
Präsenz in Ausbeutung umschlägt.
Gaddafis Unterstützung für afrikanische Einheit, finanzielle
Unabhängigkeit und kontinentale Koordination stellte die Weltordnung
infrage, die vom afrikanischen Zwiespalt profitiert.
Die Souveränität von Staaten ist nicht nur eine Flagge oder eine
Nationalhymne oder Grenzen oder ein Sitz bei den Vereinten Nationen, sondern
wahre Souveränität erfordert Ordnung. Das Land muss sich ernähren
können, sich selbst verteidigen, sein Volk bilden, seine Ressourcen
verwalten, Korruption eindämmen, Verträge umsetzen, Infrastruktur
aufbauen, klug verhandeln – und ohne Ordnung wird Souveränität zur Farce.
Aus den Nachbarstaaten
+ Ägypten. Hisham Badawi,
Präsident des ägyptischen Schura-Rats: Die Sicherheit und Stabilität Libyens
stellen einen authentischen Pfeiler der nationalen ägyptischen Sicherheit dar.
Ägypten werde weiterhin die Einheit des libyschen Staates sowie seine
Souveränität und nationalen Institutionen unterstützen. Ägypten verfolge eine
feste Position, die auf der Unterstützung des libyschen Nationalstaats, dem
Schutz seiner legitimen und verfassungsrechtlichen Institutionen sowie der
Förderung diplomatischer und politischer Lösungen auf rein libyschem Weg und mit
unabhängigem nationalem Willen basiert, ohne jegliche ausländische
Intervention, die den Prozess der Einigung behindert.
+ Ägypten. Agila Saleh:
Die Trennung von Libyen und Ägypten war Teil eines strategischen Kolonialplans,
der darauf abzielte, die arabische Region zu schwächen und ihre Einheit zu
zerstören.
Ägypten spielte eine zentrale Rolle bei der Unterstützung der libyschen Sache
seit den Zeiten der Besatzung und der Kolonialherrschaft.
Das libysche Volk werde Ägyptens unterstützende Positionen gegenüber seinem
Land in den verschiedenen Phasen und Krisen, die Libyen durchlaufen hat,
niemals vergessen.
+ Ägypten/Algerien/Tunesien. Der ägyptische Präsident Abd al-Fattah as-Sisi besprach in Kairo am 20. Mai mit den Außenministern von Algerien und Tunesien, Ahmad Attaf und Muhammad Ali an-Nafti, die Entwicklungen in Libyen.
A. Gutsche
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