Montag, 14. Januar 2019




Haftbefehle gegen Belhadsch und Dschadhran


Libyen. Der al-Kaida-Mann Belhadsch und der Kriminelle Dschadhran zählten zu den engsten Verbündeten des Westens beim Sturz der Dschamahirija-Regierung.

Wie am 3. Januar 2019 gemeldet, hat der libysche Generalstaatsanwalt nicht nur einen Haftbefehl gegen Abdelhakim Belhadsch, der auch Chef seiner Wattan-Partei ist, ausgestellt, sondern auch gegen den ehemaligen Kommandanten der Petroleum Facilities Guard (PFG), Ibrahim Dschadhran. Haftbefehle ergingen auch gegen weitere vier Libyer und 31 Personen mit tschadischer Staatsbürgerschaft, die tschadischen Rebellengruppen angehören sollen. Ihnen allen werden gewalttätige Angriffe, kriminelle Machenschaften und die Führerschaft von bewaffneten Gruppen in Libyen vorgeworfen, einschließlich der Angriffe auf Ölterminals, auf den Tinnahint-Luftwaffenstützpunkt sowie anderer Verbrechen im Süden des Landes.
Der Dschihadist Abdelhakim Belhadsch kämpfte seinerzeit für al-Kaida in Afghanistan und im Irak. Vom britischen Geheimdienst MI6 war er anschließend zum libyschen „Freiheitskämpfer“ aufgebaut worden. Zu Zeiten der Dschamahirija wurde Belhadsch und andere Mitglieder der Libyan Islamic Fighting Group (LIFG), die bereits 1995 mit dem Ziel, Muammar al-Gaddafi zu ermorden, gegründet worden war, in Libyen festgenommen. Belhadsch wurde mit Hausarrest bestraft, anschließend wieder frei gelassen. Nach seiner Freilassung bekannte er sich zur Dschamahirija, arbeitete aber weiterhin für den britischen Geheimdienst MI6, der somit einen Fuß in der libyschen Tür hatte. Während des Libyen-Krieges 2011 verantwortlich für Massenmorde an schwarzen Libyern und allen, die verdächtigt wurden, für den Grünen Widerstand gearbeitet oder gekämpft zu haben, wurde er in den USA vom republikanischen Senator McCain als Held ausgezeichnet.
Anschließend spielte er als Oberkommandierender in Tripolis die politische Hauptrolle, tyrannisierte die Bevölkerung und wurde vom Westen als bedeutender „Politiker“ und „Diplomat“ hofiert. Zwischenzeitlich soll er für ein dem IS nahestehendes Dschihadisten-Ausbildungszentrums in Ostlibyen bei der Stadt Derna Koordinationsarbeit geleistet haben. Bis 2015 hatte sich Belhadsch zum Multimillionär gemausert, der seine eigene Flugzeugflotte unterhielt. Die Mittel dafür stammen aus libyschem Volksvermögen. Inzwischen soll sich Belhadsch mit seiner Familie in der Türkei aufhalten. Die ihm zur Last gelegten Verbrechen hat er abgestritten.
Ibrahim Dschadhran[1] saß zur Zeit der Dschamahirija wegen Autodiebstahls im Gefängnis. 2011 kämpfte er gegen die libysche Armee und wurde dafür 2012 von der damaligen Übergangsregierung mit dem Posten des Kommandeurs über die 20.000 Mann starke Petroleum Facilities Guard PFG belohnt. Je nach Gutdünken schloss oder öffnete er die Ölanlagen, um für sich Vorteile zu erpressen und verursachte Libyen damit Ölausfälle in Milliardenhöhe. 2016 wurde der Warlord von der LNA unter General Hafter aus dem libyschen Ölhalbmond vertrieben.
Im Juni 2018 griff Ibrahim Dschadhran mit Unterstützung der dschihadistischen und al-Kaida nahestehenden Verteidigungsbrigaden von Bengasi (BDB) und Söldnern aus dem Tschad die Öl-Anlagen Ras Lanuf und Sidra im Nordosten Libyens an und versucht, den Ölhalbmond wieder unter seine Kontrolle zu bekommen. Zwei Rohöltanks standen in Flammen, die Schäden für die libysche Ölindustrie waren katastrophal. Die Libysche Nationalarmee unter General Hafter konnte die Ölterminals zurückerobern. Ibrahim Dschadhran ist eine der schillerndsten Figuren auf der politischen Bühne Libyens.

https://www.libyanexpress.com/libyas-public-prosecutor-issues-arrest-warrants-of-belhaj-and-jadran/
https://www.libyaobserver.ly/news/attorney-general-lists-jadhran-belhaj-wanted-list-latter-denies-charges

 A. Gutsche


[1]    https://www.freitag.de/autoren/gela/ibrahim-dschedhren-und-seine-pfg

Donnerstag, 10. Januar 2019

Erneuter Selbstmordanschlag mit Toten


Libyen/Fessan. Im Süden Libyens starben erneut drei LNA-Soldaten. Der Anschlag erfolgte nach einer  Befreiungsaktion von libyschen Geiseln aus der Gewalt des IS.

Am Neujahrstag sprengte sich nahe der Polizeistation der Stadt Ghadwa (70 km südlich von Sebha) ein Selbstmordattentäter in die Luft und riss dabei drei Soldaten der Libyschen Nationalarmee (LNA) unter dem Kommando von General Hafter mit in den Tod. Ein zweiter Selbstmordattentäter zündete seine Bombe innerhalb der  Polizeistation. Dabei kam außer ihm selbst niemand zu Schaden.

Es könnte sich bei dem Anschlag um einen Racheakt handeln, da die LNA nur einen Tag vorher 22 Libyer nahe Ghadwa befreit hatte, die sich als Geiseln in IS-Gefangenschaft befanden. Sie waren im Oktober bzw. November bei IS-Angriffen in den Orten Fug’ha and Tazerbo entführt worden. Laut der LNA wurden bei der Befreiungsaktion etliche IS-Kämpfer getötet.

Die UN-Sondermission für Libyen hat die Geiselbefreiung begrüßt.

21 
https://africandailyvoice.com/en/2019/01/02/libyan-forces-receives-praise-after-they-freed-20-hostages-captured-radical-militant-group/
https://www.libyanexpress.com/2-suicide-blasts-rock-south-libya-kill-three-and-injure-others/

Angriff auf Militärlager im Fessan

Libyen. Ein Toter, Verletzte und Geiselnahme durch Milizen der tschadischen Opposition.
Mitglieder der militanten tschadischen Opposition haben im Süden Libyens (780 km südlich von Tripolis) am letzten  Donnerstag, 27.12.2018 ein Militärlager der Libyschen Nationalarmee LNA unter General Hafter angegriffen. Dabei wurden ein Soldat getötet und sechs verletzt, sieben Personen wurden als Geiseln genommen – soweit der örtliche Nachrichtensender.
Das Militärlager ist weiterhin unter Kontrolle der Armee. Die Angreifer konnten in die Wüste entkommen.

https://africandailyvoice.com/en/2018/12/28/libya-several-killed-following-chadian-gunmen-militants-attack/


 A. Gutsche

Mittwoch, 2. Januar 2019



Terroranschlag auf das ‚Außenministerium‘ in Tripolis


Libyen. Tote und Verletzte bei einem Selbstmordanschlag 

Nachdem die Angreifer das Feuer am Morgen des 25.12.2018 auf das Gebäude im Zawit-Dahmai-Bezirk eröffnet hatten, sprengte sich einer der Angreifer (nach anderen Angaben zwei) im zweiten Stockwerk des Gebäudes in die Luft, während zwei (bzw. einer) von Sicherheitskräften erschossen wurde. Nach der lauten Explosion, stiegen schwarze Rauchwolken aus dem Gebäude auf. Ein vierter Attentäter soll hinter dem Gebäude eine Autobombe gezündet haben.
Die Attentäter sollen sich als Straßenkehrer verkleidet dem Gebäude genähert haben. Es wird vermutet, dass die Tat dem sogenannten IS zuzurechnen ist.
Neben den getöteten Angreifern gibt es mindestens drei weitere Tote und zehn Verletzte. Unter den Toten befinden sich der Sprecher der neu aufgestellten Tripolis Protection Force und ehemaliges Mitglied der Revolutionsären Tripolis-Brigaden, Abdul-Rahman Mezoughi, und der Direktor der Abteilung für Islamische Angelegenheiten des Außenministeriums, Ibrahim Sheiby.
Das nahegelegene Radisson-Blu-Hotel wurde evakuiert, ebenso im Stadtzentrum gelegene Regierungsgebäude wie ein Büro der National Oil Corporation NOC und das Hauptquartier des Generalstaatsanwalts.
Dies ist der dritte Selbstmordanschlag seit Mai dieses Jahres in Tripolis, neben dem heutigen Anschlag waren die Nationale Wahlkommission und das Gebäude der NOC betroffen.

 A. Gutsche 
 




Besetzung des Scharara- und des El-Feel-Ölfeldes

Libyen. Die Bewegung „Zorn des Fessan“ macht mit Nachdruck auf die verheerende Versorgungs- und Sicherheitslage im Fessan aufmerksam.

Nachdem am 8. Dezember das größte libysche Ölfeld, das Scharara-Ölfeld im Akakus (etwa 750 km südwestlich von Tripolis), von einer Bewegung, die sich „Zorn des Fessan“ nennt, besetzt wurde und die Arbeiten auf dem Ölfeld aufgrund der Blockade eingestellt werden mussten, wurde jetzt auch das Ölfeld El Feel im Südwesten Libyens besetzt.
Die Protestierer wollen mit den Ölfeldbesetzungen ihren Forderungen Nachdruck verleihen, die sie bereits bei der Gründung der Bewegung „Zorn des Fessan“ am 16. November 2018 in Ghat formuliert hatten. In einer Erklärung hieß es: „Niemand hat unsere Hilferufe gehört. Wir haben keine anderen Mittel, um die Regierung auf uns aufmerksam zu machen.“
Unterstützt wird „Zorn des Fessan“ von den südlichen Gemeinderäten, Jugendgruppen, Aktivisten und Institutionen der Zivilgesellschaft und Würdenträgern in der Region. Ihre Solidarität haben die Orte al-Dschafra, Wadi Thabat, al-Kathroun, Albawanis, Ghat, Ubari, Sebha, al-Schati, Bent Bey und andere bekundet. Eine führende Rolle nehmen die Stadt Ghat und der Tuareg-Stammesrat ein.
Hervorgerufen wird der Protest durch die jahrelange prekäre Lage im Fessan. Die Besetzer fordern ein Ende der Untätigkeit des Präsidialrats und der National Oil Corporation (NOC).
Die Forderungen im Einzelnen lauten:
-         Die Sicherheitslage muss verbessert, die Ressourcen des Südens müssen geschützt werden.
-         Die Krankenversorgung muss wieder sichergestellt werden im Hinblick auf die Ausstattung der medizinischen Einrichtungen mit Personal, Medikamenten und Geräten.
-         Die Kraftwerke müssen gewartet und die notwendigen Reparaturarbeiten durchgeführt werden.
-         Die Flughäfen des Fessan müssen wiedereröffnet werden.
-         Den Banken im Süden muss Bargeld bereitgestellt und die Zentralbank im Süden wiedereröffnet werden.
-         Das südliche Raffinerieobjekt muss endlich begonnen werden.
-         Landentwicklungsprojekte müssen ebenfalls umgesetzt werden.
-         Stellenausschreibungen für den Ölsektor sowie Gründung von Ölinstituten im Fessan sollen erfolgen.
Die Bewegung „Zorn des Fessan“ hat sich bei der Bevölkerung entschuldigt: „Wir entschuldigen uns bei den Libyern für eine solche Eskalation, aber die Öl- und Gasförderung wird unterbrochen bleiben, bis unsere Forderungen erfüllt sind.“ Und: „Es lebe das vereinte Libyen!“
Die NOC hat die Besetzung des Ölfelds verurteilt, ein juristisches Vorgehen angedroht und vor den Konsequenzen gewarnt. Das Wachpersonal des PFG (Petroleum Facility Guides) wurde von der NOC scharf gerügt, da sie die Besetzungen zugelassen hatte.
Zwischenzeitlich hat die NOC den „Notstand“ für das Scharara-Ölfeld ausgerufen, um sich vor Schadenersatzansprüchen zu schützen. Scharara ist ein Joint-Venture zwischen NOC, der spanischen Repsol, der französischen Total, der österreichischen OMV und der norwegischen Staoil.

 A. Gutsche 

Samstag, 29. Dezember 2018



LIBYEN-KURZMELDUNGEN


Die Kurzmeldungen zu Libyen sind der Website www.welt-im-blick.de entnommen und laufen dort unter der Rubrik "Kurz und knapp in zwei Sätzen".
Der Libyen-Krieg stellte den Beginn einer neokolonialen Offensive des Westens gegen Afrika dar. Ihm vorangegangen war 2011 bereits der französische Kampfeinsatz gegen die Elfenbeinküste. Nun ist Syrien das nächste Opfer. Deswegen werden wir auch über diese Konflikte und die westliche Destabilisierungspolitik in Afrika berichten.

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Irland: Internationale Konferenz fordert Auflösung der US- und NATO-Militärbasen!
24.12.2018. Wie uns erst jetzt bekannt wurde, tagte am 16.-18. November 2018 in der irischen Hauptstadt Dublin eine "Erste Internationale Konferenz gegen US- und NATO-Militärbasen", an der sich auch die deutsche Kampagne „Stopp Air Base Ramstein“, die sich gegen die US-Basis Ramstein engagiert, beteiligt. Die „Internationale Konferenz“ fordert andere Organisationen, welche sich auch für den Frieden einsetzen, auf, sich dem in Dublin verabschiedeten Appell anzuschließen, in dem die Beseitigung der US-/NATO-Basen gefordert wird, die Ausgangspunkt für zahlreiche Kriege und globale Zerstörungsmaßnahmen sind.





Endlich: Nicaragua schmeißt OAS-Unruhestifter aus dem Land!
24.12.2018. Die sandinistische Linksregierung von Nicaragua hat die sogenannte »Interamerikanische Kommission für Menschenrechte« (CIDH) aus dem Land verwiesen, da diese Gruppierung, die Teil der von den USA dominierten „Organisation Amerikanischer Staaten“ (OAS) ist, falsche Informationen über die Situation in Nicaragua verbreite. Das kleine lateinamerikanische Land wird seit diesem Jahr immer wieder von Unruhen erschüttert, bei denen sich die gewählte Linksregierung unter Daniel Ortega und eine rechtsgerichtete Opposition, die größtenteils von den USA finanziert und zum Regimewechsel aufgestachelt wird, gegenüberstehen, wobei die Organe der OAS, einschließlich ihres senilen Generalsekretärs Luis Almagro, einseitig die Position der Rechten untertsützen und verbreiten.


SPIEGEL-Journalist gesteht erfundene „Reportagen“! Noch Fragen, Lügenpresse?

24.12.2018. Der viermal mit dem deutschen Reporterpreis ausgezeichnete Ex-SPIEGEl-Journalist Claas Relotius hat zugegeben, Reportagen in großem Umfang gefälscht und z.B. darin vorkommende Personen einfach erfunden zu haben, worauf Relotius nun seine Preise zurückgab. Herausgekommen war das Ganze durch mißgünstige Kollegen beim SPIEGEL, doch dies dürfte letztlich nur die Spitze des Eisberges sein und zeigt, wie sehr der Begriff „Lügenpresse“ für die Mainsreammedien gerechtfertigt ist.



Weihnachtsgeschenk von Netanjahu: Aggressor Israel bombardiert syrischen Stützpunkt
29.12.2018. Unter Bruch des Völkerrechts und internationaler Regeln sind Kampfflugzeuge des Netanjahu-Regimes ohne ersichtlichen Grund in den libanesischen Luftraum eingedrungen und haben von dort aus einen syrischen Militärstützpunkt unter Feuer genommen und dabei aber „nur“ ein Munitionsdepot getroffen und drei Soldaten verletzt, weil es der syrischen Luftabwehr gelang, den Großteil der Raketen abzufangen. Israel verletzt schon seit Jahren die libanesische Souveränität und Neutralität, während die Beschwerden Libanons darüber beim UN-Sicherheitsrat folgenlos bleiben.



Rumänien: Ex-Präsident Ion Iliescu wegen „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ angeklagt
29.12.2018. Der undurchsichtige rumänische Ex-Präsident Ion Iliescu (1990-96 und 2000-04), ein gewendetet Kommunist, der heute noch Ehrenvorsitzender der regierenden Sozialdemokratischen Partei (PSD) ist, wird mit drei weiteren hochrangigen Ex-Politikern und Militärs von der rumänischen Justiz wegen angeblicher „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ angeklagt, da sie bei der Dezemberrevolution 1989 durch das Schüren von Ängsten vor „Terroristen“ Straßenkämpfe provoziert hätten, die über 1.100 Menschen das Leben kosteten. Bis heute sind viele Dinge um den Sturz und die Ermordung des nationalkommunistischen Diktators Nicolae Ceaucescu ungeklärt und geheimnisumwittert – fest steht aber, daß westliche Geheimdienste beim Schüren der Unruhen ihre Hände im Spiel hatten, da die Lage in Rumänien (im Gegensatz zu den anderen Ostblockstaaten) im Dezember 1989 immer noch stabil war und das die CIA den in Ungnade gefallenen ehemaligen hohen KP-Funktionär Iliescu gezielt ansprach, ob er sich nicht an die Spitze einer Palastrevolution stellen würde (was er auch tat).
Wie auch im Libyen-Krieg 2011 wurde die Revolution in Rumänien 1989 durch False-Flag-Attentate auf Bürger angeheizt!



Libyen: Innenminister beschuldigt ausländische Geheimdienste, mit dem IS zu konspierieren
29.12.2018. Nach dem Attentat der radikalen Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS), bei dem drei Terroristen diese Woche in das libysche „Außenministerium“ der  vom Westen abhängigen und schwachen „Einheitsregierung“ eindrangen und drei Menschen getötet und 21 weitere verletzt hatten, machte der Innenminister Fathi Ali Bashaga ausländischen Geheimdiensten, die sich in Libyen herumtreiben, schwere Vorwürfe. Einige von Ihnen, darunter auch westliche, aber auch arabische Dienste, stünden in Kontakt mit bewaffneten Gruppen, aber nicht mit der Regierung, so Bashaga in einer Pressekonferenz.




Saif al-Islam Gaddafi – die Hoffnung für Libyen


Libyen. Vieles weist darauf hin, dass sich ein Großteil der Libyer das Regierungssystem der Dschamahirija zurückwünscht und Saif al-Islam bei Wahlen zum Präsidenten gewählt würde.
Wie RT-arabic[1] berichtet, antworteten bei einer Online-Umfrage des libyschen Magazins MandelaLibya, die über zehn Tage durchgeführt wurde und an der 71.065 Personen teilnahmen, fast 92 Prozent auf die Frage, ob man Saif al-Gaddafi bei seiner Kandidatur als Präsidenten mit dem Ziel des Wiederaufbaus des Staates und der Vollendung der in Libyen anvisierten Projekte unterstützen werde, mit „Ja“. Nur etwa acht Prozent stimmten dagegen.
Mag diese Umfrage auch nicht repräsentativ sein, so gibt sie doch ein Stimmungsbild wieder, wie es sich in Libyen immer deutlicher abzeichnet. In einem Land voller Erdöl und Erdgas, in dem es den Menschen an Strom und Treibstoff mangelt und sie über kein Bargeld verfügen können, selbst wenn ein gefülltes Bankkonto vorhanden ist, sehnt sich ein Großteil nach den guten alten Gaddafi-Zeiten zurück.[2] Zeiten, in denen die Libyer ein stolzes Volk waren, stolz auf ihren Reichtum durch die Erdöleinnahmen, die allen direkt zugutekamen und die für den Bau von Wohnungen, Gesundheitsfürsorge und Bildungsprogramme ausgegeben wurden, und von denen nicht wie heute eine korrupte, vom Westen gesteuerten „Elite“ und gewalttätige Milizen profitierten. Die Libyer waren auch stolz auf die Souveränität und Unabhängigkeit ihres Landes, in der die Regierungsform der Dschamahirija für einen gerechten Ausgleich innerhalb der Stammesgesellschaft sorgte. Welch ein Unterschied zu heute, wo Libyen für einen gescheiterten Staat, Armut, Bandenunwesen, Ausbreitung des IS, Migration und völliges Chaos steht.
Diejenigen, die für den Sturz Gaddafis verantwortlich waren und von der jetzigen chaotischen Situation profitieren, fürchten nichts mehr, als dass sich die Situation im Land verändern könnte, wenn sich Saif al-Islam Gaddafi bei einer demokratischen Wahl als neuer Präsident Libyens durchsetzt. Die Aufgaben, die von dem neuen Präsidenten zu bewältigen sind, erscheinen enorm, wovon die wichtigste ist, Libyen wieder zu einem einzigen Staatswesen zusammenzufügen.
RT-arabic weist darauf hin, dass viele ausländische Massenmedien nicht müde werden, Saif al-Islam als „Sohn eines toten Despoten“ (al-Arabiya aus den VAE) zu verunglimpfen, der „sein Volk, seine Nachbarn und Partner“ ins Elend gestürzt habe. Nicht erwähnt wird, dass das Elend mit dem Nato-Krieg des Jahres 2011 über Libyen hereingebrochen ist und dieser Krieg mit den Waffen der VAE befeuert wurde. Auch die französische Presse wie „Le Point“ beklagt, dass der „Sohn eines ehemaligen Diktators“ nach der Macht greife. Als Unterstützer werden hier Moskau und „Beduinen“ ausgemacht.
Dabei hatte sich gerade der vom Westen so verhasste „Diktator“ Muammar al-Gaddafi darüber Gedanken gemacht, wie eine wirkliche Demokratie aussehen könnte. Er sprach sich in seinem Grünen Buch[3] gegen die repräsentative Demokratie aus, weil durch diese Vertretungen der Wille des Volkes verfälscht und das Volk gehindert werde, direkt am demokratischen Prozess teilzunehmen. Echte Demokratie könne nur mittels der Partizipation des Volkes und nicht durch die Aktivitäten ihrer Repräsentanten erreicht werden. Das Parteiensystem stelle einen Missbrauch der Demokratie dar, denn Parteien würden die Gesellschaft spalten. Deshalb müsse alle Herrschaft vom Volk ausgehen. Aus diesem Grund wurde in Libyen ein ausgeklügeltes System von Volkskongressen und Volkskomitees geschaffen, das alle gesellschaftlichen und beruflichen Gruppierungen umfasste.
Auch in Libyen klafften Theorie und Praxis auseinander und es haperte an mancher Umsetzung der ursprünglichen Vorstellungen Gaddafis, die an die tatsächlichen Gegebenheiten angepasst werden mussten. Doch dank mancher Modifikation bietet sich auch heute die Regierungsform der Dschamahirija als Alternative sowohl zu den despotischen Regierungen arabischer Völker als auch zu den repräsentativen, „kapitalistischen Elitendemokratien“[4] an, in denen, sind die Repräsentanten erst einmal im Amt, die Regierten kein Gehör finden, dafür umso mehr Lobbyisten das Sagen haben, und sich die „Elite“ weit über das Volk erhaben dünkt. Nach wie vor stellt die Dschamahirija eine Art  Basisdemokratie dar, maßgeschneidert für eine arabische, moslemische Stammesgesellschaft. Besonders geschätzt wurde an der Dschamahirija, dass die in einem Verbund zusammengefassten Kommunen und Regionen über weitreichende Autonomie verfügten.
Dass dies noch heute viele Libyer so sehen, zeigte sich auch bei einem Treffen libyscher Stammesältester aus verschiedenen Regionen, das im März 2017 in Tunesien stattfand, und an dem auch ehemalige Vertreter der Dschamahirija teilnahmen.[5] Ein damaliges Mitglied hatte im Exil einen libyschen Stämme- und Städterat organisiert, der allein an ins Ausland geflohenen Libyern etwa 20.000 Mitglieder zählen soll. Noch einmal so viele Mitglieder soll es innerhalb Libyens geben.
Saif al-Islam Gaddafi wurde vom libyschen Stämme- und Städterat als Führer anerkannt, was im Hinblick auf die auf Stammesbeziehungen aufbauende, libysche Staatsform ein Zeichen der Kontinuität und des allgemeinen Vertrauens darstellt. Der von ausländischen Mächten verfolgte Plan, Libyen in drei Teile zu zersplittern, wird durch die Rückkehr von Saif al-Islam Gaddafi auf die politische Bühne zunichte gemacht. Souverän setzt er auf die Regierungsform der Dschamahirija, die es vermag, die Stämme in einem gerechten Zusammenspiel zu einen.
Auf der Homepage von Manlibya.com[6] werden die Vorstellungen von Saif al-Islam und seine Visionen für die Zukunft Libyens unter dem Motto „Das Libyen von morgen“ vorgestellt. Hart wird an der politischen Aussöhnung gearbeitet. Es geht dabei um nichts weniger als Freiheit, Toleranz und echte Demokratie für die Stammesgesellschaft, sowie um Selbstbestimmung und Unabhängigkeit von ausländischen Mächten.
Saif al-Islam hat  in seinem bisherigen Leben alle politischen Höhen und Tiefen erlebt: Er studierte in Großbritannien und machte dort seinen Doktor, wurde zu Zeiten der Dschamahirija als Nachfolger seines Vaters in dessen Rolle als oberster Revolutionsführer gehandelt, war 2011 während des Krieges gefangengenommen und in Gefangenschaft gehalten worden, bevor seine ehemaligen Feinde zu neuen Verbündeten wurden und ihm im Rahmen einer allgemeinen politischen Amnestie die Freiheit schenkten. Wie Manlibya schreibt, bemüht sich Saif al-Islam seither, alle Libyer – Araber, Berber, Tibu und Tuareg unter Anerkennung ihrer sprachlichen, sozialen und kulturellen Besonderheiten – zu einen und trotz unterschiedlicher Interessen sowie Stammes- und regionaler Konflikte wieder zusammenzuführen, damit endlich der Wiederaufbau des Landes beginnen kann, seine Reichtümer wieder dem eigenen Volk und den zukünftigen Generationen zugutekommen und ein Leben in Frieden und Wohlstand möglich wird. Libyen solle wieder die Heimat aller Libyer werden, Hoffnung wieder keimen und der Terrorismus besiegt werden. In diesem Sinne müssten Theorie und Praxis auf der Grundlage von gegenseitigem Respekt eine Verbindung eingehen, die humanitäre Entwicklung gefördert und die internationalen Beziehungen zum Vorteil aller gepflegt werden.
Der Artikel in Manlibya nimmt auch Bezug auf die UN-Mission in Libyen, der das Recht abgesprochen wird, sich in interne libysche Angelegenheiten zu mischen. Jede internationale und regionale Einflussnahme, die den Interessen Libyens zuwider läuft, wird zurückgewiesen.
Bruderkämpfe zwischen Libyern widersprächen der Religion und den Bräuchen. „Es fließt libysches Blut, kein Libyer kann mehr in Sicherheit leben und alle leiden unter den gegenwärtigen Umständen. Der Wiederaufbau des Staates und seiner Institutionen unter Berücksichtigung der zeitgemäßen Erfordernisse ist eine notwendige Voraussetzung, dass Libyen weiterhin existieren kann.“[7]
Übrigens feierte Libyen am 24. Dezember den 67. Jahrestag seiner Unabhängigkeit.

Angelika Gutsche


[1]           https://arabic.rt.com/middle_east/989510-90-%D8%A8%D8%A7%D9%84%D9%85%D8%A7%D8%A6%D8%A9-%D9%85%D9%86-%D8%A7%D9%84%D9%84%D9%8A%D8%A8%D9%8A%D9%8A%D9%86-%D9%8A%D9%88%D8%A7%D9%81%D9%82%D9%88%D9%86-%D8%B9%D9%84%D9%89-%D8%B3%D9%8A%D9%81-%D8%A7%D9%84%D8%A5%D8%B3%D9%84%D8%A7%D9%85-%D8%A7%D9%84%D9%82%D8%B0%D8%A7%D9%81%D9%8A-%D8%B1%D8%A6%D9%8A%D8%B3%D8%A7-%D9%84%D9%84%D8%A8%D9%84%D8%A7%D8%AF/#
[2]           https://www.modernghana.com/news/897930/how-deep-libya-misses-qaddafi.html
[3]           Muammar al-Gaddafi „Das Grüne Buch. Die dritte Universaltheorie“

[4]           Rainer Mausfeld „Warum schweigen die Lämmer“, Westend Verlag 2018
[5]           https://de.sputniknews.com/zeitungen/20180404320187341-gaddafi-hilfe-angst/
[6]           http://www.manlibya.com/whois/
[7]           [7] http://www.manlibya.com/whois/


IS-Kämpfer ermorden entführte Geiseln

Libyen. Von den Ende Oktober in Fugaha entführten zehn Geiseln wurden sechs vom IS ermordet.

Wie berichtet, hatten IS-Kämpfer am 28. Oktober 2018 die Polizeistation in Fugaha, einer Ortschaft 650 km südöstlich von Tripolis in dem Gebiet von Dschufra im Fessan angegriffen und dabei fünf Personen getötet sowie zehn junge Männer, Mitarbeiter der Polizeistation und Ortsbewohner, entführt.[1]
Der Vorsitzende des Dschufra-Bezirks, Othman Hasuna, gab jetzt bekannt, dass von den zehn Geiseln sechs ermordet wurden. Wie Hasuna weiter ausführte, habe die Libysche Nationalarmee (LNA) mit dem IS über den Austausch der entführten Geiseln gegen Gefangene verhandelt.
Seit 2017 befindet sich Dschufra unter der Kontrolle der LNA von General Hafter. Dschufra ist ein wichtiger südlicher Knotenpunkt für die Verbindung mit west- und ostlibyschen Städten.
Erst am 23. November hatte der IS die örtliche Polizeistation der ebenfalls im Fessan gelegenen Oasenstadt Tazerbo (nahe Kufra) angegriffen, wobei mindestens neun Menschen getötet wurden, darunter sieben Polizisten. Auch hier wurden mehrere Personen entführt. Die kleine Oasenstadt Tazerbo ist als Teil der „Great-Man-Made-River”-Anlage wichtig für die Trinkwasserversorgung der libyschen Städte im Norden und steht ebenfalls unter Kontrolle der LNA.[2]
Bei diesen Angriffen stellt sich nach wie vor die Frage, woher der IS seine Unterstützung bekommt. Vermutlich spielt dabei die Nähe zum bitterarmen Tschad eine Rolle. Der instabile und zerrüttete Tschad ist inzwischen auf dem besten Weg zum failed state, Rebellengruppen bekämpfen den Langzeitpräsidenten Déby und seine Regierungstruppen. Während bis zum Sturz Gaddafis Libyen lange einen stabilisierenden Einfluss auf den Tschad hatte, scheint zwischenzeitlich der Einfluss Israels größer zu werden. Erst vor wenigen Tagen war Déby auf einen Staatsbesuch in Israel. Es dürfte dabei um den Kauf von Waffen und um militärische Unterstützung gegangen zu sein. Der Tschad beteiligt sich auch unter Führung Frankreichs an der sogenannten G5-Armee, eine Armeeallianz von fünf Sahelländern, die dort gegen den sogenannten IS zum Einsatz gebracht werden soll. Die Bekämpfung des IS dürfte für den Westen allerdings nur als Vorwand dienen, um sich die Bodenschätze des Tschad unter den Nagel zu reißen. Erst kürzlich wurden riesige Goldadern im Tibestigebirge im Grenzgebiet zu Libyen entdeckt. Es handelt sich dabei um ein Stammesgebiet der Tibu ist, die die Goldvorkommen ausbeuten. Um selbst von diesen Goldvorkommen zu profitieren, führt Déby nun einen brutalen Krieg gegen die Tibu, der von der Weltöffentlichkeit weitgehend unbeobachtet bleibt. Daneben werden im etwas weiter nördlich gelegenen Aouzou-Streifen, der zwischen Libyen und Tschad in den 80er Jahren schwer umkämpft war, Afrikas größte Uranvorkommen vermutet. Es wundert also nicht, dass auch AfriCom im Tschad aktiv ist und beispielsweise seine Armeeeinsätze in der südlichen Sahara von der tschadischen Hauptstadt N’Dschamena aus führt.
Um für diese massive westliche Militärpräsenz in den saharischen Wüstengebieten eine Begründung zu liefern, ist die Existenz des Islamischen Staates praktisch unverzichtbar.


 A. Gutsche