Kurznachrichten Libyen – 08. bis 14. Oktober 2026
Starke Regenfälle führen zu schweren Überschwemmungen in Tripolis / Lehrkräfte und medizinisches Personal streiken weiter – Rentnerproteste schließen sich an / Musa al-Koni und Türkei gratulieren neu eingesetzten Parlamentspräsidenten Abdul Nabi / Staatsrat lehnt 4plus4-Abkommen und Ernennung von Abdul Nabi ab / Nabis parlamentarische Gegner wollen Sitzung in Tripolis abhalten / Mufti al-Gharyani fordert Krieg, sollte Saddam Haftar an die Macht kommen / Rechtmäßigkeit der Ernennung von Abdul Nabis zum Parlamentspräsidenten umstritten / Mitglieder der Sabotagezelle werden von Dabaiba-‚Regierung‘ statt an die Staatsanwaltschaft an Bengasi übergeben / Tagung des UN-Sicherheitsrats zu Libyen / Israel plant Zusammenarbeit mit Saddam Haftar / Verhaftungen wegen Fälschung von Identitätsnachweisen im großen Stil – ermittelnde Staatsanwälte werden von oberer Stelle versetzt / Libyen unter den weltweit fünf korruptesten Ländern / Differenzen bei Angabe der Höhe der Öleinnahmen zwischen Zentralbank und NOC / Kleinhändler befürchten, vom Markt verdrängt zu werden / Ibrahim Dabaiba und Saddam Haftar: laut UN-Bericht zentrale Figuren des Treibstoffschmuggels / Libyen will Israel vor IGH wegen Abschuss eines libyschen Passagierflugzeugs im Jahr 1973 mit 108 Toten verklagen
Schwere Unwetter und Überschwemmungen
+ LibyaPress:
Am 13. Oktober werden in Tripolis aufgrund heftiger Regenfälle
starke Überschwemmungen gemeldet. So standen die Gebäude der Fachhochschule
für Elektrotechnik sowie das umliegende Gelände und der Campus
unter Wasser.
Und dies, obwohl im Zeitraum von Januar bis August 2026 mehr als neun
Millionen LD im Rahmen eines Stadtentwicklungsprogramms ausgegeben
wurden. (Fotos)
LibyaPress:
In etlichen Stadtvierteln von Tripolis kam es zu starken Überschwemmungen.
Die Universität setzte die Lehrveranstaltungen aus.
(Fotos)
+ Gesundheitsdienste
Tripolis: Die Gebäude der Gesundheitseinrichtungen in Tripolis
sind in einem baufälligen Zustand, so dass bei den starken
Regenfällen die Sicherheit des Personals und der Patienten
gefährdet ist.
Dies sei ein Alarmsignal. Die Instandhaltung der Gebäude sei zu beschleunigen,
Mängel zu beheben und ein sicheres Arbeitsumfeld zu
schaffen. (Fotos)
+ LibyaPress:
Die Flure des Tripolis-Krankenhauses stehen unter Wasser.
Mitarbeiter konnten das Gebäude nicht mehr verlassen. Ihre Evakuierung müsse
gewährleistet werden.
Auch die Militärstaatsanwaltschaft von Tripolis sei wie andere offizielle
Gebäude überschwemmt (Fotos), ebneso wie Behandlungszimmer und Büros
von Gesundheitseinrichtungen in Tripolis. Fotos
bezeugen die durch die Regenfälle entstandenen Schäden.
+ LibyaPress:
Die Straßen von Tripolis und auch der zentrale Märtyrerplatz sind
überflutet. Wasser drang in das Libysche Nationalmuseum
ein, ebenso in die an-Nahr-Sportstätten, deren Instandhaltung
mehr als 400 Millionen Dinar kostete.
In einigen Gebieten musste aufgrund der Überschwemmungen der Strom
abgeschaltet werden. (Fotos) – Video
+ LibyaPress: Das Libysche Rote Kreuz war in Tripolis in mehreren Stadtteilen rund um die Uhr im Einsatz, um gestrandeten Personen und Familien zu helfen sowie feststeckende Fahrzeuge zu befreien.
+ Sozialrat Suk
al-Dschumaa und die vier Bezirke: Die Fortsetzung des derzeitigen
Kurses durch die Dabaiba-‚Regierung‘ ist nicht mehr hinnehmbar.
Ihr Rücktritt sei eine Notwendigkeit zum Wohle des Landes. Es fehlte
an Ideen, an Planung und an einer Prioritätensetzung.
Die Durchführung von Projekten ohne umfassende technische
Studien und ohne solide städtebauliche und ingenieurtechnische
Planung führe zu neuen Problemen und vervielfache die Kosten
für Bürger und Staat.
Verkehrsstaus, Überschwemmungen und Schäden erforderten
eine umfassende Überprüfung der Regierungspolitik und eine Rechenschaftspflicht
bezüglich ihrer Versäumnisse.
Suk al-Dschumaa:
Die Regierung trägt die Verantwortung für die Überschwemmungen
und den schlechten Zustand der Infrastruktur.
Die Überschwemmungen offenbarten das Ausmaß der Mängel bei Planung
und Umsetzung sowie das Fehlen grundlegender Lösungen für die Infrastrukturprobleme
und seien das Ergebnis jahrelanger Vernachlässigung und provisorischer
Lösungen.
Es fehle ein integriertes Regenwasserableitungssystem.
Streiks und Proteste
+ Die Gewerkschaft der
Rentner in der Gemeinde al-Asabia forderte anlässlich des Nationalen
Tages der Rentner die Erhöhung der Renten in einem Umfang, der
den wirtschaftlichen Veränderungen entspricht und ein Leben in Würde
für die Rentner und ihre Familien gewährleistet.
Die Rentner stünden vor schwierigen Lebensbedingungen aufgrund
des Anstiegs der Lebenshaltungskosten und des Rückgangs der Kaufkraft
der Renten.
Die Krankenkassenleistungen müssten verbessert und die medizinische
Versorgung sichergestellt werden. Für Senioren und Rentner
mit kleinem Einkommen sollten Sozialunterstützungsprogramme aufgelegt
werden.
„Wir bekräftigen erneut unseren Anspruch auf unsere Rechte,
denn die Würde des Rentners ist untrennbar mit der Würde der
Nation verbunden.“
+ Achmed Senussi
(Wirtschaftsjournalist): Der libysche Arzt erhält 2.000 Libysche Dinar
(etwa 270 Euro), während der ausländische Arzt, insbesondere der aus Bangladesch,
besser bezahlt wird. Abdul Hamid Dabaiba trägt Socken
der Marke Loro Piana, die 150 Euro kosten.
Es werde behauptet, Ärzte und Lehrer seien für den Zusammenbruch des
Dinars verantwortlich, obwohl sie Gehälter beziehen, die dem Preis
der Socken von Dabaiba entsprechen.
Während die Schulen in Libyen verkommen, eröffnet Dabaiba in
Großbritannien drei neue Schulen, speziell in Manchester. Er macht
es auch möglich, dass das Tadschura-Institut auf Malta, an dem 14 (!)
Personen studieren, ein höheres Budget als die Universität
Tripolis erhält.
Lehrerstreik
+ Allgemeine
Lehrergewerkschaft: Es wird wieder gestreikt und der Unterricht
ausgesetzt.
Die in den Gehaltstabellen vorgesehenen Gehaltserhöhungen seien angesichts
der hohen Preise nicht angemessen.
Eine vorangegangene Einigung sei ohne Zustimmung getroffen
worden.
+ Die Bildungsaufsichtsbehörde in Ain Zara wurde am 8. Oktober durch Demonstranten geschlossen. Die Protestaktionen und der Streik des Lehrpersonals werde fortgesetzt.
+ Der Vorsitzende der Lehrergewerkschaft in Bengasi, Mohammed al-Dschahawi, drohte mit der Aussetzung des Unterrichts, falls die Forderungen der Lehrer nicht erfüllt werden: Das Ausbleiben einer Reaktion könne zum Generalstreik führen.
+ Lehrer aus Tobruk
und Derna erklärten am 10. Oktober, dass sie ihren Streik fortsetzen
und den Unterricht aussetzen werden, bis ihre Forderungen erfüllt
sind.
Versuche, die Lehrerschaft zu spalten, werden verurteilt.
Die Angebote der Behörden seien nicht weitreichend genug.
+ Die Lehrer der Gemeinde Maslata kündigten die Fortsetzung ihres Streiks und die Schließung der Schulaufsichtsbehörde an – bis ihre Forderungen erfüllt sind.
+ Die Lehrergewerkschaften
von Bengasi, Tripolis (Zentrum und Zentralregion) sowie az-Zawiya
(West) bekundeten jeweils ihre Unterstützung für die Rechte der
Lehrkräfte sowie die Fortsetzung des Generalstreiks und die
Schließung aller Schulen.
Es bedürfe konkreter Maßnahmen zur Umsetzung der Forderungen.
Veröffentlichungen von Fotos, die eine Wiederaufnahme des Schulbetriebs
suggerieren, verfälschten die Tatsachen.
+ Das Innenministerium drohte bei einer weiteren Störung des Bildungswesens im Rahmen der Lehrerkampagne mit rechtlichen und sicherheitstechnischen Maßnahmen.
+ Die Lehrergewerkschaft ließ sich durch die Drohungen nicht einschüchtern und kündigte an, den Unterrichtsstopp und die Streiks in den Bildungsgremien der Gemeinden fortzusetzen.
+ Die Lehrer von al-Andalus (Tripolis) setzten ihren Protest fort und kündigten die Aussetzung des Unterrichts an – bis ihre Forderungen erfüllt sind. (Fotos)
+ Die Lehrkräfte
der Gemeinde Gasr al-Akhaiyar erklärten, dass die Bildungseinrichtungen
so lange geschlossen bleiben, bis die Forderungen der Lehrkräfte
erfüllt sind.
Der Wille der Gewerkschaftsbasis müsse akzeptiert werden.
+ Die Lehrkräfte der
Gemeinden Bani Walid, Sabrata, Dschanzur, al-Chums, al-Adschilat,
az-Zawiya und al-Dschanub setzten ihren Protest fort.
In az-Zawiya und Gasr Bin Ghaschir haben die Bildungsaufsichtsstellen
in den Gemeinden geschlossen.
+ Die Allgemeine
Lehrergewerkschaft weigert sich, dem Gesetz bezüglich der Auszahlung
der Differenzbeträge von 2023 zuzustimmen und hält am Gesetz von
2018 fest.
Abdul Nabi (neu eingesetzter Parlamentspräsident) hatte das Finanzministerium
aufgefordert, die Gehaltsdifferenzen gemäß dem Gesetz aus dem Jahr 2023
auszuzahlen.
+ Lehrkräfte in mehreren Gemeinden
und Regionen setzten am 12. Oktober ihren Protest fort,
nachdem sie einen Streik ausriefen und den Unterricht aussetzten.
Die Lehrerbewegung al-Asabia kündigte die Schließung der
Schulaufsichtsbehörde an, und die Lehrergewerkschaft von Gaminis
kündigte die Fortsetzung des umfassenden Streiks mit Aussetzung des
Unterrichts an öffentlichen und privaten Schulen an; desgleichen
verkündeten die Lehrer der Gemeinde ad-Daradsch, az-Zawiya und Abu
Salim.
Die Gewerkschaft für Schulaufsicht und pädagogische Beratung im
westlichen as-Sahl erklärte, dass sie an ihrer Entscheidung festhalte,
die Arbeit auszusetzen, bis den Forderungen der Schulaufsichtsbeamten
tatsächlich entsprochen werde. (Fotos)
+ Die Lehrergewerkschaft von Misrata forderte den Parlamentspräsidenten auf, die Maßnahmen der Verwaltungsaufsichtsbehörde gegen Lehrer und Schulen, die sich am Streik zur Durchsetzung ihrer Rechte beteiligen, zu stoppen.
+ Auch am 14. Oktober versammelten sich Mitglieder der Lehrergewerkschaft von Tarhuna und bekräftigen, ihren Streik fortzusetzen. Ihre Frage lautete: „Wo sind die Milliarden meines Landes?“
Streik im Gesundheitssektor
+ Die Vereinigung Harak
des Gesundheitssektors blockierte den Sitz der
Ärztegewerkschaft in Tripolis aus Protest gegen die Verfolgung,
Einschüchterung und den Erlass willkürlicher Haftbefehle
gegen medizinisches Personal.
Gefordert wurden transparente und glaubwürdige Gewerkschaftswahlen.
Es werde nicht akzeptiert, dass die Ärztegewerkschaft zum Privateigentum
des Gesundheitsministers mutiert, stattdessen müsse sie eine gewählte,
unabhängige und vereinte Vertretung aller Ärzte der Bewegung sein.
+ Die Gewerkschaft der Gesundheitsbewegung forderte die Ärzte von Tripolis, Zliten und der gesamten westlichen Region dazu auf, bei einer Kundgebung am 10. Oktober die Freilassung der vor fünf Tagen inhaftierten Ärzte zu fordern.
+ Der Verband der
Gesundheitsbewegung verurteilte die Inhaftierung von zwei
Ärztinnen, einem Arzt und einer Krankenschwester.
„Die Würde der Ärzte ist eine rote Linie, die Würde der
libyschen Frau darf niemals angegriffen werden, und die Vorherrschaft
des Rechts sowie der Respekt vor der Menschenwürde bilden die Grundlage
der Gerechtigkeit.“
+ Bewohner der
Gemeinde Ain Zara: Im Gesundheitszentrum des Stadtteils al-Badri
herrschen Misswirtschaft und es kommt zu Übergriffe gegen das medizinische
und das Verwaltungspersonal. Mitarbeiter würden beleidigt und gedemütigt.
Die zuständigen Stellen müssten unverzüglich eingreifen, den Direktor
des Gesundheitszentrums al-Badri entlassen und einen neuen Leiter einsetzen.
Spaltung des Parlaments
Bei einer umstrittenen Parlamentssitzung war vergangene Woche Agila Saleh als Parlamentspräsident abgesetzt und auf Druck von Saddam Haftar durch as-Salhin Abdul Nabi ersetzt worden.
+ Präsidialratsmitglied Musa al-Koni traf sich am 11. Oktober mit Abdul Nabi am Parlamentssitz in Bengasi und gratulierte ihm zur Wahl zum Parlamentspräsidenten. Dabei anwesend waren Musba Duma sowie einige Mitglieder des Parlaments und des Staatsrats. (Fotos) [Musa al-Koni unterstützt Saddam Haftar.]
+ Präsidialratsmitglied Musa al-Koni
lehnte die Einladung des Präsidialratsvoristzenden al-Menfi
zur Teilnahme an einer Sitzung des Präsidialrats ab und forderte
al-Menfi auf, die neue Parlamentspräsidentschaft anzuerkennen.
[Al-Menfi müsste dem Boulos-Plan entsprechend seinen Posten für Saddam
Haftar räumen.]
+ Musa al-Koni plädierte für Änderungen beim Präsidialrat, da er zu einem Fremdkörper geworden sei, der unbedingt an der Macht bleiben will, ohne zur Lösung der Krise beizutragen.
+ As-Salhin Abdul Nabi entließ als erste Amtshandlung als Parlamentsprädient den politischen Berater von Agila Saleh, Hamid as-Safi, als Leiter des Libyschen Medienzentrums für strategische Studien und Beratung in Kairo, und ernanne an seiner Stelle Abdullah Blihaq.
+ Die Zentralbank erteilte den Banken die Anweisung, nach einem Beschluss von Abdul Nabi alle Konten des libyschen Medienzentrums für strategische Studien und Beratung in Kairo zu sperren.
+ Anas az-Zaidani (Politaktivist): Abdul Nabi bestellte die Mitglieder zu einer Sitzung ein, um das mit der Türkei geschlossene maritime Seegrenzenabkommen vorzustellen. Es soll darüber abgestimmt und angenommen werden.
+ Der türkische Parlamentspräsident Numan Kurtulmuş gratulierte as-Salhin Abdul Nabi zu seiner Wahl als Vorsitzenden des libyschen Parlaments und drückte seine Hoffnung auf stärkere Beziehungen zwischen den beiden Ländern und eine engere parlamentarische Zusammenarbeit aus.
+ Takala
richtete einen Brief an die UN-Sonderbeauftragte Hannah Tetteh, in dem
er das 4plus4-Abkommen und die diesbezüglichen Gesetze der
Abgeordneten ausdrücklich ablehnt, insbesondere die zur Umstrukturierung
der Wahlkommission erlassenen Beschlüsse.
+ Der Staatsratsvorsitzende Mohammed Takala
empfing mehrere Parlamentarier, angeführt von Ali Abu Zriba aus az-Zawiya,
die ebenso wie der Staatsrat Abdul Nabi nicht als neuen Parlamentsvorsitzenden
anerkennen, und die Abhaltung einer Parlamentssitzung in Tripolis
planen.
+ LibyaPress:
Das Gericht von az-Zawiya erklärte die Sitzung des Parlaments in Bengasi
für nichtig, in der die Geschäftsordnung geändert und as-Salhin
Abdul Nabi als Nachfolger von Agila Saleh eingesetzt wurde, sowie alle
daraus resultierenden Maßnahmen in der zweiten Sitzung. Es habe sich
dabei nur um eine inoffizielle Sitzung gehandelt.
Daraufhin schloss die Deterrence Force einen Sitz des
Parlaments in Tripolis (im Staddteil Zawiyat ad-Dahmani), nachdem
der erste stellvertretende Vorsitzende des neuen Parlaments, Tariq
al-Aschter az-Zintani, in Tripolis eingetroffen war, um dort eine
Parlamentssitzung abzuhalten. Mit der Abhaltung einer Sitzung in
Tripolis von Unterstützern von an-Nabi sollte es der Fraktion um
den Abgeordneten Ali Abu Zriba, die Agila Saleh unterstützen, unmöglich gemacht
werden, ebenfalls eine Parlamentssitzung in Tripolis abzuhalten.
Die Abgeordneten um Ali Abu Zriba lehnen die Kontrolle des
Militärs über das Parlament und dessen Beschlüsse ab und beabsichtigen, in Tripolis
ein paralleles Parlament auszurufen, das bei seinen Entscheidungen
völlige Freiheit genießt. Die Abgeordneten, die Abdul an-Nabi
unterstützen, wurden als korrupt bezeichnet.
Der Sitz des
Parlaments in Tripolis werde nach Abschluss des neuen Wahlprozesses wiedereröffnet.
+ Fotos belegen die Schließung
des Parlamentssitzes in Tripolis. Die Deterrence Force habe sich
anschließend zurückgezogen und das Gebäude an den Stability
Apparatus übergeben.
+ Staatsrat
(Stellungnahme): Der Staatsrat verwehrte sich gegen die Darstellung
von Hannah Tetteh, wonach seine Haltung zum 4plus4-Abkommen
auf einer mangelnden Bereitschaft zur Beteiligung am politischen Prozess
beruht. Er betonte: Der Streit betrifft die verfassungsrechtliche Rechtmäßigkeit
des Vorgehens.
Es bestehe weiterhin die Notwendigkeit, den Austausch und
die Treffen zwischen den Fraktionen beider Kammern fortzusetzen,
um die erforderlichen Änderungen abzuschließen.
„Wir erinnern daran, dass die Aufgabe der UN-Mission darin besteht, den Konsens
unter den Libyern zu erleichtern, nicht darin, die Positionen
ihrer Institutionen zu interpretieren oder politischen Druck auf sie
auszuüben.“
Es werde am Dialog festgehalten und man wolle für freie und faire
Wahlen arbeiten, die die Übergangsphasen beenden, auf Basis eines
klaren rechtlichen Rahmens und eines echten Konsenses.
+ Sadiq
al-Gharyani (Mufti von Tripolis und Moslembruder): Was derzeit in Bengasi
geschieht, wird in Tripolis genauso und in noch stärkerem
Maße geschehen, sollte Khalifa Haftars Sohn an die Macht kommen.
Die USA träumten davon, mit ihrem Projekt Haftars Sohn zum absoluten
Herrscher über Libyen zu machen, um das Land zu einen und die Spaltung
zu beenden.
Man werde ihm die Herrschaft über Sirte übertragen und alle Institutionen,
sogar die libysche Zentralbank, seiner Kontrolle unterstellen.
Sollte es wirklich so weit kommen und sollten es die USA wagen,
sich auf diese Weise in die libyschen Angelegenheiten einzumischen,
bleibe den Libyern keine andere Wahl als Krieg.
Denn werde es für jeden Libyer zur Pflicht, zur Selbstverteidigung
einen erbarmungslosen Krieg zu erklären, der nichts und niemanden
verschone, da es sich um eine Frage der Selbstverteidigung auf Leben und
Tod handle.
+ Ziad Daghim
(abgesetztes Parlamentsmitglied): Die Wahl von Abdul Nabi zum Parlamentspräsidenten
ist rechtswidrig.
Es sei davon auszugehen, dass das Verwaltungsgericht im Eilverfahren
alle Entscheidungen der Parlamentssitzung aussetzen und diese
anschließend für nichtig erklären wird.
Es bestehe ein Unterschied zwischen einer Sitzung und einer rechtmäßigen
Parlamentssitzung, ebenso wie zwischen einer Wahl und
einer Ernennung.
Respektiert werde nur, dass es ein Treffen zur Bildung der
parlamentarischen Fraktion Reform und Wandel in Bengasi
unter dem Vorsitz von Abdul an-Nasi gegeben hat.
Die Objektivität der UN-Mission habe nachgelassen. Sie sei vom Politischen
Abkommen und vom Fahrplan abgewichen, ja sogar von ihrem Mandat
als unterstützendes Gremium. Sie gehe selektiv vor und vertrete
die Interessen einer bestimmten ausländischen Botschaft.
+ Ziad Daghim:
Die Einberufung von Parlamentssitzungen erfordert entweder
eine Einladung durch den Parlamentspräsidenten oder durch die beiden
Vizepräsidenten gemeinsam, was in diesem Fall nicht geschehen
ist.
As-Salhin Abdul Nabi wurde zum Vorsitzenden der Fraktion Veränderung
und Reform ernannt – nicht mehr und nicht weniger.
+ Scharif al-Wafi (Präsidentschaftskandidat): Die Sitzung, bei der Agila Saleh gestürzt wurde, war illegal. Es sei eine Medienkampagne gegen Agila gestartet worden.
+ Fathi
asch-Schibli (Partei Stimme des Volkes): Die einflussreichen Kräfte
im Osten und Westen Libyens sind bestrebt, die Eskalation
weiterzutreiben und sie als Deckmantel zu nutzen, um ihre Absprachen
hinter verschlossenen Türen durchzusetzen.
Diese Kräfte seien sich bewusst, dass ihre Basis ein Bündnis
mit dem Gegner von gestern nicht so schnell akzeptieren
wird.
Dabaiba habe sich nicht eindeutig zum 4plus4-Abkommen
geäußert, da es in seinem Umfeld politische Strömungen und Milizen
gibt, die jede Annäherung an den Osten ablehnen.
Wie könne angesichts dieser Ablehnung das 4plus-Abkommen
den Weg für Führungskräfte aus dem Osten zur Übernahme
der höchsten politischen Ämter ebnen?
Der Bericht des UN-Expertengremiums machte beide Seiten
für den Öl-Export außerhalb der gesetzlichen Rahmenbedingungen verantwortlich.
+ Dschuma
al-Gamati (Partei des Wandels): Agila Saleh ging auf jede
Forderung von Khalifa Haftar und seinen Söhnen ein; er änderte
für sie Gesetze, beförderte sie und schuf sogar das Amt
des Oberbefehlshabers der Armee, das es vorher nicht gab. Auch für den von Belqasim
Haftar geleiteten Wiederaufbaufonds erließ Agila Saleh ein spezielles
Gesetz.
Allerdings stand Agila Saleh nicht vollständig hinter dem Boulos-Plan,
der auf der Vereinigung der Macht zwischen den beiden Clans basiert.
Vater Khalifa Haftar sei faktisch aus dem Geschehen heraus,
da er große gesundheitliche Probleme und zudem Konzentrationsschwierigkeiten
habe. Er ernannte seinen Sohn Saddam zu seinem Stellvertreter
und erließ kürzlich einen Befehl, der Saddam alle Aufgaben des Vaters
überträgt.
Der von Saddam Haftar durchgesetzte neue Parlamentspräsident as-Salhin Abdul
Nabi ist als „Ja, mein Herr!“ bekannt, da er alles
ausführen wird, was Saddam von ihm verlangt. Er werde den Boulos-Plan
weiter verfolgen, um sich zu Libyens Präsidenten zu machen.
Das Parlament sei nun vollständig unter der Kontrolle des Haftar-Clans.
+ As-Senussi
Basikri (Libysches Zentrums für Forschung und Entwicklung): Die Absetzung
von Agila Saleh zeigt, dass der Boulos-Plan umgesetzt werden
soll, und dass die dahinter stehenden Kräfte bereit sind, alles dafür
zu tun und jeden Gegner aus dem Weg räumen, der ihnen im Weg
steht.
Da der Einfluss des al-Abidat-Stammes nach wie vor groß ist und
der Stamm vom Militär nicht vollständig unter Kontrolle gebracht wurde,
bestand die Option darin, dass der Nachfolger von Agila als
Parlamentspräsident aus den Reihen des Abidat-Stammes kommt.
Es habe in den letzten Jahren eine Verschiebung im regionalen
Kräfteverhältnis gegeben, bei der Ägyptens Stellung sich veränderte.
Ankara sei es gelungen, die ihm zuvor von den Golfstaaten und von
Ägypten entgegengebrachte feindselige Haltung einzudämmen; es
scheint, dass Trumps Unterstützung für Erdoğan eine Auswirkung
auf die Umsetzung des Boulos-Plans hat.
Die Absetzung von Agila sei ein erster Test für den Boulos-Plan
gewesen und der wirkungsvollste Schritt, um dessen Durchsetzung
voranzutreiben.
Die wichtigste Entwicklung wird auf der politischen und sicherheitspolitischen
Bühne im westlichen Libyen stattfinden, wo am schärfsten gegen den
Boulos-Plan opponiert wird. In der westlichen Region könnten große
Umwälzungen stattfinden, um den Plan durchzusetzen.
+ The Guardian
(GB): Saddam Haftar hat wie sein Vater die Unterstützung der USA
erhalten, um deren Ziele und Ambitionen in Libyen voranzubringen.
GB sollte diesen Fehler nicht noch einmal machen, sondern eigenständig
gemäß seines Status als Mitglied des UN-Sicherheitsrats handeln.
Es gebe keinen logischen Grund, der die Unterstützung eines Mitglieds
des Haftar-Clans für eine zukünftige Rolle in Libyen rechtfertigt –
sollte das angestrebte Ziel die Durchführung demokratischer Wahlen
sein.
Das libysche Volk sehne sich nach nichts anderem als Frieden und
Sicherheit sowie nach der Möglichkeit, die enormen Reichtümer, die
seine natürlichen Ressourcen bieten, konstruktiv zur Verbesserung der
Lebensbedingungen zu nutzen.
+ Al-Arabi
al-Dschadid (Katar): Agilas Änderungen am 4plus4-Abkommen
beschleunigten die Bemühungen zu seiner Absetzung.
Agila sei der wichtigste Verhandlungsführer gewesen, der zwischen
den Hauptstädten und den Behörden hin- und herpendelte, Vereinbarungen
traf, Türen öffnete und andere schloss.
Agilas Handlungsspielraum habe es ihm all die Jahre ermöglicht, Vereinbarungen
zu blockieren, die nicht seinen Plänen und denen seines
Verbündeten Haftar entsprachen.
+ Africa Intelligence:
Saddam Haftar festigt nach dem Ausscheiden von Agila Saleh seinen
Einfluss auf das Parlament; die Legislative steht jetzt noch
stärker unter seiner Kontrolle, da Agila in einigen politischen
Fragen bisher einen gewissen Spielraum an Unabhängigkeit bewahrt hatte.
Damit habe Saddam Haftar einen großen Erfolg erzielt, da er hinter
den Kulissen die Wahl von Abdul Nabi gelenkt hat.
Nabi gehöre dem demselben Stamm an wie Agila Saleh;
darüber hinaus leite er die libysch-türkische parlamentarische Freundschaftsgruppe.
Seine Beziehungen zu Ankara seien von strategischer Bedeutung für
Saddam Haftar, der eine Eskalation mit der Türkei vermeiden wolle.
Saddam Haftar erhoffe sich die Zustimmung des Parlaments zum
maritimen Seegrenzenabkommen als zentralen Punkt der Verständigung
zwischen Bengasi und Ankara.
+ Erm News
(VAE): Die Ablehnung der 4plus4-Ergebnisse durch den Staatsrat
rückt die Zusammensetzung der Wahlkommission und die Wahlgesetze
in den Mittelpunkt des Konflikts.
Es gebe drei Optionen: Erstens: Neue Verhandlungen. Zweitens:
Umsetzung der Vereinbarungen trotz anhaltender Einwände. Drittens:
Rückkehr zu umfassenderen Vereinbarungen über das Wahlrecht und die Zusammensetzung
der Wahlkommission.
Sollte es nicht gelingen, eine Lösung zu finden, könnte dies zum Scheitern
des gesamten Prozesses rund um den 4plus4-Mini-Dialog führen
und die Libyen-Frage wieder auf den Nullpunkt zurückwerfen.
UN-Mission
+ Mohammed
al-Asadi (Sprecher UN-Mission): „Wir haben uns für eine Sitzung im kleinen
Kreis [4plus4-Minidialog] entschieden, da die Meinungsverschiedenheiten
zwischen dem Parlament und dem Staatsrat beinahe zu einer Spaltung
der Wahlkommission geführt hätten. Nun arbeite man auf eine Vereinigung
der Justiz hin.“
Der 4plus4-Ausschuss habe wichtige Einigungen erzielt, die
in der Unterzeichnung des Abkommens vom 30. August gipfelten.
Gemäß diesem Abkommen sollen die Wahlen spätestens 24 Monate nach dem Datum
der Unterzeichnung stattfinden.
+ Idris Abu Faid (Staatsrat): Was die UN-Mission unter der „Umsetzbarkeit“ der Wahlgesetze versteht, ist, dass diese vollständig auf die beiden Akteure der libyschen Politik im Osten und Westen zugeschnitten sind.
Innerlibysche Nachrichten
+ LibyaPress:
Abdul Hamid Dabaiba hielt sich zur medizinischen Behandlung in London
auf, wovon er am 13. Oktober nach Tripolis zurückkehrte, um seine
Amtsgeschäfte wieder aufzunehmen.
Dabaiba ist zuckerkrank und steht politisch zunehmend unter
Druck. Er sei gerade bemüht, dass 4plus4-Abkommen zu behindern.
+ Mustafa at-Tariqi (Staatsratsmitglied aus az-Zawiya): Die Dabaiba-‚Regierung‘ schmuggelte die Mitglieder der Terrorzelle, die für Anschläge auf die Stadt az-Zawiya verantwortlich ist, ohne Anklage aus der Stadt. Al Gegenleistung hoffe sie, bessere Bedingungen bei der Regierungszusammenführung mit Saddam Haftar zu erhalten.
+ Al-Mahdi
Abdul-Ati (Politaktivist/Misrata): Ibrahim Dabaiba wird Libyen, Tripolis
und Misrata auf einem Silbertablett an Saddam Haftar übergeben.
Die in Tripolis festgenommenen Mitglieder der Terrorzelle
(Omar-Amradschi-Zelle) wurden vollzählig an Saddam Haftar übergeben.
Zu dieser Zelle gehörten ein Spanier sowie vier Libyer – zwei aus
ar-Radschban, einer aus Bengasi und einer aus Tripolis.
Das Verteidigungsministerium und Abdel Salam Zubi sowie Ibrahim
Dabaiba seien aufgefordert, die Ermittlungsergebnisse und die
Namen der Verhafteten zu veröffentlichen.
Abdel Salam Zubi und Ibrahim Dabaiba versuchten sich mit Saddam
Haftar abzustimmen, darunter über den Ölschmuggel und das asch-Scharara-Unternehmen.
Es gebe Verbindungen zwischen dem Dabaiba-Clan und dem Haftar-Clan
bei der koordinierten Plünderung durch das Arkano-Unternehmen und
den Telekommunikationssektor sowie bei der Veruntreuung staatlicher
Gelder.
Es gebe auch Druck von Zubi und Ibrahim Dabaiba, um die Situation
im Süden Libyens zu regeln und Wardugu, Kommandeur der Einsatzzentrale
zur Befreiung des Südens, Geld zu geben, damit er seine Waffen
abliefert und das Feld für Saddam Haftar räumt.
UN-Sicherheitsrat
Am 14. Oktober fand eine Sitzung des UN-Sicherheitsrats zu Libyen statt.
+ UN-Sonderbeauftragte
Hannah Tetteh: Zwischen 30 und 50 Prozent der Kraftstoffimporte der letzten
Monate gingen durch Schmuggel verloren. Der Verlust wird auf über vier
Milliarden US-Dollar geschätzt.
Die institutionelle und politische Spaltung wirke sich weiterhin negativ
auf die wirtschaftliche und sicherheitspolitische Lage des Landes aus.
Die Kaufkraft schwinde durch steigende Lebensmittelpreise, den Wertverlust
des Dinars sowie den mangelnden Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen.
Der Staat werde durch die Kraftstoffsubventionen erheblich belastet,
während große Mengen davon durch Schmuggel ins Ausland gelangen, während
die Bürger im Süden unter Kraftstoffknappheit und Stromausfällen
litten.
Die jüngsten Störungen in der Öl-Infrastruktur hätten verdeutlicht, in
welchem Ausmaß eine unsichere Ölförderung die wirtschaftliche Lage
beeinflusst.
Hannah Tetteh
verurteilte die Suspendierung mehrerer Bürgermeister durch die Hammad-Parallelregierung
(Bengasi) und forderte deren Wiedereinsetzung in ihre Ämter.
Die Sperrung zahlreicher Ölpipelines aufgrund von Streitigkeiten über
Ernennungen oder Forderungen nach Gehaltserhöhungen habe zu tiefgreifenden
wirtschaftlichen Problemen geführt. Angriffe auf die Ölinfrastruktur
könnten Anlass für die Verhängung von Sanktionen gemäß den
einschlägigen Resolutionen des Sicherheitsrats sein.
Die Lohnunterschiede unter den Beschäftigten schafften einen Nährboden
für Unruhen auf der Straße, was den Gesundheits- und Bildungssektor
dazu veranlasste, groß angelegte Proteste und Streiks zu organisieren.
Eine vollständigen Umsetzung des einheitlichen Ausgabenprogramms
zur Förderung der landesweiten Entwicklung sei heute dringender
denn je.
+ Ein britischer
Entwurf schlägt die Einrichtung einer internationalen
Untersuchungskomission aus unabhängigen Experten zum Thema Korruption in
Libyen und zur Nachverfolgung geplünderter Vermögenswerte vor.
Es sollen Untersuchungen der Libyan Investment Authority
und ihrer Vermögenswerte in Großbritannien, Südafrika und Liberia
untersucht und Operationen der National Oil Corporation
und der Firma Arkano geprüft werden, sowie der Vertrag der Libyschen
Zentralbank mit der Währungsdruckerei De La Rue.
Es wird darauf verwiesen, dass zwischen Januar 2024 und November 2025
mehr als drei Milliarden US-Dollar außerhalb offizieller Kanäle
über die Öl-Firma Arkano transferiert wurden.
Treibstoffschmuggel habe den Staat zwischen 2022 und 2024 rund 20
Milliarden US-Dollar gekostet. Dazu kämen verdächtige
Akkreditive, Arzneimittelkäufe und Infrastrukturprojekte.
Die UN-Mission solle weitreichende Befugnisse erhalten, d.h. Zugang
zu Staatsinstitutionen, Bank- und Finanzregistern, Einholung von Zeugenaussagen,
Nachverfolgung von Vermögenswerten, Sicherung von Beweisen
sowie zur Abgabe von Empfehlungen zu Vermögenssperrungen sowie Reiseverboten
für verdächtige Personen in Zusammenhang mit Korruption.
In dem Entwurf heißt es, libysches Staatsvermögen gehöre dem libyschen
Volk.
Die Institutionen wurden aufgefordert, mit der UN-Mission
zusammenzuarbeiten und öffentliche Vermögenswerte zu schützen.
Niemand dürfe aufgrund politischer, tribaler oder geographischer
Zugehörigkeit von den Ermittlungen ausgenommen werden.
+ Der Vertreter
Russlands: Das 4plus4-Abkommen hat bei einem breiten
Spektrum der libyschen Bevölkerung negative Reaktionen ausgelöst und wird nicht
von allen akzeptiert.
Die Ausgrenzung bestimmter Parteien oder politischer Strukturen
aus dem libyschen Prozess seien nicht positiv und würde die Stabilität
auf lange Sicht schwächen.
Es müssten alle Standpunkte berücksichtigt werden, da zwischen
den politischen Parteien sowie in den Justiz-, Sicherheits- und
Militärbehörden eine Kluft bestehe. Die Spaltung des Landes habe wirtschaftliche
und soziale Folgen, und unter diesen Umständen könne man keine
Vereinbarungen aufzwingen. Die bereits geschlossenen Vereinbarungen
zur Lösung dieser Frage könnten nicht außer Acht gelassen werden.
Alle Entscheidungen müssten von den Libyern auf der Grundlage der
Prinzipien der Inklusion und unter Einbeziehung der Standpunkte aller
Institutionen und Führungskräfte getroffen werden.
+ Der Vertreter Frankreichs: Die jüngsten Angriffe
auf die Infrastruktur sind inakzeptabel, und die Ereignisse im
Süden sowie an den Grenzen zu Niger, Tschad und Sudan und die dort
herrschende Unsicherheit geben Anlass zur Sorge.
Es sei notwendig, die Ausweisung der in Libyen anwesenden Söldner,
ausländischen Kämpfer und Streitkräfte zu beschleunigen.
Der rasante Niedergang der libyschen Wirtschaft müsse die volle
Aufmerksamkeit des Sicherheitsrats erhalten.
Die Hinrichtungen in Bengasi geben Anlass zur Sorge. Die Todesstrafe
müsse abgeschafft werden.
Es müssten die Grundrechte der libyschen Bürger und Migranten geachtet
werden, denn das libysche Volk fordere eine umfassende politische Lösung.
+ Der Vertreter Chinas:
Die Meinungsverschiedenheiten bezüglich des 4plus4-Abkommens
bestehen weiterhin. Die UN-Mission müsse einen umfassenden
Ansatz verfolgen, um mit den verschiedenen Parteien in Kontakt zu
treten und so eine Pattsituation oder neue Konflikte vermeiden.
Die libysche Eigenverantwortung für den politischen Prozess
müsste respektiert werden. Es gelte, einen Konsens zu gewährleisten,
keine Lösungen von außen aufzuzwingen und die Stabilität im Land
zu wahren.
Die Sicherheitslage in Libyen hänge mit dem politischen Prozess
zusammen, und Spannungen könnten die positiven Schritte
zunichtemachen, die in der vergangenen Zeit erzielt wurden.
Die Sicherheits- und Militärinstitutionen müssten vereinheitlicht
werden, um einen Waffenstillstand, friedliche Wahlen und einen friedlichen
Machtwechsel zu gewährleisten.
+ Der Vertreter
Libyens, at-Tahir as-Suni, forderte, die an den Anschlägen in
az-Zawiya und Tripolis beteiligten Mitglieder der Terrorzelle zur Rechenschaft
zu ziehen.
Die Anschläge auf lebenswichtige Einrichtungen, bei denen Drohnen
zum Einsatz kamen, zeigten, dass das Fehlen einer politischen Lösung und
die Vielzahl der Machtzentren das Land gefährden.
Die Sicherheitsbehörden hätten die Zellenmitglieder enttarnt; alle
Beteiligten würden früher oder später für dieses Verbrechen zur
Rechenschaft gezogen.
Jeder, der am Kraftstoff- oder Ölschmuggel beteiligt ist, müsse zur
Rechenschaft gezogen werden; die internationalen Netzwerke, die von
diesen Verbrechen profitieren, müssten unterschiedslos verfolgt
werden.
„Das Ausmaß des internationalen Engagements in Libyen ist mittlerweile groß
und vielschichtig; heute muss es den nationalen Willen
unterstützen und darf kein Ersatz dafür sein.“
Die internationale Gemeinschaft müsse das Recht der Libyer
respektieren, über die Zukunft ihres Staates zu entscheiden. Libyen strebe
eine Partnerschaft mit allen an, die auf gegenseitigem Respekt,
Gleichberechtigung und der Achtung der Souveränität beruhe.
Tahir Suni:
Kein politischer Weg kann Legitimität erlangen, wenn er nicht
aus dem Volk hervorgeht.
Bezüglich des 4plus4-Abkommens gebe es grundsätzliche Fragen, die
transparent beantwortet werden müssten, u.a.: Wie will die
Mission sicherstellen, dass keine Parteien vom politischen
Prozess ausgeschlossen werden?
Das 4plus4-Abkommen werde vom Staatsrat abgelehnt und es
wurde Einspruch gegen die Arbeitsmethode des 4plus4-Ausschusses
erhoben sowie die Notwendigkeit betont, Änderungen zu berücksichtigen,
bevor seine Ergebnisse angenommen werden können.
Parallele Wege, denen es an nationalem Konsens mangelt, könnten
zu einer Verschärfung der institutionellen Spaltungen führen, anstatt
sie zu vereinen.
Es sei wichtig, die Rolle der Mission als neutralen Vermittler zu
wahren und Schritte zu vermeiden, die als Parteinahme für eine
bestimmte Seite ausgelegt werden könnten.
Es gebe die Forderung, dass der UN-Generalsekretär eine unabhängige
Bewertung der Leistung der UN-Mission sowie ihrer Governance- und
Transparenzmechanismen vornimmt, die Amtszeit der UN-Mission verkürzt
und an klare Leistungsstandards knüpft.
Jede internationale Anstrengung, die den Dialog und den nationalen
Konsens unterstützt und danach strebt, die Spaltung zu beenden,
müsse der libyschen Souveränität sowie den Ergebnissen politischer
Abkommen und den Beschlüssen des Sicherheitsrates unterworfen sein.
+ Al-Arab
(London): Tettehs Bericht vor dem UN-Sicherheitsrat offenbart die
wachsende Kluft zwischen dem ins Stocken geratenen politischen
Prozess und den alltäglichen Bedürfnissen der Bürger.
Die institutionelle Spaltung beeinträchtige nicht nur den Konsens
zwischen den Parteien, sondern wirke sich auch auf die wirtschaftliche
Stabilität und die Fähigkeit des Staates aus, seine Ressourcen zu
schützen und grundlegende Dienstleistungen bereitzustellen.
Angriffe auf die Öl-Infrastruktur könnten zu Maßnahmen des
UN-Sicherheitsrats gegen diejenigen führen, die die wirtschaftliche
Lage untergraben.
Der Kraftstoffschmuggel zehre weiterhin an den öffentlichen
Finanzen, während die Bürger die Kosten in Form steigender Preise
und sinkender Kaufkraft tragen müssen.
Der Kraftstoffschmuggel werfe Fragen hinsichtlich der Fähigkeit
der zuständigen Institutionen auf, die Verteilung von Kraftstoff zu
steuern und zu überwachen.
Die durch die Stilllegung der Ölförderung entstehenden Verluste
verschärften die angespannte Finanzlage, da eine regelmäßige Förderung
und ein regelmäßiger Export nach wie vor ein wesentlicher Faktor für die
Bereitstellung der für die öffentlichen Ausgaben erforderlichen Einnahmen sind.
+ LibyaPress: Am 30. Oktober findet eine Sitzung des UN-Sicherheitsrats zur Lage in Libyen statt, um das am 31. Oktober auslaufende Mandat der UN-Mission zu verlängern.
Saif al-Islam Gaddafi / Dschamahiriya
+ Mohammed al-Barjucha (Neffe von Dabaiba) an die Dschamahiriya-Anhänger: „Vergesst nicht, dass es Saddam Haftar war, der Saif al-Islam Gaddafi ermordete.“
+ Al-Arab
(London): Oberst Muammar al-Gaddafi erkannte schon früh, dass einzelne afrikanische
Staaten Schwierigkeiten haben, dem Einfluss der Großmächte
entgegenzuwirken. Ein Reichtum an Rohstoffen führe nicht
automatisch zu politischer oder wirtschaftlicher Macht, wenn er
nicht mit einem integrierten Markt, gemeinsamen Institutionen und
Verhandlungsfähigkeit einhergeht.
Gaddafi habe Afrika eine zentrale Stellung im politischen
Diskurs verschafft; er setzte sich für grenzüberschreitende
Institutionen und Initiativen ein und erkannte, dass ein Zusammenschluss
von kleinen und mittelgroßen Staaten eine größere Verhandlungsmacht
verleiht.
Am 4. Februar 1998 habe Tripolis versucht, Libyen ein strategisches
Fenster zu eröffnen, das über seine arabischen und mediterranen
Grenzen hinausging, indem es die Gründung der Gemeinschaft der
Sahel- und Wüstenstaaten verkündete. Dies war ein Schritt hin
zum Aufbau eines regionalen Raums, in dem wirtschaftliche,
sicherheitspolitische und politische Interessen miteinander verflochten
sind und in dem sich die Sahara von einer geografischen Barriere,
die die Länder trennt, zu einem Raum wandelt, der
sie miteinander verbindet.
Gaddafis Afrika-Projekt habe sich nicht auf die Grenzen der Sahel-
und Wüsten-Gemeinschaft beschränkt, sondern entwickelte sich
schrittweise zu einer ehrgeizigeren Vision, nämlich der Schaffung
einer Afrikanischen Union mit gemeinsamer politischer Macht,
was er deutlich in seinem Aufruf zur Gründung der Vereinigten
Staaten von Afrika zum Ausdruck brachte.
Auf dem Gipfeltreffen der Afrikanischen Union 2009
in Sirte wurde auf den Aufbau afrikanischer Institutionen
gedrängt, die besser zu kollektiven Entscheidungen fähig sind.
Allerdings hatten afrikanische Führer Vorbehalte, dass dies ihre Souveränität
verringern würde und dass es nicht genügend Konsens gebe.
Seit 2011 hat Libyen die Fähigkeit verloren, seine traditionelle
Rolle innerhalb der Gruppierung zu erfüllen.
Afrika sei zu einem wesentlichen Teil des Wettbewerbs um die
lebenswichtigen Mineralien geworden, die für Batterien, digitale
Technologien, erneuerbare Energien und Verteidigungsindustrien
benötigt werden, und werde als wachsender Verbrauchermarkt und als Investitionsbereich
in Infrastruktur, Landwirtschaft und Energie immer wichtiger.
Die Wiederherstellung einer aktiven Rolle in der
Sahel-Sahara-Gemeinschaft könnte Libyen Raum für wirtschaftliche und
sicherheitspolitische Zusammenarbeit in die afrikanische Tiefe geben
und ihm Möglichkeiten in den Bereichen Verkehr, Energie, Handel und
Wiederaufbau eröffnen, aber diese Rolle erfordere eine stabile
Außenpolitik, einheitliche Institutionen und die Fähigkeit,
Verpflichtungen einzulösen.
Libyen müsse praktische Initiativen bereitstellen und
afrikanische Länder als gleichberechtigte Partner mit ihren Interessen
und Prioritäten behandeln.
+ Moussa Ibrahim: „Der Globale Süden braucht keinen neuen Herrn. Weder Washington. Noch Peking. Noch Moskau. Das Ziel der multipolaren Welt sollte darin bestehen, genügend internationalen Raum zu schaffen, damit ehemals dominierte Nationen zu Herren ihrer eigenen Entscheidungen werden können.“
+ Moussa Ibrahim: „Die Befreiung der Frauen lässt sich nicht von der Befreiung der Gesellschaft trennen. Eine Frau mag formal rechtliche Gleichstellung erlangen, während sie dennoch in Armut, wirtschaftlicher Abhängigkeit und politischer Ohnmacht gefangen bleibt. Rechte sind unerlässlich. Doch Rechte ohne materielle Bedingungen, die sie tragen, sind unvollständig.“
Militär/Milizen/Gewalt
+ Zwischen Abdul Salam Zubi
(Stellvertretender Verteidigungsminister) und Mohammed Bahrun (alias
al-Far – Kommandeur des Anti-Security Threats Service)
fand am 9. Oktober ein Treffen statt, um alle noch bestehenden Differenzen
auszuräumen.
LibyaPress:
Nach dem Treffen fuhr ein bewaffneter Konvoi des
Anti-Security Threats Appartus aus Richtung az-Zawiya in
die Hauptstadt Tripolis ein.
+ LibyaPress: Ein bewaffneter Konvoi der Einheit zur Unterstützung der Bezirksverwaltungen hat sich in Tripolis auf der Straße zum Flughafen versammelt. (Fotos)
+ LibyaPress: Am 10. Oktober trafen etwa 300 Fahrzeuge eines bewaffneten Konvois der Einheit zur Unterstützung der Direktionen auf dem Weg zum Militärlager ad-Dufan in der Region Garabulli ein. Sie kamen von der Flughafenstraße in Tripolis, begleitet von einer Einheit der Grenzschutzkräfte.
+ LibyaPress:
Die Einsatz- und Kontrollbehörde der Dabaiba-‚Regierung‘ nahm am
10. Oktober eine Patrouille der Deterrence Force fest und beschlagnahmte
ihre Fahrzeuge.
Vorher war es zu einer Festnahme
von Mitgliedern der Einsatz- und Kontrollbehörde durch die
Deterrence Force gekommen, nachdem erstere auf streitende Bürger
geschossen hatten.
+ LibyaPress: Die Kriminalpolizei der Deterrence Force nahm Angehörige der Eingreif- und Kontrollbehörde im Stadtteil an-Nabras fest – trotz der Bemühungen um eine Beruhigung der Lage.
+ GeopoliticalDesk:
Imad at-Trabelsi, der Innenminister der Dabaiba-‚Regierung‘, hat
sich erneut die Gunst der wichtigsten ausländischen Akteure Libyens,
Washington und Ankara, gesichert. Sowohl Imad als auch
sein Bruder Abdullah Trabelsi, beide aus Zintan, kontrollieren
einen Teil von Tripolis.
Er sei im vergangenen Sommer ins abseits geraten, als es zu Kämpfen
in Tripolis gekommen war, und dafür Abdul Salam az-Zubi (stellvertretender
Verteidigungsminister) die Gunst von Massad Boulos genießen
durfte. Da jetzt der Boulos-Plan ins Stocken geriet, habe
sich Trabelsi wieder ins Gespräch bringen können und Audienzen bei
hochrangigen us-amerikanischen und türkischen Vertretern erhalten.
Neben Machmud Hamza war al-Trabelsi einer der wichtigsten Verbündeten von
Dabaiba. Als dieser im Mai 2025 gegen die Deterrence Force (Rada)
vorging und deren Kommandanten Abdel Ghani (Ghaniwa) al-Kikli ermordete,
schloss sich Trabelsi dieser Operation an. Als
anschließend ein Waffenstillstand erzielt wurde, verschlechterte
sich die Beziehung zwischen Dabaiba und Trabelsi.
+ LibyaPress: Eine der Sicherheitsdirektion von at-Trabelsi (Innenminister) unterstellte Einheit nahm Ziad Kavo fest, ein Verbündeter von Haitham at-Tadschuri (Kommandeur Tripoli Revolutionaries‘ Brigade).
+ Die Organisation zur Überwachung von Straftaten dokumentierte den Tod des 11-jährigen Asim Mohammed Saleh at-Tabini und die schwere Verletzung seines Bruders. Bei bewaffneten Zusammenstößen in al-Adschilat am 5. Oktober hatte eine Granate ihr Haus getroffen.
+ Die UN-Mission in Libyen (UNSMIL) ist zutiefst besorgt über jüngste Berichte bezüglich des Verschwindenlassens, willkürlicher Inhaftierungen und Entführungen, einschließlich des Verschwindens von Dr. Mohammed Scharf ad-Dine al-Fituri und Abu Bakr al-Dscharrari in Tripolis sowie der willkürlichen Festnahmen von Mustafa asch-Scheikh und Mohammed asch-Scheikh in Ghat, über deren Verbleib nichts bekannt ist.
+ LibyaDesk: Mohammed Scharf ad-Dine verschwand am 5. Oktober in Tripolis Dieser Fall entwickle sich hinter den Kulissen rasch zu einer Konfliktlinie zwischen Ost- und Westlibyen.
+ Amnesty International und andere
Menschenrechtsorganisationen riefen zu einem sofortigen Stopp der
Vollstreckung von Todesurteilen im Osten Libyens und zur offiziellen
Abschaffung der Todesstrafe auf.
Seit Ende August 2026 seien gegen mindestens 30 Personen,
darunter Zivilisten, Todesurteile vollstreckt worden, nachdem Militärgerichte
Urteile gefällt hatten, bei denen es zu Verstößen gegen die Garantien
für ein faires Verfahren gekommen war.
Mindestens 50 weitere Personen seien unmittelbar von der Todesstrafe
bedroht, wobei zu befürchten ist, dass weitere Urteile ohne
vorherige Ankündigung vollstreckt werden.
Es seien Beschränkungen bei Bestattungen und Trauerfeiern
auferlegt und Sterbeurkunden sowie gerichtsmedizinische Gutachten
zurückgehalten worden.
„Wir fordern die diplomatischen Vertretungen auf, Druck
auszuüben, um die Hinrichtungen zu stoppen, Vorwürfe der Folter zu
untersuchen, unabhängigen Beobachtern Zugang zu den Haftanstalten
zu gewähren und die Verhandlung von Zivilisten vor Militärgerichten zu
beenden.“
Monitoring of Crimes in Libya berichtete, dass geschätzt sogar
gegen mindestens 90 Personen Todesurteile verhängt wurden.
+ Human Rights
Watch wirft Haftars Militär vor, seit Ende August 2026
mindestens 31 Menschen hingerichtet zu haben, und warnte vor
einer unmittelbar bevorstehenden Hinrichtung von 50 weiteren Häftlingen,
die im Garnada-Militärgefängnis einsitzen.
Geständnisse seien unter Folter erzwungen worden; die Angeklagten
hätten kein faires Verfahren erhalten. Bereits zwischen 2018 und 2021
seien gegen mindestens 22 Zivilisten Todesurteile verhängt worden.
Die Hinrichtungen müssten sofort gestoppt werden.
+ AgenziaNova:
Am 9. Oktober brach ein großes Feuer auf einem Munitionsdepot in Misrata aus.
Es bestand Explosionsgefahr.
Die Bevölkerung von Misrata sorge sich seit Jahren
wegen der Gefahren von Munitionsdepots und Militäreinrichtungen um ihre Sicherheit.
Libyens Süden
+ Associated
Press: Bei einem Luftangriff durch ein nicht
identifiziertes Flugzeug auf eine Goldmine in einer bergigen Region an
der libyschen Grenze zu Ägypten und Sudan wurden mindestens 13
Menschen getötet und mindestens 28 Arbeiter verletzt. Weitere Opfer
sind zu befürchten.
Die ägyptischen Behörden hatten die Arbeiter wiederholt gewarnt,
das Gebiet zu räumen, das angeblich auf ägyptischem Territorium
liegt. Ägyptische Sicherheitskräfte hatten im Juni an der Grenze
zu Sudan hunderte von Personen, darunter auch Ausländer, festgenommen,
denen illegaler Goldabbau und Schmuggel vorgeworfen wurde.
Geopolitik
+ GelaNews:
Zerreißprobe für Libyen: Ausländische Mächte ringen um Einfluss. Der
us-amerikanische Boulos-Plan für Libyen nimmt mit Hilfe der
UN-Mission Gestalt an.
Als ersten Schritt zur Umsetzung des US-Plans gelang es Saddam Haftar,
seinen Kandidaten als Parlamentspräsidenten durchzusetzen, mit der Folge,
dass nun auch das Parlament gespalten ist. Die wichtigsten politischen
und sicherheitspolitischen Entwicklungen werden aber im westlichen
Libyen stattfinden, wo die schärfste Opposition gegen den Boulos-Plan besteht.
Beim Streben nach Einflussnahme in Libyen, den Zugriff auf dessen
Öl und im Hinblick auf die eigene geopolitische Positionierung unter
den veränderten machtpolitischen Bedingungen stehen die Interessen
der USA, Russlands, Israels und der Türkei, aber auch der EU
sowie des benachbarten Ägyptens, gegeneinander.
+ Ekhad (Geheimdienst-Plattform): Ein Militärfrachtflugzeug der russischen Luftwaffe wurde am 8. Oktober auf dem Weg von Moskau nach Bengasi geortet.
+ Musbar (Jordanien): Es finden im
östlichen Libyen vermehrt russische Aktivitäten statt. Es wurden russische
Frachtschiffe in der Nähe von Tobruk gesichtet sowie ein Konvoy
mit militärischer Ausrüstung auf einer nahegelegen Straße.
Außerdem zeigten Satellitenbilder Bau- und Sanierungsarbeiten an
sechs libyschen Luftwaffenstützpunkten, nämlich al-Khadim, al-Dschafra,
Tamnahent, Matin as-Sura, al-Gardabiya und Barak asch-Schati.
Khalifa Haftar bemühe sich um den Erwerb russischer
Luftabwehrsysteme im Rahmen umfassenderer Bestrebungen, formelle
Vereinbarungen zur militärischen Zusammenarbeit mit Moskau zu festigen.
+ Washington-Institut
für Nahostpolitik: Die zunehmende russische Präsenz im Osten Libyens
bedroht die Sicherheit der NATO und stärkt den Einfluss
Moskaus in Afrika.
Die Festigung dieser Präsenz könnte Moskau eine Plattform
bieten, um seinen Einfluss im Nahen Osten und in der afrikanischen
Sahelzone auszuweiten sowie seine Fähigkeit stärken, die Operationen
der See- und Luftstreitkräfte des Bündnisses zu beeinflussen.
Die libyschen Stützpunkte werden zudem zur Unterstützung der
russischen Militärtransportwege in andere Regionen Afrikas genutzt,
insbesondere nach Burkina Faso, Mali und Niger.
Es werde befürchtet, dass Moskau sein Veto im UN-Sicherheitsrat
nutzt, sollte die UN-Initiative nicht den erforderlichen Konsens
finden.
Da Khalifa Haftar und seine Söhne weiterhin mit hochrangigen
russischen Beamten kommunizieren, sollte jede weitere Zusammenarbeit der
USA, einschließlich Treffen, Militärhilfe und Investitionen,
mit einer Verringerung ihrer Zusammenarbeit mit Moskau verbunden werden.
+ Defens 24:
Russland verfolgt in Libyen einen zweigleisigen Ansatz, indem es Kontakte
zu den Behörden in Tripolis und dem östlichen Lager pflegt, wobei
die militärische Zusammenarbeit mit Haftar deutlich intensiver ist.
Dies ermögliche es Moskau, in verschiedenen politischen
Kreisen Einfluss zu nehmen und, was wichtiger sei, seine Präsenz
unabhängig von den Machtverschiebungen in Libyen zu sichern.
Weder die zunehmende türkische Einmischung noch Italiens Versuche,
seine Position zu stärken, hätten Russland geschwächt.
In den letzten Jahren habe die russische Präsenz einen zunehmend militärischen
Charakter angenommen, indem sie die militärische Infrastruktur im Osten
und Süden Libyens nutzten. Vor nur wenigen Jahren lag der Schwerpunkt
auf den Luftwaffenbasen in al-Khadim, Dschufra und Brak
asch-Schati. Heute sei diese Präsenz jedoch um ein Vielfaches
größer. Seit 2024 umfassen Baumaßnahmen den Bau von Flugzeughangars,
Unterkünften, Lagern und technischer Infrastruktur sowie
die Modernisierung von Straßen, Hangars und Startbahnen.
Dschufra bleibe ein wichtiger Stützpunkt; al-Khadim
gewinne Bedeutung für die Bewegung von Personal und Ausrüstung
zwischen Libyen und anderen Teilen Afrika; in Tamanhent werde die
Infrastruktur zur Unterstützung von Transportflugzeugen erweitert,
während mit Brak asch-Schati Russland seine Präsenz im südlichen Teil
des Landes stärkt. Besondere Aufmerksamkeit sollte den Modernisierungsarbeiten
an der Basis Matan as-Sarra nahe der Grenze zu Tschad und Sudan
gewidmet werden.
Moskau nutze die Hafen-Infrastruktur im Osten Libyens, wobei Tobruk
der wichtigste Punkt ist; dort wurden bereits russische Schiffe entladen.
Würde es Moskau gelingen, dauerhafte maritime Einrichtungen in Tobruk
zu sichern, würde Russland einen Brückenkopf im südlichen Mittelmeer
gewinnen, direkt gegenüber Südeuropa.
+ Jamestown
(us-amerikanische Forschungseinrichtung): Die Türkei festigt ihre
Position in Libyen und im östlichen Mittelmeer durch militärische
Kooperation, maritime Abkommen und wirtschaftliches Engagement.
Dies stelle eine Herausforderung für regionale Rivalen dar und
habe wichtige Implikationen für die US-Interessen, die europäische
Energiesicherheit und die Stabilität in Nordafrika.
Ankara strebe an, seine Position als Sicherheitsvermittler zu
festigen, der mit den beiden Machtzentren umgehen kann. Die Beziehungen
zu beiden Seiten könnte Ankara größeren Einfluss auf jede
künftige politische Einigung und auf die Gestaltung des libyschen
Sicherheitsapparats verschaffen.
Das türkische militärische Eingreifen in Libyen 2020
markierte einen Wendepunkt im Verlauf des libyschen Bürgerkriegs
und in Ankaras regionaler Sicherheitsstrategie. Die Intervention habe
sich später zu einer dauerhaften militärischen Präsenz entwickelt, die türkische
Rolle verschob sich von externer Unterstützung zu einer langfristigen
Sicherheitskooperation, und die Türkei etablierte eine maritime
Präsenz im Hafen von Misrata.
Durch die Verknüpfung ihrer militärischen Präsenz in Libyen mit
ihren weitreichenden maritimen Ansprüchen habe Ankara seine Fähigkeit
gestärkt, maritime Energiequellen zu erschließen, Stärke
im östlichen Mittelmeer zu demonstrieren und Einfluss auf das sich wandelnde
europäische Energiebild zu nehmen.
Anstatt ihre Beziehungen auf die Tripolis-Regierung zu beschränken, habe
sie ihr Engagement schrittweise auf die sogenannte libysche
Nationalarmee (LNA) ausgedehnt, gekrönt durch die Wiedereröffnung
des türkischen Konsulats in Bengasi 2024 und hochrangige Treffen
zwischen türkischen Militärvertretern und Khalifa Haftar im Jahr 2025.
Ankara strebe an, die Unterstützung für das türkisch-libysche Memorandum
of Understanding über maritime Seegrenzenabkommen von 2019
zu vergrößern, ihre langfristige militärische Präsenz zu festigen
und die politische Legitimität ihrer Ansprüche im östlichen Mittelmeer zu
stärken.
Das türkische Engagement in Libyen sei Teil einer umfassenderen Strategie,
mit dem Ziel, ein Netzwerk aus militärischen und kommerziellen
Stützpunkten entlang der wichtigsten strategischen Seewege in Afrika
aufzubauen.
Durch ihre Präsenz im Hafen von Mogadischu (Somalia), dem Hafen von
Suakin (Sudan) und den bedeutendsten Häfen von Libyen strebe die Türkei
eine Verstärkung ihres Einflusses auf lebenswichtige Seehandelsrouten.
+ Ekad: Die Türkei stationiert moderne Luftabwehrsysteme in Libyen vor dem Hintergrund eskalierender militärischer und sicherheitspolitischer Spannungen im östlichen Mittelmeerraum.
+ Defense 24:
Die USA streben die Integration der militärischen Formationen
des östlichen und des westlichen Libyens an, während Russland versucht,
seinen militärischen Einfluss durch sechs Luftwaffenbasen im Land
zu festigen.
Washington stelle sich im Konflikt mit Khalifa Haftar nicht auf
die Seite von Tripolis, sondern strebe danach, die militärischen
Strukturen im Osten und Westen Libyens miteinander zu verknüpfen. Militärvertreter
aus Ost- und Westlibyen besuchten im August den
US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein, wo sie sich über Lufttransport,
Wartung und die Einrichtung eines integrierten Luftwaffenkommandos
informierten.
Trotz der engen Bindung des Haftar-Militärs an Moskau und dessen Kontrolle
über Gebiete, auf denen sich die russische Militärinfrastruktur
befindet, bleiben die Kontakte nach Washington bestehen.
Der us-amerikanisch-russische Wettstreit in Libyen beschränke sich
nicht auf die Unterstützung lokaler Parteien, sondern drehe
sich um die Sicherung des Zugangs zu Territorien, militärischen
Einrichtungen und Infrastruktur sowie deren Nutzung im Falle
einer künftigen Vereinigung des Landes.
Weitere Nachrichten aus Libyen
+ Generalstaatsanwalt
as-Sadiq as-Sour: Die Datenbank der Behörde für Personenstandsangelegenheiten
weicht von der Datenbank der nationalen Identifikationsnummern ab.
Die Daten des Wählerverzeichnisses weichen von den Daten der Behörde
für Personenstandsangelegenheiten ab, ebenso wie die Daten der
Präsidentschaftswahlen.
Mehr als 315.000 nationale Identifikationsnummern wurden vorschriftswidrig
vergeben, und mehr als 10.000 Reisepässe wurden auf der Grundlage
gefälschter Daten ausgestellt.
710 Reisepässe wurden ohne Datenqualitätsprüfung ausgestellt.
+ Abdullah Abu
Rziza, der Vorsitzende des Justizrats Westregion, versetzt
einen Tag nach obiger Bekanntgabe etwa 200 Staatsanwälte, die an der Fälschung
von Registerunterlagen und Reisepässen innerhalb der Generalstaatsanwaltschaft
arbeiten, an andere Gerichte und in andere Städte.
Es soll Druck zur Versetzung der Staatsanwälte ausgeübt worden
sein. In diesem Zusammenhang tauchte der Name des Leiters des Rechnungshofes, Kahled
Schakschak, auf
+ Khalil al-Hassi
(Journalist): Libyen nimmt den fünften Platz auf der Liste der
weltweit korruptesten Länder ein, neben Jemen und Eritrea.
Diese Einstufung hat viele Implikationen, vor allem, dass Korruption
nicht mehr nur ein Verbrechen ist, sondern zu einem eigenständigen
System, auch innerhalb der verschiedenen Institutionen, geworden
ist.
Die Verantwortung dafür liege bei der Legislative, die eigentlich
die Aufgabe hat, die Regierungen zu kontrollieren, und die befugt
ist, Minister zu entlassen.
Die Korruptionsbekämpfungsbehörde, die administrativen Kontrollorgane,
der Rechnungshof, die Generalstaatsanwaltschaft und die Judikative
seien Stellen, die mit der Bekämpfung von Korruption betraut sind, doch
es stellten sich Fragen hinsichtlich ihrer Leistung und Wirksamkeit.
Der Staatsanwalt ordnet immer noch regelmäßig eine hohe Anzahl von Verhaftungen aufgrund von Korruption, Fälschungen von Identitätsnachweisen, Gewalttaten und weiteren kriminellen Handlungen an. Auch weil diese Anordnungen nicht immer zu Festnahmen führen, wird auf die Aufführung der Einzelfälle verzichtet.
Wirtschaft / Finanzen
+ Zentralbank: Die Ausgaben bei Devisen beliefen sich auf 22,3 Milliarden US-Dollar, während die Einnahmen 17,6 Milliarden US-Dollar betrugen, mit einem Defizit von etwa 4,7 Milliarden US-Dollar. Dieses Defizit wurde aus Erträgen von Einlagen der Zentralbank, Anleiheportfolios und Gold gedeckt. (Ausgaben im Detail: Bengasi/Staatrat – Tripolis – Gesundheitsministerium)
+ Zentralbank: Die Gesamteinnahmen aus Ölverkäufen vom 1. bis zum 14. Oktober 2026 betrugen lediglich 361 Millionen US-Dollar.
+ LibyaPress:
Libysche Öleinnahmen: Der NOC-Vorsitzende Massud Suleiman gab Öleinnahmen
in Höhe von 1,23 Milliarden USD an, während der Zentralbankvorsitzende
Nadschi Issa für denselben Zeitraum 361 Millionen USD.
„Wo sind die rund 870 Millionen USD geblieben? Und wer klärt
die Libyer über die tatsächliche Höhe ihrer Öleinnahmen auf?“
+ Der stellvertretende
US-Finanzminister Eric Meyer
traf sich mit dem libyschen Zentralbankchef Nadschi Issa am Rande der Jahrestagung
des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank
in der thailändischen Hauptstadt Bangkok, um die neuesten Entwicklungen
bei den Wirtschafts- und Finanzreformen sowie die Stärkung der
Transparenz zu erörtern.
Eric Meyer bekräftigte die anhaltende Unterstützung der USA für
die Führung der Zentralbank sowie für deren Bemühungen zur
Festigung der finanziellen und monetären Stabilität und zur Stärkung
der Governance und Transparenz.
+ Achmed Senussi
(Wirtschaftsjournalist): Immer, wenn Libyen ein Problem hat, wird auf
die Kleinhändler eingeschlagen.
Das Wirtschaftsministerium scheine bestrebt, die Monopolisierung des
Handels auf 10 bis 20 Personen zu beschränken, die Akkreditive
erhalten. Dies bedeute die Verdrängung der Kleinhändler mit ihren
winzigen Gewinnmargen vom Markt.
Die Monopolisierung betreffe neben den Akkreditiven auch den Great
Man-Made River, den Devisenhandel und alle anderen Sektoren.
Von den Folgen seien alle libyschen Bürger betroffen.
+ Die Händlerbewegung
erklärte, man dürfe den Händlern nicht die Folgen der Korruption im Zusammenhang
mit den Akkreditiven anlasten, ihre Geschäftstätigkeit behindern
und ihre Existenzgrundlage gefährden.
Die Händler seien eine tragende Stütze des Landes. Es sei eine Diffamierung,
wenn sie für die hohen Preise verantwortlich gemacht würden. Ein großer
Teil der Importe der echten Händler werde durch Geld vom Parallelmarkt
finanziert, da sie bei der Bank keine Kreditlinien erhalten und
ihnen der US-Dollar zum offiziellen Kurs vorenthalten werde.
„Wir fordern, dass die Lizenzen verdächtiger Unternehmen im
Einklang mit dem Gesetz ausgesetzt werden, und dass überprüft wird,
ob sie wirklich Waren gegen die überwiesenen Gelder erhalten haben.“
+ Ghaith Mardschi
(ehemaliges Vorstandsmitglied Zentralbank): Es gab eine regionalistische,
politische und religiöse Strömung der Moslembruderschaft in Tripolis,
die Sadiq al-Kebir an die Spitze der Libyschen Zentralbank brachte.
Diese Gruppe strebte die Kontrolle über die Schlüsselbereiche des
Staates an, neben der Zentralbank auch die National Oil Corporation
(NOC), Investitionsgesellschaft und den Telekommunikationsunternehmen.
Nach 2014 wurde Sadiq al-Kebir quasi zum Finanzminister Libyens
und bestimmte die Geld- und Finanzpolitik; er entschied, wofür
Geld ausgegeben wurde und wofür nicht; dies stürzte die Zentralbank
in die derzeitige Krise; es war die Umgehung der Zahlungen der NOC
für Ölverkäufe an die Zentralbank; stattdessen wurden mit diesen
Geldern Kraftstoffkäufe außerhalb des Bankensystems getätigt.
Die Zentralbank habe derzeit die Schlacht gegen den Schwarzmarkt
verloren, der den Markt vollständig kontrolliert. Der Schwarzmarkt
könne nur gestoppt werden, indem man die korrupten Akkreditive stoppt.
Die Kraftstoffschmuggler in Libyen verfügten derzeit über eine größere
Macht als jede andere bewaffnete Miliz, daher ist es schwierig, sie
mit sicherheitspolitischen und militärischen Methoden zu bekämpfen. Es
bedürfe Mechanismen, die es ermöglichen, ihre Finanzierungsquellen
auszutrocknen.
Erdöl / Erdgas
+ Il Giornale
(Italien): In Italien wurden mehr als 20.000 Tonnen Kraftstoff
beschlagnahmt und ein Netzwerk aufgedeckt, das Häfen,
Tanklastzüge, gefälschte Dokumente und Handelsunternehmen nutzen.
Seit November 2024 wurden illegale Exporte von über 992.000
Tonnen raffiniertem Treibstoff beobachtet, die mit mindestens 50
Öltankern transportiert wurden.
Der Handelswert des geschmuggelten Kraftstoffs, auch über Malta,
werde auf etwa 1,3 Milliarden US-Dollar geschätzt. Der UN-Bericht
nannte Ibrahim Dabaiba und Saddam Haftar als zentrale Figuren
des Treibstoffschmuggels. Vor allem in den Häfen von Bengasi, Tobruk und
Ras Lanuf werde Treibstoff vom lokalen Markt auf ausländische Märkte
umgeleitet. Der alte Hafen von Bengasi sei ein Zentrum für
Schmuggeloperationen. Der für den libyschen Markt importierte Diesel
werde ohne Genehmigungen ins Ausland re-exportiert.
Der Treibstoff werde auch nach Griechenland, Belgien, Deutschland, Spanien
und Malta geliefert. Diesel werde als Schmieröl, Lösungsmittel
oder ein ähnliches Industrieprodukt ausgegeben, um die steuerlichen
Regelungen für den Treibstoffhandel zu umgehen.
Libyen und das Ausland
+ Syrien. Das syrische
Außenministerium verkündete die Ankunft des Ministers Assad
asch-Schibani (alias Zaid al-Attar/Hussam asch-Schaafi/Abu Aischa
al-Haskawi) in der Stadt Bengasi zu einem offiziellen Besuch.
Asch-Schibani hatte zusammen mit dem jetzigen syrischen Präsidenten
Achmed asch-Scharaa (alias al-Dscholani) die an-Nusra-Front gegründet,
bevor er bei Hayat Tahrir asch-Scham für die Außenbeziehungen zuständig
war.
Asch-Schibani besuchte bereits Tripolis Ende August 2025,
um Maßnahmen zur Eröffnung der syrischen Botschaft in der libyschen
Hauptstadt zu besprechen.
Das östliche Libyen unterstützte die Baschar-al-Assad-Regierung
bis zu deren Fall im Dezember 2024.
+ Saudi-Arabien/Jemen. Das ostlibysche Militär unter Haftar verurteilte aufs Schärfste die jemenitischen Angriffe auf den internationalen Flughafen Riad, und bekräftigte seine volle Solidarität mit dem Königreich.
+ EU. Die Europäische Union hat ein Abkommen über die Bereitstellung von zusätzlichen 25 Millionen Euro für das östliche Libyen abgeschlossen, um den Kampf gegen die illegale Migration zu verstärken.
+ IGH/Israel. Libyen
hat dem Internationalen Gerichtshof (IGH) seine Absicht
mitgeteilt, Israel wegen des Abschusses eines libyschen Passagierflugzeugs
im Jahr 1973 zu verklagen.
Bei dem Abschuss über der damals von Israel besetzten Sinai-Halbinsel
kamen 108 Menschen ums Leben, die mit Flug 114 der Libyan Arab
Airlines auf dem Weg von Tripolis nach Kairo waren.
Die Anklage gegen Israel wurde vorbereitet, nachdem 2023 freigegebene
Protokolle von israelischen Kabinettssitzungen Beweise enthielten,
die die Behauptungen Libyens stützten, dass Israel gegen Verpflichtungen
aus der Montrealer Konvention und anderen internationalen Regeln
verstoßen habe.
Israelische Kampfjets hatten das Flugzeug abgefangen, bevor es abgeschossen
wurde. Zunächst bezeichneten die israelischen Behörden den Vorfall
als unbeabsichtigt, bestätigten aber später, dass der Befehl,
das Flugzeug abzuschießen, vom damaligen Militärchef David Elazar
erlassen wurde.
Es handelte sich um eine der tödlichsten Katastrophen mit einem libyschen
Zivilflugzeug.
+ USA/Lockerbie. Abu
Agila al-Massud al-Marimi ist in den USA der Beteiligung am
Lockerbie-Anschlag im Jahr 1988 angeklagt, beteuerte aber
stets seine Unschuld. Er wurde 2022 von Dabaiba an die USA
ausgeliefert, wo der Prozess gegen ihn auf Januar 2027 verschoben
wurde.
Al-Marimis Anwälte stellten den Antrag an die Richterin, das Verfahren
einzustellen, da al-Marimi rechtswidrig aus Libyen entführt
und in die USA überstellt worden sei. Bewaffnete hätten ihn im
Oktober 2022 aus seinem Haus in Tripolis verschleppt, Mitglieder seiner Familie
angegriffen und ihn in ein Gefängnis in Misrata gebracht. Später sei
er im Rahmen einer verdeckten Operation an FBI-Agenten übergeben und im
Dezember desselben Jahres in die USA geflogen worden. Diese Entführung
verstoße gegen libysches Recht und die nationale Souveränität,
deshalb sollte das Washingtoner Gericht das Verfahren einstellen.
Die Verteidigung macht zudem geltend, dass seine Entführer
ihn in Einzelhaft gehalten hätten, bevor sie ihn in US-Gewahrsam
überführten.
Die Staatsanwaltschaft vertritt die Auffassung, dass die von
der Verteidigung angeführten rechtlichen Annahmen auf Marimis Fall nicht
zutreffen.
+ USA. Hillary Clinton
wurde Heuchelei vorgeworfen, nachdem sie die Entscheidung des
US-Kriegsministers Pete Hegseth zur Live-Übertragung der Hinrichtung von
Nidal Hassan, Täter des Anschlags auf den Militärstützpunkt Fort Hood, als
„barbarisch“ bezeichnet hat.
Die barbarische Ermordung von Oberst Muammar al-Gaddafi habe sie 2011
gutgeheißen. Damals sagte sie lächelnd: „Wir kamen, wir sahen, er
starb.“
+ GB. Al-Araby
al-Dschadid (Katar): Das britische Parlament lehnte die Veröffentlichung
eines sensiblen Berichts über den Arabischen Frühling und über die britischen
Kontakte und die Politik gegenüber den Regimen ab, die nach
dem Arabischen Frühling die Macht in Libyen übernommen haben.
Die offengelegten Punkte konzentrierten sich hinsichtlich Libyens
auf irreguläre Migration und die dadurch gegebene potenzielle
terroristische Sicherheitsbedrohung.
Das Unterhauses hat beschlossen, den Bericht bis zum 1. Januar
2046 zurückzuhalten.
Rückblick
+ The
Independent Arabia: Kürzlich freigegebene britische Dokumente
enthüllen, dass es Oberst Muammar al-Gaddafi 1996 gelang, seine Bedingungen
für den Besuch der europäischen Troika in Libyen durchzusetzen.
Libyen stellte zur Bedingung, dass Themen wie die Beziehungen
zwischen der EU und Libyen sowie die Lockerbie-Affäre auf die Tagesordnung
gesetzt und dass während des Besuchs keine schriftlichen Botschaften
übergeben werden.
GB lehnte die libyschen Vorbedingungen ab, auch den, dass
es keine – wie von GB-Seite geplant – zeitliche Verknüpfung des Libyen-Besuchs
mit dem Iran-Besuch gebe.
Dem freigegebenen Dokument ist zu entnehmen, dass die Libyer den
Terrorismus in all seinen Formen verurteilten, und dass Libyen keine
Unterstützung für Gruppen geleistet habe, die gewaltsame Akte
gegen Zivilisten begingen. Die Briten wollten dieses positive Image
der Libyer mit äußerster Vorsicht betrachten.
Es sei zu einer Spaltung unter den Troika-Parteien bezüglich der Nützlichkeit
des Libyen-Besuchs gekommen, dessen Ergebnisse Großbritannien und
die Niederlande ablehnten, während Spanien und Italien sie unterstützten.
+ Achmed Gaddafi ad-Dam (ehemalige Koordinator der libysch-ägyptischen Beziehungen): Es ist falsch, wenn jemand sagt, er sei von Gaddafi eingesperrt worden. Er sei aufgrund des Gesetzes und durch den Staat inhaftiert worden. Die meisten, die von den Gerichten verurteilt wurden, seien Gaddafi nicht bekannt gewesen. Gaddafi selbst sei eine friedliebende Person gewesen, die den Menschen nahestand und sie liebte.
+ Moussa Ibrahim: „Warum bestand Gaddafi auf einer afrikanische Zentralbank, einen afrikanischen Währungsfonds und einer afrikanische Investitionsbank? Weil er wusste, dass Souveränität nicht allein in politischen Institutionen existieren kann, während die Macht zur Finanzierung von Entwicklung, anderswo konzentriert bleibt.“
Aus den Nachbarstaaten
+ Algerien/Niger. Moussa Ibrahim: „Die Annäherung zwischen Algerien und Niger ist eine willkommene Entwicklung für die afrikanische Souveränität. Der Sahel darf nicht zu einem weiteren Schlachtfeld für ausländische Mächte werden, die um die Zukunft Afrikas konkurrieren. Algerien und die Sahel-Staaten teilen mehr als nur Grenzen. Sie teilen eine historische Verantwortung, die afrikanische Unabhängigkeit zu verteidigen, ausländische Dominanz abzulehnen und regionale Sicherheit auf afrikanischen Bedingungen aufzubauen. Afrika muss seine eigenen Krisen durch afrikanische Institutionen lösen, nicht durch ausländische Intervention.“
+ Allianz der Sahelstaaten. RT: „In Burkina Faso ist man stolz auf die zunehmende Produktion von Gütern im eigenen Land. Der Wandel vom Exportland von Rohstoffen zum Industriestandort ist erklärtes Ziel der Führung in Ouagadougou. Ende September sorgte die Eröffnung der ersten Goldraffinerie des Landes für Schlagzeilen.“ (Video)
A. Gutsche
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