Dienstag, 4. September 2018



LIBYEN-KURZMELDUNGEN


Die Kurzmeldungen zu Libyen sind der Website www.welt-im-blick.de entnommen und laufen dort unter der Rubrik "Kurz und knapp in zwei Sätzen".
Der Libyen-Krieg stellte den Beginn einer neokolonialen Offensive des Westens gegen Afrika dar. Ihm vorangegangen war 2011 bereits der französische Kampfeinsatz gegen die Elfenbeinküste. Nun ist Syrien das nächste Opfer. Deswegen werden wir auch über diese Konflikte und die westliche Destabilisierungspolitik in Afrika berichten.

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NATO-Staaten haben mit Libyen-Krieg die Destabilisierung ihrer eigenen Gesellschaften eingeleitet
4.9.2018. Die Libyen-Expertin Angelika Gutsche schreibt auf dem Blog „Frieden für Libyen“: „Die zweitgrößte Militäroperation der NATO war der Angriff auf Libyen, wo sie unfassbare 14.200 Bombeneinsätze mit hochexplosiver Munition durchführte und dadurch sowohl die Infrastruktur des Landes als auch ganze Städte zerstörte. Die direkte Auswirkung der Verwüstung Libyens und der Zerstörung seiner staatlichen Infrastruktur ist die gewaltige, ungehinderte Massenflucht, insbesondere aus Westafrika, durch Libyen hindurch und in Booten über das Mittelmeer. Dies hat nicht nur zu erschütternder Ausbeutung und zum tragischen Tod vieler Migranten geführt, sondern auch die Regierungen der europäischen NATO-Staaten und deren öffentlich geäußerte politische Gesinnung grundsätzlich geschwächt. Dadurch erlebt rechter Populismus in vielen Teilen der EU einen Aufschwung. Kurz gesagt: Durch die Zerstörung Libyens haben sich die NATO-Mitglieder selbst destabilisiert.“




Demokratische Republik Kongo: Polit-Urgestein Antoine Gizenga nicht zur Präsidentenwahl zugelassen
1.9.2018. Die kongolesische Wahlbehörde, die unter der Fuchtel des jetzigen Machthabers Joseph Kabila (seit 2001 im Amt) steht, hat mehrere prominente Politiker nicht als Präsidentschaftskandidaten zugelassen, darunter den früheren Premierminister Antoine Gizenga (2006-08), der mittlerweile um die 90 Jahre alt sein dürfte. Gizenga ist ein Antiimperialist alter Schule, Gründer der Partei der Vereinigten Lumumbisten (PALU) und war schon Anfang der 60iger Jahre Koalitionspartner und stellvertretender Regierungschef unter Kongos Unabhängigkeitsheld Patrice Lumumba, nach dessen Sturz und Ermordung er in in der Provinzhauptstadt Stanleyville (heute Kisangani) zeitweilig eine linke Gegenregierung installierte.





Weltweites Gejammer über Tod eines Kriegsverbrechers
1.9.2018. Nach dem Tod des 81-jähriges rechtsreaktionären US-Senators und Trump-Gegners John McCain, der in vielen Nachrufen als „ehrenwerter und aufrechter Republikaner“ bezeichnet wurde, überschlugen sich Politiker und Massenmedien in peinlichem und anbiederndem Gejammer über diesen angeblich schmerzlichen Verlust. Kein Wort davon, daß McCain im Vietnamkrieg als Kampfpilot Zivilisten bombardierte und später als ein einflußreicher republikanischer Strippenzieher beteiligt war an Umsturzversuchen gegen gewählte Staatsoberhäupter, die den USA nicht passten (Hugo Chavez in Venezuela, Jean-Bertrand Aristide in Haiti, Mwai Kibaki in Kenia und Viktor Janukowitsch in der Ukraine) sowie daß er an der Anzettelung des „Arabischen Frühlings“, der eine ganze Region ins Chaos stürzte, mitwirkte.





Schwere Kämpfe um die Hauptstadt Tripolis

 Libyen. Die Tarhouna-Miliz steht kurz vor der Rückeroberung der Hauptstadt Tripolis

Vor etwa vier Tagen brachen Kämpfe in den südlichen Bezirken der Hauptstadt und den südlich von Tripolis gelegenen Gebieten zwischen der Miliz Revolutionäre Tripolis-Brigaden und der Kani-Brigaden aus Tarhouna (auch Siebte Infanteriebrigade oder Tarhouna-Miliz unter Führung der Kani-Brüder) aus. Die Tarhouna-Miliz versuchte, von der Tripolis-Miliz eingenommenes Terrain und übernommene Checkpoints zurückzuerobern. Beide Milizen unterstanden nominell der ‚Einheitsregierung‘ in Tripolis, allerdings hat die ‚Einheitsregierung‘ mittlerweile die Verbindung zur Tarhouna-Miliz gekappt und Angriffe auf Ziele in Tarhouna geflogen.
Trotz eines zwischenzeitlich vereinbarten Waffenstillstands konnten die Kämpfe nicht eingedämmt werden, sondern breiten sich immer stärker über das ganze Stadtgebiet aus. Milizen unterschiedlicher politischer Couleur aus verschiedenen Städten und Gebieten sind inzwischen in Tripolis eingetroffen und beteiligen sich ebenso wie die Großen Stämme auf Seiten der Tarhouna-Miliz an den Kämpfen. Der Mitiga-Flughafen bei Tripolis wurde geschlossen, nachdem mehrere Geschosse eingeschlagen waren. Auch die Straße zum Internationalen Flughafen von Tripolis ist umkämpft, ein Treibstofftank war leck geschossen, konnte inzwischen aber abgedichtet werden. Auf dem Flughafengelände steigt Rauch auf. Viele Zivilisten versuchen, aus den am stärksten umkämpften Gebieten zu fliehen.
Die Tarhouna-Miliz, der es laut Augenzeugenberichten gelingt, immer weiter in das Stadtgebiet vorzudringen, hat in einer Stellungnahme bekanntgegeben, sie werde innerhalb des Stadtgebiets keine Geschosse abfeuern, um die Zivilbevölkerung zu schützen und Schäden zu vermeiden. Zwei Missiles, die auf die italienische Botschaft und das Büro des ‚Premierministers‘ abgefeuert wurden, sind stattdessen in ein Nobelhotel eingeschlagen. Die Tarhouna-Miliz macht für die Einschläge, die im ganzen Stadtgebiet niedergehen, die Tripolis-Milizen verantwortlich, die angesichts der drohenden Niederlage verzweifelt zu den letzten Mitteln greifen. Die Tarhouna-Miliz fordert die Auflösung sämtlicher Tripolis-Milizen: „Die Militäroperation zielt darauf ab, Tripolis von korrupten Milizen zu säubern, die ihren Einfluss nutzen, um von den Banken viele Millionen Dollar zu erhalten, während die normalen Menschen vor den Banken nächtigen, um nur an wenige Dinar zu kommen."
Die Straße zum Flughafen und ein Militärlager, das bisher unter der Kontrolle einer Misrata-Miliz stand, konnten von der Tarhouna-Miliz übernommen werden. Es heißt, die Tripolis-Milizen gäben ihre Stellungen auf und würden aus dem Stadtgebiet fliehen.
Im Ruwaimi-Gefängnis waren bei einer Massenpanik die Türen aufgebrochen worden. Etwa 400 Insassen gelang die Flucht.
Inzwischen scheinen Kriminelle die instabile Sicherheitslage auszunutzen und Geschäfte zu plündern. Sarradsch, der zwischenzeitlich als verschwunden galt, soll wieder aufgetaucht sein und den Notstand ausgerufen haben.
Laut der ‚Einheitsregierung‘ sollen seit Ausbruch der Kämpfe 39 Zivilisten getötet und 110 verwundet worden sein.
Die ‚Einheitsregierung‘ steht den Vorgängen in Libyen komplett hilflos gegenüber. Mohamed al-Haddad, Kommandant der Zentralen Militärzone und Oberkommandierender der sog. Nationalarmee der ‚Einheitsregierung‘ in Tripolis, war nach einem militärischen Treffen in Misrata entführt worden. In Misrata herrscht Streit, ob Milizen nach Tripolis zur Unterstützung der Tripolis-Milizen, wie von der ‚Einheitsregierung‘ angefordert, entsandt werden sollen. Inzwischen wurde al-Haddad verletzt wieder aufgefunden.
Bemerkenswert, dass genau am 1. September, dem Jahrestag der Al-Fatah-Revolution des Jahres 1969, die Rückeroberung von Tripolis begann.

A. Gutsche

https://www.libyaobserver.ly/news/summary-saturday-fighting-southern-tripoli
https://www.libyaobserver.ly/news/here-what-we-know-about-southern-tripoli-clashes
https://www.libyaherald.com/2018/09/02/ceasefire-breaks-down-as-militia-fighting-reignites-and-indiscriminate-shelling-continues-in-tripolis-militia-war/
https://www.libyaobserver.ly/news/judicial-police-confirms-mass-escape-ein-zara-prison

Montag, 27. August 2018



45 Libyer zum Tode verurteilt

Libyen/Tripolis. Wie das libysche ‚Justizministerium‘ (Tripolis) mitteilte, hat das Appelationsgericht 45 Personen zum Tode durch Erschießen verurteilt. Der Oberste Rat der Stämme und Städte verurteilt diesen Richterspruch.

Den zum Tode Verurteilten wurde vorgeworfen, am 21. August 2011 auf Demonstranten geschossen zu haben. Im August 2011 war es zu Kämpfen nahe des Abu-Slim-Viertels gekommen als ‚Aufständische‘ versuchten, in das Stadtviertel einzudringen.
54 weitere Libyer wurden von dem Appelationsgericht zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Von den insgesamt 128 angeklagten Personen wurden 99 verurteilt, 22 freigesprochen und einer begnadigt. Drei waren im Gefängnis zu Tode gekommen, zu drei weiteren waren schon früher Urteile gesprochen worden. Namen wurden nicht genannt.
Am 27. August veröffentlichte das AfricaNewsPortal eine Stellungnahme des Obersten Rats der libyschen Stämme und Städte. Da es sich um ein ‚unfaires Urteil‘ handle, werde der Hohe Gerichtsrat aufgefordert, zu intervenieren. Die Gefangenen, die seit mehr als acht Jahren unter Anklage stünden, hätten im Jahr 2011 ausschließlich ihre Aufgaben und Pflichten im Rahmen des Militärdienstes erfüllt.
Der Rat äußerte sein Bedauern darüber, dass ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, als sich die libysche Bevölkerung Hoffnung auf eine nationale Versöhnung mache, die Vergangenheit ruhen lassen wolle und darauf zähle, dass alle politischen Gefangenen freikämen, dieses Urteil gefällt wurde, das auch im Widerspruch zu dem vom Parlament verabschiedeten Amnestiegesetz stehe.
Der Rat forderte die Parlamentsmitglieder auf, sich gegenüber dem Volk verantwortlich zu zeigen und auf die Umsetzung der von ihnen erlassenen Gesetze zu dringen. Das Justizministerium der ‚Einheitsregierung‘ solle ebenfalls eingreifen, um diesem Unrechtsspruch, der gegen die Interessen des Landes gerichtet ist, entgegenzutreten.
Der Rat rief alle libyschen Stämme und Städte dazu auf, dem Unrecht Einhalt zu gebieten, das ihren Angehörigen, die seit über acht Jahren schuldlos in den Gefängnissen sitzen, droht. Sie sollten sich an die Würdenträger und Ältesten in der östlichen Region wenden, die an der Verabschiedung des Amnestiegesetzes mitgearbeitet haben, und dessen Umsetzung überwachen.

Auch die UN-Sondermission für Libyen zeigte sich in einer kurzen Stellungnahme über die Todesurteile ‚besorgt‘. Der LibyaHerald verweist darauf, dass bisher noch kein einziges von Gerichten in Tripolis gefälltes Todesurteil gegen Gaddafisten vollstreckt wurde.


A. Gutsche
 

https://www.libyanexpress.com/45-persons-sentenced-to-death-over-killing-of-2011-revolution-demonstrators/
https://www.libyaherald.com/2018/08/17/un-concerned-by-death-sentences-passed-on-45-pro-qaddafi-killers-of-2011-revolution-supporting-protestors/

Dienstag, 21. August 2018



Konferenz der Libyschen Nationalversammlung

Libyen. Unter dem Motto „Ein Land für alle“ (One Country Accomodates All) stellt die Libysche Nationalversammlung der Gaddafi-Aktivisten eine neue Roadmap als Ergänzung des Aktionsplans des UN-Sondergesandten für Libyen vor.

Die Libysche Nationalversammlung der Gaddafi-Aktivisten (Libyan National Gathering) hat am 15. August ihre zweite Konferenz in Tripolis abgehalten[1]. Es wurde angekündigt, Kandidaten für die kommenden Wahlen aufzustellen. Weitere Beschlüsse zur „Rettung des Landes“ wurden gefasst.
Unter dem Motto „Ein Land für alle“ wurden alle libyschen Akteure dazu aufgerufen, gemäß der Roadmap zu handeln. So sollen neue Gesprächskanäle eröffnet werden, die einen umfassenden Konsens zwischen den verschiedenen sozialen Gruppen und Parteien ermöglichen.
In der Abschlusserklärung der Konferenz heißt es: „Wir fordern eine nationale Konferenz, zu der alle Libyer eingeladen sind, um eine Versöhnung im Interesse des Landes herbeizuführen. Institutionen wie die Zentralbank, Sicherheitsstrukturen und Militär sollen vereinheitlicht werden. Dies würde die Spaltung des Landes beenden.“
Gefordert wurde auch eine Verbesserung der Lebensbedingungen für die Menschen in Libyen. Es müsse wieder ausreichend Bargeld im Umlauf sein, die medizinische Versorgung und die Ausbildungssituation müsse verbessert werden. Das Komitee wurde beauftragt, Gespräche mit den Konfliktparteien zu suchen, um einen Konsens zur Beendigung der Feindseligkeiten zu finden. Zusätzlich soll eine politische Kampagne sowie eine Medienkampagne gestartet werden, um den Libyern ihr Recht auf ein Referendum über eine Verfassung ins Bewusstsein zu rufen.
Weiter heißt es in der Abschlusserklärung: „Alle Vertriebenen müssen ohne Auflagen in ihre angestammte Heimat zurückkehren können. Die für eine Rückkehr nötigen logistischen und infrastrukturellen Voraussetzungen müssen geschaffen werden.“
Die Freilassung von Gefangenen wurde begrüßt.
Den gegenwärtig politisch agierenden Gremien wurde jede Legitimation abgesprochen, wichtige Entscheidungen und Vereinbarungen treffen zu können, da diese einen Konsens innerhalb der Bevölkerung voraussetzten.


 A. Gutsche




[1] Das erste Treffen der Libyschen Nationalversammlung fand am 15. August 2016 in der Stadt Asaba statt. Das damalige Motto lautete „Nationale Aussöhnung: unser Weg in die Zukunft“

Freitag, 17. August 2018



LIBYEN-KURZMELDUNGEN


Die Kurzmeldungen zu Libyen sind der Website www.welt-im-blick.de entnommen und laufen dort unter der Rubrik "Kurz und knapp in zwei Sätzen".
Der Libyen-Krieg stellte den Beginn einer neokolonialen Offensive des Westens gegen Afrika dar. Ihm vorangegangen war 2011 bereits der französische Kampfeinsatz gegen die Elfenbeinküste. Nun ist Syrien das nächste Opfer. Deswegen werden wir auch über diese Konflikte und die westliche Destabilisierungspolitik in Afrika berichten.

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Iran: Ex-Präsident fordert seinen Nachfolger Rohani zum Rücktritt auf
21.8.2018. Der frühere iranische Staatspräsident Mahmud Ahmadinedschad (2005-13), der unter Hausarrest steht, weil man ihm die Organisation von Protesten in diesem Jahr vorwirft, hat in einer Videobotschaft von seinem Nachfolger, Scheich Hassan Rohani, gefordert, sein Amt an den Nagel zu hängen, da dessen politischer Kurs, alles auf Gespräche und eine wirtschaftliche Annäherung an den Westen zu setzen, gescheitert sei, zumal er das Sanktionsumgehungssystem von Ahmadinedschad aufgegeben habe. Rohani gehört dem wirtschaftsliberalen und gesellschaftspolitisch gemäßigten Lager an („Reformer“) und der antiimperialistische Populist Ahmadinedschad dem stärker sozial ausgerichteten, gesellschaftlich aber erzkonservativen Teil des Systems - er machte sich aber beim konservativen Establishment unbeliebt, als er versuchte, eine dritte Strömung aufzubauen, die das nationale Element stärker betont an Stelle der Religion.





Venezuela: Zehntausende demonstrieren gegen rechte Gewalt und Mordversuch an ihrem Präsidenten

17.8.2018. Am Montag demonstrierten zehntausende Menschen auf einem „roten Marsch für den Frieden“ gegen die Gewalt rechter Terrorgruppen und gegen den Versuch, den demokratisch-sozialistischen Präsidenten Nikolas Maduro zu ermorden, auf den Anfang August mit zwei ferngelenkten Drohnen ein Mordanschlag verübt worden war. Die Hintermänner dieses Anschlages sitzen im rechts regierten Kolumbien und in den USA, doch auch einige einheimische Politiker der US-hörigen Opposition sind darin verwickelt.






Darf man sich freuen, wenn BILD-Hetzer Krebs haben?

17.8.2018. Ja, so geschmacklos titelt das beidseitig bedruckte Toilettenpapier aus dem Hause Axel Springer, die sogenannte „BILD-Zeitung“ und freute sich zynischer Weise darüber, daß „Syriens mörderische Mutter“, die junge First Lady und Gattin des gewählten Präsidenten Bashar al-Assad (für BILD die „Mörderbestie Assad“) an Brustkrebs erkrankt ist. Offensichtlich ist den syphilitisch degenerierten Gehirnen der gottlos verblödeten Lügenbestien bei BILD jeglicher Bezug zu sachlicher Berichterstattung abhanden gekommen!
Wie man sich nur so gehen lassen kann....






Demokratische Republik Kongo: M23-Guerilla wird wieder aktiv
17.8.2018. Nachdem es ein paar Jahre still um die kongolesische Guerilla Bewegung des 23. März (M23), der Nachfolgeorganisation von Laurent Nkundas Nationalkongreß zur Verteidigung des Volkes (CNDP), wurde, gibt es jetzt Informationen, daß die Unzufriedenheit der in ugandischen Lagern demobilisierten Guerilleros so groß geworden ist, daß sie wieder zu den Waffen gegen das unfähige und korrupte Kabila-Regime greifen wollen. Aktuell suche General Sultani Makenga, der Militärchef der M23 nach Waffen und habe Kontakte zum schwerreichen Oppositionspolitiker Moise Katumbi geknüpft, der gern gegen das System Kabila zur Präsidentschaftswahl antreten möchte, dem aber die Einreise verweigert wird. 
Obwohl Kabila eigentlich als Statthalter des Westens zählt, ist dieser mit seiner korrupten Regierung unzufrieden und möchte ihn gern loswerden. Im Jahre 2011 verweigerte er auch der vom Westen unterstützten "Übergangsregierung" in Benghasi die Anerkennung, was aber vermutlich auf Druck seines damaligen Koalitionspartners, der Vereinigten Partei der Lumumbisten (PALU), welche den Premier stellte, passiert sein dürfte.






Ahmed Gaddafi al-Dam: Warnung an die italienische Regierung

Libyen. Ahmed Gaddafi al-Dam warnte die neue italienische Regierung. Es sei ein schwerwiegender Fehler, sich den Wahlen entgegenzustellen.

Am 7. August 2018 gab Ahmed Gaddafi al-Dam, Cousin von Muammar al-Gaddafi und heute Führer der Nationalen Libyschen Kampffront, bei specialelibia.it ein Exklusiv-Interview, das er als Antwort auf die Aussagen des italienischen Botschafters Giuseppe Perrone verstand, der gefordert hatte, die Wahlen in Libyen zu verschieben.
In dem Interview drückt Al-Dam sein Bedauern aus, dass sich die aktuelle italienische Politik wieder bei Anleihen aus der Kolonialzeit bediene. Dabei wisse man doch, dass der Kolonialismus gescheitert ist. 2011 habe Italien sein Versprechen gebrochen, Libyen nicht anzugreifen. Das Land sei bombardiert und Libyen zerstört worden. Trotz Warnungen greife Italien jetzt wiederum in die Mottenkiste des Kolonialfaschismus‘. Italien meine, Libyen wieder zu einer italienischen Kolonie machen zu können und habe Kriegsschiffe und Soldaten nach Tripolis, Misrata und Dschafra entsandt.
Al-Dam zeigte sich enttäuscht von der neuen italienischen Regierung. So habe Italien angefragt, ob es Land zur militärischen Nutzung in Libyen erwerben könne. Ebenfalls forderte es Immobilien zurück, die es in der Kolonialzeit besaß. Das sei lächerlich. Der italienische Verteidigungsminister habe sich einer speziellen Sprache bedient und auch die jüngsten Äußerungen des italienischen Botschafters würden Befremden auslösen. Italien stünde es nicht zu, eine Verschiebung der Wahlen in Libyen zu fordern. Dies stelle eine erneute Respektlosigkeit dar. Italiens Jugend habe mit friedlichen Protesten auf den Straßen dagegen protestiert.
Er habe wiederholt davor gewarnt, dass das Libyen von heute nicht mehr das Libyen von 1911 ist. Generationen von Libyern seien in der Gaddafi-Zeit zu stolzen Bürgern herangewachsen, die sich nun darauf vorbereiten, dass Libyen wieder helleren Zeiten entgegengeht. Doch die dumme italienische Politik lasse wieder bittere Erinnerungen hochkommen. „Friedliche Proteste und weiße Fahnen werden in allen Städten und Dörfern so lange zunehmen, bis eine aufrichtige Entschuldigung erfolgt. [...] Ich warne Ihren Botschafter, die Proteste dutzender junger Menschen, wie bereits geschehen, ins Lächerliche zu ziehen. Und ich warne die italienische Regierung: Die Zeit vergeht schnell und das, was heute noch machbar wäre, dafür kann es morgen bereits zu spät sein. Das heutige Libyen der Schwäche, der Demütigung und des Schweigens geht zu Ende. Wir haben das Potential und die Verbündeten. Wir verteidigen unser Recht auf Leben. Ich appelliere an das italienische Volk, unseren Freund und Nachbarn, sich uns anzuschließen, um keine große Enttäuschung erleben zu müssen.“
„Wir sind Menschen. Wir sind heimatlos aufgrund eurer Aggression des Jahres 2011, die uns in diese verheerende Lage versetzte. Wir sind weder Öl- oder Gasfässer, noch sind wir dazu da, ausländischen Nationen als Austragungsort ihrer Konflikte zu dienen. Wo sind Zivilisation, Sicherheit, Werte und Demokratie der Vereinten Nationen?“
Von 1969 an[1] habe Libyen 42 Jahre lang seine Ressourcen selbst kontrolliert und das Mittelmeer sicher geschützt. Bis zum NATO-Krieg 2011, der nicht einmal erklärt wurde, habe es Gutes für den afrikanischen Kontinent geleistet und in Frieden mit allen Nachbarstaaten gelebt. Libyen habe den kriegerischen Angriffen acht Monate widerstehen können. Dies werde in die Geschichtsbücher eingehen.
„Ich weiß, dass diese Worte schmerzen. Ich möchte direkt mit Ihnen darüber sprechen, auch wenn ich weiß, dass der libysche Außenminister unsere Position bereits erklärt hat. Ich möchte das befreundete italienische Volk hören und erwarte Ihre Antwort.“
https://specialelibia.it/2018/08/07/esclusiva-ahmed-gaddaf-al-dam-si-rivolge-al-popolo-italiano-non-siamo-solamente-barili-di-petrolio-e-gas-stiamo-soffrendo/

A. Gutsche 


[1] A.d.Ü.: Revolution und Machtübernahme Gaddafis

Dienstag, 14. August 2018



Tawerga-Stamm erneut Opfer von Milizen


Binnenflüchtlinge aus der Stadt Tawerga, die in einem Flüchtlingslager in Tripolis untergebracht waren, wurden am 10. August von einer dschihadistischen Miliz überfallen.

Laut Amnesty International verschafften sich Bewaffnete zu nachtschlafender Zeit mit Gewalt Zugang zu den Unterkünften der Binnenflüchtlinge, stahlen Geld und Haushaltsgegenstände und entführten 77 Männer und einen 13-jährigen Jungen. Unter Drohungen wurden die restlichen Bewohner gezwungen, das Lager zu räumen.
AI fordert, die Entführten sofort freizulassen. Die Bewohner müssten vor weiterer Gewalt geschützt und die Täter zur Verantwortung gezogen werden. Den Menschen aus Tawerga müsse eine sichere Rückkehr in ihre Heimatgemeinden ermöglicht und die dortige Infrastruktur wiederhergestellt werden.
Auch der UN-Sonderbeauftragte Ghassan Salamé verurteilte die Vertreibung aufs Schärfste: „Ein Flüchtlingslager stürmen, Häuser zerstören und die Menschen zur Flucht zwingen, das verletzt die Menschenwürde und das Recht auf Schutz, das ihnen nach den internationalen Menschenrechten zusteht.“ Die bei der Aktion Entführten müssten unverzüglich frei gelassen werden.
Misrata-Milizen vertrieben 2011 die Bewohner von Tawerga und verhindern seitdem, dass diese in ihre angestammten Heimatgebiete zurückkehren können.

A. Gutsche


Siehe auch meinen Blogbeitrag vom Februar 2018: https://www.freitag.de/autoren/gela/der-hilfeschrei-des-tawerga-stammes