Montag, 15. April 2019



Wenig Neues aus Tripolis – 11.04.2019



Libyen. Weitere Zusammenstöße in den Außenbezirken/LNA schießt in Misrata gestarteten Militärjet ab/Frankreich blockiert gemeinsame EU-Erklärung
 
Laut der Weltgesundheitsorganisation sind bei den Kämpfen um Tripolis bisher 56 Menschen ums Leben gekommen, 266 wurden verletzt.
Die Zahl der Geflüchteten in und um Tripolis soll sich in den letzten 48 Stunden auf knapp 6.000 Personen erhöht haben.
In bestimmten Außenbezirken scheint es zu weiteren Zusammenstößen zwischen Truppen der Libyschen Nationalarmee (LNA) und Milizen der ‚Einheitsregierung‘ gekommen zu sein.
Nachdem am Mittwoch die LNA und Milizen der ‚Einheitsregierung‘ nahe Tripolis Luftangriffe auf die jeweils feindlichen Stellungen flogen, hat die LNA ein Militärflugzeug, das vom Flughafen in Misrata gestartet war, abgeschossen. Unklar blieb, ob es sich dabei um einen Jet der ‚Einheitsregierung‘ oder um ein Flugzeug einer ausländischen Macht gehandelt hat.
Die LNA bestätigt, sie habe die Stellung in al-Azizia (etwa 45 km südwestlich von Tripolis) eingenommen.
Frankreich hat am Mittwoch eine Erklärung der Europäischen Union blockiert, in der General Hafter aufgefordert wurde, die Offensive der LNA zu stoppen. In dem Text hatte es geheißen, dass der militärische Angriff „die Zivilbevölkerung gefährdet, den politischen Prozess stört und eine weitere Eskalation mit schweren Konsequenzen für Libyen und die gesamte Region einschließlich der terroristischen Bedrohung riskiert“. Nach der Ablehnung Frankreichs soll ein neuer Textentwurf ausgearbeitet werden.
Nachdem am Mittwoch der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Antonio Guterres, den UN-Sicherheitsrat in einer geschlossenen Sitzung über die Situation in Libyen informiert hatte, forderte er einen Waffenstillstand, um weiteres Blutvergießen zu vermeiden. „Es ist immer noch Zeit aufzuhören“, sagte Guterres den Reportern.
Laut dem Sprecher der Bundesregierung hat Bundeskanzlerin Angela Merkel General Hafter aufgefordert, seine Offensive gegen die ‚Einheitsregierung‘ in Tripolis „sofort zu beenden“.

A. Gutsche

Sehens- bzw. lesenswerter Artikel:



Update 08.04.2019: Marsch auf Tripolis

Libyen. Die Lage in Tripolis/ Gefahr durch USA/Misratas Schlüsselrolle bei der libyschen Katastrophe/Die UN/Libysches Erdöl

Wie das Gesundheitsministerium der ‚Einheitsregierung‘ mitteilte, hat es mittlerweile bei den Kämpfen in Tripolis mindestens 21 Tote und 27 Verletzte gegeben.
Die Tripolis- und Misrata-Milizen haben ihre Gegenoffensive unter dem grauseligen Namen „Vulkan des Zorns“ gestartet.
Laut Berichten der Nachrichtenagentur Sputnik hat die libysche Armee (LNA) seit Sonntagfrüh Luftangriffe auf bewaffnete Milizen und deren Versorgungseinheiten in Vororten von Tripolis geflogen. Gestartet seien die Flugzeuge von LNA-Stützpunkt Wadi Rabea. Die ‚Einheitsregierung‘ hat ihrerseits Luftangriffe auf Wadi Rabea und den Wattiya-Luftwaffenstütztpunkt der libyschen Armee (LNA) durchgeführt.
Nachdem zunächst Militärsprecher der Armee verkündet hatten, dass sie den internationalen Flughafen von Tripolis unter ihre Kontrolle gebracht haben, kam der Flughafen unter Luftangriffe der Tripolis-Milizen. In einer Pressekonferenz heute Abend bestätigte der Sprecher der libyschen Armee (LNA), die Armee habe die Kontrolle über den internationalen Flughafen Tripolis, das Yarmouk Camp und das Wadi Al-Rabie übernommen.
Der Mitiga-Flughafen von Tripolis wurde ebenfalls von einem Kampfjet der libyschen Armee (LNA) angegriffen und musste deshalb geschlossen werden.
Heute bombardierte ein Flugzeug, das von Misrata aus gestartet war, eine Farm, die einst Oberst Gaddafi gehört hatte. Die Farm sei ein ziviles Ziel gewesen und hätte keinerlei militärische Bedeutung gehabt.
Die libysche Armee (LNA) soll wichtige strategische Positionen bereits eingenommen haben und den Marsch ins Stadtzentrum vorbereiten. Einige Tripolis-Milizen sollen sich bereits geweigert haben, gegen die libysche Armee (LNA) Kampfhandlungen aufzunehmen. Weitere Unterstützung kommt von Einheiten aus dem Osten. Der Sprecher der libyschen Armee (LNA) erklärte: „Wir versichern der internationalen Gemeinschaft und den Bewohnern von Tripolis, dass unser Plan nicht über die Bekämpfung von Terroristen und Kriminellen in Tripolis hinausgeht.“
Ein schwerer Schlag für die ‚Einheitsregierung‘ dürfte das Überlaufen von Ali al-Katrani sein, der in der ‚Einheitsregierung‘ das Amt des stellvertretenden Ministerpräsidenten innehatte und der jetzt erklärte, er unterstütze die libysche (LNA) Armee, da Tripolis vor „bewaffneten kriminellen Terrormilizen“ befreit werden müsse.
Laut einem Artikel auf TheLibyanReport sind drei Szenarien für die weitere Entwicklung rund um Tripolis vorstellbar: Erstens könnte daraus ein lang andauernder Konflikt werden, bei dem sich die Rückeroberung von Tripolis von den Milizen der Einheitsregierung über Jahre hinzieht. Zweitens sei ein schneller Sieg denkbar, wenn genügend Milizen durch Verhandlungen dazu gebracht werden, zur libyschen Armee (LNA) überzulaufen. Allerdings würde sich der weitere Umgang mit ihnen als problematisch erweisen. Und drittens könnte sich ein neuer Status Quo konsolidieren, bei dem die libysche Armee (LNA) strategisch wichtige Positionen einnimmt, um den Druck auf die Hauptstadt aufrechtzuhalten. Es würden weitere Verhandlungsrunden folgen. Interessant bei dieser Lageeinschätzung ist, dass kein Szenario existiert, bei dem die ‚Einheitsregierung‘ mit ihren Milizen die Oberhand behält.
Laut dem Außenminister der Interimsregierung (Baida) im Osten Libyens, Hadi Khweish, wird die Militäroperation rund um Tripolis die geplante Abhaltung von Wahlen nicht beeinträchtigen. Libyer hätten die Freiheitseinschränkungen, Gefangennahmen, Mord, Entführungen, Gewalt und Verbrechen satt. Nach dem Ende der Militäroperationen werde Libyen auf dem richtigen Weg bleiben und ein positives Mitglied der internationalen Gemeinschaft werden.
Der Sprecher der libyschen Armee (LNA) bekundete den Willen, auch an der Nationalkonferenz, die Mitte April in Ghadames geplant ist, festzuhalten.
Was sich aus der jetzigen Situation ablesen lässt, ist, dass die Installierung dieser ‚Einheitsregierung‘ und ihre Anerkennung durch eine ‚internationale Gemeinschaft‘ und die UN eine einzige große Lüge, ein fake unglaublichen Ausmaßes war und ist. Es wurde ein Potemkin’sches Dorf errichtet, das mit den Realitäten in Libyen keinerlei Schnittmengen hatte und das jetzt wie ein Kartenhaus zusammenfällt.
Und wie schon so oft könnte das Schicksal Libyens von den Ältestenräten der Stämme und Städte abhängen. Der Oberste Rat für Versöhnung der Kyrenaika will die Ältestenräte dazu auffordern, alles nur irgend Mögliche zu unternehmen, damit das Blutvergießen unter Libyern endet.

Die Lage der Zivilisten in Tripolis
Al-Arabija berichtet, dass es in einigen Bezirke im Süden von Tripolis infolge der bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen der Armee und Tripolis-Milizen wegen beschädigter Stromleitungen zu Stromausfällen kam. Etwa 2.800 Menschen seien aus den umkämpften Gebieten geflohen.
Dagegen zeigen sich die Bewohner von Tripolis von den Kämpfen recht unbeeindruckt. Das Leben in der Hauptstadt scheint normal weiterzugehen. Die Geschäfte sind geöffnet, die Leute gehen zur Arbeit und ihren täglichen Verrichtungen nach, auf den Straßen herrscht Verkehr, Checkpoints sind selten und oft nicht besetzt.

USA: Ein Damoklesschwert hängt über Libyen
Wie AFRICOM mitteilte und wie auf Video im Internet zu besichtigen ist, evakuierten Boote der US-Armee nahe der Küstenstadt Janzour (westlich von Tripolis) ein Kontingent US-Truppen. Allerdings ließ Nate Herring, Sprecher von AFRICOM, auch verlauten: „Wir werden weiterhin die Bedingungen vor Ort überwachen und gegebenenfalls die Machbarkeit einer erneuten US-Militärpräsenz prüfen.“
Dies ist durchaus als Drohung zu verstehen. Für die US-Truppen wäre es jederzeit möglich, nach Libyen zurückzukehren und dort in die Kämpfe zugunsten der ‚Einheitsregierung‘ auch mit ihrer Luftwaffe einzugreifen. Bisher führten die USA in Libyen Luftangriffe gegen Standorte des IS durch.
Allerdings können die USA auf einen wichtigen Partner in der Region, den eine lange Grenze mit Libyen verbindet, nicht wirklich zählen: Algerien ist durch die Schwierigkeiten, ausgelöst durch die missglückte Wiederwahl des Zombies Bouteflika äußerst geschwächt. Und der östliche Nachbar, Ägypten, unterstützt sowieso die libysche Armee (LNA).
Der Sprecher der libyschen Armee (LNA) zeigte sich über die Präsenz der US-amerikanischen Truppen in Tripolis überrascht und meinte, auf libyschem Territorium gebe es 300 US-Soldaten.

Die Schlüsselrolle der Stadt Misrata
Heute fand in Moskau ein Treffen zwischen Putin und Erdogan statt. Dabei dürfte auch Libyen Thema gewesen sein, da die Türkei neben Katar als der stärkste Unterstützer der Moslembrüder und der Stadt Misrata gilt. Die besonderen Beziehungen der Türkei zu Misrata stammen aus der Abstammung vieler Bewohner Misratas. Viele von ihnen haben türkische Wurzeln, die noch aus Zeit der osmanischen Besatzung Libyens stammen. Die Bewohner Misratas standen immer in Gegnerschaft zur Dschamahirija und zu Gaddafi. Sie waren die Ausführenden bei seiner brutalen Ermordung und der seines Sohnes und der tagelangen leichenschänderischen Zurschaustellung seines toten Körpers. Ebenso sind sie verantwortlich für die Vertreibung der dunkelhäutigen Bewohner der Stadt Tawerga und der Weigerung, diese in ihr angestammtes Zuhause zurückkehren zu lassen.
Die Türkei ist durch regelmäßige Flugverbindungen mit Misrata verbunden. All die Jahre seit dem Sturz der Dschamahirija-Regierung kamen über Misrata aus der Türkei Waffen und dschihadistische Kämpfer ins Land, die von Misrata über den Seeweg entlang der libyschen Küste in den Osten gebracht wurden, um die dortigen Dschihadisten und al-Kaida-Kämpfer in Bengasi und vor allem in der Dschihadistenhochburg Derna zu beliefern. Es waren lange und blutige Kämpfe der LNA erforderlich, um in Bengasi und insbesondere in Derna diese extrem-islamistischen Milizen niederzukämpfen. Erst im letzten Jahr konnte sich der Osten Libyens als komplett befreit erklären.
Gut möglich, dass sich Putin und Erdogan nun bemühen, einen ‚Deal‘ für Libyen auszuhandeln, so wie es ihnen bereits für Syrien gelang. Erdogan dürfte schlauer sein als die sonstigen Europäer und Libyen schon lange abgeschrieben haben. Der Traum vom neuen Osmanischen Reich ist ausgeträumt.
Die Küstenstadt Misrata hat unter dem Namen al-Bunyan al-Marsous den stärksten Milizenverband Libyens aufgebaut. Er vertrieb 2016 den IS aus der Sirte und übt seitdem die Kontrolle über die Stadt aus.
Große Unterstützung genießt Misrata auch von Italien, das eine Truppe von 300 Mann bei Misrata stationiert hat, angeblich um ein Krankenhaus zu schützen. Wichtiger ist sicherlich die logistische Unterstützung der libyschen Küstenwache, die Migranten davon abhalten soll, sich auf den Weg nach Italien zu machen. Die italienische Regierung schloss bei der Migrantenabwehr einen recht unseligen Pakt mit kriminellen und undurchsichtigen Milizen. Nun gab die italienische Regierung bekannt, sie schließe jede Intervention von Spezialeinheiten in Tripolis aus.
Misrata wird der große Verlierer sein.

Die Vereinten Nationen
Russland legte am Sonntag ein Veto gegen eine Erklärung des UN-Sicherheitsrates ein, die Haftar aufgefordert hätte, seinen Vormarsch auf Tripoli einzustellen. Moskau bestand darauf, dass die formelle Erklärung alle libyschen Streitkräfte auffordert, die Kämpfe einzustellen. Die von Moskau vorgeschlagene Änderung wurde von den Vereinigten Staaten jedoch abgelehnt.
Die G7 haben auf ihrem Gipfel zu Gewaltverzicht in Libyen aufgerufen. Ausgerechnet die G7 mit den USA, Frankreich und Großbritannien, die führenden Mächte beim Nato-Krieg 2011 gegen Libyen, Damals dauerten die Luftangriffe sieben Monate, es wurden 30.000 Einsätze geflogen und mehr als 40.000 Raketen und Bomben abgeworfen. Die Mächte, die dies zu verantworten haben, rufen heute zu Gewaltverzicht auf. Ein Hohn!

Das libysche Erdöl
Die großen Erdölfelder in Libyen scheinen weiter zu fördern. Libyens Öl ist aufgrund seiner niedrigen Förderkosten, seines geringen Schwefelgehalts und seiner Nähe zu den europäischen Märkten sehr gefragt.
Laut der Tagesschau sind die neuen Höchststände der Ölpreise auf die Krise in Libyen zurückzuführen. Das ist unglaubwürdig, da die Fördermenge in Libyen aufgrund der Turbulenzen im Land in den letzten Jahren sehr schwankend war. Der Preisanstieg dürfte viel eher mit der Krise in Venezuela in Zusammenhang stehen. Die Ausfuhr in die USA, die bis vor kurzem noch Hauptabnehmer des venezolanischen Erdöls war, ist zum Erliegen gekommen. Das Öl geht jetzt nach Indien, China und Singapur. Dies bedeutet, dass sich die USA anderweitig um Öllieferungen bemühen müssen und dies den westlichen Ölmarkt unter Druck setzt. Die Exportrate von Öl aus Venezuela nach Europa fiel von 22 auf 17 Prozent. Auch dies dürfte die Ölpreise in Europa in die Höhe treiben. Libyen für den Ölpreisanstieg verantwortlich zu machen dient nur dazu, den wahren Grund zu verschleiern, nämlich dass der ganze Umsturzversuch in Venezuela ein Schuss ins Knie war – ebenso wie der Regimechange in Libyen. Doch was heißt Knie: Der Schuss sitzt höher.

A. Gutsche 
 


Donnerstag, 11. April 2019



Update 08.04.2019: Marsch auf Tripolis

Libyen. Die Lage in Tripolis/ Gefahr durch USA/Misratas Schlüsselrolle bei der libyschen Katastrophe/Die UN/Libysches Erdöl

Wie das Gesundheitsministerium der ‚Einheitsregierung‘ mitteilte, hat es mittlerweile bei den Kämpfen in Tripolis mindestens 21 Tote und 27 Verletzte gegeben.
Die Tripolis- und Misrata-Milizen haben ihre Gegenoffensive unter dem grauseligen Namen „Vulkan des Zorns“ gestartet.
Laut Berichten der Nachrichtenagentur Sputnik hat die libysche Armee (LNA) seit Sonntagfrüh Luftangriffe auf bewaffnete Milizen und deren Versorgungseinheiten in Vororten von Tripolis geflogen. Gestartet seien die Flugzeuge von LNA-Stützpunkt Wadi Rabea. Die ‚Einheitsregierung‘ hat ihrerseits Luftangriffe auf Wadi Rabea und den Wattiya-Luftwaffenstütztpunkt der libyschen Armee (LNA) durchgeführt.
Nachdem zunächst Militärsprecher der Armee verkündet hatten, dass sie den internationalen Flughafen von Tripolis unter ihre Kontrolle gebracht haben, kam der Flughafen unter Luftangriffe der Tripolis-Milizen. In einer Pressekonferenz heute Abend bestätigte der Sprecher der libyschen Armee (LNA), die Armee habe die Kontrolle über den internationalen Flughafen Tripolis, das Yarmouk Camp und das Wadi Al-Rabie übernommen.
Der Mitiga-Flughafen von Tripolis wurde ebenfalls von einem Kampfjet der libyschen Armee (LNA) angegriffen und musste deshalb geschlossen werden.
Heute bombardierte ein Flugzeug, das von Misrata aus gestartet war, eine Farm, die einst Oberst Gaddafi gehört hatte. Die Farm sei ein ziviles Ziel gewesen und hätte keinerlei militärische Bedeutung gehabt.
Die libysche Armee (LNA) soll wichtige strategische Positionen bereits eingenommen haben und den Marsch ins Stadtzentrum vorbereiten. Einige Tripolis-Milizen sollen sich bereits geweigert haben, gegen die libysche Armee (LNA) Kampfhandlungen aufzunehmen. Weitere Unterstützung kommt von Einheiten aus dem Osten. Der Sprecher der libyschen Armee (LNA) erklärte: „Wir versichern der internationalen Gemeinschaft und den Bewohnern von Tripolis, dass unser Plan nicht über die Bekämpfung von Terroristen und Kriminellen in Tripolis hinausgeht.“
Ein schwerer Schlag für die ‚Einheitsregierung‘ dürfte das Überlaufen von Ali al-Katrani sein, der in der ‚Einheitsregierung‘ das Amt des stellvertretenden Ministerpräsidenten innehatte und der jetzt erklärte, er unterstütze die libysche (LNA) Armee, da Tripolis vor „bewaffneten kriminellen Terrormilizen“ befreit werden müsse.
Laut einem Artikel auf TheLibyanReport sind drei Szenarien für die weitere Entwicklung rund um Tripolis vorstellbar: Erstens könnte daraus ein lang andauernder Konflikt werden, bei dem sich die Rückeroberung von Tripolis von den Milizen der Einheitsregierung über Jahre hinzieht. Zweitens sei ein schneller Sieg denkbar, wenn genügend Milizen durch Verhandlungen dazu gebracht werden, zur libyschen Armee (LNA) überzulaufen. Allerdings würde sich der weitere Umgang mit ihnen als problematisch erweisen. Und drittens könnte sich ein neuer Status Quo konsolidieren, bei dem die libysche Armee (LNA) strategisch wichtige Positionen einnimmt, um den Druck auf die Hauptstadt aufrechtzuhalten. Es würden weitere Verhandlungsrunden folgen. Interessant bei dieser Lageeinschätzung ist, dass kein Szenario existiert, bei dem die ‚Einheitsregierung‘ mit ihren Milizen die Oberhand behält.
Laut dem Außenminister der Interimsregierung (Baida) im Osten Libyens, Hadi Khweish, wird die Militäroperation rund um Tripolis die geplante Abhaltung von Wahlen nicht beeinträchtigen. Libyer hätten die Freiheitseinschränkungen, Gefangennahmen, Mord, Entführungen, Gewalt und Verbrechen satt. Nach dem Ende der Militäroperationen werde Libyen auf dem richtigen Weg bleiben und ein positives Mitglied der internationalen Gemeinschaft werden.
Der Sprecher der libyschen Armee (LNA) bekundete den Willen, auch an der Nationalkonferenz, die Mitte April in Ghadames geplant ist, festzuhalten.
Was sich aus der jetzigen Situation ablesen lässt, ist, dass die Installierung dieser ‚Einheitsregierung‘ und ihre Anerkennung durch eine ‚internationale Gemeinschaft‘ und die UN eine einzige große Lüge, ein fake unglaublichen Ausmaßes war und ist. Es wurde ein Potemkin’sches Dorf errichtet, das mit den Realitäten in Libyen keinerlei Schnittmengen hatte und das jetzt wie ein Kartenhaus zusammenfällt.
Und wie schon so oft könnte das Schicksal Libyens von den Ältestenräten der Stämme und Städte abhängen. Der Oberste Rat für Versöhnung der Kyrenaika will die Ältestenräte dazu auffordern, alles nur irgend Mögliche zu unternehmen, damit das Blutvergießen unter Libyern endet.

Die Lage der Zivilisten in Tripolis

Al-Arabija berichtet, dass es in einigen Bezirke im Süden von Tripolis infolge der bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen der Armee und Tripolis-Milizen wegen beschädigter Stromleitungen zu Stromausfällen kam. Etwa 2.800 Menschen seien aus den umkämpften Gebieten geflohen.
Dagegen zeigen sich die Bewohner von Tripolis von den Kämpfen recht unbeeindruckt. Das Leben in der Hauptstadt scheint normal weiterzugehen. Die Geschäfte sind geöffnet, die Leute gehen zur Arbeit und ihren täglichen Verrichtungen nach, auf den Straßen herrscht Verkehr, Checkpoints sind selten und oft nicht besetzt.

USA: Ein Damoklesschwert hängt über Libyen

Wie AFRICOM mitteilte und wie auf Video im Internet zu besichtigen ist, evakuierten Boote der US-Armee nahe der Küstenstadt Janzour (westlich von Tripolis) ein Kontingent US-Truppen. Allerdings ließ Nate Herring, Sprecher von AFRICOM, auch verlauten: „Wir werden weiterhin die Bedingungen vor Ort überwachen und gegebenenfalls die Machbarkeit einer erneuten US-Militärpräsenz prüfen.“
Dies ist durchaus als Drohung zu verstehen. Für die US-Truppen wäre es jederzeit möglich, nach Libyen zurückzukehren und dort in die Kämpfe zugunsten der ‚Einheitsregierung‘ auch mit ihrer Luftwaffe einzugreifen. Bisher führten die USA in Libyen Luftangriffe gegen Standorte des IS durch.
Allerdings können die USA auf einen wichtigen Partner in der Region, den eine lange Grenze mit Libyen verbindet, nicht wirklich zählen: Algerien ist durch die Schwierigkeiten, ausgelöst durch die missglückte Wiederwahl des Zombies Bouteflika äußerst geschwächt. Und der östliche Nachbar, Ägypten, unterstützt sowieso die libysche Armee (LNA).
Der Sprecher der libyschen Armee (LNA) zeigte sich über die Präsenz der US-amerikanischen Truppen in Tripolis überrascht und meinte, auf libyschem Territorium gebe es 300 US-Soldaten.

Die Schlüsselrolle der Stadt Misrata

Heute fand in Moskau ein Treffen zwischen Putin und Erdogan statt. Dabei dürfte auch Libyen Thema gewesen sein, da die Türkei neben Katar als der stärkste Unterstützer der Moslembrüder und der Stadt Misrata gilt. Die besonderen Beziehungen der Türkei zu Misrata stammen aus der Abstammung vieler Bewohner Misratas. Viele von ihnen haben türkische Wurzeln, die noch aus Zeit der osmanischen Besatzung Libyens stammen. Die Bewohner Misratas standen immer in Gegnerschaft zur Dschamahirija und zu Gaddafi. Sie waren die Ausführenden bei seiner brutalen Ermordung und der seines Sohnes und der tagelangen leichenschänderischen Zurschaustellung seines toten Körpers. Ebenso sind sie verantwortlich für die Vertreibung der dunkelhäutigen Bewohner der Stadt Tawerga und der Weigerung, diese in ihr angestammtes Zuhause zurückkehren zu lassen.
Die Türkei ist durch regelmäßige Flugverbindungen mit Misrata verbunden. All die Jahre seit dem Sturz der Dschamahirija-Regierung kamen über Misrata aus der Türkei Waffen und dschihadistische Kämpfer ins Land, die von Misrata über den Seeweg entlang der libyschen Küste in den Osten gebracht wurden, um die dortigen Dschihadisten und al-Kaida-Kämpfer in Bengasi und vor allem in der Dschihadistenhochburg Derna zu beliefern. Es waren lange und blutige Kämpfe der LNA erforderlich, um in Bengasi und insbesondere in Derna diese extrem-islamistischen Milizen niederzukämpfen. Erst im letzten Jahr konnte sich der Osten Libyens als komplett befreit erklären.
Gut möglich, dass sich Putin und Erdogan nun bemühen, einen ‚Deal‘ für Libyen auszuhandeln, so wie es ihnen bereits für Syrien gelang. Erdogan dürfte schlauer sein als die sonstigen Europäer und Libyen schon lange abgeschrieben haben. Der Traum vom neuen Osmanischen Reich ist ausgeträumt.
Die Küstenstadt Misrata hat unter dem Namen al-Bunyan al-Marsous den stärksten Milizenverband Libyens aufgebaut. Er vertrieb 2016 den IS aus der Sirte und übt seitdem die Kontrolle über die Stadt aus.
Große Unterstützung genießt Misrata auch von Italien, das eine Truppe von 300 Mann bei Misrata stationiert hat, angeblich um ein Krankenhaus zu schützen. Wichtiger ist sicherlich die logistische Unterstützung der libyschen Küstenwache, die Migranten davon abhalten soll, sich auf den Weg nach Italien zu machen. Die italienische Regierung schloss bei der Migrantenabwehr einen recht unseligen Pakt mit kriminellen und undurchsichtigen Milizen. Nun gab die italienische Regierung bekannt, sie schließe jede Intervention von Spezialeinheiten in Tripolis aus.
Misrata wird der große Verlierer sein.

Die Vereinten Nationen

Russland legte am Sonntag ein Veto gegen eine Erklärung des UN-Sicherheitsrates ein, die Haftar aufgefordert hätte, seinen Vormarsch auf Tripoli einzustellen. Moskau bestand darauf, dass die formelle Erklärung alle libyschen Streitkräfte auffordert, die Kämpfe einzustellen. Die von Moskau vorgeschlagene Änderung wurde von den Vereinigten Staaten jedoch abgelehnt.
Die G7 haben auf ihrem Gipfel zu Gewaltverzicht in Libyen aufgerufen. Ausgerechnet die G7 mit den USA, Frankreich und Großbritannien, die führenden Mächte beim Nato-Krieg 2011 gegen Libyen, Damals dauerten die Luftangriffe sieben Monate, es wurden 30.000 Einsätze geflogen und mehr als 40.000 Raketen und Bomben abgeworfen. Die Mächte, die dies zu verantworten haben, rufen heute zu Gewaltverzicht auf. Ein Hohn!

Das libysche Erdöl

Die großen Erdölfelder in Libyen scheinen weiter zu fördern. Libyens Öl ist aufgrund seiner niedrigen Förderkosten, seines geringen Schwefelgehalts und seiner Nähe zu den europäischen Märkten sehr gefragt.
Laut der Tagesschau sind die neuen Höchststände der Ölpreise auf die Krise in Libyen zurückzuführen. Das ist unglaubwürdig, da die Fördermenge in Libyen aufgrund der Turbulenzen im Land in den letzten Jahren sehr schwankend war. Der Preisanstieg dürfte viel eher mit der Krise in Venezuela in Zusammenhang stehen. Die Ausfuhr in die USA, die bis vor kurzem noch Hauptabnehmer des venezolanischen Erdöls war, ist zum Erliegen gekommen. Das Öl geht jetzt nach Indien, China und Singapur. Dies bedeutet, dass sich die USA anderweitig um Öllieferungen bemühen müssen und dies den westlichen Ölmarkt unter Druck setzt. Die Exportrate von Öl aus Venezuela nach Europa fiel von 22 auf 17 Prozent. Auch dies dürfte die Ölpreise in Europa in die Höhe treiben. Libyen für den Ölpreisanstieg verantwortlich zu machen dient nur dazu, den wahren Grund zu verschleiern, nämlich dass der ganze Umsturzversuch in Venezuela ein Schuss ins Knie war – ebenso wie der Regimechange in Libyen. Doch was heißt Knie: Der Schuss sitzt höher.

 A. Gutsche




Dienstag, 9. April 2019



LIBYEN-KURZMELDUNGEN


Die Kurzmeldungen zu Libyen sind der Website www.welt-im-blick.de entnommen und laufen dort unter der Rubrik "Kurz und knapp in zwei Sätzen".
Der Libyen-Krieg stellte den Beginn einer neokolonialen Offensive des Westens gegen Afrika dar. Ihm vorangegangen war 2011 bereits der französische Kampfeinsatz gegen die Elfenbeinküste. Nun ist Syrien das nächste Opfer. Deswegen werden wir auch über diese Konflikte und die westliche Destabilisierungspolitik in Afrika berichten.
Nun wird gegen Venezuela in der gleichen Strategie verfahren wie einst 2011 gegen Libyen.
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Libyen: Neue Kämpfe um die Hauptstadt könnten Nationalkonferenz  und Wahlen verzögern
9.4.2019. Obwohl im Februar der Marionettenpremier von des Westens Gnaden, Fayez al-Seraj und der mächtigste Mann Libyens, der säkulare Warlord Khalifa al-Haftar ein Übereinkommen geschlossen hatten und sich darauf einigten, im April diesen Jahres eine Nationalkonferenz unter UNO-Schirmherrschaft zu unterstützen, die Wahlen vorbereiten sollte, steht das Abkommen zwischen den beiden Kriegsherren und die Konferenz inklusive der Wahlen durch Haftars Angriff auf Tripolis am Wochenende generell in den Sternen. Kritiker berichten, daß beide möglicherweise von dem Krieg und der Verhinderung von  Nationalkonferenz und Wahlen profitieren, da letztere mit hoher Wahrscheinlichkeit von Saif al-Islam Ghaddafi, dem Sohn des früheren Staatsoberhauptes, gewonnen worden wären.



Machterhalt: Tschads Präsident schränkt Internet seit Monaten stark ein
8.4.2019. Der tschadische Präsident Idriss Déby, der seit 1990 regiert und Erfolge eher als genialer Militärstratege denn als Politiker vorweisen kann, läßt seit rund einem Jahr große Teile des Internets, besonders soziale Netzwerke und Messengerdienste blockieren, um zu verhindern, daß sich die Opposition darüber organisieren und koordinieren kann. Nur 5% der Bevölkerung haben aber überhaupt einen Zugang zum Internet und damit dies auch so bleibt, sind die Kosten für eine Netzverbindung im Tschad ungefär zwanzigmal so hoch wie in anderen Ländern der Region.



Venezuela: Guaido-Handlager verhaftet, weil er Terroristen angeworben hat
8.4.2019. Roberto Marrero, „Kabinettsdirektor“ und rechte Hand des selbsternannten „Präsidenten“ Juan Guaido, der von den USA und ihren Satellitenstaaten unterstützt wird, wurde vom venezuelanischen Geheimdienst Sebin letzte Woche verhaftet, da er in Guatemala, Honduras und El Salvador Söldner für den Einsatz in Venezuela angeworben hatte. Diese Leute wurden bereits nach Kolumbien überführt, wo sie Kommandoaktionen gegen Caracas trainiert werden.



Libyen: Politisches Team von Ghaddafi jr. knüpft Beziehungen nach Portugal
2.4.2019. Eine Politische Arbeitsgruppe von Dr. Saif al-Islam Ghaddafi, dem Sohn des 2011 von NATO-Söldnern ermordeten libyschen Revolutionsführers, hat unter Vorsitz von Mohamed Boudschaila einen Besuch nach Portugal gestartet und versucht dort politische Bande nach Europa zu knüpfen. Sie traf sich mit dem Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschusses des portugisischen Parlaments und versuchte Portugal für die Unterstützung ihrer Forderung nach baldigsten Wahlen in Libyen zu gewinnen, wobei auch anzunehmen ist, daß diese Kontaktpflege auch dazu dienen soll, Europa an den Gedanken zu gewöhnen, daß möglicherweise bald wieder ein Ghaddafi Libyen regieren könnte.





LNA-Vormarsch kommt ins Stocken und UN drohen


Libyen. Einzelne Gefechte rund um Tripolis. Der UN-Sicherheitsrat tagt. Wird die Nato wiederrum eingreifen? Was steckt wirklich hinter dem Marsch nach Westen?

Es ist der Libyschen Nationalarmee (LNA) unter General Hafter nach Gefechten mit Milizen, die mit der ‚Einheitsregierung‘ in Tripolis unter Sarradsch verbündet sind, nicht gelungen, eine etwa 30 Kilometer westlich von Tripolis gelegene Straßensperre an der Küstenstraße, die Tripolis mit der tunesischen Grenze verbindet, zu halten.
Auch in der westlich von Tripolis gelegenen Stadt Zawija erlitt die LNA einen schweren Rückschlag. Es wurde die Gefangennahme von 145 – andere Quellen sprechen von 128 – LNA-Soldaten durch Sarradsch-treue Milizen vermeldet. Es sollen auch 60 LNA-Fahrzeuge von der Miliz erbeutet worden sein.
Außerdem sind Milizen aus der Stadt Misrata zur Unterstützung der Sarradsch-Regierung nach Tripolis aufgebrochen: „Wir erklären die totale Mobilmachung und den Krieg“.
Es gibt jedoch auch von LNA-Seite Erfolgsmeldungen. Deren Sprecher teilte am Freitag mit, dass die Streitkräfte die Kontrolle über die beiden nahe Tripolis gelegenen Städte Tarhuna und az-Zawija erlangt haben. Bei Kämpfen um die Städte seien fünf LNA-Soldaten gefallen. Auch die Gebiete Qasr ben Ghashir und Wadi al-Rabie am südlichen Stadtrand von Tripolis und nahe des Internationalen Flughafens sollen nun von der LNA kontrolliert werden.
Die Vereinten Nationen
Nachdem sich der UN-Generalsekretär Antonio Guterres am Donnerstag zu Gesprächen mit Sarradsch in Tripolis aufgehalten hatte, traf er am Freitag zunächst in Tobruk mit Aguila Saleh, dem Parlamentspräsidenten, zusammen um anschließend in Bengasi mit dem Oberbefehlshaber der LNA, General Hafter, Gespräche zu führen. Aguila Saleh ist ebenfalls mit Hafter verbündet: Der General war vom libyschen Parlament (Tobruk) zum Oberbefehlshaber der LNA ernannt worden.
Die Nacht zuvor hatte der UN-Generalsekretär in einem stark gesicherten UN-Gebäude in einem Vorort von Tripolis verbracht.
Nach den Gesprächen twitterte Guterres: „Mein Ziel bleibt dasselbe: eine militärische Konfrontation zu vermeiden. Ich bekräftige, dass es keine militärische Lösung für die libysche Krise gibt, sondern nur eine politische.“ Zwischenzeitlich hat ein tiefbesorgter Guterres Libyen wieder verlassen.

Der UN-Sicherheitsrat, der am Freitagabend zu einer geheimen Dringlichkeitssitzung zusammengerufen wurde, hat sich über die militärische Eskalation in Libyen ebenfalls zutiefst besorgt gezeigt. Es rief General Haftar dazu auf, seinen Marsch auf Tripolis zu stoppen. Verbindliche Beschlüsse wurden nicht gefasst.
Die Akteure außerhalb Libyens
Der Sprecher des russischen Präsidenten Putin betonte, dass Russland die Situation in Libyen sehr aufmerksam verfolge und sich für eine friedliche Lösung des Konfliktes einsetze. Moskau beteilige sich nicht an den Aktionen von General Haftar. Alle nur möglichen Anstrengungen sollten weiterhin unternommen werden, um die Situation vollständig auf friedlichem Wege und mit politischen Mitteln zu regeln. Und der russische Außenminister Lawrow erklärte, Russland unterstütze die Roadmap der Vereinten Nationen zur Lösung der Libyen-Krise, nach der es in Libyen eine Nationalkonferenz im April und Wahlen noch in diesem Jahr geben soll.

Die USA, Großbritannien, Frankreich, Italien und die VAE erklärten, sie seien gegen jede militärische Aktion. Jede Fraktion, die weitere Konflikte hervorruft, werde zur Rechenschaft gezogen. Diese Aussagen stellen wirklich den Gipfel der Heuchelei dar. Denn waren es nicht die USA, Großbritannien, Frankreich, Italien und andere Nato-Staaten, die 2011 Libyen in das Chaos bombten, das sie heute mit Krokodilstränen beweinen? Als die von ihnen hochgepäppelten Milizen sich gegen die libysche Armee nicht durchsetzen konnten und zu verlieren drohten, wie schnell setzten sie da militärische Gewalt in Form von hunderten Bombenangriffen ein, um den Regimechange herbeizuzwingen?
Und schon wieder ertönen Drohungen aus den westlichen Ländern. Bei Aussagen wie „es drohen Gefahren für die Zivilbevölkerung in Tripolis“ schrillen alle Alarmglocken. Wäre die Nato wirklich bereit, wieder mit Bomben in einen Bürgerkrieg in Libyen einzugreifen, um ihre Marionettenregierung an der Macht zu halten? Der Aufmarsch der LNA-Militärkolonnen auf dem Weg nach Tripolis wäre ein leichtes Ziel für Nato-Bomben. Ausgeführt wieder einmal unter dem Deckmäntelchen des Schutzes der Zivilbevölkerung. Wohin dieser schon einmal gewährte „Schutz“ im Jahr 2011 Libyen führte, ist zu besichtigen. Der Sturz der damaligen Dschamahirija-Regierung, die Zerschlagung aller Sicherheitsstrukturen und die brutale Ermordung Muammar al-Gaddafis brachten das Chaos, das heute für das am Abgrund stehende und gespaltene Libyen, die Verelendung der libyschen Gesellschaft und das Migrantenelend verantwortlich ist.
Welch absurde Vorstellung, wieder mit Gewalt in Libyen einzugreifen! Bleibt zu hoffen, dass sich Russland und China nicht noch einmal bei Abstimmungen im UN-Sicherheitsrat nur enthalten, sondern den Mut und die Weitsicht aufbringen, sich aktiv jedem Eingreifen von außen in Libyen zu widersetzen. Und Deutschland, das gerade auch den Vorsitz im UN-Sicherheitsrat einnimmt? Man kann davon ausgehen, dass sich unter Außenminister Heiko Maaß Deutschland nicht einmal zu einer Enthaltung wie noch 2011 durchringen könnte. Wird doch gemunkelt, dass unsere Flinten-Uschi als Nachfolgerin von Nato-Generalsekretär Stoltenberg gehandelt wird.
Oder könnten sich doch auch andere Gerüchte bestätigen? Dass die UN im Verbund mit den Nato-Mächten und unter Absprache mit General Hafter und Sarradsch auf der Weltbühne eine große Inszenierung mit exzellenten Schauspielern abzieht, um die Nationalkonferenz und Wahlen wieder einmal aussetzen und verschieben zu können, da Wahlen das sichere Ende der Herrschaft von Sarradsch und Hafter bedeuten werden. Denn für die Libyer gibt es eine sehr viel attraktivere politische Alternative namens Saif al-Islam Gaddafi. Einigermaßen erstaunlich war es ja schon, dass Hafter seinen Marsch auf Tripolis bereits Tage vorher ankündigte, statt auf einen Überraschungscoup zu setzen, bemerkenswert auch, wie das Thema Libyen plötzlich die westlichen Medien beherrscht, wo es doch bisher geflissentlich totgeschwiegen wurde, unglaublich fast, dass sich Guterres genau zum richtigen Zeitpunkt im Land befand, und merkwürdig auch das plötzliche Schwächeln der LNA, die doch so überlegen sein soll. Nicht zu vergessen: Der schillernde General Hafter mit seinem US-amerikanischen Pass und seiner langjährigen Nähe zu Langley/Virginia gilt immer noch als CIA-Mann.
Wie es schon immer war in Libyen. Kaum etwas ist so, wie es nach außen scheint.

A. Gutsche





Marsch auf Tripolis: Update 07.04.2019


Libyen/Tripolis. Flugverbotszone über Westlibyen/‘Einheitsregierung‘ lässt Städte bombardieren/Libysche Armee rückt vor/Tripolis- und Misrata-Milizen starten Gegenoffensive

Während die ‚Einheitsregierung‘ unter Sarradsch vor weiterer militärischer Gewalt warnte, führte gestern fast gleichzeitig ihre Luftwaffe „intensive Luftangriffe“ in der Region al-Azaizija und der Stadt Gharian – etwa 50 km südlich von Tripolis – aus und bombardierte Stellungen der libyschen Armee. Gestartet waren die Flugzeuge vom Flughafen Misrata. Die Stadt Misrata hat auch bewaffnete Fahrzeuge in die östlichen Vororte von Tripolis verlegt. Nachdem die Westmächte vor jeder weiteren militärischen Gewalt warnten, lässt ausgerechnet Sarradsch, ihr Platzhalter in Libyen, Bomben auf libysche Städte fallen!
Als Reaktion darauf wurde noch gestern Abend laut al-Arabiya über dem westlibyschen Luftraum von der libyschen Armee eine Flugverbotszone ausgerufen: „Wir werden jeden Flughafen angreifen, von dem Kampfflugzeuge aufsteigen.“ Diese Drohung dürfte sich vor allem gegen den Flughafen von Misrata richten.
Dessen ungeachtet, startete heute die Luftwaffe der ‚Einheitsregierung‘ unter Sarradsch Angriffe auf einen Militärstützpunkt der libyschen Armee, die diesen nach der Übernahme des internationalen Flughafens von Tripolis dort eingerichtet hatte. Es sei daran erinnert, dass der internationale Flughafen von Tripolis bereits 2014 von Misrata-Milizen zerbombt wurde.
Unterdessen hat die Armee nach Gefechten mit Tripolis-Milizen auch ein Gebiet südlich der Stadt erobert. Während die Armee aus dem Süden und Westen in die Stadt vordringt, haben Milizen der ‚Einheitsregierung‘ den Beginn einer Gegenoffensive angekündigt.
Sarradsch dürfte wegen seiner vielen Skandale und der Entlassung von fünf Ministern kaum noch Rückhalt in Tripolis haben. Auch ob er auf seine Milizen zählen kann, ist mehr als fraglich, da sie auf ausstehende Gehälter in Millionenhöhe warten.
Weder Sarradsch noch Hafter sind an Wahlen in Libyen interessiert, da diese ihnen die Machtbasis entziehen würden. Die Parteigänger von Sarradsch sind Moslembrüder, die in der libyschen Bevölkerung keinen Rückhalt genießen, Hafter wird als CIA-Wiedergänger mit US-amerikanischen Pass betrachtet.
In Tripolis bildeten sich lange Schlangen an Tankstellen und Supermärkten. Die Hauptstadt ist von herausragender Bedeutung für ganz Libyen: Banken, wichtige Institutionen, diplomatische Vertretungen, ein Großteil der Bevölkerung, alles konzentriert sich in Tripolis.
Ausländische Streitkräfte und sonstiges internationales Personal werden aus Libyen evakuiert
US-AFRICOM hat zwischenzeitlich „aufgrund der sich verschlechternden Sicherheitslage“ seine Truppen aus Libyen abgezogen. Dabei soll ein Amphibienfahrzeug zum Einsatz gekommen sein.
Auch der indische Außenminister Sushma Swaradsch gab gekannt, dass das gesamte Kontingent der sogenannten Central Reserve Police Force aus Tripolis abgezogen worden ist.
Der italienische Ölkonzern ENI hat sein gesamtes Personal evakuiert. Ebenso haben die Vereinten Nationen ihre Mitarbeiter aus Tripolis abgezogen.
Das Ausland
Der französische Botschafter wurde von Sarradsch in Tripolis einbestellt, um bei ihm offiziell gegen die militärische Unterstützung General Hafters zu protestieren. Diese Vorwürfe an Paris werden von Italien geteilt. Die EU scheint insgesamt größere Schwierigkeiten zu haben, sich auf eine gemeinsame Linie in Punkt Libyen zu einigen. Alle offiziellen Statements unterstützen einzig die Bemühungen der Vereinten Nationen um eine friedliche Lösung.
Das russische Außenministerium teilte mit, dass der stellvertretende russische Außenminister, Michail Bogdanow, in einem Telefongespräch mit General Hafter die Wichtigkeit betont, die Streitigkeiten mit politischen Mittel beizulegen. Russland unterstütze die Vermittlungsbemühungen der Vereinten Nationen und des UN-Sonderbeauftragten für Libyen, Ghassan Salamé.
Die Afrikanische Union (AU) bekräftigte am Freitag die Notwendigkeit eines von Libyen getragenen Prozesses zur Errichtung einer neuen politischen Führung. Man „appelliere auch an alle externen Akteure, sich nicht in die inneren Angelegenheiten Libyens einzumischen“.

A. Gutsche




Marsch auf Tripolis


Libyen/Tripolis. Die Libysche Nationalarmee (LNA) unter General Hafter stößt auf die Hauptstadt vor. Die ‚Einheitsregierung‘ versetzt ihre Milizen in Alarmbereitschaft.

Ostlibysche LNA-Einheiten unter Führung von General Khalifa Hafter marschieren in Richtung Westen. Am Donnerstagabend bezog die LNA an einer Straßensperre 27 Kilometer vor Tripolis Stellung. Der Kontrollposten war ohne Gefechte eingenommen worden. Auch Tripolis soll weitgehend friedlich übernommen werden.
Der militärische LNA-Vorstoß fällt zeitlich mit der Ankunft des UN-Generalsekretärs Antonio Guterres in Tripolis zusammen, der dort Vorbereitungen für die geplante Abhaltung eines Nationalkongresses Mitte April in Ghadames treffen will. Der UN-Sicherheitsrat in New York wird heute hinter verschlossenen Türen zusammenkommen, um über die Situation in Libyen zu beraten.
Aus der Ölstadt Ras Lanuf (im Golf von Sirte) wurden Panzer- und Truppenbewegungen in Richtung Westen gemeldet und auf LNA-nahen Webseiten Bilder von Militärkonvois der LNA veröffentlicht. Am Donnerstag rückten LNA-Truppen in die 100 Kilometer südlich von Tripolis gelegene Stadt Gharian ein. Wie der Pressesprecher der LNA mitteilte, gilt der Vormarsch der Bekämpfung im Westen noch vorhandener ‚Terrorgruppen‘. Es hieß, man wolle Tripolis nicht um irgendwelcher Posten willen, oder aus Macht- und Geldgier erobern, sondern weil die Hauptstadt für die Würde und das Ansehen des ganzen Landes stehe.
In Tripolis hat die sogenannte ‚Einheitsregierung‘ unter Fajes as-Sarradsch, die von einer ‚internationalen Gemeinschaft‘ anerkannt ist, alle Militär- und Sicherheitskräfte in den Alarmzustand versetzt. Die ‚Einheitsregierung‘ wurde im Dezember 2015 vom Westen installiert und betreibt seither in altbekannter Kolonialmanie den Ausverkauf des Landes. Sie hatte nie Rückhalt innerhalb der libyschen Bevölkerung bzw. der libyschen Stämme und konnte sich ihre Sicherheit nur mit viel Geld von dschihadistische Milizen erkaufen.
2014 brach in Tripolis ein Bürgerkrieg aus, da die Dschihadisten den Sieg der säkularen Kräfte bei den Parlamentswahlen nicht anerkannten und nicht bereit waren, die Macht abzugeben. Daraufhin startete General Hafter in Tripolis mit seinen Militärkräften die „Operation Würde“, die sich gegen die Dschihadisten richtete, deren Milizen sich unter dem Namen libyscher „Fadschr“ (Libysche Morgenröte) zusammengeschlossen hatten. Bei den Kämpfen wurden große Teile der Infrastruktur wie der internationale Flughafen von Tripolis zerstört und immense Umweltschäden angerichtet. Allerdings unterlag Hafter und zog sich ebenso wie das gewählte Parlament und die Regierung in den Osten des Landes zurück. Die dschihadistischen Kräfte installierten in Tripolis eine eigene Regierung, das Land war quasi gespalten. Die UN, die USA sowie die EU unterstützten nun aber nicht die säkularen Kräfte, die nach gewonnenen Wahlen vor der Gewalt der Dschihadisten in den Osten geflüchtet waren, sondern sie unterstützten die Moslembrüder und andere islamistische Kräfte im Westen Libyens, die ihrerseits gute Beziehungen zu al-Kaida pflegten, und aus deren Reihen sich später der eingesetzte Präsidialrat und die ‚Einheitsregierung‘ unter Sarradsch rekrutierte. Unterstützer der Dschihadisten sind auch die Türkei und Katar.
Eine Ausnahme innerhalb der EU bildete Frankreich, das General Hafter und die LNA im Osten des Landes unterstützte. Die LNA bekam auch Unterstützung von Ägypten, aus genereller Abneigung der as-Sisi-Regierung gegen die Moslembrüder und der langen gemeinsamen Grenze, sowie von den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Russland legte stets Wert auf die Feststellung, dass es mit allen Seiten verhandle und wurde nun auch von der Ostregierung in Tobruk dazu aufgefordert, auf friedlichem Wege in seiner Vermittlerrolle aktiv zu werden. Die internationale Gemeinschaft wurde gewarnt, Libyen keine Lösung aufzuzwingen, welche die Bevölkerung nicht wolle.
Die LNA soll insgesamt 85.000 Soldaten unter ihrem Kommando haben und über 3.500 Elitesoldaten verfügen. Sie hat auch ihre Luftwaffenbasis in Zentrallibyen verstärkt und ließ auf ihrer Website verlauten, sie zähle auf die Unterstützung von Gruppen innerhalb Tripolis und in den Vororten der Hauptstadt. Die LNA hat den Libyschen Ölhalbmond unter ihrer Kontrolle ebenso wie weite Teile von Südlibyen mit dem wichtigen al-Sharara-Ölfeld sowie das El-Feel-Ölfeld die Stadt Mursuk und im Südwesten.
Für die ‚Einheitsregierung‘ und Sarradsch wird es mehr als eng. Denn auch die Stämme im Westen der Hauptstadt und die Bevölkerung in vielen Stadtteilen von Tripolis dürften sich auf die Seite der LNA stellen, schon allein gezwungen durch die dort herrschenden, entsetzlichen Lebensbedingungen. Die Stadt Zinten im Westen Tripolis‘ in den Bergen gelegen, hat der LNA ihre Unterstützung zugesagt, obwohl ihre Milizen eigentlich der ‚Einheitsregierung‘ unterstehen. Und die LNA hat die volle Kontrolle über den Militärstützpunkt al-Wattiyah, auch im Westen von Tripolis gelegen. Eine weitere machtvolle Stadt in den Bergen namens Rudschban und die kleine Stadt Sorman, 60 km westlich von Tripolis, haben der LNA ebenfalls ihre Unterstützung zugesagt.
Die Stadt Misrata, bis vor kurzem fest an der Seite der Dschihadisten, ist in ihrer Meinung gespalten und wartet vorsichtig ab. Misrata-Milizen haben noch die ehemalige Dschamahirija-Hochburg und zwischenzeitlich vom IS besetzte Stadt Sirte unter ihrer Kontrolle. Sollte es dort zu Scharmützeln mit der LNA kommen, wären sie nicht in der Lage (und vielleicht auch nicht Willens), Sarradsch zu Hilfe zu eilen. Wie viele Milizen in der Hauptstadt selbst tatsächlich bereit sind, sich für eine ‚Einheitsregierung‘, die keine ‚Einheitsregierung‘, sondern immer eine Spaltregierung war, und für die das Ende gekommen scheint, verheizen zu lassen, bleibt fraglich.
Eine Gruppe in der strategisch wichtigen Küstenstadt Al-Khoms, die zwischen Misrata und Tripolis liegt, hat diese Woche ebenfalls ihre Unterstützung für die LNA erklärt. Al-Kohoms hat die Kontrolle über einen wichtigen Kontrollpunkt an der Küstenautobahn auf dem Weg von Misrata nach Tripolis.
Von der Stadt Bani Walid heißt es, sie sei für außerterritoriale Milizen eine ‚no go area‘, weitgehend unabhängig und ungebrochen Dschamahirija-treu. Hier weht wieder bzw. immer noch die grüne Dschamahirija-Flagge der Gaddafi-Zeit. Die Stadt ist den Misrata-Kräften, die für die brutale Ermordung Muammar al-Gaddafis und seine leichenschänderische Zurschaustellung verantwortlich war, in Feindschaft und tiefem Misstrauen verbunden.
Das Bild Libyens zeigt heute ein starkes und umfassendes Netzwerk großer und kleiner Stämme, das außerhalb der offiziellen Politik aufgebaut wurde. Das Netz ist bereit, zugezogen zu werden.
An einem geheimen Ort in Tripolis dürften die Fluchthubschrauber bereitstehen, auch wenn General Hafter ankündigte: „Wer die weiße Flagge hisst, dem passiert nichts“.

A. Gutsche