Kraftstoffschmuggel im großen Stil
Libyen. Wie libysche
Milizen, maltesische Schmuggler und italienische Mafia das Land ausräubern.
Auf beschlagnahmten Konten in Malta wurden hunderte
Millionen Euro entdeckt, die vermutlich aus Schmuggelgeschäften mit Kraftstoffen
aus Libyen stammen.
Bereits im Oktober letzten Jahres wurde darüber berichtet, welchen
gewaltigen Umfang der Treibstoffschmuggel zwischen Italien, Malta und Libyen erreichte
und wie er funktioniert. Laut Berichten des britischen Petroleum Economist[1]
sollen neun Prozent des in Italien verkauften Sprits aus libyscher
Schmuggelware stammen. Da es in Libyen an Raffineriekapazitäten mangelt,
verschifft Libyen Rohöl nach Italien, von wo die raffinierten Ölprodukte zurück
nach Zuwara (Zawija), dem größten westlichen Ölhafen, gehen. Ein beträchtlicher
Teil des Sprits wird aber nicht im Land verteilt, sondern mit einer 70 Boote
umfassenden Schmugglerflotte nach Malta gebracht, wo es in größere Schiffe
umgeladen und weiter nach Italien transportiert wurde. Wie die italienischen
Behörden mitteilten, kam es auf Sizilien bereits zu mehreren Festnahmen.
Libyen gibt jährlich 3,3 Milliarden US-Dollar für den Import
von Benzin und raffinierter Produkte v.a. aus Italien aus.[2]
Die National Oil Corporation (NOC)
schätzt, dass 30 bis 40 Prozent des Kraftstoffs, der in Libyen raffiniert oder
aus dem Ausland importiert wird, gestohlen beziehungsweise außer Landes
geschmuggelt wird. Der Schaden, der Libyen durch den Treibstoffschmuggel entsteht,
soll jährlich 750 Millionen US-Dollar betragen.[3]
Seit dem Zusammenbruch der staatlichen Ordnung in Libyen im
Jahre 2011 haben sich dort kriminelle Milizen gebildet, die von maltesischen
Schmugglern und sizilianischen Geschäftsleuten mit Verbindungen zur Mafia
koordiniert werden.
Nun wurden laut der Sunday
Times of Malta[4] bei der Kontrolle verdächtiger
Finanztransaktionen der maltesischen Sata-Bank
„hunderte Millionen Euro“ entdeckt, die vermutlich aus diesem internationalen Schmuggel
mit Treibstoff stammen. Zum Vorschein kam ein Netzwerk bestehend aus dutzenden Strohfirmen,
die mit maltesischen, sizilianischen und libyschen Dieselschmuggelbanden
vernetzt sind. Verborgen hinter Minderheitsbeteiligungen unterhielten sie
Konten auf der Sata-Bank, über die Einnahmen aus kriminellen Unternehmungen
gewaschen wurden. Bereits im Oktober letzten Jahres wurden alle 12.000 Konten
der Sata-Bank gesperrt und einer Überprüfung unterzogen.
Es wurden auch Ermittlungen wegen Wirtschaftskriminalität
gegen Personen aufgenommen, die im Verdacht stehen, diese Geschäfte ermöglicht
zu haben und die auch in Verbindung zu Zigaretten- und Rauschgiftschmuggel
stehen.
Während es den Menschen in Libyen an allem, auch an Sprit,
mangelt, bereichern sich kriminelle Banden am Schmuggel von Kraftstoffen, der
für die libysche Bevölkerung bestimmt ist.
A. Gutsche
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