Teil I: Kurznachrichten Libyen – 01. bis 07. Oktober 2026
4plus4-Abkommen der UN-Mission unter Einbezug des us-amerikanischen Plans von Massad Boulos spaltet Parlament / Saddam Haftar setzt sich durch: Generalität lässt umstrittene Parlamentssitzung zur Absetzung des Parlamentspräsidenten Agila Saleh einberufen und lässt Abdul Nabi als dessen Nachfolger wählen / Agila Saleh erkennt Sitzungsergebnis nicht an – Einberufung einer Parlamentssitzung in Tripolis / Präsidialratsvorsitzender al-Menfi stimmt 4plus-Abkommen ebenfalls nicht zu – Präsidialrat gespalten / Türkei erhofft sich mit Abdul Nabi Ratifizierung des maritimen Grenzabkommens / Ägypten unterstützt Agila Saleh / UN-Mission und USA erkennen Abdul Nabis Parlamentspräsidentschaft an /Israelische Kreise: USA sollen allein die Bengasi-Parallelregierung auffordern, dem Abraham-Abkommen beizutreten: ein maritimes Seegrenzenabkommen zwischen Israel und Ostlibyen sei anzustreben; Israel könnte Mittelmeer für Verbündete sichern / Tauziehen der Regionalmächte um Einfluss in Libyen und maritime Grenzziehung
Staatsrat stimmt 4plus4-Abkommen in jetziger Form nicht zu / 4plus4-Ausschuss beschäftigt sich mit Spaltung der Justiz: neue Ämtervergabe angestrebt (Generalstaatsanwalt / Gerichtspräsident)
4plus4-Abkommen verursacht Spaltung des Parlaments
+ Essam al-Dschahani (Parlamentsmitglied): Bei der Parlamentssitzung am 1. Oktober wurde Einigkeit darüber erzielt, die Geschäftsordnung zu ändern, einen neuen Vorsitzenden zu wählen sowie die Unterstützung des 4plus4-Abkommens und der Verfassungsänderung voranzutreiben.
+ LibyaPress:
Mehr als 100 Abgeordnete trafen am 5. Oktober in Bengasi ein,
damit das Parlament beschlussfähig ist. Ziel der Sitzung war es, eine
neue Geschäftsordnungsänderung zu verabschieden, die es ermöglicht, Agila
Saleh abzusetzen, einen neuen Parlamentsvorsitzenden zu wählen
und das 4plus4-Abkommen und die Verfassungsänderung zu unterstützen.
Diese Sitzung sollte noch vor der von Agila Saleh nach einem Kurzbesuch
in Kairo für den 6. Oktober einberufenen Sitzung stattfinden.
+ Abdullah Belihaq
(Parlamentarier): Eine Parlamentssitzung wurde am 5. Oktober in Bengasi
unter dem Vorsitz von Mesbah Doma abgehalten; anwesend waren 102
Abgeordnete.
Es wurde der Antrag gestellt, dass die Amtszeit des Vorsitzenden
zwölf Monate ab dem Datum seiner Wahl betragen soll und unwiderruflich mit
Ablauf dieser Zeit endet. Die nächste parlamentarische Periode
soll unmittelbar nach der Genehmigung dieser Änderung beginnen.
Der Antrag sieht vor, dass für das Parlamentspräsidium das
System der Legislaturperiode eingeführt wird, wobei die Amtszeit
zwölf Monate ab dem Datum der Wahl beträgt und mit Ablauf dieser Frist
automatisch endet; die nächste Legislaturperiode beginnt mit der Wahl
eines neuen Präsidiums und beginnt unmittelbar nach Verabschiedung
dieser Änderung.
Der Antrag sieht ferner vor, dass das neue Präsidium innerhalb einer
Frist von höchstens sieben Tagen ab dem Datum des Antrags gewählt wird.
Das Parlamentspräsidium, dessen Amtszeit abgelaufen ist, darf weder
die Einberufung des Parlaments noch die Wahl des neuen Präsidiums
noch irgendeine Maßnahme, die zu einer Verlängerung seiner
Amtszeit führen könnte, behindern oder aufschieben.
+ LibyaPress:
Am 5. Oktober wurde bei der Parlamentssitzung von den Anwesenden
einstimmig die Änderung der Geschäftsordnung und die Einberufung einer
Parlamentssitzung zur Wahl eines neuen Vorsitzes beschlossen.
Die nächste Sitzung werde unter dem Vorsitz des ältesten Mitglieds
stattfinden, um einen Nachfolger für Agila Saleh zu wählen.
+ Agila Saleh
erklärte noch am 5. Oktober, dass er die von ihm als inoffiziell
bezeichnete heutige Sitzung der Abgeordneten nicht anerkennt.
Deren Ergebnisse und Beschlüsse seien rechtlich nicht wirksam,
da die im Gesetz und in der Geschäftsordnung festgelegten Verfahren
und Vorschriften nicht eingehalten wurden.
Agila sagte die von ihm für den 6. Oktober einberufene
Sitzung ab.
+ Fawzi an-Nuwairi
(erster Stellvertreter des Parlamentsvorsitzenden Agaila Saleh) schloss sich
Agila Saleh an. Agila habe bereits eine Sitzung für den 6.
Oktober einberufen gehabt, auf der die Diskussion über eine Änderung der
Geschäftsordnung auf der Tagesordnung stand.
Eine Reform der Geschäftsordnung werde befürwortet, jedoch nicht
die Umgehung der rechtlich vorgesehenen Verfahren.
+ Präsidialratsvorsitzender al-Menfi (Tripolis) unterstützte die Position von Agila und forderte die Einhaltung des verfassungsrechtlichen Quorums, die eine Mehrheit von mindestens 120 Parlamentariern vorsieht, um den Parlamentsvorsitzenden abzusetzen.
+ Asch-Scharif al-Wafi erklärte, dass ein Wechsel des Parlamentsvorsitzenden gemäß der Geschäftsordnung nur möglich ist, wenn dieser gesundheitlich nicht in der Lage ist, seine Aufgaben wahrzunehmen, die Sitzungen des Rats behindert oder dem Rat Schaden zugefügt hat: „Ich glaube nicht, dass es Raum für eine Absetzung im Sinne der Geschäftsordnung gibt.“
+ Achmed Khalifa (Korrespondent al Dschazira): Als Nachfolger von Agila Saleh werden Adam Busakra al-Barasi (aus al-Baida und Mitglied in der 4plus4-Kommission) sowie Saleh Abd an-Nabi (aus Tobruk) gehandelt.
+ LibyaPress: Die Abgeordneten wählten bei einer Parlamentssitzung in Bengasi Abdul Nabi (Salafist) in der Nachfolge von Agila Saleh zum neuen Parlamentspräsidenten.
+ LibyaDesk: Abdul Nabi stammt aus demselben Stamm wie Agila Saleh, was wahrscheinlich darauf abzielt, den Stammeszusammenhalt und die soziale Harmonie im östlichen Libyen zu wahren.
+ LibyaPress: Die in Bengasi versammelten Abgeordneten wählten Tarek al-Aschter zum ersten Stellvertreter des Parlamentspräsidenten – mit der Mehrheit von 63 Stimmen.
+ LibyaPress: Die Abgeordneten wählten Misbah Duma einstimmig zum zweiten stellvertretenden Parlamentspräsidenten.
+ LibyaPress: Intensive Beratungen der Abgeordneten, die der Sitzung zur Absetzung von Agila Saleh fernblieben und die die Kontrolle des Militärs über das Parlament und dessen Beschlüsse ablehnen. Es soll ein paralleles Parlament in Tripolis ausgerufen werden, das in seinen Entscheidungen frei ist.
+ Ali Abu Zriba,
Parlamentsabgeordneter aus az-Zawiya, erklärt zusammen mit weiteren
Abgeordneten, dass sie die Beschlüsse der Bengasi-Sitzung wegen fehlender
Legitimität nicht anerkennen.
„Wir kündigen die Einberufung einer Parlamentssitzung in der kommenden
Woche in Tripolis an und rufen die Abgeordneten zur Teilnahme
auf.“
+ Der Abgeordnete Ali
Abu Zriba weihte zusammen mit anderen Parlamentariern einen Sitz
des Parlaments in Tripolis ein, um die Einberufung einer offiziellen
Parlamentssitzung anstatt in Bengasi in der Hauptstadt Tripolis
zu ermöglichen. Ali Abu Zriba rief die Abgeordneten auf,
sich ihnen anzuschließen.
Khairallah at-Turkawi (Parlamentarier) lobte Tripolis als die „Hauptstadt
der Freien“.
Diese Schritte deuten auf eine erneute Spaltung des Parlaments ähnlich
wie im Jahr 2014 hin.
+ Ali Abu
Zriba: Wegen der Parlamentssitzung in Bengasi und den daraus
resultierenden unrechtmäßigen Beschlüssen machen wir den dort
Anwesenden keine Vorwürfe, da sie politischem und militärischem Druck
ausgesetzt sind, der die politische Landschaft und die legitimen
Institution untergräbt.
Das korrekte Vorgehen wäre gewesen, dass Agila, Fawzi an-Nuwairi
und Misbah Duma für den 6. Oktober eine Sitzung einberufen
hätten, in der die Änderung der Geschäftsordnung offiziell
verabschiedet worden wäre, woraufhin neue Wahlen zum Vorsitz des
Parlaments stattgefunden hätten.
Bei der nächsten Woche in Tripolis stattfindenden Parlamentssitzung, an
der voraussichtlich mehr als 60 Abgeordnete teilnehmen werden, werde es eine eigene
Neuwahl des Parlamentsvorsitzenden geben.
+ LibyaPress:
Agila Saleh hält an seiner Position als Parlamentspräsident fest,
die Wahl eines neuen Präsidenten und Abgeordnetenrates
seien somit bedeutungslos.
Die abgehaltene Sitzung sei inoffiziell gewesen und deshalb mangle
es allen Maßnahmen, Entscheidungen oder Ergebnissen, die
daraus hervorgehen, an einer rechtlichen Grundlage. Die im Gesetz
und in der Geschäftsordnung vorgeschriebenen Verfahren seien nicht
eingehalten worden.
Bei der Parlamentssitzung, die in Tripolis abgehalten werden
soll, würden die Abgeordneten ihre Unterstützung für Agila Saleh
als Parlamentsvorsitzenden verkünden.
+ Das ägyptische
Außenministerium gab wenige Stunden nach der Wahl von as-Saleh
Abdul Nabi zum Parlamentspräsidenten bekannt, dass im
Rahmen der ägyptisch-italienischen Konsultationen die Einhaltung der
völkerrechtlichen Vorschriften zur Festlegung der maritimen Grenzen erörtert
wurden.
Der ägyptische Botschafter in Italien und der Leiter der
Libyen-Abteilung im ägyptischen Außenministerium betonten in Anwesenheit
des stellvertretenden italienischen Außenministers, dass sie ausländische
Einmischungen in Libyen ablehnen, und bekräftigten die Notwendigkeit,
dass alle Söldner das Land verlassen. Es dürften in Libyen keine Gruppen
politisch ausgegrenzt werden.
Die Türkei ist bestrebt, das 2019 zwischen der
Tripolis-Regierung und der Türkei unterzeichnete Abkommen zur Festlegung der
maritimen Grenzen vom Parlament ratifizieren zu lassen. Abdel
Nabi war neben seiner Abgeordnetentätigkeit auch Vorsitzender des
libysch-türkischen parlamentarischen Freundschaftsausschusses.
+ Der Präsidialratsvorsitzende al-Menfi weigerte
sich, Abdul Nabi als Parlamentspräsidenten anzuerkennen.
Er lud Agila Saleh, Mohammed Takala (Staatsrat) und Abdul Hamid
Dabaiba zu einem Treffen am 11. Oktober in Tripolis ein. Die Differenzen
der Vergangenheit sollten überwunden werden, um den wirtschaftlichen
Herausforderungen zu begegnen und ausländische Einflussnahme
zu bekämpfen.
+ Das Präsidialratsmitglied Musa al-Kuni dagegen gratulierte Abdul Nabi zu seiner Wahl als Parlamentsvorsitzender.
+ Die USA gratulierten der neuen Führung des libyschen Parlaments unter dem Vorsitz des „rechtschaffenen“ as-Saleh Abdul Nabi.
+ Die UN-Mission lässt Agila Saleh fallen und erkennt das neue Präsidium des Parlaments an.
+ Abdul an-Nabi
im Interview: Wir werden die Umsetzung des 4+4-Abkommens fortsetzen
und rufen den Staatsrat dazu auf, sich uns auf diesem Weg anzuschließen.
Das Parlament und die Generalität zögen seit 2014 an einem
Strang, und daran werde festgehalten.
Abdul an-Nabi:
Ich bin nicht besonders optimistisch, was die vielen Auseinandersetzungen
angeht. Die Mitglieder des Staatsrats müssten Druck auf den
Präsidialrat ausüben, damit dieser seine Haltung zum 4plus4-Abkommen
ändert.
Sollte der 4plus4-Prozess scheitern, werde die UN-Mission
eine neue Dialogkommission bilden, und auf dieser Grundlage würde
eine neue Regierung gewählt werden.
Das 4plus4-Abkommen werde von den USA und der ‚internationalen
Gemeinschaft‘ unterstützt.
+ Die neu gegründete Fraktion
der Freien
Abgeordneten forderte, dass das Parlament in der Hauptstadt Tripolis
in öffentlichen und transparenten Sitzungen tagt, die allen
Abgeordneten freie Meinungsäußerung und freie Stimmabgabe garantieren,
fernab von jeglicher Bedrohung, oder Vorschrift.
„Wir fordern die Neuwahl des Parlamentspräsidenten und seines Präsidiums
nach dem freien Willen seiner Mitglieder, ohne Einmischung
seitens militärischer, sicherheitspolitischer oder politischer Instanzen, denn
das Parlament vertritt das Volk und unterliegt nicht der Waffengewalt.“
Die Aufgabe der Militär- und Sicherheitsbehörden bestehe darin, das Vaterland
und seine Institutionen zu schützen, nicht aber, seine politischen
Entscheidungen zu kontrollieren oder seine Zukunft zu bestimmen.
„Wir fordern die rasche Durchführung freier und fairer Präsidentschafts- und
Parlamentswahlen auf der Grundlage klarer verfassungsrechtlicher
und gesetzlicher Vorschriften, um die Übergangsphasen zu beenden.“
Ein Land, in dem Entscheidungen unter Androhung von Waffengewalt
getroffen werden, habe keine Zukunft; eine Institution, deren
Fortbestand auf Verlängerungen statt auf dem Willen des Volkes
beruht, habe keine Legitimität.
Kommentare und Stellungnahmen
+ Anas az-Zaidani
(Politaktivist): Die Abgeordneten erhielten eine von Saddam
Haftar vorgefertigte Liste; sie erhielten auch Geldzahlungen, damit Agila
Saleh ausgeschaltet wird.
Es habe etliche Kandidaten aus der Kyrenaika gegeben, die für den
Parlamentsvorsitz kandidieren wollten. Sie hätten von Beratern, die
der Militärführung unterstellt sind, Anrufe erhalten, damit sie
ihre Bewerbung zurückziehen, was sie taten.
Saddam Haftar habe Agila Saleh gestürzt und Abdul an-Nabi uns
Spiel gebracht, um im Sinne des Boulos-Plans Vorsitzender im
Präsidialrat zu werden.
Was die Financiers betrifft, so seien dies Geschäftsleute, die
auch die Zentralbank kontrollieren. Ein Teil des Geldes, das an
die Abgeordneten gezahlt wurde, stamme von einem bekannten
Drogenhändler in der östlichen Region, der im vergangenen Monat auch die Gehälter
des libyschen Geheimdienstapparats gezahlt habe.
+ Abdul Nabi Abdul
Mula, Abgeordneter: Das Parlament wurde zu einer untergeordneten
Verwaltungseinheit von Saddam Haftar. Das, was im Parlament geschah,
war eine armselige Farce.
Die Einladung zur Sitzung kam von außerhalb des Parlaments und es
wurden dem Parlament Personen von außen aufgezwungen, die die Macht
übernehmen sollen.
Der Offizier Osama Scharif ad-Din, der für die Sicherheit des
Parlaments zuständig war, hat die Abgeordneten mit Gewalt
dazu angehalten, den neuen Präsidenten zu wählen.
Die militärische Führung müsse dem Parlament unterstellt sein,
und nicht umgekehrt.
+ Abdullah
al-Dibani (Politanalyst): Es ist besser, wenn sich die Abgeordneten
an Khalifa Haftar halten als an die Demokratie.
Die Kombination von Parlament und Staatsrat sei eine Art Ergänzung der
politischen Landschaft. Doch da diese Gremien nichts Nennenswertes
bieten, solle die Generalität das Land führen.
Khalifa Haftar habe das Land befreit und nun befinde es sich in
einem stabilen Zustand unter seiner Kontrolle.
+ Anas az-Zaidani
(Politaktivist): Agila Saleh wurde bestraft, weil er vom Kurs
abgewichen und die ihm gesetzten Grenzen überschritten hat.
Die Dabaiba-‚Regierung‘ in Tripolis habe Milliarden US-Dollar
ausgegeben und sei von Korruption geprägt, ebenso wie
die Hammad-Parallelregierung in Bengasi.
Im Westen kontrollierten Abdul Hamid, Mohammed und Ibrahim Dabaiba
alles, im Osten seien dies der Haftar-Clan – der Beweis sei
die Kaltstellung von Agila Saleh.
+ Marco Kilberth
(Libyenspezialist): Die USA wollen die Kontrolle über das
libysche Öl; dabei war Agila Saleh ein Hindernis, weshalb er ausgeschaltet
werden musste.
Seine Absetzung sei im Rahmen hitziger Machtkämpfe erfolgt. Khalifa
Haftar wolle die Macht an einen seiner Söhne übergeben; Russland
und die USA konkurrierten um Einfluss in der östlichen Region;
die Türkei strebe eine maritime Vereinbarung mit Libyen an.
Die USA wollten ein vereintes Libyen, als Alternative zur Meerenge
von Hormus und Bab al-Mandab – innerhalb des Wettlaufs
zwischen den us-amerikanischen und internationalen Ölkonzernen.
+ The
Independent Arabia: Agila Saleh droht nach zwölf Jahren,
in der er eine feststehende Größe im libyschen Politbetrieb war, der Sturz
als Parlamentspräsident. Im Kern gehe es darum, wer die gesetzgebenden
Institutionen leitet und wer in der kommenden Phase im Parlament
das Sagen hat, wenn es um die Bildung der Einheitsregierung, die Wahlgesetze,
die Verhandlungen mit dem Staatsrat und der UN-Mission
bezüglich der Besetzung hoheitlicher Ämter geht.
Zum ersten Mal stehe Agila Saleh nicht unter Druck von Gegnern
des Parlaments im Westen des Landes, sondern von den eigenen
Abgeordneten desselben politischen Lagers.
Agila setze seine Treffen und politischen Aktivitäten fort
und halte an der Rolle des Parlaments bei der Gestaltung der kommenden
Phase fest, insbesondere bei der Bildung einer einheitlichen
Regierung und der Festlegung des rechtlichen Rahmens für Wahlen.
+ GeopolDesk: „Hinter der jüngsten politischen Konfrontation im Osten Libyens hat Khalifa Haftar allen – von Agila Saleh bis hin zu den Ägyptern – klar gemacht: Wer sich der us-amerikanischen Initiative und dem 4plus4-Abkommen widersetzt, stellt sich gegen das ostlibysche Militär (Libysche Nationalarmee/LNA).
+ Khalil al-Hasi: Agila hat Israel beschuldigt, hinter einer Verschwörung zu seiner Absetzung zu stehen, als Teil eines Plans, Ägypten und die arabische nationale Sicherheit anzugreifen.
+ Josef Liv
Alvarez (ehemals israelische Spezialkräfte) schreibt im Washington
Examiner: Trump sollte die nutzlose UN-Bürokratie umgehen und
die Kyrenaika-Region direkt auffordern, dem Abraham
Accords beizutreten. Sein Beharren auf einer Einigung
führe nur dazu, dass feindliche Kräfte angelockt werden, um das Machtvakuum
im Mittelmeerraum zu füllen. Russland nutze dies aus,
indem er von dieser us-amerikanischen Blindheit profitiere.
Die jüngste Zusammenarbeit der ostlibyschen Regierung mit Israel
beweise, dass diese tatsächlich wie ein souveräner und verantwortungsbewusster
Staat agiere und eine unabhängige Diplomatie betreibe. In der UNO
halte dennoch die Tripolis-Regierung des westlichen Libyens den Sitz,
obwohl dieses komplett instabil sei.
Die Türkei habe das 2019 mit dem schwachen Tripolis-Regime
unterzeichnete maritime Memorandum of Understanding ausgenutzt,
um seinen Einflussbereiche im östlichen Mittelmeer zu erweitern,
was eine direkte Bedrohung für die Souveränität Israels darstelle. Ein
„umfassendes maritimes Abkommen zwischen Sirte und Haifa“, das auf dem Austausch
von Radardaten und der Koordination maritimer Patrouillen basiert, könne
Gestalt annehmen. Durch die Einbindung der Kyrenaika (Barqa) in eine gemeinsame
Sicherheitsstruktur könnte Washington das Mittelmeer effektiv
für seine wichtigsten regionalen Verbündeten sichern.
Die Erweiterung der bilateralen Verteidigungsbeziehungen durch
den Einsatz israelischer hochleistungsfähiger Laser-Systeme gegen
Drohnen sowie elektronische Aufklärung entlang der Bucht von
Sirte würde einen sofortigen Schutzschild gegen türkische Aggression
bieten. Es würde auch die US-Sechste Flotte mit Tracking-Daten
über russische Militärtransportflugzeuge versorgen, die in Richtung Sahelzone
und Sahara-Gürtel unterwegs sind.
Washington solle seine begrenzten US-Landerechte an strategischen
Flughäfen im Osten – wie dem Flughafen Tobruk – gegen
Prioritätszugriff auf Rohöl-Exporte in Sirte eintauschen.
Dieses bilaterale Abkommen sollte ein Verbot gegen die Erweiterung
der russischen Militärpräsenz enthalten. Durch die Etablierung einer begrenzten
US-Militärpräsenz in der Kyrenaika könnte die USA das faktische
Monopol Moskaus auf den Korridor zwischen dem Mittelmeer und der
Sahelregion brechen.
+ GeopoliticalDesk:
Haftars Unterstützung für den Boulos-Plan und das 4plus4-Abkommen
hat den Spielraum für Blockadeversuche im Osten Libyens eingeschränkt.
Agila Saleh scheint das erste Opfer zu sein, obwohl die Bedenken
darüber, was nach seiner Absetzung folgen wird, die militärische Führung
im Osten (LNA) weiterhin spaltet.
Bei einem vorangegangenen Treffen von Khalifa Haftar mit rund 70
Abgeordneten, darunter sowohl Befürworter als auch Gegner von Agila
Saleh, habe Haftar erklärt, dass die LNA, also das Militär,
uneingeschränkt das Abkommen unterstütze und sich jeder, der sich
dagegen stelle, sich gegen die LNA positioniere.
Diese Botschaft habe sich auch an seinen Sohn Belqasim sowie an Ägypten
gerichtet, deren jeweilige Positionen die Bemühungen erschwert
haben, den Osten Libyens hinter das Abkommen zu bringen.
Abgeordnete beider Lager nannten den Parlamentspräsidenten
Agila Saleh und die ägyptische Einmischung als Hindernisse für
das 4+4-Abkommen.
+ AgenziaNova
(Italien): Abdul Nabi wurde in einer umstrittenen Abstimmung zum Parlamentspräsidenten
gewählt, wodurch Libyen nun auch zwei Parlamentspräsidenten haben
könnte. Diese Entwicklung ebne den Weg für einen Machtkampf, in dessen Mittelpunkt
vor allem der 35-jährige Saddam Haftar stehe, der sich eine politische
Position sichern möchte, bevor sein Vater ganz der Bildfläche verschwindet
und erneut Konflikte mit seinen Brüdern Khaled und Belkacem
ausbrechen und zu Spannungen mit Ägypten führen könnten.
Das Parlament spiele eine entscheidende Rolle bei der
Verabschiedung von Gesetzen und Wahlvorschriften; daher habe das Amt
des Parlamentspräsidenten einen erheblichen Einfluss auf Verhandlungen
und das Kräfteverhältnis.
+ Claudia Gazini
(International Crisis Group) warnt vor den Folgen einer neuen
Spaltung infolge der Absetzung von Agila Saleh.
Es habe keine echte Wahl eines neuen Parlamentspräsidenten
stattgefunden, da die Sitzung auf Betreiben des Haftar-Militärs
einberufen wurde und entsprechende Abmachungen bereits vorher getroffen
wurden. Zur Wahl stand nur ein einziger Kandidat.
Die Behauptung, dass 103 Abgeordnete anwesend gewesen wären, sei nicht
glaubwürdig.
Die Wahl von Abdul Nabi zeige die künftige Ausrichtung der
Außenbeziehungen: Nabi war zuvor bereits Vorsitzender des
parlamentarischen Freundschaftsausschusses mit der Türkei. Dies könnte
die Ratifizierung durch das Parlament des zwischen der Türkei und
der Tripolis-Regierung geschlossenen Abkommens über die maritime
Grenzziehung erleichtern, das sowohl von Ägypten als auch von Griechenland
abgelehnt werde.
Die Haltung des Staatsrats
+ Der Staatsrat
einigte sich mit Scheichs, Weisen und Aktivisten darauf,
das 4plus4-Abkommen sowie jegliche Einmischung der Exekutive
oder der Behörden im Osten bei der Auswahl der Vertreter der
Legislative abzulehnen.
Die Vereinbarung sehe vor, Wahlen und ein Verfassungsreferendum
durchzuführen.
+ Der Staatsrat stimmte
in seiner Sitzung am 5. Oktober dafür, der UN-Mission seinen
Beschluss zur Ablehnung des 4plus4-Abkommens mitzuteilen. Abgelehnt
werde auch dessen Ratifizierung durch den Parlamentsvorsitzenden Agila
Saleh.
72 von 92 Mitgliedern stimmten gegen die 4plus4-Ergebnisse,
da diese weder einen nationalen Konsens noch eine verfassungsrechtliche
und rechtliche Grundlage aufweisen.
Es werde an der Umsetzung des von der UN-Mission am 21. August 2025
vorgelegten Fahrplans festgehalten, da dieser einen klaren
politischen Kurs aufweise und auf verfassungsrechtlichen Grundlagen
beruhe.
+ Al-Arab
(London): Die Ablehnung des 4plus4-Abkommens durch den Staatsrat
bringt das Thema Wahlen erneut in den Mittelpunkt der
politischen Auseinandersetzung.
Die Bedeutung der Haltung des Staatsrats ergibt sich daraus, dass
der Streit nicht nur den Termin der Wahlen oder die Notwendigkeit
ihrer Durchführung betrifft, sondern die Grundlage, auf der sie
stattfinden sollen.
Meinungsverschiedenheiten bezüglich der Wahlgesetze, die Voraussetzungen
für die Kandidatur und die für die Übergangsphase zuständigen Stellen
brachten den Prozess ins Stocken und die Wahlen wurden mehr und
mehr zu einem Symbol der politischen Krise.
Die Ablehnung des 4plus4-Abkommens durch den Staatsrat
stelle jedoch die jüngste Einigung vor eine schwierige politische und
rechtliche Bewährungsprobe.
Die Festlegung einer neuen Frist, innerhalb derer Wahlen
abgehalten werden sollen, reicht nicht aus, um deren Durchführung
zu gewährleisten; Wahlen erfordern einvernehmlich vereinbarte
Gesetze, akzeptierte Institutionen und Vorkehrungen, die sicherstellen,
dass die Parteien die Ergebnisse anerkennen.
UN-Mission: 4plus4-Abkommen – Boulos-Plan
+ LibyaPress.
Die UN-Mission beschloss, das zehnte Treffen des 4plus4-Gremiums
am 4. Oktober in Tunesien abzuhalten. Das Treffen werde die Frage
der Ämter des Generalstaatsanwalts und des Präsidenten des Obersten
Gerichts besprechen.
Das östliche Lager strebe die Ablösung von Richter Abdullah Abu
Riziza an, dem derzeitigen Präsidenten des Obersten Gerichtshofs und
des Justizrats in Tripolis. Das Oberste Verfassungsgericht
urteilte, dass die Ernennung des Beraters Abdullah Abu Rizeiga zum Präsidenten
des Kassationshofs verfassungswidrig sei.
Auch wolle der Osten die Ablösung von Richter as-Sadiq as-Sour,
dem derzeitigen Generalstaatsanwalt, da dieser in wichtigen Fällen
von öffentlichem Interesse ermittelt, wie beispielsweise im Fall der Ermordung
von Saif al-Islam al-Gaddafi. As-Sour sei zudem für die Ermittlungen
in Korruptionsfällen zuständig, die auch einige Amtsträger im
Osten Libyens betreffen könnten.
Die Behörden in Tripolis betrachteten diese Schritte als Versuch,
die Justiz zu kontrollieren.
+ UN-Mission:
Der 4+4-Ausschuss hat auf einer Sitzung die Auswirkungen
der Spaltung der Justiz auf den Wahlprozess erörtert.
Die Teilnehmer erklärten, dass jegliche verfahrensrechtliche Schritte
zur Umsetzung des Abkommens verfrüht und für das derzeitige Klima des
Konsenses nicht förderlich seien.
+ Am 6. Oktober traf sich Hanna Tetteh
mit dem türkischen Außenminister Hakan Fidan in Ankara – dies geschah parallel
mit der Ablehnung des 4plus4-Abkommens durch den Staatsrat.
Tetteh traf vor ihrer Türkeireise auch die Außenminister
von Ägypten und Tunesien.
+ Die Misrata-Bataillone
(unterstehen der Notfallzentrale für militärische Operationen): Libyen
ist einer Gefahr ausgesetzt, die seine nationale Sicherheit bedroht
und seine Stabilität untergräbt. Das 4plus4-Abkommen, in
dem die Macht zwischen zwei Clans aufgeteilt wird, werde von Staaten
befürwortet, die von den libyschen Reichtümern profitieren wollen. „Wir
lehnen dieses Abkommen in jeder Hinsicht ab.“
Ebenfalls werde der Diebstahl von 100 Milliarden Dinar aus dem Programm
Rohöl gegen Treibstoff verurteilt, dessen Gewinn sich die beiden
Clans teilten.
Gefordert werde ein neuer Verfassungsprozess gemäß den verfassungsrechtlichen
Grundsätzen und den Resolutionen des UN-Sicherheitsrats.
+ Al-Araby
Al-Jadeed (Katar): Das 4plus4-Abkommen zeigt, dass einige
Deals in Libyen erfolgreich sein könnten, aber sie sind kein Beweis
dafür, eine gemeinsame Autorität der beiden konkurrierenden Seiten aufzubauen.
Dieses Problem habe die internationale Gemeinschaft bei ihren gesamten
Initiativen begleitet, da sie die Probleme jedes Mal von oben
angeht, indem sie aus den prominentesten Akteuren Persönlichkeiten auswählt,
mit denen sie Verhandlungen führt, und dann davon ausgeht, dass
das, worauf sie sich einigen, zu einer nationalen Realität werden kann.
Dies sei eine wiederholte Vereinfachung einer komplexen Krise, in der
sich politische, soziale, sicherheitspolitische und wirtschaftliche
Mengen überschneiden.
Die Aufdeckung der terroristischen Zelle, die mit den Ereignissen in
Zawiya und Tripolis in Verbindung steht, offenbare den gewaltigen
Abstand zwischen dem, was auf dem Verhandlungstisch geschieht, und
dem, was auf dem Boden passiert und werfe eine Frage auf, auf die
die UN-Mission keine Antwort habe: Wie könne eine gemeinsame
Autorität zwischen zwei Seiten aufgebaut werden, die in diesem Ausmaß gegenseitig
in Intrigen verwickelt sind?
+ RT: Meinungsverschiedenheiten
zwischen dem Staatsrat und dem Parlament bezüglich der Ergebnisse
des 4plus4-Abkommens verhindern eine Einigung über den
Termin für die Parlamentswahlen.
Die UN-Mission hatte den beiden Gremien eine Frist von einem
Monat gesetzt, um dem Abkommen zuzustimmen. Das Parlament
habe seine Unterstützung für das 4plus4-Abkommen bekundet
und zusätzlich Änderungen im Wahlgesetz verabschiedet, während der Staatsrat
einige Punkte des Abkommens ablehnte.
Die Aufgabe der UN-Mission sei es, zu verhindern, dass der Streit
um das Abkommen in eine parallele politische Entwicklung mündet. Grundsätzlich
müssten das Streben nach Wahlen und der Vereinheitlichung der
Institutionen gewahrt werden.
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